Ausgabe 
27.9.1902 Erstes Blatt
 
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* Spar- und Leihkasse. Wie auS der heutigen Bekanntmachung hervorgeht, beabsichtigt die hiesige Spar­und Leihkasse den Zinsfuß für Einlagen vom 1. Januar 1908 ab, auf 3»/, Prozent zu ermäßigen. Es ist selbstverständlich, daß demzufolge auch eine Ermäßigung deS Zinsfußes für die Schuldner der Kaste eintreten wird, wahr- scheinlich auf 4% Prozent.

st. Bedenkliche Risse und Senkungen zeigen die an der Bach gelegenen, als Lagerhäuser dienenden Hinter- aebäude der Firma Emil Pistor Nachfolger, die infolge der m jener Gasse vorgenommenen Kanalisationsarbeiten ent­standen sein sollen. Bereits ist ein schuppenartiges Gebäude auf Veranlassung der Stadt geräumt und abgerissen worden. Ein zweites in Holzfachwerk errichtetes Haus, das merklich ins Wanken gekommen ist, ist von zwei Seiten mit Stützen versehen worden, um einem eventuellen Einsturz zu begegnen. Dem äußeren Anschein nach wird auch dieses Gebäude, welches allerdings schon recht altersschwach ausschaut, nieder­gelegt werden müffen.

Offenbach, 26. Sept. In der Stadtverordnetenver­sammlung ist gestern beschlossen worden, mit den Metzgern wegen der von diesen beantragten Aufhebung des Oktrois m Verhandlungen einzutreten. Ferner wurde mit großer Majo­rität beschlossen, daß die Stadt sich mit 10 000 Mark an der Errichtung der hessischen Hypothekenbank be­teiligen soll.

WormS, 26. Sept. Wegen der in der gestrigen Volkszeitung* gegen das Präsidiunr der Handelskammer gerichteten Angriffe wird, wie dieWorms. Ztg.* mitteilt, gegen das Blatt Strafantrag gestellt werden.

Vermischtes.

* Aachen, 26. Sept. Der kürzlich verstorbene Kom­merzienrat Hasenclever vermachte der Stadt Aachen zu ge­meinnützigen Zwecken 100 000 Mark.

Leipzig, 26. Sept- Vor einem Bankgeschäft hielt bei Geschäftswagen einer Fabrik, in dessen fest verschlosse­nem Kasten sich zwei Säcke mit 17 000 Mark in Gold befanden. Diese beiden Säcke wurden von der Straße weg von bisher nicht ermittelten Personen e n t w e n d e t, nach­dem der Wagenkasten mit einem Nachschlüssel geöffnet wor­den war. Tie preußische Regierung hat den Plan des neuen Zentral-Bahnhofes, für Leipzig, des größten der Welt, genehmigt. Tie Kosten des Bahn­hofes sind für beide Regierungen auf 106 Millionen Mark beziffert. Für den Bau sind 12 Jahre vorgesehen.

* Hamburg, 26. Sept. Nach einem eingetroffenen Telegramm traf der heute von Newyork in Plymouth an- aekommene Dampfer der Hamburg-Amerika-LiniePenn­sylvania" am 24. ds. die norwegische BarkBothnia" auf 50 Grad nördlicher Brette und 17 Grad westlicher Länge in sinkendem Zu st and. Deren aus 13 Mann bestehende Besatzung wurde geborgen.

* Stuttgart, 25. Sept- Einen allzu reich­lichen Familienzuwachs hat ein Hausdiener Beck hier erfahren. Seine Frau gebar heute 4 Kinder, drei Mädchen und einen Knaben.

* Bei dem Erdbeben in Kaschgar wurde die große Stadt Artusch zerstört, 667 Personen im Bezirke getötet und über tausend Personen verletzt. Leichtere Erdstöße wurden während der letzten fünf Tage verspürt.

Kunst und Wissenschaft.

Helfiugoer, 26. Sept. Hier bildete sich ein Komitee zum Zweck, gegenüber der Terrasse des Schlosses Kronborg einStand- bild Shakesspeares zu errichten, zu dem der in Rom lebende dänische Bildhauer Hasselries den Entwurf bereits fertig- stellte. Das Komitee, dessen Vorsitzender Oberst Christensen, der Kommandant des Schlosses Kronborg ist, fordert alle Bewunderer Shakesspeares zur Beitragsleistun^ auf.

Universitäts-Nachrichten.

Berlin, 27. Sept. Den Morgenblättern zufolge wurde als Nachfolger des Professors Gerhardt der Prager Kliniker Professor Jatsch von Wartenhorst an erster Stelle vorgeschlagen.

Eisenbahn-Zeitung.

Neuer Schnellzug nach Paris. Ein neuer Schnellzug von Paris wird vom 1. Ott. ab durch geringe Zugverschrebungen auf der Strecke zwischen Coblenz, Trier und Luxemburg bergestellt, er geht über Berlin, Nord­hausen, Cassel, Gießen, Coblenz, Trier, Luxemburg nach Paris. Er wird verkehren ab Potsdamer Bahnhof 7.30 afcenbs, Gießen an 4.53 nachts. Bon hier ab wird der Zug allerdings ein gewöhnlicher Personenzug. Er geht hier 5.8 morgens ab, ist in Coblenz 8.33, dort geht er ab 8.43 morgens, ab Trier 11.25, ab Luxemburg 12.35, an Paris 6.28. Der neue Zug wird also 23 Stunden von Berlin nach Baris brauchen. In umgekehrter Richtung besteht die Ver­bindung bereits.

Im Anschluß hieran sei mitgeteilt, daß derGieß. Anr." in der nächsten Woche wieder seinen bekannten und be­liebten neuen Winterfahrplan herausgeben wird, mit dem unsere Leser hoffentlich auch in Zukunft gut fahren werden.

Gerichtssaal.

M. Gießen, 26. Sept. Strafkammer. Ten Vorsitz führte Landgerichtsdirektor T)r. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Hoos. Ter Spengler Heinrich Schmidt von Fried­berg ist wegen Beleidigung vom dortigen Schöffengericht zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Ter Angeklagte, der im tädlische'n Armenhaus in Friedberg wohnt, lebt nut einer Insassin desselben in Feindschaft und hat derselben vorgeworfen, sie habe in einer gegen ihn verhandelten Privatklagesache einen Meineid geleistet. Die Strafkammer verwarf die von dem Angeklagten gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegte Berufung. Ter in der Zellenstrafanstalt Butzbach inhaftierte Strafgefangene Peter Kampf von Viernheim hat einen Beschluß des Großh. Oberlandesgerichts Darmstadt, durch den sein Antrag auf Wiederaufnahme des Ver- ahrens abgewiesen worden war, mit allerlei Randbemerkungen versehen, in denen er u. a. die Mitglieder des Oberlandesgerichts der Parteilichkeit und Rechtsbeugung bezichtigte. In gleicher Weise ließ er sich in einem Brief an feinen Verteidiger aus. Wegen Be­leidigung wird er zu einer dreimonatlichen Gefängnis- träfe verurteilt. Der Schlosserlehrling Heinrich Hamel von Rainrob hat ein brennendes Spirituslämpchen so nahe unter ein Holzdach gestellt, daß die Flamme das Holz berührte und entzündete. Der Brand wurde rechtzeitig entdeckt und ein größerer Schaden verhütet. Mil Rücksicht hierauf unb auf den Umstand, daß der Angeklagte in sehr jugendlichem Alter steht und von feinem Lehr- herrn das Zeugnis eines ordentlichen Jungen erhält, erkannte das Gericht nur aus eine G e l d st r a f e v o n 5 M k. Der Fuhr­mann Karl Hickel von Lollar Hal aus grober Fahrlässigkeit auf der Franksurterslraße einen Anderen überfahren und demselben Verletzungen an Hand und Schulter zugefügt. Nur durch einen Zufall wurde ein schlimmerer Ausgang verhindert. Tas Gericht nett eine exemplare Bestrafung für angemesten unb verurteilte ben lngeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen. Der Dienstknecht Wilhelm Bretsch von Vilbel ist des im Rück­fall begangenen Diebstahls angeklagt unb wirb unter Annahme mildernber Umstände zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten verurteilt. Der Schuhmacher Heinrich Rink von Hattenrod hat einen Anderen im Streit derart in ben Finger gebissen, baß ber Verletzte 6 Wochen klinisch behanbell werden mußte und über diese Zeil hinaus in seiner Arbeitsfähigkeit erheb­lich beschränkt war und z. Zt. noch ist. Ta der Verletzte an der Entstehung des Streites größtenteils selbst Schuld trug, hielt das Gericht eine G e l d st r a f e für eine ausreichende Sühne und be­maß dieselbe auf 4 0 M k. In der Privatklagesache des Betriebs- beamteii A. Schmetter gegen den Jakob Reh 11. in Lollar hatte das Schöffengericht Gieren den Angeklagten wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 60 Mk. verurteilt. Der Privatbeklagte halte den Privatkläger grundlos der Parteilichkeit und Bestechung be- fchuldigt. TaS Berufungsgericht verwarf die Berufung des An­geklagten kostensällig als unbegründet.

rg. Marburg, 26. Sept. Ter Nachtwächter Wagner m Linglis bei Borken hatte sich am 6. Juli d. I. einen gehörigen Rausch angetrunken. Als er in diesem Zustande seinen Dienst aus­übte, verhastete er ohne jeden Grund einen alten Greis und wollte ihn ins Spritzenhaus stecken, Nachbern sich der Bürger­meister ins Mittel legte, hielt er dennoch seinen Gefangenen fest ilnd fchliig dann mit feinem dicken Knüppel auf ihn ein. Mil Hilfe anderer Leute brachte man schließlich den Nachtwächter von der Straße, damit er nicht weiteres Unheil anslifte. Hierbei er­ging er sich noch in beleidigenden Ausdrücken gegen ferne Vorge- etzten. Das Gericht verurteilte den Nachtwächter wegen seines eigentümlichen Verhaltens zu vier 2R o n a te n und eine Woche Gefängnis.

Berlin, 26.'Sept. Prinz -Stanislaus Radziwill ist durch Beschluß des Amtsgerichts wegen Verschivenduiig entmündigt worden.

hauptet. Gerste Braugerste unverändert, Futrergerfle etwas ruhiger. Hafer etwas matter. Mais fest. Tie heutigen Slolirungen sind: filebromier II 122.50123.50 fDlt Kansas 11 123.50124.50 Mk. Südruss. Weizen 122133 Mk., Saxonska-Weizen 130-132 9RL, Rumän. Weizen 124132 Mk., Rufs. Roggen 100108 Mk., Nuss. Futtergerste 90 Mk. Russ. Hafer Oktober-Schvember-Abldg. 105 bis U 0 Mk Amerikan. Hafer 110 Mk., La-Plata-MaiS rye term» 107 Mk., Mixed-MaiS Dezember Januar-Abladung 91 Mk. per Tonne cif Rotterdam

Märkte.

Bei dein am 16. und 17. Sept. a.c. zu Gießen startgefundenen Markte waren abgetrieben 1217 Stück Rindvieh und 965 Schweine. Ter nächste Markt stndet am 7. und 8. Oktober statt, am letzteren Tage auch Rramermarft.

Gießen, 27. Sept. Ma r k t b e r i ch t. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Pfd. 1,101,20 All.. Hühnereier pr. St. 78 Pfg^ 2Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 00-00 Pfg., Enteneier 0O$fg Käse vr.Sick.5-9Pf.,Kasematte2Slck.50Vsg., Erbsen pr.Liter 19Psg^ Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,60-0,80Mk., Hühner pr. öL 1,001,30 'M!., Hahnen pr. Stück 0,600,85 Mk., Emen pr. etucf 2,002,30 Alk., Gänse pr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsensletsch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbsleisch pr. Pfd. 6870 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50-70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,005,50 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zeittner 3,754,00 Rik., Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Koblenz, 26. Sept. Wegen der Maul- und Klauen­eu che werden alle Viehmärkte des Regierungsbezirks Koblenz aufgehoben, ausgenommen die Märkte der Kreise Wetzlar nnd A11 e n t i r d) en.

Ucncste Mewiuigen.

Lriginaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers.

Gera, 28. Sept. Staatsanwalt Engelhardt trott in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Geh. Staats- rat v. Hinüber.

London, 29. Sept. Das Polizeigericht zu GrayS (Essex) verurteilte den Leutnant der Reserve in der deutsck)en Marine und zweiten Offizier auf dem Hamburger HandelS- chiff Isis, Theodor Hartung, wegen Schmuggelns von 25 Pfund Cigarren zu 860 Mk. Geldstrafe, und da er nicht zahlen konnte, zu einem Monat Gefängnis. Der Ober-Steward wurde zu 4 Monaten aus dem gleichen Grunde verurteilt, da er außer stände war, die Strafe von 1400 Mk. für 50 Pfund Cigarren und einige Spirituosen zu zahlen. , ,

Toledo, 27. Sept. Infolge einer Grubenexploswn ind viele Arbeiter umgekommen oder verletzt.

Rom, 27. Sept. Aus Modica wird weMr ge- meldet: Der untere Stadtteil ist zerstört. Die beiden Ge­birgsbäche Sainte Marie und St. Francois, die durch die Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung fließen, schwollen plötz­lich an und wälzten Schlamm und große Steine mitten ins Land. Tie Wassermassen drangen in die Häuser und rissen Menschen, Möbel, Waren und Tiere mit fort. Acht Häuser sind eingestürzt, viele andere beschädigt. Bisher sind achtzig Leichen geborgen und in den Kirchen ausgebahrt; weitere fünfzig sind schon beerdigt. Die Zahl der durch die Flut Umgekommenen ist immer noch un­gewiß. In Scicly sind zwölf Personen umgekommen. In Cassaro ist alles zerstört. Der in Palazzolo, Acreide, Ferla und Geratana angerichtete Schaden ist sehr groß. Ueberall sind Truppen zur Hilfeleistung herangezogen. Infolge der Zerstörung der Telegraphenlinien fehlen direkte 9tach- richten.

Rom, 27. Sept. Wie hier verlautet, bat der russische Hof Einwendungen gegen das für den Zarenbesuch entworfene Zeremoniell erhoben, weshalb der Gegenbesuch des Zaren beim hiesigen Hofe wieder fraglich gewor­den sei.

Petersburg, 27. Sept. In hiesigen unterrichteten Kreisen lvird bestätigt, daß, falls Deutschland auf einer turzsichtigen Verlängerung der bestehenden Handelsverträge bestehen sollte, die russische Regierung sich genötigt sehen würde, die Handelsverträge mit Deutsch­land zu kündigen.

Newyork, 27. Sept. Es erregt bier Aufsehen, daß der General Körner, der Oberbefehlshaber der chilenischen Armee, ein Bündnis zwis che n Chile und Peru energisch befürwortet. Die Presse beider Länder spricht sich für die Gründung derVereinigtenStaatenvon Südamerika aus.

Höhe der notwendigen Summen kann heute ja kaum an­nähernd bestimmt werden; vielleicht werden von privater Seite ein Kapital von 3400 000 Mk. und außerdem be­trächtliche Mengen von Baumaterial gestiftet werden; der Rest, der annähernd ebenso hoch sein dürfte, wäre dann von der Stadt und cd ent. von einer Lotterie aufzubringen. Wir haben aber noch keineswegs die Hoffnung aufgegeben, daß im entscheidenden Momente ein großher­ziger Kunst - und Menschenfreund die finan- ziellenSchwierigkeitenmiteinemSchlagebe- seitigt.

Wenn, wie wir hier einschalten wollen, das Baukapital acacn Aktien beschafft ist, so ist die Frage, ob das Theater sich rentiert, natürlich von der größten Wichtigkeit. Aber es liegt ja gar lein Grund vor, an der Rentabilität des Theaters zu zweifeln. Voraussetzung ist allerdings, daß in die Wirtschaftsräume ein tüchtiger und kapitalkräftiger "Pächter gefetzt wird, der es versteht, das Etablissement geschickt zu letten. Deswegen ist auch die Forderung von eigenen Restaurationsräumen durchaus gerechtfertigt. Für die Rentabilität ist es ferner von großer Bedeutung, ob der Theaterdircttor von der Stadt angestellt ist oder ob er das Theater pachtet. Erstrebt wird, daß der Direktor angestellt lvird. Das würde auch, wie wir bereits wieder­holt ausführten, für das neue Tcheater das einzig Richtige sein.

Die finanzielle Frage wird indes erst zu erörtern fein, wenn die Projekte für den Bau vorliegen und eine lieber- sicht über die notwendigen Summen gestatten.

In der nächsten Stadtverordnetensitzung wird gelegent­lich der Wahlen für die Kommission zum Städtebund­theater wohl auch die Theaterdaufrage zur Sprache kommen und Herr Bürgermeister Mecum wird vielleicht die Ge­legenheit ergreifen, nähere Mtttcilungen über dies weit- tragende und die Bürgerschaft in höchstem Maße inter­essierende Projekt zu mad)cn. Wir können nur nochmals wiederholen, daß ganz abgesehen von der lokalen Bedeutung, die ein neues Theater für Gießen haben würde, vor allem aus echischen Rücksichten der Bau des Theaters gefordert werden muß. Ein Saal, der nebenbei noch zu allen mög­lichen anderen Zwecken dienen muß, wird eben niemals das Theater ersetzen, niemals den eigenartigen, intimen Reiz auf den Zuschauer auöüben können, den die Bühne ausüben soll, und der das Theater dem Volke zu einem Tempel macht, in dem cs seine Gött-r und seine Helden findet.

Handel uni) Verkehr. Uolliswftlschasl.

Berlin, 26. Sept. In der heutigen Sitzung bes li.cn- tralausfchusses ber Reichsbank bemerkte Präftbent Tr. Koch, baß bie Lage bie gewöhnlichen, durch den sich antünbigenben Herbslbebarf veranlaßten Bewegungen zeige. Tie Wechsel-Anlage insbefonbere überschreite bie vom 23. August um 37 Millionen Alk. Die Gesamtanlage sei mit 908 Mill. Alk. gegen ben 23. August zwar um 49 Millionen höher, aber gegen ben 23. Sept. 1901 um 97 Mill. Alk. kleiner, bie jremben Gelber um 90 Mill. Alk. Da­gegen sei ber seit 4 Wochen um 64 Mill. Alk. verminderte Mctall- oorrat noch um 25 Mill. Mk. größer als im Vorfahre unb gegen 1900 um 135 Mill. Alk. In der letzten Septemberwoche sei eine starke Anspannung unvermeidlich, indessen sei ungeau)tct der Stei­gerung des Diskonts am offenen Markie noch nicht abzniehen, in­wiefern eine Tiskonterhöhung erforderlich sein werde, zumal Gold mehr zu als abstieße und die fremden Wechselkurse günitig ständen. Seitens des Centralausschusses wurde dieser Auffassung allseitig beigepflichtet.

Hannover, 26. Sept. Von der Generalversammlung ber Hannoverschen Brodfabrik würbe ber Abschluß 1901/02 genehmigt, bie Tividende auf 4 pCt. festgesetzt und Techarge erteilt. Tie Aussichten für bas laufende Geschäftsjahr werden als recht günstig bezeichnet.

Ein Konsortium Braunschweiger Banken hat 1 Million Mark 3'/,proz. Braunsch weiger Stadtanleihe zu 99'/« übernommen.

Der Aufsichtsrat ber vereinigten Prnselfabriken Nürnberg wird für bas vergangene Jahr wieder eine Tividende von 11 pCt. vorschlagen.

Tabak. Im Xiaufc der Berichtswoche wurden im badischen Cberlaube ca. 700 Ztr. von Spekulanten an einen Händler m Bruchsal zu Anfang 60 Alk. versteuert verkauft. In 'Mannheim wurden in 1901er Tabak ca. 300 Ztr. Neckarthaler von Spekulant an Händler zu 4445 Alk. umgesetzt. Tas Geschäft m m Rücklicht auf die neue Ernte etwas lebhafter, die guten Qualitäten werden schlank Abnehmer sinden, doch halten die Fabrikanten infolge des schlechten Geschäftsgangs mit dem Einkauf noch sehr zurück. In loser psälzer Einlage irmrben einige Posten zu Anfang 80 'Mk. ver­kauft. Im Laufe ber Berichtswoche würben^ burch Händler die in Händen von Spekulanten liegenden neuen -sandgrumpen je nach Qualität in ber Preislage von 4450 Mk. ausgekauft unb sind dieselben nunmehr in festen Händen. Ter Einkauf in «canbblättem ist beenbet, auch bie Rebut dürfte sehr rafch aufgefanft jein, der Preis für letztere stellt sich je Qualität aui 2434 Mk. In losen pfalzer Rippen geschäftslos, lose feine 9-9.50 Mk., gebündelte 11 vis 11.50 Mk. .

Getreide. Während ber vergangenen Berichtsivoche war bie Stimmung im Getreidegeschäft ziemlich unverändert. Tas An­gebot von Amerika und Rußland mar ziemlich reichlich und auch Rumänieii beginnt wieder, eher Rechnung zu lafien. Tte Preise konnten sich bei regelmäßigen Umsätzen behaupten. Roggen be-

Telephonischer Kursbericht-

Frankfurt m. Jl 27. September 1VU2.

3,/a°/o Reicheanleihe . . 101.90 3'o do. . - . 92.15 a1/.0/, i.oneole .... 102.15 3% do......92.15

3'/2% Hessen .... 99.96 3-6 Oberhessen . . . 99.70 4-6 Oesterr. Goldrente . . 103.00 4',,-6 Oesterr. Öilberrente 101.25 4-6 Ungar. Goldrente . . 103.00 4% Italien. Rente . . . 102.60 4' ,-6 Portugiesen . . . 60.50 i°/ Portugiesen. .... 81.00 156 C. Türken .... .

Türkenlose......121.40

4°/q Griech. Monopol.-Anl. 44.25 4',,-6 äussere Argentiner.

3J/o Mexikaner .... 26.50 4/i /q Chinesen . . . . 91.65 Electric, bchuckert . . . 86.00 Nordd. Lloyd . . . ..

Areditaktien . ... 216.90

Diskonto-Kominandit. . 187.50

Darmstädter Bank . . . 135.90 Dresdener Bank .... 143.40 Beniner Handelsgee. . . 156.60 Oesterr. Staatebahn . . . 158.50 Lombarden.....20.60

Uottbardbahn .... 177.00

Laurahütte...... 203.50

Bochum ... .... 181.20 Hurpener......167.75

Tendenz: ruhig.

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