Ausgabe 
27.3.1902 Zweites Blatt
 
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ftimmung der nochmaligen Durchlochung der Rückfahrkarten Mißbräuche uicht ausschließt, beweist die seltsame Zuschrift eines leider anonym gebliebenenalten Reiseonkels" an die Schles. Ztg.", aus der folgende Sätze mitgeteilt seien:Ich fahre seit langer Zeit jeden Monat öfter die Tour Breslau- Stettin, und zwar löse ich mir in Breslau eine Rückfahrkarte 2. Klaffe nach Stettin. Auf der ersten, und um Auffällig­keiten zu vermeiden, auch manchmal auf der zweiten Station steige ich aus, lasse mir die Fahrtunterbrechung bescheinigen, löse eine einfache Karte nach Breslau und fahre zurück. Mit dem nächsten Zuge fahre ich nach Stettin und löse mir eine Rückfahrkarte nach der Station, wo ich die Fahrt unter­brochen habe. In Stettin gehe ich mit meiner Rückfahrkarte Breslau-Stettin durch die Bahnsteigsperre. Während ich in Stettin meinen Geschäften nachging, fuhr meine Schwester auf eine neue Rückfahrkarte nach dem nächsten Vorort, ließ sich die Fahrtunterbrechung bescheinigen und kam auf ein ein­faches Billet zurück nach Stettin. Jetzt war die Sache auf 45 Tage im Gange. Ich konnte von Stettin nach Breslau auf diese zwei Rückfahrkarten ungehindert fahren, so ost ich wollte, brauchte mir zu diesem Zweck jedesmal nur ein Retourbillet nach dem Vorort von Breslau bezw. Stettin zu kaufen, wo ich die Fahrtunterbrechung auf meinem Retaur- billet Breslau-Stettin bei der Hin- und Rückfahrt mir hatte bescheinigen lassen. Bei meiner Ankunft in Breslau oder Stettin übergab ich meine beiden Rückfahrten für die ganze Reise und die Rückfahrkarte für den Vorort meistens einem Reisefreunde, der denselben Tag durch Lösung einer Rückfahr­karte der Abfahrtsstation bis zur bescheinigten Unterbrechungs- station unbehelligt nach Breslau bezw. Stettin gelangte. Bei der Bahnsteigsperre durste natürlich nicht die Rückfahrkarte Breslau-Stettin abgegeben werden, sondern nur die Vorort­karte. Auf diese einfache Weise habe ich mit einigen Freunden zwei Rückfahrkarten 2. Klasse Breslau-Stettin bezw. Stettin- Breslau innerhalb der 45 Tage bis 32mal benutzt, nur immer mit Lösung der Retourkarten für die genannten Vororte. Eine Revision, die oft genug stattfand, konnte natürlich nichts sinden, denn die Karten waren ja vollkommen vorschrifts­mäßig bescheinigt. Die Reisespeisen stellten sich für uns auch recht gering. Da ich nicht mehr genötigt bin, in dem Um­fange zu reisen, wie bisher, so möchte ich hieruul meine dies­bezüglichen Erfahrungen gern zu Nutz und Frommen der Eisenbahnbehörde veröffentlicht sehen und will verraten, daß diese Art, billig zu reisen, eine viel größere Ausdehnung ge­wonnen hat, als sich die Bahnverwaltuug träumen läßt. Jetzt soll die Hinfahrt durchlocht werden; dies schützt bei weiteren Reisen aber auch nicht, denn der Reisende kann sich in einem Vororte eine Karte lösen, die er durchlochen läßt und da­durch so billig reift und so betrügerisch wie bisher ich und meine Freunde.»

tt Lollar, 26. Marz. Die neue Bahnstrecke nach Lon­dorf ist bis auf den Anschluß an das Hauptgleffe der Main- Weser-Bahn, womit man jetzt beschäftigt ist, fertig gestellt, sodaß die Eröffnung der neuen Linie mit Beginn des Sommer- fahrplans erfolgen kann. Wie man hört, soll auch das hiesige Stationsgebäude in Kürze durch einen Umbau eine Erweiterung erfahren. Der Zugang zu den Zügen erfolgt in Zukunft durch eine Unterführung, deren Herstellung bereits in Angriff genommen wurde.

-t- Beuern, 26. März. Am Chavfreitag Nachmittag, 1/22 Uhr beginnend, bringt der hiesige evangelische Kirchen­gesangverein .Succos Oratorium: Heör Gott, du bist unsre Zuflucht für und für rc. für Chor, Soli, Gemeinde­gesang und Orgel in der hiesigen Kirche zur Aufführung. Ter Eintritt in die Kirche ist frei, doch werden am Aus­gange freiwillige Gaben zur Deckung der Unkosten entgegen- genommen. Am zweiten Ostertage, nachmittags 1/26 Uhr, wird Pfarrer Deggau vom Elisabethenstifte in Darmstadt eine Kleinkinderschulschwester in ihren Dienst im Gottes­dienste einweisen. Die Kleinkinder schule wird gleich nach Ostern beginnen.

8 Ruppertenrod ,26. März. Aus der Oberklasse der hiesigen Volksschule wurden zwei Konfirmanden ent­lassen, von denen der eine das respektable Gewicht von 139 Pfund besitzt bei einer Körpergröße von 1,69 Meter, der andere die respektable Höhe von 1,75 Meter bei einem Körpergewicht von 127 Pfund.

t. Burkhardsfelden, 26. März. Unser Ort wächst mit jedem Jahre. Nicht nur die Einwohnerzahl, sondern auch die Zahl der Gebäude nimmt zu. Im letzten Jahre (1901) wurden einschließlich des Schulhauses 7 Neubauten fertigge­stellt. In die Schule werden in diesem Jahre 22 A-B-E- Schützen aufgenommen, während 16 Schüler entlassen werden.

1' Groß-Felda, 25. März. Am Sonntag, während Sohn und Tochter in der Mittagskirche waren, erhängte sich.in seiner Wohnung ein hiesiger Bürger, der sich noch im besten Mannesalter befand. Er hatte noch vor einigen Tagen Rechnungen für die hiesige Apotheke ausgetragen und das Inkasso besorgt. In solchen Geschäften war der! Verstorbene überhaupt zuverlässig. Die Beweggründe zur traurigen Thal sind noch unbekannt.

? Burg-Gemünden, 26. Mrz. Ein hiesiger Knabe war gestern mit Holzspalten beschäftigt. Ein fünfjähriges Mädchen sah mit zu und half wohl auch. Da traf das Beil ihre Hand, uni) Mittelfinger und Ringfinger d u r ch s ch n i tt der Hieb. Während von letzterem das vordere Glied glatt durchgehauen wurde, hing der Mittel­finger noch so an, daß er vom Arzte an genäht werden konnte.

[J Aus dem Seern en th ale, 26. März. Tie Win­terfrucht, Raps und Klee, haben recht gut überwintert. Tie Befürchtungen, daß durch den Sonnenschein bei Tag mit darauffolgenden Frostnächten dem Klee und Raps schwerer Schaden zugefügt wurde, hat sich nicht erfüllt. Wie sich die Wiesen beginnen in neues Grün zu kleiden, so fängt auch auch bereits der Klee an zu wachsen. Bei der geringen Törrfutterernte des vorigen Jahres käme ein reiches Grünfutterergebnis um so willkommener.

Laubach, 25. März. In nächster Zeit wird in unserer Gemarkung eine umfangreiche Entwässerung vorge­nommen. Zu diesem Zwecke hat sich eineWassergenossen- schaft" konstituiert, die hier ihren Sitz hat. Die Kosten der gemeinsamen Anlagen werden von der Genossenschaft ge­tragen ; die Kutturinspektion Gießen ist mit der Ausführung der Arbeiten beauftragt.

Darmstadt, 26. März. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen werden am Freitag, vormittags 10 Uhr vier Minuten zu längerem Besuche hier eintreffen. Im Gefolge befinden sich Hofdame Fräulein v. Plänckner und Kapitän-- leutnant v. Egidy.

b. Mainz, 26. März. Der Gemahlin des Oberbürger­meisters Dr. Gaßner hat der Groß Herzog sein Bild in einem prächtigen Rahmen übersandt, wie es in dem Begleit­schreiben heißt,zur Erinnerung an den unvergeßlichen Tag 23. September 1901, den ich in Ihrem Hause ver­lebte". An dem bete. Tag weilte der Großherzog bekannt­lich anläßlich der Eröffnung der Gartenbauausstellung in der Famllie des Oberbürgermeisters.

Mainp 26. März. Wie der ,Mainz. Anz." sicher ver­nimmt, wird der Kaiser im Mai gelegentlich seines Be­suches der Wiesbadener Festspiele auch nach Mainz kommen, allerdings nicht zu einer Truppenschau, wie gemeldet worden war, sondern zur Besichtigung der Neubauten für das Jnf.- Leibregiment Großherzogin 9h:. 11 und des Husaren-Regts. Nr. 13, sowie der neuen Militärbäckerei und des Proviant­amtes in der Neustadt. Eine Truppenschau in Mainz durch den Kaiser dürste jedoch für August wahrscheinlich sein, da in diesem Monat das kaiserliche Hoflager nach Homburg v. d. H. übersiedeln wird, wo die Einweihung der Denk­mäler des Kaisers und der Kaiserin Friedrich in Aussicht genommen sind. Gestern Mittag tötete sich mit seinem Dienstgewehr durch einen Schuß in den Mund der Unter» Offizier Krüger von der 8. Komp, des Fuß-Art.-Negiments Nr. 3 auf feiner Stube in der Bauhofkaserne. Um 5 Uhr trat am Thatorte die Militär-Gerichtskommission zusammen. Krüger, in Berlin gebürtig, ist erst seit IV2 Jahr von der Infanterie zum Regiment übergetreten und wollte die Zahl- metfter»Äarriere einschlagen. Was ihn zum Selbstmord trieb, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden.

-i- Mainz, 26. März. Am heutigen Tage hat Pro­fessor Dr. M. Biermer aus Gießen den von dem Großh. Ministerium des Innern in Verbindung mit der hiesigen Handelskammer ins Leben gerufenenH and e l s wissen­schaftlichen Vortragskur s", der an acht Abenden im Saale der Liedertafel im Laufe des März stattfand, zu Ende geführt. Der Kurs behandelte in acht andertha.lv- stündigen Vorlesungen das Geld-, Währungs-, Kredit- und Bankwesen. Der Kurs war von Anfang bis zu Ende außer­ordentlich zahlreich besucht, lieber 220 Leitnehmerkarten waren gelost worden, und da auch regelmäßig die Mit­glieder der Handelskammer, eine größere Anzahl von sonstigen Prinzipalen, höheren Juristen, Verwaltungsbeam- ten und Banbdirektoren zu den Hörern gehörten, so war an jedem Vortragsabend der gvoße Saal der Liedertafel voll­ständig besetzt. In den kaufmännischen Kreisen unserer Stadt ist man allgemein der Ansicht, daß durch regelmäßige Fort­bildungskurse der Art der Handelshochschuigedanke den besten Ausdruck findet, und wie wir hören, ist das Darm­städter Ministerium ebenso wie die hiesige Handelskammer entschlossen, diese handelswissenschaglichen Vortragskurse in den zukünftigen Wintersemestern fortzufetzen und sie zu einer dauernden Einrichtung zu geftalteu. Der Ge­danke einer ständigen Handelshochschule in Mainz darf dagegen als au, gegeben betrachtet werden.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die alldeutschen Vereine Rheinhessens haben beschlossen, einen Bis marckturm zu errichten. Als Standort ist das Waldeck bei Jngelh eim ausersehen, eine Anhöhe, die weithin sicht­bar ist und besonders gut von den Nheindampfern aus ge­sehen werden kann. Zu Ostern erscheint ein Aufruf an die Bevölkerung. Am Montag Vormittag wurde die englische Erzieherin Miß Stiltom, als sie mit zwei Kindern im Walde in der Nähe des Forsthauses im Frankfurter Stadtwald promenierte, von drei Burschen im Alter von 1619 Jahren üb er fallen und einer kleinen Handtasche beraubt, die sie am Gürtel trug, und in der die Straßenräuber jedenfalls einen größeren Geldbetrag vermuteten. Das Fräulein lief mit den Kindern nach dem Forsthaus und erzählte dort den Vorfall, worauf sofort die Polizei verständigt wurde, die eifrig auf der Suche nach den Wegelagerern ist. Ein Tagelöhner in Bad-Ems wollte seine in dem Krankenhause unter­gebrachten Kinder besuchen. Er wurde in das Wartezimmer geführt und erschoß sich dort, noch ehe ihm die Kinder zu- geführi waren.

Vermischtes.

* Bremerhaven, 26. März. Mit dem Lloyddampfer Dresden" traf Terlinden, begleitet von amerikanischen Polizisten hier ein und wurde nach Duisburg weitergeführt.

* Konstantinopel, 26. März. In der letzten Woche sind in Medina 11, in Mekka 523, in Djedda 17 Cholera­todesfälle vorgekommen. Seit Beginn der Epidemie er­eigneten sich 1129 Todesfälle.

New-P0rk, 26. März. Die Auslieferung Herr- les, welcher der Veruntreuung beim V0rsch - verein in Landshut beschuldigt wird, ist angeordnet worden.

* Ein schwerer Wagen-Unfall bei einem Begräb­nis hat sich am Bahnhof in Belzig bei Potsdam ereignet. Etwa 20 Equipagen waren aufgefahren, um die zum Be­gräbnis der Mutter des Landrats von Tschirsky-Bögen- dorf eintreffenden Leidtragenden nach dem Familiengute Glien zu befördern. Als die Gespanne mit den Trauergästen abfuhren, gerieten einige Wagen derartig in Trab, daß sie auf die vorderen Wagen auffuhren. Zwei Wagen stürzten um. In dem einen befand sich der frühere Regierungs- Präsident von Potsdam Graf Hue de Gres mit feiner Gattin, die beide einige leichtere Verletzungen an Kopf und Armen erlitten. Schlimmer erging es dem Regierungs- Assessor von Wed eil. Derselbe erlitt einen sehr komplizier­ten Fußbruch, während Herr von Bredow mit leichten Ver- letzungen davon kam._____________________________

Gerichtssaal.

L Gieße«. 26. März. Schöffengericht. Das Schöffen^ gericht beschäftigte sich u. a. mit der Strafsache gegen einen hiesigen Gastwirt und Konzerthausbesitzcr sowie dessen Sohn wegen Ver­gehens gegen das Nahrungsmittelgesetz. Beide waren auf den Gedanken gekommen, die Bierreste zu sammeln, mit Bier aus dem Fasse ausmfrischen und diesen Mischmasch den Gästen zu verabreichen' desgl. sammelten sic den von den Gästen verschmätz­ten Wein, gossen denselben untereinander und verkauften ihn andern Wirtshausbesuchern, von denen sie voraussetzen dursten, daß sich diese eines nicht allzuverwöhnten Gaumens erfreuten. Diese Hand­lungsweise ist um so schwerer zu ahnden, als hierdurch Krankheits­übertragungen Thür und Thür geöffnet wurde. Das Gericht er­kennt gegen beide Beschuldigten auf eine Geldstrafe von je 40 Mk. Ein Dienstmädchen aus Gießen, das sich in der hiesigen Fraueiiklinik befand, entwendete dort anbcrit Personen einen 9iock unb ein paar Stiefel. Sie erhält eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Unter der Beschuldigung, seinen Geschaftsgehilfen die

nach Maßgabe der Gewerbeordnung vorgeschriebenen 3t ut) e» pausen nicht zu gewähren, war ein hiesiger Bäckermeister zur Anzeige gebracht ivordcn. Gegen den ihm zugestellten Straf­befehl hatte er Einspruch erhoben, unb zwar mit Erfolg, beim bas Gericht gelangt zu einem freisprechenden Erkenntnis Ebenfalls auf Freisprechung lautet bas Urteil gegen einen hiesigen Schorn- steinsegergesellen, ber wegen Sachbeschädigung zur Verantwortung gezogen worben war.

Händel und Verkehr. VolkLmirlschäst.

fc. Bon der Lahn, 26. März. Die Thon- und Steingut­warenfabrik in St affel, welche sich im Herbst v. Js. genötigt gesehen hatte, von ihren 500 Arbeitern über 300 zu eiulassen, be­schäftigt jetzt wieder über 300 Personen. Arif dem Eisenwerk Kartshütte konnte der Betrieb vollständig aufrecht erhalten werden. Arbeiterentlassungen tarnen nicht vor.

Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank). Der Geschäftsbericht rveist auf die Umstände hin, die den rvenig günftigeit Verlaus des Jahres 1901 verschuldet haben, insbesondere auf die übergroße Expansion unserer heimischen Industrie und als Folge davon die Anhäusuub starker spekulativer Engagements in schwachen Händen, die ber Abnahme der Konjmiktur zu einer akuten Krisis führten. Durch diese Ereignisse habe die Geschästs- lage zeitwellig einen ernsten Anblick erhalten, als nach Lage der thcNsächlichen Verhältnisse gerechtfertigt war, es stabe gegen Ende des Jahres denn auch das Vertrauen des Publikums in unsere Industrie ziirückzukehren begonnen. Bei einer verständigen Mäßigung könne mit Sicherheit eine Heilung der entstandenen Schäden und eine Rückleitung des Geschäfts ut normale Bahnen erwartet werben. Unumgänglich notwendig dazu sei, daß unferm Außenhandel durch die Annahme gemäßigter und langfristiger Handelsverträge unb unserm Börsengeschäft burch die Aushebung ber ebenso ftörenben wie unzweckmäßigen Bestimmungen bes Börsengesetzes bie Möglichkeit einer gejunben Entfaltung gewahrt werbe. Bezüglich ber starken Reservestellungen, bie die Verwaltung vorgenommen hat, wird bemerkt, daß die seit Ende 1901 einge­tretenen Kurssteigerungen die geübte Vorsicht teilweise als über­trieben erscheinest lassen. Das ungünstige Ergebnis finde seine Er­klärung im ivesentlichen in der Verteilung der Einnahmequellen, wobei das Hauptaugemnerk dem Effekten- und Emisswnsgeschaft zugewendet wurde, während bas Konto-Korrentgeschäft an bie zweite Stelle trat. Diesem Mangel solle burch Gründung weiterer Filialen unb Depositenkassen abgeholsen werben. Zwei größere Verluste traten burch bie Verbmbung mit Terlinden unb bem Bubapester Hause Haas u. Deutsch ein. Eine erhebliche Erweite­rung bes Konto-Korrentverkehrs erwartet bie Verwaltung von ber Anglieberung ber Breslauer Diskontobank. Der Schaden, welcher aus der Verbindung mit Differdinaen-Dannenbaum drohte, wurde durch die Reorganisation auf ein Minimum reduziert, aus diesem Engagement dürste im lausenden Jahre ein nicht unbedeutender Nutzen erfolgen. Der mäßige Verlust an dem Aktien-Engagement bei der Rheinischen Bank wurde abgebucht. Die aus der Reor­ganisation der Deutschen Grundschuld-Bank hervorgegangene 9leue Boden-Aktiengesellschaft befinde sich in erfreulicher Entwicklung. Der unter Führung des Instituts oorgenommene Sanierungsplan ber Pommerschen Hypotheken-Attienbank habe Annahme seitens nahezu aller Pfandbriesbefitzer gefunben; es lasse sich eine, wenn auch langsame, so doch gedeihliche Entwicklung dieses In­stituts erwarten.

Zur Emission von Stadtauleiheu. Aus Berlin wird be­richtet: Die Stabt Offenbach a. M. hatte für ihre 3>/zproz. Schuldverschreibungen im Gesamtbeträge von 6000000 Mark Pro» spektsreiheir beim Hanbelsminlster nachgesucht. Die Aeltesten be­schlossen, bas vom Handelsminister erforderte Gutachten dahin ab» zugeben, daß sich die Veröffentlichung eines vollständigen Prospekts empfehle insbesondere auch mit Rücksicht auf die ziemlich hohe Verschuldung der Stadt Offenbach. (Der Fall ist im Hinblick auf das starke Anwachsen der städtischen Anleihen in Deutschland sehr bemerkenswert und verdient auch im Hinblick daraus Beachtung, daß gerade bei städtischen Anleihen vielfach ber Modus beobachtet wird, die Anleihen zunächst ohne Veröffenllichung eines Prospekts, aufzulegen unb nachträglich erst die Zulassung zu beantragen. In dem vorliegenden Falle hat die Darmstädter Bank die Anleihe frei­händig in ihrer Kundschaft untergebracht.

Baukcn-Fufiouen. Das neueste Schlagwort lautet: In­teressengemeinschaft. Zwischen den Schaaffhausen'schen Bank­verein und ber Pfälzischen Bank ist es zwar nicht zu einer Fusion aber boch zu einer Interessengemeinschaft gekommen. Die Fusion ber Farmer Handelsbank unb ber Bergisch» Märki scheu Bank ist gesichert. Die Berliner Bank sucht noch nach einem geeigneten Anschluß; vorläufig steckt sie vorsichtig ihre Fühler aus, um ihren Geschäftsumsang zu vermehren. So erwarb sic das Baickkommissions- unb Depositengeschäft ber Meck­lenburg - Strelitzischen Hypothekenbank. Lieber all herrscht bas Bestreben, bie Wunden, bie bas vergangene Jahr geschlagen hat, wieber auszumerzen.

Bestellung von Güterwagen für die Preußischen StaatS- bahuen. Wahrend urspünglich nur 4800 Stück Wagen bestellt werben sollten zur Lieferung dis Herbst, ist nunmehr lautBerl. Akt." ben Waggonfabriken ein Auftrag von über 8200 Stück Wagen zur Lieferung bis April n. Js. erteilt worben.

Frankfurter Maschinenfabrik - Aktieugesettfchaft Frank­furt a. M. Wir haben bereits über das ungünstige Resultat des abgelaufenen Geschäftsjahres kurz berichtet. Die Gesellschaft zahlle 1899 25 Prozent, 1900 12 Prozent Dividende unb bas Jahr 1901 hat einen Fehlbetrag von Mk. 38 232 gebracht, burch dessen Deckung sich die Reserve auf Mark 32.064 stellt bei 1 Mill. Mark Aktienkapital. Die Schuld an dem ungünstigen Ergebnis ruht in den prekären indnstrieellen Verhältnissen des vergangenen Jahres. Die Direktion hofft durch Reduzierung der Geschäftsunkosten sowie durch rationelle Einrichtung ber Fabrikation bie Selbstkosten zu ermäßigen und dadurch in die Lage zu kommen, bei einer Besse­rung ber Absatzverhältnisse mit ersprießlichen Resultaten arbeiten zu können. Lieber ben Geschäftsgang int neuen Jahr wird nütge- teilt, baß sich Anzeichen einer Besserung bemerkbar machen, inbem eine Zunahme ber Aufträge zu verzeichnen ist.

Neue Anleihe der Stadt Homburg v. 0. Höhe. Die Stabt Homburg v. b. H. beabsichtigt bie Aufnahme einer 3'/»proz. An­leihe von 2 Mill. Mk.

Bergwerksgefellfchaft Hibernia. In ber orbentlichen Generalversammlung sprach sich ber Direktor. Bergrat Behrens, auch über bie Lage aus. Er meinte, baß die Beschäftigung ber Kohlenzechen bavon abhängig bleibt, ob bie leichte Besserung ber Eifeninbuftrie sich fortsetzen wirb. Aber auch bann werbe bie Wirkung auf bie Kohlenzechen nur eine langsame sein können. Vom 1. April ab wirb ber Preis burchschnittlich um V- bis 1 Mark nichtiger; zu biesem Preise habe auch bie große Anzahl ber Ver­braucher für bas nächste Jahr abgeschlossen. Auch für Koks involviere bie bekannte Preisermäßigung einen erheblichen Ausfall.

Märkte.

Limburg a. d. L., 26. März. Fruchtmarkt. Durchs schliittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.40 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.70 Mk., Gerste 9.46 Mk., Hafer 8.40 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungeu des Gießener' Anzeigers.

Berlin, 27. März. Das Schicksal des dem Abgeordneten- hause vorliegenden Gesetzentwurfs wegen der Aenderung der juristischen Vorbildungs-Bedingungen wird in unterrichteten Kreisen als unsicher angesehen. Vorwiegend neigt man der Auffassung zu, es werde der Vorschlag der Verlängerung der Studienzeit und der Abkürzung des prak­tischen Vorbereitungsdienstes angenommen, das Zwischen­zeugnis und die Bestiinrnnng wegen der Zwangsübung aber verworfen werden.

Kiel, 27. März. Prinzessin Heinrich von Preußen ist vormtttags 9 Uhr hier eingetroffen.