Ausgabe 
27.3.1902 Erstes Blatt
 
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Darmstadt, 26. MärH.

Unseren Bericht über die Zolltarifi>ebatte, die am Dienstag in der zweiten Kammer begann^ ergänzen wir durch folgendes nach derDarm". Ztg.":

Die Anfrage der Abgg. Graf Oriola und Gen., betr. die Getreidezötle, beantwortet Staats­minister Rothe wie folgt:

Durch Beschluß der verehrnchen zweiten Kammer vom 29. März v. I. zu dem Antrag der Abgg. Haas (Darmstadt), Köhler (Langsdorf), Dr. Frenay und 37 Genossen, betr. die Schutzzölle (Drucksache 510), ist die Großh. Regierung unter anderem ersucht worden, einzutreten:

Lfür eine, die Notlage der Landwirtschaft voll berück­sichtigende, ausreichende Erhöhung der bestehenden Getreidezötle, in Verbindung damit

4. für den Abschluß neuer Handelsverträge, in welchen die vorstehenden Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden."

In Uebercinstimmung mit diesem Ersuchen hat sich die Großh. Regierung auf den Boden der zur Zert der Be­ratung des Reichstages unterliegenden Zolltarifvorlage ge­stellt, deren § 1 insbesondere diejenigen Mindestzölle für Getreide enthält, bei deren Aufrechterhaltung der erwünschte Abschluß von Handelsverträgen noch möglich erschien.

In vollem Einvernehmen mit der von dem Herrn Vertreter der Reichsregierung in der ZolltarisLommission abgegebenen Erklärung und ihrer Begründung sieht sich die Großh. Regierung darum auch jetzt außer Stande, auf eine Erhöhung der Mindeftzölle für Getreide hinzuwirken, sie erachtet es vielmehr im eigensten Jntevesse der Land­wirtschaft gelegen, zu verhüten, daß etwa durch Bekämpfung oder Erhöhung der gedachten Sätze das Zustandekommen des neuen Zolltarifes und neuer Handelsverträge gefährdet wird.

Aba. Graf Oriola beantragt darauf Besprechung der Anfrage und wird vom Hause unterstützt. Er führt un g efähr folgendes aus: Zur Stellung der Anfrage an die Großh. Regierung sei er veranlaßt worden durch die Mitteilung hervorragender Personen in der Zolltarif­kommission, daß die verbündeten Regierungen nicht weiter gehen können, wie dies die Vorlage der Regierung vorsehe. Die Ausführungen des Staatssekretärs v. Posadowsky, daß Kompromißanträge unannehmbar seien, sowie die Erklä­rungen des Schatzsekrctärs v. Thielmann, daß die Regierung ihre Vorschläge als das Aeußerste betrachte, was sie thun könne, hätten im Lande große Erregung hervorgerufen und erschwerten eine Verständigung außerordentlich. Als Ver­treter des hessischen Volkes und besonders der Landwirt­schaft habe er Wert darauf gelegt, zu erfahren, ob die Groß- herzogliche Regierung weiteres Entgegenkommen in dieser Angelegenheit zeigen könne, und demgemäß handeln werde. Allgemein sei die Ansicht verbreitet, daß gerade die süd­deutschen Staaten, insbesondere Hessen, durch ihre Stellung­nahme eine Verständigung sehr erschwerten. Man würde werter kommen, wenn die preußische Regierung sich nicht an ihre diesbezügliche Abmachung mit den süddeutschen Staaten für gebunden erachte. Redner hat durch die ihm gewordene Antwort Klarheit erhalten, ist aber der Meinung, daß die Regierung dem Lande mehr entgegenkommen müsse, wie geschehen, und daß sie nicht auf ihrem Standpunkt beharren sollte. Die Regierung sollte wissen, wie das Land über die Vorlage denkt, die nicht den Wünsche der Be­völkerung und der Mehrheit des Hauses entspreche. Dafür seien Zeugeu die Gutachten des Landwirtschaftsrates, der landwirtschaftlichen Vereine, der Banernversammlungen rc.; auch "müsse er hier vor dem Lande öffentlich aussprechen, daß nicht die Großgrundbesitzer in Hessen, sondern haupt­sächlich die kleinen Bauern es sind, die für die noch weiter zu erhöhenden landwirtschaftlichen Zölle eintreten. Es sei längst widerlegt, daß dies eine Angelegenheit der ostelbischen Junker sei; das beweise auch die Kundgebung der natio­nalliberalen Vertrauensmänner des Kreises Worms. Die­selben ständen auf dem gleichen Standpunkte wie Redner, und möchte er deren Grundsähe der Regierung zur Berück­sichtigung empfehlen. Hessen gehöre zu denjenigen deutschen Staaten, die auf die Erhaltung eines guten soliden Bauern­standes den größten Wert legen müßten. Redner geht im weiteren auf die einzelnen Zölle näher ein und erklärt, daß besonders der Gerstenzoll ungenügend sei, da das intensive Lllrwachsen der Gersteeinfuhr geradezu bedenklich geworden; gerade in Hessen sei ein großer Teck der Ware dadurch unverkäuflich. Der bayerische Finanzminister sei insbeson­dere gegen weitere Erhöhung dieser Zölle, weil er im Interesse der mächtigen bayerischen Großbrauereien handle. Mau müsse Bayern die ungünstigen Verhältnisse der hessi­schen Bauern im richtigen Lichte zeigen. Ein Hauptgrund, daß die Konkurrenz der billigen Gerste so groß, feien die billigen Wasserwege, die den Transport besonders nach Hessen außerordentlich verbilligten. Hier müsse man auch entgegenarbeiten. Das Prinzip der äußersten Linken sei freilich, der Landwirtschaft keinen Groschen zu bewilligen, und habe Abg. Bebel ja im Reichstage Die Beseitigung aller Zölle befürwortet; von dieser Seite werde ein Tarifsatz von 3,50 Mk. ebenso für Brotwucher erklärt, wie derjenige von 5 Mt. Von Seiten der Regierung sei aber ein weiteres Entgegenkommen nötig, dies liege auch im Interesse der Industrie, die sich einen konsumkrästigen Bauernstand er­halten müsse. Nur durch eine gegenseitige Rücksichtnahme könnten brauchbare Handelsverträge geschaffen werden. Die Erklärung der Regierungsvertreter, daß man mit der Re­gierungsvorlage den Mittelweg einhalte, sei unrichtig. Sehr erschwerend für eine Verständigung wirkten die Meist- begünstigungsverträge mit außereuropäischen Staaten, deren Kündigung eine absolute Notwendigkeit sei, wenn eine ver­ständige Handelspolitik möglich sein solle. Ohne K'ampf- zölle und 5lompenfationsobsekte werde man nichts erreichen, nur wenn man in dieser Beziehung gut gerüstet sei, werde man gute Beziehungen zu den fremdländischen Mächten herstellen können. Das Wort Bismarcks: .Wir Deutsche fürchten Gott rc." habe anscheinend in der Zoll­politik seine Geltung verloren, man sei allzu Mhaft, wäh­rend man doch die Landwirtschaft in erster Lime schützen müsse. Gehe diese in Hessen zu Grunde, so habe man dies viel schwerer zu tragen, wie in anderen Ländern; bvefeltbä sei ein Stützpunkt des Reiches und der gesellschaftlichen Ordnung. Verkenne man dies, so schädige man den Bauer und mit ihm das Land und das Reich. .Kämen die Zölle überhaupt nicht zustande, so stehen Industrie und Handel vor oer Gefahr der Kündigung der Handelsverträge. Der' Handel dürfte sich sehr wohl dabei fühlen, ihm werde aber der Spaß verdorben werden, wenn sich die Kaufkraft ent­sprechend vermindere. Redner richtet nochmals an die Re­gierung die dringende Bitte, auf Erhöhung der Minimal­zölle und Kündigung der Handelsverträge im Bundesrat hinzuwirken, damit im Interesse der hessischen Landwirt­schaft die sehr wichtigen und schweren Verhandlungen zu einem guten Abschluß gelangen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 27. März 1902

* Karfreitag. Unser Herr Osr^Mitarbeiter schreibt: Man hat wohl das Won des allen Kirchenvaters Augustinus die Seele sei von Natur Christin" dahin gewandelt, daß die deutsche Volksseele einen natürlichen Zug zum Christen­tum besitze. Das zeigt sich unter anderem auch am Kar­freitag. Mögen sich die trotzigen Söhne der germanischen Wälder wohl zuerst vielfach gegen eme Botschaft gesträubt haben, die ihnen das willige Erdenleben von Unrecht, Schmach und Leid, als die höchste Tugend pries sie ver­nahmen doch bald die ihnen verwandten Töne, die daraus er­klangen und ließen sich dadurch innerlich überwinden. Durch das deutsche Gemüt gehen tiefe Züge schwermüügen Mit­empfindens mit dem Leid der Welt, hochherzigen Opfersinnes, ein starkes Gefühl menschlicher Schuld und ein mächtiges Sehnen nach Frieden. Für das alles bringt das Kreuz Jesu Cristi die rechte Lösung, die volle Befriedigung und Erfüllung. Wir erleben es fort und fort, daß der offizielle Buß- und Bettag tausenden und abertausenden nichts mehr zu sagen hat. Aber der stille Freitag hat doch seine Macht über die Gemüter auch bei solchen nicht eingebüßt, die dem Buß- und Bettag den Rücken kehren. Die innere Herrlichkeit des Gekreuzigten, seiner sich opfernden Liebe, seines das Leid und den Tod überwindenden Glaubens, der in ihm sich be­zeugenden Barmherzigkeit Gottes findet noch immer einen Widerhall, überall da, wo das deutsche Gemüt und seine tieferen Bedürfnisse noch nicht im oberflächlichen Treiben er­stickt sind. Beklagenswert ist, wen die stille Majestät des Karfreitags nicht mehr m die Sülle zu führen vermag, wem es unheimlich zu Mut wird, wenn er sich in der Stille mit sich selbst und mit den Dingen beschäftigen soll, die jenseits der zerstreuenden Geschäfte des irdischen Daseins liegen. Das Leben ist dazu doch zu ernst. Wer in seine Tiefen blickt, dem vergeht der L-ichtsinn und es wachen ihm Fragen auf, die ihn bedrücken und gebieterisch Antwort begehren. Und wiederum wird doch das Leben erst dadurch wertvoll, reich und schön, wenn man es ernst nimmt, und lernt, die eigenen kleinen Anliegen freudig für große Pflichten und heilige Auf­gaben zu opfern. Für das alles ragt unter uns das Kreuz als Wahrzeichen, als Wegweiser, ja als Lebensbann. Kar­freitag will es uns wieder in das Herz prägen zum Trost in allem Leid des Lebens, zur Stärkung in aller Schwachheit. Möchte es die rechte Stille bei uns sinden!

* * Audienzen. Ter Großherzog empfing am 26. März u. a. den Professor Höhlbaum von Gießen, den Geheimen Medizinalrat Professor Eckhard von Gießen, den Professor Kramer von der Augustinerschule in Friedberg.

* * Auszeichnung. Ter Großherzog hat der Hand­arbeitslehrerin Metzger in Heppenheim a. d. B. die Sil­berne Medaille des Ludewigs-Ordens verliehen.

* * Ernennungen. Der Großherzog hat den Zivil- Ingenieur, Regierungsbaumeister Schm ick zu Frankfurt am Main, zum Vortragenden Rat bei der Abteilung für Bauwesen des Ministeriums der Finanzen mit dem Amts­titelOberbaurat" mit Wirkung vom 1. April an, den Wasserbau-Assessor Spam er zu Darmstadt zum Sekre­tariats-Assistenten bei dem Ministerium Der Finanzen mit der Berechtigung zur Führung des TitelsRegierungs­baumeister" neben seinem Amtstitel mit Wirkung vom 1. April 1902 an, den Hochbauaufseher des Hochdauamts Alsfeld Wollrab zum Hochpauaufseher für besondere Bauausführungen, den Hochbauaufseher bei dem Hochbau­amt Tieburg August Neumann zum Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Mainz, die Bauaufseher-Aspiranten' F e i g k aus Tarmstadt, G ö t h aus Oppenheim, Freuden­berger aus Rüsselsheim, Neumann aus Darmstadt, Schüßler aus Pfungstadt zu Hochbauaufsehern ber den Lochbauämtern Friedberg, Tieburg, Friedberg, Alsfeld, bezw. bei dem bautechnrschen Bureau der Abteilung für Bauwesen zu Tarmstadt, sämtliche mit Wirkung vom 1. April an, ernannt. Ter Großherzog hat ferner den Zeichner bei dem Forstvermessungs- und Taxations-Bureau, Forst- Assessor Delp zu Darmstadt, mit Wirkung vom 1. April ab zum forsttechnischeu Beamten bei dem Forstvermessungs­und Taxations-Bureau, und den Steuerkontrolleur Regier- ungsassejsor Kn ab in Mainz mit Wirkung vom 1. April zum Steuer-Kommissariats-Assistenten bei dem Steuer­kommissariat Friedberg, ernannt. Der Großherzog hat dem Kontrollbeamten der Lokalkassestellen für den Bezirk Tarmstadt IL Robert Ban gel in Darmstadt den Titel Finanzamtmann" verliehen. Ter Großherzog hat den Negierungsassessor Schu d t aus Muschenheim (Neumühle) unter Verleihung des TitelsFinanzamtmann" mit Wirk­ung vom 1. April zum Kontrollbeamten Der Lokal kasse- fteilen für den Bezirk Gießen, den Assistenten bei der Be­zirkskasse Tarmstadt I. Ruh 1 zu Darmstadt zum Bezirks­kassier der Bezirkskasse Ortenberg, den Assistenten bei der Bezirkstässe Worms, Bezirkskassier Strack zu Worms zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Ulrichstein, den Finanz­aspiranten Krüger aus Wrietzen a d. Oder zum Assisten­ten bei der Bezirkskasse Tarmstadt I, sämtlich mit Wirkung vom 1. April an, ernannt, ferner den Hauptsteueramts- rendanten bei dem Hauptsteueramt Offenbach Rechnungs­rat Bischoff in gleicher Tien st ei gen schäft mit Wirkung vom 1. April an das Hauptsteueramt Tarmstadt versetzt und den Rendanten bei dem Salzsteueramt Wimpfen Weiß mit Wirkung vom 1. April zum Hauptsteueramtsrendanten bei dem Hauptsteueramt Offenbach und den Finanzaspiran­ten Buxbaum aus Langen-Brombach mit Wirkung vom 1. April zum Hauptsteueramtsassistenten bei dem Haupt­steueramt Offenbach ernannt.

* * Die 43. ordentliche General-Versamm­lung der Gewerbebank zu Gießen, e. G. m. u. H. fand am Mittwoch abend im Hotel Einhorn statt. Wie aus dem vom Vorsitzenden des Aussichtsrates, Carl Loos erstatteten Geschäftsberichte zu entnehmen, nahm die Bank auch im verflossenen Geschäftsjahre einen er­freulichen Aufschwung. Es entwickelte sich in allen Branchen oes Instituts ein reger Verkehr; immerhin blieb die industrielle Krisis nicht ohne Einfluß auf den Geschäfts­gang. Ter (Heldzufluß war größer wie im Vorjahr; der Zinsfuß hielt mit demjenigen der Reichsbank gleichen Schritt. Ter Gesamtumsatz war über 5^2 Mill. Mark höher als im Vorjahr (er bezifferte sich auf vd. 25 Mill. Mark), infolge der größeren Diskonts an Wechseln, des gesteigerten Verkehrs im Kredit der laufenden Rechnungen, der Zunahme der Einwohnerzahl, und damit der Zahl der Genossen, so daß der Reingewinn als befriedigeno bezeichnet werden kann. Die Geschäftsführung des Vorstandes wurde vom Aufsichtsrate überwacht; in 50 ordentlichen und einer

außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates wurde ca. 6600 Gesuche erledigt. Wie vorher, so wurden auch im Be­richtsjahre die Geschäfte mit Vorsicht geleitet. Unter Hin­weis auf die erhebliche gesteigerte AÄeitslast nahm der Vorsitzende Veranlassung, dem Vorstande im Namen des Aussichtsrates für die vorzügliche Geschäftsführung zu danken, und gab schließlich der Freude darüber Ausdruck, daß der Rechner der Bank, Wagner, seine infolge Krank­seins unterbrochene Thätigkeit wieder aufnehmen konnte. Ter steigende Umfang des Geschäfts machte es nötig, daß für den L April eine Hilfskraft angenommen wurde. Ter Vorsitzende gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Bank auch in Zukunft weiter gedeihe im Interesse der wirt­schaftlich Schwächeren und zum Nutzen der Bürgerschaft. Bei Punkt 2 der Tagesordnung: Ersatzwahl des Aus- fichtsrates, gedenkt der Vorsitzende der Verdienste, die sich Die im Berichtsjahr verstorbenen Aufsichtsratsmitglieder Ehr. Leo und Carl Schmitt um die Bank erworben; die­selbe werde den Verstorbenen stets eine dankbare Erinner­ung bewahren. An Stelle der Genannten wurden die Herren Hermann Eichenauer und G. E. Möhl gewählt, während die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder: Wilh. Herbert, tzch. E. Jughardt, Louis Kattrein, Louis Petri II. und Carl Wenzel wieder gewählt wurden. Tem Vorstande wurde, nachdem der Vorsitzende des Aufsichts­rats die Richtigkeit der Rechnung bekundet, Entlastung er­teilt. Die Verteilung des Reingewinns im Betrage von Mk. 49 559.17 betr., teilt der Vorsitzende mit, daß man im Aufsichtsrat nicht ganz einig über die Höhe der Tividende gewesen; der größeres Risiko bedingende größere Umsatz und die ungünstige geschäftliche Konjunktur Hütten einige Mitglieder veranlaßt, sich für eine Tividende von nur 6 Prozent auszusprechen; andererseits wurde geltend gemacht, daß eine den verschiedenen Reservefonds zu- fließende Zuwendung im Betrage von 21000 Mark genüge. Tie Versammlung erklärte sich darauf mit der vom Auf­sichtsrate vorgeschlagenen Verteilung des Reingewinns ein­verstanden, nämlich dem Hauptreservefond b013.97 Mk., dem Tubiosen-Konto 5000 Mk., dem Effekten-Reservefond 4000 Mk., Dem Beamten-Pensionsfoud 6000 Mk. zu über­weisen, und den Mitgliedern 6i/2 Prozent Dividende zu ge­währen, und zwar aus 439157 vollen Mark 28455.20 Mk.

* * Alice-Schule-Gießen. Am 19. d. M. schloß die Alice- Schule mit einer Prüfung der Handarbeitslehrerinnen das Wmtersemester 1901/02. lieber 100 Schülerinnen haben im Laufe desselben sich m den verschiedenen Zweigen weiblicher Berufsarbeiten weiter gebildet. Sehr befriedigende Resultate hat der in Gemeinschaft mit dem kaufmännischen Vereine und der Alice-Schule eingeführte Handelsturfus geliefert. Zum er st en male fand vor Vertretern der staatlichen Behörde und des kaufmännischen Vereins, sowie dem Vorstande der Alice-Schule eine Prüfung der 25 Schülerinnen des Kursus statt. Wie aus dem Inseratenteil unseres Blattes ersicht­lich ist, beginnen am 14. April die Sommerkurse der Schule, in die als neu hinzutreten Unterricht an der Schreib­maschine und in den sehr schönen und modernen Lederarbeiten. Es kann Eltern und Vormündern nicht genug an's Herz ge­legt werden, für chre Töchter und Mündel die Schule und das, was sie bietet, eifrig zu benutzen. Alle dort zu er­werbenden Kenntnisse und Fertigkeiten werden denselben auf ihrem Lebenswege von großem Vortell fein.

* Der 17. Deutsch'evangelische Kirchengesangvereinstag des Evangelischen Kirchengesangvereins für Deutschland (Vor­sitzender: Geh. Kirchenrat Professor Dr. Köstlin in Darm­stadt) wird vom 8. bis 10. Juni in Hamm in Westfalen statisinden.

Kirchliche Nachrichten.

Katholische Gemeinde. e

Kars ams tag den 29. März.

Vormittags um 7 Uhr: Hellige Weihen.

u 87, Uhr: Hochamt.

Nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit gur. heil. Beicht.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Keligionsgemeinde.

Samstag, den 29. März 1902.

Vorabend: 680 Uhr. Morgens: 9 Uhr. Nachmittags: 3 Uhr Schrifterklärung. Sabbctthausgang: 740 Uhr.

Gottesdienst drr israelitischen Deligionsgesrllschast.

Sabbathfeier am 29. März 1902.

Freitag abend 6ao. Samstag vormittag 8°°. Nachmittag 4®°.

Sabbathausgang 740.

Wochengottesdienst: morgens 646 Uhr, abends 680 Uhr.

GingesanÄ.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber1 keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 27. März 1902.

Noch einmal Agrarisches k

Aus den Artikel der Gräsl. Solms-Laubach'schen Nent» kämmer in Nr. 69. 2. Bl. (Der Setzer hatte in jenem Artikel das WortGräfl." irrtümlich sortgelassem D. Red.) wird folgendes' erwidert:

Die Angaben über die Höhe des Vachtpreises in Utphe ent­nahm ich der Nr. 50 desVorwärts", welche ich für zutreffend halten mußte, da mir eine Berichtigung dieser Angaben nicht zu Gesicht gekommen ist. Im übrigen beharrt mein Gewährsmann in Utphe auch jetzt rwch dabei, bay Mk. 7 2. der seitherige Pacht­preis gewesen sei. Ob dieser durch Bonifikattonen u. s. w. herbei- geführt wurde, ist nebensächlich.

Mir galt es in der Hauptsache darum, den Beweis zu führen, daß nicht alle Landwirte an die allgemeine Notlage der Landwirtschaft glauben; den Beweis erbringt die Gräfliche Rent- kammer selbst aufs glänzendste, indem sie bestätigt, daß kleine Be­sitzer 116120 Mk. pro Hektar Pacht bezahlen. Diese Leute wollen doch leben, und so ziehe ich den Schluß, daß, wenn das Pacht­land Eigentum wäre, sie recht reichlich leben fönnten. Nicht in der Stärkung und Befestigung des Großgrundbesitzes, wie es die ganze Schutzzöllnerei bewirkt, liegt das Hell der Landwirtschast, sondern die Kleinbauern müssen geschützt werden; nicht durch Zolle, davon haben sie nichts, sondern durch bte von mir in diesem Blatte empfohlenen Mittel.

__E. Krumm.

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