Ausgabe 
27.3.1902 Erstes Blatt
 
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Donnerstag S7. März 1908

158* Jahrgang

Erstes Blatt.

E

Nr. 73

Erscheint tSgNch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- -latter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Unwerj.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Gchulstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

FernsprrchanschlußNr.51.

es nicht besser fertig bringen würden. Die Begehrlichkeit der ostelbischen Innrer sei tu den Verhandlungen der Zoll­tarifkommission des Reichstages so recht klar jutaße ge­treten, und sie versuchten, die Zollsätze möglichst in die Höhe zu treiben, unbekümmert, was daraus entstehe. Aber bestehe denn die gar^e Nation aus Junkern! Andere Menschen hätten das Recht, mindestens auch so zu leben, wie der Durchschnittsbauer, dessen Lebenshaltuna weit besser sei als die des Arbeiters. Daß der ganz kleine Bauer leide, bezweifle er keineswegs; dies-er sei der Zinssklave der Kapitalisten, während der Arbeiter deren Lohnsklave sei. Wer der kleine Bauer habe seinen Vorteil von der Zollerhöhung. Von den Grenzen der Zollerhöhung habe man immer noch nichts gehört. Die .7,50 Mk. genügten heute chon nicht mehr; der Bund der Landwirte habe erklärt, daß man für tbrie Folge daran denken müsse, 1015 Mark Zoll zu fordern. Das seien die Herzenswünsche der agra­rischen Junker. Man wisse also heute noch nicht, auf welche Zollsätze man sich festlegen werde, und die Regierung habe ich darauf berufen, daß der Kompromißtarif das Aeußerste et; darüber dürfe man nicht hinausgehen, da sonst die Abschließung von Handelsverträgen unmöglich sei. Abg. Gras Oriola habe erklärt, besonders die hessische Landwirt- chast sei an den Zöllen in hohem Maße interessiert. Diese Annahme entbehre aber thatsächlich jeder Unterlage, weil die Mehrheit der hessischen Bauern nicht in der Lage sei, Getreide kaufen zu können, oder andernfalls selbst Brot und Futtergetreide zu hohem Preise zukaufen müßte. Die amtlichen Ziffern ergeben die Richtigkeit der von ihm ver­tretenen Auffassung. 79000 hessische Landwirte hätten unter 2 Hektar Land, 28000 hätten 25 Hektar, 16 000 besäßen 510 Hektar, 7000 Lanowirte 1020 Hektar, 1600 20100 Hektar und 123 Besitzer mehr als 100 Hektar. In Summa hätten also nur 20000 Besitzer den Vorteil, wah­rend 100 000 hessische Landwirte nicht das geringste Inter­esse an der Zollerhöhung hatten. Das seien denn doch ehr merkwürdige Ziffern. Dagegen zeige der ostelbische Besitz ganz andere Verhältnisse; dort besäßen östlich der Elbe 78 Prozent über 100 Hektar. Die Zvllerhöhung komme also nur einem kleinen Kreise von Landwirten zu Gute aus Kosten der Allgemeinheit. Was nun die hessischen Steuerverhältnisse anlange, :-o gebe hier die Steuertabelle von 1900/01 sehr interessante Aufschlüsse. 22 200 Steuer­pflichtige der 1. Llbteiluna repräsentierten ein Steuer­kapital von 23 Millionen Mark, während die 2. Wteilung (5002600 Mk. Einkommen) ein solches von 16 Millionen Mark aufweise; in dieses teilten sich 274 884 Censiten. Davon hätten 189 000 unter 1100 Mark Einkommen, also 71 Prozent. Das seien Leute, die von jeder Erhöhung am aller empfindlichsten getroffen würden, und die am Hunger­tuche nagten, wenn sie einmal eine Woche keine Arbeit hätten. Die Regierung habe deshalb allen Grund, gegen diese maßlosen Wünsche der Agrarier energisch Front zu machen. Den Pfaden der agrarischen Junker zu folgen, sei Brotwucher. Daß die Arbeiter auf die Stufe des Parias, des Lumpenproletariats, herabgedrückt werde, das müsse man zu verhindern suchen. Abg. Gras -Oriola habe weiter gesagt, man müsse die Meistbegünstigungsverträge kündigen und Kampszölle schassen. Werde man diesen Vorschlägen folgen, so werde dies von unberechenbaren Folgen sein. Wenn der Herr Graf von dem drohenden Untergang der Landwirtschaft gesprochen habe, so sage er, es wäre der Untergang des Volkes, wenn ihm Brot und Kartoffeln ver­teuert würden, denn dadurch treibe man das Volk zur Verzweiflung.

Abg. Reinhart (nL) bittet, die Debatte über die Getreidezölle möglichst abzukürzen, da die Sache ja im Bundesrat und Reichstag erledigt werde. Der Brotwucher bestehe nur in der Theorie, aber nicht in der Praxis. Bei dem Wfchlusse neuer Handelsverträge müsse man die Fehler der alten vermeiden. Die von Amerika drohende Gefahr dürfe man nicht unterschätzen. Die praktischen Geschästs- lrute, darunter auch die Landwirte, verständen ihre Vor­teile wohl besser als die Herren vom grünen Tisch. In dieser für Deutschland außerordentlich wichitigen Frage müsse man mit veralteten Theorien, wie dem Freihandel, brechen und sich nur die Frage vorlegen, wie kann der Vorteil Deutschlands am besten gewahrt werden. Angesichts der Gefahren, die der deutschen Industrie namentlich von Osten her drohen, dürfe man die Hände nicht ruhig in den Schoß legen. Durch einen angemessenen Schutz der Industrie und der Landwirtschaft schaffe man auch dem einheimischen Arbeiter Arbeitsgelegenheit und genügenden Verdienst.

Wg. Gutfleisch (sreij.-wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Wg. Grasen Orrola hinsichtlich einer Abweichung eines Freisinnigen von den Parteigrundsätzen in der Zollsraae. Die Debatte sei seiner Ansicht nach in ein falsches Fahrwasser geraten. Heute handele es sich nicht um die Frage des Schutzzolles ober Freihandels, sondern um die Haltung der Regierung in dieser Frage. Man sollte doch der Reichsregierung das Vertrauen entgegen­bringen, daß sie bei der Feststellung der Ziffern in den Verhandlungen mit anderen Regierungen die Interessen der deutschen Landwirtschaft wahren werde. Mit derartigen Forderungen dürfe man die Regierung nicht in solcher Weise drängen. Die Regierung habe ihre Antwort gegeben und er habe zu ihr das Vertrauen, daß sie in Berlin alles getljan habe, was sie thun zu können in der Sage gewesen sei. Wenn man weiter gehen wolle, als die Re­gierung in dieser Hinsicht gehen könne, dann werde man keine Handelsverträge abschlleßen können. Diese Wsicht der Regierung, Handelsverträge zu schließen, resultiere aus der Erkenntnis, daß nicht nur die Landwirtschaft in einseitiger Weise begünstige werden könne, sondern daß auch Handel und Gewerbe geschützt werden müsse. Und deshalb freue er sich, daß die Regierung dem Grafen Oriola entgegen­getreten sei und sich der Reichsregierung in der ZoUtaris-

frage angeschlossen habe. In einem Zollkriege könne die Nation verbluten. Ein Interesse zu begünstigen und andere zurückzustellen, gehe nicht an.

Abg. Wolf (fr. w. V.) tritt einzelnen Ausführungen des Abg. Ulrich entgegen und wünscht insbesondere einen erhöhten Gerstenzoll.

Abg. David (Soz.) erwidert, daß geraoe der kleine Viehbesitzer Konsument ausländischer Gerste sei. Dieser werde daher in erster Linie von einer Erhöhung ge­troffen. Sie wollten die Interessen der 58 Prozent deut­scher Landwirte vertreten, die feine acht Morgen Feld hätten. Der hessische Kleinbauer mit 24 Hektar sei auf die Industrie angewiesen, da ihn dieser Besitz nicht er­nähren könne, und müsse seine Söhne und Töchter indu­striellen Unternehmungen zuwenden. Abg. Reinhart schließe sich den agrarischen Forderungen an, wie er sage, im Interesse der Arbeiter. Wer er sei in dieser Beziehung anderer Ansicht. Nun sage man, die Lebenshaltung der Arbeiter sei billiger geworden; aber gerade das Um­gekehrte sei der Fall; man solle nur einmal die Be­gründung zum Beamtenbesoldungsgesetz studieren, dann werde man zu anderer Ansicht kommen. Tie amerikanische Konkurrenz sei deshalb so gefährlich, weil die Arbeiter dort ihre Lebensunterhaltungsmittel billiger hätten und deshalb leistungsfähiger seien. Daher könne die deutsche Industrie nie an die erste Stelle rücken, denn die besfere Lebenshaltung des Arbeiters fei das Fundament hierzu. In dieser Weise lasse sich der deutsche Arbeiter, wie es die Agrarier versuchten, nicht übers Ohr hauen.

Geh. Staats rat v. Krug: Die Antwort der Regier­ung sei in der Regierungsvorlage und deren Begründung auch in Bezug auf die Höhe der Sätze enthalten. Des­halb könne sich die Regierung jetzt darauf beschränken, Bezug zu nehmen auf die Vorlage, die dem Reichstage vorliege.

Ministerialrat Braun: Er wolle nicht auf alle hier aufgeworfenen Fragen eingehen, denn er glaube, daß die Negierung ihre Siellungnahme nur abschwächen werde, wenn sie sich an der Debatte beteilige. Nur einen Punkt wolle er herausgreifen. Man habe speziell auf die Wich­tigkeit des Gerslenzolles hingewiesen, aber Graf Oriola habe es gestern unterlassen, Zahlen anzugeben. Der In­terpellant habe lediglich gesagt, die Regierung solle ein­treten für höhere Zölle, aber nicht gesagt, für was für welche. Wg. Wolf habe einen Gerstenzoll von 51/2 Mk. verlangt. Gegenüber dieser positiven Forderung könne er in Bezug auf die Gerste nur das wiederholen, was in der Zolltarifkommission beschlossen worden sei: daß dieser Satz in einer derartigen Höhe in keiner Weise annehmbar sei. Ein so umfängliches Werk wie der Zolltarif, dürfe nicht schablonisiert werden, sondern man müsse jede Position in ihren Einzelheiten prüfen. Auf Grund der angestellten Ermittelungen könne er nicht sagen, daß für hessische Verhältnisse gerade die Gerste eines erhöhten Zvllschutzes bedürfe. Bei unserer intensiven stultur in Hessen hatten wir einen Anbau und einen Ertrag an Gerste, wie ihn fein anderer Staat in Deutschland habe. In Hessen seien 540 000 Hektar dem landwirtschaftlichen Betrieb gewidmet, davon diene nicht ganz die Hälfte dem Körnerbau. Davon entfielen auf .Weizen 14 pEt., auf Roggen 33 pCt., 28,5 pCt. auf Gerste und 24 pCt. auf Hafer. Also Hessen fei in Bezug auf den Anbau der Gerste allen Staaten weit voraus und auf den Hektar käme ein Durchschnittsertrag von 23,6 Dop­pelzentnern. Starkenburg sei beim Gerstenbau mit 23 pCt., Oberhessen mit 33 pCt. und Rheinhessen mit 54 pEt. be­teiligt. Bei derartigen hohen Beträgen brauche die Gerste bei uns am wenigsten Schutz. Der verantwortliche Leiter der Reichspolitik habe ihm persönlich gesagt, daß wir mit den vorgeschlagenen Sätzen bis an die äußerste Grenze, auf Grund Deren Handelsverträge abzuschließen seien, gegangen wären. Im Gefühle seiner Verantwortlichkeit könne er auf das Ersuchen des Abg. Wolf nicht emgehen.

Wg. Schmitt (Ztr.) wendet sich vor allem gegen die Meiitbegünstigungsverträge mit außereuropäischen Län­dern. Im übrigen habe die diesjährige Debatte gegen­über der vorjährigen im Wesentlichen nichts neues ge­bracht. Was er damals gesagt habe, gelte auch heute noch. Redner wendet sich bann gegen einzelne von den Sozial­demokraten vorgebrachten Punkte unwesentlicher Natur und wünscht in Deutschlanb denselben autonomen Zoll­tarif wie in ber Schweiz, sowie eine Zollunion der europäischen bezw. ber mitteleuropäischen Staaten gegen das außereuropäische Gebiet.

Wg. Köh le r-Langsdorf (fr. 10. V.) freut sich, daß die Industrie eingesehen habe, daß sie mit der Landwirt­schaft in der ZoUfrage Hand in Hand gehen müsse.

Wg. Graf Oriola (nL): Wg. Ulrich solle doch ein­mal die landwirtschaftlichen Versammlungen ansehen, bann werde er nicht mehr von ostelbischen Junkern sprechen. Seine Ausführungen seien von Ulrich in verschiedenen Punkten mihberstcmben worden. Unter Kampfzöllen verstehe man doch nur Zölle in einer Höhe, die die Regierung in die Sage versetze, anderen Regierungen, die keine Handels­verträge schließen wollen, in entsprechende Weise gegen- übertreten zu können. Von seinen gestrigen Ausführungen nehme er nichts zurück, auch der Regierung gegenüber nicht. Der .Herr Ministerialrat Brau» hätte statt des Brutto­ertrages auch den Nettoertrag des Gersteanvsus angeben müssen Auch die hessische Gerste bedürfe des Zollsatzes von 5.50 Mark. Er hoffe, daß seine Anfrage dazu bei­tragen werde, der Sandwirtschaft die entsprechenden Zoll­sätze zu gewähren.

Schluß 2 Uhr. Das Haus vertagt sich sodann auf un­bestimmte Zeit.

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GietzeilerAMger«

W General-Anzeiger vEs»

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Karfreitag.

Ein Tag ernster Erinnerung und besonnener Einkehr zieht morgen herauf. Auf der kahlen Höhe von Golgatha blutete für die Sünden der Menschheit der Reinste und Edelste, den je eine Mutter geboren, der je auf Erden gewandelt ist. Er, der ein Herrscher werden sollte über die Ewigkeit, ist den niedrigen Tod des Sklaven gestorben, nachdem er durch Schmach und Schmerzen gewandelt, wie sie noch keiner trug. Mögen viele von uns den Glauben an das christliche Dogma, mögen andere selbst den Glauben an Gott und Unsterblichkeit ver­loren haben, so muß doch jeden die Geschichte jener Stunden gewaltig ergreifen, in denen des Menschen Sohn, eben noch von einer jubelnden Menge mit Blumen und Blüten über­schüttet und mit lautem Hosianna begrüßt, im Garten von Gethsemane mit der letzten menschlichen Schwachheit rang, in der er die Lebenssehnsucht der Kreatur besiegt, um unter un­säglicher Pein seine ©enbung zu erfüllen. Niemals hat eine Seele sich größer offenbart, als in den Worten, die damals vom Kreuze herab zu den Henkern klangen:Vater, vergieb ihnen." Solchen, Heldenmut muß jedes Herz sich beugen. Und selbst dort, wo man den Gang der Geschichte nach mechanischen Gesetzen regeln zu können vermeint, wirb man die schlichte Thatsache nicht leugnen dürfen, daß noch immer die Lehre des erhabenen UmgeftaUerS altjüdischer lieber» lieferung, um mit dem Hrchristen Tolstoi zu reden (Meine Beichte", Bd. I. von Tolstoi'ssämtlichen Werken", Leipzig, Eugen Diederichs) die Kraft habe, die Menschen zu adeln und zu beglücken.

Daß aber die Reinheit dieser Lehre um selbstischer Zwecke willen getrübt, ja in ihr Gegenteil umgewandelt ist, das ist das tiefe Bedauern des großen russischen Poeten. In Jahr­hunderten ist der blanke Stahl fleckig geworden durch manchen Blutstropfen, der um der Religion willen vergossen wurde, und der Haß ist auf den Feldern emporgewuchert, in die einst das ©amenforn der Liebe versenkt worden ist. Wie die religiösen Satzungen der Inder, die das gluterdrückte, aus- gedörrte, diesseitige Leben nur als eine Vorbereitung zum Tode, die den dünnen häßlichen Körper nur als eine Fessel der ringenden Seele bettachten, den Fanatismus des Ein­zelnen auf sich selbst lenkten, daß er vorzeitig die Last des Daseins von sich abwirst, wie das Hellenentum seinem weisesten Sohne den Giftbecher an die Lippen preßte, wie gegen den Juden Baruch Spinoza der Arm des Meuchelmörders gelenkt wurde, wie die Lehre Muhameds die Instinkte des Orients zu blutiger Vernichtung aufreizte, so hat auch das Christen­tum unter der Zucht engherziger Hnduldsamkeit seine Spuren in Blut getränkt zurückgelassen. Wir Neuen, gefestet durch die Arbeit der Naturforscher und Philosophen, ringen gegen diese Unduldsamkeit, aber noch immer hat es sich erwiesen, daß kein Kampf schwerer ist als solcher Kampf, und daß kein Haß größer ist als der Haß, der auf dem Boden der Liebe erwächst.

Darum ist unsere Zeit ungefüllt mit religiösen Zwisten, die nicht mehr, wie in den Tagen Karls V., furchtbare Völker­kriege herausführen mögen, die nicht mehr, wie in den Zeiten eines Torquemada die Scheiterhaufen anzünden für den Andersgläubigen, die aber dennoch einen tiefgehenden Einfluß ausüben auf die Geschichte der Gegenwart.

Es ist ein gefälschtes, innerlich verkrüppeltes Christen­tum, das uns überall dort entgegentritt, wo Herrschsucht die Geister in Ketten und Banden schlägt, wo die Unduldsamkeit die Führung hat und ihre Anathema ausspricht über Jeden, der die Freiheit des Geistes fordert. Von der Höhe von Golgatha tönte in die Herzen das Wort:Herr, vergieb ihnen." Der Sterbende am Kreuze hat freiwillig der irdischen Macht entsagt. Wann wird die Zeit kommen, in der die Schlacken von der Menschhett fallen und sie wiederum, un­gestört und ungehemmt durch starren Dogmatismus und priesterliches Herrschervedürfnis, lauschen darf auf die reine, herrliche Lehre, die mit dem Opfer seines Lebens der Menschen­sohn auf den kahlen Höhen von Golgatha geweiht und be­siegelt hat!

Hessischer Landtag.

Zweite hessische Ständekammer.

101. Sitzung.

Darmstadt, 26. März.

Dritter Präsident Schmitt eröffnet die Sitzung um 9.15 Uhr.

Arn Regierungstisch: Staatsminister Rothe Exc., Fi­nanzminister Gnauth Exc., Geh. Staatsrat v. Krug, Mini­sterialräte Braun und Ewald.

Es wird mit der Debatte über die Anfrage der Wgg. Graf Oriolaund Genossen,dieGetreide- zölle betr., f0rtgesahren.

Abg. Ulrich (Soz.): Die Ausführungen des Grasen Oriola in dessen gestriger Rede müsse er im Interesse der arbeitenden Klasse entschieden zurückweisen. Es sei ein ge­fährlicher Weg für die kleinen Bauern, den Lockungen der ostelbischen Junker, die ihm vorkämen, wie der Rattenfänger von Hameln, zu folgen, sonst würden.sie zu spät einsehen, daß sie sich in das eigene Fleisch geschmtteu hätten. Auch ihn befriedige die Antwort der Regierung nrcht, da sie ein Festhalten an der Vorlage des Bundesrates bedeute. Diese Vorlage habe aber eine Verteuerung des Brotes für den kleinen Mann im Gefolge. Das sei eine Politik der Aufreizung, wie es hundert sozialdemokratische Agitatoren