Ausgabe 
27.2.1902 Erstes Blatt
 
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betrieb gegenüber zu machen, ist es vor allem nötig, in feinen Kreisen bas Verständnis für die Erfahrungen der modernen Zeit zu wecken, ober wo es schon vorhanden ist, zu heben; denn bekanntlich beruht eine der Hauptstützen des Großbetriebs im Mampfe gegen das Kleinhandwerk gerade darin, daß er möglichst schnell sich die Errungen­schaften der modernen Zeit zu nutze macht. Was bedeutet es schließlich für einen Fortschritt, den Prüfling in Ansichten zu examinieren, die einst vor einem halben Menschenalter nützlich waren? Das Handwerk hat sich aus dem beschaulichen, altväterlichen Betrieb, wo ine Zeit noch sehr billig war, in ein hastiges Ringen verwandelt, infolge­dessen auch bie Ansichten über die Art des Handwerls- betriebs ganz andere werden mußten. Was bedeutet endlich diese Erziehung in obigen Anschauungen für die Zukunft, wo dieser Mampf mit dem Großbetrieb immer erbitterter sein wird? Ist nicht anzunehmen, daß eine Prüfung vor einer der obenerwähnten Kommissionen gerade von unseren besten, geschäftstüchtigsten und im Geiste der Neuzeit fort­geschrittensten Handwerkern einfach ignoriert würde? Was erreichten wir also durch das geplante System der Meisterprüfung: daß talentvolle, selbständig deutende Ge­werbetreibende lieber auf den Meistertitel verzichten, und dieser dann der Mittelmäßigkeit zu gute kommt, aber nie­mals, daß das Handwerk einer modernen, höheren Ent­wicklung zugeführt, sondern geradezu in feinem Fortschritte gehemmt würde.

Jedoch wie einfach ist es, diese Gefahr abzuwenden und Rat zu schaffen. Gilt es doch nur, Vorschläge zu machen, das Gesetz ui der Hauptsache nach folgender Richtung ab­zuändern: 1. Gleichmäßiger Zwang zu einer erfolgreichen Prüfung für alle neuen Eröffnet: selbständiger Gewerbe­betriebe zwecks Verleihung des Rechtes, einen solchen an­fangen ober übernehmen zu können. 2. Eine theoretisch und praktisch im zeitgemäßeften Sinn vom Staat ausgebildete Prüfungskommission in Darmstadt. (Statt solcher drei in den einzelnen Provinzen.) 3. Abschaffung der obligatorischen Fortbildungsschule und Ersatz derselben durch dem heutigen Stand des Gewerbebetriebes angepaßte, allerdings rein theoretische Handwerkerschulen. Bei der bis jetzt projek- tierten Richtung der Hebung des Handwerks hat der Staat allerdings weniger Ausgaben, da die Aemter der Beisitzer doch Ehrenämter sind; jedoch im Interesse einer eigent­lichen Hebung bringt eine solche Gestaltung größere, unschätzbare Vorteile mit sich, sodaß die entstehenden Kosten in Anbetracht der vermehrten Wohlfahrt des ganzen Landes ganz verschwindend sind. Es piebt nur sehr wenige Ver­anstaltungen, die dem Handwerker gestatten, soweit dies für ihn Interesse hat, Geschäftsgeist, Buchführung, Wechsellehre, Miet- und Pachtverträge ic. in den Jahren zu erlernen, wo er sie nützlich verwenden könnte. Da der größte Teil der Gewerbetreibenden die Volksschule besucht hat, bleibt ihm als einziges staatliches Bildungsinstitut nur die Fort­bildungsschule. (Ich spreche hier nur von Gießener Verhält­nissen.) Wieviel Klagen der Lehrer verursacht aber der der Schule entlassene junge Mann durch seine instinktive Abneig- ung gegen jenen Unterricht! Und wie wenig wird darin gelernt, um sofort wieder vergessen zu werden! Wie anders wäre es, wenn man warten wollte, bis der junge Mann einsieht, daß er diese Kenntnisse nötig hat, und man das ganze Unterrichtssystem der Auffassung anpaffen würde, dem gereiften Handwerker, der sich selbständig zu machen ge­denkt, zu dem Wissen zu verhelfen, ioelches das heutige Leben, insbesondere der moderne Geschäftsbetrieb erfordert. Jedenfalls würden hierbei bessere Resultate erziell, da der Unterricht, der jedem freigestellt fein müßte, mit ganz anderer Aufmerksamkeit besucht würde. Warum sind die Kaufleute bem Handwerker betreffs ihrer beruflichen Aus­bildung so sehr überlegen? Weil sie sich bequemen, darüber nachzudenken, von welchem Vorteil es für sie ist, mit den alten, aus Großvaters Zeiten ererbten Traditionen zu brechen und sich den bestehenden Zeiten anzupassen. Hoffen wir also, daß diese Zeilen dazu beitragen werden, die Aufmerk­samkeit für das Gute der Sache in allen Kreisen der Inter­essenten dauernd zu erregen.

Ein hiesigerGewerbetreibender.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 1. März 1902.

Vorabend: 5" Uhr. Morgens: 9 Uhr. Nachmittags: 3 Uhr. Sabbathausgang: 6" Uhr.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgrsellschast.

Sabbathfeier am 1. März 1902.

Freitag abend 5°. Samstag vormittag 880. Nachmittag 380.

Sabbathausgang 6.

Wochengottesdienst: morgens 700 Uhr, abends 580 Uhr.

Meteorologistt^e Beobachtungen

der Station Gießen.

Februar

Wetter

-

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Höchste Temperatur am 25.-26. Februar

Niedrigste 25.-26.

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wenn sie Kathreiner s Malzkaffee als satz oder als vollkommenen Ersatz Bohnenkaffees verwendet.

26.

26.

27.

Jede Kausfrau muß wissen, daß sie nicht nur ihren Familienmit­gliedern in gesundheitlicher Beziehung einen großen Dienst erweist, sondern auch uoch bedeutendere Ersparnisse macht,

4- 4,0, - 1,8 2,0

Sonnenschein Sternh.Himm. Lcht. bew.

Bekanntmachung.

Tie nachstehende von Großh. Amtsgericht Gießen erlassene öffentliche Aufforderung bringen wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis.

Gießen, den 24. Februar 1902.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

M e e u m.

Ocffcntliche Aufforderung.

Im Verfahren bctr. Legalisierung des Grundbuchs für die Gemartung Gießen hat die Stadt Gießen die Einschreibung fol­gender in der Gemarkung Gießen gelegener bis jetzt nicht katastrier- ler Grundstücke aus ihren Namen im neuen Grundbuch beantragt.

Flur 1 Nr. 1440 Straße

Flur 23 Nr.

269

Weg

1 1448 (Maigaffe)

ii 23

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271

1 1455 (Weidengasse)

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burgerstraße)

gäßchcn)

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1 1468 (Braugaffe)

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1 1473

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« 1 1475 (Dreihäuser-

23

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gaffe)

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1 1478 (Sonnen-

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(Alte Mar-

slraße)

burgerstraße)

1 1479 (Kaplanei-

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(Mittelweg)

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1 w 1480 (Schloßgasse)

24

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1 1485 (Hundsgasse)

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1 1492 (Rittergaffe)

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1 1502 (Tiefenweg)

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1 1533 (Sandgasse)

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1 1534

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306

1 1557 (Gäßchen)

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10 224 (Hasen-

weg)

köppelsweg)

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köppelsweg)

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117

(Wismarer­

11 132 (Röderweg)

weg)

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12 143

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13 172 (Heeg-

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(Krofdorfer-

prauchweg)

weg)

13 1725/10 (Heeg-

30

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strauchweg)

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224

(Krofdorfer-

13 178 (Heeg-

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31

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14 131

31

230

14 132

31

233

14 137 (Grüninger

31

235

Fußpfad)

31

237

14 1386/10 (Straße von

ii 31

238

(Wismarer­

Steinberg)

weg)

15 153(Allcnfeldweg)

31

239

15 154 (Der alle

31

240

Steinbacherweg)

31

242

15 155 Weg

31

248

15 156 (Schiffen-

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bergerweg)

31

252

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257

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31

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16 366 (Der alte

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262

Steinbacherweg)

31

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(Leuferts-

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(Weidweg)

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(Gleiberger.

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(Weidweg).

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(v. Heuchelheim

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225 Graben (Barre».

nach Gleiberg).

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nach Gleiberg).

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Alle diejenigen, welche Ansprüche an jene Grundstücke erheben zu können glauben, werden aufgefordert, dieselben binnen 6 Wochen vorn Tage der Einrückung anbei unterzeichnetem Gericht geltend au machen, widrigenfalls die Einschreibung der genannten Liegen­schaften im Grundbuch auf den Namen der Antragstellerin mit dem ErwerbtitelErsitzung" erfolgt.

Gießen, am 17. Februar 1902.

Großherzogliches Amtsgericht, gez. Keller.

Arbeits - Vergebung.

Die zur Vergrößerung des Äohlenschuppens für unser Pumpwerk Queckborn erforderlichen Arbeiten, nämlich: Maurer-, Zimmerer-, Dachdecker-, Spengler- und Pflaster­arbeiten sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung an einen Bauunternehmer vergeben werden.

Die Bedingungen, Zeichnungen u. s. w. liegen während der Dienststunden auf unserem technischen Büreau zur Ein­sichtnahme auf.

Angebote sind bis zum 10. März, vormittags 11 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bei uns einzureichen.

Gießen, den 25. Februar 1902. 1624

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

Otto Bergen.