Nr. »78
Orlftelwt tSgttch ttubei Boruuag*.
fcem (Äiebenet Anzeiger »erben Im Wechlel mit kelftschen Landwirt die Siebener Familien. Ilfltiei viermal In btt Woche betgelegt.
Roiattonflörud u. Derlog bet Brüh l'ichen Ünn-eri.-Buch- u.6teti>» kudereH^iel|d)(itbe«> JUbafttOTL Ifcrpebittoe unb Druaetet»
• »alpraht 7.
ttbtefle tot Deoeichent «n-eiger «Liehet».
^ernlprrchanIcklußNr 6L
Zweites Blatt. ' ISS. Jahrgang
Mittwoch 26. November LSVS
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen
Vezagbprei», monatlich 76'IM-, otertd* jährlich DU. 2JO; durch Äbhole- u. Zweigstellen monatlich 66 Pi.; durch diePost Ml. 8.— viertel» jährt auaichl. vestellg, Annahme von Anzeigen für die iagetnummtt biß ponnittag« 10 Uhr. yetlenprete: total l8P^ aubioärtb 80 Pjg. verantwortlich, tot den poliL a. attgem. Steil; P. Wittko. toi .Stadt unb Canb' uni ,®end)ts|aQle; Luri Plato, tot den 2li> »eiacnteil: boni Beck.
7770
Kindt
viuifln *.
ChristllW Konfek
A°i», totter^1 Makronen, «ebädn.|- Khokolade.Bovbovi/ Honigkuchen in grofir
Ludwig D|i|, Konditorei und
Fabrikation, Gieren,''
Vorteil^!
kauit man neue tn'fnn 8-214 Der MW Kmüsk-ßrösk' i Llilltidt-Ack» Astii-Spasiitl ' Mhtt $vM<\ sowie alle onbtttn M Partien btbtti'mb Miatr,
Wg »häw Man S48. ^euenlL
Die
W’totu
„Wetten;
in ® örnasurt *
allerersten
ledivWj!
Ä*
Adler-Drotiene0____
,an °m
Ale yeutige Mmmer umfaßt 12 Selten. 1 1 I" । —........ - --
3>ie Verwendung der Millionen.
Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt rnterm 25. November:
,Ln ein Wespennest gestochen^" hat das Zentrum mit fseinem Antrag auf Verwendung der Mehrerträgnisse ans Neu Zöllen zur Witwen - und Waisenversicher- rin g. Das Wespermest ist in diesem Falle die sozialdemo- ktrattsche Fraktion, aus deren Mitte ein Derwendungs- «ntrag nach dem anderen ,/luffchwirrt". Aussicht aus Annahme haben alle diese Anträge natürlich nicht, aber Hie werden in ausführlichen Reden begründet und erweisen siich so als probates Mittel, die Beratungen in die Länge flu ziehen, und das Interesse der Mitglieder der Mehr» 'eitsparteien an der parlamentarischen Arbeit brach zu Hegen. Man schilt das „Aufschwirren" immer neuer Der- w end un as an träge parlamentarischen Unfug", doch es USßt sich vom Standpunkt der Geschäftsordnung dagegen nichts einwenden. Die Mehrheit hat eben für ein beschlußfähiges Haus zu sorgen, eine Pfticht, die sie gestern versäumte, auf die sie siw heute aber besann. Es waren mrnd 100 Abgeordnete mehr anwesend als gestern, sodaß her sozialdemokratische Antrag, 100 Millionen Mark aus den Zollmehrerträgen jährlich für Volksschulzwecke zu ver- Henben, mit 211 gegen 59 Stimmen abgelehnt werden kannte. Der Antrag Rosenow (Sor.), von diesem Abge- oübneten eingehend begründet, die ZoMberschüsse zur Aufhebung der Salzsteuer zu verwenden, fiel mit 190 gegen »Ä Stimmen. Bon der einen zur anderen Abstimmung mar die Präsenz also schon mieb^r um 17 Köpfe gesunken. Nach dem Salz kam der Zucker an die Reihe, dessen Besteuerung Abg. Bernstein (Soz.) aus den Zollerträgen l»eseitigt wissen wollte. Es war also eine neue umfang* i nche Rede „fällig", doch nur die äußerste Linke stürzte sich in rednerische Unkosten, aus den Reihen der Mehr- lpntsparteten wurde kein Wort der Entgegnung laut. Als erber Abg. Bernstein vom Hundertsten ins Tausendste kam «nd dabei im harmlosesten Tone von der Welt erklärte: „Mr treiben keine Obstruktion!", da erscholl grimmiges Lachen und unwilliges Murren auf der Rechten und im stzmtrum. Der Zuckersteuerantrag, für den auch Abg. Richter (ffr. Vp.) eintrat, wurde mit 158 gegen 99 Stimmen ab» a ilehnt. D-och schon kam ein neuer „Streich" von sozial- b mokratischer Seite. Ehe man es sich versah, stand Abg. Durm an der Rednerbühne, umgeben von dickleibigen Wianten, um einen LVntrag aus — teilweise — Auf- b bung der Branntweinsteuer zu begründen. Es erhob siLH zorniges Gemurmel, als er zu sprechen begann. Doch hraS war zu machen? Man mußte auch diese Rede über siLH ergehen lassen. Graf Ballestrem „toacfjte" nur über erinen kleinen Abschnitt der heutigen „Diskustion", zumeist amtierten seine beiden Stellvertreter. Der Präsident salbst konferierte angelegentlich mit den Staatssekretären Wraf Posadowsky, Frhr. v. Thielmann und dem preußischen Handelsminister Möller. Tann sah man ihn in Begleitung von führenden Mitgliedern des Zentrums den Sitzungssaal verlassen. Auch die in den „Verständigungs- kliisschuß" delegierten Vertreter anderer Fraktionen, die togg. Graf Schwerin-Löwitz, v. Normann (kons.), Gamp Mp.), Dassermann (nt) begaben sich hinaus, und wenn wich Zweifel darüber bestanden, daß draußen wiederum eüiie Verständigungskonferenz tagte, dann wurden sie beheben durch das Erscheinen des Chefs der Reichskanzlei, Mheimrat Conrad, des ständigen Begleiters des Grafen Wlow, im Sitzungssaal. Ter Reichskanzler weilte also im Hause. — Der Branntweinsteuer-Antrag Wurm siel mit M3 gegen 43 Stimmen. Das anmutige Spiel mit Ver- iremdungsanträgen nimmt bis auf weiteres Fortgang.
Politische Tages schau.
Das Zollbunduis besiegelt.
Aus Berlin, 25. Nov., wird uns geschrieben:
Sie haben sich gefunden, nach Nöten, groß und schwer, dir Zollmehrheit und die Regierung! Wenigstens das Z mtrum hat durch Fraktionsbeschluß bereits das Siegel hilf die Verständigungsvorschläge gedrückt. Die Konserva- ti 5en sträuben sich noch ein wenig, aber im Prinzip sind siit ebenfalls gewonnen, und mit den Führern der Na- ti malliberalen, den Abgg. Tr. Sattler, Dassermann und ■frt. Paasche, bringt Graf Bülow heute abend vielleicht bü? Sache ins Reine. Das bayerische Zentrum setzt also fernen Willen durch, daß der Mindestzoll auf Braugerste Dom 3 Mark auf 4 Mark mit Zustimmung der Regierung mhöht wird. Dagegen verzichtet die Zollmehrheit auf ! einen Mindestzoll auf Futtergerste, weil Jiußland an der E nfuhr von Futtergerste hauptsächlich beteiligt ist, und ohnedies Schwierigkeiten genug von den Bertragsverhand- hingen mit Rußland zu gewärtigen sind. Ganz „uner- sLütterlich" ist mithin die Regierung nicht geblieben. Doch beä Zugeständnis fällt nicht besonders schwer nt die Waa- sÄale; es ist mehr ein moralischer, ein politischer, als : ei-i materieller Erfolg, den die Zentrumsherren aus Bayern durch ihre Zähigkeit errungen haben. „Anders thun wir näht mit!" war ihre konsequente Erklärung, und schließlich wird sich Graf Bülow schweren Herzens davon über- ; igt haben, daß die Zentrumsbayem keinen Spaß veröden und Mann für Mann die Zollvorlage abgelehnt Mten ohne die Gerstenzoll-Zulage. Nun soll „mit Dampf"
Tarifentwurf erledigt werden, durch Zusarnmenfaffung Htrer Reihe von Positionen. Es sind aber auch, wie wir >r lahren, in der Zwischenzeit neue Waffen gegen die Ob- icuttion geschmiedet worden, Anträge auf weitere Ab- iiioerunfl der Geschäftsordnung, die fix und fertig vor
liegen und sofort eingebracht werden können, sobald die Obstruktion Miene macht, die Harmonie des Zoll-Kartells zu stören. Die Gegenseite wird auch nicht gefeiert haben unb ebenfalls ihre Überraschungen in Petto haben. Bisher mischte sich bie Regierung in den häuslichen Streit des Reichstags nicht ein. Das dürfte sich voraussichtlich ändern, nachdem die Verständigung perfekt geworden ist. Dann handelt es sich um eine gemeinsame Sache, an deren Durchsetzung Regierung unb Zollmehrheit im selben Maße interessiert finb. So wird die Obstruktion, die im nächsten Stadium wohl hauptsächlich von der äußersten Linken übernommen wird, wahrscheinlich auch Vertreter der Regierung in den Reihen ihrer Bekämpfer erblicken. Sehr dankbar soll, wie man in politischen Kreisen versichert, Graf Bülow den Dauer-Rednern der äußersten Linken sein, daß sie durch diese Thätigkeit ungewollt das Band der Einigung um die anfänglich auseinander- ftrebenben Mitglieder des Zollkartells geschlungen haben. Nichts habe im Verlauf der Verständigungs-Unterhandlungen speziell auf die Konservativen mehr gewirkt und sie zur Nachgiebigkeit bewogen, als der Hinweis, daß der Fall des Zolltarifs den größten Sieg bedeuten würde, den die Sozialdemokratie jemals errungen.
Verstärkung der Kavallerie?
Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 25. November:
In der „Kreuzztg." hat kürzlich ein bekannter Militärschriftsteller die Unzulänglichkeit unserer Kavallerie gegenüber Frankreich und Rußland dargelegt. Ter Artikel bat Aufsehen hervorgerufen durch die Betonung, womit der Verfasser eine schleunige Verstärkung der Kavallerie forderte, und es fehlt nicht an Stimmen, die von der Lancierung einer neuen Militärvorlage sprechen. Nach unseren Informationen stehen amtliche militärische Kreise den betreffenden Ausführungen ferne, womit indessen nicht gesagt sein soll, daß nicht auch in amtlichen Kreisen der sehr sachkundige Inhalt der Darlegung Interesse und Beachtung gefunden hat. Aber eine neue Militärvorlage größeren Umfangs ist zur Zeit, wie wir bestimmt versichern können, nicht in Sicht. Wünschenswert ist manches, mit an erster Stelle eine Verstärkung der Kavallerie, die in der That weit zurückgeblieben ist im Vergleich zu der zahlenmäßigen Entwickelung anderer Waffengattungen. Tie Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage gebietet vor- täufig Entsagung.
Zum ?ode Alfred Friedrich Krupps.
(Originalartikel des „Gieß. Anz.")
Ein Frewnd unseres Blattes schreibt uns aus Essen a. d. Ruhr:
Wie eine Gewitterschwüle lag es seit den abscheulichen Verdächtigungen der Person des Geheimrats Exzellenz Krupp über fernen Werken und der Stadt Essen. Zu ungeheuerlich und furchtbar waren die Anschuldigungen, die der ,/Vorwärts"^ gegen die Person eines Mannes schleuderte, der aus der Gesellschaft Höhen stehend, seinen Werkesangehörigen und Michürgem stets als das Vorbild eines guten Bürgers und fittenreinen Mannes gegolten hatte. Alles dieses sollte nicht wahr sein? Jeder sträubt sich gegen eine Annahme, die nur zu sehr geeignet war, die Person Krupps tief in den Staub zu treten. In den Kaffeehäusern und Restaurants wurden die Artikel der Ver- täumber mit Kopffchütteln gelesen und mit einem „Pfui" beiseite gelegt So sah es aus in den letzten Tagen vor dem Tahinscherden des unvergeßlichen Mannes. Fürchterlich war die Beklemmung, die sich aller bemächtigt hatte, sie suchte nach einem Ausweg und er fand sich Am Samstag morgen um halb 12 Uhr strömten sämtliche Beamten des Krupp'schen Werkes im Fecht- und Turnsaale des Kasinos zusammen, um ihrem verehrten Chef in einer Resolution zu versichern, daß sie nicht den Machenschaften seiner Feinde glaubten, sondern treu und unentwegt zu ihm halten würden. Tie drei ältesten Beamten des Werkes wurden beauftragt, Herrn Krupp noch am Nachmittag diese Resolution zu überreichen. Auf dem Wege zur Villa Hügel — dem Wohnsitze der Familie Krupp — traf sie die Nachricht von dem plötzlichen Dahinscheiden bcs Chefs Das hatte kein Mensch geahnt, und als sich die Nachricht gegen 4 Uhr in der Stadt und auf dem Werke verbreitete, da begegnete sie nur einem verneinenden Kopf schütteln. Kein Mensch woMe an diese Nachricht glauben, sie klang so ungeheuerlich. Aber das Gerücht nahm an Bestimmtheit immer mehr zu und gegen halb 6 Uhr verständigte eine Bekanntmachung seitens des Direktoriums die Werkangehörigen von der Thatsache.
Welches tragische Ende! Ein allseitig geliebter und hochgeachteter Mann «war dahingegangen. Schon unter gewöhnlichen Umständen würde das Ableben eines Mannes wie Krupp in der ganzen Welt eine ungeheure Bewegung hervorgerufen haben. Hier aber lag es klar zu tage, die Verleumdungen hatten den herzleidenden, der Ruhe bedürftigen Mann, der am liebsten stille für sich gelebt hätte, mitten ins Herz getroffen. Die fürchterliche Nervenspannung der letzten Tage hatte sich einen gewaltsamen Ausweg gesucht: ein Gehirnschlag endete das Leben des als Industrieller in der Geschichte Deutschlands einzig dastehenden Mannes.
Seine Gemahlin, die vor einer Woche in Kiel noch mit ihm zusammen war, dann aber in einem Sanatorium Jenas Heilung für ein Leiden suchte, hat ihn nicht mehr lebend angetroffen. Am Sonntagvormittag traf sie auf Villa Hügel ein, von der ihr die schwarzen Trauerflaggen entgegenwehten. Sie und ihre zwei Töchter, Bertha und Barbara, stehen tieftrauernt) am Sarge des geliebten Mannes, des teuren Vaters. Von dem sMnen Familien
verhältnis, welches zwischen den Gatten einerseits und den Eltern und Kindern anderseits bestand, giebt die fn ihrer Einfachheit erschütternde Todesanzeige der Familie Zeugnis. Sie lautet:
„Gestern nachrnittag entschlief sanft und unerwartet mein lieber Mann, unfer teurer Vater, Herr Friedrich Alfred Krupp im Alter von 48 Jahren.
Hügel, den 23. November 1902.
Margarethe Krupp
und Töchter Bertha und Barbara."
Wer niemals die bürgerliche Einfachheit des verstorbenen loerrn Krupp und seiner Gemahlin zu beachten Gelegenheit gehabt hatte, muß aus dieser Anzeige schon den Schluß ziehen hon dem schlichten Wesen des Kanonenkönigs und seiner Familie. Wohlthun war die liebste Beschäftigung des ManneS, der mm das indirekte Opfer der Verleumdung einer italienischen Erpresserbande geworden ist. Wer zu ihm kam und ihm seine Not klagte, und wäre er der geringste seiner Arbeiter oder Mitbürger gewesen, er fand ein williges Ohr und ein allzeit zmn Geben bereite, offene Hand. Und wie er auch auf der Stufenleiter des Ranges und Ansehens stieg vor seiner Umgebung und seinen Werksangehörigen wollte er nur als „Herr Krupp" ange- redet sein. Bor seinem liebenswürdigen/freundlichen Wesen schwand die Scheu, die man wohl sonst im Umgänge mit hochgestellten Männern der Erde unwillkürlich hat. Und der Vollständigkeit halber muß es hier gesagt fein Haß seine Gemahlin in dieser Schlichtheit und im Wohlthun mit ihm stets wetteiferte. '
Aber nicht nur manche Thräne der Not wurde von ftügef aus getrocknet, hochherzige Geschenke von bleibendem Wert sind seitens des Verstorbenen der Bürgerschaft, insonderheit aber seinen Arbeitern gemacht worden. Der Bürgerschaft wurde es durch seine Zuwendungen ermöglicht, manchen Plan zu verwirklichen, der sonst erst noch Jahrzehnte lang auf Realisierung hätte warten können. Dadurch aber zeichnete sich die Freigiebigkeit des Herrn Krupp stets aus, daß er mit seinen Zuwendungen Dinge von bleibendem Wert ins Leben rufen half. Der Stadt Esten that ein würdiger Stadtgartensaal m>t, die Zuwendungen Krupps halfen ihn realisieren. Die Subventionen für das städtische Or ch ester und das Theater ermöglichen es, daß diese Anstalten in Esten mustergiltig genannt werden tonnen. Tie Stadt hat seinem persönlichen Eingriffe in ihr Geschick viel zui Lanken und daher ist der warme Nachruf, den ihrem Ehrenbürger die Verwaltung der Stadt bringt, wohl zu verstehen.
Seine Werksangehörigen verdanken ihm zwei große Schöpfungen, wie sie wohl einzig auf einem industriellen Werke dastehen mögen. Es sind dieses die Bücherhalle und der Bildungsverein. (W ließen sich über diese beiden Institute Spalten schreiben. Tie Bücherei, welche ohne einseitige Rücksichtnahme auf die Lektüre, alle Gebiete, der schönen und wissenschaftlichen, umfaßt, erregt das Erstaunen und die Bewunderung aller Fachkerrner. Sie bietet in ihrer Reichhaltigkeit dem Gebildeten und dem einfachen Manne geistigen Genuß und Anregung. Der „Bildungsverein" bietet seinen Mttgliedern eine Fülle von Anregung. Autoritäten auf allen Gebieten des Mistens halten in ihm Vorträge. Gesellschafts- und Unterhaltungsabende bieten litte* rarischen und musikalischen Genuß. Kurse auf allen Gebieten des Wissens sollen die weniger geschulten Mitglieder für die Ausgaben des Lebens geschickter machen.
Wir wollen hier schweigen von den sozialen Wohlfahrts» einrichtungen des Verewigten, sie sind, nehmen wir an, allseitig bekannt. Wissen wir es doch alle, daß er seinen alten Invaliden der Arbeit in schöner waldreicher Umgebung den „Altenhof" geschaffen hat — eine Kolonie, die mit zu den Sehenswüttngkeiten der Umgegend EssenS gehört.
Ter Schöpfer so vieler Einrichtungen, er der wohl ein Vater seiner Angehörigen genannt werden kann, der daS Werk seines im Alter von 74 Jahren gestorbenen genialen Vaters: „Ter Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl fein!" stets ins Prattische zu übertragen sich bestrebt zeigte — dieser edle Mann, er weilt nicht mehr unter den Lebenden.
Am Dienstagabend wurde seine Leiche in das sogen. „Ahnenhaus" — dem ursprünglichen Wohnhaus feinet Familie und seiner Vorfahren — das jetzt mitten in der Fabrik liegt, überführt, um von hier aus in der Gruft auf dem Friedhöfe am Kettwigerthor am Mittwochmorgen um 10 Uhr beigesetzt zu werden.
In diesem kleinen unscheinbaren Häuschen hatte der mächtigste Industrielle Europas feine Arbeitsstätte aufgeschlagen. In ihm weilte er oft und gern, wohl in Gedenken daran, daß von hier aus der Ruhm und die Größe seines Hauses ausgegangen sei. Von hier aus — dem Hause seiner Ahnen — von dem auch sein verstorbener Vater zur letzten Ruhe bestattet wurde, wird auch er hinausgetragen werden. Und alle die Großen und Kleinen, die feinem Sarge folgen, werden sich sagen müssen:
„Ach wir haben
Einen guten Mann begraben."
Tod) feine Werksangehörigen werden wehmütig hinM- setzen:
„Und uns war er mehr!"
Deutsches Deich.
Berlin, 25. Nov. Man meldet aus Bückeburg: Ter Kaiser, Fürst Georg und Prin^ Adolf von Schaum- burg-LipPe fuhren heute morgen in Begleitung des Oberjägermeisters Frhr. v. Heintze zur Jagd nach dem Bücke- berge, wohin die übrige Jagdgesellschaft später folgte. Das Frühstück wurde im Jagdhause Braudhof eingenommen und darauf die Jagd bis kurz nach 4 Uhr fortgesetzt. Heute, abend war im Residenzschlosse Diner.


