Ausgabe 
26.8.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 199 Erstes Blatt.

ISS. Jahrgang Dienstag 26. August IDOS

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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

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Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Garbenteich.

Dienstag den 16. September 1902 findet die Ueberweisung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke vom II. (letzten) Felde an Ort und Stelle statt.

Zusammenkunft vormittags 9 Uhr im Gemeindehaus zu Garbenteich, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen be­kannt gegeben werden.

Die Ueberweisung erfolgt unter folgenden Bedingungen:

1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden.

2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Aus­führung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch bedingterAb- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet bezw. zugeschrieben.

Friedberg, den 22. August 1902.

Der Großh. Bereinigungskommissär:

I. V.: Schnittspahn, Regierungsassessor.

KieUebermeuscheu".

Die Berliner freikonservativePost" plädiert in einem mit großer Wärme geschriebenen Artikel für eine Revision des gegen den bekannten Afrikareisenden Tr. Peters ge­fällten Urteils, um den nach Ansicht des genannten Blattes verdienstvollen Forscher wieder für Deutschland zu ge­winnen.

Dr. Peters har in mancher Beziehung Deutschland Dienste geleistet, auch ist er ein fähiger und energischer Kopf, der unter einer guten Oberleitung tüchtiges leisten könnte. Für eine selbständige und mit voller Berantwar- tung ausgestattete Stellung ist Dr. Peters indes nicht der geeignete Mann; namentlich nicht in so exponierten Plätzen wie in unserem Kolonialgebiet, wo nur völlig intakte Geister and ausgeglichene Charaktere zu brauchen sind. Tie Thaten ves Tr. Peters entsprechen keineswegs diesen Forderungen. Dr. Peters ließ in seiner Verwaltungsthätigkeit dasjenige überlegene Verhalten vermissen, das man von einem deut­schen Mann, der in fremdem Erdteile die deutsche Kultur c^räsentiert, verlangen muß.

Wer den Lebens- und Entwickelungsgang des Tr. Peters kennt, wird sich über die Grundsätze, nach denen erre­gierte", kaum wundern. Von hyper-aristokratischen Auf­fassungen ausgehend, erkannte er in der, Welt und ihren Menschen nur Objekte für angewandte MillensmacU und -Kraft. Aus dem Schopenhauer'schen Pessimismus ent­wickelte er sich zum Vertreter eines einseitigen Nietzsche- anismus. Nur so ist seine Auffassung der Politik zu ver­stehen und sind seine Handlungen eines brutalen persön­lichen und nationalen Egoismus zu erklären. Es spukte in ihm etwas vomUebermenschen".

Wir denken aber, unsere heutige Zeit hat alle Ursache, sich gegen dasUebermenschentum" entschlossen zu erklären, sintemalen wir erkannt haben, daß diesemUebermenschen- tum" fast stets geistige oder seelische Minder­wertigkeit zu Grunde liegt. Unsere ganze Oeffentlichf- keit, unsere Kunst, unsere Litteratur, unsere Politik und unsere soziale Moral haben unter dieser Seuche des Ueber- menschlertums zu leiden! Hysterische Weiber mit ihren über­triebenen Emanzipationsbestrebungen, talentloseDichter", Dramatiker, Novellenschreiber, kurz unfähige Skribenten

aller Art produzieren sich in geschwollenen Thesen und Reden und glauben, daß siebedeutend" sind, weil sie mit knabenhafter Ungeniertheit an demGewordenen" und Konventionellen" rütteln. Daß in den Erscheinungen unseres wirffchaftlichen, politischen, sozialen und moralischen Lebens etwas liegt wie ein Gesetz, das der intelligente Mensch erkennen sott, bleibt ihnen verborgen; sie meinen, sie wären etwas, weil sie ihre Kinkerlitzchen von Gedanken in eine mehr ober minder pastose Form zu kleiden ver­mögen. Aus dieser Gesellschaft heraus wachsen dann die Adeen vonjenseits von gut und böse", von dem Recht, sich über diekonventionelle Moral" hinwegzusetzen, stammt jener blöde animalische Egoismus, der sich erhaben vor- l'ommt, wenn er das Individuum in schrankenloser Ge­walt über die Rechte und Bedürfnisse der Gesamtheit stellen, will. Taß diese Gesellschaft keinen einzigen wirklichen vollen und großen Gedanken je erfaßt oder künstlerisch gestaltet hat, lommt ihr natürlich niemals zum Bewußtsein, und gar gewaltig würde sie sich aufbäumen, wenn man ihr nachwiese, daß es nur Defekte der Intelligenz und des Psychischen sind, auf denen sich ihrUebermenschentum" ausbaut.

Es ist niemals eine geistige That gewesen, die Gesetze des Zwangs und der Einschränkung mit ihren Nebenpro­dukten derKonvenienz" beseitigen zu wollen, um in einem wilden sozialen, polnischen und moralischen Anarchismus etwaserlösendes" undgroßes" zu erblicken. Tas war zu aller Zeil die Anschauung der intellektuell Desekten und psychisch Wurmstichigeii. Vollnaturen und gesunde Gehirne haben stets erkannt, daß die Kultur in der rücksichtslosesten Meisterung aller animalischen Triebe liegt, wenn anders es ein Gesetz der Entw i cke lun g giebt.

Also nichtUebermenschen" zu züchten ober zu fördern, ist die Aufgabe der heutigen Zeit, sondern allem krank­haftem Ucberschwang, aller kindischen Revolutionierungs­sucht, vor der keine Position des moralisch und sozial Gewordenen Stand hält, energisch entgegenzutreten. Vor­nehmlich muß aber auch Widerspruch' gegen jene erhoben werden, die die Selbstherrlichkeit des Individuums pre­digen und die für alle gültigen moralischen Gesetze außer Kraft erklären, wenn ihreSouveränetät" davon unan- genebm berührt wird. Das Uebermenschentum in politischer Beziehung führt zum Napoleonismus mit all seinen krank- hasten Begleiterscheinungen des Ehrgeizes, der Ruhmsucht und brutaler Rücksichtslosigkeit gegen andere.

Großbritannien mit seinen Ceeil Rhodes und seinem Chamberlain geben uns ein warnendes Beispiel, wohin diesesUebermenschentum", das in Wahrheit Entartung ist, führt.

Vielleichr heißt es dem Gesamtauftreten des Dr. Peters und seiner Persönlichkeit zu viel Bedeutung beigemessen, wenn man ihn als eine Vollerscheinung desUebermenschen- tums" behandelt. Die Thaten indes, die die prüfende Kritik beurteilt und registriert hat, weisen zweifellos darauf hin, daß Dr. Peiers j ein Amt mit Anschauungen und Auffassun­gen ausgeübt hat, die von der gesunden Norm abweichen und eine weitgehende Ueberschätzung seiner persönlichen Be­deutung einschjießen.

Unsere Regierung muß darauf halten, daß nur in jeder Beziehung intakte Köpfe und Charaktere in verantwortungs­volle Aemter kommen. Ist dieser Standpunkt richtig, so kann von einer Wiederverwendung Peters im deutschen Tienste keine Rede sein.

Politistie Tagesschau.

Eine neue Rede des Kaisers.

Im Neuen Palais bei Potsdam fand am Montag eine größere Tafel statt, zu welcher zahlreiche Einladungen an die

Civilbehörden und die provinziellen Körperschaften der Provinz Brandenburg ergangen waren. Der Hof betrat den Saal in feierlichem Zuge. Hierbei führte der Kaiser die Kaiserin, der Kronprinz die Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen. Bei der Tafel saß der Kaiser rechts von der Kaiserin, dem Kaiserpaar gegenüber saß Oberpräsident von Bethmann-Hollweg. Rechts vom Kaiser folgten zunächst Prinzessin Friedrich Leopold, Oberstkämmerer Graf zu Solms- Baruth, die Palastdanie Gräfin Keller, Minister v. Wedel, Hofdame Gräfin zu Stollberg-Wernigerode, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Lueanus, Hofdame Burggräfin und Gräfin zu Dohna, General der Infanterie v. Liegnitz, General der Infanterie v. Plessen, Staatsminister Frhr. v. Hammerstein; links von der Kaiserin folgten zunächst der Kronprinz, Oberhof­meisterin Gräfin Brockdorff, Generaloberst v. Hahnke, Hof­dame Frl. o. Gersdorff, Oberhof- und Hausmarschall Graf zu Eulenburg, Oberhofmeisterin Gräfin v. Schwerin, Minister Dr. Schönstedt, Minister v. Goßler, Minister Dr. Studt, Minister Budde. Bei dem Diner hiell der Kaiser fol­gende Ansprache:

Ich heiße von ganzem Herzen die Vertreter der Provinz Brandenburg willkommen, willkommen hier in den Räumen des Neuen Palais, jenem großen Bau, der dem Kopse des großen Königs entsprang, um nach beißen Kämpfen, in denen er um die Zukuusl und Größe der Mark und seines Landes gerungen hatte, den (Gegnern zu zeigen, daß er noch Geld zur Verfügung habe; aus dem Boden Potsdams, das ein Tuskulum für den großen Kö­nig und für seine Nachfolger wurde, auf dem Boden geheiligter Er­innerungen an meine Vorgänger, zumal an meinen seligen Vater und meine selige Mutter, deren schöpferischem Sinn so manches Schöne zu verdanken ist, was wir jetzt hier im Park und in oa Umgebung von Potsdam bewundern können. Ich freue mich, di« Märker wieder nm mich versammelt zu sehen, denn ich habe das Gefühl, daß alles, was Land geworden, was Reich geworden, schließlich beruht auf einer feften Säule. Diese Säule ist die Mark. So wünsche ich denn von ganzem Herzen, daß meinem Hause auch fernerhin beschieden sei, treue, zuverlässige, g eh orjame und pflichttreue Uuterthanen zu haben, wie die Märker von jeher den Hohenzollern gewesen sind. Ich erhebe mein Glas unb trinke auf das Wohl der Mark und der Provinz BrandQiburg. Hurrah, Hurrah, Hurrah! Die Musik setzte mit dem Fansarenmarsch einHie gut Brandenburg allewege."

Die Vereinigung der evangelischen Kirchen.

Die Frage einer engeren Vereinigung der deutschen evan­gelischen Landeskirchen wird seit der Eisenacher Kirchenkonferenz vom 31. Mai v. I. von kirchlichen Organen lebhaft diskutiert. Freilich gehen die Meinungen über die Wege, die zur Er­reichung dieses Zieles eingeschlagen werden sollen, noch sehr weit auseinander, auch unter den Angehörigen einer und der­selben kirchlichen Richtung. Ueberhaupt fft der Kampf zwischen den verschiedenen Richtungen innerhalb der evangelischen Kirche zur Zeit viel schärfer denn je entbrannt. Gegen Harnack und Rade wird in den orthodoxen Organen sehr geeifert Die Reformation", das Organ der Stöcker'schen Richtung, for­muliert in ihrer letzten Nummer noch einmal scharf die in der Glaubenslehre zwischen beiden Richtungen bestehenden wesentlichsten Differenzpunkte und erklärt darauf kurz und bündig:

Das sind zwei so unendlich weit verschiedene Anschauungen, daß trotz aller Gemeinsamkeit der sittlichen Forderungen ge­genüber der 'Welt von einem gemeinsamen Glauben nicht ge­redet werden kann. Es handelt sich nicht mehr um verschiedene Richtungen auf gemeinsamem Glaubensgrund, sondern um verschie­dene Konzessionen, zwischen denen kein Friede sein kann, weil sie innerhalb derselben äußerlich versüßten Kirche bestehen."

tzin Uesuch öeim Sultan von Johore.

Mancher unserer Leser wird sich erinnern, daß bei dem vorjährigen Gartenfest zu Gunsten eines Gießener Saalbaues unter die frohen Jahrmarkts­gäste auch ein exotischer Fürst, der Sultan von Johore, sich gemischt hatte, der bekanntlich Jahre lang in Frankfurt am Main seinen Wohnsitz hatte. Der freigebige Fürst erregte damals natürlich unter uns nicht geringes Auf­sehen. Die hochgewachsene Gestalt, der wahrhaft herkulische Körperbau des 28 jährigen Fürsten hatten etwas Jmpo- uierendes. Abgesehen von seiner gelblichen Hautfarbe und dem unverkennbar malayischen Typus machte er in Klei­dung, Manieren, Unterhaltungsgabe, Umgangsform durch­aus den Eindruck eines wohlerzogenen englischen Gentle­man. Nur wenn er lächelte, ward dieser Ausdruck momen­tan gestört durch das Erscheinen einer doppelten Reihe blendend-goldener Zähne, in die man zum Ueberfluh noch mehrere prachtvolle Brillanten eingelassen sah. Seine Stimme klang laut und energisch, kurz, er bildete die Sensation jenes schönen Gießener Festes.

Seit diesem Frühjahr weilt nun Sultan Ibrahim wieder in seiner hinterindischen Heimat, und ein Herr F. v. Rauch, der zufällig mit ihm die Reise nach Singa- pore auf dem ReichspostdampferHamburg" zurückgelegt hat, hat ihm dort einen Besuch abgestattet. Er erzählt darüber u. a. folgendes imBerl. Lokal-Anz.":

In Singapore erhielt ich am 27. Mai die schrift­liche Einladung des englischen Privatsekretärs Mr. Camp­bell Ker, mich am folgenden Morgen nach johore zu begeben. Bei Tagesanbruch war ich denn auch aus den Beinen, und um sechs Uhr rollte id^ in bequemer ein­spänniger Victoria durch die stillen Straßen Singapores unb bann längs einer feit Ewigkeit im Bau befindlichen schmalspurigen Bahnlinie hinaus. Ins Freie.

Die 14 Meilen Weges bis zum Fischerborfe Kranji sinb gegen 8 Uhr zurückgelegt; wir haben die Insel Singapore burdj.qucrt; vor uns öffnet sich ein weiter Blick über die alte Straße von Malakka, von Dschunken unb kleinen Booten belebt. Von brüben schimmern bie Kuppeln einer stattlichen Moschee Johore ist ein mu- hamedanischer Staat herüber zu bem biesseitigen Ufer, an bem ein stattlicher eiserner Steg mit einer Überbachten Vorfahrt wohl hundert Schritte ins Meer ragt. Hier liegt ein schmuckes, weißes Boot mit acht Ruderern für mich bereit. Es sind Malayen in europäischer Matrosen­tracht, wetterfeste, kleine Kerle mit feurigen Augen unb vom Betel rotgefärbten Zähnen. In 20 Minuten sinb wir brüben an der im stattlichen Schmuck prangenden Anlegebrücke. 200 Schritte dahinter auf einer kleinen Anhöhe in herrlichster Parkanlage dehnt sich Jstana Befar, der alte Palast in Gestalt eines T förmigen, riesigen Bungalow, 150 Schritte lang und etwa 100 Schritte tief. Durch große, europäisch, aber barbarisch eingerichtete Säle werde ick) zu dem mir bestimmten Apartement im ersten Stock geleitet ein kleiner Salon, ein geräumiges Schlaf­zimmer unb Toilettenzimmer, aus dem eine Wendeltreppe zum Badezimmer ebener Erde führt. Ter mir zugewiesene Malayendieuer rüstet Bad, frische Gewandung und ein leichtes Frühmahl. Hernach begrüßt mich Privat»ekretär Mr. Ker im Namen des Sultans, der auf Jagd abwesend ist. Mit einem Tags zuvor eingetroffenen deutschen Schiffsgenossen, Baron Swaine, machten wir alsdann eine größere Promenade in dem wunderbaren Park mit seiner tropischen Vegetation, den einzelnen Regierungsgebäuden, dem Privatpalast des Sultans, der denselben als schattiges Versteck dient, und finden uns bann zum Frühstück bei den Damen, nämlich Mrs. Ker, Baronin Swaine unb einer Miß Furneß ein. Die Tafel ist hübsch mit silbernen Aufsätzen unb Blumen geziert; acht Diener servieren stink

unb geroanbt in weißen Anzügen mit golbenen Wappen­knöpfen, über ben Beinkleibern einen schürzenarbrgen gelben Sarong, barfuß unb mit schwarzen Sammetkappen. Nachmittags besichtigen wir bie reiche Schatzkammer mit viel golbnem Gerät, Schmuck unb ebelsteinbesetztem ver- golbeten Hellebarben, Schwertern usw., ferner das Städt­chen, Johore Bahrn, das sich mit einer Huptstraße am Ufer entlang zieht. Hauptsächlich sind die Bewohner Chi­nesen, in zweiter Linie Malayen, dann Araber unb Inder. Das stattlichste Gebäude ist ein vom Sultan subventio­niertes Hotel; zwei neue Flügel sind im Bau und sollen zu Ende des Jahres eingeweiht werden. Hier lerne ich einige englisch sprechende Beamte beim Billardspiel kennen, auch einen Vetter des Sultans, den Unfu (Prinz) Sulei­man, einen stattlichen Herrn mit goldener Brille, spitz- gedrehtem Schnurrbart und gekräuseltem Haar. Gegen Abend sendet der Sultan eine elegante Kalesche auf Gummirädern, mit australischen Pferden bespannt, oie von den Damen in meiner Begleitung zu einer Spazierfahrt längs der Küste benutzt wird. Am Hoftntal vorbei und dem Ankerplatz der Flottille, dem Militärbadeplatz, her­nach ins Innere einlenkend, geht br Fahrt auf pracht­voll chauffierten Wegen burch ben Park unb zu bem hoch­ummauerten, blaugetünchten Gefängnishof. Seitlich unter einem offenen Sch tippen werben in kleinen Käfigen in Fallen gefangene Königstiger unb schwarze Panther ge­halten, ingrimmige Burschen, bie in ohnmächtiger Wut gegen bie Beschauer anspringen, knurren unb bie Barren zu biegen suchen. Bei einem prächtigen Sonnenuntergang treffen wir im Befar ein unb gehen alsbalb zum lecker bereiteten Mahle.

Der nächste Morgen bringt uns in aller Herrgotts­frühe ben Sultan zu Besuch. Er ist ein Frühaufsteher unb liebt es, feine Beamten bei der Vormittagsarbeit zu überraschen unb zu kontrollieren. Er hat am Bor-