Ausgabe 
26.7.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

auch eine Folge der von den Regierungen geduldeten Sem* sesstomrlisierung der Wißen schäft ist.

Daß aber solche politisch-konfessionellen Gesichtspunkte bei Be­rufungen und Beförderungen eine Rolle spielen müssen, ist höchst bedauerlich und für das Ansehen der Universitäten sowie für die der wissenschaftlichen Arbeit nötige Ruhe außerordentlich schädlich. Das ist dieDregradierung" der Wissenschaft, von der Mommsen spricht. Wer ist aber daran schuld? Nicht die Fakultäten, die sich mit Leidenschaft gegen die Errichtung konfessioneller Professuren iwehren, sondern die Regierungen, welche so schwach sind, demAn- fhrntt ultramontaner Heißsporne nachgeoen ,unb auf^diese Weise die Wissenschaftlichkeit der deutschen Universitäten auf dem Altar der Pcrtteipolttik opfern.

Wie weit das Bestreben nach Konfesftonalisierung führen kann, lchrt noch ein anderer höchst bedauerlicher Fall an der Universität Würzburg. Der außerordentliche Professor der englischen Philo­logie Marx Forster erhielt im Sommer v. I. zwei materiell höchst verlockende Rufe an die eben gegründete Haitdelshochschule m Köln und Akademie der Sozial- und Handelswißenschasten in Frankfurt a. M. Fakultät und Senat wollten sich aber diese höchst geschätzte Lehrkraft erhalten und schlugen Förster zum Ordinarius vor. Das Ministerium ging auf die Wünsche der Universität ein unter der Bedingung, daß die Universität aus eigenen Mitteln die Echöhung des Gehaltes Försters bestreite. Das machte keine SchwierHkeit. Die Sache schien gesichert, und Förster lehnte ab. Kaum war dies geschehen, so schrieb irgend ein Hetzblatt einen fulminanten Artikel gegen die Würzburger Universität:Förster", so sagte das Blatt,war Protestant, deshalb beförderte man ihn, Lhrouft war Katholik, deshalb wollte man ihn nicht haben!" Man sollte es nicht für möglich hatten, aber dieser Angriff eines Untergeordneten Preßoraans genügte, um das Ministerium Land- marax ernzuschüchtern. Es beförderte Professor Förster nicht.

Niedergang des russischen Bauernstandes.

Die Feststellung der Ursachen des Verfalls der bämer- Ocheu Wirtschaften in Rußlano bildet eine der Kardinal- Msgaben der von dem Landwirtschastsminister eingesetzten besonderen Konferenz. Besonderen Wert beansprucht eine Publikation der SemstwoVerwaltung von Schadrinst. Diese Verwaltung hat in diesem Jähre eine Arbeit veröffent­licht, in der sie den Gang der bäuerlichen Wirtschaften im Laufe der letzten 20 bis 30 Jahre behandelt. Das Material hierzu haben chr die Antworten von 180 Korrespondenten geliefert, denen die Frage gestellt worden war, ob sich die bäuerlichen Wirtschaften im Laufe der genannten Pe­riode verbessert oder verschlechtert hätten. föon diesen 180 Korrespondenten glaubten 30 nur relative Verbesserung kon­statieren zu können, während alle übrigen direkt oder in- virekt einen Niedergang feststellen.Große Wirtschaften", so schreibt ein Korrespondent,giebt es sehr wenige, etwa gegen 2 Proz. Die Tnrchschnittswirtschasten besitzen wenig Vieh, keine Vorräte an Getreide, kein Geld. Die Miß- ernte eines Jahres, selbst wenn sie auf eine Reihe guter Erntejahre folgt, droht mit Hunger. Die Zahl der Armen ist im Wachsen begriffen." Ein anderer Korrespondent glaubt den Niedergang der Wirtschaften darin konstatieren zu können, daß die Bauernhäuser schlechter, das Vieh weniger und Keiner und die Aecker ebenfalls schlechter ge­worden seien.Ob der Bauer sein Getreide säet oder nicht, für sich, behallen kann er es doch nicht, weil er es zum Decken seiner Steuerzahlungen verkaufen muß. Tie Bauern besitzen nicht daA nötige Getreidegucmtum, um sich zu er­nähren", schreibt ein Priester, und ein zweiter bemerkt, daß der Niedergang schon an einer Abnahme des Viehes und an einer Verschuldung der Bauern zu tage träte. Ein Lehrer schreibt:Die Bestellung der Aecker hat abgenom­men und der Boden ist erschöpft. Fast keine Wiesen sind mehr vorhanden, und die Wälder sind ausgeholzt, dabei sind die Steuern gewachsen und die Mißernten häufiger geworden. Der Niedergang der bäuer­lichen Wirtschaften liegt darin, daß die Ausgaben nicht mehr durchs die Einnahmen gedeckt werden können." Sehr charakteristisch ist die Antwort eines anderen Priesters: ,Mn jeder Bauer, der einen Landanteil von acht Dessjatinen besitzt und sich ausschließlich mit Getreidebau beschäftigt­kann bei einer Durchschnitts ernte nur kaum sich und seine Familie ernähren, daher fehlen bei zwei Drittel der Be­völkerung die Getreidevorräte und mangelt es an Aus- saatkorn, welches die Bauern zu Wucherpreisen leihen müssen. Infolgedessen tritt von Jahr zu Jahr eine Ab­nahme des mit Getreide angebauten Areals zu tage. Die ganze Tragik der gegenwärtigen Lago des Bauern besteht darin, daß das, was er erarbeitet, zu gering ist, um alle Natural- und Reallasten zu tragen." Was die Ursachen der Mißernten betrifft, so wird in den Antworten hauptsächlich auf eine Erschöpfung des Bodens, ungenügende Düngung, schlechte Be­arbeitung und Unkenntnis der Führung der Wirtschaft hingewiesen. Selbst in Wirtschaften, wo der Bauer zu einer intensiveren Bearbeitung gegriffen hat, läßt sich der Rückschritt nicht leugnen. So besagt ein gün­stiges Urteil:Die bäuerliche Wirtschaft verbessert sich im Sinne der Bodenbearbeitung, dagegen verschlechtert sie sich im Sinne der Ertragfähigkeit. Eine Verbesserung tritt darin zu tage, daß vervollkommnetere Geräte und besseres Saat­gut benutzt werden; eine Verschlechterung in einer pro­gressiven Abnahme ldes Ertrages pro Tessjatine." Ein anderes Urteil lautet:Die bäuerliche Wirtschaft geht der Verarmung entgegen. Was die Führung der Wirtschaft betrifft, so verbessert sie sich von Jahr zu Jahr, und die Arbeit des Bauern wird durch Anwendung besserer Geräte leichter; aber der Niedergang tritt trotzdem zu tage."

Aus Stadt und Zand.

Gießen, 26. Juli 1902.

** Das Vorlesungsverzeichnis der hiesi­gen Universität für das Winterhalbjahr 1902/03 ist erschienen. Der Beginn der Immatrikulation ist für den 20. Oktober, der der Vorlesungen für den 27. Oktober vor­gesehen. Die Dekane für 1903 sind: für die evangelisch-theo­logische Fakultät Prof. Dr. Baldensperger, für die juristische Fakultät Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt, für die med^inische Fakultät Prof. Dr. Geppert, für die philosophische Fakultät Prof. Dr. Dieterich. Von den angelündigten Vorlesungen erscheinen uns folgende llrr die Allgemeinhett bemerkenswert: Prof. Dr. Bal­densperger über das Leben Jesu, Privatdozent Lie. Köhler über Hessische Kirchengeschichte, der­selbe über die Aufklärung und ihre Bedeutung für die geschichtliche Entwickelung, besonders in Deutschland, gratis (für Studierende allerFa- kultäten), Prof. Dr. Schmidt über Grundzüge des deutschen Privatrechts mit Berücksichtigung der Rechtsentwickelung in H e s s e n, Privatdozent Dr. Böt­ticher über Unfallheilkunde mit Kranken Vor­st e II u n g e n, Prrvatdozent Dr. Dann emann über f o - r ensische Psychiatrie für Mediziner und Juristen, Geh. Hofrat Prof. Dr. Sieben über Wesen, Ursprung und En tw icrlung der Sprache, Prof. Dr. v. Wag­ner über Desc-endenztheorie, Prof. Dr. Sievers

über Geographie von Hessen, Privatdozent Dr. Liefmann über Geschichte der Nationalökono­mie und des Sozialismus, derselbe über Grund- züge der Finanzwissenschaft mit besonderer Be­rücksichtigung der hessischen Steuerreform, Pros. Dr. Wimmenaner über Waldertragsregelung nach hessischer Vorschrift, mit Ausführung eines praktischen Beispiels, Geh. Hofrat Prof. Dr. O n ck e n über Geschichte der französischen Revolutionszeit 1774 bis 1804, derselbe über Deutsche Geschichte in der Zeit der Fremdherr schäft, der Befteiungskriege und des deutschen Bundes (180ö1848), derselbe über Streitfra­gen der Geschichte des Altertums und der Neuzeit, Prof. Dr. Sauer über Berühmte Kunst­werke aller Epochen (mit Projektionsbildern), Geh. Hof­rat Prof. Dr. B e h a g h e l über Geschichte der deut­schen Sprache, Privatdozent Dr. Collin über Ge- schichtedesdeutschen Dramasiml9. Jahrhun - d ert. Teil II. (18501900), Musikbirektor Trautmann über L. van Beethoven und seine Werke, mit Beispielen am Klavier. Auch Prof. Dr. Gundermann hat Vorlesungen angekündigt.

? Evang elis ch er Arbeiterverein Gießen. Mit dem, nächsten Sonntag hier statt find enden Verbandsfest des Verbandes mittelrheinischer Arbettervereine ist bekannt­lich die Fahnenweihe des hiesigen Arbeitervereins ver­bunden. Sie wird nachmittags 21/2 Uhr in Stein's Garten nach einer Begrüßungsansprache des Pfarrers Dr. Grein durch den Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Stamm voll­zogen. Die Fahne, die auf hellblau-weißseidenem Stofs prachtvolle Gühenlaub-Stickereien trägt, zeigt auf der Vorderseite das kunstvoll ausgesührte Gießener Stadt­wappen mit der Umschrift:Ev. Arbeiterverein Gießen 1902." Auf der Rückseite befindet sich das Symbol: Zwei verschlungene Hände, umrahmt von dem Wahlspruch des Vereins:Habt die Brüber lieb, fürchtet Gott, ehret den König!" Die Fahne wird nächsten Sonntag um 1.15 Uhr von der Wohnung des derzeitigen Vorsitzenden unter Vor­antritt der Regimentskapelle nach Oswalds Garten ver­bracht, wo um IV2 Uhr der Festzug sich in Bewegung setzt. Die Betelligung von auswärts scheint sehr groß zu werden. Ein Extrazug von Frankfurt bringt allein über 500 Fest­teilnehmer.

** Wetterbericht. Die Luftdruckvertellung ist noch etwas unregelmäßiger geworden, wobei fortgesetzt noch geringe Unterschiede in den Barometerständen herrschen. Im Norden des Erdteils besteht niedriger Druck mtt einem Depressions-Zentrum an der norwegischen Westküste fort, während über den kontinentalen Lagen relativ hoher Druck liegt. In Italien ist das Barometer unter 760 Mlllimeter gesunken. Das Wetter ist meist wollig oder trüb und von Zeit zu Zett fällt strichweise Regen. Die Temperaturen haben keine wesentlichen Aenderungen erfahren, -r- Voraus­sichtliche Witterung: Abwechselnde Bewölkung mit Ge- wtttern und Strichregen, mäßig bewölkt.

** Biograph. Auf Oswaldsgarten sinden von Sonn­tag, den 27. Juli, ab täglich fünf Vorstellungen von Bläsers Riesen-Kinematograpb statt. Dieses Unternehmen wurde vom Großherzog und der Großherzogin von Hessen, vom Kaiser und der Kaiserin von Rußland und anderen hohen Persönlichketten in ehrenvoller Weise anerkannt. (Siehe Jnserctt)

e. Bad-Nauheim, 25. Juli. Die Frequenz hat abermals zugenommen, trotz des schlechten Wetters der letzten Tage. Nach den amtlichen Zählungen sind in der vergangenen Woche 1311 Fremde hier zur Kur angekommen, sodaß die Gesamtfrequenz am 24. Juli 15162 Per­sonen betrug, gegen 13 852 zur selben Zett im vorigen, Jahre. Anwesend sind z. Z. 5956 Kurgäste, gegen 5865 zur gleichen Zett im Vorjahre. Vom 1. April bis 24. Juli wurden 176 875 Bäder gegeben, im Vorjahre 175 514. Es sind jetzt 1310 Kurgäste mehr in der Gesamtfrequenz gezählt, wie 1901.

() Stornfels, 25. Juli. Ein Beweis dafür, daß in unfern Vogelsberger Wäldern das Hochwild noch nicht ausstirbt, ist, daß der Jagdaufleher Rummel hier heute einen kapitalen Hirsch erlegt hat, den zweiten inner­halb kürzer Zett. Einen anderen Hirsch hat der Schütze leider nur angeschossen und gelang es ihm bis jetzt noch nicht, desselben habhaft zu werden.

O s fenb ach, 24i Juli. Die Stadtverordneten­versammlung beschloß heute auf Grund des Art. 10 des Gesetzes vom 30. März 1901, betr. die Gemeindeumlagen, die Befreiung der Einkommen weiblicher Per­sonen bis zu 500 Mark von der Gemeind esteuer für das Jahr 1902. Im vorigen Jahre ist ein gleicher Beschluß gefaßt, jedoch vom Kreisamt angefochten worden. Die Ent­scheidung des Ministeriums darüber steht noch aus. Im Laufe der Verhandlungen teilte der Oberbürgermeister mit, daß der Hafen voraussichtlich Ende September dem Be­triebe übergeben werden kann. Flüchtig gegangen ist unter Mitnahme von ca. 6000 Mark fremden Geldern der Vertreter der Kaiser Friedrich-Quelle KarlSchmidt von hier. Schmidt, welcher in den besten Gesellschaftskreisen großes Ansehen genoß, hat Frau und fünf Kinder im Stich gelassen. Ein großer Teil der veruntreuten Summe soll bereits gedeckt sein.

Kassel, 24. Juli. Der Kongreß des Verban­des der Zahnkünstler-Vereine Deutschlands wurde heute abend hier eröffnet. Der Geschäftsbericht konstatiert eine günstige Entwickelung des Vereins; über 450 Mit­glieder sind zugekommen, so daß insgesamt der Verband 1450 Mitglieder zählt. Besonders erfreulich entwickelte sich die Fachschule Berlin.

Vermischtes.

* Berlin, 25. Juli. Im hiesigen Jnstttut für In­fektionskrankheiten befinden sich zwei Lepra-Kranke, ein Zigarrenmacher ans Breslau und dessen Frau.

* Baden-Baden, 25. Juli. In Oos wurde ein junger Mann verhaftet, als er mit einem Revolver auf ein Mädchen schoß. Ter Verhaftete nennt sich Ganton Crispi, behauptet, in Rom als Sohn de^ Staats­ministers Crispi geboren zu sein und sei Haupt­mann einer Räuberbande. Er spricht geläufig deutsch (rheinisch Dialekt). Bei ihm wurden außer Re­volver mit scharfer Munition, eine silberne Remontott- uhr, auf deren StaubdeckelZinghan Josef, ans Cardan, Mosel" eingraviert ist, ein Dolch mit Horngriff und Leder­scheide, ein Meterstab und eine Mllttärkoppel gefunden. Die Staatsanwaltschaft in Karlsruhe ersucht um Mittettung über den wahrscheinlich Geisteskranken.

* Kairo, 25. Juli. Die Cholera verbreitete sich über ganz Kairo. Gestern wurden^ 38 Cholerafalle fest- gestellt. Die Zunahme ist heute unbedeutend, doch, ist die Zahl noch nicht amtlich festgestellt. Die Gesamtzahl der Ctzoleraerkrankungen in Mucha und Kairo seit dem 15. Juli

belauft sich auf 307 bei 227 Todesfällen. Zur Zett sink» 63 Fälle in Behandlung. Alle egyptischen Truppen in Kairo sind nach dem Lager von Abbassye verlegt worden.

* Ter Kaiser und Siegmund Lautenburg.^ Th. Kappstein veröffentlicht imHamb. Korr." ein Feuille­tonDie Berliner und ihr Kaiser", worin er unter anderen Räubergeschichten erzählt, die Franzosen hätten dem Kaiser in einem eingeschriebenen Bries ihre Kaiserwürde angeboten. Wörtlich fährt Herr Kapp- stein fort:Thatsache ist, daß der Direktor unseres Resi­denz-Theaters, S. Lautenburg, im vergangenen Jahre aus Paris nach wenigen Tagen Aufenthalts geflüchtet ist, wett ihn die Pariser nach Physiognomie wie Barttracht und Kleiderschnitt für den deutschen Kaiser gehalten haben und ihm nicht von den Fersen wichen."

* Zum Tode des Frl. Dr. Elise Neumann können wir unsere Mitteilungen ergänzen, daß es höchst- wahrscheinlich ist, daß die Dame ein Opfer ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit geworden ist Als Frl. Dr. N. dem Cyankali ein anderes Ingredienz hinzu- fügte, sind aller Wahrscheinlichkeit nach der Mischung stark giftige Gase entstiegen. Diese hat sie, wie vermutet wird, eingeatmet und dadurch ihren Tod gefunden. Ihrem Körper haftete nach dem Tode ein starker Blausäuregeruch an Ter Tod von Frl. Dr. Neumann ruft in allen Kreisen, denen die Dame nahe stand, die aufrichttgste Teilnahme hervor. Frl. N. bekundete u. a. auch für die Luftschiffahrt lebhaftes Interesse und hat erst Ende des vorigen Monats in Gemeinschaft mit Graf von Zeppelin und Prof. Miethe von der Charlottenburger Technischen Hochschule eine Auf­fahrt gemacht, von der sie ganz entzückt war. Ueber diese Fahrt gab die Dame in der letzten Sitzung des Deutschen Vereins für Luftschiffahrt eine äußerst beifällig auf genom­mene humorvolle Schilderung. Frl Dr. N. hatte auch die Aufgabe übernommen, eine ausführliche Abhandlung über die für die Luftschif fahrt höchst wichtige Frage derGas­explosionen und Zündung durch Sauerstoff" abzufassen Solche Explosionen sind schon wiederholt vorgekommen, ohne daß die eigentliche Ursache hat ermittelt werden können. Es sei nur an die große Explosion im Jahre 1894 bei der Luftschifser-Ableilung erinnert, welches Vorkommnis die Folge hatte, daß das jetzige mustergiltige Kasernement in der Jungfernherde gebaut worden ist Es flogen damals! 1500 Gasbehälter in die Luft, von denen ein Teil zündete. In neuester Zett ereignete sich, ein ähnlicher Fall in der Geisenheimer Fabrik bei Bitterfeld. Frl. Dr. N. war mtt vollem Eifer >an die ihr geftellte Aufgabe herangetreten und hatte die einlettenden Arbetten hierzu bereits in An­griff genommen.

* Eisenb ah nun fall. Am Freitag entgleiste in Granica (Polen) der 3u$, in dem sich die Königin von Griechenland befand. Der drenstthuende Stationsbeamte soll sofort nach Oesterreich geflohen sein. Die Königin blieb unversehrt._________________________________________________

Universttäts Nachrichten.

Einen bei seinen Hörern ungewöbnlich beliebten Lehrer besitzt das Polytechnikum in Zürich. Man schreibt von dort untevm 24. ds.: ^Dem Professor für Geometrie am Eidgenössischen Polytechnikum. W. Fiedler, ist gestern von etwa 200 Stu­dierenden wieder einmal eine Katzenmusik gebracht worden. Irre ich nicht, so ist damit das Dutzend voll geworden und Professor, Fiedler dürfte wohl einen schwer zu brechenden Rekord, wenn auch wider Willen, aufgestellt haben." Aus Münster t W. wird berichtet: Zum Rektor der hiesigen Universität wurde für bad1 nächste Studienjahr Prälat Prof. Dr. Schröder, zum Dekan der theologischen Fakullät Prof. Dr. M a u s b a ch, der Philosoph». scheu Fakultät Prof. Dr. Lehmann gewählt. Man schreibt aus St Petersburg: Tas Unterrichtsministerium hat das Ge­such der Leitung der im September 1900 eröffneten Hochschulkurse für Frauen in Moskau, die Höchstzahl der Hürerilinen um 100 zu vermehren, genehmigt. Die Zahl der Hörerinnen betrug im letzten Herbst 480. Die hiesigen Hochschulkurse für Frauen werden von fast 1000Kursistki" besucht.

Bern, 25. Juli. Als gestern Abend Universitätsprofesior Stein in seiner Villa Mitglieder des Preß-Kongresses, Diplomaten und Professoren empfing, teilte Erziebungsdirektor Gobat offiziell mit, die Berner Regierung habe die Errichtung einer Journa­list e n s ch u l e an der Universität Bern beschloßen.

Gerichtssaal

Der Prinz von Braganza vor Gericht. Bei der bereits gestern gemeldeten Wiederaufnahme des Vorverfahrens gegen den Prinzen Franz Joseph von Braganza und Genoffen, er», schienen, wie heute au§ London ausführbar gemeldet wird, als! Zeugen des Prinzen dessen Bruder Miquel und ein Freund Graf Sizzo, die bekundeten, daß der Prinz Franz Joseph iw jener verhängnisvollen Nacht zum Diner und Souper scharf ge trunken hatte und nicht nüchtern war. Auch habe er ein Rendezvous mit einer Dame nachts um 12V2 Uhr verabredet. Die Rede des Verteidigers des Prinzen stützte sich auf drei Punkte: Nach ärztlichem Zeugnis sei kein Verbrechen verübt worden, ferner habe der Hauswirt, der dies konstatiert haben will, nach Zeugenaussagen nicht durchs Schlüsselloch sehen können und sei erst später mit seiner Aussage herausgerückt, daß er sich ein Spionierloch in die Wand gebohtt habe, unb schließlich liege ein offenbarer ErpressundZversuch vor. Ter Richter Chapmcm erklärte, es sei nicht unmöglich, daß der Prinz in eine Falle gelockt wurde, aber er könne sich n i ch t überzeugen, daß der Prinz in aller Unschuld das fragliche Haus be­treten habe. Er wolle nicht den Funktionen der Jury vor- greifen, und wenn er den Prinzen freijpreche, so beschuldige er die Zeiigen Burbidge und Street, die durchs Spionierloch gesehen haben wollen, des Meineids. Tas könne er nicht, obwohl in ana­logen Fällen Erpressung sehr wahrscheinlich, müsse er den Fall vor die Geschworenen verweisen. Ter Prinz und Genossen wur­den dem Old Bailey-Gericht überwiesen, der Prinz aber gegen Kaution auf freiem Fuße belassen.

Sport.

Kassel, 25. Juli. Der finanzielle Abschluß des Deutschen Radfahrer-Bundestages wird ein er­hebliches Defizit aufzuweisen haben. Soweit sich bis jetzt ersehen läßt, wird der Garantiefonds, den meistens Wirte und kleine Kaufleute gezeichnet haben, bis zu 60 Prozent in Anspruch genommen werden müssen. Das Defizit ist durch den relativ ge­ringen Besuch entstanden, man erwartete 10 000 Radler, es waren aber nur etwa 3000 gekommen.

Submisstons-Kalender.

28. Jnli. Darmstadt. Großh. Bürgermeisterei. Liefe­rung von 400 Zentner Thomasmehl und 400 Zentner Kainit. Be­dingungen liegen auf dem Stadthaus zur Einsicht auf. 28. Juli. Ai a i n z. Großh. Hochbauamt, Vergebung der erforderlichen Ar­beiten zur Vergrößeruiig der Forstwartwohnung Vorholz. Beding­ungen gegen Erstattung der Selbstkolten. 28. Juli. Mainz. Großh. Hochbaiianlt. ^Vergebung der Verputz- uiid Anstreicher­arbeiten für den Erweiterungsbau des Schulhauses im Fürsien- bergerhof. Bedingungen gegen Erstattung der Veroielfältigungs- gebuhreu. 31. Juli. Darmstadt. Großh. Hochbauaml Aus- führung der Schreiner-, Glaser- und Weißbinderarbeiten zur Ver­größerung des Wohnhauses zu Hof Rheinfelden. Bedingungen gegen Erstattung der Selbstkosten.