Ausgabe 
26.7.1902 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

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153. Jahrgang

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Die deutschen Fleischer und der Zolltarif.

Heber die im Zolltarif vorgesehenen Fleisch- und Vieh­zölle hat der Dentsche Fleischerverband auf seinem in Stuttgart abgehaltenen Verbandstag folgende Resolution

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Ühlte, ^esterwajjx 1902.

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Samstag 2«. Juli 1908

Bezugspreis: monallich75Ps.,viertele jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2. viertel» jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps- auswärts 20 Psg.

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Nr. 173

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu Univers.-Buch- u.Slein» druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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lU£^er, welche ge= er dlehdxrficher' jutrelen, werben deu 28.

tu einer echung ation rrilllaas, lost, emzeladen, rr, Weißzeug wirt P ausgeb., in u. a Rodheimerstt.38,1 'immt noch Wäsch Mierslraße 23.

Utero. AM xmögut, al§ Mrt- -Mg, (udböxV >eier Tomen - Ü LelbslslM xen im Alter K belieben Cfienr. 1874 pofilagetrl bei Wesel a. Rs kretionEhrensach

Frankfurt, 25. Juli. Die hiesige MuseumsgeselNchaft hat threin langjährigen Dirigenten, Kapellmeister Kogel, auf I. Juli 1903 g e k ü u d i g t und sucht, vorbehaltlich der Zustim­mung der Generalversammlung einen anderen Dirigenten. Bei aller Anerkennung der Verdienste Kogels, jagt der Vorstand, jei es

gegnet, und es schließen sich ihm unsere Herzen auf; unsere Seele schwingt sich wieder zurück in das köstliche Jugendland und wir befreunden uns herzlich mit einer ganzen Reihe um­gänglicher Menschen. Aber trotzdem erblicke ich doch immer hinter all diesen llug und sicher erfaßten Charakterbildern den für mich gar zn el g:nhn Sierra 2i; t r Rudolf Stratz, den nach allerneuefter Mode geschniegelten Tandy mit dem brertberänderten Monvele, der Tuberose -oder dem Chryscm- themum im Knopfloch des lächerlich kurzen semmelblonden Heberzieherchens, den grünen Schnabelschuhen und den aufgekrempeltenUnaussprechlichen", wie ich ihn vor ein paar Jahren im westlichen Thüringen seinen Freiund Dr. Karl Peters auf einer Wahlagitationsreise begleiten sah. Von den Wahlkomiteeherren Pflegte er fast allenthalben vor dem Antlitze der biederen Waldbauern bedeutsam ver­borgen gehalten zu werden, da er mit seinem weltlichen, unwäldlichen G-ewande sicherlich ganze Versammlungen ge­sprengt haben würde. Stratz ist eben auch als Romanschrift­steller der stets hochelegante Allerweltsmensch Alle die großen Vorzüge einer echten Heimatkunst, wie sie z. B. den Hessen Holzamer und Bock eigen sind, gehen diesem Badenser völlig ah; es fehlt ihm, dem geborenen Heidel­berger, das Wüchsige seines badischen Heimatbodens. Weit mehr die buntfarbige, heitere internationale Fremden- und Musenstadt, als der nahe deutsche Oden- und Schwarzwald mit ihrer schichten, stillen und tiefen Poesie haben auf seine dichterische Entwickelung eingewirkt. Stratz wird immer der Liebling der großen wogenden eleganten Welt bleiben und niemals ein treuer Freund einsamer Menschn

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Gegen den Bund der Landwirte

wendet sich das amtliche Organ der badischenl Regierung, die ,Farlsr. Ztg.", in einem Leitartikel überdas wahre Interesse der Landwirtschaft". Darin wird betont, daß eine extrem agrarische Politik in weiteren Kreisen unseres Volkes eine starke Gegenströmung Hervor­rufen müsse. Ferner wird auf die Möglichkeit hingewiesen, daß sich unter vorläufiger Zurückstellung anderer Gegensätze eine große Koalition zur Abwehr gegen das ganze übrige Erwerbsleben bedrohenden Forderungen des Bundes der Landwirte bildet. Der Artikel schließt mit folgenden Sätzen: Es könnte dann auch nicht ausbleiben, daß die Koalition, wenn auch in erster Linie gegen den Bund gerichtet, ganz in das antiagrarische Fahrwasser aedrängt würde, zumal wenn der Bund der Landwirte in der Lage ist, darauf zu rochen, daß seine Behauptung, er vertrete in Wirklichkeit die deutsche Landwirtschaft unwidersprochen geblieben sei. Darüber aber, daß die Landwirtschaft, wenn sie allein alle, übrigen Zweigen des Erwerbslebens feindlich gegenüber» stände, sehr stark Gefahr tiefe, den Kürzeren zu ziehen, kann angesichts der Stärkeveryältnisse beider Parteien ernst­lich fein Zweifel bestehen. Es liegt daher in erster Linie im dringenden Interesse der deutschen Land­wirtschaft, sich von den extremen Bestrebun­gen des Bundes der Landwirte zu emanzipie­ren und diesen gegenüber an einer mittleren Linie fest- zuhalten, welche mit den Lebensbedingungen der anderen Zweige des heimischen Erwerbslebens vereinbar ist."

Die jüngsten Vorgänge auf dem Gebier der Hochschnlverwaltung geben derStraßö. Ztg." Veranlassung, sich über Wesen und Bedeutung derkonfessionellen Professuren" zu äußern. Die genannte Zeitung spricht geradezu von dem Fluch der konfessionellen Professuren." Es heißt da unter anderem:

Es geht durch die deutschen Unioersitätskreise das Gefühl der Degradierung"; dieses Wort der berühmten Mommsen- Erklärung kam uns immer rvieder in den Sinn, als wir die Vor- aänge im bayerischen Landtag verfolgten, welche bekanntlich zu der Amtsniederlegung des Würzburger Senats geführt haben. Durch das Studium der in der bayerischen Presse aussührlich behandelten Vorgeschichte dieses denkwürdigen Hniversitätsstreites haben wir die Heberzeugung gewonnen, daß der Fall Chroust in Würz­burg wie der Fall S p a h n in Straßburg in letzter Linie

wünschenswert, daß in der Leitung eines solchen Orchesters einmal ein Wechsel eintrete. (Sonderbar, höchst sonderbar! D. R.)

Bayreuth, 25. Juli. Heute begann die Nibelungen- Tetralogie mit Der Aufführung desRheingol b" unter Hans Richters Leitung. Jin Vordergründe der Aufführung standen van Rooy (Wotan), Briesemerster (Loge) und Frau Schumann- Heink (Erda). Besonders wirkungsvoll waren die Dekorationen. Nach der Vorstellung fuhr der Groß Herzog von Hessen mit Frau Cosima Wagner nach der Stadt zurück.

Eine Handschrift des Nibelungenliedes. Aus Rosen­heim in Bayern wird berichtet, daß dort auf einem in der Pfarr- Registratur entdeckten Umschläge eines alten Kammerrechnungs- raptilars aus dem Jahre 1649 Fragmente aus dem Nibelungenlied entdeckt wurden. Vorgenommene Untersuchungen seitens des Stadtarchivars Eid erzielten durch Ablösung des Um­schlages 7 zweispaltig je 28 Zeilen beschriebene Pergamentblätter, von denen zwei vollständig, die übrigen zum Teil 'erhalten sind. Die ins 14. Jahrhundert datierten Schriften erzählen von der Fahrt nach Worms und werden von Universitälsprofessor Paul, München, jur Gruppe J*, die bis jetzt vier Handschriften zählt, ge­rechnet. Die weitere wissenschaftliche Bearbeitung des wert­vollen Manuskriptes wird Professor Braune in Heidelberg vor- nehmeri.

Der Wiederaufbau des Campanile von Sau Marco. DerGieß. Anz." hat sich von vornherein gegen den Aufbau des emgelttirzten unschönen Turmes ausgesprochen. Aehnlich urteilt jetzt in denAl. N. N." Geh. Rat Prozessor Dr. v. Webe r in München, Direktor dec Zentralgemäldegallerie. Er schreibt:Be­züglich des Campanile von San Marco bin ich der Ansicht, daß er, wenn er gänzlich abgetragen werden muß, um Rost- lind Grundbauten zu erneuern, dann nicht mehr kopiert werden sollte. Erweist sich jedoch dies als unnötig, dann sollte man das Eingestürzte erneuern. K u n st g e j ch i ch t l i ch ist nämlich der ^.urm nicht von der Bedeutung, luie z. B. die Campaniles der Tome von Florenz und Pisa. Auch die Anbringung der Logietta am Fuß oes Campanile war nicht so glücklich, um eine völlig neue Kopie wünschenswert zu machen, und die Skulpturen derselben siird wahrscheinlich gänzlich zertrümmert."

junge Dame, bei seins müde, md il Oss. von ehren- wenn a.o. Vermög. form", gStrtto 14.

Heirat rermittelt au Krämer, Leipzig, iskanft gegen 3l)Pi

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Feuilleton.

Alt-Heidelberg du ferne,..." Roman Hn er S tu d entin von Rudolf Stratz (I. G. Cot- iafdje Buchhandlung in Stuttgart). Meyer-Försters Schau­spielAlt-Heidelberg" war bekanntlich im verflossenen Winter wie in ganz Deutschland auch bei uns in Gießen ein Lieblingsstück des Theaterpublikums. Wer jedoch kein Freund davon ist, zwischen 8 und 10 Hhr abends auf Rauchen mtd Trinken zu verzichten und mit dem Opernglas hantieren zu müssen, wird an diesem neuen Stratzschen Bucht ähnliche, Loch noch aufrichtigere Freude haben und in der Lektüre <in Behagen finden, das oft mehr wert ists wie der über­spitzte litterarische Genuß. Von und über Studenten hat Ler deutsche Leser immer gern gelesen, schon zu Scheffels Md Gustav Freytags Zeiten. In der deutschen Presse spielt Schule und Schulläien eine große Rolle; wer möchte zum Beispiel die verschiedenen Schüler im GoetheschenJaust/' missen? Die Studenten int Stratzschen Roman setzen sich «ms allen Sorten des ntodernen, uns Gießenern so wohl- lefannten akademischen Bürgertums zusammen, es präsen­tieren sich korporierte und unkorporierte Studenten und auch Studentinnen jeglicher Art, und sie wie Professoren und Hrivatgelehrte werden in scharf beobachteten Charakter- Porträts vorgeführt. Da gießt es Kommerse und Rempe­leien, Schläger- und Pistolenmensuren, geistreiche und origi- gelle Betrachtungen über das Heidelberger Schsloß mitsamt seinem Perkeo. Die akademische Jugend wird in ihren verschiedenen Entwickelungsstadien begleitet. Hnd dabei ist das Ganze, trotz des Zusammenpacketrs von allem, was irgend int abwechslungsreichen Milieu einer lebhaften Hni- versitatsstadt sich zutragen kann, eine seine Arbeit, die man nicht mit dem oberflächlichen Worteliebenswürdig" ab- tchun kamt. Es ift warmes Menschentum, was uns da be-

gefaßt:Die in Stuttgart versammelten Fleischermeister legen energischen Protest ein gegen die von der Zolltarif-Kommission des deutschen Reichstages gefaßten Beschlüsse betreffend die Höhe der Fleisch- und Viehzölle, besonders gegen die Erhebung derselben nach Lebendgewicht. In diesen Beschlüssen erblicken sie als die berechtigsten Ver­treter des konsumierenden Publikums eine ernstliche Ge­fährdung des deutschen wirtschaftlichen Lebens und er­hoffen deshalb, daß der deutsche Reichstag ohne Berück­sichtigung von Sonderinteressen einen den t hat sächlichen Verhältnissen entsprechenden Beschluß über die Höhe der Zölle fassen wird. Der Landwirtschaft soll für ihre gewiß mühevolle Arbeit auch der entsprechende Lohn werden, aber niemals darf zugegeben werden, daß dem deutschen Publikum eines der wichtigsten und unentbehrlichsten Nah­rungsmittel, das Fleisch, verteuert wird. Die Jahres­berichte der Schlacht- und Viebhöfe der letzten Jahre zeigen deutlich, daß dre deutsche Landwirtschaft bisher weder quan­titativ und qualitativ im stände ist, den Bedarf an Schlacht­vieh durch eigene Produktion zu decken. Sollte dies recht bald der Landwirtschaft gelingen, so wird das Fleischer­gewerbe dies gewiß mit Freuden begrüßen, denn dasselbe hat keinerlei Interessen daran, Schlachtvieh vom Auslände zu beziehen, wenn es im Jnlande zu haben ist."

Nlulscha» in der Keschichlschreiöung.

Bald ein halbes Jahrhundert ist verflossen^ seitdem die Darwin'sche Entwickellmgslehre ihren Lauf um den Erd­ball angetreten hat Dies halbe Jahrhundert ist natür- lich and)! an der Geschiehtschreibung nicht spurlos vorüber- igegangen, es hat sie vielmehr durch Hmgestaltung der Wissenschaft vom Menschen und den Lebensbedingungen sowie durch die Philosophie außerordentlich beeinflußt. Die materialistische Geschichtsauffassung war ja schon vor Darwin vorhanden. Man brauchte also nicht mehr zu lernen, die Geschichte iui ächren Verlauf als das Ergebnis von Kümpfen um die Nahrung, Wohnung und Kleidung aufzufassen. Da­gegen ist man den Ideen wieder gerechter geworden, nicht den Ideen als übernatürlichen Mächten, sondern als Zubehör zu dem Vlut, das in einem Volke oder in einer Rasse x rein oder vermischt, der Träger des Denkens, Fühlens und Wollens ist. Die Geschichtsdarsteller der jüngsten Zeit forschen danach, was für Blut in den Adem der Völker und Einzelpersonen, die eine geschichtliche Rolle gespielt Haden, kreiste, und suchen daraus Schlüsse und Stammes-Und Rassen-Anlagen zu ziehen; umgekehrt aber ziehen sie auch, aus Thaten Rückschlüsse auf Rassenabstam­mung. Eine solche Geschichtsschreibung muß natürlich viel­fach baneben tappen, aber sie ist für jedermann interessant, denn sie lehrt ihn, auf sich selber und seine Vorfahren achten und über das Rätsel seiner eigenen Charakter­anlagen nachdenken. Der Eine hat keltisches, der Andere slavisches, der Dritte romanisches Blut mit germanischem in seinen Adern vermischt; ein bischen infiziert ist schließ­lich jeder, nachdem Römer von Westen, Hunnen von Osten her ins Land gedrungen sind, und später, im dreißigjährigen Krieg, alle möglichen europäischen Rassen Deutschland durchkreuzt haben. Auch der Volksmund sagt: Es liegt allesim Blute".

Zu den Vertretern der gekennzeichneten Richtung ge­hören zwei Schriftsteller, die nicht nur durch die Fülle ihres Wissens, sondern auch durch geistvolle Kombinationen den Leser verblüffen, Stuart Houston Chamberlain, dessen von uns wiederholt erwähnte, bei BrMkmann in München erschienenenGrundlagen des 19. Jahrhunderts" großes Aufsehen erregt haben, und H. Driesman s, dessenKulturgeschtchte der Rasseninstinkte" Beachtung ver­dient. Von dem letzteren Werke beschäftigt sich der erste Band mit den Kelten in der europäischen Blutmischung, der speziellen Mischungen, denen das germanische Blut in Deutschland durch Kellen, Slaven und Romanen unter­worfen wurde. Hm einige Beispiele zu geben, so wird die jranzösische Revolution als Auflehirung der kellischen Grundbevölkerung Frankreichs gegen die herrschende ger­manische Rasse der Franken gedeutet, wird die Stammes>- eigentümlichkeit der preußischen Rasse durch den französi- jchen Blutzusatz, der mit den vertriebenen Hugenotten in die Mark Brandenburg kam, in ein ganz neues Licht ge­rückt, werden Tolstoi (dessen gesammelte Werke z. Z. in einer ausgezeichneten deutschen Ausgabe bei Eng. Tiede- richs in Leipzig erscheinen) und Nietzsche als germanische slawische Mischlinge sozusagen bis aufs Blut untersucht. Im siebenjährigen Kriege wurden, Driesmans' zufolge, die Franzosen bei Roßbach, und Leuth en eigentlich durch ihr eigenes Blut (Hugenottenblut in märkischen Adern) besiegt, ähnlich wie jetzt ja die amerikanische Gefahr im Kem .her Kampf des germanischen Amerika gegen das germa- irische Europa ist.

Eine derartigeMutschau" in der Geschichtsschr eibung ist lehrreicher als eine Zusammenhäufung und Aneinander­reihung von Thatsachen und immer wieder Thatsacheu. Das Driesmans'sche Buch leitet übrigens auf eine aktuelle Frage: Wenn das Rassenblut eine solche Rolle spielen Bann, dann

Verantwortlich:

Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ßWD

__________ " zeiqanteil: Hans Beck.

müßte man ja befürchten, daß in einer Zeit, wo wir das Polentum in seine Schranken verweisen müssen, Mi­nister mit polnischem Blutzusatz, wie Posadowskh und Podbielski, alsbefangen" und zu einer rein deutschen Politik nicht geeignet befunden werden dürften. Dem steht jedoch die Thatsache gegenüber, daß Mischlinge oft gerade die ausgesprochensten Patrioten des Landes sind, dem sie politisch und durch Geburt angehören. Durch das Dries^- mans'sche Buch versteht man auch, warum man so viele französische Minister mit deutschen Namen, und deutsche Minister mit französischen und polnischen Namen in der Geschichte sind et. Es ist ein Hauptsatz dieser ,Mutschau", daß durch Blutmischung Kultur und höheres geistiges Leben entsteht.

Volitische Tagesschau.

Die Zolltarifkommission

des Reichstages ist am Freitag in die Beratung der Eisen­zölle eingetreten. Die Debatte wurde aber vor der ersten Abstimmung abgebrochen und auf Dienstag vertagt. Trotz­dem wird daran festgehalten, daß bis zum 8. August die erste Lesung zu Ende geführt werden soll. Tie Silberzölle wurden nach der Vorlage angenommen. In der Debatte bewirkte eine Aeußerung des sozialdemo­kratischen Abg. Hoch über die für den Tarif in erster Linie verantwortliche Stelle, daß es zu grmrdsätzlichen Er- örterungen über die Behandlung der handelspolitischen Fragen seitens der Regierung und der Partei kam. Abg. Hoch erhielt für die Bemerkung, er nehme aus der Kom­mission den Eindmck mit, daß in ihr das rücksichts­loseste Ausbeutertum Schutz finde, einen Ord­nungsruf. Staatssekretär Graf Posadowskh führte aus, der Standpunkt d er Sozialdemokraten, für alles Zollfteiheit zu verlangen, führe zu nichts, sicher nicht zu Handelsverträgen. Zollfreiheit sei nur durch internationale Vereinbarungen zu erreichen. Die Sozialdemokraten verführen umgekehrt, wie Marquis Posa bei feiner Forderung nach Gedankenfreiheit. Sie sagten: Geben Sie Zollfreiheit! Würde diese Freihell aber That­sache werden, dann würde im wirtschastlichrn Leben Deutsch­lands bald die Ruhe eines Kirchhofs herrschen. Die Sozial­demokraten Und Freisinnigen hielten demgegenüber unter Hinweis auf England daran fest, daß das Freihandelsprinzip nicht zu unterschätzen sei. Graf Posadowskh wiederholte, daß bei der Aufstellung des Tarifs nicht das ReichDamt des Innern, sondern das Reichsschatzamt die Führung gehabt habe. Eine Bemerkung des genannten Abgeordneten, daß die Regierung bei den Handelsverträgen mit den anderen Staaten nur Zugeständnisse erzielen könne, wenn sie selbst etwas zu bieten habe, wurde vom Staatssekretär dankbar als Zugeständnis zu seiner Politik angenommen. Ein Frak­tionsgenosse des Abg. Hoch^ erklärte das Verfahren als Protest gegen das ganze handelspolitische System, während es von freisinniger Selle als praktisch unzulässig bezerchuet wurde, nachdem einmal für Rohstoffe und Halbzeugfabrikate Zölle beschlossen worden sind.

Eine Korrespondenz berichtet, daß nach Beendigung der ersten Lesung die Regierung sicht sofort darüber schlüssig machen wird, welch,e von der Kommission angenommenen Aenderungen des Tarifs sie aceeptieren könne, und sie wird vermutlich Vorschlägen, in der zweiten Lesung nur noch die­jenigen Positionen zu diskutieren, über die bisher keine Einigung erzielt worden ist