Ausgabe 
26.5.1902 Erstes Blatt
 
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mit aufrichtiger Trauer erfüllt und ich spreche dem Dom­kapitel uno der ganzen Diözese zu dem schweren Verluste, den Gott der Herr durch die so zeitige Abberufung dieses treuen Oberhirten über das Erzbistum Köln gebracht hat, meine wärmste Teilnahme aus. Tie großen Verdienste des Verewigten in allen von ihm bekleideten kirchlichen Aemtern, die seltenen, mit treuer patriotischer Gesinnung gepaarten ausgezeichneten Charaktereigenschaften sichern ihm bei mir für alle Zeiten ein freundliches und dankbares Gedenken.

Ter Kronprinz telegraphierte:Ich bin über den Tod des Erzbischofs Simar, den ich noch vor kurzem in Düsseldorf begrüßt habe, tief betrübt. Nicht allein die katholische Kirche, das ganze Vaterland verliert in ihm einen f einer besten Männer."

Ter Reichskanzler Graf Bülow telegraphierte:Euer Hochwürden Telegramm über das so unerwartete Hin­scheiden des auch von mir hochverehrten Erzbischofs Simar hat mich tief bewegt. Dem Domkapitel und der Erzdiözese spreche ich zu dem schmerzlichen Verlust, den mit ihr das Vaterland erleidet, mein herzlichstes Beileid aus."

Auch der Erb-großherzog Friedrich von Baden, Minister boxt Rheinbaben, Generaloberst von Los sandten Beileids­depeschen. Die Beisetzung des Erzbischofs soll nach den vom Metropvlitankapitel getroffenen Bestimmungen am 27. Mai stattfinden. Vorm. 8 Uhr erfolgt die Ueberführung der Leiche vom erzbischöflichen Palais aus nach dem Dom, wo der Verstorbene neben seinem Vorgänger Kardinal Kre- menz in der Gruft unter dem Chore des Domes beigesetzt wird.

Kauptversammlrrng des Hverhesstschen Höstöau-Aereirrs.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

e. Gießen, 25. Mai.

Die Haupt-Versammlung des Oberhessischen Obstbau- Pereins fand heute nachmittag unter Vorsitz des Grafen O r i o l a - Büdesheim auf dem Lenz'schen Felsenkeller statt. Es wohnten chr u. a. Landesökonomierat Müller und ein Vertreter des hessischen Landwirtschaftsrats bei. Der Präsident gab nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder zunächst der Hoffnung Ausdruck, daß die kalte Witterung der vergangenen Wochen den Aepfeln nichts geschadet, und wenigstens hinsichtlich dieser Obstart in der Provinz Oberhessen Erträge geerntet werden, mit denen sowohl die in diesem Jahre in Butzbach stattfindende Ausstellung des Oberhessischen Obstbau-Vereins, wie die in Stettin stattfindende'Ausstellung des allgemeinen deutschen Pomologen-Vereins würdig beschickt werden können. Weiter teilt der Vorsitzende mit, daß die Zolltarif­kommission des Reichstags beschlossen habe, den Zoll für unverpackte, auf Wagen oder Schaffen eingeführte Aepfel, Birnen und Quitten während der Zeit vom 16. November bis 30. September auf Mk. 2.50, festzusetzen, für die übrige Zeit aber Zollfreiheit "zu gewähren; er hoffe, daß die hessische Regierung die Interessen der Obstzüchter beim Bundesrat wahren werde.

In dem hierauf von Direktor Dr. v. Peter er­statteten Rechenschaftsbericht über das Jahr 1901/2 wird zunächst das Hinscheiden des bisherigen Präsidenten, Regierungs- und Kreisrats Dr. Braden, bedauert, dessen Andenken der Verein stets in Ehren halten werde. Mehr­fache Erkrankungen des Beamtenpersonals waren die Ur­sache, daß die Zahl der Vorträge in den Gemeinden und der Demonstrationen in den Baumanlagen eingeschränkt werden rn^ußte; es fanden 221 Vorträge statt. Die Mit­gliederzahl hat in allen Kreisen zugenommen; sie beläuft sich in den Kreisen Alsfeld auf 594, Büdingen 783, Fried­berg 1581, Gießen 892, Lauterbach 339, Schotten 375. Der verdiente Obstbautechniker M etz ist in infolge seines hohen Alters als Beamter ausgeschieden; an seine Stelle trat Obstbautechniker Koch; Obstbaumwart Frank aus Eberbach wurde neu angestellt. Dem Institut der Obstbaumwärter, von denen über 200 in Friedberg ausgebildet wurden, wurde weitere Fürsorge zu teil durch Veranstaltung be­sonderer Baumwärter-Versammlungen, Uebertragung des Obsthandels in den Gemeinden, der Vermittelung des Obst­verkaufs an dieselben und Unterweisung in der Obst- verpackung. Als besonders interessant wurden die Berichte der Obstbautechniker über den Stand des Obstbaues in der Provinz bezeichnet. Durch Vermittelung des Vereins wurden im Berichtsjahr 3322 Obstbäume an die Mit­glieder abgegeben,' und durch Abgabe von Obstreisern dem Dortenwirrwarr entgegenzuarbeiten gesucht. Auf dem Ge­biete der Obftverwertung war im vergangenen Jahre in­folge der hohen Preise weniger zu erreichen; dagegen war die Obstausstellung in Schotten von gutem Erfolg, her Ertrag in diesem Kreise über Erwarten günstig.

Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, däß an Mit­gliederbeiträgen Mk. 4499, an Staatszuschuß zur Förder­ung des Obstbaues Mk. 3100, aus Ausstellungen Mk. 1036, aus der Vereinszeitschrift Mk. 2382, aus Zuschüssen der Kreise und landwirtschaftlichen Vereine für Vorträge Mark 1500 eingingen, die Gesamteinnahme sich auf Mk. 16 649 stellt, der die gleiche Summe an Ausgaben gegenübersteht. Unter letzterer erscheinen: Vereinszeitschrift Mk. 2092, Vorträge, Versammlungen usw. Mk. 2706, Gehalte der Techniker Mk. 2215, Bureaukosten Mk. 870, Ausstellungen Mk. 966, Versuchsgärten und Vereinsbezirksbaumwarte Mk. 1774. Aus dem hierauf vorgetragenen Voranschlag für 1902/3 ist zu erwähnen, daß infolge der ungünstigen Lage der Staatsfinanzen auch der Staatszuschuß durch den land­wirtschaftlichen Provinziale rein um 900 Mark gekürzt wurde. Der Präsident gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch hier bald eine Wendung zum Besseren im Interesse des Obstbaues eintreten möge.

Ter nächste Gegenstand der Tagesordnung betrifft die Einrichtung eines M o st o b st m a r k t e s durch die Zentral­stelle für Obstverwertung in Frankfurt. Nachdem der Refe­rent, Direktor Dr. v. Peter- Friedberg, über die Thätig- Eeit der Obstverwertungsstelle in Bezug auf das Tafelobst kurz berichtet, wies er darauf hin, daß die Einrichtung von Mostobstmärkten ebenso notwendig sei, wenn die Obst­züchter nicht benachteiligt werden sollen. Aufgabe der Zentralstelle wird es sein, Adressen von Kelterobstkäufern zu sammeln, Angebote der Verkäufer entgegenzunehmen, durch Anzeigen auf die Zentralstelle aufmerksam zu machen, dabei aber die Interessen der Obstzüchter im Hinblick au sogen, faulen Kunden zu wahren. Nach einer vom Redner vorgelegten Marktordnung soll nur deutsches Obst zuge­lassen werden. Ter Verkauf erfolgt nach Proben in Mengen von fünf Kilo; den Proben sind Begleitscheine und Ur­sprungsgebiet des Obstes, mit Angabe des Vorrats in Kilo­gramme, des Preises, der Lieferzeit, des Wohnorts des Verkäufers re. beizugeben. I t der Debatte wurde von einem Redner bemerkt, daß es (besser sei, wenn der Ver­käufer selbst an Ort und Stellt sei. Der Vorsitzende empftchlt den Obstzüchtern sorgsif ugste Sortierung, damit

nicht wertvolles Tafelobst in die Kelter wandere. Weiter wurde der gemeinschaftliche Bezug von Verpackungmaterial für Obst angeregt, den der Vorsitzende einzurichten versprach, wenn sich eine genügende Anzahl von Abnehmern meldet.

Bei der nun folgenden V e r t e i l u n g von T i p l o m e n an die zu Vereinsbaumwarten ernannten Schüler der Obstbaumschule forderte der Vorsitzende die jungen Obst­baumwärter auf, ihre Diplome nicht nur als Anerkennung ihres Strebens zu betrachten, sondern als Anregung zum Weiterlernen im Interesse des oberhessischen Obstbaues. Tas Diplom als Vereinsbaumwart erhielten: Karl Jost aus Hausen, Ludwig Noll aus Trohe, Heinrich Schmidt aus Romrod und Andreas Z i m m e r ma n n aus Büdingen.

Professor Reichelt von der Obstbauschule in Fried­berg sprach hierauf über die Bestäubung der Blüten und ihre Beziehung zur Fruchtbarkeit der Ob st bäume. Ueber diesen Vortrag, der seines wissen­schaftlichen, auf eigenen Forschungen und Beobachftingen des Redners beruhenden interessanten Inhalts besonderen Beifall und lobende Anerkennung des Vorsitzenden fand, werden wir gelegentlich ausführlich berichten. Der Vor­sitzende schloß die Versammlung mit dem Wunsche, daß der Provinz Oberhessen in diesem Jahre wenigstens eine reiche Apfelernte zuteil werde.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 26. Mai 1902.

* * Audienzen. Der Großherzog empfing am 24. Mai u. a. den Oberst v. Jablonowski, Kommandeur des 5. Großh. Jnf.-Regts. Nr. 168, die Leutnants Krömmel- bein und Pyhrr von demselben Regiment, den Professor Dr. Pfannen stiehl, Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Gießen, den Professor Dr. Collins, Oberlehrer am Real­gymnasium in Gießen.

* * Bestätigung. Der Großherzog hat den von den Frei­herrn v. Gemmingen auf die evangelische Pfarrstelle zu Wolfskehlen, Dek. Eberstadt, präsentierten Pfarrer Götz zu Langenhain für diese Stelle bestätigt.

* * Justiznachricht. Gerichtsassessor Plagge in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amts­richters bei Großh. Amtsgericht Nidda beauftragt.

* * Ernennungen. Ernannt wurde der Gefangenaufseher am Gefängnis in Darmstadt Betz zum Hausbeschließer am Justizgebäude in Darmstadt mit Wirkung vom 1. Juli an. Der Großherzog hat den Hauptsteueramtsassistenten in Mainz Dexheimer zum Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Offenbach, den Steuereinnehmer in Stockheim Schmelzer und den Finanzaspiranten Beck aus Darmstadt zu Buch- ;altern bei der Hauptstaatskasse, den Hauptsteueramtsassistenten in Darmstadt Wormser zum Steuereinnehmer in Stockheim, den Bureauassistenten bei der Eisenbahndirektion Mainz Bach zu Mainz und den Finanzaspiranten Krieb aus Altenstadt, ersteren mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an, zu Ministerialrevisoren bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen, die Finanzaspiranten Eifert aus Herbstein mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an zum Assistenten bei der Bezirkskasse Worms und Schäfer aus Worms mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an zum Assistenten bei der Bezirkskasse Offenbach, den Steueraufseher Maul zu Gießen zum Hauptsteueramtsassistenten in Mainz und den Finanzaspiranten Frank aus Grünberg zum Hauptsteuer­amtsassistenten in Darmstadt ernannt.

* * Tas Regierungsblatt, Beilage Nr. 11 ent­hält: 1. Bekanntmachung, Die für das Rechnungsjahr 1902 1903 zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse der israeli­tischen Religionsgemeinde Mainz zu erhebende Umlage be­treffend. 2. Uebersicht der von Großh ermöglich em Mini- terium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Darmstadt. 3. Uebersicht der von Großherzogl. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 ge­nehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse in den Land­gemeinden des Kreises Gießen. 4. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Etats­jahr 1902/03 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse der Stadt Worms. 5. Uebersicht der von Großherzoglichxm Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 zur Erhebung genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse der israelitischen Re­ligionsgemeinde des Kreises Büdingen. 6. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 zur Bestreitung der Kommunalbedürf­nisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Offenbach genehmigten Umlagen.

* * Zur Apothekenfrage, lieber die Verlegung einer unserer drei Apotheken in den südlichen Stadtteil ist in der ver­gangenen Woche in der Stadt viel die Rede gewesen. Wir können mitteilen, daß thatsächlich Apotheker Dr. Caesar an der Frankfurterstraße, in der Nähe des Seltersthores, ein HauS erworben, allerdings die Rechtsgiltigkeit des Kaufes davon abhängig gemacht hat, daß das Ministerium die Er­laubnis erteilt, die Hirsch-Apotheke in jenes Haus zu ver­legen. Die Lage unserer drei Apotheken an einer eng um­grenzten Stelle entspricht schon lange nicht mehr den Ver­hältnissen und so darf man wohl hoffen, daß das Ministe­rium im Interesse der Allgemeinheit dem Plane der Ver­legung der Hirsch-Apotheke die Genehmigung erteilen wird.

* * Besitzwechsel. Das Besitztum der Witwe Chr. Leo, Seltersweg 73, ging für 40 000 Mk. durch Kauf an Bau­unternehmer Winn über.

* * Vettragsbedingungen für die Ausführung von Garnison- bauten. Die in der Regel vorgeschriebenen allgemeinen Ver­tragsbedingungen für die Ausführung von Garnisonbauten, sowie besonderen Bedingungen für die Bewerbung um Leistungen für die Garnisonbauten liegen im Geschäftsloka der Garnisonverwaltung zur allgemeinen Einsicht aus; auch kann von diesen Bedingungen bezw. Bestimmungen auf der hiesigen Bürgermeisterei Kenntnis genommen werden.

* * Zu Gunsten der Buren sind bei der Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes weiter eingegangen: Erlös einer Lotterie zu Gunsten der Buren, veranstaltet von drei Schülerinnen der höheren Mädchenschule 16 Mk., gelegent­

lich eines gemütlichen Beisammenseins am Stammtisch zur Stadt Lich" 3 Mk., von F. H. G. Ungenannt K. 2 Mk., Gesangverein Liedertafel in Lollar 10 Mk. Zusammen 31 Mk. Inzwischen ist der Betrag der Sammlung gestiegen au 538114,94 Mk. Für Unterstützungszwecke sind bereits ver­wendet resp. bewilligt 391 153,57 Mk. Es stehen zur Ver- fügung noch 146 961,37 Mk.

** Zum Petroleumhandel. Unter den hiesige» Detaillisten ist eine lebhafte Bewegung im Gange, die gegen das Vorgehen der Deutsch-Amerikani­schen Petroleum-Gesellschaft, Tochtergesellschaft derStandard Oil-Company New-York" gerichtet ist. Wir entnehmen Zirkularen, die zur Aufklärung der Konsu­menten und Detaillisten versandt werden sollen, folgendes: Diese Gesellschaft hat bekanntlich den Petroleum-Hand^ chon soweit monopolisiert, daß sie in einer größeren Anzahl Städte und Dörfer Deutschlands den Verkauf art Detailleure und Konsumenten selbst in die Hand genommen hat; sie beabsichtigt, auch hier für ihre Rechnung mit Umgehung des Zwischenhandels den losen Vertrieb des Petroleums aufzunehmen. Zu diesem Zwecke sucht die Gesellschaft, die nebenbei bemerkt, im vorigen Jahre 48 Prozent Dividende verteilte, die Detailleure und sonstige Abnehmer durch Anbietung von allerlei Vorteilen zu veranlassen, ihren Petroleum-Bedarf nur bei der Deutsch- Amerikanischen Petroleum - Gesellschaft direkt zu ent­nehmen. Letztere sendet zu diesem Zweck eine Anzahl gewiegter Verkäufer in den betr. Bezirk, welchen sie mo­nopolisieren will. Diese Vertreter haben die Aufgabe, die Detaillisten der Gesellschaft untertänig zu machen. Na­mentlich wird von diesen Vertretern als eine große Be­quemlichkeit hervorgehoben, daß von der Gesellschaft den Detaillisten ein eisernes Stand gefäß geliefert wird, welches im Laden aufgestellt werden kann. Dieser eiserne Behälter wird nach Bedarf durch einen Straßentankwagen gefüllt. Für diese Annehmlichkeit muß der Detaillist sich kontrakt- ich verpflichten, seinen Bedarf bei einer hohen Konven­tionalstrafe im Uebertretnngsfalle ausschließlich von der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft zu ent*, nehmen, welch letztere den Preis stets vorschreibt und den Betrag bei Ablieferung des Petroleums sofort in bar einkassiert. Die Absicht der Deutsch-Amerikanischen Pe­troleum-Gesellschaft ist natürlich durch Unterjochung ganzer Bezirke die Preise noch weiter in die Höhe zu treiben.. In den Zirkularen werden sodann die Interessenten ermahnt, die verderblichen Pläne der Gesellschaft mit allen Mitteln zu bekämpfen und darauf hingewiesen, daß es mit der Würde eines Kaufmanns nicht verträglich ist,' ich zum Handlanger amerikanischer kapitalistischer Unter­nehmungen herabdrücken zu lassen.

-h- Burkhards, 24. Mai. Ein siebenjähriger Knabe verschluckte vor einigen Tagen einen Dechselnagel, so daß ofortige ärztliche Hilfe nötig wurde. Der Junge ist bis jetzt nunber. Vor einiger Zeit stieß er sich einen Dorn in den Finger, so daß dieser, da er eiterte, abgenommen werden mußte.

Bad-Nauheim, 24. Mai. Unterhaltungen. Dienstag, 27. Mai, nachmittags von 4 bis 6 und abends von 71/2 bis 91/2 Uhr auf der Terasse Konzert der Kürkapelle. Abends von 8' bis 10 Uhr im Saale Tanz. Mittwoch, 28. Mai, nachmittags von 4 bis 6 und abends von 7x/2 bis 9x/2 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Der Tugendhof". Donnerstag, 29. Mai, nachmittags von 4 bis 6 und abends von l1/i bis 9*/2 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Mozart- und Haydn-Konzert. Freitag, 30. Mai, nachmittags von 4 bis 6 und abends von 7*/2 bis 9*/2 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle:Kyrch-Pyritz". Samstag, 31. Mai, nachmittags von 4 bis 6 und abends von 71/, bis 93/4 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Bei gutem Wetter gegen 10 Uhr Feuerwerk vor der Terrasse. Eintritt wie Sonntag. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Er muß auf's Land". Vorläufige Anzeige: Sonntag, 1. Juni, Konzert der Kapelle des 2. Großh. Hess. Feldartillerie-Regiments Nr. 61 aus Darmstadt.

§ Vom höheren Vogelsberg, 24. Mai. Infolge der fort­während ungünstigen Witterung hat sich bei vielen Land­wirten ein empfindlicher Futtermangel eingestellt. Jeder Heurest wird gesucht und schon manche mit einem guten Graswuchse angesetzte Wiese ist gemäht und das Gras zur Grünsütterung verwandt worden; auch find hie und da Raps­äcker abgefüttert. Das Vieh beginnt schon im Preise zu sinken.

Darmstadt, 24. Mai. Der städtische Voranschlag für das Etatsjahr 1902/03 stellt sich in Einnahme und Ausgabe für die Verwaltung auf 4 727 148 Mk. und für das Ver­mögen auf 3 537100 Mk., im ganzen auf 8 264 248 Mk.

8. Darmstadt, 25.Mai. Der Großherzog fuhr gestern nachmittag 3.30 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zug nach Schönberg zum Besuch der Gräfl. Erbach-Schönberg 'scheu Herrschaften. Heute nachmittag nahm er an dem an der Not Gottes" stattfindenden Feste teil, worauf er in Schloß Heiligeirberg übernachtete. Von Montag ab wird er einige Tage in Schloß Schönberg zu Besuch bleiben.

8. Offenbach, 25. Mai. Der Gastwirt Johann Leonhard Schneider hier, großer Biergrund 25, wurde gestern durch die Gendarmerie wegen Verbrechens der Kuppelei verhaftet.

Mainz, 24. Mai. Der bereits telegraphisch gemeldete schwere Unglücksfall trug sich in folgender Weise zu: Als heute morgen der von Finthen kommende dicht besetzte Arbeiterzug der Dampfbahn an der Einfahrt am Binger Thor ivar, kam ein schwer beladenes zweispänniges Backstein-Fuhr­werk den Berg herab. Die Bremse versagte und der Wagen fuhr mit rasenqer Schnelligkeit direkt von der Seite in die Wagen der Dampfbahn hinein. Die auf der Plattform des 1. und 2. Wagens stehenden verheirateten Arbeiter Franz Brandmüller und Jakob Darmstadt aus Gonsenheim wurden zwischen die Trümmer des Backsteinwagens und denen der Plattform gedrückt und lebensgefährlich verletzt; der Backsteinwagen ist vollständig zertrümmert, das eine Pferd schwer, das andere leicht verletzt. Der Küfer Darm­stadt ist 26 Jahre alt, ledig und Ernährer seiner Mutter. Er starb auf dem Wege nach dem Hospital. Brandmüller ist 56 Jahre alt und Lederarbeiter. Ihm wurde der linke Arm abgenommen. Er hat drei Kinder. Auch ein Dritter, der Fabrikarbeiter Werum von Gonsenheim, wurde schwer verletzt; er wurde nach Hause verbracht. Der Fuhrmann Linck wurde verhaftet.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt a. M. wurde in Der Oppenheunerstraße der Knabe Philipp Herber von einem Gärtnerfuhrwerk überfahrer und so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit in der Woh­nung seiner Eltern starb. Bon einem schweren Geschick wurde eine Familie in Mainz betroffen. Das 12jährige Söhnchen der Familie vergnügte sich kürzlich mit einer An»