Ausgabe 
26.4.1902 Fünftes Blatt
 
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Samstag, 26 April 1902

Nr. 97

für

3U nicht nicht

152. Fahrg.

Verantwortlich für den allgemeine,, TeÜ: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen.

Dieser Ausdruck sei viel zu unbestimmt.

Abg. Kirsch ((Str.) erklärt, die hier vorliegende Seemanns- ordnnung sei ein Fortschritt gegenüber der alten Seemansordnung. Die Drohung der Sozialdemokraten verstehe er daher uicht Wenn sie das Gesetz zum Scheitern brächten, bliebe doch die zweifellos viel schlechtere alte Seemannsordnung in Kraft, womit sie den See­leuten einen schlechten Dienst erwiesen.

Mg. Raab (Antis.l erklärt die Seemannsordnung nach den Beschlün'en zweiter Lesung für einen Fortschritt, wenn auch einen bescheidenen. Wenn Herrn Frese soviel am schnellen standekommen der Vorlage gelegen gewesen wäre, hätte er die Generaldiskussion eröffnen sollen, denn wenn Herr Frese gesprochen hätte, hätte überhaupt, soweit er die Stimmung des Hauses kenne, eine Generaldebatte garnicht stattgefunden. Die Rheder könnten die Lasten der Vorlage ganz gut tragen. Aber wenn e5 wahr sei, daß manche seeuntüchtige Schiffe 'elbst mit ungenügender Bemannung m See gehen, dann müsse dem ein Ende

Parlamentarische Verhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Reichstag-

174. Sitzung vom 25. April.

1 Uhr Das Haus ist schwach besetzt.

Am Bundcsrathstisch: Graf P o f a d o w s k Y u. A.

Dräsidcnt Graf Balleftrem: Der Groß Herzog von Gaden hat für das Glückwunschtelegramm des Reichstags seinen warmen Dank in herzlicher Weise telegraphisch ausgedruckt.

Auf der Tagesordnung steht die dritte Berathung der See-

toorben sind, durchaus zu der Schlußfolgerung führen müssen, die , hier gemacht worden ist. Ich kann natürlich nicht auf allediese einzelnen Fälle eingehen; ich will nur ein paar Sachen besprechen, di/ich gern vor der Oeffentlichleit ru^igstellen mochte, in erster Linie den Fall derElbe"-Kollision. Es ,st h,er gesagt worden, wenn die Crathic keinen st.isen g-i--I>°n St-i-en g-babi son­dern einen vorn W-rlieg-nden, bann wurde das Unglück b-, der Elbe" nicht so groß geworden fern. Ja, m. H- erstens 'E die Crathie ein englisches Sch'ff und rotr haben über fremde Schiffe Überhaupt nich? die Macht, ihnen irgendwelche Bauart vorzuschrei- ben. Aber auch dieElbe" hatte einen solchen Steven gehabt, wie überhaupt unser Dampfer der Neuzeit säst m allenFallen des überliegenden Stevens entbehren. Man ist aber gerade zu diesen sogenanntengeraden Wandersteven' '.bergegangen, we. man aus der Erfahrung weiß, daß Schisse nut diesem wett voraus­gebauten Steven gerade beim Einlaufen m den ^uh, beim Aus. gehen aus dem Hafen, beun Pasliren der Rhede sehr leicht zu Kol­lisionen führen, zu einem Anhaken an ein anderes Schiff, dessen Folgen man im Voraus nicht übersehen kann Es

ist fraglich, ob nicht gerade durch die alte Stevenform viel mehr Kollisionen herbeigesuhrt wurden, als der gerade Steven in neuerer Zeit herbeigeführt hat. Nun kommt aber hmzu. daß gegen das Sinken die Schottenemrichtung besteht. Die Schotten- einrichtung ist nicht so zu verurtheilen in ihrer Tüchtigkeit zur Vorbeugung gegen das Sinken der Schiffe, wie es hier anscheinend im hohen Hause der Fall gewesen ist. Es ist hier gesagt roorben wenn einmal ein Schiff stark angerannt sei, so wurden d.e Gegen- stände im Schiff durcheinander geworfen, sie wurden verschoben, und dann wäre doch leine Rettung möglich. Dei^egenuber mochte ich doch darauf Hinweisen, daß die moderne Schiffstechmk eine starke Vermehrung der Schotten vorgesehen hat; und wenn damals die Elbe" ein älteres Schiff, sie war meines Wissens 'm Jahre 1880 auf 1881 gebaut nur 7 Schotten gehabt hat. so bat man jetzt in die neuesten Sck)iffe bis zu 22 Schotten hineingebaut^ Meine Herren, eine Erbauung von so viel guten Schotten kostet außerordentlich viel Geld, und ich glaube, die Rheder wurden diese Geldkosten sich ersparen, wenn sie nicht sicher überzeugt waren, daß dadurch das Amlebenbleiben des Schisses mehr gefiebert inarr E- können heutzutage mehrere Komparters voll Wasser Taufen, ohne daß das Schiss zum'Sinken kommr. Ich darf ^bwr hervorheben, daß man neuerdings auch eine Probe auf die Wuchtigkeit dieser Schotten bereits auf der Werft gemacht bat, betör das Schiff m Dienst geht Man Hai einige Komparters voll Master gelassen und hat dann durch den Druck geprüft, ob die Schotten stmk genug wären Das kann man bekanntlich nachher, wemi ein schift im Fahren ist, nicht mehr machen. Sie sehen also, auch auf diesem Ge­biet werden die größten Anstrengungen gemacht, um die Sicherheit des Schiffes und damit auch die Sicherheit der Menschenleben zu öerftärfen. Was nun das Schließen der Schotten anbelangt, so ist hier hervorgehoben worden, was vielleicht früher m manchen Fallen tutreffenb gewesen fein mag, daß die Schotten doch nicht alle ge- . schlossen würden, und daß sie auch mcht so schnell^geschlossen hmrben, i um dem Unheil vorbeugen zu können. Auch. hier ist die Technik . wesentlich fortgeschritten, indem sie dazu geführt hat. eine Lin-

richtung zu treffen, durck welche der Kapitän 'n feinem Navigations- die Laae gesetzt wird, im Augenblick des HerannahenS irgend einer Gefahr durch einen einzigen Druck mit elektrischer Krcstt

« SfaSÄ Ä fE»

schep Marine herausgedrängt; die hölzernen Schiffe werden im AllgEch-n rnn noch für die Holzsch'sfsahrt verwandt, wobei zu bemerken ist, daß em Schiss mit Holzladung noch schwimmen kann, wenn es auch ein starkes Leck hat.

Ferner will ich noch hervorheben, baß bie Rheder jetzt mehr und mehr dazu übergehen, einen nicht unbeträchtlichen Theil ihrer Assekuranz selbst zu übernehmen. Es wird 'M Rhedereibetneb oft mehr als die Hälfte dadurch verdient, daß die Assekuranz selber gelaufen wird. Die Versicherungsprämien beziffern sich be, Dampf­schiffen auf 4 bis 6 Prozent, bei Segelschiffen gehen sie auf 7 ja an gefährlichen Stellen bis auf. 9 Prozent. Das muß nattir- lich dahin sichren? daß der Rheder, wenn er es nicht schon so thun mürbe. Darauf achtet datz sein Material em durchaus gutes ist,

mit Reparaturen und Untersuchungen nicht gespart wird, da­mit die Chancen für die Erhaltung des Schifte« möglichst gilt sind Um die Sorglosigkeit der Rheder zu erweisen, ist auch ai dieMaria Rickmers" erinnert worden. Es stehtaber in keiner Weise test wie dies Schift zu Grunde gegangen ist. Jedenfalls herrscht überall das Bestreben, bie Sicherheit zu vergrößern; auS einzettien Unglücksfällen kann man ohne genaue Untersuchungen k^e allgemeinen Schlüsse ziehen. Unsere Handelsmarine hat eimn seh^ guten Ruf, und man sollte lehr vorsichtig sein, diesen Ruf ohne Beweise zu gefährden. Schlietzlich ist Alles Menschen­werk; auch hier können Fehler passiren; ich hoffe auch, daß sich tn Zukunft noch Manches bestem wird.

Nun noch einige Worte über bie Tiefladelini e. Nach meiner Ansic§ hat ein allgemeiner, nach Schema ? ausgeführter, Vorschlag, lernen Anspruch auf ttgend welche Bedeutung. Im Allgemeinen werden die großen Dampfer nicht soweit m das Wasser tauchen, wie die TiefladeliNic ihnen gestattet. Nach

meiner Ansicht liegt die Gefahr, die ein Schift in befer Beziehung Men kann, viel weniger in der Innehaltung der Tieflade mte, als in der richttgen Stauung der Ladung; durch schlechte Stauung kann viel mehr ^Unheil angerichtet werden. Auch von der Deck­ladung bin ich kein Freund; bei hölzernen Schiften wird sie- sich nicht immer ganz vermeiden lasten, sie darf sich aber mcht fotoeit Sehnen, daß Darunter die Navigttung des Schiffes leidet, Wir müssen abtoarten. was nach dieser Richtung aus den Untersuchungen herauskommt, die der Germanische Lloyd auf Veranlassung der Seeberufsaenostenschaft anstellt. Wir haben hier keine Vcran- taffung. bk Regierung zu treiben; st- wirb gewitz bemut)t fern, nach Erlediauna der Versuche mit einem Vorschläge zur rechten Zett $u fommen. Eine Ueberstürzung kann nur Unglück Raffen: beim bie Fraae ftt viel schwieriger, als der Laie glaubt. Es mutz dabei sozusagen jedes Schift individualisttt werden. Von dem Ver­ein für Seeschifffahrt ist gestern oder heitte einzelnen Abge­ordneten ein Zirkulär zugegmgen, in dem Aehnlich^ m-sgefuhrt und in dem gleichzeitig eine Mindestlabelinie verlangt wird Ich kann diesem Gedanken nur beipffichten; ein Schiff kann auch da­durch m Gefahr kommen, daß es zu wenig beladen wird. Ich hoffe, daß das Gesetz, das viele Verbefferungen für den Seemann bringt glatt unter Dach und Fach kommt, und daß die deutsche Rhederei auch unter diesem Gesetz ihre Stellung zu behaupten und weiter zu bestem im Stande sein wird. (Beifall.)

1 Aba Metzger (Soz.. schwer verttandlich.): Auf dem letzter nauttschen Bereinstage hat ein Herr A., der die Absichten der Re-

01 ° n<Xu%e? ©Vn e r^a 1 b e b a 11 e nimmt zunächst bas Wort: Aba Frese (freif. Vgg.)' Ich möchte den Wunsch aussprechen, baß es uns gelinge, diesen Entwurf als em fertiges Ganzes zu ver­abschieden Ich verhehle mir freilich nicht, daß m sehr vielen 23c- Mngen der Entwurf, wie er sich jetzt gestalte W für Die Rhederei in manchen Theilen einen Sprung ins. Durck e dcttstellt und ich bin nicht ganz sicher, ob es gelingen teirb, mit i ben Wettbewerb des Auslandes immer siegreichzu bekämpfen Jeden- ft-lls glaube ich, daß die kleine Rhederei mit die em. Gesetze schwer xu kämpfen haben wird, besonders die kleine Ostseerhedcrei. Uuf anderen Seite aber wird in diesem Entwurf außerordentlich viel Gutes für den Seemann geschaffen gönne ihm alle diese Eroberungen von Herzen und meine, diesen ^ortheilen gegenüber must der Arbeitgeber, der Mann Der stärkeren Kapttalskraftt sich mit den Mehrlasten abfinden. Immer wieder aber mochte ich be­tonen: die Disziplin an Bord darf unter Knen Umstan^n ge­lockert werden dadurch, daß Der Seemann selbst tn dem Betrieb, hi der Navigation an oberster Stelle mit eintreten ober mit drein- reben will, und daß er einen Einfluß hat auf Die Schmälerung des Ansehens der Schiffsführer. Ick beziehe mich da auf dw Aussage eines unserer allerpopulärsten Segelschiftskapitane, der mich dc^auf aufmerksam gemacht hat. daß ein ordentlicher Seemann an Bord eines Schiffes, wo keine gute Disziplin herrscht, selbst sich nw wohl fühlen wird und zwar in der richttgen Erkenittmtz. daß der^Mangel cm Disziplin unter allen Umständen ni^t aDcm eine Gefährdung von Schiff und Ladung, sondern in allererster Linie leben herbeiführen muh. und ich mochte hinzufugen, daß doch auch der Matrose den Wunsch hat. dereinst stapitan zu werden. Ww soll jemand nur. als Kapitän die Ordnung auftecht erhalten, wenn er Alpst ftüher als Schiffsmann nicht gelernt hat. Befehlen, die zur Ordnung anhalten. Folge zu leisten. Ohne Disziplin wurbe bas im letzten Jahrzehnt ganz außerordentlich gewachsene Ansehen der deutschen Handelsflotte bald wieder verkrüppeln, und die deutsche Rhederei würde den Vorsprung, den sie in vielen Fallen jetzt vor der Rhederei frember Nationen gewonnen hat, iebenfalE zum Theil wieder einbüßen müssen. Daß die deutsche Rhederei weseitt^- liche Fortschritte gemacht hat, ist mir noch in der neuesten Zett voi einem6 meiner Freunde bestätigt worden, der tn Rhedere,fachen die Vereinigten Staaten besucht hat. Dori ist,hm von einem ber be j vorragendsten Leute für da? Verkehrswesin ausdrücklich bezeugt worden, daß sowohl in Bezug auf die beste und meisten durch­dachte Konstruktion von Einrichtunyen der neuen Schiffe, als auch in Bezug auf die Schifssleitung. die Lebenshaltung und besonders die Ordnung an Bord die deutsche Handelsflotte Wett voraus den Schiffen anderer Nattonen wäre und das auch bleiben wurde, denn Menn diese Besttebungen der deutschen Rhedereien ^^9-letzt wurden, dann würde die Qualität der deutschen Rhedereien in absehbarer 8"* E1ÄÄ tec amcrilaniWn B-str-bungen. rine Reihe von großen Dampfschiftfahrsgesellschaften zu einer ein­heitlichen Stellung hn Passage- und Frachtengeschäst zusammenzu- fassen, st nach meiner Ansicht die Thatsache, daß die beiden großen Linien, die Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd, m ihrem erst'lassigen Schiffsmaterial, tn ihrer vorzüglichen Orgajit- S, in S »ortSffliÄ diszwlmirten B-tri-b-n -M-N W-I -N Vorsprung vor vielen fremben Linien haben, maßgebend gewesen bafür baü diese beiden deutschen Gesellschaften viel umworben ge­wesen sttid. baß sie ihre "tsche Selbständigkeit, wenn man sie überhaupt antasten wollte - was ich aber, P«ettthese gesag , nicht glaube. immer sehr leicht werden behaupten können. Pejsi- mistisäie Betrachtungen, wie hier in der letzten 3ett in dieser Rtch- tuna in einem The'ile unserer deutschen Presse geschildert worden finb^ entbehren nach meiner Ansicht jeglicher Berechttgung Das ist bon anbi " Zeitungen, wie derWeserzeitung , derftahonal- aeitunq". zu Recht hervorgehoben worden. Merne Herren, Ange- sübts eines solchen Vorsprungs der deutschen Rhederei, die doch bem^Vatcrlande zur Ehre, zum Ruhm gereicht, ist es autzerordentlich zu beklagen, wenn hier viele Anschuldigungen gegen unsere deutsche Rhederei vorgebracht werden. Es kann, schon ,tm Interesse des Fortgangs der Berathungen, natürlich nicht meine Aufgabe sein, auf alle^ Das einzugehen, was in der zweiten Äsung hier hervor- aetreten ist. Ich will mich nur auf wenige Bemerkungen be­schränken und ausdrücklich vorausschicken, mtr ^15 erner hegt als smUcflen hier im Hause anzugreifen. Ich hatte mich nur für

»Hin. der @cle8=n;

heft möchte ich erwähnen, daß Zahlen ohne Sr^^ung- ohn Prüfung dessen, was sie sagen wollen, und unter Elchen Umstanden ?i' entstanden sind, doch in d,e Irre fuhren können, auch wenn sie nnn nner so vortrefflichen Gesellschaft ausgehen, wie die Deutsche ©7ebÄ nach meiner Ansicht darstellt Es lieF

mir aanz fern, die Zahlen der Seeberufsgenossenschaft, die hier anaesuhrt sind, von 1888 bis 1901 irgendwie in Zweifel zu ziehen. Ab?r ich vermuthe z. B., datz das Jahr 1888, welches 200 Todes­fälle aufführt, bei dieser Statistik erft anfängt mit dem damaligen Unfallsgesetze, bas mit dem Datum des 1. Juli angefangen hat. Zn rtl 0 Öa5 ganze Jahr 1888 hierbei IN Berücksichtigung ge- En wäre, so B man im Jahre 1888 eine größere § fier Kn Nun ist weiter hervorzuheben, daß die große Anschwellung der Kiffer im Jahre 1900 eine Erklärung findet, wenn man bedenkt, das Jahr 1900 uns jenes beklagenswerthe und unyeheure SiXerunglud von Hoboken gebracht hat, em Ereigniß, für das ° ben deutschen Rhedereibetrieb nicht verantwortlich machen

Saber eSt sich jene größere Zahl von TodAällem Dann st binrnzufüg n daß mit dem Jahre 1895 der Dampffischerei- hptri b3in böbem Maße in Erscheinung tritt, und auch bie Herren b Qin'cn werden mir zugeben, daß damit eme größere Griabr im^Allgemeineu für Menschenleben verknüpft ist. Das geht ® der Betriebe hervor, und nach der Erfcchrung hat ja

^ampfhockiseefischerei beklagensweriher Weise außer- «erude ' i m nicht richttg. wenn man

ordentlich U'el Opser gesoroerr i SBetoei? konsttuiren

hh'T in3 neuner seit »ic d-utsch- Rhederei es an FLsorge in toin, daß 'N neuerer «e. den Charakter ihrer

fehlen lasten A kann auch nicht ohne Weiteres zu- ße& baß mc^ch- andere Unglücksfälle, die hier hervorgehoben

Abg. Borgmann (freif. Vp.): Meine Freunde haben sich an all den Bestrebungen beteiligt, die geeignet waren, das Loos der Seeleute zu verbessern und ihnen eine größere Bewegiuigsfteihett zu geben. Das Ergebnis der zweiten Lesung entspricht uut wenig diesen Bestrebungen, namentlich ist es zu bedauern, daß die Anträge über die Seeschöffengerichte und die KoalittonS- freihett der Seeleute abgelehnt sind. Bezüglich des letzten Punktes haben wir einen Antrag eingebracht und hoffen, daß er ange« nommen wird. Unsere definitive Stellung zu dem Gesetz behalten wir uns bis zur Schlußabstimmuug vor. Sollte das Gesetz aber gegen die Beschlüsse der zweiien Lesung rückwärts revidiri werden, so würden wir es uns noch überlegen müssen, ob wir dafür stimmen können. . . , .

Abg. Schwarz (Soz.> verbreitet sich über die Ursachen der Schiffsunfälle. Das Schließen der Schotten würde bei einem Zusammenstoß zwar mchts nützen, da das Wasser doch überall ew» bringe. Redner polemisirt sodann gegen den Avg. .Frese. Die Lasten aus diesem Gesetze fielen nicht auf die kleinen Rheder, sondern hauptsächlich auf die großen Schiffahrts-Gesellschaften, und auf diese Rücksichten zu nehmen, dazu liege gar keine Veranlassung vor Unter Seeklarmachung könne alles Mögliche verstanden werden, Uebernabme von Kohlen und Proviant, Anheizen der .Kestel tt

gierung genau kennt, seine Berufsgenossen benchigt, "'dem er sagte:Die neue SeemcmnSordnung würde nicht auf jothem Papier gedruckt." Der Mann hat recht, das Papier i|t noch mcht mal blaßrosa. Alle unsere Anträge zu Gunsten der Seeleute find in zweiter Lesung abgelchnt worden, besonders die über die Sonn­tagsruhe. Und wenn man jetzt noch gar den Antrag annebnten wollte, daß auch das Secklarmachen am Sonntag erlaubt fein soll, so sind diese ganzen Bestimmungen ein Mester ohne veft. dem die Klinge fehlt. Auch unsere Anttage bezüglich der Koa­litionsfreiheit sind abgelehnt worden, sodaß wir dem Gesetz nicht mit besonderer Freude gegenüberstehen Von der Gcnaltung, die der Entwurf jetzt, in der dritten Lesung, erhalten wird wird eS abhängen, ob wir ihm zustimmen, oder ob wir alle geschaft»- ordnungsmäßigen Mittel anwenden werden, um ibn zu Fall zu bringen. Herr Frese hat der zweiten Lesung nicht bcigewohnt. weil er eine nothwendige Reise machen mußte. Herr von Stumm aber hat einmal gesagt, man bringe oft den Geldbeutel der Rheder in Konflikt mit ihrem Gewissen. Dies Wort charakter.sirt die ganze Situation, unsere Opposition richtet sich jo nur dagegen, daß man zu mel Rücksicht auf den Geldbeutel der Rheder nimmt.

Kontre-Adniiral Schmidt kommt auf einen Angriff der Sozial­demokraten zurück und erläutert das. was er in der Kommission über den BegriffSceklarmachen" gesagt hat. Er halte auch all die Behauptungen, die er über das Alter unserer Schiffe gesagt habe, aufrecht. Wenn wir alle unsere Schiffe, die über 30 Jahre nlt seien, am Auslaufen verhindern wollten, müßten wir ein Drittel unserer Segelschiffe als altes Holz verkaufen. Aber em altes Schiff könne audi noch ganz seetüchtig sein.

oibg Dr Sencker knat.-lib) Die Ankündigung der Sozial« demokraten, daß sic das Gesetz in dieser Form ablehuen würden, kann nichts darau andern, daß das Gesetz ein großer Fortschritt auf dem Wege, sozialer Fürsorge für die Seeleute ist. Mit diesem Fortschritt geht natiirlich Hand in Hand eine schwere Mehr« belastung der Rheder Ihre Freiheit wwd außer« ordenllich tn spanische Stieseln eingezwaugt. Diese Beschran« kungen können unter Umständen die Beweglichkeit des Schiste. sehi erheblich beeinträchtigen. Speziell die Vorschriften über die Sonntagsruhe können d,e Konkurrenzfähigkeit unserer deutschen Schiffe 'im Ausland unter Umständen erheblich beeinflussen. Lehr streng sind auch die Bestimmungen über die Anmusterung; danach muß eventuell sogar jeder Kruneger, der irgendwo in Afrika für eine Arbeit angemustert wird, einen Schein m d,e Hand gc« drückt bekommen Das wird oft zu großen Schwierigkeiten fuhren. In die Journale muß jetzt soviel eingetragen werden, datz der Kapitän dazu eigentlich einer. Schreiber oaben muß Aber c5 wird geschehen müssen, um da? Beschwerderecht zu sichern. Die sozial« demokratischen Anträge wurden zum Theil die Disziplin in unzu­

lässiger Weise gefährden.

Daß die Rheder im Allgemeinen krasttge Schultern haben gebe ich zu: ich weiß auch, daß man (eine wzialen Gesetze schaffen kann, ohne die Arbeitgeber zu belasten, äic Uu den Sozialdemokrateni gehen aber entschieden zu weit, wenn Sie alles das. was Sie erreicht haben, als selbstverständlich anschen. Andere Leute betrachten das durchaus nicht als selbstverständlich. In der Kommission haben die Sozialdemokraten einen Hochdruck auf die Verhandlungen auSgeübt, dem wir uns mehr oder weniger haben fügen müssen, um ein Gesetz zu Stande zu bringen. Die Opfer, die wir ber Rhederei auferlegt haben und die wir auf Ihre Veranlassung ihr noch dazu anferiegen mußten, sind so erheblich, daß es mir zum Theil schwer geworden ist. zur dritten Lesung keine Anträge auf Beseitigung gewisser Bestimmungen etuznbringen. Z. B ist in ber zweiten Lesung die Verpflichtung der Rheder bet ber Krankenbehandlung von drei auf sechs Monate ausgedehnt worden. Es hat mir ein persönliches Opfer gekostet, keinen Antrag auf Wiederherstellung des Kominissiousbeschlusses zu stellen Bei der Berathung besteht die Gefahr daß wir Alle, am ReaiernngStisch. in der Kommission, im Plenum zu sehr am grünen Tisch gearbeitet haben Hoffentlich wird do? Gesetz in der Praxis nicht zu spitz gehandhabt werden Sie (zn den Sozialdemokraten) wenen immer auf die angeblich hohen Dividenden der Rhedereien hin Aber ver­gessen Sie nicht, daß die Dividenden sehr geschwankt , haben ; sie waren in den letzten Fahren relativ günstig. sie sind schon wieder ungünstiger geworden, und wer weiß, wie sie sich in den kom« mend-r Jahren gestalten werden. Ich hoffe, daß unsere Anträge angenommen werden; von weiteren Anträgen habe ich abgesehen, um nicht den Anschein zu erregen, als stände mit da§ pekuniäre Fnterefle der Rhedereien höher als das 'oziale^Jn« tereffc der Seeleute. Persönlich bin ich an den Rhedereien über­haupt nicht interessirt; mir liegt nur an dem Gedeihen bet deut­schen Rhedereien im Allgemeinen. ^Beifall.)

Erscheint tägNch mit Ausnahme de« Sonntag«. Y A « A4A MW 444 Ai A AM

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Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der VI || ▼▼ I

^hesftjche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

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