massiven Turmbau zu errichten, der dem ersten Kanzler 3M Ehren den Namen Bismarckturm führen soll. Bereits ist für diesen Zweck eine Summe als Grundstock für die Kosten eines monumentalen Baues vorhanden. Wir hören, daß die Sektion Gießen des Vogelsberger Höhenklubs es nun endlich in die Land nehmen will, den geplanten Turmbau auf dem Taussteiu ins Leben zu rufen. Freunde der Natur, Verehrer des großen Mannes, deq'sen Namen der Turm tragen wird, werden gewiß nicht zögern, innerem Vogelsberg zu einer solchen Zierde zu verhelfen. Bietet doch der Tcmfstein in seiner herrlichen Lage inmitten grüner Walder ein großartiges Panorama, eine Fernsicht bis Rhön, Taunus und Odenwald, die durch den geplanten Bismarckturm erst recht zur Geltung kommen wird.
W. Frau Charlotte Wiehe, die wir gestern durch Vermittelung unseres Theatervereins kennen lernten, hat in diesen Tagen in Luzern ein erhebliches Mißgeschick gehabt. Dort ist ihr ein orientalisches Kostüm entwendet worden, das einen Wert von 5000 Francs repräsentiert. Es ist dies ein Kostüm, bestimmt für ihre reizenden, anmutreichen Tänze in der Pantomime ,Dre Hand". Thränenden AugeS stand sie ratlos gestern Abend hinter den Kulissen. Ein Ersatz für das gestohlene Kostüm ließ sich natürlich nicht beschaffen. Da entschloß sie sich endlich auf die dringlichen Zureden ihres zweiten Kapellmeisters im duftigen, kurzen, weißen Unterröckchen ihre sinnverwirrende Tanzkunst zu zeigen. Und wahrlich nicht zum Schaden des künstlerischen Eindruckes. Denn wer auch etwa in Frankfurt die Tänzerin dieses Stückes im blendend schönen Zigeunerkostüm gesehen hatte, der sagte sich doch: hier hast du etwas Apartes. Und obendrein gewann dadurch noch die Wahrscheinlichkeit. Denn daß die spät nachts heimkehrende Künstlerin, der zufällig ein altes Notenblatt in die Hände fällt, das alte liebe Tanzkapriolen in ihr wiedererweckt, sich hierzu in so stiller Nachteinsamkeit auch eine besondere Robe mit Mühe wählt, ist nicht so sehr glaublich. So schiens denn durchaus plausibel, daß sie sich halb entkleidete und in dem so flink improvisierten Balletkleidchen in ihrem Zimmer herumhüpfte. — Die „Hand" soll übrigens der Komponist Berenp einer wahren Begebenheit nachgeschaffen haben, die sich in Paris vor Jahren im Zimmer einer Schauspielerin zutrug. Ein hartnäckiger und gefährlicher Einbrecher, der sich bei ihr eingeschlichen hatte und, unter einem Eanaps versteckt, die vier Finger seiner verkrüppelten Hand nicht verbergen konnte, wurde auf diese Weise entdeckt und dingfest gemacht. So erzählte Bereny gestern selber, wie man uns heute berichtet, in intimem Kreise.
** Eine ^kostbare" Freundin. Ein Herr, der von hier aus die Ausstellung in Düsseldorf besuchen wollte, traf am Bahnhof eine „'Lame", die ihn ein lud, mit nach Frankfurt zu reisen. Hier logierten sich beide in einem Hotel ein, um dann gemeinsam nach Düsseldorf zu fahren. Am nächsten Morgen war die Tarne verschwunden, und dem betreffenden Herren fehlte in Leiner Brieftasche die Summe von 700 bis 800 Mk.
§ Butzbach, 24. Okt- Seitens der Handelskammer in Friedberg ist zufolge Beschlusses in der letzten Sitzung beim Großh. Kreisamte die einheitliche Regelung des Sonntags-Ladenschlusses in unserem Kreise nachgesucht worden. Demgemäß wurden kürzlich die hiesigen beteiligten Geschäftsinhaber zur Aeußerung darüber ausgefordert, ob sie den Schluß der Ladengeschäfte für 1 Uhr nachmittags an Sonn- tuib Feiertagen wünschen, oder rocldje andere Zeit Nach den bis jetzt vorliegenden Erklärungen ist bie Mehrzahl unserer Geschäftsinhaber für den Ladenschluß um 3 Uhr.
0 Ober-Lais, 24. Okt Unsere neue Quellwasserleitung ist zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde ausgefallen.
? Gedern, 24. Okt- Gestern abend fiel eine betagte Frau in das durch unser Städtchen fließende Bächlein, tarn aber mit dem bloßen Schrecken davon.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ter Magistrat der Stdt Frankfurt giebt am Abend der Eröffnung des neuen Schauspielhauses, Samstag den 1. ^looember abends 10 Uhr, ein Festessen im Palasthotel Fürstenhof.______________________
Vermischtes.
* Berlin, 24. Okt. Der russische Musikschriftsteller Nikolaus Bernstein aus Petersburg ist aus Berlin ausgewiesen worden. Er soll durchaus unbescholten und weder in seiner Heimat noch in Deutschland politisch hervorgetreten sein.
* Ratibor, 24. Okt. Ein aufregender Vorfall ereignete sich in der Kaserne der 12. Kompagnie an der Troppauerstraße. Tort hat der M u s k e t i e r Hase seinen K a me raden, den Musketier Höhne, durch einen Schuß aus seinem Tienstgewehr lebensgefährlich verletzt und sich dann mit demselben Gewehr durch einen Schuß in den Mund erschossen. Gegen 11 Uhr krachte plötzlich in der Stube ein Schuß, dem bald daraus ein zweiter folgte. Sofort sprangen die übrigen Stubenmannschaften ans ihren Betten. Ein gräßlicher Anblick bot sich ihnen bar. In seinem Bette lag der Musketier Höhne besinnungslos. AuS der linken Seite quoll Blut. Ein Gewehrschuß war ihm in die rechte Schulter und von hier in die linke Seite gedrungen. Bevor das Geschoß die Sck)ulter getroffen hatte, war es durch das Roßhaar- keilkissen, auf dem Höhne lag, gedrungen und hatte Teile des Kissenbezuges und Kisseninhaltes mitgenommen, die gleichfalls in den Körper drangen. Ten Schuß hatte der Musketier Hase abgegeben. Durch den zweiten Schuß hat Hase seinem Leben ein Ende gemacht. Er hatte die Gewehrmündung in den Mund gesteckt und das Gewehrschloß abgedrückt. TaS Geschoß durchbohrte den Oberkiefer und den Schädel und trat zur Schädeldecke beraus. Bett und Wand zeigten Spuren deS umherspritzenoen Gehirns. Ter Tod war auf der Stelle eingetreten. Ter schwerverletzte Höhne wurde sofort nach dem Garnisvnlazarett geschafft.
* Paris, 24. Okt. Der Bankier Mallev al, welcher der Frau Cioet 100000 Fr. veruntreut hatte, ist für fallit erklärt worden.
* Wien, 24. Okt. Bei der landwirtschaftlichen Sparkasse der Gemeinde Hohenruppersdorf bei Gänserndorf wur- den U n t e r s ch l eise in Höhe von 141000 Kronen entdeckt, die wahr,cheinlich durch den verstorbenen Kassierer Grind- waldt verübt wurden. Seitens einiger Einleger ist Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.
* Bu dapcst, 2Ü. Okt. In Agram wurde abends 6 Uhr ein starkes, wellenförmiges, vier Sekunden andauerndes Erdbeben verspürt, wcw eine große Paink erzeugte.
♦ Eine Tochter Gamb et tas? Im $oli&ei»
Emretrn von San Francisko meldete die französische Hebamme Frau Sattler^Simon, ihre Tochter Victoria Marie sei ermordet worden. Sie erklärte, der Vater derselben sei der verstorbene Staatsmann Lson Garn bett, und beschuldigte einen Grundbesitzer, mit welchem Marie ein Liebesverhältnis hatte, den 2x>b der letzteren her bei geführt und sich ihre Vermögen durch ein gefälschtes Testament angeeignet zu haben. Tie Behörden nehmen an, daß Selbst- mord vorliege.
Vnioersitäls-Vachrichten.
Bonn, 24. Okt. Anläßlich der 25. Wiederkehr des Tages der Jmmatrikula tion des Kaisers sandten Rektor und Senat der Universität ein Glückwunschtelegramm an den Kaiser. Hieraus traf folgendes Antwort- telegramtn des Kaisers ein: „Ich danke her^ich für den freundlichen Gruß der rheinischen Universität anläßlich der heutigen 25. Wiederkehr des Tages meiner Immatrikulation an der dortigen Alma Mater. Was ich derselben verdanke, welch glückliche Zeit mir in Bonn an den Ufern des Rheines beschieden war, tritt mir heute wieder vor Augen. Ich freue mich, der Bonner Universität jetzt auch meinen zweiten Sohn übergeben zu können. Wilhelm."
Landwirtschaft.
Mäuseschaden im Groß Herzogtum Hessen. Tie neueste Nummer der „Hessischen Landwirtschaftlichen Zeitschrift" bringt eine Bekantmachung des Präsidiums des Hessischen Landwirtschaftsrats, in welcher die Interessenten, insbesondere die Landwirte ersucht werden, chre Erfahrungen über die angewandten Mittel zur Bekämpfung der Museplage mitzuteilen. Tie betreffenden Fragen lauten: L Ist in Ihrer Gegend ein Mäuseschaden in erheblichem Umfang zu konstatieren und wie hoch taxieren Sie den Schaden in bar event. in Prozenten des Minderwertes der Ernte a) für Ihre Gemeinde, b) für einen größeren Bezirk? 2. Welche Feldftüchte haben unter dem Mäuseschaden am empfindlichsten gelitten? 3. Welche Mittel tarnen zur Bekämpfung des Mäuseschadens in Anwendung? (Wläusefallen, Schwefelkohlenstoff, Gifthafer, Strychninhafer, Phosphorpillen, Löfflerscher Mäusebazillus, Erschlagen der Mäuse hinter dem Pfluge, Fangen. der Mäuse in Bohrlöchern? event. welche andere Mittel?) In Frage 3 sind möglichst genaue Angaben erwünscht über die angewandten Mittel, die Art ihrer Anwendung, Bezugsquelle, nähere Bezeichnung des Fabrikates (z. B. Saccharin-Strych- ninhafer von Wasmuth), ferner über die Kosten des Verfahrens. Bei den widersprechenden Mitteilungen über die Anwendung des Löffler'schen Mäusebazillus wolle man genaue Bezugsquelle, Preis des Kulturröhrchens, Alter der Kulturen und ferner angeben, ob die Anwendung genau nach Vorschrift erfolgte, oder welche Abweichungen von derselben getroffen worden find. 4. Hat das angewandte Mittel einen vollständigen, oder einen Teilerfolg, ober (einen gehabt? 5. War bei der Art der Anwendung des Mittels eine Zählung der getöteten Mäuse möglich und wie groß war die Zahl derselben a) auf Ihrem Besitz, b) in der Gemarkung? Ter Landwirtschaftsrat ersucht im allgemeinen Interesse um recht lebhafte Beteiligung an der Beantwortung dieser Fragen, um günstige Erfahrungen in der Praxis verwerten zu können, und ersucht um baldige Einsendung der Antworten an denselben, Darmstadt, Bis- marckstraße 78. Ueber das Ergebnis der Umfrage wird nach Einlauf der Antworten ein Bericht in der „Hessischen Land- wirtschaftlichen Zeitschrift" erscheinen.
Gießen, 24. Okt. Ter Jagdhund-Club für Gießen und Umgegend hat für Sonntag den 2. November auf seinem Schliefplatz auf der Schönen Aussicht große Preis-Schliesen für Dachshunde ausgeschrieben, welche offen sind für Dachshunde, die sich im Besitz von Mitgliedern und von Nichtmitgliedern des Elubs befinden. Diese kynologische Veranstaltung ist insofern ein Ereignis in Gießen, als der veranstaltende Verein einen ganz neuen Kunstbau hat Herstellen lassen, ivelcher in jeder Weise den Bestlmmungen des Teckelclubs entspricht. Die einzelnen Schliefen bestehen in: 1. Ju^endschliesen, 2. Neulingsschlieien, 3. offenes Schltescn, 4. Steges-Schliesen, sämtlich auf Fuchs, und 5. Sieges- Schliesen auf Dachs. Hohe Geld- unb Ehrenpreise sind für die einzelnen Schliejen ausgesetzt. Das Amt der Preisrichter haben übernommen Förster B u d d e - Schlvanheim, Forster Roggen- d o r f Wetzlar und Ernst P r ö s l e r - Frankfurt a. M. Meldeschluß ist am 27. Oktober. 'Meldungen an Ernst Fö r st e r» Gießen, Crednerslraße 14, bei dem auch Anmelde-Formulare zu haben sind. Nach den schon vorliegenden Anmeldungen werden die einzelnen Schliefen sehr starke und sehr interessante Besetzung ausioeijen.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Tabak. Im Laufe der Berichtswoche wurden in Friedrichs- thal von Händlern und Fabrikanten einige hundert Zentner 1901er Tabake in der Preislage von Anfang bis Mitte der Alk. 40 verkamt. Ferner kaufte ein Fabrikant zirka 500 Zentner Bruhreiner Tabak zu Mk. 42. Jin Neckarthal wurde auch ein Posten steuerfreier zu 'Mitte der Alk. 60 umgesetzt. Tas Jntereffe der Fabrikanten wendet sich jetzt mehr als bisher den 1901er Zigarrentabaken zu, da die neuen Tabake sehr schwer und schlechlbrennend werden. In neuen Tabaken hat im Oberland em Fabrikant in Meißenheini 100 Zentner zu Mk. 35 gekauft, doch beteiligt sich zu diesem Preis, bis letzt die Allgemeinheit nicht am Einkäufe. In Nordhaujen (Elsaß) wurde der Tabak von Händlern und Fabrikanten zu Mk. 25 verkauft, verschlagener zu Alk. 20. In Malsch wurde der Tabak zu Alk. 20—21 verkauft. Wenn der Handel ruhig bleibt, können diese Preise sich nicht halten, da solche für diese Qualität und Beschaffenheit viel zil teuer sind. In loser Einlage ist immer Nachfrage. In losen Pfalzer Rippen geschastslos, lose feine 9—10 Alk., gebündelte 11—12 'Mk.
Getreide. Weizen. Bei anhaltend guter Frage für greif- are Ware und andauernd knappen Zufuhren verlief das Getreide- beschaft in der verstossenen Woche in recht fester Stimmung. Tie Forderungen des Auslandes sind ziemlich unverändert, teilweise 1 Mark per Tonne höher. Roggen fest. Gerste. Braugerste gute Nachfrage, Fultergersle unverändert. Hafer gefragt und unverändert. Mais fest; greifbare Ware sehr geiucht. Tie heutigen Notierlmgen sind: Redwmter 11 Mk. 126. Kansas II Mk. 126—127. Saxonska 'Mk. 128—132. Südruff. Weizen'Mk. 122—140. Rumän. Weizen Alk. 126—132. Ruff. Roggen Mk. 103 — 104. Ruff. Futtergerste Mk. 93—94. Ruff. Hafer 107—120. Laplata Mais r. t. Alk. 110. Mixed Mals Dezember Januar Abldg. Alk. 93.50 per Tonne cis Rotterdam.
Märkte.
Gießen, 25. Okt. Marktbericht. Auf dem heutigen Dochenmarkr kosteten: Butter pr.Pfd. 0,85—1,00 'Mk., Hühnereier pr. St. 7—8 Pfg., 2 Stü. 00—00 Pfg., Gänjeeier 00-00 Pfg., Enteneie 0—0 P,'g., Käse vr. Slck. 5—9Pf., Käjemane2Ltck. 5—0Big., Erbsen pr.Liter 19Pfg. Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr.Paar0,60—0,80 Mk., Hühner pr. ct 1,00—1,30 '2DIL, Hahnen pr. Stück 0,70—1,50 Alk., Emen pr. Stück 2,00—3,00 SDtL, Ganje pr. Pfd. 50—60 Pfg., Ochjen'leisch pr. Pfund 66—76 Pfg.. Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., <schweine- steisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—72 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,80—1,00 Alk., Weißkraut per Stuck 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 3,30—3,50 Mk., Milch per
Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg.
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Gerichtssaal.
M. Gießen, 24. Okt. Strafkammer. Ten Dorsitz führte Landgerichtsdireklor Tr. Güngerich die Anklagebebörde vertrat Staatsanwalt Reuß. — In der Strafsache gegen Eugen Kaufmann aus Gießen hatte daS Gericht in objektiver Hinsicht als erwiesen angenommen, daß der Angeklagte acht Brieftauben, die aus der Nachbarschaft in seinen Hof geflogen waren, weggenommen und in seinem 'Magazin ausbewahrt hat. In subjektiver Hinsicht hielt das Gericht die Thatsache für äußerst belastend, daß der Angeklagte bei der Nachfrage des Eigentümers nach den Tauben sich jo geriert habe, als wiffe er nicht, wo die Tauben sich befxnben, und daß er Geld angeboten hat, um bie Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Trotz dieser Belastungsmomente hiell das Gericht die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, daß der Angeklagte, wie er zu seiner Verteidigung anführt, geglaubt habe, bie weggenommenen Tauben seien identisch mit verwilderten fremden Tauben, die sich in seinen Schlag eingenistet hatten, und er sei berechtigt, diese verwilderten Tauben elnzufangen. Mangels Nachweises des Bewußtseins der Rechtswidrigkeit hob daher daS Berufungsgericht das Schöffengenchtsurteil, das den Angeklagten zu einer fünftägigen Ge'ängnisstrafe verurteilt hatte, auf und sprach ihn von Strafe und Kosten frei. — Der Landwirt Heinrich 'May von Lorbach ist der Urkundenfälschung und des Gebrauchs eines falschen Namens gegenüber einem zuständigen Beamten beschuldigt. Als in der Gemarkung Lorbach, bie z. Z. in Felbbereinigung begriffen ist, bie Abschätzung ber Grundstücke durch die hierzu be- stimmte Kommission stattsand unb als außer ben Kommqsions- mitglicbern auch beren Stellvertreter sich an ber Abschätzung beteiligten, begab sich ber Angeklagte eines Tages zu bem Bereinigungs- kommissär, stellte sich chm unter bem Namen Gottschall — bem. Namen eines anberen Lorbacher Bürgers — vor unb verlangte — zur Vermeidung unnötiger Kosten — bie Unterlassung der Zuziehung von Stellvertretern. Als dieselbe in der Folge nicht unterblieb, stellte ber Angeklagte nochmals schriftlich bies Verlangen unb unterschrieb den Brief mit Gottschalk. In Uebereinftimmung mit der Staatsanwaltschaft erblickt das Gericht in der letzterwähnten Handlung, da feine beweiserhebliche Urkunde verfälscht worden sei, nicht eine Urkundenfälschung, sondern, wie auch in der persönlichen Vorstellung als Gottschalk, nur den Gebrauch eines salschen Namens und verurteilt den Angeklagten mit Rücksicht aus seine höchst willkürliche Handlungsweise unb ben mit einem sremben Namen getriebenen 'Mißbrauch zu einer 14tägigen Haftstrafe. — Ter Taglöhner Jakob Konrad Schäfer ist einer Reihe von Diebstählen, darunter eines schweren, sowie des Betrugs und der Urkundenfälschung angeklagt und ivird zu einer GesamtgefängniS- ftraie von 2 Jahren und zu dreijährigem Ehrverlust verurteilt. — Die vielfach vorbestrafte Katharine Wiiison aus Frankfurt a. M. ist des Diebstahls einiger Kleidungsstücke beschuldigt unb wird au einer 8monatigen Gefängnisstrafe verurteilt. — Der Landwirt Otto Meuli von Rieder-Mockstadt ist der Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeugs angeklagt. Er hat gelegentlich eine» Aufenthalts in Ober-'Mockstadt den dortigen Bürgermeister, ber ihn unb mehrere anbere lärmende Burschen zur Ruhe aufforderte, schwer mißhandelt, indem er ihm u. A. wahrscheinlich mit einem Schlagriemen einen derartigen Schlag auf den Kopf versetzte, daß der Getroffene blutend Aujammenslürzte. Ter Angeklagte wird als ein höchst gefährlicher Mensch bezeichnet, der öfters ed)lägertien habe und auch bereits einmal den Polizeidiener thätlich angegriffen habe. Mit Rücksicht hierauf und in der Erwägung, daß tm Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Autorität derartige Ausschreitungen exemplarisch zu bestrafen feien, verhängte das Gericht gegen den wegen Körperverletzung vorbestraften Angeklagten eine Gefängnis st rase von 1 Jahr. Derselbe wurde wegen Fluchtverdachts sofort in Haft genommen.
Familien Nachrichten.
Gestorben: Frau Regme Ehrmann, geb. Naß, Darmstadt.
Neueste Nielüungen.
Originaldraytmeldungeu des Gießener Anzeiger^
Berlin, 25. Olt- In der internationalen Tuberkulose-Konferenz wurde heute u. a. die Frage der Uebertragbarkeit der Rindertuberkulose auf den Menschen erörtert
Liverpool, 25. Ott Ter Lord der Admiralität beschloß, die Prioat-Wersten durch Bestellungen von vier Kriegsschiffen in ihrer augenblicklichen Krisis zu unterstützen. 48 Kriegsschiffe alten Diodells wurden aus der Marineliste gestrichen.
Paris, 25. Ott Ter Jntransigeant veröffentlicht einen Brief des Gemeinderatsmitgliedes Caron, worin dieser dem Polizeipräfekten Lepine mit teilt, daß er bei Zusammentritt des Gemeinderats eine Interpellation ein- beingen werde über die Skotiz des „Petit Parisien". Der Polizeipräfekt wird darin beschuldigt, in intimen Beziehungen zur Familie Humbert gestanden, Geschenke angenommen und infolgedessen die Flucht der Familie unterstützt zu haben.
Paris, 25. Okt Tie Untersuchung über die Flucht des Bankiers Boulaine hat ergeben, daß Polizei- Inspektoren dem Entflohenen Begünstigungen zu teil werden ließen. Ihre Absetzung wird wahrscheinlich verfügt werden.
Brüx, 25. Okt Infolge starken Nebels stieß in der Nähe von Kopidlno em Personenzug mit einem Guterzuge zusammen. Beide Maschinen wurden stark beschädigt Tie beiden Lokomotivführer, ein Heizer und drei Passagiere erlitten Verletzungen.
Telephonischer Kursbericht«
iruuklurt b. 11., 25. Oktober ldu2.
3l/j% Reioheanleihe . . 101.95 8“/a do. ... 91.95 dl/a°/o Konsole .... 101.95 3% do.....91.90
3‘/i% Hessen .... 100.05 3 96 Oberhessen . . . 99.70 4% Gestern Ooldrente . . 103.00 •V Oesierr. bilberrente 101.15 4-6 b’ngar. Ooldrente . . 101.60 4°/, Italien. Rente . . . 102.80 4' ,-6 Portugiesen . . . 50J5
Portugiesen. .... 81.50 156 C. Türken .... —.— Türkenlose......122.00
4°/o Uriech. Monopo’ -AnL 44.30 4*,t56 äussere Argentiner —.—
l 3Vo Mexikaner .... 26.25 4*/e /o Chinesen .... 92.80 | Etoctric. bctuckert ... 80.00 Aordd. Lloyd . . . . —.—
Kreditaktien ..... 212.90 Disaonto-Kommandit. . . 187.10 Darmstädtor bank . . . 134.90 Dresdener Bank . . 141.90 Beniner Handelsges. . . 155 00 Oesterr. StaaUbahn . . , 151.25 Lombarden . . . . . 19.90 Uottbardbahn ..... 179.00 Lauraa Qtto......198.30
Bochum ....... 170.25 iiarpener......167.26
Tendenz: k-st.
van Houtens cacao
Ein nahrhaftes,belebendes Getränk, welches einen wohlthuenden Einfluss auF die Nerven ausübt,


