Ausgabe 
25.8.1902 Erstes Blatt
 
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Landwirtschaft.

k. Aus dem Kreise toteren, 23. 2lug. Die ®-r um moi-- ,errtxt e, welche in aller Kürze beginnen wird, dürfte in kiefern Jahre sehr wenig befriedigend aussallen. Infolge des trockenen Sommers blieb das Gras im Wachstum ungemein zurück, sodaß ;ftd) auf sehr trocken gelegenen Wiesen das Mähen kaum lohnen wird. Die ziemlich bedeutenden Niederschläge der letzten Zeit haben eigentlich nur der Wetterau genützt. Die Güte des Grummets da- [gegen durfte falls noch gutes Erntewetter hinzuttttt hervor- ।tagend sein. Gerade der diesjährige trockene Sommer sollte .übrigens die Erwägung nahe legen, ob sich nicht auch für Ober- Hessen eine ausgedehnte Anlage der Wiefenbewäfferung empfehlen stvürde, die häufig ohne große Kosten herzustellen wäre. Da die '-ländliche Bevötterung zu solchen Neuerungen selten die Initiative ►ergreift und ihren enormen Wert oft nicht zu schätzen weiß, ja sich (häufig genug ablehnend verhält, so wäre es vielleicht angebracht, «daß die Behörden hier Hand ans Werk legen würde. In manchen Ben auch vereinzelt in unserem Streik ist in dieser Be- schou vieles geschehen, so z. B. durch Höherlegung des der Gewässer oder durch Abzweigung derselben oberhalb .eines Wiesengrundes. Aus solchen Orten, m denen eure Wiesen- bemäfierung bereits eingeführt ist, kann auch dieses Jahr wieder von einem befriedigenden Stand des Futters berichtet werden. ^Wenn man bedenkt, wie sehr die Futterpreise infolge der Trocken- Uttit gestiegen sind und woH noch steigen werden, so kann man den Mutzen solcher Anlagen leicht ermessen.

Der Saaten st andsbericht des kgll bayerischen jstattsttfchen Bureaus besagt: Je nach der Fruchlart hat der häufige Regen der letzten Wochen verschieden eingewirkt, günstig auf die 'Entwicklung der Futterpflanzen, dagegen in noch unbestimmtem Grad ungünstig aus das Getreide, dessen Einerntung mindestens Verzögert wird, in den rauheren Lagen überdies durch die für die «Jahreszeü ungewöhnlich tiefe Temperatur der Nächte. Dagegen [herrscht, wie in der letzten Berichtsperiode, Trockenheit in der Pfalz ®ni> in einigen Bezirken von Mittel- und Unterfranken. Die Ge- /treibeemte hat sich gegenüber dem Vorjahr sehr verzögert, es ist .«och roemg Getreide eingebracht. Ein großer Seil kann wegen der »fast ständig regnerifdyen Witterung nicht geschnitten werden, sodaß Lagerung zu befürchten ist. Da, ivo das Geschnittene noch cuif dem -Jelde liegt oder in Mandeln aufgehauft ist, droht das Auswachsen :2lu manchen Orten verzögert sich auch das Ausreisen. Manche Berichte äußern sich sehr günstig über die Ernteaussichten ins­besondere für den Fall, daß nunmehr besseres Wetter eintritt. Ta- sfLr sprechen auch die Durchschnittsquoten. Die einzelnen Getreide- arten werden sehr verschieden beurteilt Gerste und Hafer scheinen -am besten auszusallen. Winterroggen ist infolge migünftiger Pflüge­zeit lückig in den Aehren geblieben. Kartoffeln stehen im All-, gemeinen gut und scheinen fast überall frei von Krankheiten zu sein. Frühsorten hatten zu falt Klee läßt da, wo er nicht durch Mäuse S' hadigt wurde, gutes erwarten. Die Grummeternte verzögert

jedoch infolge der ungünstigen Witterung. Für den zweiten jenschnitt steht wegen der Niederschlage em gutes Ergebnis in .Ansicht. Die Alpenweiden befriedigen. Tabak hatte zu katt und in her Pfalz zu trocken. Hopfen wird fast überwiegend recht günstig 'beurteilt, indessen haben in einigen Gegenden die fallen Nächte ,'hemmend eingewirkt Unter den Obstsorten bestehen die besten Lllissichten für die Aepset Tie Weinberge sind gut entwickelt, die Stöcke meist gesund; den Trauben aber hat die ungünstige Witte­rung und die falte Temperatur geschadet Es bestehen daher Be­fürchtungen für das Ausreisen und die Qualität, wenn nicht bald dauernd sonniges Wetter eintritt. In der Psalz wird wegen der ,bort harschenden Trockenheit über Mäusesraß geklagt Die Noten .für das ganze Königreich lauten: Winterweizen 179, Sommer­weizen 216, Winterspelz 175, Winterroggen 185, Sommerroggen 199, 'Sommergerste 188, Haser 197, Raps 217, Kartoffeln 211, Klee 212, Luzerne 247, Wiesen 118, Tabak 221, Hopsen 193, Wein (aus 18 Be­zirkens 359.

Der Saat em st andsbericht für Württemberg meldet über den August: Die häufigen Niederschläge waren sehr 'förderlich für die Futtergewächse, dagegen ist das Erntegeschäft un­liebsam gestört und verzögert worden. Auch haben sich die Halm­früchte vielfach infolge starker Gewitterregen gelagert. Die Ernte «von Winterfrucht, Gerste und Frühhaser ist in den milderen Landes-

gegeitben zum größeren Teil bereite beendet T4e Frucht fft gut ausgereift, die Körner find schwer und vollkommen. Verfchiedeilt- lich wird allerdttrgs berichtet bafc Weizen und Dinkel stark vom Brand befallen fei. Dem Laser sind die Regenfälle sehr zu statten gekommen, doch ist er vielfach stark mit Untraut durchzogem Die Kartoffeln zeigen einen schönen Stand und haben bis jetzt durch regnerische Witterung noch nicht Not gelitten. Auch der Stand des Hopsens ist befriedigend. Der Späthopfen zeigt reichen Blüten­ansatz, die Pflanzen sind von Ungeziefer frei, sodaß eine gute Ernte in Aussicht steht Rotklee und Wiesen ver­sprechen einen guten zweiten Schnitt. In manchen Gegenden waren die Regenfälle aber noch nicht hinreichend, sodaß dort der Stand der Futtergewächse zum Teil ein geringer ist Die Aussichten auf eine mittlere Obsternte haben sich, wenigstens was die Aepfel betrifft, nicht nur erhallen, sondern sogar etwas gebeffert, während in Birnen nur eine geringe Ernte in Hlussicht steht Der Stand des Weinstocks hat sich abermals gebessert Die Weinberge stehen schön und gesund, nur sind die Trauben an den Nachtrieben in der Entwicklung noch etwas zurück. Vereinzelt tritt die Blatt- fallkrankhett und der falsche Mehtthau auf. Wärme und trockene Witterung wären für die Weiterentwickelung der Trauben dringend erwünscht

Vom Saatenstand um Mttte August im Großh. B a d e n heißt es: Die zweite Ernte ist, was die Winterfrüchte anlangt, in der Hauptsache in gutem Zustande unter Dach gebracht Allerdings wurde die Einscheuerung durch unbeständiges Wetter vielfach ver­zögert Auch haben schwere, mtt Hagel vermischte Gewitterregen des Juli und in den ersten Tagen des August hier und da der Frucht erheblich geschadet Die Nachrichten über den Sömeretrag lauten vorläufig noch recht verschieden und unbesttmmt Doch scheinen im Alchemeinen die Erwartungen sowohl bezüglich der Korner- ais der Strohernte meist erfüllt und nicht fetten sogar übertroffen worden zu sein. Aus einzelnen Bezirken kommen Klagen über das Vorkommen von Brand, namentlich beim Spelz. Ferner wird mehrfach das Ueberhandnehmen der Feldmäuse ge­meldet Sommerfrüchte, die. unter der gleichen Ungunst der Witterung zu leiden hatten, werden bei der feit einigen Tagen herrschenden wärmeren und beständigeren Witterung auch bald volleres zur Abernttmg gelangt fein. Das Gleiche gilt von den Kartoffeln. Den Klee- und i Luzerneseidern, sowie den Wiesen scheinen in vielen Bezirken die Niederschläge der letzten Zeit am meisten zu statten gekommen zu sein, infolgedessen die Aussicht auf einen reichen Oehmdertrag gegeben ist Aus mehreren Bezirken wird das Vorhandensein von Kleewürgern gemeldet, ebenso schä­digen die Feldmäuse manchen Orts die Kleeäcker. Der Stand des Tabaks ist sehr verschieden. Sein Wachstum hat fast allenthalben infolge der trüben und meist regnerischen Witterung nur langsame Fortschritte gemacht und ist warmes trockenes Wetter für seine Entwickelung sehr notwendig. Jii einigen Bezirken hat auch der Hagelschlag den Tabakfeldern mehr oder weniger geschadet. Der Hopfen hat gegen den Vormonat abermals eine günstige Beurteilung erfahren. Sein Stand ist etwas über ziemlich gut. Tie Nachrichten über die Reben lauten aus 8 Bezirken von 58 gut Von den übrigen Berichten bezeichnet die eine Hälfte den Stand als mittel, die andere Hälfte als unter mittel, gering und sehr gering. Auch haben Hagelwetter in manchen Gegenden den Reben erheblichen Schaden zugefügt. So kommt es, daß die Ge° famtnote für das Land noch unter die des Vormonats gesunken ist und etwas unter Durchschnitt lautet. Nach der üblichen Stufen­folge berechtigt der Stand der Saaten Mitte August nach den Mitteilungeir des statistischen Landesamtes bei Hafer zu 2,6, Kar­toffeln 2,5, Klee 2,9, Luzerne 3,0, Mesen 2,5, Tabak 3,0, Hopfen 2,4, Reben 3,2.

Beurlaubungen von Soldaten zur Ernte. Von ver­schiedenen kommandierenden Generalen ist dieser Tage an die Truppen die Anweisung ergangen, daß wegen der sehr un - günstigen Witterungsverhältnisse dieses Jahres den Gesuchen der Landwirte um Gestellung von Soldaten zu Ernte­zwecken in weitestem Maße entgegenzukommen sei.

Winnipeg (Kanada), 24.Aug. Stach Berichten, die hier von 60 Ortschaften Manitobas und den nordwestlich gelegenen Gebieten eingegangen sind, ist das Wetter bei der Weizenernte durch­weg fehr gut Es scheint, daß die Schätzung, die Ernte werde einen Ertrag von 60 Millionen Bushels liefern, sich verwirklichen

wird. Infolge dieser Aussichten erhöht sich der Preis für ©rxnd unb Boden.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Die Gladbacher Rheinischen Baurnwollfpiuneretrn beschlossen, ebenso mie die westsäli s cherr Spinn er vom Sep­tember ab eine löprozeittige Arbeitse ins chränk un g.

Zur Errichtung von Taukaulageu der Deutsche Amerikanischcu Petroleumgesellfchaft. Die Handelskammer zu Billingen in Baden beschäftigte sich in ihrer letzten Plenarsitzung auch mu dem Vorgehen der deutsch-amerikanHchen Petroleum- Gesell) ch ast bete, den Verkauf von Petroleum ans Straßenwagen und Errichtung von sogen. Tanks. Sie äußerte sich darüber folgeirdermaßen:Tie Kammer ist überzeugt, daß das Vorgehen der deutsch-amerikanischen Petroleumgesellfchaft eine Monopokb- sierung des Pettoleummarttes bezweckt, die dann zur Folge habe« wird, daß das Publlkum jeden von dieser Gesellschaft gefordertem Preis zahlen muß. In dem Anschluß an diese Gesellschaft sieht dte Kammer aber auch eine unkaufmännijche Entschließung der Petroleumhändler, da ein Kaufmann doch Interesse daran habens muß, sich mehrere Einkaufsquellen zu sichern. Die Kammer be* schloß, bei den anderen badischen Kammern anzufragen, welche, Stellung sie einnehmen, und ob die Großh. Generaldirektton er>i sucht werden soll, die Errichtung sogen. £cmt3 auf den Stattonen zu versagen."

Petroleum-Prodntte-2lkt.-Gcs^ Hamburg. Von dem, Akttenkapttal von 3 Mill. Mk. find nicht weniger als 2650000 Mk direkt an die Interessenten der Shell Transport unb Tvading 6<xi in London übergegangen, sodaß das neue Unternehmen, das auä; der Petroleumfirma Gchlig, Wachenheim u. Co. heroorgegcmgen ist, sich nur solange von Monopolbestrebungen unabhängig erroeifen; dürfte, als es in der Absicht der Shell Line liegt Bisher tritt; dieses Bestreben allerdings noch nicht zu Tage, da die genannte! Gesellschaft, die den Vertrieb des holländisch-ostinbischenPetroleumsl monopolisiert hat, sich auf den Import von Texas-Oel nach Europas in großem Umfang beschränkt. Die Petroleumproduktt-Attien-- Gesellschast in Hambiirg will zwar nach ihrem Zirkular Petroleum^ jeder Herkunft m Vertrieb nehmen, sie durfte aber nach alledeutz hauptsächlich wohl darauf angewiesen fein, das ihr zukommendes Texas-Oel, das zmneist zu Heizzrvecken Verwendung findet, denn Abfatz zuzuführen. Das Aktienkapital der ißetro le umprob u£te* Aktiengesellschaft besteht aus 3Mill.Mk. Aktien. Von diesen Aktien sind 2 600 000 Mk. an Max Rudeloff in Hamburg, den £>amburger Vertreter der Shell Line, übergegangeu, 50000 9)IL Aktien hat Max Nielafferi in Berlin übernommen, der in Verbindung zu der großen Chinaftrma Arnhold, Larberg u. Co., London und China, steht, von der zwei Chefs im Aufsichtsrat der Shell Transport and, Tradüig Co. sitzen. 328 000 Mk. Aktien find an den Direktor der Berliner Bank, Karl Chrambach, übergegangen. 2OOOO ML. Aktien hat Direktor Janson, 2000 Mk. Direktor Nirrnheim von der Petroleumprodukte-Aktiengesellschaft erworben. Wie gleichzettig be­kannt wirb, ist bie Niederlassung der Firma Gehllg, Wachenbettn u. Co. in Bakum nicht an bie neue Gesellschaft übergegangen, denn die Firma bietet die Anlagen, die bei Auslösung der Firma mtt ca. 900 000 Rbl. zu Buch standen, jetzt für 600000 Rbl. zum Ver­kauf an.

Gerichtssaal.

Die Rache des abgewiefeueu Tänzers. In Aerr- Haldensleben gab ein junger Mann auf einem Ball einem Mädchen eine schallende Ohrse ige, well ihm die Schöne einen Tanz abgeschlagen hatte. Die Angeleaenheit tarn oor Gericht, unb hier machte ber Jüngling geltend, es seiRechtsfitte", eine Tanzablehnung auf dem Tanzboden durch eine sofortige &>; miderung der Beleidigung in Gestatt eine» Ohrfelge zu rächens Die Richter fchentten ben Beteuerungen bes jungen Mannes jedoch kernen ©landen und verurteilten ben rechtskundigen Tänzer zu einem Tage Gefängnis.

Csibtiiz 10 aff ein

Zu haben bei Hofl. J. Koax, Seltersweg No. 25. 8505

Iagdvrrpachtung.

Wtoutag den 1. September,

mittags 1 Uhr,

-wird auf hiesigem Gemeinde­haus die an den Staatswald des Gleiberger Forstes (mtt cherüberwechselndem Rotwild-- jstand) angrenzende ganze hiesige Gemeindejagd auf sechs Jahre neu verpachtet. Keine Wild­dieb ereil Entfernung des Jagd- -gebietes von Bahnhof Bieber der Strecke Gießen-Bieber nur -eine Stunde. 5566

Crumbach bei Gießen, den 2. August 1902.

I. V.: Schöffe Weber.

Grummetgras- Versteigerung.

Das diesjährige G rammet - igras von ben Domanialwiesen wird Dienstag den 2. Sep- -tember versteigert unb zwar:

1) Nachmittags h,2 Uhr bei Herrn Wirt Schultheis in Lumda von 15 ha Wiesen der -Gemarkung en Atzenhain u. Lumda;

2) Nachmittags a/45 Uhr bei ,H«wn Wirch Heinrich ScheppV. sm Saasen von 29,24 ha Wiesen in ben Gemarkungen Göbelnrob, Harbach, Lmdenstruth, Queckborn und Saasen.

Die betreffenden Wiesenwärter .-und Forstwarte find beauftragt, auf Verlangen bie Graslose vor­her vorzuzeigen.

Grünberg, ben 19. August 1902. Großh. Oberförsterei Grünberg.

Schober. 5932

Versteigerung.

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02 V

Dienstag den 26. August, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Steustadt 55 ba- chier gegen Barzahlung:

1 vollstänbiges Bett, 1 desgl. Kinderbett (beide gut erhalten), 6 Damast-Tischtücher, 1 Porttöre von grünem Stoff mit Zube­hör, 1 emailliertes Waschservice, 1 Kleibers chrank, 1 Waschkom­mode unb 2 Bilder.

3>ie Kcrsteigerung findet öe- fiimmt statt.

59olj Born, Gerichtsvollzicher.

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V, Kr. Kesstsche Lattdes-Lotterie.

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Setpwg VI. 23. M1802.

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