Ausgabe 
25.8.1902 Erstes Blatt
 
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23uren Frieden hallen, wenn ihnen sämtliche Forderungen von Seiten der Sieger bewilligt werden. Außerdem drohe dem zivilisierten Südafrika von den Koffern große Gefahr. Tiefe weigerten fid>, die von den Engländern während des Krieges erhaltenen Gewehre zurückzugeben und ziehen sich ins Innere des Landes zurück. Ter Gemeinderat von Limerick in Irland Hot Botha, Tewet und Telarey das Ehrenbürgerrecht verliehen.

und im blutigen Kampf die Religion der Einwohner da­mals bestimmt wurde und dadurch thatsächlich ein Teil des deutschen Volkes, der Gewalt sich beugend, einen an- deren Glauben annahm, so ändert das cm dem Gesamt­bild nichts. Bemerkenswert ist vielmehr, daß gerade die Bewohner der Gebiete Teutschlands, ivelche die Städte der heißesten Kämpfe waren, ihrer Religion treu geblieben sind. Genannt seren davon die drei Bistümer am Mederrhein: Mainz, Trier, Köln, die westfälischen Bistümer Münster und Paderborn, wo sich die Gegensätze heute noch unmittel­bar berühren.

Vereins im Garten zur vossitung schloß. Morgen früh ist ein Svoriergang in den Stadtwald mit einem Ftttbsttick <nr

Der Katholikentag in Mannheim.

M a n n h e i m, 24. Aug.

Mit feierlichem Geläut von sämtlichen Kirchen der Stadt wurde am Samstag abend die bis zum 28. d- M. hier tageüde 49. Generalversammlung der Ka­tholiken Deutschlands eingeleitet. Zur Teilnahme an der Tagung sind u. a- die Abg. Dr. Bachem-Köln, Porfch- Breslau, Gröber-Heilbronn, Tasbachi-Trier, Noeren-Köln, Cahensly-Limburg, Trimborn-Köln, Graf zu Droste-Vische- ring, Dr. Schädler-Bambcrg und Dr- Pichler-Passau hier eingetroffen. Heute herrschte in der Stadt reges Treiben. Aus allen Teilen des Reiches strömten die Festteilnehmer herbei. Um 3 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung, an dem insgesamt 170 Vereine mit rund 20 000 Per­sonen aus Baden, der bayerischen Pfalz, Hessen, Würt­temberg, dem Elsaß und der Saargegend teilnahmen. Der Zug nahm seinen Weg durch die Hauptstraßen der Stadt nach der nach den Plänen des Professors Schmitz- Charlottenburg neuerbauten Festballe.

Während des Zuges wurden Erzbischof Nörber-Freiburg stürmische Ovationen dargebracht. In der Festhalle waren im Hintergründe hinter der Rednertribüne die Büsten des Kaisers und des Großherzogs von Baden, in der Mitte die Statue des Papstes, zu beiden Seiten flankiert von den Fahnen und Bannern der verschiedenen Vereine, ausgestellt. Diejenigen Teilnehmer am Festzug, die in der Halle nicht untergebracht werden konnten, hielten in ver­schiedenen Sälen drei gleichzeitige Versammlungen ab. In der Festhalle selbst eröffnete um 5 Uhr der Vorsitzende des Lokalkomitees Amtsgerichjtsdirektor Gießler die Versammlung und erteilte alsbald dem Reichstags- und Landtagsabg. Dr. Schädler das Wort, der seine Freude über den imposanten Festzug aussprach, der den Beweis geliefert habe, daß man auch Arbeiter sein könne, ohne der roten Fahne folgen zu müssen. In der Kirche allein sei das Heil zu suchen, die Kirche allein könne dem Arbeiter helfen. Die Rede wurde mit stür­mischem Beifall ausgenommen. Darauf ergriff, von einem dreifachen Hoch begrüßt, Erzbischof Nörber-Freiburg das Wort. Er schilderte die Segnungen, die die Kirche dem Arbeiter bietet. Bei der jüngsten Bischofskonferenz in Fulda habe er so recht die Ueberzeugung gewonnen, daß die Kirche die Förderung der Interessen der Arbeiter als ihre Hauptaufgabe betrachte. Redner erteilte zum Schluß der Versammlung seinen Segen. So­dann sprachen Arbeitersekrctär Reinhardt-Freiburg über die Vorteile der katholischen Gesellenvcreine und Pater Bonaventura-Berlin über die Kirche und die christ-

häL. Der ,Lokalanzerger" veroffenLicht nun ein Schrev- hen des Herrn Blankenburg. Dieser bezeichnet es als un­wahr, daß er Sxrrn Löhning überfallen habe, er habe mittags seine Visitenkarte bei Löhning abgegeben, chn aber nicht zu Hause angetrofsen, und sei dann auf die Zeit nach dem Vornachmittag wieder bestellt worden. Als er um 51/2 Uhr wieder kam, hätten sich sofort die Thüren zmu Empfangssalon geöffnet und alles habe darauf hin- gewiesen, daß er erwartet wurde. Ferner sei es unwahr, daß Herr Löhning die Beziehungen des Interviewers zum Lokalanzeiger nicht gekannt habe. Auf der zurückgelassenen Visitenkarte sei die Stellung Blankenburgs zum Lokal- auzeiger deutlich erkennbar. Blankenburg erklärt, daß er,um Löhning Gelegenheit zu geben, sein Gedächtnis auszufrischen", den verantwortlichen Redakteur derPost"', >er die Erklärungen des Herrn Löhning zu so schweren Angriffen gegen seine, (Blankenburg) persönliche Ehre benutzt habe, wegen Beleidigung verklagt habe. Zu dieser Erklärung fügt der Lokalanz. hinzu, Blanken- Knrg' sei ihm seit langen Jahren als zuverlässig bekannt. Von seiner Glaubwürdigkeit sei er überzeugt. Den Vor­wurf der Entstellung werde Löhning schwerlich damit be­gründen wollen, daß Blankenburg mehrere sehr heftige Ausdrücke gegen gewisse Personen unterdrückt habe. Run hat wieder Herr Geheimrat Löhning das Wort.

Als gleichfalls unerfreulich muß der ebenfalls von Berlin aus bekannt gegebeneFinalabschluß überdengegen­wärtigen Stand der Reichsfinanzen bezeichnet werden, über den mau leider als Ueberschrift setzen muß:Reichs­defizit"'. Eine besondere Ueberraschung bietet das neue Deffzit freilich insofern nicht, als man bereits auf Grund der vorläufig festgestellten Ergebnisse des Rechnungsjahres 1901 auf ein Minus gefaßt sein mußte. Dabei ist es nur ein schwacher Trost, daß dieses endgiltige Minus hinter dem vorausgesehenen um ein paar Millionen zu­rückgeblieben ist, wohingegen nicht übersehen werden darf, daß nicht nur des Reiches Einnahmen, sondern auch die an die Einzelstaaten zu überweisenden Bei­träge hinter dem Voranschläge bedeutend zurück­geblieben sind. Steigende Ausgaben fallende Ein­nahmen«. An diesem Gesamtergebnis ändert ein geringes Plus durch Zölle, Tabaksteuer und der Reichsdruckerei so gut wie nichts. 48 Millionen betragt aber der Fehl­betrag ohne Heranziehung des Mankos der Ueberwei- sungen, m i t dem wir auf ein Defizit von fast 64 Millionen im Deutschen Reiche kommen. Angesichts dieser nichts we­niger als erfreulichen Thatsachen und im frischen Gedenken an die schwierige Finanzierung des Etats, dessen Aus­gleichung ohne Zuschußanteihe nur durch freiwilliges Ein­springen der Einzelstaaten mit einer Summe von 24 Mill. Mark ungedeckter Matrikularbeiträge möglich wurde, muß das erneute Gebot einer strengen Sparsamkeit als unbe­dingte Forderung aufgestellt werden, zumal dann, wenn man nickst das gewagte Experiment vom vorigen Jahre, die Veranschlagung der Einnahmen aus den Zöllen um 12 Millionen Mark zu erhöhen, wiederholen will. Wie sehr man sich nämlich mit dieser Schätzung verrechnet hat, beweist 1)as Zurückbleiben der Ueberweisungssteuer um 7,5 Millionen Mark schon in den ersten drei Monaten des Finanzjahres, wozu der Umstand kommt, daß bereits Andeutungen über einenoch schwierigere" Aufstellung des Etats für das nächste Jahr laut werden. Niemals aber darf man versuchen, solche durch weitere Erhö­hung der indirekten Steuern herbeizuführen. Es 'ist der Regierung Sache, neue Einnahmequellen zu finden, und der preuß. Finanzminister würde sich durch intensive Beschäftigung mit dieser Frage ein größeres Verdienst er­werben, als dadurch daß er sich um Heiratsangelegenheiten seiner Beamten bekümmert.

Tor Kulturkampf in Frankreich hat weitere Un­ruhen hervorgerufen, die von einem hartnäckigen Wider­stande gegen die Ausführungen des Kongregationsgesetzes bekunden. Namentlich ist die Bretagne der Schauplatz von Zusammenstößen zwischen den zum Schutze der Kloster­schulen und ihrer Bewohnerinnen herbeieilenden Bauern und den Truppen, die die Regierung in größerer Zahl vorschicken mußte, um die Schließung der Schulen mit bewaffneter Macht zu erzwingen. Ter Vorschlag einiger Pariser Blätter, die Maßnahmen der Negierung mit Steuer» Verweigerung zu beantworten, hat Anklang gesunden. Ter Figaro" machte daraus aufmerksam, daß durch die Aus­führungen des Kongregationsgesetzes seitens der Regierung tm nächsten Schuljahr 180 000 Kinder des Schulunterrichts entbehren müssen, und er fordert deshalb mit Recht zu einer gerechten Handhabung des Gesetzes auf. In militärischen Kreisen Frankreichs spricht man, wie es heißt, davon, daß infolge des Vorgehens der Regierung gegen die Ordensschwestern der Ausbruch einer allgemeinen Unzufriedenheit in der Armee befürchtet wird, die für die jetzige Regierung schwere Folgen nach, sich ziehen könne. Wenn die benachbarte Schweiz eine Anzahl von Frauenorden und Kongregationen untersagt hat, so ist dabei zu beobachten, daß durch die neue Bestimmung des Berner Bundesrats verhindert werden soll, die Schweiz als Re­fugium für die aus Frankreich ziehenden Nonnen anzu­sehen.

Tie Nachrichten vom amerikanischen Revolu-

Volitische Tagesschau.

Jüdische Studenten Korporationen.

DiePost" heißt die Bildung besonderer jüdischer Stu- denten-Korporationen willkommen. Sie schreibt:

Nachdem die Juden als emanzipierte Staatsbürger auch das Recht zum Staatsdienst erworben haben und nachdem andererseits nach dem anregenden Beispiele des V. T. St. und auf Grund der eigenen Erfahrungen fast sämtliche studentischen Verbände die Juden von der Auf nähme ausgeschlossen haben, ist es^nur eine natürliche Reaktion auf diesen Schritt, wenn Die jüdische Studentenschaft sich ebenfalls zusammenschließt. Tie Absperrung der Studentenschaft qegen die Juden war unseres Erachtens eine nationale und soziale Notwendigkeit, denn dadurch hat die Studentenschaft das nach- wachjende Beamtentum gegen ein Ueberwuchern des internationalen Geistes geschützt; da die Anschauungen des Studenten auch in das praktische Leben mitgenommen werden, so ist ferner eine genüge Sicherheit gegen eine allzu starke Beteiligung der Juden an dem Volks- regiment geschaffen, Tie wohlthätigen Folgen dieser studentischen Defensive gegen das prozentual überstarke Eindringen des Judentums in die Beanuenlausbahii haben sich bereits geltend gemacht. Wenn wir sonach für die notwendige Entwickelung des studentischen Juden­tums und für die Schaffung eigener Korporationen volles. Ver- tändnis haben, so begreifen wir aber auch deren sozialen Wert. Tenn die jüdischen Studentenvercinigungen müssen sich ebenso, wie alle anderen in ihrer spezifischen Eigenart ausleben und bieten fo- nach der Oeffentlichkeit, dem Staate und vor allem der Staats- regierung die beste Gelegeiihcit, das Judentum seinem iimerfteit Wesen nach kennen zu lernen. Ferner beschleunigt das Judentum durch diesen Hang zur Betoiiung feiner Eigenart und durch Schau» tellung jeiner nationalen Interessen den Entwickelungs- imd Ge- undheitsprozeß im deutschen Volke, die Erkenntnis nämlich, daß die These von dem unterschiedslosen Deutschtum der Juden durch und durch falsch ist. Ter Jude fühlt sich durchaus nur als Gast hier und denkt nicht im entferntesten daran, seine persönliche Eigen­art und seine nationalen Rechte aufzugeben, und wenn sich der ge­bildete und als Beamter zur Teilnahme ain Staatsregimente be­rufene Jude Pflegslälten für diese Sondermteressen schafft, so ruft er zugleich die Kritik gegen sich auf. Wir unterschätzen darum die oziale Bedeutung der jüdischen Studentenschaft ebenso wenig, als vir jemals dem Zionismus unsere Zustimmung versagt haben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 26. August 1902.

** Ter gestrige Sonntag stand wieder unter bem Zeichen der Vergnügungen, hauptsächlich der Kirchweihfeste^ odaß die Dahl, wohin man feine Schritte lenken sollte^ recht schwer wurde. In Lollar, Großenlinden, R 0 h c i m a. B., Alb ach re. schmetterten die Kirmesttompeten, in Dutenh of en war Kriegerfest mit dem unent­behrlichen Festzug durch den festlich geschmückten Ort nach dem ebenso sinnig geschmückten Festplatze, wo es gegen abend elbst die Veteranen von 1864 und 1866 nicht verschmähtem mit den Jungen um die Wette zu tanzen^ Nach Tuten- Hofen hatten auch die Gießener Stenographen und Stenographinnen ihre Schritte gelentt, um in dem bis auf den letzten Platz mit Gästen besetzten Jagd­schlößchen bei Sorget einige sorgenlose Stunden zu verleben. Die Gießener Buchdrucker machten sich in der Frühe auf zu einer Fußtour nach Bubenrod. Nach kurzem! Aufenthall dortselbst ging cs nach Bieber, und von da abi >er Bahn wieder nach Gießen. Tie W a l d f e st e, über die wir bisher berichteten, sanden immer im Walde an der Licherstraße ober am Ludwigsbrunnen statt. Heute nrüssen wir von einem berichten, das jenseits der Lahn tattgefunben. Ter VereinSachsen haus e n", der naturgemäßdribb der Bach' seine Festivitäten abhalt, ver­anstaltete in unmittelbarer 'Mhe dex Stabt sein Waldfest in dem Tann eit Wäldchen an der Hardt. Tor Besitzer des- eiben, Gg. Bichl er, hatte die nötigen^ Einrichtungen getroffen, um die sehr große Anzahl der Teilnehmer gut plazieren zu können. Erhöhtes Podium für die Musikkapelle, ein Tanzplatz, alles war da; zum Schluß erfolgt? der Rück­zug aus DemWald" mit Musik und Lampions. Z u Ehren ihrer Preisturner veranstaltete der Turn­verein Gießen einen Ausflug nach Lichle rtz Ter­rasse. Ter an die Freunde der Turusache ergangenen Einladung wurde selbstverständlich in reichem Maße ent* sprachen und nach dem Konzert auch flott getanzt. Ter Gesan gverein Gemütlichkeit ließ sich auf der Germania nieder; er bot mancherlei Kurzweil unb machte seinem Namen alle Ehre. Dem romantisch gelegenen Braunfels galt ber Besuch bes Männer-Turn­vereins. Im Verein mit den Braunfelser Turnern unb Turnschwestern verlief bei Nachmittag unb Abend zur Zu­friedenheit aller Teilnehmer. Ter Kaufmännische Verein blieb gestern in feinem Heim an der 3to_cbanlage und veranstaltete ein zahlreich besuchtes Gartenfest, be­stehend in Konzert der Regimentsmusik und italienischer Nacht. ZurBund es fahrt nach Trohe"" erschren am Nachmittag eine stattliche Anzahl Mitglieder des Gie­ßener Radfahrer -Vereins 1885 am Start vor dem Wallthor. Am Ziele hatten sich auch die Damen ein­gefunden; sie wurden am Abend per Wagen, bereu Eskorte lampiontragende Radler bildeten, wieder nach Gießen be­fördert, hoch befriedigt über den in Trohe verleben Nach­mittag.

)( Klein- Lind en, 24. Aug. Die Eisendabu-- brücke über die Frankfurterstraße bei Ktech- Linden hat kürzlich wiederum eine bemerkenswerte Dar­be s s e r u n g erfahren, die vom Publikum mit Freuden be­grüßt worden ist. Tie rechte Trottoirseite hatte bereits im Februar d. I. zum Schutze der Passanten gegen heräb- sallendes Oel und Schlacken eine Wetlblechverschcllung er­hallen, nachdem wir an dieser Stelle auf Beseitigung des llebelftandes aufmerksam gemacht hatten. Für den Per­sonenverkehr genügte dies wohl, da ja das lllcksfeittge Trottoir kaum benutzt wird. Ende Februar, als wir von der Herstellung dieser Verschalung berichten tonnten, wiesen wir gleichzeitig darauf hin, daß eine teilweise Verschalung des mittleren Telles ber Brücke, der bem Wagenverkehr bient, ebenfalls im Interesse des Publikums liege, zunull über bie Brücke hinaus der Rangrerbahichof erftretft unb man schpn mehrfach gesehen hatte, wie glühende Schlacke heruntersiel. Für Wagen, die mit Heu ober Stroh beloben sind, konnte dieser Uebelstand sehr verhängnisvoll werden. Dem ist jetzt abgeholfen; die am meisten gefährdeten Stellen des mittleren Teiles der Brücke sind nun eben­falls verschalt.

[] Gelnhausen, 22. Aug. Tie 6 8. Jahresver^ sammlungdesVereinsfurhessischeGeschichte und Landeskunde wurde gestern nachmittag durch eine Sitzung des Gesamtausschusses im Hause der Gesellschaft Casino eingelellet, in ber bie der Hauptversammlung zur Genehmigung vorzulegenden Beschlüsse beraten und die Tagesordnung festgesetzt wurde. Im Anschluß daran ver­einigten sich die Mitglieder zu gemütlichem Beisammensein daselbst. Tie Hauptversammlung, zu der auch eine Anzahl Damen erschienen waren, wurde heute morgen kurz nach 9 Uhr durch den Vorsitzenden Generalmajor z. D. Eisen- traut»Gaffel eröffnet Nachdem Bürgermeister Schöff er die Erschienenen im Namen ber Stadt herzlich begrüßt hatte, verlas der Schriftführer Kanzleirat N e u b e r den Jahres­bericht, in dem er besonders einiger im letzten Jahre ver­storbener Mitglieder, in erster Linie des Konservators Dr. B i ck e 11 - Marburg gedachte. Dem Nechnungsführer Frei- Herrn Wolff von Gudensberg, ber den Kassenbericht erstattete, wurde Entlastung erteilt. Der bisherige Vor­stand wurde einstimmig durcb Zuruf wiedergewählt. Als Ort für die nächste Jahresversammlung wurde Wolf­hagen gewählt. Ten vom Vorstand ausgearbeiteten Satz­ungen, die den Ansorderungen deS neuen bürgerlichen Ge- setzbtches entsprechen, und dem Beschlüsse desselben, den Verein ins Vereiusregister eintragen zu lassen, wurde zu- gesttmmt. Hierauf hiett Prof. S ch r ö d e r - Marburg die Ge- oächtnisrede auf den letzten Kurfürsten, während Rentier Will). Schäffer über die Geschichte ber Stadt Gelnhausen sprach. Landrat v. B a u m b a ch widmete bann Dr. Bicke11, bem ber Kreis so viel verdanke, noch einen warmen diachruf. Nach einer Besichtigung der Sehenswürdigkeiten ber Stabt, insbesondere des Kaiserpatastes und der Niarienkirche fand nachmittags 4 Uhr im ('Gasthaus zum Hessischen Hof ein Festessen statt, an das sich abends cm Konzert des Orchester-

liche Charitas. Tie Ausführungen sämtlicher Redner sanden den lebhaftesten Beifall der Versammlung. Abends 8 Uhr fand, gleichfalls unter gewaltigem Andrang, eine Be­grüßungsfeier in der Festhalle statt, bei der namens der Stabt Bürgermeister Martin eine Ansprache hielt.

Bei dieser Gelegenheit dürfte es unsere Leser gewiß interessieren, zu erfahren, wie sich die Angehörigen der katholischen Konfession auf das deutsche Reich verteilen. Ganz "Nord- unb Mitteldeutschland stehen fast ausschließ­lich unter dem Banner der protestantischen Kirche, welche außerdem noch das Gebiet von Franken und einen Teil Württembergs für sich in Anspruch nimmt Im König­reich Preußen entfallen auf 1000 Einwohner 342,2 Ka­tholiken. In Bayern kommen auf 1000 Einwohner 708,3 Katholiken, und zwar in bem Gebiet rechts vom Rhein 749,5 und in der Pfalz 432,9. Tas Königreich Sachsen zahlt unter 1000 Einwohnern nur 36,9 Katholiken. In Württemberg entfallen auf 1000 Einwohner 299,4, Baden 620,2, Hessen 295,8, Mecklenburg-Schwerin 8,7, Sachsen-Weimar 35,9, Mecklenburg-Strelitz 6,7, Oldenburg 219,1, Braunschweig 40,7, Sachsen-Meiningen 12,5, Sachsen-Altenburg 12,2, Ko- burg-Gotha 14,1, Anhalt 32,6, Schwarzburg-Sonbershansen 8,4, Schwarzburg-Rudolstadt 4,6, Waldeck 28,9, Reuß ä. L- 14,9, Neuß j. L. 9,9, Schaumburg-Lippe 15,5, Lippe 33,7, Lübeck 14,9, Bremen 45,9, Hamburg 37,7, Elsaß-Lolhringen 765,3. Für das deutsche Reich giebt das im Turchschnitt auf 1000 Einwohner 357,6 Katholiken. ,Tas gleiche Ver­hältnis hat natürlich nicht immer bestanden; seit dem Weslfälisa-en Frieden ist der gesamte Besitzstand der Kon-

tionsgebiet lauten immer noch verworren und sich widersprechend. Was gestern gemeldet wurde, wird heute bementiert. Doch ist die Annahme wohl berechtigt, daß es sich, namentlich in Venezuela, mehr um den Austrag von Stteitigkeiten ber bärtigen Einwohner unter sich handelt, und Leben und Eigentum der Fremden nicht ge- sährder ist. Wenigstens sind die Nachrichten, daß bei der Einnahme von Barcelona bie Fremden in jeber Hinsicht respektiert ronrben, nicht widerrufen worden. Frankreich, England unb Deutschland haben gemeinsam gegen die Blockade venezolanischer Häfen Einspruch erhoben.

Tic drei bedeutendsten Burengcneräle Dewet, Botha nut) Telarey sind in London bejubelt worden. Auf­fallend kurz war ihr Besuch bei Eduard VII. Tagegen war die Aufnahme der drei Helden in Holland beispiellos und von echten Empfindungen getragen. Tie Drei besuchten in Begleitung mehrerer anderer Führer der Buren im letzten Kriege, die zur Zell in Holland wellen, den Präsidenten Krüger in Utrecht. Tewet, Botha unb Telarey wollen auch irach Teutschsländ fonimen. Der Zweck der Europareise soll jein, bei der britischen Regierung durchzusetzen, daß die zu Natal geschlagenen Bezirke bei Transvaal bleiben. Ein Wiener Blatt veröffentlicht eine llnterrebung eines feiner Mitarbeiter mit einem Kenner Südafrikas in Pretoria

(wahrscheinlich dem österreichischen Konsul Freiherrti von Pittncr). Ter Betreffende äußerte, daß von Freund­schaft oder Brüderschaft z w i f cb e n den Buren unb Engländern Feine Rede sein könne. Tie Buren seien den Gnglänöei 1

gewogen wie vor bem Kriege. Erst dann würden dies gewesen,

aber nur geringen Sd .man Fun gen unterworfen

und wenn auch in vielen oxbicten mit Gewalt j der Heinrichshöhe geplant.