pfLLtoS tn einer Form berichtet, als ob England fott IgotjlxiaGeMet zu annektieren beab- sichtige.
Paris, 24. Juli. Gestern abend wurde ein Priester von einer Anzahl Demonstranten angefallen und ihm ein Messerstich in den Unterleib versetzt. Er wnrde ins Hospital gebracht. Auch aus der Provinz werden Demon-- strationen aus Anlaß der Schließung der kongreganistischen Schulen gemeldet. In Quünper wurde ein Gendarm oerwnnd et.
— Der „Figaro" bespricht die diplomatische Figur des Fürsten Radolin, der unter besonders glücklichen Ausvi- zren eine namhafte Besserung der deutschfranzösisch en Beziehungen herbeigeführt habe. Die Pariser Gesellschaft Verkehre nun wieder in der deutschen Botschaft und Fürst Radolin genieße die Gunst der osft- ziellen Welt. Augenblickliche hätten die offiziellen Beziehungen wie die gegenseitigen Gefühle der Völker beider Lander einen wohlwollenden Charakter angenommen, der so Zufriedenstellend wie möglich sei.
Belgrad, 24. Juli. Die Skupschtina hat den bisherigen Vizepräsidenten Stanjevic zum Präsidenten gewähr und nicht den früheren Präsidenten Popovic; daraus hat die Regierung beschlossen, rhre Demission zu geben.
Petersburg, 24. Juli. Aus Soeul (Korea) wird jgemeldet, ein koreanisches Blatt erfahre, daß zwischen England, Japan und Korea in Soeul ein Abkommen abgeschlossen worden sei, wonach England und Japan der koreanische Regierung in allen wichtigen Fragen der inneren wie der auswärtigen Politik mit ihrem 8iat zur Seite zu stehen haben. Korea darf auswärtige Anleihen nur in Japan, England oder Amerika aufnehmen, darf keine Ausländer als Staatsbeamte mehr anstellen und verpflichtet sich, seine Flotte und sein Heer bis zu einem erforderlichen Grade zu verstärken.
— Ein Korrespondent erfährt aus sogenannter „zuversichtlicher Quelle"', daß der Zar in der zweiten Hälfte des Monats September einen Besuch von König Eduard erwarte. Sofort nach der Krönung werde die Königin Alexandra nach Dänemark kommen, um dort chre Schwester, die Kaiserin-Witwe von Rußland, zu treffen. Etwa am 1. September werde dann König Eduard eintreffen, und nach einem Aufenthalt von mehreren Wochen in Begleitung der Königin, und wahrscheinlich auch der Kaiserin-Witwe, auf seiner königlichen hackst, von englischen und russischen Kriegsschiffen eskortiert, die Reise nach St. Petersburg antreten. Aus der Rückreise von ^t. Petersburg werde, so behauptet der Korrespondent weiter, König Eduard dem deutschen Kaiser seinen längst geplanten Besuch statten. Diese Angaben bedürfen sehr der Bestätigung.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 25. Juli 1902.
** Personalien. Den nachstehend bezeichneten, bei der In valid en-Ber sich erun gs-Anstalt Großherzogtum Hessen definitiv angestellten Beamten ist auf Grund des § 3 der Bekanntmachung vom L Mai 1900 die Genehmigung erteilt worden, die bei den einzelnen Namen vermerkte dienstliche Benennung zu führen: Friedrich Trapp, Kanzleivorsteher, Wilhelm G a u g e r, Registratur-Assistent, Christoph Funk, Bureau- Assistent, Friedrich Eber lei n und Karl Jäger, Kanzlisten.
* * Ruderregatta auf der Lahn. Ein reges Leben herrscht abends draußen am Bootsplatz der Gießener Ruder- gesellschaft. Ein täglich größer werdendes Publikum verfolgt die Hebungen der beiden Rennmannschaften mit großem Interesse. Beide Mannschaften suchen die höchste Leistungsfähigkeit zu erzielen und werden am kommenden Sonntag wohl vorbereitet fein. Sämtliche Rennen werden einen sehr interessanten Verlauf nehmen. Die für das Fest getroffenen Neueinrichtungen, die Verlegung der Bootslagerhalle nach der ■ Schürz'schen Bleiche, der Aufbau einer Richtertribüne und sonstige Verbesserungen auf dem Bootsplatz selbst werden auf den Besuch der Regatta den günstigsten Einfluß ausüben. Am Nachmittag konzertiert während der Regatta die rühmlichst bekannte Kapelle des 2. Drag.-Regiments Nr. 24 aus Dcnmstadt, die sich auf der Rückreise von der Düffeldoffer Ausstellung befindet. Das uns vorliegende Programm der Kapelle ist ein äußerst reichhaltiges, sodaß alle Musikfreunde auf ihre Rechnung kommen werden. — Die für die Regatta bestimmten Preise sind im Schaufenster von Wilhelm Reiber, Seltersweg, ausgestellt.
* * Beanstandetes Obst. Gestern vormittag sand auf dem Wochenmarkt eine polizeiliche Revision wegen unreifen Obstes statt. Ein Korb des zum Verkauf auf- gestellten Marktobstes wurde beanstandet.
* * Verhaftung. Ein sogenannter „Geldwechsler", der in die Läden geht, für einige Pfennige Ware kauft und dabei ein größeres Stück Geld hingiebt, um dann das herausgegebene Geld sowie auch im passenden Moment, z. B. wenn andere Kundschaft im Laden erscheint, das von ihm hingelegte Geldstück wieder einzustreichen und zu verschwinden, wurde gestern nachmittag bei einer solchen Manipulation vom Ladenbesitzer ertappt und später verhaftet.
** Kriegerkameradschaft Hass i-a. Nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten sind in den Landesverband der Kriegerkameradsck-aft „Hassia" ausgenommen worden: Krieger-Verein Ober-Erlenbach mit 29 Mitgliedern, Bezirk Vilbel; Krieger-Militärverein Nieder-Beerbach mit 38 Mitgliedern, Bezirk Darmstadt; Kriegerverein Wernges mit 21 Mitgliedern, Bezirk Butzbach.; Kriegerverein Zeil- bach mit 19 dNitgliedern, Bezirk Ulrichstein; Kriegerverein Hörgenau mit 21 Mitgliedern, Bezirk Herbstein.
X Nieder-Ohmen, 23. Juli. Der Sohn braver hiesiger Eltern geriet auf Abwege. Er brach während der Nacht m das Maschinenhaus der hiesigen (Äsensteindampf- wäscherei und stahl hier verschiedene Zubehörteile, wie Schrauben, Gewinde, Schlüffe! und dgl. m. Der Einbruch war von dem Nachtwächter der Bergwerksanlage bemerkt und der Dieb erkannt worden. Als auf die Anzeige hin die Untersuchung stattfand, wurde der Einbrecher flüchtig und entkam. Er soll bereits von einem Schiffe aus seine Flucht gemeldet haben.
sd. Darmstadt, 24. Juli. In der nichtöffentlichen Sitzung der heutigen Stadtverordnetenversammlung wurde das Stipendium aus der Günther stift ung, welches diesmal nach Oderhessen fallen sollte, einem Reflektanten aus Bickenbach zu teil, da sich aus Ober- bessen niemand gemeldet hatte.
Ofsienbach, 24. Juli. Einen unerwarteten Fund machte gestern nachmittag eine Frau in der Schloß- üraße die in einer Ofennische hinter einem Bretterverschläge ein Säckchen mit42Tchalern fand. Ob die Summe, die
anscheinend schon lange an der Stelle gelegen hat, von einem Diebstahl herruhrt, oder von früheren Bewohnern vergessen wurde, konnte nicht festgestellt werden.
Bensheim, 24. Juli. Das soeben veröffentlichte f Protokoll der Kreisausfchußsitzung vom 28. Juni läßt ernennen, daß der Kreisausschuß seinerzeit die Einführung iter Städteordnnng in Bens h eim einstimmig be- ■ürtoortet hat. Die Akten des Gemeinderatsbeschlusfes sind nunmehr vom Großh. Kreisamt dem Großherzog zur Begutachtung unterbreitet worden. Man spricht hier bereits von mehreren Bewerbern zum Bürgermeisteramt und wird in erster Linie Herr Rechtsanwalt Dr. Frenay in Mainz genannt
Mainz, 24. Juli. Der Inhaber eines hiesigen „Schuldenbeitreibungsbureaus" sollte, da er eine eigenen Schulden nichtbezahlte, gepfändet werden. Es war aber nichts Pfändbares vorhanden, weshalb er zur Ableistung des Offenbarungseides geladen wurde. In dem Termin erschien er jedoch nicht, und so wurde Haftbefehl gegen chn erlassen.
Kastel, 24. Juli. Finanzminister Dr. Gnauth von Darmstadt weilte gestern hier, um sich über den Wert des re iwerdenden Festungsgeländes an Ort und Stelle zu informieren. Zu diesem Behufe nahm der Minister in Begleitung des Provinzialdirektors und Vertreter der Gemeinde Kastel eine Besichtigung des in Betracht kommenden Festungsgeländes vor. Insbesondere suchte sich der Minister darüber zu informieren, für welchen Geländekomplex die Gemeinde Kastel von dem fteiwerdenden Festungsgelände vorerst glaube Verwendung zu haben. Nach den Mitteilungen, die der Finanzminister machte, sind die Verhandlungen der hessischen Regierung mit dem Reichsschatzamt über den Ankauf des Kasteler Festungsgeländes soweit gediehen, daß der Abschluß sich jeden Tag erwarten lasse.
Frankfurt, 24. Juli. An unserem Römer wird bekanntlich immer noch emsig gearbeitet, um die nunmehr im Rohbau ziemlich fertiggestellten neuen Rathausbauten dem alten Römer anzuschließen. Der Kaisersaal soll ebenfalls neu hergerichtet werden und die „Rümerbau-Kommission" legt soeben ein Prospekt dafür vor, welches von Herrn Meckel stammt, der auch die Fassade des Römers so kunstvoll und buntfarbig hergerichtet hat. Das Projekt begegnet in Sachverständigenkreisen lebhaftem Widerspruch, weil es viel zu reich in der Ausstattung und viel zu bunt in den Farben geraten sein soll. Es soll „nur" 134 000 Mark kosten. Der Hochbauausschuß der Stadtverordneten-Versammlung wird nun darüber entscheiden. — Derselbe Ausschuß hatte, wie wir berichteten, den Antrag gestellt, die Beamten einer unserer Bauinspektionen für eine Kreditüberschreitung bei der Hölderlinschule verantwortlich Au Niachen und sie zivilrechtlich heranzuziehen. Kurz vor der Sitzung der Stadtverordneten zog der Ausschuß jedoch seinen Antrag zurück und begnügte sich damit, die Nachbewilligung zur Genehmigung zu empfehlen und den Magistrat zu ersuchen, eine Untersuchung in der Sache anzustellen. Wie man erfuhr, hatte der Ausschuß seinen ersten Beschluß gefaßt, ohne den Beamten Gelegenheit zu geben, sich zu verteidigen und ohne den Dezernenten im Magistrat überhaupt zu hören. „Man habe so eilig arbeiten müssen" — damit entschuldigte man den faux pas.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Deutsche Radfahrerbundestag in Kassel schließt mit einem Defizit, ba§ zu einer Inanspruchnahme des Garantiefonds in Höhe von 60 pCt. zwingen wird. — Der Gemeinderat von Mombach erklärte sich in öffentlicher Sitzung für die Eingemeindung in Mainz.
Vermischtes.
Essen, 24. Juli. Auf der Zeche „Viktoria" sprang entgegen dem Verbot ein Bergarbeiter auf einen fahrenden Förderkorb, wurde hierbei gegen die Schachtzimmerung gedrückt und brach das Genick.
* Das Schiffsunglück auf der Elbe. Aus Hamburg wird gemeldet: Die Gesamtzahl der Verunglückten scheint mit 114 festzustehen. Als gerettet sind einschließlich der Schiffsmannschaft, von der nur der Heizer- Steffen ertrunken ist, 86 gemeldet. Bis gestern waren 31 Leichen geborgen. Das Hilfskomitee fordert die Bewohner Hamburgs auf, der allgemeinen Trauer durch Halbstockflaggen Ausdruck zu geben. Obgleich die Sammlungen offiziell noch nicht begonnen haben, sind bereits 4547 Mk. eingegangen, womit die in größter Not Befindlichen schon unterstützt werden.— Die Verhandlung des Seeamts über den Zusammenstoß „Hansa"—„Primus" findet voraussichtlich anfang nächster Woche, vielleicht schon Dienstag, statt. Bis dahin werden täglich Verhöre der Beteiligten sowie von Zeugen von dem Seeamt vorgenommen. — Prof. Remv hielt am Donnerstagabend in der Eilbecker Kirche einen Trauergottesdienst für die Verunglückten ab. Das Gotteshaus war überfüllt. Viele Angehörigen der Verunglückten waren anwesend. Der Blankenser Amtsvorsteher ersuchte die Lüneburger Regierung, auf Hamburg einen Druck auszuüben, daß die Leichen schneller geborgen werden. Das Wrack des „Primus" ist bei der Werft der Taucherfirma Beckedorf aus Waltersdorf festgemacht, nachdem das Schleppen von der Teufelsbrücke nach der Werst verhältnißmäßig rasch gelungen war. Der Taucher ist der Ansicht, daß sich in den Kajüten noch Leichen befinden, konnte jedoch noch nicht in den Schiffsraum einbringen.
Landwirtschaft.
Berlin, 24. Juli. Nach dem „Reichsanzeiger" betrug der Saaten st and im deutschen Reiche Mttte Juli 1902, wenn 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering ist: Wmterweizen 2,2, Sommerweizen 2,4, Winterspelz 1,9, Winterrogen 2,3, Sommerroggen 2,4, Sommergerste 2.3, Hafer 2,6, Kartoffeln 2,6, Klee 2,5, Luzerne 2,7, Wiesen 2,4. Tie entsprechenden Ziffern für Mitte Juli des Vorjahres waren: 3,5, 2,8, 2,6, 2,9, 2,7, 2,6, 2,9, 2,5, 3,5, 3,2, 3,0. Hierzu wird bemerkt: Von Mitte Ium bis Mitte Juli gestaltete sich der Verlauf der Witterung recht oerschiedenarttg. Leichten Rückgang gegen den Vormonat zeigen Hafer, Klee und Luzerne. Gleich geblieben fmb die Ernteaussichten für Wrnterwerzen, Sommerweizen, Sommerroggen. Eine leichte Besserung zeigen Winterspelz, Winterroggen, Sommergerste, Kartoffeln imd Wiesen. Ein Vergleich zeigt, daß Winterroggen, Winter weizen, Winterspelz und Sommerweizen von keinem der letzten neun Vorjahre übertroffen werden. Die Erute des Wintergetreidcs ist 8—14 Tage spater als normal zu erwarten. Winterweizen steht im Allgemeinem gut, Winterroggen nahezu gut, zeigt aber vielfach lückenhafte Aehren und stellenweise
Lager. Gerste und Hafer sind in der Entwickelung etwas zurück, namentlich bleibt Hafer vielfach kurz. Die Sommerfelder fmb oft stark verunkrautet. Der Stand der Kartoffeln ist sehr vermieden. Der erste K l e e s ch n i 11 ist fast durchweg g u t ausgefallen und gut eingebracht. Tie Heuernte fiel fast durchweg gut aus, in Südd euts chland fast allerorten sehr gut.
Budapest, 24. Juli. Nach dem amtlichen Saatenstandsbericht vom 20. d. SOI wird der Ertrag des Weizens auf 42,5 Millionen Meterzentner gegen 41,95 am 10. d. 9)L geschätzt, der Ertrag des Roggens auf 13,5 gegen 13,3, der Gerste auf 12,43 gegen 12,28, Hafer 11,37 gegen 11,18 Millionen Meterzentner am 10. d. M.
Behandlung der Maul- und Klauenseuche mit Jod. Ans der letzten Versammlung des tierärztlichen Vereins für die Provinz Brandenburg hielt Prof. Peter einen Vortrag über die intravenöse Applikation von Arzneimitteln bei Tieren zc. Bei der sich an- chließenden Besprechung berichtete Kreistierarzt Graffunder über einige mit Dr. Schreiber in Landsberg angestellte, aber noch Nicht zum Abschlüsse gelangte Versuche der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche durch intravenöse Injektion von Jodlösungen. Die' Methode der intravenösen Einverleibung von Arzneimitteln zur Erreichung einer schnelleren Wirkung ist schon im Ansang des vorigen Jahrhunderts angeroanbt worden, wie die Hertwias'schen Versuche mit Quecksilberpräparaten gelehrt haben. Das B a c c e l l i s ch e ,Verfahren der Subliniateinspritzungen stn Allgemeinen ist demnach nichts Neiles, sondern nur zum ersten Male von demselben gegen die Aphthenseuche zur Anwendung empfohlen worden. Bei ihren Versuchen gingen Schreiber und Graffunder von der dem Baccellischen Verfahren zu Grunde liegenden Idee aus, beim Aus- bruch der Maul- und Klauenseuche in einem Bestände allen gefährdeten Tieren durch Einspritzung eines anderen geeigneten Mittels als Sublimat an die Blutbahn den im Blute bereits kreisenden bezw. m die Blutbahn eindringenden Krankheitserreger entweder abziltöten oder derartig abzujchwächen, da es zu einem offensichtlichen Krankheitsausbruche garnicht fommen sollte. Sie wählten zu diesen Versuchen Jodpräparate und zwar Jodkalium und Jod- trichlorid, welche in Lösungen in verschiedenen Dosierungen einigen Kälbern intravenös injiziert wurden. Die Tiere vertrugen bei entsprechender Reaktion diese Injektionen sehr gut Da die Versuche sich noch im Ansangsstadium befinden und unter entsprechenden Modifikationen, in Verbindung mit Bluwirus rc., fortgesetzt werden sollen, kann vorläufig noch nichts weiter darüber berichtet werden.
Gerichtssaal.
sd. Darmstadt, 23. Juli. Strafkammer. Schon seit den im vorigen Jahren in Urberach stattgehabten Gemeinderatswahlen sanden zwischen den Angehörigen des Zentrums und der Sozialdemokratie in Urberach Reibereien statt, die aus der letzten Syloesternacht zum Ausbruch kamen. Auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise entstand zwischen^ den Angehörigen der gegnerischen Parteien morgens um 4 Uhr Streit und Schlägerei, infolge deren man den Bürgermeister weckte, der mit Aufgebot einiger Anhänger der Zentrumspartei die Ordnung wiederherzu- tellen suchte. Der Streit wurde aber noch größer, es wurde ein Sozialdemokrat mit dem Messer ziemlich schwer verletzt, verschiedene mit Prügeln und Fäusten gehörig verhauen, eine Anzahl Fenster- cheiben eingeschlagen, mit Steinen geworfen rc., auch der Bürgermeister selbst erhielt seinen Anteil. Es sind 5 Leute angeklagt und 8 Zeugen zu vernehmen, die sich außerordentlich widersprachen. Zwei, von den Rechtsanwalten v. BreMano-Offenbach und Dr. Bopp Verteidigten, wurden mit Gefängnis und Geldstrafen belegt, die anderen freigesprochen.
Köln, 24. Juli. In dem Prozeße über den Z u f a m m e n - brud) der RheinischenJmmobilienbank beantragte der Staatsanwalt gegen jeden Angeklagten 5 Jahre Gefängnis und 10 000 Mark Geldstrafe, aber feine Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte.
London, 24. Juli. Prinz Franz Joseph vonBra- ganza wurde nebst drei Mitangeklagten vor die Affifen verwiesen. Der Prinz wurde gegen Kautton f r ei g e lassen.
Ein geriebener Hochstapler. Ein schweres Sündenregister wurde dem Kaufmann James Groß vorgehalten, welcher der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts 1 Berlin dieser Tage vorgeführt wurde. Er gab sich bereits als Siebzehnjähriger als praktischer Arzt aus. Unbegreiflicherweise gab es Personen, die sich dem unreifen Burschen anvertrauten. Er wurde dieserhalb zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Dann folgte eine Bestrafung nach der anderen. Er mietete sich als Schauspieler Paul Schweiger vom Deutschen Theater ein und betrog seinen Wirt um Darlehen und ließ sich später Visitenkarten mit dem Namen „Dr. med. Albert Blau" anfertigen. Unter diesem Namen mietete er sich em möbliertes Zimmer, wobei er der Vermietherin vorspiegelte, daß er in der Charite als Affistenzarzt aiiaestellt sei. Er kam sodann mit der Bitte um ein Darlehen von 20 Mk. heraus, damit er seine Sachen von der Bahn holen könne. Ter Wirtin kam der neue Mieter doch etwas verdächtig vor, sie lehnte die Zumutung ab. Der Angeklagte entjernte sich. Bald daraus erschien ein fremder junger Mensch bei der Wirtin, der nach dem Dr. Blau aus der Charils fragte, dem er ein Packet mit chirurchischen Instrumenten zu überbringen habe. Die Wirtin nahm das Packet an, das, wie später erwiesen wurde, eine alte Haarbürste enthielt. Als ihr „Doktor" bald daraus zurückkehrte, schämte sie sich ihres Mißtrauens, sie gab ihm das erbetene Darlehen. Nun ging der „Doktor" zum zweiten Mal und kehrte nicht wieder. Diese Schwindeleien setzte er bei anderen Leuten fort, zuweilen auch unter dem Vorgeben, er fei Artist und Bauchredner, gegen hohes Gehalt angestellt. Als er schließlich verhaftet wurde, gab er sich auch der Polizei gegenüber als „Dr. med. Blau" aus. Das Urteil lautete auf 3 Jahre Zuchthaus, Ehrverlust, Polizeiaufsicht und 600 Mk. Geldstrafe.
— Ciu Staatsanwalt Berteidiger eines Redakteurs. Aus einem sonst uninteressanten Preßprozeß in L ü b e d interessiert eine wenig alltägliche Verteidigungsrede des Staatsanwalts Dr. Benda für einen Redakteur. Nach dem Bericht des Lübecker „Gen. Anz." meinte der öffentliche Ankläger, man habe die Tätigkeit des Chefredakteurs Oskar Mantau kennen und schätzen gelernt Der „General-Anzeiger" sei ein loyales Blatt, das nicht gegen die '.Regierung Hetze. Es sei bemüht, einen sachlichen Ton in semeAr- Hfel hmemzubrmgen, allerdings unter aller Wahrung ber Freimütigkeit Er hielt eine müde Strafe für gerechtfertigt, da Mißgriff e in dem aufregenden Betriebe eines Z e i t u n g su n t e r n e h m e n s, w o mit der Minute gegeizt werden müsse, er k 1 ä r 11 ch seien.
Giseickahn-Zeitung.
Dresden, 24. Juli. Das „D. I." weist darauf hin, daß sich eine Anzahl sächsischer und nichtsächsischer Preßorgane neuerdings mit den Verhältnissen der sächs. Stants- eisenbahnen, den infolge des berm öligen Rückganges des wirtschaftlichen Lebens bei ihnen eingetretenen Einnahme- ausfäUen und den darum geminderten Erträgnissen beschäftigt und dabei das Aufgeben der sächsischen Eisenbahnhoheit und Eisenbahnselbständigkeit in dieser oder jener Form empfohlen haben. Dem gegenüber erinnert das „Dr. I." an die am 9. Mai in der 2. Kammer abgegebene Erklärung des Finanzministers Rüger, in der er feststellte, daß die sächsische Regierung zu keiner Zeit daran gedacht habe, sich ihrer Eisenbahnnetz e in der einen oder anderen Form zu entäußern, welche Stellungnahme volle Zustimmung der großen Mehrheit der Volksvertretung fand. Seitdem hat sich an der Lage der Sache und ihrer Beurteilung, sowie Behandlung seitens der maßgebenden Faktoren nichts geändert.
Mrche und Schule.
— Der Hauslehrer, Wochenschrift für den geistigen Verkehr mit St t n b e r n. Herausgegeben von Berthold Otto in Gr. Lichterfelde bei Berlin. Verlag von K. G. Th. Scheffer in Leipzig. Preis Alk. 1.60 beim Buchhandel und bei der Post; Poft- zeüungsliste 3380. Einzelne Nummer 20 Via. — Einen all


