Ausgabe 
25.7.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 172 Erstes Blatt. 152. Jahrgang

Freitag 25. Juli 1909

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Famllien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger v **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. qtigern. Teil: P. Wittko; für Stadt und Land" und Gerichlssaal": Curt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Gießen, den 24. Juli 1902.

Betr. Landtagswahlen zum XXXII. Landtag.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Albach, Allendorf tu d. Lumda, Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Geilshausen, Gieße«, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Holzheim, Kesselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Steinbach, Stockhausen, Treis a. d. Lumda und Weickartshain.

Nach Maßgabe der Vorschrift in Artikel 47 des Gesetzes bom 8. Noverüber 1872, die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände und die Wahlen der Abgeordneten betreffend, .(Reg.-Blatt S. 385) .haben demnächst in der Stadt Gießen, sowie im Dritten und Sechsten Wahlbezirke der Provinz Oberhessen neue Wahlmänner- und Abgeord- neten-Wahlen stattzufinden.

Wir beauftragen Sie demgemäß, die Aufstellung der Ürwählerlisten sofort in Angriff zu nehmen und diese Listen bis zum 20. August dieses Jahres dem zuständi­gen Steuerkommissariat zur Vergleichung mit den Listen der Steuerpflichtigen mitzuteilen. .Zu diesem Zwecke lassen wir Ihnen die erforderlichen Formulare mit der Post zu­gehen. Die Bescheinigungen auf der letzten Seite des For- mulares (l) sind vorerst nicht zu unterschreiben.

Bei Aufftellung der Liste nach Formular C sind die durch das Gesetz vom 6. Juni 1885 (Reg.-Blatt S. 117) geschaffenen Aenderungen zu berücksichtigen. Hiernach sind stimmberechtigt (Urwähler) diejenigen Staats­bürger, die das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben und seit Anfang des Rechnungsjahres 1902/03 zu einer direkten Staatssteuer herangezogen oder, wenn dies nicht der Fall ist, .kommunalsteuerpflichtig sind, und zwar an den Ort, an Hem sie wohnen. Staatsbürger aber sind nach Artikel 14 her Versassungsurkunde nur Hessen männlichen Geschlechts, die wenigstens drei Jahre im Groß- h-erzogtum wohnen. Es ist also eine der Voraus­setzungen der Stimmberechtigung ein seit mindestens drei Jahren bestehender Wohnsitz innerhalb des Großherzog­tums. Auf die Einhaltung dieser Vorschrift machen wir Sie zur Beachtung bei Aufstellung der Listen der Stimm- ^erectstigten besonders, aufmerksam.

Nächt aufzunehmen als Urwähler sind die Mitglieder der Ersten Kammer der Stände und die adeligen Grund­besitzer, die bei den Wahlen des Adels zur Ersten Kammer wahlberechtigt find.

Wegen Aufstellung der Liste der Wählbaren, Bildung der Wahlkommission, Offenlegung der Listen usw. erhalten Sie weitere Verfügung.

Ihrer berichtlichen Anzeige, baß Sie die Listen dem GroM. Steuerkommissariat mitgeteilt haben, sehen wir un­fehlbar bis zum 20. August d. I. entgegen.

Dr. Breidert.

MMsche Tagesschau.

Nach dem Leipziger Baukprozeß.

Der Ausgang des Leipziger Bankprozesses wird ebenso wie derjenige des Berliner Sandenprozesses das Rechts­gefühl nicht voll befriedigen. Exner ist ja als der Haupt­schuldige durch Verurteilung zu fünf Jahren Zuchthaus unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft, aber schon das Urteil gegen Dr. Gentzsch^ drei Jahre Ge­fängnis ohne Ehrverlust ist milder, als man erwartet hat, und vollends wird die Kritik angeregt durch die Ver­urteilung per Aufsichtsratsmitglieder nur zu Geldstrafen. Die Geldstrafe hat im Volt ein gewisses Odium, sie wird oft .bezeichnet alsdie Strafe für die reichen Leute". Darin liegt Uebertreibung, aber unzweifelhaft ist, daß die Geld­strafe .nur denjenigen Verurteilten trifft, der die Buße abarbeiten und mancherlei sich versagen muß, nicht den­jenigen, der über Mittel oder Kredit verfügt. Eine Geld­strafe kann eineehrenhafte Strafe" sein in Beleidigungs­und Preßprozessen. . Darin ist sie ohne Rücksicht auf die Umstände, unter denen die Leistung der Strafe erfolgt, als Sühne zu betrachten. Das Verschulden der Aufsichrs- ratsmitglieder der Leipziger Bank wird schlechterdings nicht mit solchen Verfehlungen gegen das Gesetz in Parallele gestellt werden können. Gin beträchtlichies Matz von Un­wissenheit, Schwäche und von jenem berühmtenOptimis­mus" zugegeben, womit sich auch Eduard Sanden zu ent­schuldigen suchte: .das Vorhandensein des guten Glaubens rst .entschieden zu bezweifeln. Zwar wußte der Aufsichts­rat, durch die raffinierten Machenschaften der Exner und Dr. Gentzsch, nicht alles, doch war ihm viel bewußt. Denn es ist im Laufe der Verhandlungen zur Sprache gekom­men, daß bereits im November 1899, also fast zwei Jahre vor der Katastrophe, in einer Auffichtsratssrtzungauf Tod und Leben" gekämpft wurde, .über die Bewilligung weiteren Kredits an die heillose Trebergesellschaft. In bewußter Weise haben die Aufsichtsratsmitglieder mitgeholfen, den Aktionären und Gläubigern der Leipziger Bank Sand in die Augen zu streuen durch Bilanzen, die den wahren Stand der Dinge verhüllten. Sollten wirklich gebildete Leute bei solchen Handlungen nicht das Bewußtsein der eklatantesten Rechtsverletzung gehabt haben, sollte niemals vor ihrem inneren Auge der Staatsanwalt erschienen sein? Natürlich ist es gewiß, daß die Angeklagten ihreArg­losigkeit" beteuerten aber die Versicherung ist schwer begreiflich. .Ebensowenig kann man Verständnis dafür ge­winnen, daß einem Juristen, wie dem ehemaligen Rechts­anwalt Dr. Gentzsch, das volle Bewußtsein der Strafbarkeit

'einer Handlungen gemangelt habe. Mit Recht spricht ras Urteil von derunverantwortlichsten Pflichtverletzung" eilens der Auffichtsratsmitglieder. An diesem unverzeih- lichen Fehler gemessen erscheint eben das Urteil milde.

Auch dieNationalztg." giebt dieser Empfindung Aus­druck durch folgende Bemerkung:Daß die Mitglieder des Auffichtsrats mit Geldstrafen davon gekommen, allerdings, nachdem sie bei dem Zusammenbruch auch ihr eigenes, zum Teil beträchtliches Vermögen eingebüßt haben, wird Vielen als ungenügende Sühne erscheinen."

ImBerl. Tagebl." lesen wir:

Die Freisprechung der Leipziger Auffichtsratsmitglieder die Geldstrafen kommen einem Freispruche beinahe gleich bedeutet die schwerste Verurteilung des Auf- ichtsrates als Institution. Wenn selbst in einem Falle, in dem die Direktoren einer Gesellschaft wegen betrügerischen Bankerottes zu Zuchthaus- und Gefängnis- 'trafen verurteilt werden, die Mitschuld der Aufsichtsrats­mitglieder vom Gerichtshof als so gering angesehen wird, daß er sie nur mit unbedeutenden Geldstrafen belegt, so wird mit diesem Urteil ausgedrückt, daß der Aufsichts­rat eine inhaltlose Institution darstelle. Und dieser Standpunkt ist, wenigstens für viele Fälle, zutreffend. Das Aussichtsratswesen ist so, wie es thatsächlich gehandhabt wird, häufig ein Unding. Seinen krassesten Ausdruck findet dies darin, daß manche Persönlichkeiten, die schon von ihrem Hauptberuf so gut wie völlig in An­spruch genommen werden, noch zwanzig oder dreißig Auf- sichtsratSstellen bekleiden. Jedenfalls besteht das Wesen des Aufsichtsrates oft in anderen Dingen, als in dem Namen gesagt ist. In einzelnen Fällen bedeutet der Ausfichtsrat eine Dekoration, ein anderes Mal sollen der Gesellschaft durch den Aufsichtsrar geschäftliche Beziehungen zugeführt werden, nicht'selten ist es auch nur aus Gewährung und Empfang von Tantiemen abgesehen. Von Aufsicht oder von Rat ist in Wirklichkeit oft nicht die Rede. Das Wort Auffickftsrat läuft in diesen Fällen aus eine Täuschung hinaus. Deshalb sollte nach einem Ausdruck gesucht werden, der das Wesen des Aufsichtsrates als das bezeichnet, was er in Wirklichkeit ist. Das würde das Publikum einiger­maßen davor schützen, seine Anlagen bei einer Aktien­gesellschaft für sicherer anzusehen, als sie es thatsächlich sind."

Heute wird übrigens gemeldet, .daß Dr. Gentzsch ebenfalls Revision eingelegt hat.

Ein Kaisermanöver-Streiflicht.

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

Die in wenigen Wochen stattfindenden Kaisertage in Posen werfen bereits jetzt ihre Schatten auf diese Provinz. Im öffentlichen und privaten Leben, auf deutscher und auf polnischer Seite, in amtlichen und nichtamtlichen Kreisen wird das Manöverthema mit einer Lebhaftigkeit erörtert, die die hohe Bedeutung des Kaiserbesuchs zur Genüge kennzeichnet. Das übereinstimmende Urteil der Deutschen geht dahin, daß die Anberaumung des glänzend­sten aller Manöver für das fünfte Armeekorps, die Reise des Monarchen, der staatsmännischen und militärischen Wür­denträger nach der Provinzialhauptstadt nicht zeitgemäßer erfolgen konnte. Diese Septembertage werden sich zu einer kraftvollen Kundgebung des gesamten Deutschtums gegen- Wer dem Polentum gestalten, sie werden das deutschnatio­nale Bewußtsein in elementarer Weise zur Geltung kom­men lassen. Das alles wissen die Polen sehr wohl, sie sind deshalb ums-o eifriger bemüht, ihrer Abneigung gegen die Deutschen und dem polnischen Solidaritätsgesühl Aus­druck zu geben. Selbst die polnischen Landarbeiter, die sonst in fast stumpfsinniger Teilnahmslosigkeit dahinleben, sindallarmiert" und auf das Kommende aufmerksam ge­macht worden. Es läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, wer dies zu Wege gebracht hat; vielleicht ist die Geist­lichkeit nicht ganz unbeteiligt. Bezeichnend sind jedenfalls die Kraftworte der bei den Erntearbeiten beschäftigten Polen und Polinnen, wenn Soldatenabteilungen aus der Land­straße marschieren, was jetzt tagein, tagaus der Fall ist, da die Vorübungen zum Manöver aufs eifrigste betrieben werden. Die Soldaten verstehen in der Regel nicht, was ihnen von den polnischen Landarbeitern zugerufen wird, da die Militärverwaltung den Mannschaftsersatz für die posen- schen Regimenter zur Zeit den westdeutschen Bezirken, be­sonders aus den Wesffalen und Hanseaten, entnimmt, wäh­rend die Rekruten polnischer Zunge zumeist reichsländischen Garnisonen zugewiesen werden. Manöver im Posenschen bieten schon an sich den Soldaten, Offizieren wie Mann­schaften, nichts weniger als Annehmlichkeiten. Wer Woh­nung und Kost bei Pjolen, zumal in Landstädten oder- Dörfern, zu nehmen hat, wird sich um eine schmerzliche Erfahrung bereichert fühlen. Und nun gar bei den Kaiser- manövern, in einer Zeit, da der Deutschenhaß bei den Polen ins Kraut geschossen ist! Hoffentlich find dre Auf­wiegler des polnischen Volkes so klug, dieses vor thatlichen Ausschreitungen gegen die Soldaten, wie gegen dre Deutschen überhaupt, zu warnen. Den Schwaden davon, und zwar einen äußerst empfindlichen, hätten die Polen selbst. Die Besorgnis, es könnte zu solchen kommen, läßt sich bei dem jähzornigen Wesen der Polen nicht ganz abweisen, wenn auch andererseits anzunehmen ist, daß die Entfaltung eurer so gewaltigen militärischen Macht den Polen Respekt ern- flößen wird. Die Deutschen erwarten von den Kaisertagen in Posen jedenfalls eine außerordentliche moralische Wir­kung, eine nachdrückliche Kräftigung ihrer Interessen und ihrer Gesamtstellung zum Polentum; sie hoffen zuversicht­lich, daß die Kaisexnianövertage einen Markstein m der Geschichte des Abwehrkampfes der Deutschen in der Ostmark bilden werden.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. Juli. Der Kaiser hat die Rückreise von seiner Nordlandssahrt angetreten. Wegen andauernd deii Regens und großer Kälte ging die ,Hohenzollern"i heute direkt nach Bergen zurück, wo weitere Bestimmungen getroffen werden sollen. An Bord ist alles wohl. Ueber spätere Reisedispositionen meldet ein Privattelegramm, der Kaiser beabsichtige, der Einweihung des neuen Schauspielhauses in Frankfurt a. M.. beizlu- wohnen, die zwischen dem 19. und 24. Oktober statt finden wird.

Ter frühere französische Kabinettschef Waldecks Rousseau, der sich gegenwärtig in Kopenhagen aufhält, beabsichtigt, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteili wird, auch Kiel zu berühren und die dortigen maritimen Einrichtungen zu besichtigen. Ter Tag für die Ankunft in Kiel steht noch nicht fest.

Ter preußische H a n d e l s m i n i st e r hat entschie­den, daß das Zigarrenmacher - und Tabakspin­nergewerbe nicht als Handwerk anzusehen ist.

Zum Zolltarif teilt dieMünch. Ztg." mit, daß die süddeutschen Staaten schon vor Monaten die Reichsregierung davon in Kenntnis gesetzt haben, daß sie gegebenenfalls von ihrem verfassungsmäßigen Rechte Ge­brauch machen und eine Anzahl wichtigerPositionen der Zolltarifvorlage als den Interessen Süddeutsch­lands nicht entsprechend ablehnen werden. Die von Posadowsky den süddeutschen Regierungen bisher ge­machten Ausgleichsvorschläge seien als ungenügend aHgelehnt worden. Baden, Württemberg uni) Bayern ständen in vielen wichtigen Punkten im schärfsten Gegensatz zur Zolltarifvorlage. Die Verantwortung für die Richtigkeit der Meldung bleibt dem Münchener Blatt.

München, 24. Juli. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, war gegen den Prinzen Arnulf von Bayern, der sich gegenwärtig auf )einer Besitzung Leo- poldstein in Steiermark aufhält, dort ein Anschlag ge­plant. Noch ehe der Prinz und seine Gemahlin sich vor­gestern dorthin begaben, war von Angestellten des Prinzen der hiesigen Polizei der Plan mitgeteilt worden. Es ist den Bemühungen der Münchener Polizei gelungen, die Per­sönlichkeiten der Thäter ausfindig zu machen, doch ist nicht bekannt, ob man ihrer habhaft geworden ist.

Ausland.

London, 24. Juli. Trotz des Optimismus, der m amtlichen Kreisen über das Befinden des Königs herrscht, verlautet andererseits, daß die Fortschritte nicht derart seien, daß die Krönungsfeier bereits am 9. August vor sich gehen könne. Bts jetzt habe der König noch keine Geh­versuche gemacht. Die geringste Bewegung verursacht ihm wegen seiner großen Schwäche Beschwerden. Nächste Woche wird der König zum ersten Male versuchen, zu gehen; es ist daher nicht ausgeschlossen, daß eine weitere Vertagung der Krönung erfolgt. Jedenfalls werden die Feierlichkeiten an­läßlich der Krönung noch weitere Kürzungen erfahren.

DieBirmingham Daily Post" sagt mit Bezug auf die Verleihung des Viktoria-Kreuzes an Lord Salisbury, der deutsche Kaiser würde gern die Gelegenheit ergreifen, um seine Schätzung dem Lord Salisbury als europäischem Staatsmanne zum Ausdruck zu bringen. Der Kaiser habe sich kürzlich über den Rücktritt Salisburys als über ein Er­eignis von europäischer Bedeutung geäußert.

Nach einer Meldung derCentral News" aus Johannesburg vom 23. Juli sagte in der gestrigen Sitzung der Handelskammer Whitham, der Vertreter der Textil-Jn- dustrie in der britischen Handelskommission: Viele in London gekaufte Waren, die ihm gezeigt wurden, seien nicht britisch. Das Decken- und Teppich-Geschäft mit Südafrika sei fast ganz für England verloren, weil die Fab­rikanten sich nicht den Bedürfnissen des Marktes anpaßten.

Queenstown, 24. Juli. Der hier eingetroffene ftühere Burenoberst Schiel sagte in einer Unterredung mit einem Berichterstatter bezüglich des Friedensabschlusses, es werde von der Art und Weise, wie die Engländer die Friedensbedingungen durchführen, abhängen, ob die annek­tierten Länder sich friedlich verhalten werden. Er befürchte, daß die Engländer sich bemühen werden, den holländischen Kolonien Transvaal und Oranjekolonie die eng­lische Sprache aufzuzwingen, in welchem Falle viel­leicht eine große Gefahr für den Frieden imd die Wohlfahrt von ganz Südafrika entstehen würde.

Antwerpen, 24. Juli. Ein hiesiges Blatt weiß zu berichten, daß vor einigen Wochen von hier bedeutende Mengen Waffen und Munition nach Afghanistan abgegangen sind. Die Sendungen wurden an Bord des deutschen DampfersWartburg" verladen, der bereits in Hamburg bedeutende Mengen Munition und Waffen an Bord ge­nommen hatte. Der Dampfer ist heute in Port Said ein­getroffen und wird in den nächsten Tagen in Afghanistan erwartet. Die Einkäufe, die in Deutschland von Agenten der afghanischen Regierung gemacht ronrben, sollen über eine Million Mark betragen. Die Waffensendungen hängen, wie das Blatt behauptet, mit den Unruhen zusammen, die seit einiger Zeit an der indischen Grenze festgestellt worden sind.

Brüssel, 24. Juli. In hiesigen anglophoben Kreisen legt man einer aus Khartum zugehenden Meldung Gewicht bei, welche von Aii Häufung englischer Truppen und Errichtung von Forts an der Ostgrenze des Kongo-