Ausgabe 
25.6.1902 Zweites Blatt
 
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Telephonischer Kursberichte

Frankfurt a. Hl., 25. Ium

Harpener

Der vom

. 211.60 . 185.30 . 137.10 . 146.80 . 156.70 . 151.50 . 18.40 . 169.90

. 205.50 . 196.50

W/o 3% 3V.O/0 3% 3l/2% 3x/a%

3u/o Mexikaner , . 4Va /o Chinesen . . Electric, bohuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsges. Oesterr. Staatobahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütte . , . . Bochum . . , » .

Schisssnachrichten.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Red Star Linie" Antwerpen.

Der PostdampserNederland" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 19. Juni wohlbehalten in Philadelphia angekommen.

102.00

92.80

102.00

22.40

100.00

99.20

102.90

101.80

101.60

102.70

46.25

29.80

111*40

44.35

1902.

. 25.55

. 90.80

. 104J50

..... 177.0k

Tendenz: ruhig.

4-6 Oesterr. Goldretne . . 4l/2% Oesterr. ßilberrente 4% Ungar. Goldrente . .

40/d Italien. Rente . . , 4*/2% Portugiesen . . . Portugiesen. . . .

156 O. Türken . . .

Türkenlose.....

4% Grieoh. Monopol -Anl. äussere Argentiner

Bremen, 19. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Doppelschrauben-TampferChemnitz", Kapitän I. Jantzen, ..... Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nach­mittags wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Reicheanleihe do.

Konsole . do . .

Hessen Oberhessen

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 25. Juni. Zweite Kammer. Au der Tagesordnung steht die Beratung der Regierungsvor läge über die Errichtung einer Hessischen Pfandbrief- und Hypothekenbank. Finanzminister Gnauth weist darauf hin, daß die drei Gesetzentwürfe über die Pfandbriesbank, die Landeskreditkasse und die Wohnungs-fürsorge für Minder­bemittelte in engem Zusammenhänge stehen. Abg. Tr. Gutsleisch spricht für, Abg. K o ch gegen die Vorlage, für die er ein Bedürfnis nicht anerkennen kann. Die Vor­lage wird angenommen. Einstimmig angenom m e n wird ferner der Gesetzentwurf über die Landeskredit­kasse. Bei der Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Wohnungssürsorge für Minderbemittelte äußert der Abg. Wolf Bedenken, wird aber vom Finanzminister Gncnrth widerlegt. Abg. Reinhart begrüßt die Vorlage, die ihm im allgemeinen sympathisch sei. Indessen glaube er, daß eine Inspektion, wie sie der Entwurf vorsehe, nicht aus­reiche. Fortsetzung der Beratung morgen.

London, 25. Juni. Tas heute morgen IO1/2 Uhr aus­gegebene Bulletin sagt, daß der König den ersten Teil der Nacht sehr unruhig und schlaflos verbrachte, erst nach 1 Uhr trat Ruhe ein. Der König ist frei von Schmerz, kein ungünstiges Symptom ist aufgetreten. Wenn man alle Umstände in Betracht zieht, kann gesagt werden, daß der Zustand des Königs ein befriedigender ist.

London, 25. Juni. In dem heute erschienenen Jahresbericht der englischen Mitglieder des Direk- 1o riums der Suezkanalgesellfchaft wird fest­gestellt, daß von der Zahl bezw. dem Tonnengetzalt der

den Kanal passierenden Schiffe im Jahre 1901: öo;t IpW zent und 57,8 Prozent auf britische Schiffe entfielen, gegen 56,2 und 57,6 Prozent im Jahre 1900 und 64,0 bezw. 66,6 Prozent im Jahre 1899. Dagegen habe dre Znhl beöw. deü Tonnengehalt der deutschen Schiffe rm Jahre 1901: WJ und 16,3 Prozent betragen, gegen 13,4 und 15,1 Prozent rnL Jahre 1900 und nur 10,7 bezw. 10,8 Prozent rm Jahre 1899^ Tie Zunahme des Verkehrs der deutschen Schiffe brld^ den wesentlichsten Punkt des Berichtes. Der Prozentsatz! der französischen und holländischen Schiffe hat etwas al>- genommen, der der russischen zeigt keine Zunahme.

Lemberg, 25. Juni. Tie preußischen Behörden ver­langen hiesigen Blättern zufolge die Auslieferung der tot Wreschener Schul-Prozeß zu 11/2 Jahren Gefängnis; verurteilten Frau Piasecka, die mit ihren Kindern hren her geflüchtet ist.

Die Krankheit des Königs Eduard.

London, 25. Juni. .DieMorningpost" erfuhr bei einer Anfrage im Schloß um 1/2l ühr, der König liege in erfrischendem Schlafe. Ter Kräftezustand sei be- friedigend. Es seien keine zu Besorgnis Veranlassung gebenden Anzeichen vorhanden. ,

London, 25. Juni. Obwohl alle Bulletins sehr günstig über die Zeit nach der Operation lauten, wird man gut thun, sich nicht einem allzu großen Optimismus hinzugeben. Ter Zustand des Königs ist durchaus nickt unbedenklich, und die Namen Appendicitis und Perrtyphlr^- lis sind nur Umschreibungen eines schweren Leidens. Auch in intimen Hoskreisen macht man sich über den Zustand deÄ Königs leine falschen Vorstellungen. Ein Arzt eines Kranken-Hospitals sprach die Ansicht aus, daß über­haupt nicht an eine Krönung in dem beabsichtigten Umsange zu denken sei. Ter König wurde sogar schon tot gesagt.

Berlin, 25. Juni. Ter zur Zeit in Berlin weilende Schöpser und Leiter der Heils-ArmeeGeneral" Booth erklärte gestern, er habe ein Telegramm an die Königin Alexandra gerichtet, worin er ihr mitteilt, daß die Heils- Armee für die Genesung ihres Gemahls beten werde.

Wien, 25. Juni. Ein englischer Diplomat erzählte einem hiesigen Journalisten, König Eduard sei seit seiner Thronbesteigung nervös und ängstlich wegen der Krönung, da ihm hinterbracht worden sei, eine Zr- geunerin habe ihm prophezeit, er werde nie ein gekrönter König sein. Die Aeußerung habe namentlich aus die Königin einen starken Eindruck gemacht.

London, 25. Juni.Daily Mail" teilt mit, daß der Vertreter des Negus Menelik in einer Londoner Kirche ein Kreuz niedergelegt hat, damit der Zustand des Königs sich bessere. Sämtliche Blätter erkennen den Mut d eS Königs und die Kaltblütigkeit an, als er die 9loU wendigteit der Vornahme einer Operation erkannte. Die größte Frage, die ihn beschäftigte und ihm vielen Kummers machte, war die Enttäuschung der Londoner Bevölkerung. Wie noch mitgeteilt wird, soll der König, als er am ver­gangenen Sonntag in Aldershot war, mehreren Freunden gegenüber die Befürchtung ausgedrückt haben, daß er viel­leicht die Krönungsfeier nicht erleben werde. An diesem Tage hatte der König einen starken Erkältungs- Anfall, der eine schwere Darm-Entzündung zur Folge hatte. Tas Blatt ,Fancet" erklärt, daß bisher keinerlei Komplikationen der Operation gefolgt find. In der Stadt lausen die verschiedensten Gerüchte über den Zu­stand des Königs um. Die Beamten und Besucher des P<v- lastes werden von der Menge angehalten und müssen Auskunft über den Stand der Tinge geben. In zahlreichen Kirchen wurden bereits gestern abend Tankgebete sür den guten Verlauf der Operation abgehalten. Die Ursache, weshalb die Vorbereitungen zur Krönungsfeier fortgesetzt wurden, obwohl der Zustand des Königs sich verschlimmerte« soll darin zu suchen sein, daß angeblich beschloss en wurde, den Prinzen von Wales an Stelle des Königs krönen zu lassen. Gerüchtweise verlautet : sogar, der König sei entschlossen, zu Gunsten seines Sohnes zu entsagen.Evening News" zu­folge hält dre Königin ständig am Bette .ihres Gemahls Wache.

' Washington, 25. Juni. Präsident RooseveH bat : ein Telegramm an König Eduard gesandt, in dem et das Wünsche aus seine baldige Genesung ausspricht.

Wien, 25. Juni. Tie hiesige Presse spricht ihr tiefsteH Bedauern über die ernste Erkrankung des Königs Eduard aus und hofft, daß es der Kunst der Aerzte gelingen werde, das Aeußerste zu verhüten, da sein eventuelles Ableben nicht nur in England sondern in der ganzen Welt schmerz­lich empfunden werden würde. König Eduard sei trotz allem, 1 was man ihm nach sage, ein guter und gerechter Herr- ' scher, der sich durch die Herbeiführung des Friedens to Südafrika die Sympathieen der Nachwelt erworben habe.

London, 25. Juni. Die Londoner Hotels leeren sich mit großer Schnelligkeit. Viele zur Krönung hergekommenen 1 Amerikaner haben sich bereits nach dem Kontinent begeben.

Mainz, 24. Juni. Was die Schlächter ihren Kunden oftmals verkaufen, konnte man aus einer Verhandlung der hiesigen Straf­kammer gegen den Metzgermeister Adam Uihlein aus Büdesheim ersehen. Dieser hat im Jahre 1900 an einer Kuh, die nach dem Kamen am Milchfieber verendet war, noch pro forma die Schlach­tung vollzogen und das Fleisch verkauft. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Uihlein zu der verhältnismäßig gelinden Strafe von 1 Woche Gefängnis und 200 Mk. Geldstrafe.

Berlin, 24. Juni. Prozeß Sanden. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung erklärt Justizrat Stern, es sei nicht richtig, daß sich die Firma Anhalt u. Wagner Nachf. in Liquidation beftnde. Tie Firma sei in andere Hände übergegangen, und es sei durch Vergleich mit den Gläubigern alles geregelt, sodaß der neue In­haber der Firma die Geschälte ohne jede Schuldenlast begonnen habe. Aus eine Frage des Vorsitzenden erklärt Angeklagter lbdu ard Schmidt, daß er das jetzige Vermögen der Frau noch aut etwa 2 Millionen schätze. Auf eine Anfrage des JusNzrats Tr. Sello erklärt Angeklagter Otto Sanden, daß die für Anhalt u. Wagner gemachten Leistungen stets gegen Unterlagen geleistet worden seien. Bücherrevisor Kruse bekundet, daß eine Deckung nir die der Firma Anhalt u. Wagner gewährten Summen eigentlich nie vorhanden gewesen sei. Im Jahre 1898 habe die Schuld der Firma Anhalt u. Wagner bei der Preußischen Hypotheken-Aktten- bank 5 809 079 Mk., die Depots 1082 328 Mk. betragen. Ueber die finanzielle Lage des Hauses Anhalt u. Wagner und die Gestaltung ihres Verhältnisses zur Aktiengesellschaft erheben sich längere De­batten. Es werden dann einige Briefe verlesen, die beweisen sollen, daß die Preußische Hypotheken-Aktienbank da, wo es sich um statutenmäßige Anlagen im Hypothekengeschäft handelte, Geld­mangel vorschützte, während für statutenwidrige Ausgaben Geld m Hülle und Fülle vorhanden war. Eduard Sanden, Heinrich Schmidt und Otto Sanden bestreiten, daß aus den Briefen solche Folgerungen zu ziehen seien. Von der Verteidigung werden unter Anbietung spaterer Beweisführung noch eine Reihe von Momenten geltend gemacht, die im Gegensätze zur Anklage die G^chsist^cige von Anhalt u. Wagner in einem weit günstigeren Lichte erscheinen lassen sollen. Nach eingehender Erörterung dieser Dinge kommt es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Verteidigern und dem Staatsanwalt, die sich auf die Voruntersuchung beziehen. Rechtsanwalt Dr. Bollert fragt an, ob der Staatsanwalt daran festhalten wolle, daß durch die Schuld der Angeklagten bte tri der Anklage summarisch aufgesührten Verluste von vielen Millionen entstanden seien. Die Anklage stützte sich dabei ohne weiteres aus die Wertreduktionen, welche die Revisionskommission ost ohne irgendwie ersichtlichen Grund vorgenommen habe. Tie Vertei­digung könne sich dabei natürlich nicht beruhigen und müßte, wenn diese Verluste gegen die Angeklagten verwertet werden sollten, darauf bestehen, daß in eine sehr umfangreiche Prüfung eures jeden ein­zelnen Wertobjektes eingetreten werden müßte. Staatsanwalt Beeck hält diesen umfangreichen Beweis nicht für notwendig. Er wolle gern zugeben, daß auch die Revisionskommission nicht un­fehlbar sei. Es handele sich doch hier um Verluste von über 50 Millionen, und er wolle sich gar nicht so sehr auf die Schatzung jeder einzelnen Hypothek und dergleichen durch die Revisions­kommission steifen, sondern gebe anheim, seinetwegen 10 Millionen von den Verlusten abzusetzen. Rechtsanwalt Dr. Bollert meint, eure derartige Prozedur werde der Verteidigung nicht genügen. Rechts­anwalt Bernstein behauptet, daß die Angeklagten nicht Schuld an den große,r Verlusten trügen. Justizrat Munckel bemerkt, die An­geklagten Otto Sanden und Haenschke erkennten nicht an, daß sie irgendwie für den Verlust der 50 Millionen oder anch nur eines Teils davon die geringste Verantwortung trügen. Es sei doch eine höchst merkwürdige Thatsache, daß nach lyffähriger Vorunter­suchung und fast ebenso langer Hast der Angeklagten man hier vor einem Punkte stehe, wo ein Vermögensobjekt von 14 Millionen ein­fach summarisch auf l'/a Millionen heruntergeschrieben worden sei. Daß die Angeklagten dies nicht ohne weiteres anerkennen konnten, sei doch selbstverständlich. Tie Verhältnisse der Bankfirma Anhalt u. Wagner Nachf. werden hierauf nach den verschiedensten Richtungen hin an der Hand einer umfangreichen von den Ver­teidigern des Angeklagten Ed. Schmidt überreichten Schutzschrsit eingehend erörtert. Justizrat Stern befragt speziell die Prokuristen Jaenicke und Pfeiffer nach zahlreichen geschäftlichen Details und buchtechnischen Einzelheiten, lieber den Wert des Skutarumter- nehmens läßt sich der als Zeuge und Sachverständige geladene Regierungsbaumeister Bernhard May aus. Er habe an Ort und Stelle feststellen können, daß das Werk an und für sich für Skutari von einer erheblichen Bedeutung und die Bauausführurig in allen Teilen untadelhaft durchgeführt gewesen sei. Nach seinen Berech­nungen hätte innerhalb der ersten 30 Jahren auf eine Verzinsung von 56 pCt. zu rechnen sein müssen. Justlzrat Dr. Sello be­antragt, den ganzen Bericht des Zeugen zu verlesen. Der Gerichts­hof behält sich bte Beschlußfassung darüber vor. Zeuge Fritze wird alsdann über die Skutariangelegenheit besragt. Auch er bestätigt, daß allgemein die Ueberzeugung vorherrschte, daß Skutari eine große Zukunft habe. Die Verteidiger beantragen, die 25 Herren der Revisionskommission, welche die kolossalen Reduktionen der Werte vorgenommen, als Zeugen zu laden. Die Zeugen sollen zum Donnerstag geladen werden. Morgen Fortsetzung der Ver­handlung.

Berlin, 24. Juni. In der Strafsache gegen den Grafen Pückler wegen Beleidigung preußischer Richter ist aus den 9. Juli vor der 9. Strafkammer des Land­gerichts L ein neuer Termin angesetzt.

Eisenbahn-Einnahme«. Der Rückgang der Eisenbahn-Ein­nahmen macht weitere Fortschritte. Im Mai betrugen die Em- : nahmen Mk. 115049000 oder Mk. 2756000 weniger und seit . 1. April, den Beginn des neuen Geschäftsjahres betragen die - Mindereinnahmen Mk. 3933000. . . .. .

Die neue Minensteuer in Transvaal wirb für das neue Rechnungsjahr auf etwa */z Mill. Lstr. geschätzt. Die Ersparnisie der Minen an Sprengstoffen werden andererseits auf etwa 300000 Lstr. geschätzt. So lautet eine Schilderung LordMüners, der auch der Meinung ist, daß sich die neue Steuer keinesfalls als sehr drückend erweisen werde.

Verschmelzung amerikanischer Schiffswerften. Die große Schiffsbausirma Blohn u. Voß krmstert in denHamb.Nachr. das amerikanische Schiffsbausyndlkat. Die Quintessenz ihrer Aus­führungen geht dahin, daß auch die Amerikaner nicht so heiß eßen, wie sie kochen. Es heißt in dem Artikel: Die letzt durch die Zeitungen lausenden Nachrichten über den amerikanischen Schiffs­werftentrust sind kaum geeignet, dre deutsche Schiffsbaumdustrle bezüglich einer etwaigen Konkurrenz zu beunrühmen, abgeseyen da- von, daß auch die leistungsfähigsten Werften Nordamerikas als diesem Trust angehörig nicht bezeichnet werden. Bisher sind die Preise für in Amerika fertig gestellte Schiffsneubauten noch wesent­lich höher als in Deutschland; nur wenn man em Monopol m diesem Artikel schaffen und sehr Hohe Verkaufspreise erzwingen könnte, würde sich ein solcher Trust wohl empfehlen können. «jur die Schifffahrt, die Stahlindustrie und den Schiffsbau em solches Monopol zu schaffen, ist wohl ziemlich aussichtslos. Tas Gedeihen der deutschen Schiffsbaumdustrle hängt lediglich davon ab, ob es der deutschen Rhederei gelingt, der auswärtigen Konkurrenz aus die Tauer erfolgreich zu begegnen. Ist dieselbe imstande, der deut­schen Schiffsbauinduslrie regelmäßige Austräge zuzusuhren, so wird auch der deutsche Schiffsbau erfo.gteich konkurrieren können. Na­türlich würde sich die deutsche Stahlindustrie darauf einzurichten haben, daß sie, um den Markt für das deutsche Schiffsbaumalerial nicht zu verlieren, sich den vielleicht niedrig gestellten amerikanischen Preisen anzupassen hätte. Es ist auch vor allem darauf zu achten, daß die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands nicht durch eine voreilige Verkürzung der Arbeitszeiten und Bewilligung zu hoher Löhne be­einträchtigt und dadurch die Gefahr einer amerikanischen Konkur­renz in Wirklichkeit heraufbeschwören wird.

Kartelle und Syndikate. Der Zentralverband deutscher Industrieller erläßt jetzt eine Einladung an die Kartelle und Syn­dikate zum Beitritt, indem er verspricht, ihre Interessen der Oeffent- tichkeit und der Regierung gegenüber wahrzunehmen. Die ganze Agitation läuft darauf hinaus, einer gesetzlichen Regelung des Kartellwesens entgegenzuwirken, und diesen Bestrebungen muß in der unabhängigen Preße auch so viel wie möglich entgegengetreten werden. Ties aus dem einfachen Grunde, weil sich bereits Aus­wüchse im Kartellwesen gezeigt haben, die unbedingt beseitigt werden müßen. Um seine Thäligkeit wirksam beginnen zu können, erbittet der Zentralverband sürs erste von den Kartellen und Syndikaten einen Beitrag vonnicht unter 100 Mk.", jedoch nach Maßgabe der verfügbaren Mittel auch mehr.

Agio bei Aktienemissionen. Während bisher das Ober- oerwaltungsgericht im Gege i,atz zum Reichsgericht das Agio bei Aktienemissionen sür steuerpflichtig erklärt hat, fällte, wie der F. Z." gemeldet wird, in der Beschwerdesache der Darmstädter Bank wegen Versteuerung des Agios das Oberverwaltungsgericht eine Plenarentscheidung, worin der Beschwerde der Bank statt­gegeben wird. Ter Steuersiskus muß also den vereinnahmten er­heblichen Betrag zurückerstatten.

Der Morgautrust und seine Folgen. Wie wir schon mit­geteilt haben, bestätigt es sich, daß Sir Eristopher Turnes in Ge- meinschast mit dem Director der Elder Tampster Linie, Sir Alfred Ionas, den Versuch macht, einen Teil der Lasten, welche diese beiden großen Rhedereieu infolge der gegenwärtigen schlechten Frachtanlage jedenfalls recht schwer empfinden, auf die Schultern der englischen Nation abzuwälzen. Es soll die Erregung der eng­lischen Nation benutzt werden, um eine nach bisher genannten Summen, ungeheuerliche Subvention einzuheimsen. Wenn England mit solch großen Subventionen vorangeht, werden die anderen seefahrenden Nationen nicht zurückbleiben können und das würde für England im Hinblick auf den enormen Umfang seiner Handels­flotte eine Schraube ohne Ende wäre.

Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin. Im ver­gangenen Jahr beschloß die Stadt Manchester eine eigene große Zentrale für Licht und Kraft zu errichten und übertrug den maschinellen Teil der Gesamtanlage, bestehend aus der Dynamos, den Umformern und der Schaltanlage der Allgemeinen Elektrizi­tätsgesellschaft Berlin. Ende März dieses Jahres wurde mit dem Aufstellen der Maschinen begonnen und die Arbeiten in einer der­artig intensiven Weise gefördert, daß bereits am 1. Juni, also nach noch nicht einem Vierteljahr, der Betrieb mit 5000 Pferdekräfte in der Hauptstation und mit drei Unterstationen eröffnet werden konnte. Diese Leistung wurde seitens des Bürgermeisters in der Eröffnungsrede als Weltrekord bezeichnet. Ferner sind in den Haupt- und Unterstationen gegenwärtig noch 42 000 Pferdekräfte in der Arbeit, und dürfte die Gesamtanlege, in der einstweilen 20 Unterstationen mit 64 Umformern den Licht- und Kraftbedarf für ganz Manchester wie für dessen Vororte decken sollen, zu den größten überhaupt vorkommenden elektrischen Zentralen gehören.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen

Gartenstraße 2 (Bürgermeistereigebaude) Zimmer Nr. 14, Der Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten nud Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet.

Angebot der Arbeitnehmer: 1 Installateur, 2 Spengler;

5 Schlosser, 1 Schmied, 3 Schreiner, 1 Hausdiener, 1 Knecht, 1 Tag­löhner, 4 Lausfrauen, 1 Dienstbote, 1 Kindermädchen, 1 Büreau- gehilfe.

Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Bäckergeselle, 1 Müllerbursche, 1 Lackierer oder Vergolder, 1 Schmied, 1 Schneider, 1 Schreiner, 1 Hausbursche, 1 landwirtschastlichcr Arbeiter, 6 Dienstmädchen, 1 Laufsrau, 2 Kindermädchen.

Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlößer, 1 Schuhmacher

Handel und Verkehr. Uolkümirlschast.

Frankfurter Börse. Mangels jeglicher Anregung schleppte sich auch heute das Geschäft an der Börse still und langweilig da­hin. Auf keinem Gebiet zeigte sich etwas Interesse, die Umsätze blieben so begrenzt, daß die Kurse bei ganz geringen Schwankungen stark abbröckelten. Nicht allein die hiesige Börse zeigt diese Ver­fassung, auch alle anderen Börsenplätze lassen jede Anregung ver­missen. Stark hemmend wirkten die Nachrichten von London. Staatsbahn fester, Kreditaktien schwächer und angeboten. Deutsche Bank Vi proz. Diskonto 25 Pfg. niedriger. Lombarden schwächer, Gotthard fest. 3proz. Reichsanleihe schwach. Von Ausländern Spanier schwächer, Portugiesen etwas fester.

Berlin, 24. Juni. Der Spiritusring bereitet, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, eine neue Preis st eige- r u n g vor. Er will, falls sich 85 bis 90 Prozent der Brenner zu einer freiwilligen Produkt io nseinschränkung von 15 bis 20 Prozent erklären, den Brennern statt des jetzigen Preises von 30 Mark künftig 35 bis 36 Mark gewähren. Der Ring hat anscheinend zu der Produktionsverminderung durch die letzte ^ranntweinsleuernovelle wenig Vertrauen und möchte auch seine roßen Bestände, die auf eine Million Hektolirer geschätzt werden, <un 1. Oktober möglichst hoch ausbringen.

Madrid, 24. Juni. Tie Dividende der Spanisch en Tabakmonopol-Gesellschaft für das erste Semester ourbe auf 10 Prozent festgesetzt gegen 9 Proz. im Vorjahr.

Bank für Handel und Industrie. Seitens ber Bank aürd uns mitgeteiU, daß sie nut Wirkung vom 1. Juli ab die {eit­erGießener Depositenkaffe und Wechselstube der Bank für □anbei und Industrie" lautende Firma ihrer Zweigniederlassung n Gießen in Bank für Handel und Industrie Depo­nent a s s e Gieße n" abgeändert hat. Mit Wirkung von dem ileicfjen Tage ab, hat die Bank das Bankgeschäft des Herrn Con- -ub Tietz in Gießen übernommen und verlegt ihre Nieberlassung in bemselben Termine von Wiesenstraße Nr. 2 in bas seither von Herrn Tietz innegehabte Haus Johann es st raße Nr. 1. Reben ben seitherigen Vorstehern, ben Herren A. von Jungen- elb unb Gustav Müller, ist Herr Eonr ab Dietz mit ber eitung berart betraut worden, daß je zwei ber genannten Herren 'ie Firma rechtsgültig zeichnen können.

Divideudeuschätzuugeu. Es wirb angenommen, allerdings miet allem Vorbehalt, daß die Dividende der Eisenbahn­entenbank Frankfurt a. M. nicht hinter der vorjährigen on 66*/8 Prozent zurückbleiben wird. Bei ber Frankfurter Schuhfabrik vorm. Otto Herz u. Cie. rotrb bie Dioi- benbe auf 7 Prozent geschätzt auf vorjährige 10 Prozent. Für Se Vereinigten Ultramarinfabriken werben 5 Proz.

ie im Vorjahr angenommen.