Hahrstag, der Karfreitag, der Himmelfahrtstag, Erntefest, Reformationsfest, Buß- und Bettag, Totenfest; für diejenigen katholischen Bekenntnisses: Ostern, Pfingsten und Weihnachten, der Neujahrstag, Himmelfahrtstag und Frohn- leichnamstag. An diesen Festtagen, sowie am Geburtstag des Kaisers tritt Befreiung von jedem Dienst ein, der nicht unerläßlich ist. Es ist jedoch auch an den nachbezeichneten katholischen Festtagen, wie dem Dreikönigsfest, Mariä Himmelfahrt, dem Mlerheiligenfest, Buß- und Bettag, Mariä Lichtmeß, Mariä Verkündigung, Karfreitag, Peter Pauls- fest^ und Mariä Empfängnis, dem religiösen Bedürf- ursse der Mannschaften möglich st Rechnung zu tragen. Die Generalkommandos sind ermächtigt, nach den in den einzelnen Landesteilen zur erkannten Geltung gelangten kirchlichen Gebräuchen dem religiösen Bedürfnisse Ser Mannschaften nötigenfalls in weiterem Umfange Rech- «ung zu fragen und unter Umständen eine unbedingte ivder in gewissen Grenzen zu haltende Befreiung vom Dienst auch an anderen als den hier gedachten Festtagen .eintreten zu lassen, soweit die dienstlichen Anforderungen dies gestatten. Soldaten jüdischen Glaubens sollen an den jüdischen Feiertagen möglichst vom Dienst befreit bleiben.
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Zer KrostgL-Urozeß.
ix.
Gumbinnen, 24. April.
Heute wurde zunächst in sehr eingehender Weise der Kommandeur des 11. Dragonerregiments v. Winterfeld, Vernommen. Derselbe bekundet, Marten sei im Dienst ganz tüchtig, aber bei der gering st en Kleinigkeit sehr aufgeregt gewesen, sodaß er mit den Augen rollte. Dies sei auch geschehen, als er, Zeuge, etwa zwei Stunden vor dem Moäre, Marten, weil er sein RemontL- pferd nicht reiten konnte, vom Pferde heruntersteigen ließ und einem anderen Unteroffizier befahl, das Pferd vor- Lureiten. Er tadelte deshalb Marten, zumal dieser sein schlechtes Reiten selbst verschuldet hatte. Da sagte Ritt- rneister v. Krosigk: Lassen Sie doch, Herr Oberst, der Mann gerät immer sofort in große Aufregung, wenn er einmal getadelt wird. Er, Zeuge, hörte, daß Marten auch am .Samstag vor dem Morde sehr aufgeregt war 'Unb mit den Augen rollte, weil der Rittmeister einem jungen Dragoner befahl, das Pferd, welches Marten nicht reiten konnte, ihm eine Stunde vorzureiten. Er, Zeuge, müsse allerdings sagen, daß dies nicht ganz korrekt war. Der Rittmeister hätte einen Unteroffizier kommandieren müssen, um Martens Pferd vorzureiten, nicht oder einen von den Mannschaften. Der Rittmeister hallo gegen die Familie Marten überhaupt gewisse Abneigung, da er, wie er ihm erzählte, mit dem Wacht- Meister Marten wegen der großen Verlotterung der Schwadron heftige Auftritte hatte, sodaß letzterer sich schließlich zur drillen Eskadron versetzen ließ. Der Rittmeister habe auch den entfernten Verdacht gehabt, daß das me h r- malige Schießen auf seine Wohnungin Stallu- pöuen von der Familie Marten ausgegangen sei. Obwohl der Rlltmeister mit Marten dienstlich sehr zufrieden gewesen war, habe er einmal gesagt, Marten sei ihm unp heimlich, sodaß er ihn möglich st Weitwegwünsche. Dies sei wohl die Ursache gewesen, daß Marten nach Berlin 'auf die Telegraphenschule geschickt sei. Gleich nacfy dem Morde sei genau festgestellt worden, wer Dienst gehabt hat und wer dienstfrei war. Einen bestimmten Verdacht gegen irgend jemand könne er nicht äußern. Die von der Kaserne der vierten Eskadron nach der Reitbahn führenden Fußspuren in dem Schnee seien infolge von Thau oder Reger', verwischt gewesen.
Marten bemerkt, er sei als Knabe vom Baume ge- foHeii und leide feit dieser Zeit an Nerven zuckungen. Er frage den Obersten, wenn ihm dies bekannt gewesen sei, ob er alsdann dieselbe Auffassung von dem Augenvollen haben würde.
Oberst v. Winterfeld bemerkt: Wenn mir das bekannt gewesen wäre, dann hätte ich vielleicht eine andere Auffassung gehabt. Es steht aber fest, daß Marten bei jeder Kleinigkeit in große Aufregung geriet.
Gefreiter Stumbries bekundet, als er am '5am^ tag vor dem Morde auf Befehl des Rittmeisters Marten das Pferd vorreiten mußte, sei dieser sehr ärgerlich gewesen. Am selben Tage habe Marten zu ihm gesagt, er werde heute abend das Pferd noch reiten, der H u n d m ü s s e heule noch Farbe bekennen.
Kneosgerichtsrat Lüdecke und Militärgerichtsschreiber Hoffmann aus Insterburg bekunden übereinstimmend, Baranowsll habe ihnen einen sehr glaubwürdigen Eindruck gemacht. Tas mit diesem aufgenommene Protokoll sei lohne Mitwirkung des Rittmeisters Ewers zu stände gekommen.
Rittmeister Ewers bemerkt, er wolle die Behauptung nicht aufrecht erhalten, daß er speziell bei dem Protokoll mitgewirtt habe, jedenfalls habe er Lüdecke gesagt, Bara- nowski habe ihm anfänglich eine andere Erzählung gemacht.
Tie Zeugen Lüdecke und Hoffmann bemerken, daß fte sich daran nicht erinnern können.
Aus Antrag des Verteidigers Horn wird die ArbeiteH- frau Eckert als Zeugin vernommen. Diese bekundet: Am Nachmittag des 21. Januar 1901 gegen 5 Uhr sei sie mll ihrem zehnjährigen Sohn die Dragonerstraße entlang gegangen, da habe sie plötzlich einen starken Schuß gehört und in demselben Augenblick habe sie drei Civilpersonen aus der Kasernenpforte herauskommen sehen.
Auf Antrag des Vorsitzenden, Oberstleutnant H e r h udt v. Rhoden, wird beschlossen, den zehnjährigen .Sohn herbeizuholen und mit den Zeugen eine Ortsbesichtigung vorzunehmen.
Ter Leiter der Verhandlung teilt mll, der Hausdiener! Hinz habe der Polizei in Schöneberg erklärt, er wisse von gar nichts; er fei zur Zeit des Mordes nicht in Gumbinnen gewesen und habe die Erzählungen in der Trunkenhell ge- macht. Inzwischen meldet der Amtsbote Borgmann mit der Erklärung, der Händler Johann Holder in Schußkehmen, früherer Artillerist, habe vor vielen Zeugen erklärt, daß der Rittmeister erschossen worden sei und daß Martenund Hickel vollständig unschuldig seien. Es wird beschlossen, den Händler Holder zu laden. Danach werden die Dragoner Bartuleit und Weber vernommen, welche kurz vor dem Morde Marten auf dem ersten Korriidor in der Nähe des Karabiners getroffen haben, womit der tödliche Schuß abgegeben wurde.
Hieraus wird die Sitzung auf Nachmittag vertagt.
Aus Hiadt und Zand.
Gießen, den 25. April 1902.
. ** S ie Erste Kammer der Stände hält, wie Mr schon kurz erwähnten, chre 18. Sitzung am Dienstag,
29. April, vormlltags 10 llhr beginnend, ab. Folgende Tagesordnung ist dafür aufgestellt:
L Mitteilungen.
IL Feststellung des Voranschlags über die Ausgabe- bedürfnisse der Ersten Kammer für das Rechnungsjahr 1902/03.
III. Beratung und Abstimmung über:
1) RegierunAvorlage, Staatsvertrag über die Vereinigung der Großh. Hessischen Landeslotterie und der Thüringisch-Anhalttschen Staatslotterie betr.;
2) die Regierungsvorlage bezüglich des Entwurfes eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes vom 4. April 1888, die Ausführung der Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen betr. ;
3) Regierungsvorlage bezüglich des Entwurfs eines Gesetzes, die Ausführung der deutschen Strafprozeßordnung vom 9. Juni 1879 betr.;
4) Regierungsvorlage über den Gesetzentwurf, den Denkmalschutz betr.;
5) Mitteilung der Zweiten Kammer bezüglich des Anllags des Abgeordneten Wolf, Zusatz zum Artllel 41 des Feldbereinigungsgesetzes betr.
^Auszeichnung. Der Großherzog hat der Susanne Ludwig in Gonsenheim die Goldene Medaille des Lude- wigs-Ordens zum 15. Aprll verliehen. (Wie wir kürzlich mitt eilten, dient die Genannte, die im 74. Lebensjahr steht, bereits 60 Jahre in derselben Familie. Die Red. des „Gieß. Anz.")
** In die hiesige Klinik mußte sich der aus Hattenrod stammende Arbeiter begeben, der, wie wir in Nr. 91 berichteten, von seinem Gegner in den Finger gebissen wurde. Die Wunde hat sich derart verschlimmert, daß der chn behandelnde Arzt Blutvergiftung befürchtete.
** Kunstverein. In der im Inseratenteil unserer Nr. 93 erfolgten Bekanntmachung betr. die ordentliche Hauptversammlung des Kunstvereins für das Großhherzoa- tum Hessen ist übersehen worden, der Tagesordnung als 4. Punll hinzuzufügen: „Die Beschlußfassung über die Verteilung eines Vereinsblattes an die Mitglieder für 1902", worauf hierdurch hingewiesen sei.
** Der Verband der katholischen kaufmännischen Vereine Deutschlands begeht in den Tagen vom 14. bis 17. August in Mainz das Fest seines 25jähr. Bestehens. Im Jqhre 1877 in Mainz gegründet, umfaßt der Verband heute 120 Vereinigungen mll 13 000 Mitglieder.
** Für de utsche Buren kämpf er. Von deutschen Burenkämpfern, die sich als Kriegsgefangene in Um- balla in Indien befinden, sind dem Inhaber der Auskunftei Bürgel, Ristenpark, Kaiserstraße 36 in Frankfurt am Main drei verschiedene Ansichtspostkarten aus dem Ge- ängenenlager mit Bildern aus dem Lagerleben der Ge- angenen zugeaangen. Die Bilder sind von deutschen Kriegs- zesanaenen selbst gezeichnet, die Karten mit verschiedenen indischen Marken frankiert. Die Gefangenen möchten sich mit dieser Kartenherstellung einen kleinen Erwerb und eine Beschäftigung und damit eine Erleichterung ihrer Lage ver- chafsen. Der Genannte ist bereit, die Vermittelung zu übernehmen. Sammler von Markenkuriosen und Ansichtskarten wollen ihm deshalb unter Einsendung von einer Mark ihre genaue Adresse mitteilen, worauf ihnen ein derartiger Kartengruß aus dem Gefangenenlager von Um» balla zugehen wird.— In ähnlicher Weise verschickt nach einer Notiz der „berliner Illustrierten Zeitung"', um deren Veröffentlichung wir gebeten werden, ein Kriegsgefangener auf Ceylon gegen Einsendung von 60 Pfg. in Marken eine photographische Ansichtspostkarte mll Zensorstempel der englischen Behörden aus dem Gefangenenlager Ragarna. Bestellungen nimmt der Vater dieses Gefangenen an, dessen Adresse ist: CH. Rubens, Berlin NW. 23.
t. Hausen b- Gießen, 23. Aprll. Hier herrscht seit einigen Wochen eine Typhus-Epidemie. Nicht allein Erwachsene, sondern auch Kinder werden von der Krankheit befallen. Obwohl die Krankheit in den meisten Fällen ehr heftig auftritt, hat fte erfreulicherweise bis jetzt kein Opfer gefordert.
t. Bur kh ar dsf eld en, 23. April. Eine hiesige Bürgersfrau, die im Garten mit Graben beschäftigt war, glitt aus und fiel so unglücklich auf die Hand, daß sie dnese brach. ,
[] Groß-Feld a, 24. Aprll- Aussehen erregt hier die Verhaftung des Otto Vorbach als des mutmaßlichen Einbrechers in den Laden des Kaufmanns Weifenbach, auf dessen Namen ersterer auch Wechsel gefälscht haben soll. Der Verhaftete soll sich während zweier Nächte in Zellwalde aufgehalten und später, da gänzlich mittellos, ich selbst dem Gerichte gestellt haben.
§ Aus dem Feldathale, 23. Aprll. Die That- äche, daß feit Jahrzehnten unsere Thalorte und die der Nachbarthäler zum ersten Male in biefem Frühjahre von Zigeunern freigeblieben sind, verdient festgestellt zu wer- )en. Wenn sonst jährlich die ersten Zugvögel sich einstellten, da kamen auch die braunen Zugvögel der Pußta und jbe» heiligten wochenlang unsere Thalorte. Die strengen Polizeimaßregeln unb das energische Einschreiten der Gendarmerie haben es endlich fertig gebracht, den Zigeunerhorden wenigstens unsere Gegend zu verleiden.
L a u b a ch, 23. Aprll. Heute morgen wurde die Gräfin zu Solms-Laubach, Prinzessin zu Isenburg unb Bübingen, Don einem gesunbeu Sohne glücklich entbunben.
Offenbach, 24. Aprll. Ein größeres Schaden- euer entstaub heute nachmittag gegen 4 Uhr in bem Liesmannschen Hause Bemarbstraße 9. Durch bie sofort jerbeigeeilte Feuerwehr konnte ber Branb in etwa zwei- tünbiger Thätigkell bewältigt werben, boch ist ber Dach- tuhl vollstänbig zerstört. Der nicht unerhebliche Schaben ist bnrch Versicherung gebeckt.
to. Marburg, 24. April. Gestern Nachmittag zwischen 3 unb 4 Uhr ist in ber Nähe von Amöneburg an einem 15jährigen Mäbchen ein Sittlichkeitsverbrechen verübt worben. Der Thäter ist unbekannt entkommen. Der Verbacht lentte sich auf einen manbernben Schneibergesellen. Der Thäter soll eita>a 1,70 Meter groß unb schlank fein, än glich es Gesicht unb bunklen Schnurrbart haben unb mit einem abgetragenen, braunen Jacket, Heller Hose unb Hellem Filzhut befleibet fein. Besonbers kenntlich ist er an einer langen frischen Wunbe am Hals.
** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten Fast ein volles Menschenalter hat der 60jährige Schneiber- eselle Johann Bind bei ber Hosschneiberfirma I. D- W. Lampe in Frankfurt a. M. in Arbeit gestanden. Kürzlich würbe ihm gekünbigt, da feine Arbeit nicht mehr den An- orberungen genüge. Der alte Mann nahm sich bas so zu Herzen, baß er sich im Main ertränkte. — Auf ber Station Spangenberg würbe ber polnische Steinbruchsarbeiter Gottwalb von einem Eisenbahnzuge totgefahren. Gottwald hat sich in der Betrunkenheit auf bas Geleis gelegt und
war dort eingeschlafen. — Ein lustiges Kuriosum wurde in Undenheim in einem Lehrvertrage entdeckt. Bei einem dortigen Schneidermeister Ijatte sich ein Lehrling auf S1/* Jahre verpflichtet. Im Vertrag steht nun infolge eines Schreibfehlers, daß bie Lehrzeit am 15. August 189 9 beginnt unb am 15. Juni 2002 endigt. — Sicher hat der junge Mann um diese geit ausgelernt. — Eine Frau in Kostheim erhielt von einem Kollekteur ein Los der hessischen Landeslotterie zugesandt, das sie jedoch weder zurückschickte noch bezahlte. Bei ber letzten Ziehung kam nun das Los mit 20 000 Mark heraus unb bie Frau kam seelen-- üergnügt zum Kollekteur, um „ihren" Anteil zu erheben. Selbstverftänblich erhielt sie nichts, unb auch ihre treuherzige Versicherung, baß sie jetzt bas Los bezahlen wolle, hatte keine Wirkung. — In Mainz würbe ber Bureau- oiener ber Hospiziendeputation, Jung, unter bem Verbucht, ein Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben, verhaftet. Jung war am 1. April b. I. 14 Jahre im Dienst ber Stabt. — Auf schreckliche Weise ist das Dienstmädchen bes Lanbwirts Held in Gonsenheim ums Leben gekommen. Es würbe in ber sonst mit einem eisernen Deckel verwahrten Dunggrube tot aufgefünben. Ob ein Unfall ober ein Verbrechen vorliegt ist noch nicht festgestellt. Das Mäbchen, bas sehr hübsch war, stand vor der Hochzell.
Vermischtes.
* Berlin, 24. April. Schwere Ausschreitungen mit zum Th eil lebensgefährlichen Verletzungen sind in der vergangenen Nacht an mehreren Stellen der Stadt vorgekommen. Der Schiffer Röm selb ging spät abends mit zwei Gelegenheitsarbeitern am Nordufer entlang. Eine Rotte Pennbrüder, die auf Kähnen zu übernachten pflegt, rempelle die Leute an und belästigte sie thätlich. Als die Angegriffenen sich wehtten, sammelte sich rasch eine Bande von 20—30 jungen Strolchen, die mit Bootshaken, Heugabeln und Knütteln über die drei Männer herftelen und sie furchtbar zurichteten. Römfeld wurde mit einem Bootshaken die Schädeldecke eingeschlagen und auch seine beiden Begleiter erlitten schwere Verletzungen. Ein größeres Polizeiaufgebot schritt ein und brachte 25 Personen auf die Wache. — In der Brunnenstraße kam es zu einer großen Schlägerei zwischen einer aus acht Personen bestehenden Gesellschaft, unter denen sich ein Matrose von der Werft-Division befand, und einem Schutzmann. Letzterer wurde durch Stockhiebe und Messerstiche schwer verletzt. Der Mattose wurde fest- genommen und in das Militärgefängnis eingeliefert.
* Hungertod. Im Allgemeinen Krankenhause zu Wien ist ber Sprosse ein e§ alten Grafen-Ge^ schlechtes gestorben. Es war das übliche Armen-Be-' gräbnis, bas Personen zuteil wirb, deren Nachlaß nicht hin- reicht, um bie Kosten eines einfachen Leichenbegängnisses zu becken. So würbe Gras Felix A v. P., ber ehemals! elegante Kavallerie-Offizier, der Sprosse eines Abels-Äe- schlechtes, bas nach bem Gothaischen Abelsalmanach auf über brei Jahrhunderte zurückblickt, im primitiven Holzsarg in stiller Nacht nach bem Friebhof gebracht. Der ärzttiche Befunb über bie Todesursache lautete: „Entkräftung infolge von Hunger." Das Leben des Grafen A. war einst wahrhaft beneibenswert. Eine aufsallenbe, fesselnbe Erscheinung, und in Beziehungen zu ben heften Gesellschaftskreisen, deren Liebling er war, bürste er sich zu ben Glücklichen zählen unb sorglos ber Zukunft entgegensehen. Eine schöne Karriere in ber Armee, in ber er bem OffizieriLorps eines» der glänzenbsten Dragoner-Regimenter angehörte, schien ihm gesichert. Eines Tages aber erlosch fein Stern plötzlich. Gr schieb von seinem Regimente, zog sich von aller Welt zurück unb lebte seither in größter Abgeschiedenheit, als ein Vergessener . Man konnte nie recht den Grund! fetneS; militärischen unb gesellschaftlichen Sturzes erfahren.
Neueste Meldungen.
Originaldrahttueldungen des Gießener Anzeigers.
Be rlin, 25. April. Die „Nat.-Ztg." veröfsenllicht -ein Begrüßungstelegramm, bas ber Zentralverband der nationalliberalen Partei Teutschlanbs an den Gr ohh erzo g von Baben richtete. — Zur Feier des Jubiläums bes Großherzogs von Baben veranstaltete ber Verein berBadenerin der Phllharmonie einen glänzenben Festabenb. Heber 2000 Personen waren anwesenb. Pros. Göttinger hielt bie Festrede auf ben Großherzog, ber badische Legationssekretär gedachte ber Großherzogin. Der Verein ber Berliner Liedertafel trug mehrere Chöre vor.
Hannover, 25. April. Zwei Stubenten der Rechte, Angehörige angesehener hannöverscher Familien, erschossen sich gleichzeitig in ben Häusern ihrer Eltern.
Celle, 25. April. Reichstagsersatzwahl im 14. hannöverschen Wahlkreis. Bis 11 Uhr abends wurden gezählt: für Wehl (null.) 6941, v. d. Decken-Adendorf (Welfe) 5480, Boedecker-Aligse (B. d. L.) 3918 und Thielhorn (soz.) 5189 Stimmen.
Greiz, 24, April. Am Samstag findet hier eine gemeinsame Konferenz des Staatsministeriums mit den Ver- retem von Reich j. L. und Reich-Köstritz statt, in der die Regentschafts frage endgiltig geregelt werden soll. Alsdann wird das Ergebnis der Konferenz offiziell rnitgeiellt werden. — Wie verlautet, hat Fürst Heinrich XVI. Reuß j. L. die Regentschaft über Reuß ä. L. an- genom men.
Karlsruhe, 25. April. Der Großherzog vev-- ügte zahlreiche Begnabibungen ber zu Freiheitsstrafen Verurteilten unb stiftete eine Jubiläumsrnebaille in Bronze am Bande, bie im Besitz ber Erben ber Dekorierten verblmbt. Es erfolgten bereits zahlreiche Verleihungen.
Madrid, 25. April. Dee König wohnte gestern zum ersten Male dem Mini st er rat bei. Ministerpräsident Sa- gafta richtete an den König eine Ansprache und beglückwünschte ihn.
Pietermaritzburg, 24. April. Reuter. Der Premierminister von Natal gab ber gesetzgebenden Versammlung bekannt, die brllische Regierung habe die Natalregierung uni Darlegung ihrer Ansichten bezügl. der jüngsten Friedensverhandlungen ersucht.
Guatemala, 23. April. Das Erdbeben, das vom 18. d. M. abends bis zum 19 mittags auf der pacisicschen Seite von Guatemala herrschte, hat nicht nur bedeutenden Eigentums' Verlust verursacht, sondern auch an 1200 Menschenopfer geordert. Bisher find unter den Toten keine Deutschen ermittelt. Hauptsächlich hat Ouezaltenango gelitten, während die Hauptstadt , lemlich verschont geblieben ist.


