15/8. Jahvg.
Freitag, SS April 1903
Nr. 96
LeranttvortNck für den allgemeinen Wk P. Wlttko; für den Anzeigenteil: H. «eL Rotationsdruck und Verlag der Drühl'sche» UnwersitätLdruckerei (Pietsch Erben), Greß«,
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Deutscher Reichstag.
173. Sitzung vom 24. April.
U Uhr. DaS Haus ist äußerst schwach besetzt. Am BundcsrathStisch: Graf PosadowSlh u. et Vor Eintritt in die Tagesordnung führt .
Präsident Graf Ballestrem aus: M. H.l DM badrsche Land feiert heute im dankbaren Hinblick zu Gott das fünfzrgiahnge^Ju- biläurn seines geliebten Landesfürsten, des Großhei^ogs Frieorrch von Baden. (Die Mitglieder des Hauses haben sich von chren Plätzen erhoben.) Als naher Verwandter unseres Kaisers, als traut Berather und siegreicher Waffengefahrte des hochstlrgen Kaisers Wilhelm des Großen hat er hervorragenden Aiühal an Deutschlands Größe gehabt. Er hat dem Herzen deutschen Volkes immer nahe gestanden, Jo Ms £?
bitte, dem hochverehrten Bundesfursten die ehrerbietigsten Gluck, toünfrfie des deutschen Reichstags aus Veranlasiung fernes Jud^ U4-.-S drahtlich zu vermitteln. (Beifall.) Dre Ermächtigung rst Mir ertheilt, ich konstatire das. .
Sodann setzt das Haus die erste Berathung deS Gesetzes betreffend die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben fort
Abg. Graf Bernstorff-Lauenburg (Reichsp.): In der Hauptsache sind wir mit dem Entwurf einverstanden, meinen aber auch, daß die Bestimmungen über die Aufsicht m der Kommission noch genauer geregelt werden wüsten. Die Landwirthschaft lomüe md)t mit in das Gesetz einbezogen werden, denn die ländliche Arbeit liegt auf einem ganz anderen Gebiet, als auf dem, das wir hier treffen wollen. Eine Legende ist es, daß dem früheren Ministerialdirektor Dr. Kugler sein Eintreten gegen eine Verkürzung der Schulzeit auf dem Lande seine Stellung gekostet hat, wie es Herr Wurm an- ^"^Abg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vp.): Die Statistik ze^t, daß allein im Meininger Oberlande 5600 Kinder gewerblich beschäftigt werden, meistens in den Betrieben der Eltern. Dies beweist zur Evidenz, daß auch die Beschäftigung der eigenen Kinder eingeschränkt werden muß. Es wird icht oft geradezu Raubbau an der Gesundheit der Kinder getrieben. Der Gesetzentwurf hat im Allgemeinen die richtige Mittellinie getroffen. Nur hätte auch die Landwirthschaft mit einbezogen werden müssen, denn in vielen ländlichen Bezirken ist die Noch un^r den Kindern mindestens ebenso groß, wie in den Jndusttrebezirlen. Dre Kinderarbeit schädigt nicht nur die Gesundheit der Kinder, sondern bringt ihnen auch sittliche Gefahren. Diese sind auf dem Lande zum Mindesten ebenso groß, wie in den Städten. Ich begrase es nicht, wie man heute noch sagen kann, daß die Kinderarbett auf dem Lande gesund ist. Wenn man z. B. dre Schrift des Lehrers Dgahd liest, wo bleibt denn da der poettschc Hirtenknabe, der aus dem Felsen sitzt und die Schalmei bläst, von dem uns gestern der Staatssekretär erzählte? Der Staatssekretär spendete gestern den Lehrern ein großes Lob und fand den vollen Beifall der Rechten. Aber dieses platonische Wohlwollen wird den Lehrern wenig nützen. Sorgen Sic (nach rechts) lieber für bcstere Bezahlung und bessere Behandlung der Lehrer auch in politischer Beziehung, stellen Sie die paar Tausend Lehrer an, die noch in Preußen fehlen; damit wird den Lehrern mehr gedient sein.
Sachsen-Mciningcnscher Bundcsbcvollmachtigter Frhr. v. Heim (fast unverständlich) giebt zu, daß in Meiningen die Kinder vielfach gewerblich thätig seien und oft auch bis spät in die Nacht hinein arbeiten müßten. Doch käme dies nur dann vor, wenn bestellte Lieferungen abgeliefert werden müßten, und zwar höchstens dreimal in der Woche. Hier würde die Vorlage ja einen erfreulichen Wandel schaffen. Wenn man auch zugeben müsse, daß die Tuberkulose stark im Oberland grastirt, so sei eS doch nicht nachgewiesen, daß dic'e Krankheit in irgend einem Zusammenhang mtt der Kinderarbeit steh-, die Schulen seien von der Tuberkulose frei.
Abg. Reißhauö (Soz.): Ich muß entschieden bestreiten, daß in Meiningen die Kinder von der Tuberkulose frei sind. Die Tuberkulose grasfirt gerade unter den Schulkindern am meisten, das haben auch hervorragende Aerzte zugegeben. Wenn die Eltern ihre Kinder ausbeuten, so thun sie es nur aus Noth, mit blutendem Herzen, weil sie durch niedrige Löhne gezwungen werden, ein Stück des Wohlergehens nicht nur ihrer selbst, sondern auch ihrer Kinder dem Unternehmer Hinzugelen. Graf Posadowsky hat ?estern ein Loblied auf die ländliche Kinderarbeit gesungen; er at die Verhältnisse in pocttsch verklartem Lichte gesehen, die Prosa der Wirklichkeit sieht anders aus. Lesen Sie nur die Berichte des Lehrers Agahd, aus denen Sie klar ersehen können, welche gesundheitlichen und namentlich sittlichen Gefahren diesen Kindern drohen. Das Rübenziehen und Kartoftelbuddeln sind in der That schwere, schädliche Arbeiten; ich selbst habe diese Arbeiten machen müffen, und ich denke heute noch mit Schaudern an diese entsetzliche Arbett zurück! In der Preußischen Lehrerzeitung kat gestanden, die Rübenferien seien für die Schule eine wahre Plane, da sie die Kinder stumpfsinnig und geistesschwach machten. Das Gefichi toürtv aufgedunsen; in Folge des fortwährenden Kriechens würde ihr Rücken gekrümmt. ^Lachen rechts.) Warum lachen Sie denn
als die in den Städten der Jndustriebezirke seien. Die Ziele. die die preußische Volksschule erreichen wolle, erkenne er an, dock könne er nicht die Mittel billigen, die zu btefem Ziele führten. So mußten die Kinder in Wrcschen jetzt jeden Tag mehrere Stunden nachschen. Da wäre es beinahe nothwendlg, den Kindern cmen Schutz gegen die Mittel der Schule zu gewähren, und er der Kom
mission, den Kinderschutz aucl) aus dre Zwangsmittel der Schule auS- zudchnen. f Fr): Nur die schlechte
schäft hat dazu geführt, daß in ihr so viele Kinder beschäftigt waden. Wenn die landwirthschaftllchen Verhältmsse sich bessern, wird de Kinderarbeit von selbst sich verringern Die Tuberkulose hat mtt der Kinderarbeit nichts zu thun, dre Tuberkulose totrb durch schlechte Wohnungen, schlechte Lust u. s. w. 6egün)hgt, aber gegen den Boden. Wucher, der die Wohnungen so vertheuert und den Armen e» unmöglich macht, eine gesunde Wohnung zu nehmen, sprechen die Herren vost der Linken niemals. Wir können der Regierung nur dankbar sein, daß sie gerade jetzt mit dieser Vorlage kommt. Einigen Rednern geht die Vorlage nicht weit genug, aber cs haben doch nur solche Vorschläge wirklich Werth, die durchführbar sind. Erfreulich ist cs, daß jetzt endlich mal Hand an die Heimarbeit gelegt wird. Es ist nachgewiesen, daß Eltern ihre Kinder 47 Stunden in her Woche beschäftigen, dicS zeigt doch, daß viele Eltern nicht die richtige Einsicht besitzen, und daß die göttliche und die weltliche Ordnung nicht so funttiomren, wie sie sollen. Deshalb müssen wir gesetzlich eingreifen, obwohl es wimschenswerth wäre, daß unsere Kultur einen Höhepunkt erreicht hätte, daß nicht so viele Nochgesctze nothig wären. Doch mutz man hier einen Unterschied machen zwischen gewerblicher und landwirthschaftlicher Arbeit. Ich bin 8 Jahre Landpastor in einer Zuckerrübengegend gewesen, und habe mchtS von all den Uebclständcn gemerkt, die die Sozialdemokraten hier beklagten. Tas Kartoffelhacken ist für die Kinder ein Vergnügen, Abends wird dann ein Feuer angezündet und die Kartoffeln darin gebraten. (Lachen bei den Soz.) Ja, Sie haben ja langst den Sinn für Gemüthlichkeit verloren. Die Enquete durch tue Lehrer ist, so verdienstvoll sie auch sein mag, doch etnfcitig, cs hätten amh Geistliche, Landräthe, Gewerbeinspektoren, Arbeiter und Arbeitgeber daran theilnehmen sollen, damit wir ein möglichst objektives Bild bekommen.
Abg. Dr. Müller (Rudolstadt, nat.-lib.) verbreitet sich über die Verhältnisse im Thüringer Wald und speziell im Kreise Sonneberg. Die Entwicklung der Hausindustrie bat dort zu ganz besonderen Mißständen geführt und ich denke nicht daran, diese etwa dem Abg. ReitzhauS gegenüber beschönigen zu wollen. Aber diese Mißstande sind durch die Lage der Dinge gegeben. So lange die Sommergäste da sind, die von den Einheimischen humorvoll Luftschnapper genannt werden, geht es den Leuten gut; aber wenn die weg sind, beginnt die LeidenSzcit für die Kinder. Die Eltern verdienen so wenig, daß sie darauf angewiesen sind, die Kinder Mitarbeiten xu lassen. Der Entwurf, der diesen Uebelständen entgegemutt, m mit großer Freude zu begrüßen. Möge er in der Kommission so ausgestaltet werden, daß er ein Segen für das schone Thüringer Land werde und die Jndusttie dort nicht schädige. (Beifall.)
Abg. Reißhaus hält seine ftüheren Behauptungen aufrecht. Bon der Gefühlsduselei, mit der von mancher Seite d,e idhll,scheu Zustände auf dem Lande geschildert würden, hielten die Sozial- dcnwkraten sich frei, dafür hätten sie ober ein um so tieferes Gefühl für die schuldlosen Kinder und für die unhaltbaren Zustände, d,e auf dcm Gebiete der Kinderarbeit auf dem Lande beständen. Die Zukunft werde es lehren, daß man ohne einen Gesetzentwurf zum Schutze der Kinder auf dem Lande nicht auSkomme. Erfreut sei er, daß Herr Gamp auch heute wieder ein Gut zur Verfügung gestellt habe. Ja, wenn er uns endlich nur daS Gut geben wollte; wir würden ihm schon einen Mann zur Bewirthschastung stellen. (Heiterkeit.) Die Thatsachc, daß die Skrophulose unter den kleinen Kindern im Meininger Oberlande weit verbreitet sei, könne auch durch die Reden des Ministers von Heim nicht aus der Welt geschafft werden.
Abg. Dr. Herzfeld (Soz.) bemerkt, der Mg. Rettich habe durch seine Ausführungen lediglich seine vollkommene Unkenntnih mit den landwirthschaftlichen Verhältnissen in Mecklenburg dokumentirt. Gerade in Mecklenburg sei die landwirthschaftliche Äinderbeschafti- gung besonders stark ausgebreitet auf Kosten der Schulbildung bet Kinder. Sic genössen vielfach nur zwei Stunden Unterricht am Tage, und außerdem dauerten die Sommerferien volle zehn Wochen. Ein Gesetz zum Schutze der ländlichen Kinder sei auf die Dauer nicht zu entbehren.
Ab^- Stöcker (b. k. P): Die Sozialdemokraten verftelen in den alten Fehler, daß sie aus vereinzelt vorgekommenen Mißständen auf die Allgemeinheit schlöffen.
Die Diskussion wird geschlossen.
Der Entwurf geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern.
Das Haus vertagt sich.
Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. SeemannSorl« nung, Schaumwein st euergefetz.
Schluß 5% Uhr.
jetzt über dieselben Lehrer, denen gestern Grwl Posadows^ u^er Ihrem Beifall solchen Weihrauch gespendet hat? Was die Regierung zu der Beschränkung des Entwurfs auf die gelbliche Arbeit veranlaßt hat, ist nichts als die Furcht vor dem Schreien der Agrarier. Herr von Richthofen wollte gestern die Fortführung der Sozialreform von der Gestaltung des Zolltarifs Mangig machen; das kennzeichnet schlagend die Kinderfreundlichkett der Rechten. Redner führt sodann aus, daß ihm der Entwurf mchd weit genug gehe — Kinderarbett sei Schinderarbelt und muffe gänzlich beseitigt werden. Vor Allem müsse eine wirksame Kontrole stattfinden, bei der Gewerbe-AufsichtSbeamte und Lehrer zusammenwirken müßten.
Meiningenscher Minister Frhr. von Heim betont gegenüber einer Aeutzerung des Vorredners, die meinmglsche Regierung fei ernst bestrebt, der Arbctterwohnungsnoth in Sachsen-Mcimngen zu steuern. Sie habe sich zu diesem Zweck noch vor einem Jahr 350 000 Mk. zur Verfügung stellen lasten. Selbstverständlich könnten die Mißstände auf diesem Gebiet nicht allein aus öffentlichen Mitteln beseitigt werden. Redner hält im Uebngen ferne vorigen Ausführungen aufrecht. Auf dcm Gebiete der Kinderarbeit sei allerdings in (Sonneberg manches nicht schön; man könne aber deshalb noch nicht gerade sagen, daß diese Zustände eines Kultur- staats nicht würdig seien. (Widerspruch bet den Soz Abg. Gamp ruft: Hier ist gar nichts zu hören!) Den Zusammenhang zwischen Kinderarbeit und Tuberkusole, wie ihn die Sozialdemokraten deduzttten, müstc er nach wie vor befreiten.
Abg. Röllinger (Elsässer) begrüßt den Entwurf, der einen neuen, bedeutsamen Schritt auf dem Wege sozialer Fürsorge bedeute, mit großer Genugthuung. Zu loben sei es ebenfalls daß die Konttole nicht durch die Polizei erfolgen solle. Elsaß- Lothringen sei auch in Bezug auf die Kinderarbeit ein glückliches Land, die Arbett der Kinder dort bei der Kartoffelernte und der Weinlese könne gar nicht mit der gewerblichen verglichen werden. In Elsatz-Lothringen würde man es nicht begreifen, wenn man die Landwirthschaft mit in das Gesetz einbeziehen wollte.
Abg. Gamp (Reichsp.): Ich ergreife nur das SB ort, um einige irrtümliche Behauptungen der Linken über landwirthschaftliche Verhältnisse zurückzuweisen. Meine Freunde sind stets für die Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit eingetreten, und stimmen daher auch diesem Gesetzentwurf zu. Ich bin auch niemals für eine Verkürzung der Schulzeit auf dcm Lande emge- treten, ich habe nur befürwortet, daß, wie cS in Schleswig-Holstein Gesetz ist, zur Erntezeit Dispensationen eintreten können. Ein Blick ins prattische Leben zeigt, daß die Kinder auf dem Lande weit gesünder, kräftiger und widerstandsfähiger als die aus den Städten sind. Man hat auch noch nicht einmal den Versuch gemacht, zu beweisen, daß die landwirthschaftliche Kinderarbeit schädlich ist. Im Gcgentheil! Ostpreußen zählt 2 Millionen Einwohner und stellt 13 300 Soldaten, Brandenburg und Berlin aber stellen bei 4% Millionen Einwohnern nur 17 600 Soldaten, während sie prozentuell 30 000 stellen müßten. Die Sozialdemokraten reden immer von der Landwirthschaft, ohne was davon zu verstehen. Ich habe Ihnen einmal ein Gut versprochen. (Zuruf bet den Soz.: Wir haben es noch nicht!) Ein Mann, ein Wort, Sie sollen es haben! (Heiterkeit.) Die Großgrundbesitzer haben an her Kinderarbeit gar kein Interesse, desto mehr aber viele kleine Leute, für die der Kindcrverdienst eine große Rolle spielt. Die Kinder selbst fahren jubelnd und singend auf das Feld und freuen sich über die Arbeit. (Lachen bei den Soz.) Die Hütejungen und Mädchen sind gerade für den Kleinbesitz unentbehrlich, wer soll denn sonst das Vieh des kleinen Mannes hüten? Das Vieh hüten ist für die Kinder weit gesünder, als daß sie sich auf der Straße herumtteiben. Ich habe eine Volks- bibliothek eingerichtet, und jedes Mal, wenn ich einen Hütejungen sehe, liest er in einem Buch von Gustav Nicritz u. s. w. DaS Buch von dem Lehrer Agahd enthält viele Unrichtigkeiten; cS ist eine bodenlose Gemeinheit, wenn er sagt, daß die Hütemädchen sich schon mit 14 Jahren preisgeben, und wenn er gar sagt, daß die Aufficht ungenügend und sittlich unzuverlässig sei, so ist daS eine frivole Verleumdung, die gerichtlich bestraft werden müßte. All daS, was der Agahd sagt, muß gebranbmorft werden; besonders auch das, was er über das Zusammenarbeiten von jungen Leuten beiderlei Geschlechts fugt. Wie ist cs denn in Berlin? Da wohnt eine Familie von 8 Kindern und 6—10 Schlafburschen in einer Küche! Das Lob, das der Staatssekretär gestern den Lehrern spendete, kann ich nur unterschreiben. Wir kommen mit unseren Lehrern gut aus und würden noch bester auskommen, wenn sie nicht so oft politisch verhetzt würden. (Lärm links.)
Abg. Rettich (fonf.): Die Sozialdemokraten haben gestern wieder mal auf Mecklenburg herumgeritten. Aber sehr mit Unrecht, m Mecklenburg giebt es keine Rübenferien, Rüben werden dort nie von Kindern gezogen, niemals werden die Kinder dort während der Schule mit landwirthschaftlichen Arbeiten beschäftigt, höchstens mal in den Ferien. Das Viehhüten kann nicht beseitigt werden, da cs meistens nur für die kleinen Häusler und Käthner geschieht. Die Regelung der Kinderarbeit auf dem Lande muß der Landesgesetzgebung Vorbehalten bleiben, das Reick ist hier gar nickt komvetent, da die Landwirthschaft der Gewerbeordnung nicht untersteht
Abg. von JazdzewSki (Pole) führt au5, daß die sittlichen Verhältnisse auf dem Lande in den östlichen LandeStheilen wett besser
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Die AoLtarifkommisstou
Berlin, 24. April.
Die Zolltarifkommission nahnr Posttion 145, Bettfedern 2M, 146 Schmuckfedern 3M., 147 Bogelbälge 3 Mark Zoll nach der Vorlage an. Molkenbnhr (Soz.) und Goth ein (Fr. Vg.) beantragten Zollfreiheit, während Ministerialrat Wermuth darauf hingewiesen hatte, daß die Zollsätze wesentlich niedriger als im Auslände seien. Position 148, Fed erkiele, 149, Bor sten und 150, Seidengehäuse bleiben nach der Vorlage zollfrei, desgleichen die Positionen 151 bis 153, Felle und Häute, 154, Hörner und Geweihe, 155, Därme, 156, Knochenkohle und Knochenasche, und 157,rohe Schwämme, zollfrei. Für bearbeitete Schwämme wird der von dem Entwurf verlangte Satz von 20 Mark bewilligt. 158, sonst nicht genannte rohe tierische Stosse, Fischeier, Fischschuppen, Eeidenwurmeier, Ameiseneier und anderes sowie 159, Tierblut, bleiben zollfrei. Alle Zollsätze wurden nach der Vorlage angenommen.
Die Kommission beschloß ferner für die Positionen 160, 162 und 163 einen einheitlichen und gegenüber der Regierungsvorlage durchweg erhöhten Zollsatz gemäß dem Anträge Herold und Gen. Danach zahlen 18,75 Mark per Doppelzentner: 1. Mehl, auch gebrannt oder geröstet aus Getreide, auch Hafer, aus Reis, Ma^, Hüffenfrüchten, 2. Graupen, Gries, Ge
treidegrütze, 3. sonstige Müllereierzeugniss-e aus Getreide oder Hülsenfrüchten. Der Regierungskommissar hatte verlangt für Mehl, ausgenommen Hafermehl, 13,50 Mk., Hafermehl 16, Graupen, Gries und Grütze 16, sonstige Müllereierzeugnisse, ausgenommen aus Hafer 13,50 Mk., aus Hafer 16. Die abgelehnten Anträge Gothein (freis.) hatten für diese Müllereierzeugnisse das Zweieinviertelfache bezw. Zweieinhalbsache des Zolles auf das Rohmaterial, Weizen rc. verlangt- Zm Laufe der Debatte führte Herold namens der Antragsteller Herold, Kardorss, Paasche und Schwerin aus, von der Forderung des Mindestzolles wurde abgesehen, um der Vorlabe keine weiteren Schwierig- keiteu zu bereitem Der Regierungsvertreter Geheimrat Blau machte geltend, die Einfuhr von Weizenmehl nehme nicht zu, die von Roggenmehl sei unbedeutend. Fischer begründete den sozialdemokratischen Antrag auf Zollfreiheit. Die Lebensmittel dürften nicht verteuert werden. Gothein begründete seinen Antrag mit der Notwendigkeit einer festen Relation des Mehlzolles und des Getreide- zolles und legt dar, zahlreiche Etablissements beweisen die ungünstige Lage der deutschen Mehlindustrie. Geheimrat Johannes und Ministerialdirektor Wermuth erklären die Regierungsvorlage für ausreichend. Letzterer bemerkt, die Einfuhr von Weizenmehl betrage kaum 1/4 Prozent der Jnlandproduktion. Gamp erblickt im Antrag Herold die Mittel, einem künftigen Anwachsen der Einfuhr vorzubeugen. Die Kommission begann sodann die Beratung
der Positionen 164 und 165, Fette und Oele, ivvnach eine Reihe Linrerschiedlicher Zölle für die einzelnen De£r arten vorgesehen werden, und vertagt sich näch kurzer Be- ratung auf morgen. __
Heer und Flotte.
Wie gewöhnlicp im Frühjahr, so haben auch in bem diesjährigen April zahlreiche Verabschiedungen von Generalen der preußischen Armee stattgefunden. Nach einer Sonderausgabe des „Mil.-Wochenbl-", in der die vom 22. d- M. datierenden Personalveränderungen veröffentlicht werden, sind dreizehn Generale in Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche zur Disposition ge- stelll worden. Der zur Disposition gestellle Gen^Major v. Weiher, Kommdr- der 85. Brigade in Mainr, war 1893 Gen.-Major- Er wurde aus dem Kadettenhause 1865 beim 2. Gren-Regt. eingestellt. Mit Führung der 85. Brigade ist der Oberst v. Henigs vom 83. Jnf.-Regt. beauftragt. Der pensionierte Kommandant von Darmstadt Gen.-Major v- Daum, der 1864 im 2. tÄarde-Regt. Offizier geworden ist, ist, wie wir bereits meldeten, durch den Generalmajor v. Lyncker, Kommandant der Feste Doyen, ersetzt worden.
Die Feiertage und das Heer. Nach der schon erwähnten Ordre sind zu den hohen kirchlichen Festtaaen für die Militärpersonen evangelischen BekenrrtnisseS zu zählen: Ostern, Pfingsten und Wechnachteu, der Sen*


