unt> Abteilungschef des Generalstabes v. Steinmetz zum Generalleutnant, dem Chef der Landesaufnahme, Generalmajor und Kommandant von Magdeburg v. Gers- dorff der Charakter als Generalleutnant verliehen, Generalmajor und Kommandeur der 7. Jnfanteriebrigade Pap st von Ohain zum Kommandanten von Spandau, Freiherr von König, Generalmajor und Kommandeur der 22. Kavalleriebrigade mit Wahrnehmung der Geschäfte des Inspekteurs der 4. Kavallerieinspektion, Busse, Oberst und Kommandeur des Kürassicrregiments Nr. 5 mit der Führung der 22. Kavalleriebrigade beauftragt, General der Infanterie und Gouverneur von Thorn v. Amann, Generalleutnant und Kommandant von Spandau v. Fun ck mit Pension zur Disposition gestellt.— Dem vielgenannten kürzlich verabschiedeten Fregatten-Kapitän Ncitzke ist der Kronenorden 3. Klasse verliehen worden. — Verabschiedet wurde Generalmajor von Kleist, Kommandeur der 29. Infanterie-Brigade.
— Mit dem 1. April treten im Ingenieur-Korps einschneidende Veränderungen ein. In Metz wird eine 4. Ingenieur-Inspektion errichtet, bestehend aus den Inspektionen Metz und Köln. Ferner wird mit dem vorläufigen Standorte Freiburg i. Br. eine Fortifikation für die Befestigungen am Oberrhein errichtet. Beim Ingenieur-Komitee tritt eine dritte (elektrotechnische) Abteilung hinzu.
Politische Tagesschau.
Gegenbesuche.
Eine Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und Nikolaus II. wird nach der Ansicht unterrichteter Kreise auch in diesem Jahre stattfinden. Seitens des Zaren soll die Einladung an den Kaiser, den russischen Flottenmanövern beizuwohnen, bereits ergangen sein. Bekanntlich war Nikolaus II. im vorigen Herbst auf der Reede von Danzig Zeuge der Evolutionen deutscher Kriegsschiffe; von dort aus trat er dann die Fahrt nach Frankreich an. In «diesem Jahre würden also Kaiser Wilhelm und Präsident Loubet die Besuche erwidern, und Mar dieser im Mai, während für die Rußlandfahrt Kaiser Wilhelms, wie es heißt, frühestens der Juni in Betracht kommt. Ob das Zarenpaar im nächsten Herbst Frankreich besuchen wird, dürfte erst in den Konferenzen mit Loubet entschieden werden, wie ja auch Minister Dlelcassö im vorigen Jahre in Petersburg die entsprechende Verabredung traf. Früher als der Zar langte damals freilich das russische Kreditgesuch in Frankreich an. Dessen diesjährige Erneuerung möchte sich kaum empfehlen; wurde doch dieser Tage bei der Budgetdebatte im französischen Senat mit nicht mißzuverstehender Betonung konstatiert, daß Rußland den gefälligen Freund bereits um sieben Milliarden Franks „erleichtert" hat.
In der französischen Kammer hat Minister Deleasse am Montag >die Vorlage betr. den Kredit von 500 000 Frcs. für die Reise Loubets eingebracht. Tie Verlesung des Mo- tivenberichtes und der Vorlage wurde vom Hause mit wiederholtem Beifall begrüßt. Die Vorlage wurde ohne Diskussion angenommen. Die Verkündigung der Abstimmung gab Anlaß zu erneutem Beifall auf allen Seiten des Hauses. In dem Motivenberichte ist der Wortlaut des Briefes, in dem Kaiser Nikolaus den Präsidenten einlädt, veröffentlicht. Es heißt d arin:
„Unter dem angenehmen tiefen Eindruck unseres unvergeßlichen Aufenthaltes in Frankreich im vergangenen Jahre, hoffen die Kaiserin und ich gern, daß der sehr geschätzte Präsident der französischen Republik uns nächstens das Glück und das Vergnügen bereiten wird, ihn wiederzusehen, indem er einige Tage bei uns zubringen wird. Es wird Ihnen, denke ich, angenehm sein, bet dieser Gelegenheit den Beweis von der Einmütigkeit der warmen und aufrichtigen Gefühle entgegenzunehmen, welche Rußland mit dem befreundeten und verbündeten Frankreich verbinden."
Ein grotesker französischer Wichtigthuer, Cheradame, der in Büchern, Flugschriften und Zeitungsartikeln über auswärtige Politik kannegießert, und von den Nationalisten derartig ernst genommen wird, daß sie in ihm ihren künftigen Minister des-Aeußern sehen, offenbart in seiner „Voie Nationale" mit düsterer Kassandra-Bestimmtheit" daß zur Zeit im tiefsten Geheimnis lebhafte Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und Frankreich stattfinden, die einen Aufenthalt Loubets in einem deutschen Hasen, sei es auf der Hinfahrt nach oder auf der Rückfahrt von Rußland, und eine Begegnung mit Kaiser Wilhelm bezwecken. Der Vorschlag gehe vom Kaiser selbst aus, und solle die endgiltige französisch-deutsche Versöhnung beweisen, die man dann in Frankreich als Mittel zur Zerstörung des Heeres benützen werde. Es ist überflüssig, auch nur ein ernsthaftes Wort diesem Geschwätz hinzuzufügen.
Koruhäuser und Getreidehandel.
Die bisherigen Erfahrungen mit der Einrichtung von Kornhäusern auf genossenschaftlicher Grundlage scheinen nicht überall in landwirtschaftlichen Kreisen sonderlich ermutigend gewirkt zu haben. In einer Versammlung in Rostock legte der konservative Tomänenrat Rettich den abwartenden Standpunkt des mecklenburgischen Landwirtschaftsrats dar; es läge keine Veranlassung vor, aus der bisherigen Reserve herauszutreten. Rettich vertrat auch in seinen weiteren Ausführungen über den Getreide- Handel und die Getreidehändler eine bemerkenswerte Auffassung. Die Darmstädter Bank hatte zwei mecklenburgische Getreidegescyäfte übernommen und damit in l an dw ir ts ch a f tlichen Kreisen die Befürchtung erweckt, als wolle die Bank mit ihren großen Kapitalien das Getreide- geschäft in Mecklenburg monopolisieren. Rettich teilt aber diese Bedenken nicht; er begrüßt vielmehr das Eingreifen dieser Bank, von dem eine Belebung des Geschäfts zu erwarten sei; die Bank würde den Landwirten den Vorteil schaffen, ihr Getreide zu lagern, zu lombardieren und im gegebenen Augenblick zu verkaufen.
Aus Stadt und Kund.
Gießen, 25. März 1902.
** Opernvorstcllungen. Wir können unseren Lesern die angenehme Mitteilung machen, daß Direktor Kruse mit der Oper des Dessauer Hoftheaters wegen einiger Gastspiele in der ersten Hälfte des Mai in Unterhandlungen steht, deren Abschluß jetzt nahe ist. Die Oper, deren oberster Leiter der Hofkapellmeister Dr. Klughardt, em als Dirigent wie als Komponist hochgeschätzter Musiker, ist, steht unter dein Protektorat des sehr musikalischen Erbprinzen von Anhalt-Dessau und erfreut sich eines ganz vorzüglichen Rufes. Die Hof
oper wird mindestens sieben Vorstellungen aus dem Gebiete der Spielvpcr geben. Bei den Mitgliedern des Theatervereins zirkuliert bereits eine Abonnementsliste, eine zweite liegt bei Herrn Ernst Challier auf, der auch Anträge auf Reservierung bestimmter Plätze annimmt. Die auszugebenden 10 Abonnernentsbillets sind für alle Vorstellungen in beliebiger Zahl verwendbar. Es empfiehlt sich, die Anmeldung von Abonnements nicht hinauszuschieben, da bei geringer Beteiligung das kostspielige, an eine große Garantiesumme geknüpfte Unternehmen leicht scheitern könnte.
88 O b e r - H ö r g e r n, 24. März. Hier ist eine starke Salzquelle entdeckt worden, die oberirdisch ausfließt, ohne daß sie erbohrt wurde.
ff Li ch, 23. März. Gestern abend fand im Gasthause zum Löwen die Generalversammlung des hiesigen Kurvereins statt. Der Verein blickt jetzt aus eine dreijährige Thätigkeit zurück und kann nach dem Bericht des Vorsitzenden mit seinen Erfolgen zufrieden sein. Wenn auch die Zahl der Fremden, die hierher in die Sommerfrische kommen, noch nicht sehr groß ist, so hat sie sich doch von Jahr zu Jahr gemehrt und vor allen Dingen haben sich die Gäste sehr anerkennend über die einschlägigen Verhältnisse ausgesprochen. Für die Bequemlichkeit der Spaziergänger wird weitgehende Sorge getragen durch Errichtung von Ruhebänken und Schutzhutten. Die Rechnungsablage ergab einen kleinen Ueberschuß; der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt.
sch. Hungen, 24. März. In der hiesigen Gemarkung wie auch in der Umgegend befinden sich seit einiger Zeit Schwärme von Raben, wie man sie in solcher Masse hier noch nicht gesehen hat. Zu Tausenden sitzen sie aus den Feldern und in den nahen Waldungen. Die Flurschützen werden überall mit dem Ab schießen der Tiere beauftragt; doch scheint dieses Mittel bis jetzt ohne Erfolg geblieben zu sein.
8 Gambach, 24. März. Unsere Spar- und Darlehns- kasse, e. G. m. u. H., kann für das abgelaufene Jahr auf ein günstiges Ergebnis zurückblicken. Die Spareinlagen sind auf 203142,70 Mk., die Geschäftsguthaben auf 201116,70 Mark und der Reservefonds auf 5963,40 Mk. angewachsen; der Reingewinn beträgt 1387,43 Mk. Die Aktiva beziffern sich auf 230 609,60 Mk. und die Mitgliederzahl ist auf 202 gestiegen.
w. Nidda, 22. März. Heute fand im „Gambrinus" die Prüfung der Schüler unserer Gewerbeschule statt. Die Schule war in der Oberklasse von 16, in der 1. Klaffe von 8, in der 2. Klasse von 9 Schülern besucht; die Abendschule besuchten 13 Schüler, die Sonntagsschule 129 Schüler. Die Prüfung nahm einen guten Verlauf, wie der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Möbelfabrikant Ringshaufen, feststellte. Vor 10 Jahren hat die erste Prüfung stattgefunden. Eine reiche Ausstellung schöner Zeichen- und Modellierarbeiten war dem Beschauer geboten. Nach der Prüfung mahnte Herr Ringshausen die Schüler an den Spruch: „Meister ist, wer was ersann, Geselle, wer was kann, Lehrling jedermann", dankte den Lehrern und wünschte den Schulern ferneres Wohlergehen. Hauptlehrer Höhn führte des Weiteren aus, wie die Schüler in Theorie und Praxis sich vervollkommnen sollten. Die für die selbständige Ausarbeitung eines Planes einer Villa gestifteten Preise konnten nicht verteilt werden, da zwei Preisrichter erkrankt waren und man die Sache gründlich prüfen wollte. Nach der Prüfung fand noch ein gemütliches Zusammensein statt.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Auf dem letzten Volksunterhaltungsabend zu Biebrich hielt Dr. Fritz Vigener aus Gießen einen Vortrag über die Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges. Frl. Berdrow sang eine neue Komposition des Biebricher Rektors Michaelis „Glockenklänge, Waldesrauschen", deren Text von dem vortrefflichen rheinischen Poeten Prof. Aug. Ammann aus Wiesbaden herrührt. Diese dichterische und musikalische Novität, ein Werk von weihevoller Stimmung, erntete einen durchschlagenden Erfolg. — Dem Hofpianofortefabrikanten Karl Mand in Koblenz wurde vom Großherzog von Hessen das „Hofprädikat" verliehen.________________________________________
Vermischtes.
• Die bekannte Geschichte von dem deutschen Kronprinzen, der auf der Bonner Borussen kneipe nicht in die Kanne steigen wollte, hat in der englischen Wochenschrift „Modern Society" folgende Gestalt angenommen. „Neulich", so schreibt das englische Blatt, machte der Kronprinz eine Eskapade von Bonn und erschien unvermutet vor dem Kaiser. „Wer hat Dir erlaubt, Deine Studien zu unterbrechen und hierher zu kommen?" fragte streng der Papa. — „Vater", erwiderte der Prinz, „ich bin sehr unglücklich. Ich kann nicht länger in jener öffentlichen Schule (!) bleiben, in die Du mich geschickt hast." —„Und wohin ich Dich wieder schicken werde," donnerte Wilhelm II. „Entferne Dich augenblicklich — und mit dem nächsten Zug zurück nach Bonn." „Sehr wohl" sagte der Kronprinz mit einer tiefen Verbeugung, „aber ehe es Nacht wird, werde ich meine erste Mensur mit dem Borussenpräses ausfechten und so weiter mit allen anderen, die sich solche Freiheiten mit ihrem künftigen König und Kaiser herausnehmen!" Hier brach der Kaiser in schallendes Gelächter aus. „Freiheiten herausnehmen! Freiheiten herausnehmen!" rief er. „Weißt Du nicht, daß an meinem Hof genug Leute sind, mit denen auch ich früher ganz kommentmäßig gepaukt habe und die heute ergebene, ehrerbietige Minister im Staat und Offiziere in meiner Armee sind!" Und zum unendlichen Vergnügen des Kaisers rückte der Kronprinz nun heraus mit seinen Schmerzen. Es scheint, daß er wegen anhaltender Widersetzlichkeit gegen den Präses schließlich zwölf Ganze in zwölf Minuten hätte pro poena trinken sollen (! !). Der junge Mann war wütend und warf dem Präses seinen Stürmer ins Gesicht (!), worauf er von diesem zum Verlassen der Kneipe aufgefordert wurde. „Du bi|t total im Unrecht", unterbrach der Kaiser den Prinzen, indem er sich nachdenklich den Schnurrbart strich, „allein es gibt nur ein Mittel: Lerne Biertrinken. (!) Zuerst fängt man mit drei Ganzen an in zwölf Minuten, dann sechs, dann neun, und s o wirst D u schließlich noch das Dutzend bezwingen. Geh' nun zurück nach Bonn. Entschuldige Dich beim Präses, und er wird die Zache als beigelegt betrachten." Am nächsten Tage mußte ein Adjutant noch nach Bonn reisen, dem es gelang, die aufgeregten Borussen zu beschwichtigen und die Dinge zur allgemeinen Zufriedenheit zu ordnen." — Man sieht, die
dramatisch bewegte Phantasie ist im Lande Shakespeares noch nicht ausgestorben!
Wnoertttüls-Nachrichleu.
Von der Harvard-Universität in Cambridge bei Boston ist an Professor Dr. Pfleiderer den Theologen der Berliner Universität, die Anfrage ergangen, ob er eine Reche von Vorlesungen im Frühjahr nächsten Jahres an dieser Universität übernehmen würde. Ter „Nationalztg." zufolge hat Profesfor Psteiderer bejahend geantivortet und wird sich zu dem gedachten Zeitpunkt nach Amerika begeben.
Wilhelm Liebknecht, der vierte Sohn des verstorbenen Führers der Sozialdemokratie, ist am 22. März bei der philosophischen Fakilltät in Berlin mit dem Prädikat magna cum laude zum Doktor promoviert worden.
Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.
Donnerstag den 27. März'): Zur Erinnerung an Beethovens 75. Todestag: „Fidelio." Samstag den 29. März: ^Martha" oder „Der Markt 31t Richmond." Sonntag den 30. Mär^, nachmittags halb 4 Uhr: „Hänsel und Gretel." Abends 7 Uhr: „Die Afrikanerin." Montag den 31. März, nachmittags halb 4 Uhr: „Das süße Mädel". Abends 7 Uhr: Zum ersten Male: „Louise." Mnsikroman in vier Akten und fünf Bildern. Dichtung und Musi von Gustave Charpentier. Ins Deutsche übertragen von Otto Neitzel.
Schauspielhaus.
Mtttwoch den 26. März: Drtttes und vorletztes Gastspiel des K. und K. Hofschauspielers Herrn Jos. Kainz vom K. und K. Hofburgtheater in Wien: „Hamlet." Donnerstag den 27. März: Viertes und letztes Gastspiel des K. K. Hofschauspielers Herrn Josef Kainz vom K. K. Hosburgtheater in Wien: „Morituri." Freitag den 27. März geschlossen. Samstag den 29. März: „Alt-Heidelberg". Sonntag den 30. März, nachmittags 8 Uhr: „Alt-Heidelberg". Abends 7 Uhr: „Hüttenbesitzer". Montag den 31. März, nachmittags halb 4 Uhr: „Flachsmann als Erzieher." Abends 7 Uhr: lebe das Leben." Dienstag den 1. April: „Zwillings-
schwester."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Kasernenhofblüten
Unteroffizier zum Rekruten: Kerl, Sie scheinen nicht zu wissen, daß Ihr Quadratschädel lediglich den Zweck hat, das Heraufrutschen der Halsbinde zu verhindern.
Unteroffizier: Sie, Hubermüller, blasen Sie sich nicht so auf, wie ein Floh, der im Begriffe ist, auf das Standesamt zu gehen.
Gerichtssaal.
Marburg, 23. März. Vor der hiesigen Strafkammer hatten sich dieser Tage zwei Hammeldiebe zu verantworten, der Schäfer Rudolf Heil aus Roth bei Fronhausen, gebürtig aus Rainrod bei Schotten, und der Schäfer Otto Werner aus Dudenhofen. Die beiden Spitzbuben haben im Oktober v. Js. aus dem Gememde- pferch zu Stedebach 22 Schafe, aus dem Gemeindepferch zu Frankenbach 19 Schafe und aus dem Pferch des Landwirts Helm zu Kleinrechtenbach 6 Schafe gestohlen. Heil, der bereits 10 Jahre im Zuchthaus zugebracht hat, wurde zu 5 Jahren Zuchthaus, Werner zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt.
Paderborn, 24. März. Leichenberaubung auf der Altenbekener Eisenbahn-Unglücksstätte bildete den Gegenstand einer Verhandlung, die heute vor der Strastammer stattfand. Das beklagenswerte Altenbekener Eisenbahnunglück, das volle zwei Tage die Strafkammer beschäftigte, hat, als ob das Unglück noch nicht groß genug gewesen wäre, ein so furchtbares Verbrechen in Folge gehabt, wie es schlimmer kaum gedacht werden kann. Bekanntlich dauerte es sehr lange, ehe alle Verunglückten aus den Trümmern hervorgeholt werden konnten. Der verhängnisvolle Zusammenstoß der zwei Eisenbahnzuge geschah am 20. Dezember 1901, mittags zwischen 12 unb 1 Uhr, und die ganze folgende Slacht hindurch horte man noch das Wimmern der Sterbenden und Schwerverwundeten. In dieser traurigen Nacht wurde der Rottenarbeiter Johann Bade von einem Bahnmeister in einem Personenwagen des verunglückten 0-Zuges beobachtet, als er sich an den Hosentaschen einiger Leichen zu schaffen machte. Der Bahnmeister fragte den Mann, was er in dem Wagen suche. Dieser antwortete jedoch nicht, sondern sprang sofort zum Wagenfenster hinaus. Der Bahnmeister will darauf sogleich wahrgenommen haben, daß einem verunglückten Ingenieur aus Hagen die Hosentaschen ausgeschnitten waren. Einige Tage später soll Bade sich für 50 Mk. eine Flinte gekauft, feiner Geliebten goldene Ohrringe geschenkt, seine Freunde bewirtet und viel Geld bei sich geführt haben. Außerdem haben mehrere Personen angexeigt, daß ihren verunglückten Angehörigen große Summen Geldes abhanden gekommen seien. Dem erwähnten Hagener Ingenieur sollen 510 Mk., verschiedenen anderen Leichen 300 Mk., 100 Mk. u. s. w. geraubt worden sein. Bade ist 1875 geboren, unverheiratet und unbestraft. Die Anklagebehörde vertrat der Erste Staatsanwalt Dr. Freese. Es war eine große Anzahl Zeugen, zum Teil auch aus Berlin, geladen. Das Gericht verurteilte Bade wegen Leichenberaubung zu drei Jahren Gefängnis und vier Jahren Ehrverlust. Er wurde sofort verhaftet.
Zandwirtschaft."
Verlosung. Das Viehmarkttomitee zu Vilbel beabsichttgt, mit dem am 26. August daselbst stattfindenden Viehmarkte eine Verlosung von Vi eh 'und landwirtschaftlichen Geräten zu verbinderu Vom Ministerium des Innern ist die nachgesuchte Er- lailbnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt worden, daß dis zu 6000 Lose, zu 1 Mark das Stück, aus- gegeben werden dürfen und mindestens 60 Prozent des Brutto- erlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinngeaen- ständen zu verwenden sind. Zugleich wurde der Vertrieb der Lose in der Provinz Oberhessen gestattet.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Februarüberschüsse deutscher BergwerLsgesellschaften. Haarpener Bergbau-Gesellschaft. Februar Alk. 104600 mehr als im Januar; verglichen mit dem gleichen Monat des Vorjahres ergiebt sich ein Ausfall von Mk. 324 700. Seit 1. Juli v. I. beträgt der Ueberschuß nunmehr All. 940 000 oder Alk. 2 357 200 weniger als im Vorjahre. — Bei der Bergwerks-Gesellschaft Hibernia weisen die beiden ersten Monate des laufenden Geschäftsjahres einen Ueberschuß von Mk. 1426 485 oder Mk. 314 921 weniger als im gleichen Zeitraum des Vor- jasres auf.
Rheinische Bank in Mülheim a. d. R. In den außerordentlichen wie in der ordentlichen Generalversammlung, beide fanden am Samstag statt, wurden seitens der Minorität, vertreten durch 1240 Stimmen, schwere Anklagen gegen den Vorstand und Ausslchtsrat erhoben und verlangt, daß beide Teile für die entstandenen Verluste gerichtlich verantwortlich gemacht werden sollen. Schließlich wurde der Geschäftsbericht und die Bilanz genehmigt, unb dem Vorstand unter Protest der Minorität Entlastung erteilt.
Von der Rcichsbauk. Am 15. April wird in E i n b e ck eine von der Reichsbankstelle in Kassel abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Griechische Anleihen. Der am 1. Aprü sällige Koupon der 4prozentigen griechischen Goldrente von 1889 gelangt mit 36 Prozent des in Mark angegebenen Nennwertes zur Auszahlung. Der April-Koupon der 5prozentigen griechischen Anleihe von 1893 lFundmg Loan) wird mit 48 Prozent von dem in Pfund Sterling angegebenen Nennwerte zum jeweiligen Wechselkurse von kurz Loudon cmgelöst werden.
Die Aktiengesellschaft Frankfurter Hof ist nicht in der Sage, für da§ abgelaufcne Geschäftsjahr eine Dividerrde auszurichten.


