Ausgabe 
24.12.1902 Erstes Blatt
 
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Alten stimmen erst leise unb dann immer fröhlicher mit ein, fc tft doch eine wundervolle Aeit Mrd ein her-- erquickenües Fest, so au» den Tiefen des Gemüts, und so erhebend in seiner Freude und Liebe, wie kein anderes. Und auch, das Sorgen und Mühen Mror hat doch sein Ähiünes. 26ir sind doch alle von eurem Gedanken beseelt: Weihnachten. Verständnisvoll nickt man sich au, wenn man sich im Gedräng auf dem Seltersweg, oder bei Bach, oder sonstwo begegnet:Su bist auch aus Ehristkindleins Wegen." Sonst flattern der Menschen Gedarrten mrd Interessen aus- einander, jetzt fluten sie einmal in einem großen mächf- tigen Strom nach einer Richtung, einem Ziele zu Und es sind die besten Empfindungen urrd die schönsten Züge des Gemüts, die sich da begegnen, die da treiben unb schaffen. ES ist nicht bloß die Liebe und dre Lust, andern Freude zu bereiten. Wie müht man sich,, des andern Wünsche zu verstehen und chrer Eigenart gerecht zu werden. Und wenn es recht zu geht, so mdcyte man in die Gabe, mrd wenigstens in die Art, wie man gi.ebt, etwas von dem eigenen Leben und Wesen, von persönlicher Eigenart hineinlegen. Dazu gehören ja gar nicht große Mittel, nur ein von der großen heiligen Liebe erzogenes Gemüt. Zn wie manchem prunken­den Salon, wo die Tische sich biegen bfon Guben, welM'S einem kalt <ui, weil dsres feinere Empsinden nicht hinter diesen Gaben steht, und wie wannend strahlt sein Licht ost aus der bescheidensten Bescherung. Und wer Augen hat, der schaut, wie jener alte italienische Maler, all das Licht ausgeht von dem K'indlein in der Krippe, der sieht in all der Liebe Jesus durchs die Jahrhunderte gehen, auch durchs unsere Zeit und unser Geschlecht trotz aller Abkehr von Gott mrd christlichen Gedanken, die man ihm nachsagt, und deren es sich, wohl da und dort auch rühmt. Heber die öden Zeiten, da alles nur Kraft und Stoff war, und Natur und Blut und Trieb, sind wir doch glücklich hinauf. Es regen sich doch allerorten die tieferen Bedürfnisse des Gemüts, und machen sich geltend und suchen Befriedigung. Ter Sinn erwacht wieder für die Tiefen, die hinter allem Sichtbaren liegen, für die furchtbaren urrd für die heiligen. Man begehrt mit Ernst, dem Leben einen Sinn abzuge- winnen und sucht in der Flucht der Erscheinungen nach einem festen Punkt. Was hat denn Frenssens: ,^Jörn Uhl" einen so beispiellosen Erfolg verschafft? Was anders, als daß er diesem Suchen den Weg gewiesen, auf diese Fragen Antwort gegeben hat leine neue Antwort, die er ge­sunden und ersonnen, nein, die alte, die uns schott aus dem Lobgesang der Engel entgegentönt:Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohl­gefallen." Tas alte naive Gottvertrauen, das von Gott zu erwarten pflegte, daß er dem frommen Bitter feine Wünsche erfüllt, hat Schiffbruch gelitten. Tas Leben schreitet rücksichtslos über seine Wünsche hinweg, und du mußt tragen, lvas dir auferlegt wird. Aber dennoch ist einer, der dir verbürgt, daß du darunter nicht erliegst, daß es auswärts mit dir. geht, daß etwas aus dir wird, was des Lebens und des Leidens unb des Strebens wert ist. Nicht das Gesetz der Maschine beherrscht im letzten Grund das Leben, dein Leben, sondern Liebe. Und nrit dieser Liebe, die Herzen zu erfüllen, daß sie in Kraft der Siebe das Leben und seine Pflichten erfassen und dienen, das ist die rechte Himmelsgabe, das ist der letzte Sinn aller Weih- nach,tsfreude. Sie läßt uns im stillen Frieden feiern in unserem Hause, sie wird auch Friede schaffen der Welt. Sie bringt ihn stille mit leiser Hand, langsam, Schiritt für Schxitt. Aber er kommtI. Ehre sei Gott in. ber Höhe!

** T ie Geinäl d eaus ste llun g am B rand ist von morgen, 1. Weihnachts,eiertag, an wieder geöffnet. Neu ausgestellt sind: von L. Tettmann, Königsberg i. Pr. Wenn der Wind über die Stoppeln geht" undWenn die Nebel steigen"; von H. Koberstein, Berlin1793" betitelt; von O. Modersohn, Worpswede:Nach dem Gewitter"; von F. Overbeck, Worpswede:Buchweizenfeld"; von C. Küstner, München:Winterabend", ,Letzter Schnee", ersteres 1901 in München die große goldene Medaille erhalten; von F. Kallmorgen, Berlin:Feierabend",Werftarbeiter"; von W. Steinhaufen, Frankfurt a. M.:Christus und Niöo- oemus"; von L. Fahrenkrog, Barmen:Gang zur Ewig­keit",Schöpfung"; von W. Scheich, Gießen:Im Gebirg", Wilddieb" usw. usw. Tie gegenwärtige Ausstellung um­faßt nahezu ICO Gemälde und kann der Besuch aufs anoe- legentlichste jempfohlen werden. Bemerkt fei noch, daß die Ausstellung an den Feiertagen mittags von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen geöffnet ist. Für Nichtmitglieder des Künstvereinö beträgt der Eintritt nur 20 Pfg.

+ Wißmar (b. Lollar), 23. Dez. Vorn 29. Dezember ds. Js. bis 14. Februar 1903 wird Hierselbst ein sechs- wöchentlicher HauShaltun g skursuL für junge Mädchen abgehalten, Es ist dies der zweite von den drei für diesen Winter und der achte von den (überhaupt) bisher im Kreise Wetzlar abgehaltenen Kursen. Dieser segensreichen Einrichtung hat man überall ein reges Interesse entgegen­gebracht, zumal selbst Anmeldungen auS kleinen Dörfern vor­liegen, wo sich schon die Höchstzahl von 24 Teilnehmerinnen für die nächstjährigen Kurse angemeldct hat. Zu ben früheren Lehrgegenständen ist in diesem Jahre noch die Unterweisung der Teilnehmerinnen in den wichtigsten Teilen der Kranken- vflege, auch in der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen (Knochenbrüchen, Verbrennungen) durch einen Arzt hinzu­gekommen.

X Wetzlar, 24. Dez. Die hiesigen neubegründeten Schulanstalten, Seminar und Präparandenschule, wurden in diesen Tagen einer außerordentlichen Revision unterzogen. Prooinzialschulrat Klebe-Eoblenz soll sich sehr lobend über die Leistungen der neuen Anstalten ausgesprochen haben. Wie der Bürgermeister m der legten Stadtverordneten-Sitzung mitteilte, hat der Bezirksausschuß zu Codlenz ine erforderliche Zustimmung zu der von Seiten der ntadt beabsichtigten A n- leihe von 660 000 Mk. erteilt. Die Anleihe ist zu ver­schiedenen Zwecken bestimmt, so namenllich für größere Neu­bauten, wie Seminar und Bezirkskommando. Ferner sollen von ihr bestritten werden Wasserleitungsarbeiten, der Ausbau mehrerer Straßen u. s. f.

)( Ulfa, 22. Tez. Der hiesige GesangvereinGer­mania" beabsichtigt, am 2. Weihnachtsfeierbagc seit re dies­jährige Abcndunlerhaltung zu veranstalten. Tas Pro aramm ist für diesmal em außerordentlich reichhaltiges. Während derWeihnachtsmann" von O. Reuter selbst­redend den Anfang mach?, so bildet ein lustiger Stndenfew- ülkPfändung erfolglos' einen wirksamen Schluß; da­zwischen wechseln Couplets Tuette (Die Kneippsche Kur" , Quartette (Ein Hühnerquartett") und lustige Einakter (Ter Nachtwächter als Pudel",Ein Spuk in der ftanttne") in bunter Reihenfolge mit einander ab. Selbst eine gruse­ligeMorrrrdgeschichte" wird nicht fehlen. Alles in allem verspricht der Abend ein recht geuu^eicher zu werden.

* Der Vergleich, welchen das Großh. Staats­ministerium mit dem Reichskanzler über die Großh. Offizier-Witwen- und Waisenkasse abschloß, hat nach der Darmst. Ztg." folgenden Wortlaut: Zwischen der Reichs­verwaltung und dem Großherzoglich Hessischen Staats­ministerium besteht eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob die Kapitalbestände der Großberzoglichen Offizier- Witwen- und Waisenkasse, sowie der Unterofsizier-Wit- wenkasse nach Erfüllung der den Kassen obliegenden Ver­pflichtungen der Verfügung des Reichs oder derjenigen Hessens anbeimfallen." Tie Reichsverwaltung glaubt, sie auf Grund des § 30 des Reichsgesetzes, be treff en o die Für­sorge für die Witwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine, vom 17. Juni 1887 (Reichsgesetzblatt S. 237), für das Reich in Anspruch nehmen zu müssen, tvährend das Großherzogliche Staats­ministerium in den Kassen hessische Staatsanstalten, in ihrem Vermögen hessisches Staatsvermögen erblickt, und die Anwendbarkeit des § 30 o. o. O. bestreitet. Die Meinungsverschiedenheiten im einzelnen ergeben sich aus den Drucksachen des Bundesrates, Session 1901 Nr. 9, 38, 67, 97 und 123. Dies vor aus geschickt, schließt der Reichs­kanzler und das Großherzogtich Hessische Staatsministe­rium letzteres vorbehaltlich der Genehmigung der Landstände des Großherzogtums, indem beide grund­sätzlich! auf dem bisher vertretenen Standpunkte ver­bleiben, folgenden Vergleich:

§ 1. Die hessische Offizier-Witwen- und Waisenkasse, sowie die hessische Unterossizier-iWitwen lasse bleiben im Besitz und in der Verwaltung der Großherzoglich Hessi­schen Regierung.

§ 2. DaS Reich und die Hessische Regierung leisten die Zuschüsse zu den Pensionen, welche aus den im § 1 genannten Kassen zu bestreiten sind, nack) den bestehenden Bestimmungen und seither beobachteten Grundsätzen weiter und verpstichten sich gegenseitig, zur Bestreitung der ihnen obltegenden Leitungen die Kapitalbestände der bezeichneten Kassen nicht anzugreifen.

§ 3. Sobald die bom Reiche zu gewährenden Zuschüsse entbehrlich geworden sind, können die nach Entrichtung der statutenmäßigen Pensionen und nach Deckung der Ver- waltungskosten sich ergebenden Einnahme-lleberschüsse von der hessischen Staatskasse zur Bestreitung der ihr für die fernere Zeit noch obliegenden Zuschüsse verwendet werden. Soweit sie hierzu nicht erforderlich sind, werden sie dem Kapital zugeschlagen

§ 4. Nach dem Wegfalle sämtlicher Mitglieder der Kassen und sämtlicher Bezugsberechtigter werden die- pitalverniögen beider Kassen derart geteilt, daß die hessische Staatskasse 3 Fünftel, die Reichsiasse 2 Fünftel erhält.

Es bleibt der Vereinbarung ber Vertragschließenden Vorbehalten, schon vor dem im Absatz 1 bezeichneten Zeid punkte die Kapltalvermögen nach dem daselbst bezeichneten Teilungsverhältnisse insoweit einzuziehen, als ihre Ein- lünfte zur Bestreuung ber Pensionen der Militär-Relikten nicht mehr erforderlich erscheinen.

§ 5. Tie Vertragschließenden erachten alle auf Grund der Militärlonvention vorn 13. Juni 1871 und des Reichs­gesetzes bom 17. Juni 1887 hinsichtlich der Großherzoglich Hessischen Militär-Witwenkassen entstandenen Meinungs­verschiedenheiten unter Verzicht aus weitergehende For­derungen durch diesen Vergleich für erledigt.

Darmstadt, ben 8. November 1902. Großherzoglich Hessisches Staatsministerium, gez. Rothe.

Berlin, den 3. Wobemb-bi- 1902.

Der Reichskanzler.

In Vertretung:

gez. Freiherr von Thielmann.

Vermischtes.

Die schöne Gabriele im Kinderreim. Längst sind Abzählreime und andere Kinderpoesieen vielfach als Niederschlag historischer Ereignisse erkannt worden. Wer er­innerte sich nicht aus seiner Jugend an Reime, die von Belgrad und Orleans sprechen oder vomHecker, der im Schmabenland ist und die Republik bekannt macht?" Der älteste derartige Reim aufBukko" meint, wie bekannt, den Gegner Kaiser Heinrich des Vierten, Bischof Burkhard von Halberstadt. Einen noch älteren ReimHeiopopeia!" aus dem Griechischen (Heudu mu paidiou, heudu mu pai") ab­zuleiten, enthüllte sich dagegen den Wissenden als interessante Spielerei. Ein Abzählreim, der vor 50 Jahren in Darmstadt im Gebrauche war, zeigt sich als Verzerrung eines französischen Originals, sowie man die Uebersetzung gegenüberstellt:

ene, bene, do, uv, aeux, troia,

kapriele mo, Gabriele ineart,

kapriele dit ricn Gabriele dit rien,

kapriele mo Gabriel est morte.

Von Mcnm aus, wo ein Vierteljahrhundert lang Fran­zosenkinder die Straße beoölkerteii, Soldatenkuider, Tambours il. s. w., flog der Reim leicht nach Darmstadt herüber, und er erzählt, iva§ das Volk dachte über die Liebe und die Eifersucht König Heinrichs des Vierten zur schönen Gabriele d'Eströes, und wie es sich ihr Ende zurechtlegte.

Berlrn, 21. Tez. Prinz Friedrich Leopold sollte vor einigen Tagen beim Schlittschuhlaufen aus dem Griebnitzsee bet Gllenecke ein geb roch en sein. Wie die ?ld- jutautur des Prinzen jetzt mrtteilt, ist dies von Potsdam aus in die Welt gesetzte Gerücht falsch. Es steht zu ver­muten, daß ein vor Jahren stattgehabter Unfall bei Prin­zessin Friedrich Leopold in dieser falschen Form wieder aujgewärmt worden ist. Ein Opfer seines Be­rufes ist ht Potsdam der Oberstabsarzt Dr. Sommer vom 2. Garde-Fcldartillerie-Regiment geworden. Bei der Behandlung eine-» thphuskranlen Soldaten hatte er sich injiziert und starb, wahrend sein Patient wieder hergestellt wurde.

* Finsterw alde, 20. Tez. Wie derFinsterwalder Anzeiger" meldet, ist heute vormittag das Maschinen­haus der Grube Hansa bei Tobrrtugk eingestürzt. Ter Maschinenwärter ist umgekommen, die Betriebs-Ma­schinen sind beschädigt. Ter Betrieb ruht.

Köln, 20. Tez. Im benachbarten Kalk wurde ein 'Kann verhaftet, der im Verlause eines Ebezwistes seiner Frau tötliche Verletzungen beigebracht hatte. Bei seiner Festnahme bezichtigte er den gegen ihn auftretenden Schwager einer Nkordthat, die dieser vor sieben Jahren in Siegen aus-', chrt habe. Sofort angefte; - Recherchen ergaben, daß äc. lich um die anaegebf? Zeck dort- selbst ein Mt rmordet unb berruor worden ist, die Mordthat abei . he ungesühnt dli b Dar man zur Jerhas.uua des Befchuloi, .en.

* Elb c r f e l o, 23. Dez. Eine aus vier :^n be- stetzendc Falschmünzerbande, die in b. letzten

Woche hier, in Barmen, Köln und in einer Reihe anderer Städte am Rhein falsche Fünfmarkscheine in Umlauf gesetzt bat, ist von der Kriminalpolizei sestgenommen morben* sie bestand aus den Eheleuten Lithograph Emil Werthg von hier und den Eheleuten Arbetter Thiel von Bannen. Bei einer Haussuchung wurden noch über 700 falsche Scheine sowie die zur Herstellung nötigen Gerätschaften gefunden. Bei der Verhaftung der Leute fanb man üi ihrem Besitz auch noch einige 20 Scheine. In Köln allein sind 40 solcher Falsifikate zur Ausgabe gelangt. Tie Scheine sind täuschend ähnlich nachgemacht und waren nur daran zu erkennen, daß die Strafandrohung verwischt und daß die Fasern aufgedruckt sind.

* M ü n ch e n, 20. Tez. Nach den Abendblättern wurde die Vorsteherin des M axim ilian w ai sen st i ftes, Fräulein Elise von Häusler, verhaftet, angeblich wegen eines Vorfalles im Juni, wo eine Krankenschwester nach dem Genuß von Kaffee an Vergiftungserschemungen erkrankte.

* Madrid, 23. Tez. Der Schreiber des anonymen Briefes an den hiesigen französischen Botschafter, der die Verhaftung der Humberts herbeigeführt hat, ist, einem bestimmt auftretenden Gerücht zufolge, der Mieter des von den Humberts bewohnten Hauses. Er war durch das Benehmen der Familie Humbert stutzia gemacht unb gewann, nachdem er die Photographien gesehen, die Gewiß­heit, daß die Fremden die Humberts seien.

Ausländische Geschenke für den Kaiser trafen dieser Tage im Neuen Palais ein. König Eduard von England schentte einen Eberkopf, einen Plumpudding und noch ein englisches Nationalgericht. Ter Kaiser har seinerseits dem englischen Oheim auch einen Eber köpf und außerdem eine Anzahl neuer Photographien mit eigen­händiger Widmung gesendet. Vom Sultan kam eine große, prächtig verzierte Kiste mit allerhand orientalischen Süßw- leiten. Außerdem enthielt diese Kiste mehrere Geschenke für die kaiserliche Familie.

* Heber Die Verhaftung des Defraudan- t e n N e ß l e r liegen jetzt folgende Einzelheiten vor: Neßler hatte sich seit zwei Tagen im HotelZum Adler" in Brunnen einlogien, dessen Besitzer zufällig der Sck)wieger- vater des schwyzerischeu Staatsanwalts Dr. Bühler ist. Neßler lebte sehr zurückgezogen und war dem Hotelier bereits durch sein scheues Benehmen aufgefallen. Nun erschien Montag morgen in alten größeren Zeitungen der Schweiz der Steckbrief der Berliner Staatsanwaltschaft mit dem Bllde Neßlers und genauen Dignalementsangaben. Neßler las zusällig dieNeue Zürcher Ztg." und sah sein Bild. Er zuckte dabei merkwürdig zu,ammen. Tas mürbe Dom Personal bemerkt; der Hotelbesitzer Ausder- maur wurde beim Anblick des Bildes ebenfalls stutzig, louftatierte die merkwürdige Aehnlichkeit zwischen fernem Gaste und dem Verfolgten und telephonierte an den Staatsamvalt. Dieser tarn sofort von Schwyz nach Brunnen, uut) ließ Neßler auf Grund der gemachten Wahr- uehmungen durcl> zwei Beamte festnehmen. Der Ver­haftete gestand bei seiner Vernehmung die von chm be­gangenen Unterschlagungen ein.

* Das Erdbeben in Äschabad wird, wie der Sonderberichterstatter derSakaspiiskoie Lbosrenje" drahtet, täglich stärker. Das Gebiet der Erderschütterung beträgt 200 Quadrat-Werst. Tie russische Bevölkerung wurde nach der Eisenbahnstation gebracht, wo 600 Waggons zur Verfügung stehen. Der Generalgouverneur von Turkestan, General Jwauoff, und der stelwerlretende Direktor der Eisenbahn, Ingenieur Ossipofs, richteten Baracken und Kibitkerr ein und sammelten Waggons an, in die alle Regierungsbehörden übergesührt wurden. Tie Rettungs­mannschaften sind eifrig mit den Aufräumungsarbeüen beschäftigt. Es sind gegen 4000 P e r f o n e n dem Erd­beben zum Opfer gefallen. In dem von Ein­geborenen bewohnten Stadtviertel sind bis jetzt 800 Leichen ausgegraben worden. Es wurden Küchen eingerichtet, in denen ohne Entgelt Speisen abgegeben werden. Nack/ Andischan mürben viele Arbeiter entsandt. Die Staatsrentei, in der sich 5 Millionen Rubel befinden, liegt in Trümmern. Die Äusräumungsarbeiten werden unter Aussicht vorgenommen. Das Wasser in den Brunnen ist versiegt. Man befürchtet eine Senkung des Bodens.

* Opfer des Meeres. Nach einer Zusammen­stellung der Londoner Handelskammer sind in den letzten 25 Jahren nicht weniger als 6770 englische Sch isse untergegangen, wobei insgesamt 41806 Persone n umgekommen sind. Von diesen kommen 36 038 aus die Mannschaften der verunglückten Schiffe, während o7<0 Fahrgäste, Lotsen oder andere nicht zur Bemannung ge­hörige Personen waren. Tie Turchschnittsziffer für -tvoe»- fälle auf See während eines JcchreS wird mit 16<2 an­gegeben. Tas letztverflossene Jahr brachte nur 1011 Todes­fälle, also 561 unter dem Durchschnitt. Aus den Angaben läßt sich, so groß die Verluste auch noch immer |uw> doch oer Schluß ziehen, daß die jährlick-e Turchjchnutv- nifer im Abnehmen begriffen ist, und zwar vor alten Gingen, wenn man das Verhältnis zu ber Zahl dcr Über­haupt zur See gehenden Leute berücksichtigt.

* Getäuschte Ho ff nun g. Georg:Liebe Leonie, liebst Du mich'.'"' Leonie:Ach Georg!" Georg: Wrrklich, Leonie! So ein ganz klein wenig'?" Leome. ,,'Nuuun jaa, Georg!" Georg:Ünd wenn ich Dich heirate, würde uns dann Dein Vater ein 4-atw einrichten'?" Leonie: ,Ha Georg!" Georg:ana mich in sein Geschäft ausnehmen?" Leome: ,,^a, Georg!" Georg:lind mürbe Leine Mutter von uns wegbteiben, mu Ausnahme, wenn ich sie einlut)e f' Leonie:Gewiß, Georg!" Georg:ünd aemc -otuoer unb Schwestern ebenso?" Leonie:Aber sicher, Georg. Georg:Und natürlich würde der alle Herr meine SckMden bezahlen'?" Leonie:Natürlich, Georg. Georg:Liebling, willst Du mich heiraten ?" Leome. Nein, Georg!" Lustige Blätter.) ... . ,

* Energische Jungfrauen. In Koncg^hutt haben junge Damen, die sicy berufen fühlen, einc11 -L'ta5l. zu beglücken, unb dteserhalb so balo als mogluh dw Ehe erngehen ntöchten, einen ^lub gegründet, ber otn Zweck verfolgt, heiratsfähigen ^unglingcn bu? Bortem. De Ehe plausibel zu mau)en und diesen Heiratsantrage zu

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