Ausgabe 
24.10.1902 Zweites Blatt
 
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Freitag 24. Oktober 1902

152. Jahrgang

Zweites Blatt.

ietzener Anzeiger

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Amts- md Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Die heutige Yummer umfaßt 12 Seiten.

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Volitische Tagesschau.

Der Kampf um die Zolle.

Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter tmterm 23. Oktober:

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Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Sefstschen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal tn der Woche beigelegt.

Rotatton6ömc? u. Ver­lag der Brüh l'schen Untvers.-Buch- u. Stein* druckerei (Pietsch Erben) Nedattion, Expedition und Druckereir

Lchutstratze 7.

ttbtefie füt Depeschen: Anzeiger Gießen.

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Auch ohne Vorstellungen von anderer Seite dürfte ein solcher Abgeordneter die Konsequenzen in der Rich­tung ziehen, sich bei kommerrden Wahlen nicht abermals zu binden."

ParLeiuachrichLen.

Einen völligen Frontwechsel mußten nach Ansicht der antisemitischenDachsenschau" in Magdeburg die Antisemiten vornehmen.SieSachsenschau" ist mit dem Vorgehen derStaatsb. Ztg." im Konitzprozeß nicht einversvanden. Sie Antisemiten seien mit ihrem bisherigen Vorgehenüberhaupt nicht auf dem rich­tigen Wege gewesen", denn sonst hätten sieandere Fruchte sehen" müssen. Erstens seien die Antisemiten zu früh auf dem Kampfplatz erschienen, und ferner hätten ie sich für Leute aufgeopfert, welche das Opfer nicht wert waren. Sie Antisemiten seien für christliche Geschäftsleute und Handwerker eingetreten, von denen der größte Teil es für gut befunden, die Antisemiten zum Lank dafür öffentlich zu beschimpfen. Von der Staats-, Militär- und Justizverwaltung wurden selbst die akademisch gebildeten Antisemiten öffentlich gesellschaftlich boykottiert und wie die Pest gemieden. Ser einzige Weg, der die Antisemiten in absehbarer Zeit zum Ziele bringen werde, so schreibt dieSachsenschau", sei: Wir müsseneinen völligen Front­wechsel vornehmen, den Judenfreunden die Juden überall als Muster hinstellen, dafür sorgen, daß überall an ine Stelle liberaler und foziatdemotratifcher christlicher Führer Juden treten, wir müssen die Juden überall loben, statt auf die uns von chnen drohenden Gefahren hinzulveisen, wir müssen auch die übrigen Parteien als Antisemiten verschreien, falls sie nicht überall Mische Kandidaten bei Den Wahlen auf stellen."

Khm Krügers Memoiren.

Aus dem Memoirenwerk Paul Krügers, das Mitte No» vember in London bei Fisher und Unrein erschienen soll, bringt dieTimes" eine Reihe von Auszügen. Sie schil­dern , reie Krüger im Kampfe mit wilden Tieren und in Verteidigung gegen wilde Völkerstämme sich und seinem Volke eine Heimat gewann, und wie er sich diese sicheute durch nüchterne Ausnutzung der Uneinigkeit urfter den Ein- geborenen.

Sie Memoiren (die heute in demSag" auszugsweise veröfsentlichtt werden) setzen mit seiner Jugend ein. Sie Auswanderer, die den großen Treck bildeten, dem Krügers Vater sich anschloß, eroberten das Land Schritt für Schritt, und der damals neun Jahre alte Paul re ar .schon ein tapferer Mitkämpe. Krüger erzählt:Ich schoß meinen ersten Löwen im Jahre 1839. Sam als war ich 14 Jahre alt. Ein Löwe hatte unsere Herden angegriffen und mehrere Stück Vieh geraubt, die am Rhenosterfluß (im späteren Oranjefreistaat) weideten. Sechs Mann machten sich zum Kampfe gegen den Räuber auf, ich selbst war der siebente, zählte aber nicht mit. Wir waren alle zu Pferde und ritten in zwei Abteilungen; ein größerer Raum lag zwischen uns. Ser Löwe sah uns von weitem kommen und stürzte mit wilder Kraft auf uns los. Sie drei Erwachsenen, mit denen ich ritt: mein Vater, mein Onkel und mein Bruder, banden schnell die Pferde zusammen und drehten sie mit den Köpfen von dem Löwen fort, der auf uns losstürzte. Sas wird bei Löwenjagden immer so gemacht, damit die Pferde nicht scheuen. Meine Berwandteu postierten uns; ich kam, vom Löwen aus gerechnet, vor die Pferde zu sitzen. Ein Sprung brachte ihn in meine unmittelbare Nähe, dann streckte er sich und holte zum letzten Sprunge aus. In diesem Augenblick feuerte ich. Ich hatte so glücklich ge­zielt, daß er mausetot war. Es war ein starkes Tier. Der Schuß lockte die anderen drei herbei. Ein gewisser Hugo iniete nieder, um die mächtigen Fangzähne des toten Tieres zu messen. Gleichzellig sprang ich, nichts Böses denkend, auf dessen Leib. Sofort erscholl ein furchtbares Gebrüll. Hugo vergaß seine Zahnmessung und fiel platt auf den Rücken. Sie anderen lachten sich halb tot, denn jeder Jäger weiß, daß, wenn man einem toten Löwen auf den Malgen springt, die darin befindliche Luft durch den Rachen entweicht und ein Brüllen erzeugt, als ob das Tier noch am Leben wäre. Hugo wollte mir eine Tracht Prügel verabfolgen, aber die andern legten sich zu Gunsten meiner Unerfahrenheit ins Mittel.

Ein viel gefährlicheres Abenteuer hatte ich auf einet meiner letzten Rhinoceros-Jiagden mit meinem Schwager und treuen Jagdgenossen Thennissen. Ich hatte eben ein Nashorn geschossen und auf der Stelle getötet als ich in der Entfernung auch Thennissen schießen hörte. Ich galoppierte zu ihm, unterwegs meine Flinte ladend, und sah, wie ein von Thennissen angeschossenes Rhinocerosl sich durch das Unterhotz aus dem Staube machen wollte. Thennissen rief mir eine Warnung zu, aber ich kannte ihn als übervorsichtig, sattelle ab und rannte schräg auf das verwundete Tier zu. Kaum hatte es mich erblickt, als es auf mich znlief. Ich ließ es bis auf drei oder vier Ellen herankommen und feuerte, aber das Zündhütchen meines rechten Laufes versagte, und ich hatte keine Zell zu einem zweiten Schuß. Ich konnte nichts machen als ausreißen und auf Leben und Tod laufen.

Sie Kämpfe mit den Eingeborenen begannen an dem Tage, an dem die Trecker mit dem grausamen Matabele- Eönig Mvselikatze in Berührung kamen. Mvselikatze, auf den der große Treck von 1836 zwischen Rhenofter und Waal stteß, war der unbedingte Herr des ganzen Gebietes west­lich des Limpopo und der Trachenberge. Alle Makatesen und Matabelen hatten sich ihm unterworfen. Er behandelte seine Untertanen wie Hunde und nannte sie auch so. Flogen Geier über seine Hauptstadt, so ließ er ihnen alte Weiber zum Fräße vorwerfen. Als er vom Herannahen des Trecks hörte, sandte er 2000 Krieger ihnen entgegen. Sie Trecker waren der Größe ihrer Herden wegen in Heinen Abteilungen an den Ufern des Vaal und Rhenofter entlang verteilt. Sie wurden von den Moselikatz e-Leuten üb erfaßen und zum Teil niedergemacht. An dem Rachezuge gegen Moseli- katze unter Potgieter nahm ich teil, es gelang aber nicht, ihn zu fangen; wir nahmen aber fein Land in Besitz, und ein Teil seiner Unterhäuptlinge war froh, seiner Grausam­keit in unseren Schutz entfliehen zu können." Zum Abschluß der bekannten Konvention aus dem Kampfe gegen den Kaffernhäu ptling Seicheli erzählt Krüger:Ser Sturm auf die Stadt begann Montag morgen. Ich war unter den Vordersten und tötete mehrere Kaffem mit meinem Vierpfünder, den ich mit grobem Schrot geladen hatte. Als der Hügel erstürmt war, schoß Luis-de-Plessi gegen einen Felsen, und die zurückprallende Kugel traf mich an den Kopf, sodaß ich bewußtlos niedersiel. Ein Kafsernjunge hielt durch wohlgczielte Schüsse die Feinde von mir fern; als ich wieder zu mir kam, bemerkte ich, wie trotzdem Kaffem hinter Felsblöcken auf uns zu krochen und unser ganzes Kommando in höchster Gefahr schwebte. Ich sprang sofort auf, und obwohl ich keine Flinte hatte, konnte ich die Führung übernehmen und die andrängenden Schwarzen §urücf treiben. Bald darauf rraf mich eine schwere Musketenkugel auf der Brust und durchbohrte mein Wams. Ser schlaue Setcheli sagte spärer, er habe es bis zuletzt in der Gewalt gehabt, mich zurüc^uschlagen, aber von dem Moment an, wo ich Gelegenheit hätte, nach meiner Brannt- w einflasche zu greifen, sei ich immer unbesiealich. Dabei habe ich in meinem ganzen Leben keinen Schnaps ge trunken. Als der Kampf gegen Setchell zu Ende war, sandte Kommandant Scholtz nach dem Hause des englischen Missionars Livingstone, das nicht re eit von der Käffern- ttabi entfernt lag. Lheunis Pretorias fand hier eine voll-

Eeit einigen Tagen wird vor dem Landgericht zu Berlin ein Beleidigungsprozeß verhandelt, der die Schul­zustände auf dem ostpreußischen Staatsgestüt Trakehnen in eigenartiger Weise charakterisiert. Auf dem umfang­reichen Landgebiete dieses Gestüts befinden sich verschiedene Volksschulen, deren Lehrer in vielen Punkten von dem Landstallmeister von Dettingen abhängig sind. Bor einigen Jahren sind im preuß. Abgeordnetenhause Unzuträglich­reiten, die sich daraus ergeben haben, kritisiert worden. Eine Veröffentlichung über denselben Gegenstand hat zu der Anllage wegen Beleidigung des Herrn von Dettingen ge­führt. Sie Beleidigungen sollen verübt sein durch Sanitäts­rat Felix Paalzow und Lehrer Dtto Nickel in Trakehnen. Paalzow hatte auf Grund von Mitteilungen Nickels an ihn einen Artikel in der FachzeitungPferdefreunde" veröffentlicht, in dem er behauptete: Verschwendung, Uebertrctung bestehender Gesetze durch den Landstallmeister habe die Sozialdemokraten im Gestüt Trakehnen hoch ge­bracht. Lehrer Mckel verbürgte sich für die Wahrhell seiner Mitteilungen, die Lehrer in dem zum Trakehner Bezirk gehörigen Schulen seien sehr schlecht behandelt worden, seitdem v. Dettingen nach Trakehnen gekommen sei.

Ser Beleidigungsprozeß hat schon eine ganze Reihe sehr unerbaulicher Singe enthüllt. Nickel wird zum An­kläger, und der Beleidigte Herr v. Dettingen hat alle Hände voll zu thun, sich zu verteidigen. 2lm Donnerstag rückten wieder nicht weniger wie 52 Zeugen aus Trakehnen ein. Sas steht bereits jetzt fest, daß derSieger von Königgrätz", der Lehrer zu der allerkümmerlichsten, alleruntergeord­netsten Rolle in Trakehnen verurteilt gewesen ist, daß die jhilturaufgabeii in erbarmenswertester Weise litten, daß auf der einen Seite keine Mittel für die notwendigsten Schulbaus-Reparaturen bewilligt wurden, während anderer­seits alles Mögliche für die Pflege und den Komfort der edlen Rosse geschah. Sie preußische Regierung, die dem Prozeß mit erklärlicher Aufmerksamkeit folgt, wird mit nicht geringer Verwunderung erfahren, in welchem ko-

gelten. Dieselben werden aber noch bis Ende 1903 bei bei den Reichs* und Landeskassen in Zahlung genommen.

Sie Verbreitung der in Pittsourg (Amerika) er­scheinenden periodischen Zeitschrift Wielkopolanin ist in Deutschland auf die Sauer von zwei Jahren ver­boten.

Der Reichstagsabg. Jacobsen, welcher den dritten schleswig-holsteinischen Wahlkreis bertritt, hat sein Man­dat niedergelegt.

Aus Torgau wird berichtet: In einer Versammlung der Vertrauensmänner der konservativen Partei und des Bundes der Landwirte erklärte Frhr. v. Wangenheim, er würde es in Zukunft ablehnen, ein Mandat für den Reichstag und den Landtag anzunehmen. Mehrere Mitglieder sprachen darauf ihr Bedauern über den Verlust des bisherigen Abgeordneten aus.

Der Bundesrat stimmte in seiner heutigen Sitzung den Anträgen der Ausschüsse betr. Bewilligung des Veredelungsverkehrs zur Herstellung von Backwerk für Pferdefütterung betr. Feststellung des Gesamt- tontingentd an Zucker für das Betriebsjahr 1903/1904, sowie dem Ausscyußantrage betr. den Zollverwaltungs- loftenetat für das Großherzogtum Luxemburg zu.

In Sachen des Kartell-Wesens sindet am 14. nächsten Monats eine Vorbesprechung statt, zu der Graf Posadowsky Einladungen an Professoren der Natio- nal-Oekonomie, hervorragende Vertreter von Handel und Industrie sowie eine Reihe Parlamentarier aller Parteien einschließlich der Sozialdemokratie hat ergehen lassen.

Die Reichstagskommission für den Gesetz­entwurf betreffend die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben nahm nach mehrstündiger Debatte unverändert den Paragraphen 1 an unter Ablehnung der Anträge der Sozialdemokraten auf Einb eziehung landwirt­schaftlicher Betriebe in die Vorlage. Außerdem nahm die Kommission einstimmig eine Resolution Trim- born (Ztr.) an, welche Regierungserhebungen über die Lohnbeschäftigung de r Kinde r in der Land­wirtschaft und den Nebenbetrieben derselben, deren Ge­fahren für die Gesundheit und Sittlichkeit und die wahre Bekämpfung der Gefahren fordert.

Das Kriegsministerium hat verfügt, daß tvährend des Winterhalbjahres Arbeiterentlassungen in den Militär-Werk st ätten nicht vorgenommen werden sollen.

Anläßlich der Rekruteneinstellung sind im Verlaufe der letzten Woche die Unteroffiziere und Aus- bildungsmannschaften erneut mit der kaiserl ichen Ordre oertraut gemacht worden, welche die Mißhand­lung der Soldaten verbietet. Es wurde hinzu- gefügt, daß auf Grund der kaiserlichen Auslassung jeder geringste Verstoß gegen die ordnungs- und pflichtgemäße Behandlung von Rekruten zur Bestrafung weiter gemeldet werden würde. Ganz neu ist nach derVolksztg." der Hinweis an die Kammer-Unteroffiziere, beim Verpassen der Helme ja recht vorsichtig LU sein, und die Helme nicht aus Scherz den Rekruten mit Wucbt aufzustülpen. Hier­durch seien öfter die Leute ernstlich kopftrank, ja geistes­gestört geworden,» was immer eine schwere Bestrafung des Unteroffiziers nach sich ziehen mußte. Mit den wegen Mißhandlung bestraften Unteroffizieren soll in Zukunft nur ganz ausnahmsweise weiter kapituliert werden.

Ein gutes Wort für die Nationalliberalen, welche trotz des Eisenacher Beschlusses für die höheren Getreidezölle des Kommissionsvorschlages stimmten, legt dieNationallib. Korr" bei der nationalliberalen Frak­tion ein. Sie nat.-liberale Partei werde gut thun, mit dendissentierenden Mitgliedern der Fraktion nicht wegen ihrer Stimmabgabe zu rechten. Es wäre ja nicht ausge­schlossen, daß von chnen em oder der andere Abgeordnete sich bei der Abstimmung durch siühere Erklärungen, die er unter anderen Situationen abgab, bedrängt gefühlt hat.

Deutsches Reich.

Berlin 23. Dkt Kürzlich wurde berichtet, Kaiser Wilhelm werde bei seinem bevorstehenden Besuch m England an Mannschaften seines englischen r a - goner-Regiments, das erst vor wenigen Wochen aus Südafrika zurückgekehrt ist, eine Anzahl Kriegs-Me­daill e n verteilen. Wie der ,,Nat.-Ztg. von mllllari^ scher Seite mitgeteill wird, besteht eine solche Absicht des

Ser Kaiser hat dem von hier nach 18 jähriger Amtsthätigkeit scheidenden dänischen Gesandten von Vin d das Großireuz des Roten Adlerordens verliehen.

TerReichs-Anzeiger" veröffentlicht eine ^emimt- machung dos Reichskanzlers vom 18. ds, wonach die 20 Pfennig-Stücke aus Nickel vom 1. Januar 1903 a» nicht mehr als gesetzliches Z ah i u n g5 m 111e

ve-agspretsi monatlich 7bPst vierte!» jährlich Mk. L20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. Viertel­jahrs auöfchl Bestellg. Annahme von Anzeigen tut die TngeSnummer bifl oormUlagfl 10 Uhr. ßetlcnpreifl; lokal ILPst auswärts 20 Pfg.

Veranl wörtlich« Sx den oolit. u. allgem. eil; P. Witiko: für .Stadt und tianb* und .Gerichtsjaatt: (Sari Plato, für den An­zeigenteil: Hanfl Beck.

Sie Diskussion über den Gerste- und Haferzoll Nahm heute geraume Zeit hindurch schleppenden Verlauf. Einen von der Rechten und dem Zentrum nunmehr ge­stellten Antrag auf Schluß der Debatte parierte die Linke dadurch, daß sie namentliche Abstimmung durchsetzte. Sie Mehrheitsparteien erreichten indessen ihren Willen, mit 209 gegen 104 Stimmen wurde die Abdämmung der Rede­flut zum Beschluß erhoben; was dem Abg. Bargmann (fr. Volkspll unmöglich machte, dem Standpuntte der olden- burgijcyen Lanowirte Ausdruck zu geben. Der Rest der Sitzung gehörte den Schriftführern: sie hatten nicht weni­ger als drei weitere Namensaufrufe zu bewirken. Der Antrag Sr. Heim (6 Mark-Gerstenzoll) wurde mit 242 gegen 83 Stimmen abgelehnt. Sie national!. Adgg. St. Deinhardt und Graf Oriola stimmten auffallen­der Weise auch für diesen hohen Gerstenzoll. Ser von der Kommission vorgeschlagene Satz (5i/8 Mark) fand mit 183 gegen 133 Stimmen Annahme. Damit war die Regierungsvorlage (3 Mark) auch hier gefallen. Ser Haferzoll wurde gleichfalls nach dem K o m mis­st o n s v o r s ch la g (51/2 Mart) mit 180 gegen 139 Stim­men angenommen.

Nunmehr ist die Reihe an den Pferde- und Viehzöllen, deren Erörterung mehrere Tage (Fleischnot!) füllen wird. Nach der Abstimmung über die Viehzölle dürfte ein beschlußfähiges Haus sich nicht mehr zusammenhalten lassen. Schon heute war die Präsenz eine geringere, als bei den Abstimmungen über den Roggen- imd Weizenzoll.

Ostpreußische Schulzustände.

lossalen Umfange die Verwechslung von Mein und Sein in Trakehnen fast zur Gewohnheit geworden ist, so daß sich, nach der letzten Verhandlung, einmal eine ganze Schulklas e auf fragen zum Diebstahl bekannt hat. Nicht minder entfernt davon, als Muster zu bienen, i]t die Trakehner Wirtschaftsführung. Zwar stellen Beamte und Dorre er lsoorfteher entschieden in Abrede, sich unrechtmäßig Sachen angeeignet zu haben, aber eS tritt doch vielfach eine Eigenmächtigkeit zu tage, die jehr leicht bei unzuläng­licher Kontrolle zu Versuchungen und Verfehlungen fuhren kann. Im preußischen Abgeordnetenhaus werden die Tra­kehner Zustande nochmals hell beleuchtet werden.