k
Höchste Temperatur
Niedrigste „
am
AMTLICH GLiNZEND BEGUTACHTET:
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Unwer sttäts-Uachrichten.
— Der Historiker Professor Dietrich Schäfer in Heidelberg ist als Nachfolger des verstorbenen Professors Paul Scheffer- Boichorst an die Unwersität Berlin berufen worden. Der Heidelberger Gelehrte, der das Lehramt für mittelalterliche Ge- chichte vertritt, wird diesem Rufe wahrscheinlich schon zum Winter--
Nach dem Gebrauch von Wasser und Seife hat man sich gewohnt, das Kulturniveau nicht nur eines ganzen Volksstammes, sondern auch jeder einzelnen Persönlichkeit zu be- urieilen. Wie uns scheint, nicht ganz mit Recht, denn es giebt viele Menschen, besonders Damen, denen jede Seife körperliches Unbehagen, Jucken und Brennen auf der Haut verursacht. Diesen zum Trost mag hierdurch mitgeteilt sein, daß es endlich gelungen ist, eine ToileUeseife herzustellen, welche frei von jeder Schärfe ist, mild, zart und erfrischend auf die Haut und verbessernd auf den Teint einwirkt. Diese neue Toilettenseife wurde unter dem Namen Bacheberle's Hygienische Priskalin-Seife in den Handel gebracht und ist in allen Apotheken, Drogerien, Parfümerien und besseren Friseurgeschäften zum Preis von öO Pfg. per Stück zu haben. 5049
Ein gutes Stück Seife gehört zu den unentbehrlichsten Requi-- siten eines jeden Haushalts. Keine Seife hat sich wohl schneller in der Gunst des Publikums festgesetzt, als die Lanolin-Seife —* mit dem Pfeilring.
daß sich während der Vorlesung »och in den darauf erschienenen Zeitungskritiken Anzeichen dafür ergaben, daß irgend welche sittliche Empsirwungen durch den Inhalt des Stückes verletzt worden wären.
Frankfurter Hypothekenbank. Nach dem HalbjahrsausweS bezifferte sich am 30. Juni der Bestand der umlaufenden Obligationen auf 329,42 Mill. Mk. (31. Dez. v. I. 316,73 Mill. Mk.) und der Negisterhypotheken auf 336,07 Mill. Mk. (322,27 Mill. Mk.)
ElektrizitätS-Att.-Ges. vorm. W. Lahmeyer u. Co. in Frankfurt a. M. Auf der Tagesordnung der Generalversammlung teht auch: Ergänzung der Statuten beziehungsweise der statthaften Höhe der Ausgabe von Obligationen auf den einfachen Betrag des Grundkapitals. Nachdem die Lahrn eyer-Geseüschaft sich die Deutsche Gesellschaft für elettrische Unternehmungen angegliedert hat, beträgt ihr Aktienkapital 19 790000 Mk. Die Anleiheschuld setzt sich olgendermaßen zusammen: eine 4proz. Anleche von 1898, wovon nach der letzten Bilanz noch 1959 000 Mk. ungetilgt waren, ferner eine 4V,proz. Anleihe von 1901 in Höhe von 4 Millionen Mark und schließlich eine 4V,proz. Anleihe von 1902 im Bettage von 81/, Millionen Mk. zur Einlösung der Obligationen der Deutschen Ge- elljchaft für elektrische Unternehmungen. Die ganze Anleiheschuld beträgt also ca. 14,4 Mill. Mk. Wenn nun Obligationen bis zur Höhe des Grundkapitals ausgegeben werden dürfen, würde die Verwaltung durch die Annahme des erwähnten Antrages noch das Recht erhalten, Obligationen bis zum Betrage von ca. 5,3 Mill. Mark zu emittieren. Mit obigem Anträge will sich die Verwaltung zwar gewissermaßen selbst die Hände binden, wenigstens einstweilen, immerhin ist auch bann noch die Erhöhung der festen La st en der Gesellschaft eine unliebsame Heber» raschung für die Aktionäre. Es ist auch sicherlich keine Verbesserung der Lage der Gesellschaft, wenn die f e ft e n S ch u l d e n bis znr Höhe des eigenen Kapitals vermehrt werden, zumal da in der letzten Bilanz auch noch ca. 7,8 Millionen Kreditoren figurierten. Daß die Gesellschaft aber neue Mittel brauchen kann, geht aus dem Abschlüsse für 1901/02 hervor, der nach außerordentlichen Abschreibungen von 1949 582 Mark einen Verlust von 2 493 872 Mk. ergab.
— Wie der deutschen Bergwerksztg. aus zuverläffiger Quelle mitgeteilt wird, haben die Gebrüder Röchling in Saarbrücken 20 Kohlenfelder von Racky erworben.
— Das ..Statist. Jahrd. für das Deutsche Reich" enthätt ernt Anzahl von Berechnungen über den Verbrauch von wichtigen Lebensbedürfnissen im Deutschen Reich. Wir entnehmen daraus folgendes: Ter Weizenverbrauch hat int letzten vom 1. Juli 1900 bis 30. Juni 1901 berechneten Jahre 91,0 Kilogramm auf den Kopf betragen gegen 89,8 im Jahre 1899 bis 1900 und 88,7 im Durchschnitt der Jahre 1893 dis 1900, zeigt also eine ziemlich erhebliche Zunahme. Der Roggenverbrau ch ist im letzten Jahre gegenüber dem voraufgegangenen zwar von 144,6 auf 147,6 Kilogramm gestiegen, aber gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1893 bis 1900, der 150,1 Kilogramm betrug, zurückgeblieben. Der Verbrauch der Ger ft e betrug nur 65,9 Kilogramm gegen 69,5 i. I. 1899/1900 und 68,4 im Durchschnitt 1893 bis 1900. Der Haferverbrauch war mit 121,1 Kilogramm im letzten Jahre größer als je ziwor; im Durchschnitt der voraufgegangenen acht Jahre betrug er 110,1 Kilogramm. Der in den einzelnen Jahren je nach der Ernte stark schwankende Kartoffelverbrauch belief sich im Jahre 1900/01 auf 604,6 Kilogramm gegen 571,5 im achtjährigen Durchschnitt. Der Branntweinverbrauch bettug, wie im vorausgegangenerr Jahre 6,3 Liter auf den Kopf, wovon 2,0 (1899/1900 1,9) Liter zu gewerblichen Zwecken dienten. Der B i e r v e r b r a u ch ist im Brausteuergebiet im stetigem Steigen; er betrug im Jahre 1900 106 Liter auf den Kopf gegen 104 im Jahre 1899, 88 Liter i. I. 1890 und 62 Liter i. I. 1880. Im übrigen Deutschland hat im Jahre 1900 ein mehr oder minder großer Rückgang des Bieroer- brauchs stattgefunden, der am größten war in Württemberg mit 181 gegen 193 Liter im Jahre 1899 uud in Baden mit 161 gegen 170 Liter. Der Tabakverbrauch betrug im Jahre 1900 1,6 Kilogramm auf den Kopf gegen 1,5 t I. 1899. Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre find 1,7 Kilogramm^ verbraucht gegen 1,5 in den voraufgegangenen 5 Jahren. Der Salzverbrauch berechnet sich im Jahre 1900 auf 17,7 Kilogramm gegen 18,0 im Jahre 1899, darunter 7,7 (7,9) Kilogramm zu Speisezwecken. Der Zuckerverbrauch, der in den 70er Jahren nur 6,0 Kilogramm auf den Kopf betragen hatte, ist bis 1899/1900 allmählich auf 13,7 Kilogramm gestiegen, hat aber 1900/02 nur 12,3 Kilogramm betragen. Der Kohlenverbrauch ist sehr stark gelegen. Im Jahrfünft 1876 dis 1880 betrug er 1170 Kilogramm auf den Kopf, 1881 bis 1885 1445, 1886 bis 1890 1686, 1891 bis 1895 1920, 1896 bis 1900 2376, im Jahre 1900 sogar 2662 Kilogramm. Noch stärker ist der Verbrauch von Roheisen gestiegen, der im Jahre 1876 bis 1880 durchschnittlich 51,6, von 1891 bis 1895 dagegen 98,6 und von 1896 bis 1900 142,0 Kilogramm, 1900 sogar 162,5 Kilogramm betrug. Noch weit erheblicher gestiegen ist der Verbrauch einiger im Auslande erzeugten Waren. Es sind verbraucht auf den Kopf im Jahre 1901 rohe Baumwolle 5,73 (1896 bis 1900 durchschnittlich 5,54, 1876 bis 1880 2,86) Kilogramm, Gewürze 0,16 (0,16 und 0,12) Kilogramm, Heringe 3,o9 (3,30 und 2,38) Kilogramm, Kaffee 3,01 (2,69 und 2,33) Kilogramm, Kakao 0,30 (0,28 und 0,05) Kilogramm, Reis 2,13 (2,39 und 1,66) Kilogramm, Südfrüchte 2,15 (1,98 und 0,61) Kilogramm, Thee 0,06 (0,05 und 0,03) Kilogramm, Jute 1,94 (1,71 und 0,32) und Petroleum 16,89 (16,97 und 5,40) Kilogramm.
Märtte.
Limburg a. d. L., 23. Juli. Frachtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 11.70 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 9.10 Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.
Kunst und Wissenschaft.
Bayreuth, 23. Juli. Heute fand die Ausführung des a r s i f a I" statt. Nach Schluß der Vorstellung brach stürmischer Beifall los, der andauerte, bis das Schlußbild nochmals gezeigt wurde. Parfifal wurde von Schmedes-Wien, Kundry von Wittich- Dresden, Gurnemanz von Dr. Felix Kraus und Amfortas von Theodor Reichmann dargestellt, der die Partie vor 20 Jahren zuerst gesungen hatte. Dirigent der Oper war Dr. Muck-Berlin.
London, 23. Jull. Auf der heutigen Generalversammlung der Castern Telegram Company sagte der Vorsitzende, Sir John Wolfe Barry, soweit man jetzt sehen könne, hätten die Kabelgesellschaften von der drahtlos e^n Telegraphie nichts zu fürchten. Die Gesellschaft interessiere sich für die Fortschritte der drahtlosen Telegraphie und wolle sie für kurze Entfernungen benutzen. Ihre Station in Porthcurnow wolle die Gesellschaft jetzt mit Apparaten für drahtlose Telegraphie ausstatten, um ihre Kabel-Reparatur- schiffe schneller hinschicken zu können, wo Kabel zu repartren seien. Auch wolle die Gesellschaft, wenn die Versuche glücken, später Städte und Inseln, zu denen sich besondere Kabel nicht verlohnen, durch drahtlose Telegraphie mit ihren Kabeln verbinden.
Prag, 23. Juli. Der Seniorchef der bekannten Verlagsftrma Friedrich T e m p s k y ist im 81. Lebensjahr gestorben.
— Das neue Frankfurter Schauspielhaus wird mit einem von Fulda eigens gedichteten Prolog-Einakter, dem ersten Akt von „Faust" und „Wallensteins Lager", wie nunmehr bestimmt ist, am 21. Oktober eröffnet werden. Tas alte Schauspielhaus wird feine Pforten Mitte Oktober schließen, und zwar kommen am Abfchiedstag ,,Die Laune des Verliebten", ^Cl-amgo", „Iphigenie" und ein Epilog zur Aufführung.
— Frank Wedekinds „Büchse der Pandora". Aus München wird berichtet: Von einem merkwürdigen Mißgeschick ist das Juliheft der Monatsschrift „Die Insel" betroffen worden. DK Auslage dieser Nummer war in der Druckerei in Leipzig eben zum Versandt an Abonnenten und Buchhändler ferttggeftelll, als der Druckerei-Inhaber, der noch im letzten Moment Einsicht in den von ihm gedruckten Text nahm, von den lebhaften Befürchtungen gegenüber dem Strafrichter erfüllt wurde. Es handelte sich dabei um eine dreiaktige Tragödie „Tie Büchse der Pandora" von Frank Wedekind, deren vollständiger Abdruck den Hauptinhalt des Heftes. ausmacht. Da ein zu Rat gezogener Leipziger Rechtsanwalt die Bedenken durch sein Gutachten verstärkte, verweigerte der Druckerei- Inhaber die Lmslieferung der Exeniplare, und die Abonnenten der Insel" müssen sich nun gedulden, bis an Stelle der „Büchse der Landora" ein anderer, gleich umfangreicher Text eingeschoben ist. Auffallend ist nur, daß Frank Wedekmd das tn Frage stehende Drama schon vor mehr als emem Jahre rrn Akademssch-dramai Verein in München vor einem mehrere hunderl Kopse zahlenden, zum großen Teil aus Damen bestehendeii Publckum vortrug, ohne
Landwirtschaft.
BenSheim, 23. Juli. Die Frühbirnen werden dahier durchschnittlich zu 10 Mk. pr. Ztr. verkauft.
Karlsruhe» 23. Juli. Der Stand der Saaten berechtigt nach der üblichen Stufenfolge Mitte Juli bei Winterweizen zu 2,1, Sommerweizen 2,3, Winterspelz 2,2, Winterroggen 2,2, Sommerroggen 2,6, Winterweizen und Wütterroggen im Gemenge 2,0, Winlerspelz und Winterroggen 2,2, Gerste 2,3, Hafer 2,6, Kartoffeln 2,6, Klee 3, Luzerne 3, Wiefen 2,9, Tabak 3,1, Hopfens,8, Reben 3,1. Der Anbau des Tabaks ist aus Mangel an Setzlingen noch nicht überall beendigt. Der erste Satz zeigt verschiedenes Wachstum, auch trotz Nachpflanzungen vielfach Lücken, wozu auch Schnecken beigetragen haben. Ter zweite Satz ist kaum angewachsen und bedarf zur weiteren Entwicklung dringend Regen. Beim Hopfen befriedigt die Reichlichkeit des Anhanges nur in einem Drittel der Berichtsbezirke, in den übrigen ist solcher kaum oder noch nicht wahrzunehmen. Regen thM auch hier not. Die Reben haben größtenteils und zwar meist günstig abgeblüt und deshalb eine etwas günstigere ^Beurteilung als im vorigen Monat erfahren.
— Zur Uebertragbarkcit der Riudertuberkulose. Prof. Koch teilte auf dem Londoner Tuberkulose-Kongreß mit, daß er die frühere Anschauung von der Uebertragbarfeit der Rindertuberkulose auf den Menschen nicht mehr aufrecht erhalte und gesundheitliche Maßregeln dagegen nicht für geboten erachte. Für Prüfung dieser wichtigen Frage wurden darauf in England' wie in Deutfch- land wissenschaftliche Kommissionen niedergesetzt. Unabhängig davon hat jetzt der Direktor der tgL Lungenpoliklinik, Professor Max Wolff, d:e von Stod) geforderte experimentelle Seite der Frage näher iinterfucht. Es ist ihm gelungen, in einem der überaus selten vorkommenden Fälle von zuerst im Darm auftretender Tuberkulose beim Menschen, also in einem Falle, der alle üou Koch für die experimentelle Entscheidung der Frage gestellten Forderungen erfüllt, den exakten Nachweis zu liefern, daß diese Tuberkulose auf Kälber übertragbar ist, also Perlsucht im Sinne Kochs beim Menschen vorkommen kann. Von dieser überraschenden Thctt- sache hat Geh. Rat Wolff im Berliner Verein für innere Medizin Mitteilung gemacht und daran Betrachtungen geknüpft, die für die sanitäre Seite der Frage von Bedeutung sind. Ter Dorrragende führte aus, daß durch seine Untersuchungen der Nachweis der Uebertragbarteit der Perlsucht auf den Menschen mit allen Forderungen, die Kock) zum Beweise für diese Uederttagung stellt, zum ersten Male geliefert fei; ferner fei auf Grund von Fütte- rimgsversuchen bei Tieren anzunehmen, daß die seltene Beobach- turtg von primärer Darmtnberkulofe noch kein sicherer Beweis für das wirklich seltene Vorkommen einer tuberkulösen Infektion beim Menschen durch animalische Nahrungsmittel wäre. Vielmehr liege die Möglichkeit vor, daß durch den Genuß von Milch, Butter, Sleisch perlsüchttger Tiere beim Menschen häufiger eine tuberkulöse nfteefung erfolgen könne, ohne daß der Darm erkrankt zu sein braiicht. Daher fordert der Vortragende, daß alle behördlichen Vorsichtsmaßregeln gegen die . von feiten perlsüchttger Tiere drohenden Gefahren ausrecht erhallen werden sollen.
Gerichtssaal.
Frankfurt a. M., 20. Juli. (Kriegsgericht der 21. Division.) „Ganz egal, Sie müssen doch da sein," meinte barsch der Sergeant Scheier 8/80 (Wiesbaden), als der Füsilier Koch zum Gewehrreinigen zu spät kam und sich damtt entschuldigte, der Feldwebel habe ihn zum Kohlenempfangen kommandiert. Zur Bekräftigung seiner Ansicht, daß der Füsilier an zwei Stellen zu gleicher Zeit sein könne, gab Scheler dem Koch verschiedene Püffe mit dem Kolben eines Radfahrerkarabiners. Auch ein Tritt in die Beine fehlte nicht. Tas Kriegsgericht verordnete dem Sergeanten i ehn Tage Mittelarrest. — In der leichtsinnigsten Weife hat ich der frühere Bürgermeistereigehilfe Heinrich Schmidt aus Wetzlar um feine Karriere gebracht. Er war als Unteroffizier auf dem Bezirkskommando Oberlahnstem beschäftigt. Während er sich bei der Trilppe stets gut geführt hat, begann er in Ober- lahnstein einen lockeren Lebenswandel und mußte mehrere Male bestraft werden. Im Juni d. Js. hatte Schmidt verbummelt, vier Reservisten, die für die Augusta-Garde bestimmt waren, die Ordre zu schicken. Um der Bestrafung aus dem Wege zu gehen, beschloß er, dem Kommiß Valet zu sagen und im Aalslande das Heil zu uchen. Dazu gehörte etwas Geld. Um sich dieses zu verschaffen, begab er sich am Abend des 15. Juni zum Metzgermeister Brühl und klagte ihm sein Leid. Er habe in der letzten Zeit „etwas Drauflos geäst", in der Bezirkskaffe fehlten 100 Mk. und anderen Tages komme der „Kassenonkel", um zu revidieren. Der Metzger möge ihm die 100 Mk. lechen, wenn der „Kaffenonkel" wieder.fort ei, erhalte er sie wieder. Der biedere Schlächtermeister ging auch auf den Leim, und Schmidt dampfte mit den 100 SDlf. nach Luxemburg ab. Dort legte er sich etwas „Weibliches" zu und lebte herrlich und in Freuden, — dis die 100 Mk. alle waren. Da kehrte er ins Vaterland, ins teure, zurück und stellte sich in Koblenz den Behörden. Mit drei Monaten und vierzehn Tagen Ge- ängnis und Degradation büßt der 22jährige Unteroffizier einen frevelhaften Leichtsinn.
-eilten. NachmWagsstunLen durch! die Post an feine Ehefrau ttnb verschiedene Freunde, denen er Geld schuldete, zum Teil erhebliche Beträge übersandte. Er spielte stark, namentlich in der letzten Zeit, und dürfte durch große Spiel- verLtste zu der Thal gedrängt sein. Er stand früher als Unteroffizier zehn Jahre lang in einem ostpreußischen Lavallerie-Reguueut und spricht ganz ausgesprochenen ütUmischen DTalekt. Er hat eine stramme soldatische Haltung, schwarzes, kurzgeschorenes Kopfhaar, starken schwarzen Schnurrbart, schwarze, etwas schrefstehenüe Augen und trug bei seinem Verschwinden einen braungrünen! Japuet-Anzug und schwarz--weißen Strohhut.
* Diedenhofen, 23. Juli. Die Bürgerztg." mÄdet, daH heute früh zwischen Diedenhofen und Deutsch- Oth zwei Güterzug,e zusammenstießen. Zwei Beamte wurden schwer, zwei leichter verletzt. Beide Ma- Mxneu und sieben Wagen wurden zertrümmert.
* London, 23. Juli. Hier wurde ein großer Juwele n- Dieb stsaHl verübt. Ein Angestellter der Firma Gebrüder Ioans war damit beschäftigt, Diamanten im Werbe von 40Q0 Pfiund zum Versandt nach Amsterdam zu verpacken, atö er ans Telephon gerufen wurde. Bei seiner Rückkehr aus dem Telephonzimmer waren die Diamanten zu seiner größten Bestürzung verschwunden.
* San Sebastian, 23. Juli. Ms, die königliche F-amilie gestern eine Botfahrt unternahm, stieß das Boot auf Grund. Die königliche Familie ging gegen 7Ahr 30 Min. an Land, ohne daß ein Unfall sich ereignete.
* Cholera. Nach amtlicher Feststellung sind bis jetzt in Mucha (Egypten) 210 Cholerafälle vorgetommen, wovon 147 tätlich verliefen. In Kairo ist eine Frau, die ans Mucha dorthin gekommen war, gestorben. Der oberste Sanitatsrot ordnete eine siebentägige Quarantäne Eür Schiffe aus egyptischen Häfen an und verbot die Einfuhr von Früchten und Gemüse. Auch die Stadt Mukden tn der Mandschurei wurde amtlich für choleraverdächtig -erklärt. Aus CHarbin wird gemeldet, daß vom 3. bis zum 14. d. Mts. 234 Russen und 523 Chinesen an der Cholera erkrank und 81 Russen und 363 Chinesen gestorben find. Doch bedenklicher als alle diese Nachrichten. ist eine Meldung, die aus Wien kommt. Dort ist, wie vom >23. d. M gemeldet wird/ im barmherzigen Brüderspital ein Todesfcckl an Cholera nostras vorgekommen!
* Ein Lehrer wegen Mordes verhaftet. Am 3. Juli, abends gegen 12 Uhr, wurde, wie aus Gommern, Prov. Sachsen, gemeldet wird, der Kossath Kuhlmei aus der Chaussee erschossen unb beraubt. Der Verdacht lenkte fichl gegen den 28jährigen Lehrer Knoll, in dessen Gesellschaft man den Ermordeten am letzten Tage in Dorn- jburg gesehen hatte. In Dornburg hatte K. erzählt, daß er noch an dem genannten Sonntag nach Ladeburg müsse, Um Geld zu holen für seinen verkauften Acker. Nach langen Untersuchungen der Kriminalpolizei konnte fest- gestelll werden, daß der Lehrer eine böse .Vergangenheit hinter sich hat. In seinen früheren Stellungen in Tuchheim bei Genthin und in Burg soll er an achtjährigen Mädchen Sittlich keitsv erbrechen verübt haben, die aber nicht Kur Anzeige gelangt sind. In seinem früheren Wirkungskreise sowohl wie in seinem jetzigen hat er bei Geschäftsleuten, Gastwirten rc. Schulden gemacht, sodaß es wi^>erholt zu Pfändungen gekommen ist. Im Verkehr mit dem Gendarm und KriminaHolizei versuchte Knoll den Verdacht auf eine Person in Ladeburg zu lenken, wobei er sich aber in Widerspräche verwickelte. Bei der Haussuchung wurde ei,n mit Blut bespritztes Taschentuch ge- fulchen. Sein Ueberzieher soll auch verschiedene Flecke aufweisen, die aber durch Reirrigungsmittel ziemlich unkennt- llch gemacht worden sind. Der Ermordete hatte in seiner Hand noch einige Haare, die von dem Mörder herrühren müssen. Knoll beteuert, den Mord nicht ausgeführt zu haben. Ob die Indizien auAreicheu, das Verfahren gegen Knoll zu eröffnen, muß die Untersuchung ergeben.
* Ein Bonmot aus vergangenen Tagen ist anläßlich des Würzburger Konflikts in der bayerischen Abgeordnetenkammer wieder aufs Tapet gebracht worden. Zu den Haupteinwänden, die das Zentrum gegen die Hochschullehrer erhebt, gehört der Hinweis auf das Kliquenwesen, das indessen so alt ist wie die Universitäten und Fakultäten selbst und wohl nie ganz schwinden wird. Da wurde denn an den Schwiegersohn des großen Chemikers Liebig erinnert, von dem es hieß: „Als Carriöre, der bekannte Aesthetiker, nach München kam, war er mißliebig, da heiratete er Miß Liebig und machte Carriere.
emefter folgen.
— Der bisherige ordentliche Professor Dr. Hermann Min- o w s k i zu Z ü r i ch ist zum ordeMlichen Professor in der Philosophischen Fakultät der Universität zu Göttingen, der bisherige außerordentliche Professor Dr. Ernst Jacobi zu Breslau zum ordentlichen Professor in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu M ü n st e r, der bisherige außerordentliche Professor an der Universität zu Kiel und Oberlehrer an der tädttschen Ober-Realschule daselbst, Tr. Erich Ad ick es zum ordentlichen Professor in der Philosophischen Fakultät der Univerität zu Münster und der bisherige Königliche Bayrische außerordentliche Professor Lic. thool. Dr. Friedrich Wiegandt zu Erlangen zum ordentlichen Professor in der Theologischen Fakultät der Universität zu Marburg ernannt worden.
— Am 15. und 16. September findet zu München die erste Hauptversammlung des neugegründeten deutschen Medizinalbeanrtenvereins statt, der nach den Satzungsentwurf den Zweck hat 1. die Wissenschaft auf dem gesamten Gebiete der Staatsarzneikunde (Hygieine und öffentliches Gesundheitswesen, gerichtliche Medizin und Psychiatrie) zu pflegen; 2. durch Vorträge und Austausch persönlicher Erfahrungen eine Verständigung über wichtige Fragen und die einschlägige Gesetzgebung auf diesem Gebiete herbeizuführen, sowie 3. feinen Mitgliedern Gelegenheit zu gegenseitiger Annccherung zu geben. Dem einstweiligen Vorstand des Vereins gehören u. a. an Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Gaffky in Gießen und Kreisarzt Aledizinalrat Dr. Lehr in Darmstadt.
22. bis 23. Juli 18,0° C.
22. , 23. „ 10,6° 0.
Kandel und Verkehr. Dolkswittschast.
Chemische Fabriken und Asphaltwerke, Akt.-Ges. Worms. Die mit 300 000 Alk. Aktienkapital und 350 000 Mk. Hypothekenschuld arbellende Gesellschaft weist, wie wir der per 31. Oktober v. I. gezogenen Bilanz entnehmen, für das Bettiebsjahr 1201/02 einen Verlust von 20 250 Mk. auf, wodurch sich die aus dem Vorjahr übernommene Unterbilanz von 67 652 Mk. auf 87 902 Mk. erhöht. Tie auf den 15. ds. einberufene Generalversammlung hatte über die Reduzierung des Akttenkapitals zu beschließen, doch tft uns hierüber noch feine weitere Mitteilung zugegangen. Reserven besitzt die Gesellschaft nicht. Bei Debitoren standen 170 296 Mack (158 214 Mk.) aus, wäyrend Kreditoren 141850 Mk. (133 561 Mk.) ! zu fordern hatten.
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