Nr. 119 «rschrtv« täglich außer Sonntags.
Dem Dteßener Anzeiger werden bn Wechsel mit dem Sessischeo Landwirt die Siebener Familien. Mütter viermal in der Woche de »gelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brü h I'schen Untverf.-Buch- u.6teü»- drucke rei (Pirsch Lrdeni Redaktion. Erpeditton und Druckerei:
Schnlstrabe I.
ALrefie für Depeschen: Anzeiger «leben.
Ferusprechanschluß Nr. 61.
Samstag 24. Mai 19OÄ
152. Jahrgang
ErsteS Blatt.
vezngSprei», monatlich 7bP1^ viertel^ jährlich Dtk. LS0; durch Abhole- u. Zweigstelle» monatlich 6o Pf.; durch dtePost Mk.S.— viertel* jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer biS vormittag« 10 Uhr. Zeilen pre»S: lokal 11 DU auswärts 80 Pig.
verantwortlich! für den poltt u. allgenu Teil: P. W»11ko: für „Stadt und Land" und „Derlchtsiaal":R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: i'ant Beck.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v **
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Gießen, 17. Mai 1902.
Betr.: Das Behüten der Wiesen.
Das Vroßherpgliche Krrisamt Gießen
an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Wir machen 6« darauf aufmerksam, daß das Behüten der Wiesen nach der Wiesenpolizeiverordnung für den Kreis Gießen vom 8. Januar d. Js. wie folgt untersagt ist:
a) einschürige Wiesen:
L mit Schafen: vom 1. April bis 1. Oktober,
2. mit Rindvieh: vom 1. April biS 1. August.
b) Sonstige Wiesen:
L mit Schafen: vom 1. April bis 1. Oktober,
2. mit Rindvieh: vom 16. März bis 16. September.
Grund- und Thalwiesen, die mit Bewässerungsanlagen versehen sind, dürfen bei nasser Witterung überhaupt nicht behütet werden.
Sie wollen die Schäfer hierauf aufmerksam machen und die Feldschützen strengstens anweiseu, etwaige Uebertretungen zur Anzeige zu bringen.
Die Gendarmerie ist gleichfalls angewiesen, bei Zuwiderhandlungen gegen dieses Gebot Anzeige zu erheben.
v. Bechtold.
Volttische Tagesschau.
FriedeuSglockea.
Aus Berlin, 23. Mast wird uns geschrieben:
Diesmal scheint ihr Klang nicht zu täuschen. An hie- siger gut unterrichteter Stelle ist man auf Grund der vorliegenden Londoner Depeschen überzeugt, daß der Frie- densschluß bis spätestens Mitte Juni erfolgen, die Krönung König Eduards also ohne das Geräusch des Kriegslärms sich vollziehen wird. Zunächst dürfte der Wafien- stillstand offiziell proklamiert werden. Ein einigermaßen klares Bild über die Bedingungen, auf Grund deren das Einverständnis anscheinend ermöglicht werden wird, läßt sich *ur Zeit natürlich nicht gewinnen. So ohne weiteres glaubhaft aber ist die englische Meldung wohl nicht, die oavon spricht, daß die Buren .in allen Hauptpunkten pachgegeben hätten. In der Frage der Amnestie für die Kaprebellen beispielsweise erscheint ohne das Entgegenkommen Englands eine Verständigung schwer möglich. Dic Buren sind nicht die Männer und auch keineswegs durch die eiserne Notwendigkeit gezwungen, nach solchem Feld zug sich mit geringfügigen Zugeständnissen abspeisen zu lassen, wie „Daily Mail" glauben machen will. Soweit bei dem dürftigen unb auf seine Richtigkeit schwer kon trollierbaren 'N ach richt en material aus holländischen Burenkreisen ein Urteil möglich ist, führt es zu der Vermutung, daß Präsident Krüger nicht in Verbindung mit den Buren führern steht, auf die Entwickelung der Friedensverhandlungen also ohne Einfluß ist. Wahrscheinlich hat der greife Präsident seinen Getreuen im Felde von vornherein „Generalvollmacht" erteilt, und er konnte das schließlich umsomehr thuu, als ja Präsident Dteijn dauernd auf dem Kriegsschauplatz weilte, der als Staatsoberhaupt der Oranjeburen, der „Unversöhnlichen", niemals einem Friedensvertrage seine Unterschrift geben würde, den nicht auch Präsident Krüger gutheißen konnte. Tie Entscheidung dürft» heute ün englischen Ministerrat, zu dem Mr. Chamberlain eigens von Birmingham sich begab, gefallen sein. Hoffent lich hält man mit der Veröffentlichung nicht hinter dem Berge.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Mai. Heute morgen begab sich der Kais er zu Pferde nach dem Exerzierplätze von Fres- c a t i bei Metz. Hier war jenseits des großen Gehölzes, mit der Front nach Nordwesten das Königsinsanterie-Regt. 9Zr. 145 in Linie aufmarschiert. Ter Kaiser ritt zunächst die Front des Regiments ab. Sodann folgte ein Vorbeimarsch in Kompagniekolonnen, an welchen sich ein Einrelexerzieren der Bataillone anschloß. Dasselbe dauerte bis fast liy2 Uhr. Ter Kaiser hielt darauf Kritik ab und traf sodann Anordnungen für ein nunmehr beginnendes Gefechtsexerzieren seines Regimentes. An demselben beteiligten sich auch andere Truppen. Kurz vor ein Uhr war das Gefecht zu Ende. Nach einer weiteren Kritik ließ der Kaiser sein Regiment nochmals vorbeimarschieren. Inzwischen hatten sich sämtliche Truppen der Garnison Metz, zu denen auch noch das zurzeit hier weckende Magdeb. Dragoner--Regt. Nr. 6 aus Tietenhofen kam, zum Vorbeimarsch ausgestellt. Dieser folgte bei der Infanterie in Regimentskownnen, bei der Kavallerie und Feldartcklerie im Trab in Eskadrons- dezw. Batteriefront. Ter Kaiser führte sein Regiment vorbei, der Statthalter Fürst zu Hohenlohe das 1. hannov. Tragoner-Regt. Nr. 9, a la suite desselben der Statthalter steht. Nach dem Vorbeimarsch, der um 2i/2 Uhr beendet war, setzte sich der Kaiser an die Spitze seines Königsinfanterieregiments, bezw. der die Fahnen eskortierenden ersten Kompagnie desselben und zog in Montigny ein, wo er im Offizierkasino des Regiments das Frühstück einnahm. Auf dem Uebungsselde von Frescati waren 12 englische Offiziere anwesend, welche sich zur Zeit in Metz zum Studium der Schlachtfelder befinden. Ter Kaiser ließ sich dieselben vorstellen und unterhielt sich mit ihnen längere Zeit. Nachmittags ritt der Kaiser an der Spitze der vom KönigsiUfanterie-Regt. Nr. 145 gestellten Fahnenkompagnie und der ihr folgenden Standartenschwadron, welche aus dem Magdeburgischen Tragonerregiment Nr. 6 aus Tieten- hosen gebildet war, in Metz beim Prinz Friedrich Karl-
Thor ein nach dem Dezirkspräsidium. Hier defilierten, nachdem die Fahnen und Standarten im Dezirkspräsidium abgegeben waren, die Fahnenkompagnie und die Stanbarten- scAadron vor dem Kaiser, der sich dann ins Bezirkspräsidium begab.
— Ob er hofin'ar schall Gras Eulenburg hat dem Oberbürgermeister von Posen amckich mitgeteilt, daß der Kaiser gelegentlich seiner Anwesenheit in der Stadt Posen am 4. September vormittags der Enthüllung des Denkmals Kaiser Friedrichs beiwohnen wird.
— Generalmajor z. D. Edmund v. W a s m e r in Schöneberg b. Berlin ist heute vormittag gestorben. Er war bis zum Jahre 1889 Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 61 in Thorn und Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.
— Tie Mitglieder der internationalen aeronautischen Kommission wohnten heute nachmittag dem Aufstieg des Ballons Habicht" bei, in welchem sich der deutsche Hauptmann Sperling, der österreichische Oberleutnant v. Corvm und der italienische Kapitän Moris befanden. Ter Ballon nahm die Richtung südwärts in die Elbgegend.
Köln, 23. Mai. Die heute mittag um 1 Uhr zur Konsultation bei dem Erzbischof Tr. Sim ar versammelten Aerzte konstatierten, daß die Herzkraft nachgelassen habe.
Düsseldorf, 23. Mai. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung des diesjährigen internationalen Bergarberterkongre sses, die von deutscher Seite vorgeschlagene Schaffung eines internationalen bergmännischen Sekretariats wurde auf Antrag der englischen Delegierten nicht erörtert; es wurde vielmehr beschlossen, da die Angelegenheit noch nicht reif erschien, sie bis zum nächstjährigen Kongreß zu vertagen, um durch das internationale Komitee eine eingehendere Vorlage ausarbeiten zu lassen. Ter Reichstagsabgeordnete Zachse erklärte dazu namens der deutschen und österreichischen Abordnungen, daß die Verbände dieser beiden Länder sich von den internationalen Kongressen zurückhalten werden, wenn auch im nächsten Jahre kein praktisch greifbares Ergebnis erzielt w^rb'. Als Ort für den nächsten Kongreß wurde Brüssel, für das wttrnationale Komitee Lille ge- wählt.
Ausland.
Paris, 23. Mai. Heute nachmittag fand in der Notrc Damekirche ein Trauergottesdienst für die Opfer der Katastrophe von St. Pierre statt. Die schwarz aus- geschlagene Kirche war von Andächtigen dicht gefüllt. Die Gemahlin des Präsidenten Loubet, die Minister mit ihren Gattinnen, das diplomattsche Korps und zahlreiche Mitglieder des Senates und der Kammer waren zugegen. — Hier hat sich ein Komitee gebildet, das in einem Rund- schreiven alle französischen Patrioten aufforbert, in tzaris eine Ortsgruppe der russischen Vaterlandsliga zu gründen, welche die revolutionär en Bestrebungen in Rußland bekämpfen soll.
Rom, 23. Mai. Die Diskussion des Budgets des Aeußern wurde mit einer Rede Prin ettis geschlossen, die ruhig ausgenommen wurde. Prinetti stellte sich auf den Standpunkt der Rede G o l u ch o w s k i's. Der Dreibund, der das sicherste Mittel des Friedens und die beste Verteidigung Italiens sei, werde erneuert. Die Freundschaft mit Frankreich leide nicht, ebensowenig die italienischen Interessen im Mittelmeer und in Albanien. Was Tripolis betreffe, habe auch das befreundete England beruhigende Versicherungen über besten Ostgrenzen wie Frankreich über die Westgrenzen gegeben. Die Handels- vertraasverhandlungen könnten erst dann beginnen, wenn Deutschland und Oesterreich ihre Tarife kombiniert hätten.
Christiania, 23. Mai. König Oskar forderte den ehemaligen norwegischen Conseilpräsidenten, Professor Hagerup auf, ihm, zusammen mit dem ehemaligen schwedischen Justizminister Annerstedt und dem Landeshauptmann Cedercrantz bei der Schiebsgerichtsentschei- du ng beizustehen, welche Deutschland, England und die Vereinigten Staaten in der Frage der Entschädigung auf den Samoainseln vom Könige erbaten.
Washington, 23. Mai. Im Nepräsentantenhause brachte Bartholdt eine Vorlage betreffend Errichtung eines Reiterdenkmals des Generals v. Steuden in Washington in Anerkennung der von demselben den Vereinigten Staaten bewiesenen Freundschaft.
Newyork, 23. Mai. Repräsentant Steph ens aus Texas legte eine Bill vor, derzufolge die Bundesregierung die Statue irgend eines Monarchen weder annehmen noch solche aufstellen soll. Die Strömung gegen d i e Annahme der Statue Friedrichs des Großen ist im Wachsen. Selbst einige sonst gemäßigte deutsche Zeitungen finden dieses Geschenk nicht ganz in Ordnung.
Simla, 23. Mai. Finanzsekretär Finlay brachte int Gesetzgebenden Rat eine Vorlage ein, die sich auf Artikel 4 der Brüsseler Zuckerkonvention stützt. Die Vorlage bestimmt, daß in Fällen, wo in irgend einem Lande oder irgend einer Kolonie die Differenz zwischen dem Zoll- und Steuersatz für daselbst nicht erzeugten Zucker und dem Zoll- oder Steuersatt für daselbst erzeugten Zucker 6 Frs. per 100 Kilogramm, für raffinierten und 51/2 Frs. für anderen Zucker übersteigt, die Regierung ermächtigt wird, allen aus einem solchen Lande oder einer solchen Kolonie direkt oder indirekt eingeführten Zucker mit besonderem Zollzuschlag bis zur Hälfte des Betrages der Differenz zu belegen. Tie Regierung kann mittels einer allgemeinen oder speziellen Verordnung bestimmen, was als raffinierter oder anderer Zucker anzusehen ist. Die Vorlage erstreckt sich nicht auf den Zucker, der mit Conossernent von dem heutigen Tag verschifft ist und soll nur 15 Monate, bis zum Inkrafttreten der Brüsseler Zucker-
lonbention Wirksamkeit haben. Bei der Begründung der Vorlage wies Finlay an Hand der Ziffern auf die Nachtecke hin, welche der indischen Industrie erwachsen würden, falls das Land mit Kartellzucker überschwemmt werde. Die Vorlage tritt wahrscheinlich in 14 Tagen in Kraft.
Präsident Loub.t in Rußland.
Pe terSburg, 23. Mai.
Präsident Landet befidjtigte gestern nachmittag das Winterpalais und empfing darauf im Wappensaale desselben eine Reihe von Abordnungen, u. a. die des Petersburger; und Moskauer Adels, der Petersburger Kaufmannschaft und Handwerker, der Kreisstädte des Gouvernements Petersburg, ferner die Gemeindeältesten vieler Törfer im Gouvernement Petersburg, sowie eine Abordnung der Behörden Der Stadt Moskau mit dem Bürgermeister Fürsten Galizyn an der Spitze. Ten Empfängen wohnte der Minister des Innern und der Finanzmmister bei. Die Abordnungen überreichten dem Präsidenten Salz und Brot ober Adressen. Als erster begrüßte Kn Präsidenten mit einer Ansprache der Bürgermeister von Petersburg Leljanow und überreichte dem hohen Gast ein Album mit Ansichten von Petersburg. Um 6 Uhr reifte Präsident Loubet nach Zars- t 0 j e S s e 10 ab, wo am Abend Galavorstellung im chinesischen Theater stattfand.
Heute morgen begaben sick> der Kaiser und Loubet auf den „Montcalm", wo das Frühstück eingenommen wurde. Dabei brachte Loubet folgenden Trinkspruch aus:
„Sire! Turch Ihren Besuch an Bord des „Montcalm" mit der Kaiserin haben Sie der französischen Marine eine Ehre erwiesen, die sie tief empfinden wird. Die Gefühle unserer Seeleute für die tapferen Kameraden von der russischen Marine geben sich bei jeder bietenden Ge- leaenheit kund, seinerzeit in den Meeren des äußersten Ostens, dann wieder im Mittelmeere, und überall ist das Einvernehmen gleichzeitig ein Zeuge für die Einigkeit ihrer Länder. Ich werde eine warme und unvergänliche Erinnerung an den Aufenthalt in diesem gastfreien Lande mit mir nehmen. Frankreich, das mit Freude die Aufnahme seines Vertreters erfuhr, wird mit dem Bündnis verknüpft bleiben, dessen wohlthuendes Wirken Rußland, wie Frankreich schätzt. Ich trinke auf die Erfolge und den Ruhm der tapferen russischen Marine."
Ter Kaiser erwiderte mit folgendem Trinkspruch:
„Es ist uns, der Kaiserin und mir, überaus angenehm, uns wieder unter den tapferen französischen Seeleuten zu befinden, und es erfüllt uns mit ganz besonderem Vergnügen, daß wir uns in Frankreich fühlen an Bord dieses schönen Schiffes. Wir bauten Ihnen herzlich für den Besuch, Herr Präsident, und bitten Sie, den herzlichen Ausdruck unserer Sympathie ebenso wie unsere besten Wünsche Frankreich zu übermitteln, dem treuen Freunde und unentwegten Bundesgenossen Rußlands. Ich erhebe mein Glas auf das Wohlergehen der ruhmvollen französischen Marine."
Hvongeusch-Soziater Kongreß.
Dortmund, 23. Mai.
Wie bereits kurz erwähnt, wurde gestern hier der evang.-soziale Kongreß eröffnet Pros. Harnack - Berlin, der mit lebhaftem Beifall empfangen wurde, hielt den ersten Vortrag über „d i e sittliche und soziale Bedeutung des heutigen Bi l dun g s st r e b en s." Er führte folgendes aus:
Eine Hauptfrage unserer Zeit ist das Bildungsstreben, dessen Vertiefung man an den vielen Einrichtungen erkennen kann, die zu seiner Befriedigung geschaffen sind, sowie auch daraus, daß heute gegen früher zwei Träger desselben vorhanden sind, nämlich Arbeiter und Frauen. Bei den Frauen ist es nicht blos die Not, welche sie vorwärts treibt, sondern alle Schichten sind lebendig, um selbständig zu werden. Diesem Bildungsstreben steht der Staat nicht im Wege, sondern läßt Vereine und Private gewähren, ja er unterstützt die Einrichtungen, wo er angerufen wird. Einen sehr wichtigen Schritt zur Förderung des Bildungsstrebens hat der Staat mit den neuen Regulativen über die Lehrerbildung gethan. Ter Begriff der Bildung kann sich» nach vier Richtungen auseinanderlegen. Man versteht darunter zunächst die Ausbildung aller Anlagen und Kräfte zur Entfaltung der Persönlichkeit im Gegensatz gegen die Außenwelt. Betrachtet man den Menschen als einen Teil der Natur, so giebt die Bildung dem Menschen eine Waffe g gen die Natur, um ihn andererseits durch Einsicht und Vcr,cänbnis der Natur mit dieser zu versöhnen. Sieht man den Menschen als geschichtliches Wesen an, so leitet die Bildung dazu, mit Teilnahme und Verständnis alles aufzunehmen, Verstand und Herz dafür zu öffnen und so das eigene Selbst zum Selbst der Menschheck zu machen. Endlich bedeutet Bildung in Rücksicht des Berufes die Darreichung der F e r t i g k e i t e n, um ihn gewissenhaft ausfüllen zu können. Von den Feinden der Bildung fordern die einen statt der Bildung Rückkehr zur Natur, wie z. B. Rousseau, andere verweisen darauf, daß wahre Bildung aus dem Widerstreit und Kampf erwachse und nicht im bloßen Gedächtnis bestehe. :>u .r das Mißverständnis kann nicht die Sache selber in Mißkredit bringen. Tas Bitdungs streben kann und wird nicht gehemmt werden, denn der Erdkreis ist zu einem Schauplatz durch den Verkehr geworden.
Tie Richtungen des Bildungsstrebens sind entsprechend feinen Motiven dreifach: 1. Erkenntnis des Wirklichen, 2. Schaffung der Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Selb- ftän big leit, 3. Steigerung des Lebensgefühls und Gewinnung eines größeren Anteils am Leben. Die Erkenntnis


