Ausgabe 
24.1.1902 Zweites Blatt
 
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Mens zwischen der deutschen und österreichischen Regierung zum internationalen Uebereinkommen über den Ersenbahn- srachtverkehr für die deutfch-öfterreichischien Verkehre; den Ausschußberichten über die Vorlage vom 14. Dezember 1901 betreffend Abänderung der Statuten der mecklenburgstrelitz- schen Hypothekenbank zu Neustrelitz, den Ausschußberichten über die Vorlagen betreffend a. Ldisprägung von Kronen; b. Ausprägung von Reichssilbermünzen: c. Umlauf der luxemburgischen Scheidemünzen innerhalb der deutschen Grenzbezirke, beit Ausschußberichten betreffend den Gesetz­entwurf wegen Feststellung des Landeshaushalts-Etats von Elsaß-Lothringen für das Rechnungsjahr 1902 und dem Aus­schußbericht über die Vorlage vom 30. Dezember 1901 betr. Prüfung der Apothekergehilfen.

Guben, 23. Jan. Bei der Lan d t a gs er satz w ah l im 7. Wahlkreis Sorau wurden für den Rittergutsbesitzer Schön-Breslau (kons.) 340, für Buchdruckereibesitzer König- Guben (natl.) 321 Stimmen abgegeben. Ersterer ist mit­hin gewählt.

Mannheim, 23. Jan. Arbeitersekretär Simon Katz en ft ein hat nach dreijähriger Thätigkeit sein Amt zum 15. Mai d. I. niedergelegt, obwohl er von der kombi-i liierten Telegiertensitzung des Gewerkschaftskartells mit großer Majorität wiedergewählt worden war. An Stelle Katzensteins wurde nunmehr Redakteur Müller zum Arbeiter­sekretär gewählt.

Ausland.

London, 23. Jan. Nach einer Depesche aus New- Aork wurde das Staats-Departement benachrichtigt, daß Prinz Heinrich bis zum 11. März in Amerika bleiben werde.

Der Schah von Persien, der den Krönungs­feierlichkeiten hier beiwohnen wird, wird auch Paris be­suchen, und in einem französischen Badeorte sich einer Kur unterwerfen. Der Schah verläßt Persien mit 5. Mill. Francs-

Paris, 23. Jan. i der heutigen Vormittagssitzung wurde über Subvention für die katholischen Missionen im Orient beraten. Dejeante verlangt Streichung dieses Kredits, der nach dem Anträge der Kom­mission auf 100 000 Frcs- herabgesetzt werden sollte. Del- casse tritt für das betreffende Kapitel des Budgets ein. Mas wir im Orient und im äußersten Orient anstreben, erklärt der Minister, ist die Verbreitung der französischen Sprache. Vergessen wir also nicht, daßwir der Religion unserenCinflußverdanken. Die Subvention wurde darauf bewilligt.

Wien, 23. Jan. Die Trauung der Erzherzogin Elisabeth mit dem Prinzen Otto Win di sch grätz hat heute in der Josephskapelle der Hofburg im Beisein des Kaisers, sämtlicher Erzherzöge und des Gräflich Lonyay- schen Paares stattgefunden. Nach der Trauung wurde das neuvermählte Paar vom Kaiser in Audienz empfangen, worauf ein Dejeuner stattfand. Sodann trat das junge Paar seine Hochzeitsreise an.

Belgrad, 23. Jan. Meldungen über die Thron­folge in Serbien werden offiziell als müßige Kom­binationen bezeichnet.

Konstantinopel, 23. Jan. Der Vertrag betr. die Bagdadbahn ist nunmehr auch von den beteiligten Parteien unterzeichnet und aus getauscht worden.

23. Jan. In der Nähe von Kotschana im Villajet Kossowo kam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen bulgarischen Banden und türkischen Truppen, wo­bei 10 Bulgaren getötet wurden. Die Unruhen in Armenien dauern fort.

New-Aork, 22. Jan. Das Presse-Bankett wird voraussichtlich am 26. Februar aus Anlaß! der An­wesenheit des Prinzen Heinrich von Preußen -in New-Pork stattsinden. Hervorragende Vertreter der Presse werden gebeten, Reden, in englischer Sprache, wie es in derNewy. Staatsztg." heißt, zu halten. Auch Prinz .Hein­rich wird sich der englischen Sprache bedienen.

Vom Bureukrieg.

Aus Pretoria meldet Reuter: Vor einigen Tagen wunde ein Trupp von 35 Eingeborenen, der bei Lindequesprutt unter Eskorte von 25 Mann Reichsyeomanry zum Grasschneiden auf dem Felde war, von 150 Bu reu überrascht. Die Abteilung hat nach tapferem Widerstande, wobei sechs Buren getötet und vier verwundet wurden, sich der Ueberzahl er­geben. Die Engländer verloren einen Toten und sieben Verwundete, außerdem wurden vier Eingeborene, die unbewaffnet waren, nachher von den Buren erschossen. Eine offenbar zu Gunsten der Engländer zugestutzte tenden­ziöse Nachricht von einer neuen kleinen Schlappe britischer Truppen.

Der zum Ausdruck gebrachten Vermutung, der tapfere Bärenführer Scheepers sei noch nicht hingerichtet wor­den, ist jetzt im englischen Parlament kaltlächelndvon ministe­rieller Seite widersprochen worden. Im Unterhause erklärte am 23. d. M. Kriegsminister Brodrick, Scheepers sei hingerichtet worden, nachdem er überführt war, grobe Vergehen gegen den Kriegsgebrauch begangen zu haben. Er ließ u. a. sieben Eingeborene morden und einen Weißen durchpeitschen. Es ist Thatsache, daß er Kriegs­gefangener gewesen sei, das schließe nicht einen Prozeß wegen Mordes und sonstiger Vergehen gegen die Kriegsgesetze aus. M c Laren fragt, ob im Juli 1901 oder zu anderer Zeit seit den Unterhandlungen zwischen Kitchsner und Botha Vor­schläge zur Beendigung des Krieges direkt ober indirekt irgend einem Kabinettsmitgliede namens der Burenführer gemacht worden seien. Balfour: Nein. Es sei kein der­artiger Vorschlag der Regierung von irgend jemand zuge- g an gen, der im stände sei, namens der Führer der Buren- streitkröfte zu sprechen.

Aus Stadt und Land.

«Der Abdruck der unter dieser Rubrik beftndtichenOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Auz." gestattet.)

Gießen, 24. Januar 1902.

* * Landgerichtsdirektor Ludwig Zöckel t- Gestern nach­mittag, kurz nach 3 Uhr, starb der bereits feit längerer Zeit leidend gewesene Landgerichtsdirektor Jöckel. Er hat ein Alter von 65 Jahren erreicht. Geboren zu Ortenberg, bestand er int Frühjahr 1858 die juristische Fakultätsprüfung in Gießen und im Herbst 1861 die Staatsprüfung im Justiz- und Verwaltungsfach. Er absolvierte dann den Acceß bei dem damaligen Landgericht Orten berg und wurde am 19.April 1866 zum Teilungskommtssär in der Angelegenheit betr. Hvlzberechtigung der Einwohner zu Gedern in dem Gräfl. Stolberg'schen Revier zu Gedern bestellt. 1867 wurde er beim Landgericht Altenstadt verwendet und durch Allere

höchstes Dekret vom 21. Oktober 1868 zum Staatsanwalt- Substituten bei dem Bezirksstrafgericht Ortenberg ernannt. Seit 1. März 1873 wurde er als Staatsanwalt-Substitut an das Bezirksstrafgericht Alsfeld und durch Allerhöchstes Dekret vom 3. April 1877 als solcher an das Bezirksstraf­gericht Gießen versetzt. Seit dem 18. Juni 1879 wirkte er beim Landgericht der Provinz Oberhessen als Staatsanwalt. Am 2. April 1880 wurde er Landgerichtsrat, am 7. August 1886 Erster Staatsanwalt beim Landgericht der Pryvinz Oberhessen, und am 10. Oktober 1894 zum Landgerichts­direktor bei diesem Gericht ernannt.

* * Beisetzung. Gestern Nachmittag wurde der so jäh aus dem Leben gerissene Agent Georg Balser zur letzten Ruhe bestattet. Unter den Klängen von Trauermärschen be­wegte sich der Leichenzug vom Sterbehause in der Göthe- straße nach dem Städtischen Friedhof. Auch der Gesellig­keits-Verein Bavaria, der Schützenverein und der Turnverein, denen der Verstorbene lange Jahre als Mitglied angehört hat, gaben ihm das letzte Geleit. Die Grabrede hielt Pfarrer Dr. Naumann, der in ergreifende Worten von dem tragischen Geschick des erst im 41. Jahre stehenden Hingeschiedenen sprach, der ein seltenes Muster von Pflichttreue, Kindes- und Bruderliebe war. Am Schluß der Trauerfeier legten Ver­treter der drei Vereine Kränze am Grabe des so früh aus ihrer Mitte gerissenen Freundes und Vereinsbruders mit herz­lichen Worten des Abschieds nieder.

* * Hessische Laudeslotterie. Bei der heute stattgehabten Ziehung der 6. .Klasse fiel der Hauptgewinn von 200 000 Mk. auf Nr. 33 806 (W. Meyer-Offenbach), ein Gewinn von 20000 Mk. auf Nr. 36 154 (Offenbach), 3 Gewinne ä 10 000 Mk. auf Nr. 4038 (Jughardt u. Balser-Gießen), 39 968 (Mainz), 43 141 (Mainz). 2 Gewinne ä 5000 Mk. auf Nr. 2612 (Mainz), 14 039 (Buchacker-Gießen). Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 48 963 2728 3060 3310 6224 7306 7545 9006 9425 11635 13294 14329 16524 16545 16855 17769 19152 20543 23479 23653 23943 24369 25088 28166 30866 31630 33394 34162 37696 38918 40687 42512. Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 1407 4113 5027 6883 7697 7913 11162 11383 12851 17455 20132 21640 21863 22151 23324 23536 25513 26733 28659 29709 30508 32644 32964 33118 37717 38198 39571 40421 41543 43627 44866. Gewinne von 1000 Mk. auf Nr. 105 1737 2338 3499 3479 3768 6508 7331 7339 8522 9173 9323 9766 10287 10303 11120 12232 12843 12871 13074 15083 16202 16848 17319 18327 18671 19949 20958 21023 21460 24344 25032 25076 25327 25809

27735 28720 28984 30182 30804 31751 32925 33069

33938 34872 35631 36196 37493 38054 38268 39118

39738 39855 40331 40513 42189 42325 42523 43108

43701 43900. (Ohne Gewähr.)

* * Maskenball. Der VereinEdelweiß* feiert am Sonn­tag, wie wir bereits im Anzeigenteil mitteilten, in Steins Saalbau einen Maskenball. Allerlei Ueberraschungen sind für den Abend vorgesehen. Außer einer farbenprächtigen Bajazzogruppe wird u. a. eineMarktszene am Viadukt" und eine China-Nummer (ausgeführt von zwei Parterre- Akrobaten) den Beschauern vorgeführt werden.

* * Die bekannte Annoncenexpedition G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Kaiserstraße 8, 10 und 10a hat wie alljährlich für das Jahr 1902 wiederum einen Ze itu n gs- Katalog herausgegeben. Der Katalog liefert für den Ge­schäftsverkehr zwischen Preffe und Publikum den Inserierenden eine recht gediegene und wertvolle Handhabe. Er ist auch diesmal in der bereits erprobten Form der Schreibmappe gehalten und kann durch seinen eleganten, geschmackvollen Einband als Zierde jedes Schreibtisches gelten. Inhaltlich ist er gegenüber der vorjährigen Ausgabe in anerkennens­wertester Weise erweitert worden. Auch hat er wiederum durch Beifügung eines Kalenderkatalogs eine willkommene Ergänzung erfahren. Der neue Zeitungskatalog kann jedem Inserenten als schätzenswerter Berater angelegentlichst em­pfohlen werden.

T Lollar, 23. Jan. Am Sonntag fand die ordentliche Generalversammlung der hiesigen freiwilligen Feuer­wehr statt, in der die satzungsmäßigen Neuwahlen vorge­nommen wurden. Der Gründer und Hauptmann des Korps, Ingenieur Fehler, der es nahezu 26 Jahre führt, wurde einstimmig wiedergewählt, ebenso feine Stellvertreter, die bisherigen Obleute und Beisitzer. Das Korps zählt 150 aktive und 10 passive Mitglieder und dürfte wohl das stärkste in den Landgemeinden Oberhessens sein.

Butzbach, 22. Jan. Unter dem Vorsitz der Frau Realschul­direktor Jäger, des Medizinalrats Dr. Vogt und des Kaufmanns Gustav Vogt hat sich hier eine Sektion des Deutschen Schuloereins" gebildet. Es unterzeichneten bis jetzt gegen 180 Damen und Herren eine in Umlauf ge­setzte Liste. Für Anfang März ist ein solenner deutscher Abend in Aussicht genommen.

Bad Nauheim, 22. Jan. In der gestrigen Gemeinde­ratssitzung kam der Voranschlag pro 1901/02 zur Vorlage. Der Bürgermeister gab eine Uebersicht über den jetzigen Stand der Einnahmen und Ausgaben pro 1901/02, wonach zur außerordentlichen Ausgabe noch 252 000 Mk. nötig sind. Darauf wurde der Entwurf zum Voranschlag pro 1902/03 beraten. Man beschloß die Aufnahme einer 31/, prozentigen Anleihe von 1 Million Mark. Aus derselben sollen gedeckt werden: 1. die notwendigen 252 000 Mk., 2. die in kleineren Kapitalien bis jetzt geliehenen 300 000 Mk., 3. die pro 1902/03 erforderlichen außerordentlichen Ausgaben. Der Rest soll alsdann zinsbringend angelegt werden.

Is. Schotten, 23. Jan. In der vorigen Woche wurde aus der Herberge hier ein verdächtiges Individuum ver­haftet. Man glaubt in ihm den Mörder der Lehrerin in Frankenthal erwischt zu haben, denn er hat drei Finger der linken Hand verbunden. Die Wunde soll sich die Bestie beim Zertrümmern der Korridorscheibe zugezogen haben. Durch das Verhör soll bereits festgestellt sein, daß die Papiere des Verhafteten gefälscht sind, und daß er an dem Tage, an dem das scheußliche Verbrechen begangen wurde, in der Gegend von Frankenthal gewesen ist.

i. Laubach, 23. Jan. Mittwochabend sprach hier der Burenkämpfer Butz, ein geborener Württemberger. Er mar durch einen Schuß in Elandslagte verwundet und dadurch

kampfunfähig geworden. Die überaus zahlreiche Versammlung lauschte auf seine ergreifenden Ausführungen, er schilderte den Charakter der Buren, die Verhälmsse ihres Landes und die Schniach des Krieges so begeistert, daß er oft von lautem Beifall unterbrochen mürbe. Eine am Schluffe veranstaltete Sammlung ergab 74 Mk., die an die Zentrale in München gesandt wurden. Die von Kammerrat Bröckelmann in der Stadt mittels Sammelliste veranstaltete Sammlung für die Buren hat schon den Betrag von 300 Mk. überschritten.

x Aus dem Vogelsberg, 23. Jan. Die verschärften Polizeunaßregeln gegen die Zigeunerplage im Verein mit dem energischen Vorgehen der Gendarmerie, die in richtiger Weise Repressalien gegen die von den Horden ausgeführten Diebstähle zu ergreifen wußte, haben ihre Wirkung auf die braunen Gesellen geübt. Seit den Diebstählen in Ortenberg, Ober-Ohmen, Groß-Felda u. a. sind sie aus unserer Gegend verschwunden. Sie müssen jedenfalls von den strengen Maß­regeln gegen sie Wind bekommen haben.

b. Darmstadt, 23. Jan. Wie man uns mitteilt, stehen in der hessischen Justizverwaltung größere Personal­veränderungen bevor. So verlautet, daß Oberlandes­gerichtspräsident Conradie in den Ruhestand treten werde und der Präsident des Landgerichts Viainz, Dr. Lip- pold zu seinem Nachfolger ausersehen sei. An Stelle des letzteren würde der Oberland es g er ich tsrat und Vortragende Rat im Justizministerium, Dr. Hangen, treten.

8. Darmstadt, 23. Jan. Gegen den Bahnwärter Offen- thal in Reisen i. O. ist wegen Kafsendefraudation Untersuchung eingeleitet worden. In der Samenhandlung und Klengeanstalt von Konrad Appel brach heute nachmittag gegen 2 Uhr Großf euer aus. Es brannte in einem der Samentrockenräume (Klenge). Den Bemühungen der Feuer­wehren gelang es, den Brand nach einstündiger Thätigkeit, auf seinen Herd zu beschränken, sodaß die übrigen sehr ge­fährdeten Räume gerettet wurden. Die Firma ist versichert.

Pfeddersheim, 23. Jan. Eine Mordafsaire setzte gestern vormittag unseren Ort in Aufregung. Dort lebte der Schlossergeselle Valentin Seiler mit seiner Frau in sehr schlechter Ehe und der Schluß war eine Scheidungsklage, die gestern vormittag am Amtsgericht in Pfeddersheim zur Verhandlung stand. Seiler traf nun seine Frau auf der Frankenthaler Straße, nahe beim Amtsgericht, und feuerte aus einem Revolver einen Schuß aus sie ab, ohne jedoch zu treffen- Die Frau flüchtete zu in der 'Nähe befindlichen Arbeitern- Einer derselben, mit Namen Werner, wollte dem- Seiler den Revolver entreißen, wurde aber dabei durch einen weiteren Schuß, allerdings nur unerheblich, verletzt- Seiler richtete den Revolver nun auf sich selbst und schoß sich zweimal in den Kopf, ohne tätlich verletzt zu werden- Dann brachte er sich mit seinem Messer eine schwere Verwundung am Halse bei und stürzte bald darauf besinnungslos nieder: Auf ärztliche Anordnung sollte der Schwerverletzte, den man zunächst ins Amtsgerichtsgebäude brachte, nach.Worms ins Krankenhaus transportiert werden, starb aber be­reits auf dem Wege dorthin-

Frankfurt, 23. Jan. Ueber den Kampf zwischen dem Metzger Eckert und drei Schutzleuten, von dem wir bereits gestern telegraphisch berichteten, werden folgende Einzeilheiten mitgeteüt- Nachts gegen IV2 Uhr wollten die Schutzleute Baron und Kuhn, in der Nähe des städtischen Schwimmbades eine Dirne festnehmen. In die Angelegenheit mischte sich ein Dritter, der frühere Metzger Eckert, der sich als Beschützer der Dirne zu erkennen gab- Beide wurden mit auf die Wache des ersten Polizeireviers, Johanniterstraße 16, genommen- Schutzmann Baron hatte sich an den Tisch der Wachtstube gesetzt, und protokollierte die Aussagen. Als er im Begriff war, aufzustehen, sprang der Zuhälter, der bis dahin sich ruhig verhalten hatte, auf den Beamten zu und versetzte ihm von hinten über die Schulter hinweg einen Messerstich in die Brust, der die Lunge verletzte. Der Schutzmann schrie auf und sank bewußtlos zur Erde- Sofort sprang der Schutzmann Baumann seinem Kollegen zu Hilfe, aber auch er wurde von dem Zuhälter durch Messerstiche in den Ober­arm und in die Hände so erheblich verletzt, daß er ebenfalls kampfunfähig wurde und das Bewußtsein verlor- Ein dritter Schutzmann, Kuhn, hatte inzwischen blank gezogen und machte den Angreifer kampfunfähig- Eckert wurde dabei ebenfalls verletzt- Der Rettungswagen brachte später che beiden Schutzleute nach dem Heiliggeisthospital, während der Angreifer ins städtische Krankenhaus kam- Das Befinden des Schutzmann Baron giebt zu Bedenken Anlaß. Auch.Schutzmann Baumann ist schwer verwundet; eine Hand nebst den Fingern ist so verletzt, daß sie mög­licherweise verloren ist. Die Wunden des Angreifers haben sich als ungefährlich erwiesen; er konnte bereits vom Krankenhaus dem Gefängnis zugeführt werden-

Frankfurt a. M., 22. Jan. Der Frhrl. Karl von Roth­schild'scheu öffentlichen Bibliothek wurden 3500 Bände aus dem Nachlaß des Frhrn. Adolf von Rothschild von den Erben als Geschenk überwiesen. Diese Sammlung ent­hält hauptsächlich französische Litteratur, speziell Ausgaben aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ferner italienische, spanische und englische Litteratur, topographische Reise- und Kostümwerke, auch Musik. Etwa vier Fünftel dieses Zuwachses sind vortrefflich gebunden. Alle Werke sind bereits im Nominalkatalog verzeichnet und benutzbar. Gleichzeitig er­hielt die Anstalt von Baron. Henri de Rothschild in Paris noch 270 Bände aus dem Nachlaß der Baronin Nathaniel de Rothschild.

Handel und Uerltchr. Volkswirtschaft.

Darmstadt, 23. Jan. Die S ii d d e u t s ch e Eisenbahn» Gesellschaft rüst auf den 28. Februar eine außerordentliche Generalversammlung ein behufs Genehmigung des Vertrages mit der Stadt Darmstadt und Bildung eines Eisenbahnkonsortiums für die Nebenbahnen sowie Ermächtigung, die notwendigen Geldmittel bestmöglich zu beschaffen.

Frankfurt a. M., 23. Jan. Tic Deutsche Esfekteu- und Wechselbank hielt heute vormittag eine außerordentliche Generalversammlung ab. 20 Aktionäre vertraten 12 038 Aktien und 1200 Stimmen. Der Antrag der Verwaltung, das Aktien­kapital mit Rücksicht auf die allgemeine Depression von 30 Millionen auf 24 Millionen herabzusetzen und zwar durch Ankauf von Aktien, mürbe einstimmig per Aeelamation angenommen.

Frankfurt a. M., 23. Jan. Die vor kurzem übernommene Anleihe der Stadt Frankfurt a. M. wird am 29. ds. Mts. zur Subskription gestellt bei dem Bankhaus Lamrd Speyer-Ellissen in Frankfurt a. M. und bei Mendelssohn u. Eo. und der Berliner Handelsgesellschaft in Berlin. Ter Emissioirsknrs betragt 98,40.

Effen a. b. Ruhr, 23. Jan. Wie dieRh.-Wests. Ztg." meldet, gelangen gemäß der den Verbaudszechen des Kohlen- syilditats erteilten Abrechnung für den Dezember wiederum 6 Prozent Umlage zur Erhebung.