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24.1.1902 Erstes Blatt
 
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Ausübung

und genügendes Wissen für ihren Beruf voraus-

Schwache erstarken.

E.

gesetzt wurde, die es wagten, bie natürlichen Entwickelungs- tendenzen des Großverkehrs voraus zu ahnen und mit ihnen als sicheren Faktoren zu rechnen.

Das kühne Vorgehen Bismarcks stieß übrigens nicht nur bei denjenigen politischen Wortführern, die überwiegend mit manchesterlichem Winde segelten und in der Zentrali­sierung und dem staatlichen (Eingreifen in das wirtschaft­liche Leben den allmählichen Tod aller freiheitlichen Reg­ungen erblicken zu sollen glaubten, auf starken Widerstand, sondern auch bei seinen amtlichen Mitarbeitern sand der Reichskanzler, bis er Maybach heranzog, wenig Verständnis. Bismarck war auf die Fortsetzung eines kleinlichen Ressort- krieges, der seine Kräfte auszureiben drohte und ihn tte verstimmte, angewiesen. Der Handelsminister Achenbach, dem bismarckischen Gedankenfluge ebensowenig kongenial wie der finanzielle Partikularist und hausbackene PhilisterCamp- hausen, entwickelte selbst damals, als man sich an der Berliner Börse mit der Fusionierung großer Privatbahnen nach ame­rikanischem Muster beschäftigte, in einer Programmrede seine profunde Weisheit dahin, daß die Vorteile und Nachteile der Staats- und Aktienbahnen sich die Wage hielten und daß man am besten daran thue, die Sache so zu lassen, wie sie gewesen sei. Auch Camphausen war kein Anhänger des reinen Staatsbahnsystems und hat dies ziemlich unver­blümt im Abgeordnetenhause ausgesprochen; und als Bis­marck 1876 ein besonderes Eisenbahnministerium schuf, um das Handels- und Finanzministerium in ihrem Ressortegois­mus im Zaum zu halten, widersprach mit Entschiedenheit diffieile est satiram non scribere derjenige Staatsmann Miquel der später berufen sein sollte, den einseitigen Eisenbahnfiskalismus zur höchsten Blüte zu bringen.

Immerhin war damals die nationale Begeisterung noch stark und feurig genug, namentlich in Preußen, um Bismarck in bic Lage zu versetzen, sagen zu können, Preußen wolle bei der Durchführung des Reichseisenbahngedankens mit gutem Beispiele und opfermutig vorangehen.

Schluß folgt.

des betr. Handwerks treten. Ebenso kann eine

Kompromiß st ile geflossen. Das kann man z. B. in sehr interessanter Weise am Schluß des Mittelalters sehen, als die Renaissaneewogen aus Italien nach den Nordländern hinübcrschlugcn und die Nordländer sich gegen die neue Kunst nicht mehr wehren konnten. Die Gotik hatte sich ausgelebt. Man mußte den neuen Formen Zugang gewähren, und so entstanden zunächst Mischpro­dukte. Der Redner wies dabei aus das Schlößchen am Brandplatz hin, das als Renaissancebau durchgeführt ist, dessen Thüren und Fenstergewände aber ähnliche spät­gotische Formen zeigen, wie der Turm der Stadtkirche, wo diese Formen allerdings dürftiger sind.

Manchmal bleibt es auch dabei nicht, daß sich der neue Stil in den alten hineinschiebt und ihn allmählich verdrängt. Zuweilen geht es viel stürmischer her, und zwar vor allem dann, wenn die öffentliche Meinung der Künstler zu dem Schluß gekommen ist, die Kunst habe sich ausgelebt und bedürfe einer radikalen Umformung, einer Stilrevolution; man müsse, was man einmal ge­lernt habe, vergessen und anderes an seine Stelle setzen. Man entschließt sich, möglichst von vorne anzufangen. Das sieht aus wie Ältertümeln, aber es ist cs iücht- Die Hauptsache ist, daß die Künstler zurückgehen auf schlichte Formen, einfachste Gestaltung, um aus dieser heraus zu einer neuen künstlerischen Gestaltung zu kommen, und hier ist mehr noch als die bildende Kunst die Baukunst und das Kunsthandwerk berufen, das Neue in die Welt einzuführen.

Von den Lichtbildern, die diese Stilwand- l u n g e n erläuterten, nennen wir besonders -die Darstell­ungen der verschiedenen Stile pompejanischer Wanddeko­ration, die sich ganz allmählich auseinander entwickelten- Als drastisches Beispiel verkehrter S t i l n a ch a h m u n g war Eanova's Napoleon I. gewählt, der den modernen Herrscher etwa wie Alexander den Großen, nämlich nackt darstellt. Die Aufgaben der strengen Stilnachahmung, die Altes oder Fremdes stilgetreu zu ergänzen sucht, wurden an dem jetzt so viel genannten Ottheinrichsbau des Heidel­berger Schlosses erörtert, wobei die Schwierigkeit der Restauration, wie die Bedenklichkeit des jetzigen Zustandes betont, dagegen das Urteil derviel zu vielen", die dabei vielleicht nur in altnordische Ruinenschwärmerei ohne Ver­ständnis des eigentlichen Problems mitreden, abgewiesen wurde. Nachbein dann noch als glänzendes Beispiel eines erfolgreichen St i l ko m pr o mis se s das Vischer'sche Se- baldusgrab erläutert worden war, dienten eine Reihe von Abbildungen modernster Werke zur Kennzeichnung der Stilrevolution, in der wir leben. Hausrat, Innen­dekoration, Schmucksachen, Zierschriften, architektonische Gesamtbilder, vorwiegend der Darmstädter Ausstellung ent­nommen, sollten im Sinne des Redners darthun, daß wir einem neuen Stil zusteuern, der einst genau so em historischer" Stil fein wird, wie etwa der romanische oder gotische, der jedenfalls gegenüber dem in Nach­ahmung virtuosen, durch beständiges Nachahmen aber auch entkräfteten Stil des 19. Jahrhunderts einen gewaltigen Fortschritt bedeutet-

Aus Stadt und Kalid.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen imb werden angemessen honoriert.

Gießen, den 24. Januar 1902.

** Kaiser Wilhelm I. in Oberheffeu. In Nr. 13, 3. Bl., veröffentlichten wir eine interessante Zuschrift, in der die alte Ueberlieferung von dem Aufenthalte Kaiser Wilhelms I. in seinen jungen Prinzenjahren auf dem Herrenhause von Bellersheim auf Grund von Mitteilungen des kaiserl. Zivilkabinets stark angezweifelt wurde. Heute nun erhalten wir folgende Zuschrift, die die bekannte Erzählung ein wenig variiert. Der Herr Einsender schreibt:

fünfjährige Thätigkeit als Werkmeister als Vorbedingung man bei diesen eine eingehende Kenntnis ihres

nur dann zuzulassen, wenn er mindestens drei Jahre als Geselle in seinem Gewerbe thätig gewesen ist. Er hat sein Gesuch um Zulassting zur Meisterprüfung an den Vorstand der Handwerkskammer gelangen zu lassen, der daS Gesuch an bic zuständige Prüfungskommission weckergiebt. Die näheren Bestimmungen (der Prüfungsordnung^ sind zwar noch nicht festgestellt, doch wird die Prüfung in einen pratcischen und einen theoretischen Teil zerfallen. Ter praktische Teil wird in der Anfertigung eines Meisterstücks nebst den dazu erfor­derlichen Zeichnungen und der Kostenberechnung, sowie in der Arbeitsprobe bestehen; der theoretische Teil schriftliche und mündliche Prüfung umfassen. Die schriftliche Prüfung wird sich erstrecken auf eine Prüfung in den Fachkenntnissen, sowie in bz r Buch- und Rechnungsführung, die mündliche über die gleichen Fächer und außerdem noch auf die Gesetzeskunde. Sie wird sich also auf Fragen erstrecken, welche die ^Haupt- bestimmungen der Gewerbeordnung und der Arbeiteroersicher- ungsgesetze, soweit diese Gesetze den Handwerker berühren, zum Gegenstand haben. Ueber die bestandene Prüfung erhält der Prüfling einen Meisterbrief.

Es ist hieraus zu ersehen, daß es für die Zukunft nicht mehr so leicht, wie früher, ist, den Meistertitel zu erwerben, aber dadurch, daß die Erwerbung des Titels von dem Nach­weis einer gewissen Befähigung abhängig ist, wird dieser Titel auch wieder zu höheren Ehren gelangen.

Ein großer Teil der heutigen Handwerker ist verzagt und hält die Lage des Handwerks für dauernd schlecht. Stellt man aber den Handwerker auf eine höhere Stufe, indem man durch die Bezeichnung einen Unterschied macht zwischen einem selbständigen Handwerker, der seine Meisterprüfimg abgelegt hat und einem Handwerker, der keine Prüfung ablegte, in der Weise, daß sich letzterer nur als Schreiner, Schlosser be­zeichnen darf, dann wird auch das Selbstbewußtsein im Handwerkerstande wieder geweckt. Die Ablegung der Meister­prüfung wird als erstrebenswertes Ziel betrachtet werden und in dem Ringen und Strebeii wird auch der wirtschaftlich

Der Meistertitel.

Man hört eben oft die Frage: Muß ein Hand­werker die Meisterprüfung ablegen, umsichsebst- ständig machen zu könuen? ober: Darf der Soundso sich Schreiner meist er nennen?

_ Eine Klärung dieser Fragen scheint mir vor allem wichtig, da sowohl schriftlich wie mündlich tagtäglich um Auskunft hierüber gebeten wird.

Was die erste Frage betrifft, so sieht die Gewerbeordnung keine Beschränkung m dieser Hinsicht vor, es kann sich also ein Geselle, z. B. ein Schreinergeselle, selbständig machen, ohne die Meisterprüfung abzulegen. Aber wohlgemerkt, mit der Selbständigmachung wird er noch lange kein Schreinermeister, er bleibtSchreiner" und hat nicht das Recht, sichSchreiner- meister" zu nennen. Nun ist vielleicht mancher da, der sagt: Der Titel ,Schreinermeister' hat für mich nicht so viel Wert, daß ich mich erst einer Prüfung hierzu unterziehe". In einigen Jahren aber werden diejenigen, die so sagen, den Wert einer Meisterprüfung wohl zu schätzen wißen.

Von Seiten der Handelskammern wird alles geschehen, um dem Meistertckel wieder als Ehrentitel Geltung zu ver­schaffen und dahm wird heute schon gestrebt, daß für die Zukunft bei Arbeitsvergebungen, Lieferungen usw. in erster Linie diejenigen Berücksichtigung finden, die ihre Meister­prüfung abgelegt und damit , den Meistertitel erworben haben. Vor allen Dingen aber wird sich das Publikum bei Bestellung von Arbeiten an diejenigen selbständigen Handwerker wenden, von denen es die Gewißheit hat, daß dw Betreffenden etwas tüchtiges in ihrem Handwerk leisten und dies durch Ablegung der Meisterprüfung beiviesen haben.

Durch diese Meisterprüfungen soll ja doch, wie die Ge­werbeordnung sagt, der Prüfling darthun, daß er die Be- ählgung zur selbständigen Ausführung und Kostenberechnung der gewöhnlichen Arbeiten des Gewerbes, sowie der zu dem selbständigen Betriebe desselben sonst notwendigen Kenntnisse, insbesondere auch der Buch- und Rechnungsführung besitzt. Wir haben gewissermaßen in der Meisterprüfung einen akultativen Befähigungsnachweis. Damit ist eng verbunden bic Verleihung des Meistertitels.

Fragen wir uns nun: W er darf den Meistertitel ühren?

Zunächst alle diejenigen Handwerksmeister, welche den- elben bereits vor dem 1. Oktober 1901 (Zeitpunkt des In­krafttretens der Bestimmungen über den Meistertitel) besessen haben. Von diesem Tage an kann nur derjenige den Meisler- titel in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks (z. B. Schreinermeister, Schuhmachermeister) führen, welcher m seinem Gewerbe die Befugnis zur Anleitung von Lehr­lingen erworben und die Meisterprüfung bestanden hat.

Es fragt sich nun zunächst: Wer hat die Befugnis Lehrlinge anzuleiten?

In Handwerksbetrieben steht dies solchen Personen au welche: 0

24 Jahre alt sind, die von der Handwerkskammer vor- gcschriebene Lehrzeit z urückgelegt und die Gesellenprüfuna be|tanbcn haben,

oder

5 ia^rc hindurch persönlich das Handwerk selbständig auSgeubt habcn, ober als Werkmeister bezw. m ähnlicher Stellung thatig gewesen sind.

. somit an stelle der ordnungsmäßigen Lehrzeit

s?/brtC?Un9 bo Gesellenprüfung, als Vorbedingung für ba5 ^"leiten von Lehrlingen, eine 5 Jahre lange seLstLdige

Stil und Stilwandlungen in Kunst und Kunstgeweröe.

Schluß.

Im zweiten Teil seines Vortrags sprach Prof. Dr. Sauer überSti l w an d lun g en". Nach dem Gesagten hätte es scheinen können, als ob Stil etwas Unabänder­liches fei, als ob bie Stilgesetze unverbrüchliche Geltung hätten. Tas ist nicht der Fall. Der Stil kann nicht nur Wanblungen durchmachen, fonbern er muß sie seiner Natur nach sogar er leib en. Stilgesetze, die jetzt gelten, haben in hundert Jahren vielleicht keine Geltung mehr. Das allerdings muß festgehalten werden, daß gewisse Gesetze sich über alle Zeiten hinaus erhalten können. Fragen wir nun nach den Gesetzen, nach benen sich Wand­lungen des Stils vollziehen, so werben wir auch da Er­scheinungen finden, die in verschiedenen Zeiten sich in mancher Weise wiederholen. Da gießt es zunächst den nor­malen Hergang der Stil ent Wickelung und Ab­lösung der einzelnen Stile. Die Kunst und das Kunst- Handwerk sind, wenn auch der einzelne viel beiträgt, Dinge, die aus dem Bedürfnis einer Gesamtheit hervorgehen. Ter eine richtet sich nach dem anderen. Der Mensch zeigt sich als nachahmendes Wesen. Und wenn der eine das Werk des andern nachahmt, will er es auch besser machen. Das Streben, immer besser zu werden, in den Leistungen, führt uns auch von einem Stil zum anderen. Der An fäu g er st il wird zum Stil der Reifezeit; so gelangt der &ti[ allmählich zu einem Höhepunkt. Hier ist ein gewi sses Verweilen möglich, dann aber muß etwas neues kommen, ober der alte Stil wird schwach unb endet mit dem völligen Ver­fall. Das Neue tritt sehr verschieden auf. Oft kommt es ganz allmählich. Wenn ein Stil verbraucht ist, wird eine Variante erfunden. Man entfernt sich noch nicht -zu sehr von dem Vorhergehenden, aber man weiß boch in bas albere hinüberzuleiten. Wir können denn beob­achten, wie sich ber eine Stil aus dem anderen entwickelt, aber doch, wenn er fertig ist, dem alten als etwas Neues geaenübersteht. Verfolgen wir bas über Jahrhunderte, so erleben wir das merkwürdige Schauspiel, daß verschie­dene Stile in demselben Gegenstand auftreten. Als Beispiel sei der Dom in Wetzlar genannt, der als fertiges Werk nicht von Bedeutung ist, wohl aber des­halb, weil er uns eine ganze Folge von Stileii vor­führt, bie alluiählich aneinander gewachsen sind-

Es ist freilich diese Weiterentwickelung, die aus einer recht verstandenen Nachahmung sich erklärt, keineswegs immer in ber Stilgeschichte zu beobachten. Es kommt leicht vor, baß bic Nachahmung in falschem Sinne sich bethätigt, unb baß der Künstler glaubt, einen Stil auf­bessern zu müssen, burch Entlehnung bei fremden Stilen- Das kommt besonders in Zeiten vor, in denen es mit einem Stile abwärts geht- Dann sucht man Hilfe bei fremden Stilen, sei es vergangener Zeiten oder fremder Völker. So suchte man z. B. am Enbe des 18. Jahrhunderts Rat bei der Antike, und in den letzten Jahrzehnten machte man Anlehen bei ben Japanern. Das sind Stilwandlungen bie durch die nicht sehr schöpferischen, aber im Nachahmen geschickten Künstler hervorgerusen werden.

Besonders eine Art von Nachahmung ist es, die häuftq beim Abwärtsgehen der Schöpferkraft vorkommt, nämlich baS Zurückgehen auf altertümliche Kunst, bie selbst noch unreife Formen hat- Diese wirb dann von einem Künstler hervorgesucht, ber eigentlich alles viel besser kann, aber sich selbst unb sein besseres Können ver­leugnet, um sich mit betn neuen Reiz des Altertümlichen auszustaffieren. Das ist eine verkehrte Richtung- stilistisch ist es nicht rühmlich, in eine solche Altertümelei zu verfallen.

Dagegen hat es einen gesunden Sinn, mit Hilfe der Kenntnis bes alten Stils unvollendete Werke als Ganzes auszugestalten, um sie zu ber vollen Wirkung kommen zu lassen, bie ihnen die alten Künstler zu geben beab- Das ist aber nicht mehr "Nachahmung, fonbern geschaht auf Grunb wissenschaftlicher Forschung und tiefer Versenkung m bas Wesen der alten Welt- Vielfach frei- lich rst man von solchen Ergänzungsarbeiten zuruckgekom- men- Wahr en b inan die antiken Statuen früher stets er­gänzt hat, unb zwar größtenteils falsch, ist man jcM soweit gekommen, überhaupt nicht zu ergänzen ober i)o cf) ft en y mit Gips, den man leicht abnehmen kann, wenn sich die Ergänzung als fehlerhaft herausstellt.

Jedenfalls bildet die Nachahmung nur eine Neben art von Stilwaudlung, die nicht zu allen Seiten hervorragend gewirkt hat. Dagegen ist eine häufige Er­scheinung bas plötzliche Einbringen eines neuen Stiles gegen bie Absicht der Künstler, bic eben noch eine ganz andere gewohnt waren. Sie geben den alten M nicht ganz auf, sondern verschmelzen. Es werden

gelten, ba Handwerks setzen darf.

Was hat nun der zu thun, der zu dem Meister­titel gelangen will? Der Handwerker, bei dem die vorstehend ausgeführten Voraussetzungen zutreffen, hat die Meisterprüfung abzulegen. Zu dieser ist er in der Regel

In Burkhardsfelden wird heute noch von glaubwürdigen Personen versichert, daß Kaiser Wilhelm in dem dortigen ehem. herrschaftlichen Hofgut, jetzt der Firma I. B. Noll in Gießen gehörig, aus der Reise von oder nach Frankreich eine Nacht zu­gebracht habe, und daß von dieser Anwesenheit bis lange in bie zweite Hälfte des verflossenen Jahrhunderts eine Fensterscheibe Zeugnis gegeben habe, in die der Prinz seinen Namen geritzt, die aber inzwischen den Weg alles Glases gegangen sei. Ohne mich mit der Annahme, daß der Prinz auf der Reise von Schmalkalden nach Frankfurt nur die kürzere Fuldalinie benutzt habcn könne, aus- einairdersetzen zu »vollen, möchte ich doch darauf Hinweisen, daß auch heute noch gerade für militärische Transporte aus dem Norden nach Frankfurt oder umgekehrt die Reiskirchener und die Bellers- Heimer Gegend benutzt wird, ©o kamen vor zwei Jahren die Hannoverer Königs-Ulanen, die auf dem Rückweg von den elsässischen Kaisermanöveni hier übernachteten, von Bellersheim, ivo sie die vorige Station gemacht hatten, und zogen über Grünberg und Homberg werter. Der Schluß auf die vorliegende Sache liegt nahe. Wa§ außerdem die Boden- und Wegschwierigkcitcn anlangt, die vor ca. 100 Jahren wohl noch mehr ins Gewicht fielen als heute, so durfte die letztere Strecke trotz ber etwas weiteren Entfernung doch mehrere Vorzüge vor der Linie VachaGelnhausen aufzuweisen

Aus der Vorgeschichte des Buckhardsfeldcr Hosgutes giebt der Herr Einsender noch an, daß dieses anfangs des ISi Jahrhunderts von einem gebürtigen Grünberger namens Hofmann erworben wurde, der sich in den Kriegen unter Prinz Eugen auszeichnete und das Adelspradikatvon Löwcnfeld" erhielt. Als das Gut Mitte des vorigen Jahrhunderts in andere Hande überging, würben aus jenen Kriegen herrührende Akten, die Kriegspläne u. a. bis nach Danzig hinunter enthalten habcn sollen, aus dein Hause in Futter- korben entfernt und unter denSiedkcsseln" verbrannt. Auch ist em k^ensgroßes ^elbild des Prinzen Eugen dagewesen, aber um dieselbe Zeit verschollen. '

. ** ^"nsp^chverrehr. Die Zulassung des Sprechverkehrs zwischen Gießen und Dortmilnd, sowie zwischen Gießen und Hörde vom 1. Februar ab ist genehmigt worden. Auf bie- übrigen Stadt-Fernsprech-Einrichtungen des rheinisch-west­falischen Jndiistriebezirks ist die Ausdehnung des Sprech- berclchs von Gießen vorläufig nicht angängig, weil die m Betracht kommenden Leitungen bereits überlastet sind. So­bald jedoch durch den im nächsten Rechnungsjahre erfolgenden Ausbau des Fernsprechnetzes die Betriebsmittel verbessert sein werden, wird die Kaiserl. Ober-Postdirektion in Darmstadt die Angelegenheit abermals in Et-wägung ziehen.

** $inc wohlthatige Einrichtung. Seit dem 1. Dezember ^^halten 146 Mädchen, und 119 Knaben der hiesigen Stadtschulen alltäglich m den Pausen Frühstück, bestehend aus einem halben Lchoppen abgckochter warmer Milch und einem Brötchen. Die Auswahl der Kinder, welche bedacht werden sollen erfolgt auf rationelle Weise, indem bei den periodischen Untersuchungen durch den Schularzt die schwäch- lichsten und kränklichsten Kinder unter Mitwirkung der Lehrer ausgesucht werden. Der Schularzt, wie die Lehrer sind über

c-v^tVeU1-^Cn Gewährung des Frühstücks einer Ansicht. Die Kosten, welche die Einrichtung ivährend der Wintermonate verursacht, belaufen sich auf ca. 1200 Mk., bie gum-Leu gedeckt werden au§ den Zinsen der Konrad Koch- Skistung und aus Beiträgen, ivelche in dankenswerter Weije von dem VereinContentia" und dein Gastwirte-- verein gespendet wurden; auch eine Dame hat jünqft zu gedachtem Zwecke einen Betrag von 50 Mk. zur Verfüauna gestellt. All diese Beiträge erreichen aber noch nicht die Hälfte