unter bereit Schutze alle Bürger stehen sollten. Soda» ging her König auf die in letzter Zeit über die die Tbron- solgefrage abermals in Umlauf gesetzten Gerüchte ein.
Dolitische Tagesschau.
Die Börse vor Jahresschluß.
Man schreibt uns aus Berlin vom 22. Dezember:
Der Stand des wirtschaftlichen Barometers, der Börse, aegen den Schluß des Jahres weist auf Depression. Der zu N.ujahr in Aussicht stehende bedeutende Geldbedarf wirkt lahmend aus das Geschäft. Eine Erhöhung des Privatdiskonts ist unausbleiblich, eine solche des Reichsbankdiskonts nicht ausgeschloffen. An anregenden Momenten fehlt es ganz und gar: mit Sicherheit rechnen die Börsenkreise nur aus das baldige Erscheinen einer neuen Reichs- und preußischen Anleihe. Daß diese glatt untergebracht werden, ist allerdings nicht zweifelhaft; aber cs werden dadurch wieder bedeutende Kapitalien festgelegt, die dem Börsengeschäft, zu dessen Belebung sie hätten dienen können, verloren gehen. Von der Reform des Börsengesetzes versprechen sich die beteiligten Kreise nicht viel, abgesehen davon, daß diese Reform kaum vor Frühjahr praktisch werden bürfte. Immerhin ist die Börse schon unter weit ungünstigeren Verhältnissen dem Jahresschluß entgegengegangen.
Bierbrauerei und Bierbesteueruug.
Die Nachiveise über die Bierbrauerei und Bierbestcuerung im deutschen Zollgebiet während des Rechnungsjahres 1901, veröffentlicht im 4. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches, Jahrgang 1902, zeigen im allgemeinen wieder wie seit Jahren eine Zunahme der Biererzeugung. Doch verteilt sich die Zunahme nicht gleichmäßig über das ganze Gebiet, sondern es stehen, wenn man die Staaten und Provinzen einzeln betrachtet, einzelnen erheblichen Zunahmen atlch starke Abnahmen gegenüber. So hat besonders in Westfalen, Rheinland und im Königreich Sachsen die gedrückte Lage des Großgewerbes den Bierverbrauch und die Biererzeugung sehr beeinträchtigt, während m anderen Bezirken günstige Witterung und die geringe Obsternte den Biergenuß gesteigert haben. Die Zahl der betriebenen Bierbrauereien geht noch immer anhaltend zurück. Es bilden wieder die kleinen Betriebe, die hauptsächlich obergäbrigcs Bier bereiten, die große Mehrzahl der eingegangenen Brauereien. Erzeugt wurde an Bier: im norddeutschen Branstcuergebiet 45,0 (1900: 44,7) Mill. ÖL; in Bagern 17,8 (1900: 17,9), in Württemberg 4,0 (1900:
Ausland.
London, 22. Dez. „Daily Mail" meldet aus Shanghai, daß gestern zwei rtompagnien deutscher Truppen Shanghai verließen; eine geht nach Deutschland, die andere nach Krautschou.
Rom, 22. Dez. Wie die „Agenzia Stefani" meldet, wird die Antwort der italienischen Regierung betreffend den Schiedsspruch des Präsidenten Roosevelt, die gleichlautend mit der Antwort Deutschlands und Englands ist, morgen dem hiesigen Botschafter der Der. Staaten übergeben werden.
Belgrad, 22. Dez. Ter König beantwortete einen anläßlich- seines Patronatsfestes am Nikolaustage vom Metropoliten auf den König und die jtönigin ausgebrachten -- rintsprach inii einer Rede^ in welcher er ausfuyrte, fein heißester Wunsch sei, fein glücklich und yifrieben zu machen. Im Lande müsse Recht und Gesetzlichkeit herrschen.
nie eilten Dienstboten gehabt; ich selbst besorgte alle Gänge und Einkäufe....
Therese Humbert selbst hat dem Madrider Mitarbeiter des „Temps", dem von dem dortigen Polizeipräfetten eine Unterredung mit ihr verftattet worden war, folgendes gesagt: „Ich habe beit lebhaften Wunsch, noch heute abend nach Paris zurückzureyren, und hoffe, daß die Auslieferungsformalitäten möglichst avgekurft merben." 2er Zustand ihrer Tochter, sagte sie ferner, flöße ihr ernste Besorgnisse ein. Eva leide an einer Herzkrankheit, und die Aufregungen bei der Verhaftung hätten ihren Zustand erhebliche verschlimmert. Nichts läge ihr, sowie ihren Angehörigen mehr am Herzen, als sich vor der ftanzösischen Justiz zu verantworten und die Leute, die ihr „Unglück" verschuldet hätten, besonders den Anwalt des Bankiers Cattani, zu verklagen. — Tie Dame scheint also keineswegs gebrochen zu fein, sondern den stampf trotz den für sie in sehr ungünstiger Weise veränderten Umständen frisch und froh gegen die Gläubiger, die tzineingelegten und die Richter selbst fort* führen zu wollen.
Die alte Frau Humbert, die Witwe des ehemaligen Justizministers und Mutter Frederics, ist durch die Kunde von der Verhaftung der Schwindlerbande aufs Heftigste erschüttert worden. „Mein Märtyrertum soll also aufs neue beginnen!" klagte sie einem Mitarbeiter des „Temps". Sie schilderte darauf die traurige Existenz ihres Sohnes, der von der tyrannische Therese terrorisiert wurde und wie ein Einsiedler lebte. „Man hat mir letzthin erzählt, daß er oft öie Hintertreppe für die Dienstboten benutzte, um nur nicht mit den Leuten, die seine Frau empfing, zu- sammenzutreffen", fuhr die alte Tarne fort. „Mich beängstigte sein trauriges, niedergeschlagenes Aussehen, dessen Ursache ich nicht ahnte. Eines Tages fragte ich ihn in seinem Salon, in Gegenwart seiner Frau, weshalb er so traurig dreinschaue. „Frsdsric", fiel Therese hastig ein, „sag' Deiner Mutter, daß Du glücklich bist!" — „Ich wäre schon glücklich", sagte er daraus zu seiner Frau, „wenn Tu Tich nur weniger mit Geschäften abgäbft." Tie Greisin erwiderte auf die Frage des Journalisten, ob sie von ihrem Sohne seit seiner Flucht irgend welche Nachrichten erhalten hätte, laut aufschluchzend: „Nein! An allem ist Therese allein schuld", versicherte sie. „Man kann sich kaum vorstellen, wie unglaubliche tyrannisch sie ihre Umgebung behandelte."
Im Pariser „Peri t bleu" läßt Edgar Combes, der Sohn und Kabinettsekretär des Ministerpräsidenten, sich vernehmen. Er erklärt, daß kein einziges Mitglied der gegenwärtigen Regierung Madame Humbert auch nur gekannt habe. Ties sei alleroings ein Zufall, denn Madame Humbert, die Schwiegertochter eines Justizministers und Gattin eines Teputierten, habe überall Verbindungen gesucht und sei z. B. mit der Witwe des Präsidenten Carnot eng liiert.
Wie die Pariser Blätter melden, soll heute eine sensa- tionel le Verhaftung in der Humbert-Afsaire erfolgen. Es soll sich> dabei um eine amtliche, in der Angelegenheit viel genannte Persönlichkeit handeln. Tas Blatt „Francaise" erklärt, daß ein Brief Romain Taurignacs an seine Geliebte beschlagnahmt worden sei, worin biejetbe ersucht wird, alle Papiere zu vernichten. Taurignac verspricht ihr dafür eine Belohnung und fügt dem Schreiben gleichzeitig 2000 Frs. bei, die gleichfalls beschlagnahmt wurden.
Aus Madrid, 22. Dezember, wird noch, berichtet: Tiie Humberts, welche gestern unausgesetzt Besuche von spanischen Journalisten empfingen, erkennen die ausgezeichnete Behandlung seitens der Gefängnisverwaltung an. Romain Taurignac richtet die heftigsten Anklagen gegen den „Wucherer" Cattani und dessen Schwiegersohn Reutlinger, die beide für das Unglück der Humberts oerantworttich seien. Ihre Aussagen würden für den Justizminister Valle, den Chefredakteur des „Matin" und des „Petit Parisien" fatal sein. Ter Aufenthalt her Humberts in Madrid sei der französischen Negierung längst bekannt gewesen, die Verhaftung aber bisher nach nick)t erfolgt, weil sie der Negierung nicht Lonvenierte. Auf Wunsch des französischen >>ionsuls hat der spanisch^ Justizminister den weiteren Ver- ' kehr mit den Humberts untersagt. Viele Pariser Jouwa- listen, sowie die Beamten, welche die Gefangenen nach Paris überführen sollen, sind hier eingetroffen. Tie Auslieferung dürfte unverzüglich erfolgen. Die Nachricht des „Gaulois", die Humberts hätten Salmeron zur Verschleppung der AuS lieserung gewonnen, ist falsch
Deutsches Keich.
Berlin, 22. Tez. Ter Kaiser hörte heute morgen die Vorträge des stellvertretenden Chefs des Zivilkabinetts und des preußischen Finanzministers und empfing sodann den Geheimen Kommerzienrat Hartmann-Twesden und den Finanzrat Haux-Essen in Angelegenheit der testamentarischen Bestimmungen des verstorbenen Geheimrat Krupp betreffend die Fortführung der Krupp'fchen Werke.
— Zu der Blättermeldung, daß der Bundesrat demnächst den Reichstagsmitgliedern Anwesenhettsgelder bewilligen werde, bemerkt die „Poft", es ist wahrscheinlich, daß in der Diätenfrage in nächster Zeit etwas geschieht. Daß der Bundesrat dem vom Reichstage beschlossenen Gesetzentwurf einfach zustimmt, will uns jedoch fraglich scheinen. Eine andere Möglichkeit wäre die, daß der Bundesrat dem Reichstage in ähnlichem Sinne eine Vorlage macht. Jedenfalls aber dürfte die Frage gewisser Kompensationen hierbei eine Rolle spielen.
— Dem „Reichsanzeiger" zufolge ist der Vizegouvev- neur des Schutzgebiets der Karolinen, der Palau- und Marianen, Hohl, zum Gouverneur von Deutsch-Neu-Guö- nea und der Kanzler beim Gouvernement von Togo, Horn, zum Gouverneur von Togo ernannt — Der „Reichsanzeiger" teilt unter Bezug auf die amtliche Kundgebung )es großbritannischen Kolonialamts, nach der Erlaubnischeine zur Reise nach Transvaal und der Oranje- luß-Kolvnie nur noch in südafrikanischen Hafenplätzen aus- ;estellt werden, mit, daß es deutschen Lieichsangehörigen reifteht, zur Erwirkung der Erlaubnisscheine bie Vermittlung der für den Landungshafen in Südafrika zu- tändigen kaiserlichen Koujularbehörden in Anspruch zu nehmen.
Braunschweig, 22. Tez^ Auf das vom AuÄchuß der braunschweigischen Landesversammlung aus Anlaß des Stapellaufeö von S. M. S. raun schw ei g" an den Kaiser gerichtete Telegramm ist, wie die „Braunschweig. Landeszeitung" mitteilt, heute folgende Antwort deA Kaisers ein getroffen: „2cm Ausschluß der Landesver- ammlung des Herzogtums Braunschweig.spreche ich für die anläßlich^ des Stapellaufes meines Schiffes „Braun- chweig" mir kundgegebene patriotische Gesinnung meinen; besten Tank aus mit dem Wunsch?, daß das schöne Schiff auf vielen glücklichen Fahrten feinen stolzen 9iamen zum Ruhme Teutschtands Ehre wahren möge. Wilhelm." Auf ein aus demselben Anlaß vom Magistrat der Stadt Brann- chweig an den Kaiser gesandtes Ergebenheitstelegramm ist dem Magistrat folgende Antwort zugegangen: „Neues Palais, 21. Tez. Dem Magistrat der Staat Braunschweig äge ich für die Kundgebung reichstreuer Gesinnung anläßlich des Stapellaufes meines Schiffes „Braunschweig" herzlichen Tank. Möge der ruhmvolle Name dem Schiffe glückbringend sein und der Allmächtige es in seinen gnädigen Schutz nehmen, zu des Vaterlandes Heil und Ehre. Wilhelm."
K a 11 v w i tz, 22. Tez. In dem Balle st rem scheu Wahlkreise fand eine vom polnischen Nationalverein einberufene, von 900 Personen besuchte Versammlung statt. Gegen das Zentrum und die oberschlesische Geistlichkeit wurden die schwersten Vorwürfe erhoben. Eine geharnischte Erklärung gegen den „Katholik", der zum Zentrum zu halten erklärt hat, wurde angenommen.
Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. In der Stadtkirche.
Mittwoch, den 2 4. Dezember.
Nachmittags 3 Uhr: Weihnachtsfeier der Kindeckirche von der Matthäus- und Markusgemeinde.
Pfarrer Schlosser und Pfarrer Scheunemann.
Nachmittags 5 Uhr: Weihnachtsoesper für die Militär, gemeinde.
Pfarrer Euler.
Am 1. Weihnachtsfeiertag, den 25. Dezember.
Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Schlosser.
Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und MarkuS- gemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeind« erbeten.
Nachmittags 5 Uhr: Prof. Dr. Drews.
Am 2. Weihnachtsfeiertag, den 26. Dezember.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Scheunemann. Nachmittags 5 Uhr: Siehe Johanneskirche.
Abends 7 Uhr im Konftrmandensaal Weihnachtsfeier für die Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäus- gemeinde.
Sonntag, den 2 8. Dezember.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Schlosser.
Nachmittags 5 Uhr: Bsarrer Scheunemann.
Abends 6'/, Uhr: Weihnachtsseier der konfirmierten weiblichen Jugend der Älatthäusgemeinde.
In der Johanneskirche.
1. Weihnachtsfeiertag.
Vormittags 9Vt Uhr: Pfarrer Euler.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrassistent Vogt.
Nach allen Gottesdiensten Sammlung für die Kleinkinder- Bewahranstalt.
2. WeihnachtSseiertag.
Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die 5fo- hannesgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Nach allen Gottesdiensten besondere Sammlung für bie Armen.
Am 2. Feiertag, nachmittags 6•/> Uhr findet im Schwesternhaus Vereinigung der neukonfirinrerten Mädchen der Lukasgemeinde statt. Pfarrer Euler.
Sonntag nach Weihnachten, den 2 8. Dezember.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 5 Uhr: Siehe Stadtkirche.
Katholische Gemeinde.
Mittwoch, den 24. Dezember.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit jur heil. Beichte.
Donnerstag, den 25. Dezember: Weihnachtsfest.
Vormittags von 5 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
„ um 5 Uhr: Christmette.
„ „ 6, 6'/,, 7, 7'/ Uhr: Heil. Messen. ,
„ „ 8 Uhr: Heil. Messe. Militärgottesdienst m. Predigt.
In der Christmette und in jeder heil. Messe Austeilung der heil. Communion.
Vormittags um 97, Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 27, Uhr: Festandacht mit Segen.
„ „ 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beicht.
Freitag, den 26. Dezember.
Fe st des heil. Stephanus.
Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheit zur beiL Beicht.
„ um 7 „ Tie erste heil. Messe, vor und in der
selben Austeilung der heil. Communion.
„ „ 8 Uhr: Tie zweite heil. Messe. Milttürgottesdienst,
„ „ 97, Uhr: Hochamt.
Nachmitttags um 2>, Uhr Festandacht.
Samstag, den 27. Dezember.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.
Sonntag, den 28. Dezember:
Sonntag nach Weihnachten.
Vornrittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
, um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor »md in derselben Austeilung der Herl. Kom- niunion. _ ,
Vormittags um 8 Uhr: Tie zweite heil. Messe. Milttargottei-- dienst mit Predigt.
„ 97, Uhr: Hochamt.
Nachmittags um 27, Uhr: Andacht,
3,88), in Baden 2,96 (1900: 2,97), in Elsaß-Lothringen 1,12 (1900: 1,11) und im ganzen deutschen Zollgebiet 71,2 (1900: 70,9) Millionen Hektoliter. Bei Bayern und Baden gelten die Angaben für das Kalenderjahr, bei den übrigen Steuergebieten für das Rechnungsjahr 1901. Unter Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr von Bier ist der Bierverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung berechnet worden: für das Brausteuergebiet auf 104,8 Liter (1900: 106,0), für Bayern auf 244,8 L. (190q: 246,1), für Württemberg au 184,2 L. (1900: 179,6), für Baden auf 158,4 L. (1900: 161,2), für Elsaß-Lothringen auf 82,7 L. (1900: 83,1) und für das Zollgebiet auf 124,1 L. (1900: 125,1 Liter). (Leider sind in dieser offiziösen Statistik nicht auch die Zahlen für unser Großherzogtum rnüverzeichnei.)
Französische Wahlpolitik.
Der frühere französische Minister des Aeußern Hanotattx, welcher die ihm angeblich auf Veranlassung Doumers auch von einem Teile der Radikalen angebotene Senatskandidatur im Departement Aisne angenommen hat, richtete an die Wähler einen Auftuf, in dem er sich als Kandidat der Versöhnung bezeichnet. Jnbetreff der inneren Politik stellt Hano- taux ein Programm auf, durch das er sowohl die Radikalen wie gemäßigten Republikaner zu befriedigen sucht. Bezüglich der äußern Politik sagt Hanotaux, Frankreich könne inmitten der mächtigen, arbeitsamen und kühnen Nationen seinen Stand nur dann behaupten, wenn es unaufhörlich wachsam und thättg sei. Es braucht deshalb eine ausdauernde aufmerksame Politik, die entschieden dem Frieden zugeneigt ist, aber ohne deshalb irgend eine seiner Kräfte oder irgend eines seiner Rechte gefährden zu lassen. Frankreich muß mutvoll die Armee- und Marinelasten tragen, wenn es auch suchen muß, die Bürden, die auf dem Leben jedes Bürgers ruhen, möglichst zu erleichtern. In volkswirtschaftlicher Beziehung tritt Frankreich, wie übrigens ganz Europa, in einen Zeitabschnitt ein. Der neue Zolltarif in Deutschland, die Folgen der Brüsseler Konvention für die französische Zuckerindustrie, die Syndikate und Trusts der konkurrierenden Staaten bedrohen den Ackerbau und Handel Frankreichs. Wähler und Gewählte müssen deshalb über den Schutz der nationalen Arbeit auf der Basis von Kom- pensationstarisen und Gegenseltigkeitsoerträgen wachen.
Aus Sludl uiiLi
Gießen, den 23. Dezember 1902.
- Hofnachrichten. Aus Aden, 22. Dez., wird gc. meldet: Se. Kgl. H. der Groß Herzog ist gestern mittag wohlbehalten auf dem Dampfer .Arabia" hier angekommen — Tie Prinzessin Ludwig von Battenberg ist Samstag Abend mit Faniilie von Darmstadt abgerevt und begab sich zur Weihnachtsfeier zu dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen nach Kiel, wozu auch Prinz Ludwig von Battenberg von London eintreffen wird. ° Mitte Januar wird die hohe Familie ihren Wohnsitz nach London verlegen.
• • Das Großherzogl. Staatsministerium hat mit Allerhöchster Ermächtigung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs eine Regierungsvorlage, betr. die Großherzogliche Offizier-Witwen- und Waisenkafse, sowie die Unter- offizier-Witwen-Kasse — zunächst der Zweiten Kammer — mit dem Antrag vorgelegt, einem mit dem Reichskanzler darüber abgeschlossenen Vergleich, soweit erforderlich, die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen.
* * Postalisches. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Verzollung der steuerpflichtigen Postsendungen am 25. ds. Mts. in der Zeit von 10—12 Uhr vormittags bei dem Großherzoglichen Hauptsteueramte hier stattsinden kann.
* * Von der Eisbahn. Der Eisverein hat beschlossen, die Eisbahn morgen bei günstiger Witterung um halb 11 Uhr wieder zu öffnen.
Vermischtes.
* Straßburg, 22. Dez. In einem bei Joeuf gelegenen, dem Unternehmer Schmitz aus Köln gehörigen Bergwerk wurden fünf Arbeiter durch Einsturz verschüttet. Drei von ihnen blieben tot, die Rettung der beiden anderen, welche noch unter den Erdmaffen begraben liegen, ist wenig wahrscheinlich.
• Triest, 19. Dez. Ein trauriges Ende nahm eine Kahnfahrt, die vier junge Triestiner namens Seifert, Schwagel, Lübeck und Haupt am Sonntag auf der Adria machen wollten. Am Abend erhob sich ein heftiger Sturm auf dem Meere und verschlug das Boot. Gestern wurde es mit der Leiche des jungen Seifert im Lido von Venedig aufgefunden, während von den anderen Genossen bis jetzt noch jede Spur fehlt.
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