Förderung des fortschrittlich eu KatHoliziK- m u s. Nach einer Rede Dr- Klasens über ^Religion, Deutschtum und Kutturt' schwach unter lebhaftem Beifall bet bekannte Würzburger Universitätsprofessor Schell über den „gegenwärtigen Stand der fortschrittlichen Bewegung im Katholizismus und unsere Stelmng dazu in religiöser und wissenschaftlicher, wie in sozialer und politischer Hinsicht." Sogar die Frage der Gründung einer neuen Partei, die sich „aus gemäßigten Liberalen und fortschrittlichen ZentrnmÄeuten zusammensetzen" solle, wurde nach der „Tugsb. Abendztg." erörtert
Kirche und Schule.
Gegen Pastor DörrieS in Kleefeld in Hannover war, wie wir mitteilten, seitens des Konsistoriums ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, weil er durch einen Vortrag auf dem national-sozialen Parteitage über die Frage , Verdirbt Politik den Charakter^ einem Gebot der Kirchenbehörde zuwider sich an politischen Parteibestrebungen beteiligt habe. Jetzt wird gemeldet, daß das Verfahren eingestellt worden sei.
Kolouialpost.
New-Port, 22. Okt. Die „Tribüne* meldet aus Washington, daß König Oskar von Schweden und Norwegen in dem Samoakonflikt zu Gunsten Deutschlands entschieden habe. Obgleich die Bundesregierung sich der Entscheidung fügt, wird sie diese Entscheidung doch nicht als Präcedenz gelten lassen, da sonst jegliches Eingreifen in die mittel- und südafrikanischen Unruhen unmöglich wäre.
Ausland.
Kopenhagen, 22. Okt Das Landsthing verwarf heute mit 32 gegen 32 Stimmen definitiv die Regierungsvorlage betr. die Abtretung der dänisch-westindischen Inseln an die Vereinigten Staaten. Nach der Abstimmung fand ein Ministerrat statt. Der Finanzminister beabsichtigt, eine Kommission nach den Inseln zu schicken, um die Verhältnisse zu untersuchen und Vorschläge zu machen zur Besserung und Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Privatpersonen, welche versprachen, Opfer für die Inseln zu bringen, werden aufge- fordert, ihre Veranstaltungen sofort ins Werk zu setzen.
London, 22. Okt. Tie Bur en g en erale sind hier eingetrvffen und erklärten, daß sie nicht die Absicht hätten, gegenwärtig eine Unterredung mit Cham- berlain uachKusuchen. Wie das Reutersche Bureau erfährt, müßte jede Initiative hierzu von ihnen ausgehen, denn Chamberlain würde bestimmt keinen Schritt in dieser Richtung thun.
— Unterhaus. Schatzkan^er Rttchie erklärt, er habe nicht die Absicht, die Transvaal-Anleihe-Vorlage in dieser ©effion ein§ub ringen. In Beantwortung einer Anfrage bezüglich eines angeblichen neuen Vertrages zwischen Deutschland und England sagt Cranbome, falls ein derartiger Vertrag vorhanden sei, sei er durch die Natur der Sache verhindert, seine Bedingungen mitzutetten. Gibson -Bowles fragt an, welchen Grund Deutschland dafür cm gab, daß eine dentscheTruppeim September 1900 den Teil des Kongostaates mit Gewalt in Besitz nahm, den der König der Belgier im Jahre 1894 an England verpachtete, den aber England, indem es den von französischer und deutscher Seite erhobenen Einwendungen nachgab, aufgab. Cranbome erwidert: Tie Information, die wir von der deutschen Regierung erhalten haben, schließt keine Erwähnung dieses Zwischenfalles ein. Die Grenzabsteckung dieser Gegend wird zweifellos durchgeführt, aber wir haben keinen Grund zu der Annahme, daß die Rechte des Kongostaates über das an unser Schutzgebiet stoßende Territorium berührt seien.
— Mit dem Dampfer „Saxon" ist der Vertreter der Ber garbeiterver ernigun g in Transvaal in England angekommen. Er beabsichtigt, der Regierung Vorstellungen zu machen betreffs Aenderungen in den Minen- gesetzen zu Gunsten der arbeitenden Klassen. Bei seiner Abreise vor drei Wochen waren höchstens 40000 Kaffem in den Bergwerken am Rand in Thätigkeit, die kaum dem dritten Teil der erforderlichen Anzahl entsprechen, wenn sämtliche Stampfen arbeiten. Weiße Arbeiter sind genug vorhanden. Diese können aber nur dann Beschäftigung finden, wenn zugleich die genugcnbc Anzahl Schwarzer zur Verfügung steht. Um btefe in größerer Zahl heranzuziehen, emvsiehlt Ratcliffe die Aufbesserung der Löhne.
Madrid, 22. Okt. Tas Ministerium des Innern bezeichnet die Lage in Leres als bedenklicher. Heute wurden sechs Anarchisten verhaftet.
Die Ermordung des OberamtSrichters Becker vor dem Schwurgericht.
II
Oldenburg, 21. Oft
Zeuge früherer Direktor der in Konkurs geratenen Zeteler Weberei, Janßen: Tie Zeteler Weberei habe feit 1894 mit der Bereinsbant in Geschäftsverbindung gestanden. Tie. Bereinsbank gab an die Weberei gegen sehr hohe Zinsen Tarlehen. Tas höchste Darlehen habe feiner Erinnerung nach einmal 38 000 Mark, der Umsatz der Weberei im Durchschnitt 480 000 Mark im Jahre betragen. Ter Angeklagte sei bistveilen ohne Grund sehr auf - geregt gewesen und habe chm einmal gesagt, daß er verfolgt werde.
Dienstmädchen Anna Bruns: Sie habe bei dem Angeklagten eine zettlang in Diensten gestanden. Ter An- getlagte sei fast allabendlich zu Hause gewesen, habe auch un Hause nur selten Bier und Wein getrunken. In der letzten Zeit sei der Angeklagte bisweilen sehr aufgeregt gewesen, und hat Selbstgespräche geführt, er habe sehr blaß ausgesehen. Am Abeno des 15. April kam der Angeklagte, wie gewöhnlich, gegen 8 Uhr abends nach Hause und blieb auch zu Hause. Am folgcnben DLorgen sei der Angeklagte außergewöhnlich früh aufgeftanben, habe in großer Eile stellend eine Tasse Kakao getrunken, ein Brötchen gegessen, unb sei noch vor 7 Uhr fortgegangen. Kurze Zeit darauf kam die Frau des Angeklagten weinend aus dem Schlafzimmer und fiel ihr um den Hals und sagte: ,,l)ttin ist alles aus, das ganze Geld ist weg. Mein Mann ist fortgegangen, ich weiß nicht wohin." Bon Zett zu Zeit trat Frau Brnns ans Fenster unb sah, ob ihr Mann nicht komme. Fran Bruns meinte, ihr Mann müsse doch bald wiederkommen, da das Geschäft geöffnet werden müsse. Als aber längere Zeit verging unb Bruns nicht wieder kam, wurde Frcru Bruns immer unruhiger. Sie (Zeugin) er
suchte daher die tm Haufe wohnende Fran Oberlehrer Schuhmacher, diese zu trösten. Frau Bmns habe ihr erzählt, sie habe eine schreckliche Nacht durchgemacht. Ihr Mann sei ganz furchtbar aufgeregt gewesen und habe wirre Redensarten geführt und gesagt: er müsse sich erschießen, denn man wolle ihn verhaften. Sie (Fran Bruns, habe fast den Eindruck gewonnen, daß ihr Mann verrückt geworden sei.
Es erscheint danach als Zeuge Landgerichtsrat Hartung: Frau Bruns habe zu Protokoll angegeben: Am Abend des 15. April fei ihr Mann gegen halb 8 Uhr in furchtbarer Aufregung nach Hause gekommen. Sie habe ihren Mann veranlaßt, mit ihr eine Flasche Wein zu trinken, um chu zu bernhigen. Ihr Mann habe aber sehr wenig getrunken unb noch weniger gegessen. In der Nacht habe ihr Mann wirre Redensarten geführt und zu ihr gejagt: Es ift das Beste, wenn ich Dich erschieße. Tas Benehmen ihres Mannes in jener Nacht sei ein solches gewesen, daß sie.sich entschlossen hatte, am folgenden Tage einen Arzt zu Rate zu ziehen. Ihr Mann sei vielfach ohne jede Veranlassung sehr aufgeregt gewesen. Sie habe gewußt, daß chr Mann oftmals einen geladenen Revolver bei sich getragen habe.
Ter folgende Zeuge ist Kaufmann Dählmaun: Er habe mit dem Angellagten und Matthesen die Oldenburger Vereinsbank gegründet. Tas Verhältnis zwischen mir unb dem Angeklagten wurde unleidlich, sodaß ich im Mai 1899 ausschied. Schon 1897 war der Angeklagte so aufgeregt, er führte immer Selbstgespräche, sodaß ich ihn schließlich in eine Bremer Nervenheilanstalt bringen mußte. — Dorf.: Betrieb die Bank auch Börsenspekulationen? Zeuge: Jawohl. Bors.: Wer bettieb in der Hauptsache die Börsenspekulationen? Zeuge: Der Angeklagte, dieser war die ganze Triebfeder. Oberstaatsanwalt: Soll der Angeklagte nicht von seinem Vater zu den Börsenspekulationen veranlaßt worden sein? Zeuge: Tas will mir allerdings scheinen. Ter Angeklagte habe seinen Vater schlecht behandelt; er habe denselben oftmals „SchassLipf" genannt
Tie Beweisaufnahme zieht sich noch bis in den späten Abend hin.
Ter Angellagte legt eine staunenswerte Ruhe an den Tag. Er lehnt sich seitlich auf die Hintere Lehne der An- flagebanf und streicht sich wohlgefällig mit der linken HaÄ) seinen Vollbart Er macht den Eindruck, als ob er in einem Gasthause säße und sich langweilte.
Es wird das Erkenntnis verlesen, wonach der Angellagte von der Beleid igun gsgn klage des Oberamtsrichters Becker sreigesprachen wurde. Aus der Verlesung des frei sprech enden Erkenntnisses in dem Beleidigungsprozeß v. Baden-Bruns wider Täylmann geht hervor, daß Tählmann behauptet habe: die Oldenburger Vereinsbank sei durch die wahnsinnigen Spekulationen des v. Baden-Bruns in Oesterreichische Kredit-, Bochumer Gußstahl-, Gelsenkirchener- usw. Aktien ä la baiffe an den Rand des Ruins gebracht worden. Im weiteren wird die Auskunft der Militärbehörde verlesen. Danach ist v. Baden- Bruns im Jahre 1882 aus dem deutschen Staatsverbande enttassen worden, well er vorgab, nach Holland auswandem zu wollen. Einige Zeit nach seiner Rückkehr wurde er aus- gehoben ura) 1890 zu einer Uebung eingezogen. Nach 14 Tagen wurde er aber wieder entlassen, da ihn die Aerzte als nicht geistig normal erklärt hatten.
Dr. Engelken (Bremen), in dessen Nervenhellanstalt der Angeklagte neun Monate zu geb rocht, hat erklärt, von Baden-Bruns leide an geistiger Erschöpfung. Er glaube, er werde wegen Mordes verfolgt und überall von der Polizei beobachtet.
Arbeiter Fröhlje: Am 16. April war er bei der Kanalisation beschäftigt. Gegen 8y2 Uhr morgens sah er den Angellagten in das Haus, in dem Oberanttsrichter Becker wohnte, hineingehen. Sehr bald darauf vernahm er furchtbares Geschrei. Mehrere Kanallsattonsarbetter eilten in das Haus. Er sah, daß der Angellagte die Fensterscheiben einschlug, die Gardinen herunterriß und unter furchtbarem Geschrei Rohrstühle, Geschirr re. zum Fenster hinauswarf. Arbeiter Bonhorst: Am SDtorgen des 16. April sah er den Angellagten in verdächtiger Weise das Haus betreten, in dem im ersten Stock Oberamtsrichter Becker wohnte. Bald darauf vernahm er zwei Schüsse und ein furchtbares Geschrei. Frau Oberamtsrichter Becker kam mit lautem Geschrei auf die Straße geeilt. In diesem Augenblick ging das Simulieren los. Vors.: Was wollen Sie ixnnit sagen? Zeuge: Ter Angeklagte schlug mit einem Bilderrahmen die Fenster ein und warf unter großem Geschrei Rohrstühle unb Geschirr zum Fenster hinaus.
Der Vorsitzende teilt darnach mit, Frau Ob er amts- richter Becker sei vor einiger Zett operiert worden. Laut ärztlichem Attest gestatte es ihr Gesundheitszustand nicht, als Zeugin zu erscheinen. Ter Gerichtshof habe daher beschlossen, ihre kommissarische Aussage zu verlesen. Die Zeugin, 27 Jahre alt, hat ausgesagt: Am 16. April sind wir zellig aufgeftanben. Nachdem wir gefrühstückt hatten, traten wir auf den Korridor, da mein Mann aufs Gericht gehen wollte. In diesem Augenblick kam ein Mann die Treppe hinauf und fragte meinen Mann, ob er ihn einen Augenblick sprechen könne. Mein Mann betrat das Wohnzimmer, der Angellagte folgte ihm. Ich blieb auf dem Korridor stehen. Ich glaubte, gehört zu haben, daß mein Gatte den Mann fragte, womit er dienen könne. In demselben Augenblick fiel ein Schuß, und es erfolgte ein heftiger Schrei meines Mannes. Ich war wie betäubt und sah nur, daß das Wohnzimmer, dessen Thür aufstand, sich in Rauch hüllte. Ich eilte die Treppe in unter und schrie um Hilfe. Als ich die Treppe hinuntereilte, hörte ich einen zweiten Schuß. Nachträglich erinnerte ich mich, daß ich noch ehe der zweite Schluß fiel, ein heftiges Gepolter vernahm. Ter Angellagte tarn mir weder aufgeregt noch betrunken vor, er roch auch in keiner Weise nach Alkohol. Mein Mann sagte einmal: „Obwohl ich bemüht bin, streng gesetzlich und unparteiisch zu verfahren, so kann man es doch als Richter niemandem recht machen. Weiter sagte mein Mann: Tie Vermögensverhältnisse der Vereinsbank sind recht trübe. Wenn diese einmal zur öffentlichen Erörterung kommen, dann giebt es einen großen Skandal, v. Baden-Bruns thitt mll lehr leid." Ein anderes Mal äußerte mein Niann: ch bin zwar nicht furcht
sam, aber dem v. Baden-Bruns möchte ich nicht im Dunkeln begegnen." (.Bewegung im Zu- Ijörerraum.)
Die Arbeiter Hechler und Meyer bekunden übereinstimmend: Sie seien auf die Hilferufe der Fran Oberamtsrichter in die Beckersche Wohnung hinanfgeellt und haben den Lberamtsrichter als Leiche liegen scheu. Sie haben den Leichnam sogleich auf den Korridor getragen. Tie Leiche lag mit dem Gesicht nach unten. Im Nebenzimmer tobte jemand. Sie haben die verriegelte Thür desselben auf- gebrochen und den Angellagten festgenommen. Dieser roch swrk nach Alkohol und war anscheinend betrunken. Er rief:
,Zch bin ber König bon Siam, Ihr seid attd meine Sklav en."
Maurermeister Hegeler bekundet: Er habe genau bc- odachtet, daß der Angeklagte in ganz systematischer Weise die Fen st er eingeschlagen unb sich in Acht genommen habe, sich selbst zu verletzen.
Praktischer Arzt Tr. Laux: Ter Angeklagte, den et persönlich kannte, sah so verändert aus, daß er ibn zunächst nicht wieder erkennen konnte. Ter Angellagte schien angetrunken zu sein und roch furchtbar nach Alkohol, Er hatte alles, was in dem Eßzimmer vorhanden mar, zertrümmert. Er, Zeuge, sagte sich, ein Mann, der so viel Porzellan, Glas rc. in getrübtem Geisteszustand zertrümmert habe, müsse sich netto eitbigerroeife selbst verletzt haben. Er untersuchte bewarb die Hände des Angellagten, bieft waren aber unverletzt. Ter Angellagte schrie und tobte tote ein Rasender.
Amtrichter Fimmen: Am 16. April fei er plötzlich dol Morgens in bas Haus des Oberamtsrichters Becker gerufen worden. Ter Angellagte tag gefesselt im Nebenzimmer, lärmte und schrie, sagte, er sei der König von Siam und alle Anderen seine Sklaven. Er redete viel wirres Zeug, teild deutsch, teils französische
Stadtsyndikus Tr. M u r k e n bekundet: Der Angeklagte habe wie ein wildes Tier geschrieen. Er habe darauf gesagt: Wenn der Angeklagte nicht sofort aufhöre, werde er ihm einen Knebel in den Mund stecken lassen. Darauf- hin hörte ber Angeklagte sofort zu schreien auf. Er habe auch den Angeklagten für betrunken gehalten.
Tie Schutzleute schildern, wie sie den Angellagten gefesselt und ihm den Revolver abgenommen haben. Der Angellagte habe alles, was im Eßzimmer war, kurz und Nein geschlagen. Er hatte selbst einen sehr wertvollen Kronleuchter und eine große Wanduhr zertrümmert. Ter Schutz- rnanu Huffilter bekundet: Ter Angellagte redete viel wttres Zeug und erzählte, der Großherzog sei ihm im Traum erschienen und habe gesagt: Es muß Recht und Gerechttg- keit in der Wett herrschen. Ter Angellagte hatte sich nur ganz unbedeutend an der rechten Hand verletzt. — Polizei- Wachtmeister Büntje bekundet: Er habe den Angellagten zu beruhigen versucht. Ta sagte der Angellagte: ,Lch kenne Sie schon. Sie sind ja meine Schwiegermutter.^ (Heiterkeit im Zuhörerraum.) — Ein ehemaliger Mitgefangener des Angeklagten bekundet: Ter Angellagte sei im Untersuchungsgefängnis sehr unruhig gewesen. Er habe oftmals mit seinem Trauring geklopft. Plötzlich sei der Trauring verschwunden gewesen. Auf Befragen sagte der Angellagte, er habe den Trauringaufgegessen. Nach einigen Tagen habe es sich herausgestellt, daß der Angellagte in der That den Ring hinuntergeschluckt hatte. Tes Nachts sei der Angellagte oftmals so unruhig gewesen, daß er wie ein Wilder aus dem Bett sprang mid wirre Redensarten führte.
Gefängnisirff^ektor ^aberkamp: Ter Angeklagte sei vielfache ganz besonders in den ersten Tagen sehr unruhig gewesen, er habe gesagt, er fei der König von Siam, ein anderes Mal habe er gejagt, er sei der Minister. Ter Angeklagte habe nicht übermäßig, aber mit vielem Appetit gegessen. Er habe bisweilen über Kopfweh geklagt. Er habe ihn einmal gebeten, ein Messer mitzubringen, damit er sich die Schmerzen aus dem Kopf heraus- schneiden könne. Ten Eindruck, daß der Angellagte simuliere, hatte ich wicht. — Gefangenauffeher Gode bekundet: Ter Angeklagte habe einmal gesagt: „Ofebt mir nur meinen Verstand wieder."
G • •
von Baden-Bruns wurde wegen Totschlags za zwölf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Ter Oberstaatsanwatt hatte beantragt, die Frage der Unzurechnungsfähigkeit zu verneinen und den Angellagten des Mordes schuldig zu sprechen, während die Verteidigung Frrtfprechung verlangte, da bet der That die freie WillenÄ>eftimmung ausgeschlossen gewesen sei.
Aus Sludl uni» Land.
Gieß en, den 23. Oktober 1902.
w Hofnachrichten. Aus Darmstadt wird unö geschrieben: Der Großherzog fuhr gestern Nachmittag mit seinen hohen Gasten nach Jagdschloß WolfSgarten, wo die Herrschaften den Thee einnahmen. Um 5 Uhr kehrten sie wieder von da zurück. Prinz Heinrich von Preußen hatte die Fahrt dahin mit feinem Sohne, dem Prinzen Sigismund im Automobil zurückgelegt. Heute Abend besuchten Prinz und Prinzessin Heinrich baß Hoftheater, wo der „Freischütz" aufgefühtt wurde, wahrend der Großherzog das Konzett des Richard Wagner-VeremS un Kaisersaal mit feinem Besuch beehtte, in welchem die rühmlichst bekannte Pianistin Frieda Kwast-Hodapp und ihr Gemahl, Prof. James Kwast, einen Klavier-Abend veranstaltet hatten. Die vottrefflichen Künstler spielten zunächst vierhändig die Sonate in D-dur von Mozart uub Prof. Kwast folgte mit drei sehr hübschen selbstkomponietten Stimmungsbildern. Hierauf spielte Frau Kwast-Hodapp mit hervorragender Technik die Sonate in H-moll von Franz Liszt, sowie des gleichen Komponisten Nocturno m Aß-dur und Jeux Follets Jrttichter. Großartiger Beifall und ein vom Großherzog gespendeter Kranz belohnte die ftünfiler. Nach dem von beiden Künstlern vorgetragenen Concerto po- tb&ique E-moll von Liszt beehtte der Großherzog die beiden Vortragenden mit einer Ansprache unb drückte denselben seinen Dank für die gebotenen brillanten Leistungen aus. — Die Ankunft des Großfürsten und der Großfürstin Sergius von Rußland ist am kommenden Dienstag zu erwarten.
" S. K. H. der Großherzog hat das Protektorat bet nächstjährigen internationalen Ausstellung für Photographie unb graphische Kunstwerke übernommen.
— Von ber Universität. Der o. Professor bet Physik an ber Hochschule in Gießen, Dr. P. Drube, würbe als Nachfolger Boltzmanns nach Leipzig berufen. Wie wir inbesien hören, besteht bie begrünbete Hoffnung, Herrn Profeffor Drube unserer Universität zu erhalten.
— Gastspiel Charlotte Wiehe. Wir werben gebeten, die Besucher der Vorstellung auf folgendes aufmerksam zu machen: 1) Da, wie wohl nicht anbers zu erwarten, das Haus stark gefüllt sein wirb, so liegt eS im allseitigen In- trreffe, zeitig, b. h. schon vor 8 Uhr, zu erscheinen unb bie Platze einzunehmen, bamit nicht unter ber Unruhe bas Verslänbnis bes ersten Stückes leibet 2) Die Dienerschaft ist streng angewiesen, nicmanb ohne Bittet emzulasien. 3) Um ben Play nicht zu beengen, wolle man bie Garderobe nicht mit in den Zuschauerraum bemaen. 4) Für die Seit.en-
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