Der Krostgk-Srozeß.
VI.
Zeuge Boruslawski: Ich hatte am Montag im Krümperstalle Wache, als gegen 4lj2 Uhr der Schmied Skop- peck hineinkam und fragte, wie spät es sei. Ich fragte ihn, ob er in nächsten Tagen Gefreiter werden würde. O.-K.-R. Scheer: Wer ist zuerst mit der Meldung vom Unglück in den Krümperstall gekommen? Zeuge: Ich weiß nicht, ob zuerst der Dragoner Stephan oder der Unteroffizier Pfeiffer mit dem Befehl kam, anzuspannen. O.-K.-R. Scheer: Haben Sie von Skoppeck auf der Stube etwas von seinen Wahrnehmungen gehört? Zeuge: Nein, Skoppeck lag nicht in meiner Stube. Ich habe nichts gehört. O.-K.-R. Scheer: Haben Sie gehört, daß Unteroffizier Marten einmal sagte, der Hund muß heute noch rot werden: Besinnen Sie sich, Sie könnten vielleicht nach Jahren darüber noch einmal Auskunft geben müssen. Der Zeuge giebt an, daß er das von dem Dragoner Knippel gehört habe. Der will es wieder von dem Dragoner Tress gehört haben, daß Marten eine solche Aeußerung gethan habe. Marten soll das zu dem Gefreiten Stumbries gesagt haben.
Verth. Burchard beantragt die Verlesung der Protokolle von Boguslawski, Knippel und Zimmermann. Diese würden ergeben, daß, solange der Kriegsgerichtsrat Lüdecke die Untersuchung führte und Skoppeck für schuldig hielt, Alle Skoppeck in einer Weise belastet haben, daß, wenn ihre Angaben richtig gewesen wären, Skoppeck der That überführt gewesen wäre. Alle wurden mit Skoppeck konfrontriert und blieben strikte bei ihrer Aussage stehen, Skoppeck wäre aus dem Stall hinausgegangen und erst nach dem Schuß wieder gekommen. Später, als Herr v. Bäckmann erschien, und anderer Ansicht über die Schuld Skoppecks war, und, wie er selbst sagt, mit den Zeugen streng m's Gericht ging, sielen die Zeugen um. Dieser Moment ist wichtig für den ganzen Prozeß. Er beweist, wie leicht solche Zeugen, wenn sie genügend bearbeitet werden, umfallen. Deshalb ist die Verlesung ihrer damaligen Aussage von Wichtigkeit. O.-K.-R. Scheer: Allerdings haben die drei Zeugen früher anders ausgesagt.
Die Zeugen halten ihre jetzige Aussage aufrecht, sie hätten Skoppeck nicht aus dem Stalle herausgehen sehen. Sie hätten das nur angenommen. Die Möglichkeit sei vorhanden, daß er noch im Stall war, als der Schuß fiel.
Zeuge, Gefreiter Knippel, war Bursche bei Rittmeister v. Krosigk. Oberkriegsgerichtsrat Scheer: Sie waren auch mit auf dem Kaiser-Geburtstagsfest. Hat dort der Rittmeister v. Krosigk Zivilisten hinauswerfen lassen? Zeuge: Ja, durch den Unteroffizier Stiebert. Scheer: Haben Sie gehört, daß Zivilisten Drohungen gegen den Rittmeister v. Krosigk ausgestoßen haben? Zeuge: Nein. Oberkriegsgerichtsrat Scheer: Hat Skoppeck auf der Stube etwas von seinen Wahrnehmungen erzählt? Zeuge: Nein, aber es wurde bald nach dem Morde erzählt, daß Marten geäußert habe, der Hund muß heut noch Farbe bekennen oder rot werden.
Die Tochter der vorher vernommenen Frau Sab- lo w s k i bestätigt die Angaben ihrer Mutter über den geheimnisvollen Besuch des unbekannten Mannes wenige Tage vor dem Morde. Marten und Hickel seien mit ihm nicht identisch, er war größer. Oberkriegsgerichtsrat Scheer: War es nicht auffällig, daß ein fremder Mann noch so spät bei Ihnen in der Wohnung war? Zeugin: Jawohl. Oberkriegsgerichtsrat Scheer: Hier wird Gerichtsverhandlung über Gerichtsverhandlung abgehalten und Ihre Mutter meldet sich jetzt erst. Haben Sie es auch mit eigenen Augen erlebt und sich nichts eingebildet? Zeugin: Nein, ich habe chn selbst gesehen. Oberkriegsgerichtsrat Scheer: Hatte der Mann etcuas bei sich, ein Gewehr oder eine andere Waffe? Frau Sablowski: Ich habe nichts bemerkt. Es wäre möglich, daß er es in den Flur gestellt hat. Ich wohne von der Dragonerkaserne nicht weit entfernt.
Marten: Der Zeuge Andruweit behauptet, ich hätte mit den Zähnen geknirscht, als ich vom Pferde absteigen mußt«. Ich habe falsche Zähne und würde das ganze Gebiß zerbrechen, wenn ich mit den Zähnen knirschen würde. Beim Herumreiten kommt es oft vor, daß Pferde mit dem Gebiß Geräusch machen. O.-K.-R. Scheer: Welche Zähne sind eingesetzt? Marten: Vorn drei Zähne. O.-K.-R. Scheer: Dann ist es Ihnen doch möglich, mit den Seitenzähnen zu knirschen. Marten: Das ist nicht möglich, dort ist das Gebiß befestigt. Bert. R.-A. Burchard bemerkt, daß Zeuge erst am 18. Juni mit seinen Angaben hervorgetreten ist. Andruweit: Es siel mir erst später ein.
Vertreter der Anklage O.-K.-R. Meyer: Ist der Zeuge vielleicht erst am 18. Juni zum ersten Male vernommen worden? Andruweit: Nein, zum zweiten Male. O.-K.-R. Scheer: Weshalb haben Sie das nicht gleich gesagt? Zeuge: Ich habe es vergeffen.
Vor Schluß der Sitzung giebt der O.-K.-R. Scheer Kenntnis von einer Zuschrift des Polizeipräsidenten in Schöneberg. Darnach habe Schutzmann Silom zu Protokoll gegeben, daß nachts am 21. d. M., um halb 2 Uhr, ein junger Mann mit der Mitteilung an ihn herangetreten sei, in einem Schanklokal von Kretschmar befinde sich ein Mann, der wichtige Angaben zum Krosigk-Prozeß machen könne. Der Schutzmann habe den Mann aus dem Lokal geholt. Dieser habe angegeben, er sei der Hausdiener Hintz aus Berlin. Er sei Schlächterlehrling in Gumbinnen gewesen und kenne die Unteroffiziere des Dragonerregiments genau. Am Tage des Mordes sei in ein Schanklokal in Gumbinnen ein Mann in Zivilkleidung mit Ossiziermantel und Mütze gekommen und habe bei dem Schankwirt ein Packet gelassen und sich eilig entfernt. In einigen Tagen habe er das Packet wieder abgeholt. Wie die Zuschrift des Schöneberger Polizeipräsidenten besagt, war der Mann etwas angeheitert. Er versicherte aber auf Befragen, er sei bereit, seine Angaben zu beschwören. Als Grund dafür, daß er mit seinen Bekundungen so lange gezögert habe, gäbe er an, daß er sich und seiner Mutter feine Ungelegenheiten machen wolle, da die Mutter für die Unteroffiziere Wäsche wasche. Ein Oberkellner Neumann habe die Bekundungen des Hintz mit angehört.
O.-K.-R. Scheer: Es scheint, daß der Hausdiener Hintz pur eine billige Reise hierher machen will.
Das Kriegsgericht beschließt, zunächst erst Recherchen anzustellen, und die Sitzung wird um halb 7 Uhr vertagt.
Ans Ktadt und Land.
Gießen, den 23. April 1902.
** Abschieds feier für den Beigeordneten Wolfs. Wie wir hören, werden die Stadtverordneten und Beamten der Stadt am Samstag abend 8 Uhr zu einer Abschiedsfeier für den aus dem städtischen Dienst scheidenden Beigeordneten Wolff im Hotel zum Rappen bet einem Festmahl sich vereinigen.
** Auflös ung der Omnibusgesellschaft. In der gestern abend im Cafs Bavaria abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung, die sehr zahlreich besucht war, wurde über das Fortbestehen des nunmehr seit sieben Jahren bestehenden und der Einwohnerschaft wohl vertrauten Unternehmens beraten; an den Verhandlungen nahmen als Vertreter der Stadt Bürgermeister Mecum und Beigeordneter Georgi teil. An Stelle des durch Unwohlseins am Erscheinen verhinderten Auf- sichtsratsvorsißenden, Rechtsanwalts Grünewald, wurde Herr Johannes Becker als ältestes Mitglied des Aufsichtsrats mit der Leitung der Versammlung beauftragt. Nach Längerer Erörterung wurde beschlossen, den Betrieb weiterhin aufrecht zu erhalten und zwar so lange, bis ein besseres Verkehrsmittel (elektrische Straßenbahn) geschaffen werden kann. Die städtische Vertretung (es nahmen auch eine große Anzahl von Stadtverordneten an der Versammlung teil) erklärte, im Stodtvorstand befürworten zu wollen, daß der vorhandene Fehlbetrag auf einen entsprechenden Antrag hin seitens der Stadt gedeckt würde, und stellte ferner auch für die Zukunft in Aussicht, vorausgesetzt daß der seitherige Betrieb, unter bewährter Leitung, erhalte bliebe, das Unternehmen, soweit nötig, finanziell zu unterstützen. Auf dringenden Wunsch der Versammlung erklärte sich Stadtverordneter Kirch bereit, das Amt als Vorstandsmitglied weiterzuführen, während für Kommerzienrat Heichelheim, der sein Amt als Aufsichtsratsmitglied niedergelegt hat, Gerbereibesitzer L. Lotz durch Zuruf in den Lürfsichtsrat gewählt wurde. Der Beschluß des Fortbestehens der Omnibuseinrichtung wird in unserer Stadt gewiß allseitig freudig begrüßt werden, dient doch das Unternehmen allen Kreisen der Bevölkerung als Verkehrsmittel.
** Jüdisch e Ostern. Die Israeliten feiern gegenwärtig das Passahfest. Das Passah (hebr. Pesach-Opfer) war nach dem Priesterkodex am 14. Nisan, d. h. am ersten Vollmond des Frühlings im Tempel zu feiern. Dem P. C. zufolge ist es nach der eigentlich kein Opfer mehr, vorstellenden Mahlzeit benannt, zu der ein Lamm ober eine junge Ziege verwendet wurde. Nachdem das Tier am Heiligtum geschlachtet war, wurde es am Abend im Familienkreise mit ungesäuerten Broten und bittern Kräutern gegessen. Das Fest soll in Aegypten eingesetzt fein, damit der Würgengel an den mit dem Blute der geschlachteten Tiere bestrichenen Thüren die Häuser der Israeliten erkenne. Nach dem Deuteronomium ist es im Monat Wib zu feiern, und es können auch Rinder als Passahopfer verwendet werden. Cs erscheint dort mit dem Fest der beginnenden Gerstenemte, dem Mazzoth- oder Osterfeste verknüpft. Nach 2. Kon. 23, 22 ist es so im 18. Jahre Der Regierung des Josia zum ersten Mal' in Jerusalem gefeiert worden. Diese Verknüpfung hat dazu geführt, das Mazzothfest kalendarisch zu fixieren. Seit dem Auf- Horen des Opferdienstes wird das Passah in den jüdischen Familien an den ersten beiden Wenden des „Festes der ungesäuerten Brote" (festum azymorum) durch Genuß ungesäuerten Brotes (des Mazzoth) und bitterer Kräuter unter Vorlesung der Hagadah (wörtlich „das «Sagen", der Teil der jüdischen Ueberlieferung, der den biblischen Inhalt nach ethischen, erbaulichen und geschichtlichen Motiven behandelt) begangen.
** Ein ungetreuer Angestellter. Ein auf einem hiesigen Bureau beschäftigter Schreibgehilfe hatte den Auftrag erhalten, auf der Bezirkskasse 64 Mk. zu erheben. Mit diesem (Selbe verschwand er. Zwei Tage später wurde er getroffen, und es stellte sich heraus, daß er den Betrag bis auf 6 Mk. durchgebracht hatte. Er wurde in Untersuchungshaft genommen.
** Diebstahl. Einem in der Friedhofskapelle beschäftigten Italiener wurde nachts dort sein Handwerkszeug gestohlen. Die Polizei ermittelte den Dieb in der Person eines anderen italienischen Arbeiters, in dessen Wohnung die gestohlenen Sachen gefunden wurden. Der Dieb wurde verhaftet.
Grünberg, 21. April. Die Vorbereitungen zu der vom 2. bis 4. Mai in Hamels Garten stattfindenden Ausstellung des Vogelsberger Geflügel- und Vogelzuchtvereins sind in vollem Gange. Programme und Anmeldebogen sind an die Interessenten versandt. Die Anmeldungen laufen recht zahlreich ein. Durch Beteiligung des Geflügelzuchtvereins Lich wird die Ausstellung die vorjährige an Reichhaltigkeit bedeutend übertreffen. Am Hauptausstellungstage, Sonntag, findet großes Militärkonzert statt, ausgeführt von der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 116 zu Gießen. Mit der Ausstellung ist auch eine Lotterie verknüpft.
Hungen, 21. April. Am Sonntag wurde hier ein Geflügelzuchtverein gegründet. Es hat sich bereits eine größere Anzahl Mitglieder unterzeichnet. Eine Versammlung, in der die Wahlen vorgenommen werden sollen, findet demnächst statt. Der Hungener Verein wird an den Gießener Geflügelzuchtverein angeschlossen.
Laub ach, 21. April. Ein Oberprimaner des hiesigen Gymnasiums hatte auf Zureden eines chn begleitenden Forsters einige kleinere Schwämme versucht. Zu Hause angekommen, erkrankte er, wie dem „D. T. A." berichtet wird, unter Erbrechen und heftigen Schmerlen. Der Arzt stellte eine Vergiftung fest; schnelle Hllfe ließ Schlimmeres verhüten. Nur wer genaue Kenntnis der Pilze hat, sollte solche wirklich Listen. — Eine in den mittleren Lebensjahren stehende Bauersfrau belästigte in zudringlichster Weise die hiesigen Schloßbediensteten mit Dem Ersuchen, sie in das Schloß hineinzuführen, das sie durch Ankauf erworben habe. Es ergab sich, daß man es mit einer Frau aus Altenhain zu thun hatte, die plötzlich geistesgestört geworden und sich unter Mitnahme einer größeren Barschaft von zu Hause entfernt hatte. Während einer Nacht hatte sie sich im Walde umhergetrieben. Ihre ,An- gehörigen waren bereits auf der Suche nach ihr. Sie wurde in das hiesige Johann-Friedrichstift verbracht.
'* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten In Lich verunglückte ein Maurer, indem ihm eine schwere Schiene auf den Körper fiel. Er hat Verletzungen an Armen und Beinen erlitten.
Vermischtes.
Erdbeben. Der „New-Pork-Herald" meldet aus Guatemala: Am Samstag setzten sich die Erdstöße fort. Die Städte Pizum und Mazatenango wurden zerstört.. Die Erdstöße am Freitag waren von heftigen Gewitterstürmen begleitet und riefen zahlreiche Feuersbrünste hervor.
* Automobilunfall. Wie aus Breslau berichtet wird, ereignete sich auf der von Trebnitz nach Prausnitz führenden Chaussee ein schwerer Automobilunfall. Infolge Versagens der Bremse stürzte das dem Rittergutsbesitzer von Walther-Chroneck auf Kopatschütz gehörige Automobil während der Fahrt in einen Chausseegraben und überschlug sich. Zwei der Jnsaffen wurden herausgeschleudert und erheblich verletzt. Der Führer wurde getötet und der Wagen vollständig zertrümmert.
Kongreß für innere Medizin.
v.
Wiesb ad en, 22. April.
Die letzte Sitzung brachte Einzelvorträge über die ver-> schiedensten Themen. Rothschild (Soden) sprach über die Fnnktion der ersten Rippe, ein Thema, welches neuerdings das besondere Interesse der ärztlichen Welt erregt hat. In der Diskussion betonte Prof. Naunyn besonders die Verdienste, welche der frühere Straßburger Gynäkologe W. A. Freund um die Klärung dieser Frage' in älterer und jüngster Zeit sich erworben hat. Rohdens (Lippspringe) trug seine Ansichten über die Bedeutung der' Kieselsä nre im menschlichen Organismus und ihre Be-> Ziehungen zum Lungengewebe vor. — v. Criegern (Leipzig) berichtete über 40 Beobachtungen von gewerblicher Vergiftung bei der Rauchwarenfärbung mit Para Phenylendiamin, die unter dem kli- nischen Bilde eines Bronchialasthmas verliefen. Das schädliche Agens ist ein Abkömmling des Farbstoffes, eine Disposition der Arbeiter zu der Erkrankung ist nötig. Auf Der Haut entstanden Ausschläge, in den oberen Luftwegen Entzündung, schließlich Anfälle von Atemnot und Lungenerweiterung. Whülfe war nur durch Aufgabe der Beschäftigung zu erreichen.
Lm vierter Stelle referierte Biekel (Göttingen) über die Resultate seiner Untersuchungen über den Einfluß der Nierenausschaltung auf die elektrische Leitungsfähigkeit des Blutes, dann Steyrer (Graz) über die osmotische Analys e des Harns. — Scholz «berichtete über seine Erfahrungen über die Beh andres Kretinismus m'stt Schilddrüsenpräparaten. Er und einige andere Herren haben bei Kretinismus im Gegensatz zu Myxödem keinen Erfolg, ja geradezu bisweilen «Äh ad en gesehen. Naunyn (Straßburg) betont die Notwendigkeit, zwischen endischem und sporadischem Kritinismus Dabei zu unterscheiden. Letztere Fälle seien sehr wohl der Schilddrüsentherapie zugängig, Naunyn hat einen solchen Fall über ein Deeennium beobachtet. — Ein Herr, der alsdann über Morphinisems und dessen Behandlung sprach, wurde von der Versammlung durch allgemeine „Schluß"-Rufe veranlaßt, seinen Vortrag abzubrechen. — Goebel (Bielefeld) sprach über die Se rum - therapie bei Morbus Basedo wii.
Der nun folgende Vortrag von Paul Meyer (Karlsbad) erregte das allgemeine Interesse der Versammlung. Er berichtete über das Verhalten der drei stereo-isomeren Mannosen im Tierkörper. Er hat den Uebergang der Mannose in andere Zuckerarten festgestellt, ebenso die Glykogenbildung aus nicht gärungsfähigen! Zuckern. Er hat die gegenseitige Verwandlung der Zucker an den Mannosen nachgewiesen. Dies ist wichtig für die Beurteilung der Frage nach der Entstehung des Milchzuckers aus der Brustdrüse. Blum (Frankfurt) sprach über Nebennieren-Diabetes. Diese ähnele der Glykosuri« bei dem Zuckerstich; Redner hält eine innere Sekretion der Nebennieren für unwahrscheinlich. Gutzm ann (Berlin) führt aus, daß die willkürliche Beeinflussung der Atmung durch den Sprechvorgang der thorakalen Atmungsbewegung das Uebergewicht über die Abdominalatmung verleiht, dies ändere sich jedoch bei gewissen Sprachstörungen.
M. Bi al (Kissingen) spricht über Glykuronsäure> eine Zwischensubstanz des Zuckerftofftvechsels, und teilt mit, daß er diese im Darm gefunden hat. Der bisher übliche Nachweis der Säure beweise noch keine Vermehrung der Glykuronsäure-Ausscheidung. Der Vorsitzende Gehermrat Naunyn sprach dem Redner die besondere Freude und! den Dank der Versammlung für seinen Vortrag aus, der nach zwei Richtungen hin ganz neue Perspektiven eröffnet habe. Vogt (Straßburg) wies an der Hand feiner Experimente nach, daß die Phlorizin-Glykosurie durch die Nieren bedingt ist. Bei Infusion von Traubenzuckerlösungen bewirkte Pharzin-Darreichung Glykosurie, bei Rohrzuckerlösungen nicht. Zum Schluß schilderte Rudolf Lehnho ff (Berlin) sechs Fälle von traumatischer Nierensenkung, besprach das Zustandekommen, die Charakteristika und die Behandlung dieser seltenen Verletzungen mittels besonderer Leibbinden, welche er demonstrierte.
Nach einer Ansprache von Geheimrat Naunyn, die mit einem Hoch auf den Kongreß ausklang, brachte Medi- zinalrat Dr. Merkel (9tümberg), der Geschäftsführer, ein Hoch auf den Vorsitzenden Geheimrat Naunyn aus, dessen umsichtige und zielbewußte Leitung allein die Durchführungen der Verhandlungen ermöglicht habe. Leipzig ist als Vorort für den nächsten Kongreß gewählt worden.
Mit dem Kongreß war wie üblich eine Aus stellung verbunden, in der neben verschiedenen Nährpräparaten eine Anzahl Apparate für Röntgen-Durchleuchtung (Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft, Voltohm, 9i einig er, (Sebbert u. Schall und Dessauer), sowie eine Anzahl neuerer medizinischer Instrumente (Kassel, Frankfurt) gezeigt wurden.
Gerichtssaal.
— Falschmeldungen an Zeitungen Urkundenfälschung! Das Reichsgericht hatte das Manuskript einer Zeitung für Urkunden erklärt. Reichsgerichtsrat a. D. Ltenglein schreibt nun in der „D. Juristenztg/: Der Angeklagte hatte der Redaktion einer Tageszeitung durch eine tni t falschem Namen unterzeichnete Postkarte mitgeteilt, daß eine bestimmte Persönlichkeit durch Sonnenhitze umgefallen und gestorben sei. Tie Mitteilung war wissentlich unwahr, von den: Blatt aber bona fi<1 e abgedruckt worden. Das Landgericht hatte den Angeklagten von der Anklage der Urkundenfälschung f r e i g e s p r o ch e n, weil er die Postkarte nicht zum Beweis eines Rechtsverhältnrffes bestimmt gehabt habe. Dies hat das Reichsgericht als eine irrige R e ch t s a n s i ch t erklärt und deshalb das Urteil aufgehoben. Entscheidend sei, ob eine Schrift für irgend ein Rechtsverhältnis beweisend oder den Beweis im Zusammenhalt mit anderen Beweismitteln liefernd wirke. Ties |ci in vorliegender Sache der Fall, weil die Postkarte


