Undank ist es'
Heer und Flotte.
Bremen, 22. April. Auf der Werft der Aktiengesellschaft „Weser" lief nachm. 4,30 Uhr der kleine Kreuzer ,£P glücklich vom Stapel. Die Taufrede hielt Prinz Friedrich Uarl von Hessen; die Taufe vollzog im Auftrage des Kaisers die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Der Kreuzer erhielt den Namen „Arcona".
Beilin, 22. April. Der „Natlztg." zufolge erließ der Kaiser eine neue Garnsondicnslvorschrift. Darnach sollen künftig die Posten in den belebten Stadtteilen nur dann mit scharfen Patronen versehen werden, wenn besondere Verhälmsse dies ausnahmsweise bedingen. Bei der Auswahl der Mannschaften für derartige Posten soll mit besonderer Sorgfalt verfahren werden. Mit Patronen ausgerüstete Posten !üehen mit ungeladenem Gewehr und laden erst dann, wenn nach Lage der Verhältnisse der Gebrauch der Schußwaffe in l Frage kommt, oder wenn ihre persönliche Sicherheit gefährdet ist. In besonderen Ausnahmefällen dürfen die Gouver- !neurs ic. sowie die sonstigen unmittelbaren Vorgesetzten eine
22. April:
Im Reichstag nahm heute die Beratung des Gesetzentwurfs über den fliegenden Gerichtsstand der Dresse noch geraume Zett in Anspruch, und sic brachte zwei irische, humorvolle Reden von feiten der Abgg. Dr. Mar - c o n r, des bekannten Zentrumsredakteurs, und Dr. Müll er-Meiningen lsreis. Volksp.). Auf bie Volksvertreter übte die ganze Materie nur äußerst geringe Anzieh-
ZeilenpretS: lokal 12Pj*
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
auseinander. Abo. Dasbach äußerte, die Verbraucher wur-is .
den und sollten auch getroffen werden. Abg. Müller-Mei- i amtmmistermmv ninnen hingegen hielt nicht eine Luxus-, sondern eine Fa- des Fürsten brifatfteuer für vorliegend und bedauerte die „armenIworden.
Sektfabrikanten", was wiederum den Unterstaatssekretär "
v Fischer zu der Bemerkung veranlaßte, die Sektsabri- könten seien meist recht wohl situierte Leute. „Krasser Undank ist es", rief Herr Müller-Meiningen, ,>e Sekt- fabrikantcn derart zu belasten, die doch bet der Rhein fahrt der Torpedoboote den Marinemannschaften gratis und in Mengen Schaumwein spendeten!" „Run", replizierte kühlen Tones Herr Dasbach, „die Fabrikanten haben damals einfach gezeigt, welch geeignetes Besteuerungsobjekt derSchaum- toein ist, und wie bereitwillig sie für die Marine Opfer
Zwettes Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch »3.2^11002
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MenerAnzeiger
Nr. 94
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Wichttge Sitzungen am grünen Tische.
Die Berliner Depeschenbureaus melden heute: Der vertagt. - - - ■
Kais er verweilte gesteim vormittag von 10 bis drei- $ - ,5ie7Lr Roosenftein wurde folgendes viertel 11 Uhr beim Reichskanzler. Der Bu n de s r a t trat 1 veröffentlicht: Im Befinden der Königin ist eine | 0 u"e n gestern nachmtttag, 2 Uhr zu einer ^öe^rdentlichen Sitzung . eingetreten, die sich durch Sinken der feitet
zusammen. Am.Nachmittag 4 Uhr hielt das preußi che ^rchteBeeru«leitet StaatSminifterium eine eifcung ab In der Ple-1m«emeinbefuiben befriedigend.
narsitzung des Bundesrats wurden den zuständigen Aus- Brüssel 22 April. Senat. Vereruysse spricht von schüssen überwiesen die Vorlagen, betreffend: a) dw ern-1, BruN e l g sverHandlunge n' und ern
st ettliche Gctzaltung der deut)chen Rechtschreibung, .. wettaehende loyale Reciprocität. de Favereau ver-
a : Mit ter nun^ubem Entwurf von Bestimmungen JMaM«
' Das"wcrdcn ^r w°hl^dt° °^igen Beratungen °nt°Nen dir bedrohten P^zen ^zn ^meu^
B^rgütkn^ fin g-jmntcr I hlcwon W». W". bi. hauem. oi« M.
die Mitglieder der ^ollkommission im Reichstag einbringt gewesen. Sein Ende durch feige. Morderhand.habe m de ^ise mit Patronen ausgerüstet sind, muffen für den Ge- und b“ M Lm-nfr-g- «“> “'Ä'nÄfttene hA der Schußwaffe mit einer S-nderoorschrist versehen
ordnung setzt, muß entschieden werden, ob es sichi Uber- Ausschrertungenber an°rchrstlfch-nPrE bauvt lohnt bie Arbeiten der Zollkommifsion fort setzen seien zu verurteilen. Beyorod. uno -öoit jeten nugi ,
zu lassen. Es vergeht keine Sitzung, ohne daß ein Ver-1 gewillt, Ruhe und ^-rieben he» und bie guten Be-j
bringen." . . .
Politische Tagesschau.
treter der Reaieruna die Mehrheit „auf das ernsteste" warnt I Ziehungen zu den auswärtigen Staaten durch>
die Reibe den Frßr v Wangenheim um 66 Prozent steigern bedauere den Konflikt, den der Bundesrat nicht gewour uno willl Glaubt man denn wir Mch, daß diese zahlreichen «nicht v e r s ch u ld e t habe- der Vundesrat habe (cher nicht Differenzpunkte wie durch Zauber bei der zweiten Lesung anders handeln können. Italien und bie Schweiz feien hon ver chwi^i werden daß Agrarier und Regierung sich Alters her befreundete, au sein ander angewiesene .^chbav- aerübrt^ in bie Se schließen? Graf Posadowsky, der Völker. Es sei daher zu hoffen daß der Zwischenfall lemd
%ater" des Zolltarifentwurfs, giebt die Sache noch nicht ernsthaften Verwickelungeii zwischen den Sf
verloren ^u welcher Auffassung der Bundesrat und Graf Folge haben und bald eine befriedigende Lösung siudew
dreier uoie oie gaazu «u. Ov....ö. , Bülow gelangt sind, das muß sich bald zeigen und wird werbe (Beifal )^lmmlg und ohn^^^
unaskraft' der ^Sitzungssaal war wieder sehr schwach be- daran zu erkennen sein, ob die Vorlage bett. Entschädigung darauf der Nationalrat, von äpstn- Anaeleaew»
Man erzählte sich, daß verschiedene Parlamentarier der Zollkommifsion demnächst an den Reichstag gelangt, rats Akt zu nehmen und seine Haltung s 9 9 nacb Einblick in bie Reünerlifte von vornherein ihre Wsichl oder ob die Regierung von dem Vorhaben »fiand nimmt. Heck N borgen deutschen Vereine, welch«
tunogegeben Mten, bie Nachmittagssckrnben liebet un fon». ------ LnerLÜ zu dem Rckelzuge zu Ehren des Prinen Hem.
durchfluteten Tiergarten zuzubrrngen und erst zur zwerckn Verspätete Dedmgungen. N ’cecleinii3t Satten, hielten gestern eine konstiluierende Be»
^inruilud'en tZrÄenz wu^e^pÄer Man schreibt uns aus Berlin, 22. April. sammlung ab behufs Gründung eines dauernden Verbandes,
Hause fid) toieber einjufinben. J)ieJ5ta|cn^wu ur Meldungen aus Rom beginnt dort ein Teil der den Namens Ve reinigte deutsche Gesell«
IN der Thal eine beslere. Ueb^ dw Verh^timgen I»r einen Feldzug gegen die Erneuerung des Dreibunds, schäften Newhorks führen soll. Der Zweck der $ei> ^flttmwetnfte>u>swmminwn bttrchtetr I einer „Garantie für annehmbare Handelsverträge" ift die Stärkung des Einheitsgesühlch die Pslega
bach lZentr.)und^man darf^^agen,dak selten^eine jlom i dejeitigung mit der italienisch-sraiizolilchen Kenntnis der deutsch-amerikanischen Geschichte sowie die
Missivi' so gründlich gearbeitet hat. ^A^bn ge ist Freundschast unverträglicher Bestimmungeii gesordert. Dre^ Einführung und Erhaltung des de u t s ch e n Uii t errich tS Leiungen sind °°r°nst°cket wordenRes - Wünsche kommen zu >M. Graf Bülow wird sicherlich unb’ Zürnens an den öffentlichen Schulen. Partei, im Üomniiisionsbericht m drei nebeneinandergesi^lckn^Refe I schriftliches", Bindendes als Resultatseiner if'erien-Iifi^ss^s- llnb Religion sind ausgeschlossen. .
roten mitgeteilt. Es İ.Verhandlungen mitgenommen haben. Tie Fortsetzung des Roosevelt hat dem Senat die Ernennung des Kapi-
»nmer »kurMnim.tg«vttschtedv^ecke"^^t^^>te"^vSq»IDrübunds ''ist einjach beschlossene Sache, und zwar ant täng Coghlans zum K-ntre-Adm^iral übersandt, auch heute erklärten mehrere Redner, ^>>4^ bie terwag I UJIt)cläni)el.tei. Grundlage. Damit mutz man sich eben m ^apitan Eoghlan ist bekanntlich an den tt-ierluhkecken zu ung h-itze sie, ur das gmrze Gesetz ftimmcn, b<Lß I 3ranEceid) abjinden. igrgend welche Garantie dasur, daß des Prinzen Heinrich hervorgetreten, nachdem ers
wein dem Vock-empckiroen als LuxusartUel gelte W> o Handelsverlragsbedüigungen „annehmbar" aus,allen, -L uor einigen Jahren schon durch cm auf Kaiser Wichelm zu Recht Mst e.ner Steuer^ belegt 'Ede^ So betmcke Abg. A dnlow selbstverständlich nicht üvernommem Tas Ledicht bemerkbar gemacht hacke.
lrLnweinVPfg5-A zweL^ger hacke Di^ Äas einer selbst^nicht besitzt, kann er nicht geben. ?i- Aorgänge in Belgien.
Aba. Delfor (Elf.) unb Dr. Deinharbt (nl.) stellten “ . . In der belgischen Kammer kamen am Dienstog die
sich als Gegner bes ganzen Gesetzes vor. Der grundlegende DeUlsMeS blutigen Zwischenfälle in Löw en zur Sprache.^
L 1 wurde indessen angenommen, was den Reichs,chatz- , , . ®er sozialistische Abg. v. Longcrdonck gab einen Ruck-
fetretär Frhrn. v. Thielmann zu dem frohgemuten Aus- Berlin, 22. April- Der Kaiser begab sich heute au- bie Ereignisse der letzten Aage und kam zu beut l'rrudi veranlaßte, cs werde sich schließlich für d<rs gunze nach dem Potsoamer Bahnhof zur Beiichtigung eines tzttfs I daß die Bürgerwehr nicht von den Kundgebern an-
Gesetz eine Mehrheit finden. Eine interessante Wnndtung! zuges bei Eis^ibahnunfüllen. . s . -uVp gegriffen worden ist, und baß sie angesichts der kleinen
Tamals, als bas Reich noch im Gelbe „schwamm", bei Be- — König Albert von Sachsen ttollendet heuteI A^,ahl von Demonstranten nicht hatte schießen dürfen, ratuna des T e cku n g s p ar a g r ap h en des letzten sein 74. Lebensjahr- Glücklicherweise hat jich fein Ge- Verantwortlichkeit falle auf die Bürgerwehr zurück.
Flottenaesetzes, mußte die Regierung von der sundheitszustanb un verflossenen Jahre wieder ve.estigt. Minister des Innern verliest einen Brief des
Flottenkomniission förmlich auf diese Steuervorlagen „ge- — Prinzessin Friedrich Karl von y e |) n g3ürgermcifterö Don iidtven, worin dieser die Aussage eines stoßen" werden. Jetzt, bei dem ungünstigen Stande der feiert heute ihren 30. Geburtstag- m... T, . y .Offiziers anführt, in dem das Gegenteil behaiiptet wird. Reichsfinanzen, ist der Schatzsettetär hoch erfreut, baß eine — Die 'Siu t e n - So r I a g e Mitglieder der Augenblick angesichts der großen Gefahr habe
neue Steuerquelle in Aussicht steht, deren Ertrag immerhin Zolltarifkommisswn sieht für jebe^ Mitglied em bic Bürgerwehr gefeuert. Tie Rechte begrüßt diese Er-
auf mehrere Millionen Mark veranschlagt werden darf, quantum von 2400 Mark vor mirh ^rung des Ministers mit Beifallskundgebungen. Auf der
Früher, zur Zeit des Ueberflusses, hätte man von „em paar Greiz, 22. A^il Der Landtag des ^Ee^ wird ^ken entsteht ein großer Lärm. Rufe werden laut Milliönchen" aesprochen . . . Darüber, wer bie Steuer auf am Samvtag zur Empfangnahme d es Testamentsi des ver-« Kanditen", „Mörder" usw. Der Antwerpener Schaumwein rn tragen haben wird, gingen die Meinungen storbenen pursten und zur Regelung derRegeutlchafE- ^^olisch e Ab g. Delbeque ruft: „Die Mörder f^ittp Schaumwein -prägen poen^^, X.lfia0C zusammentreten. In der gestrigen Sitzung des Ge- ^^er Seite. Der Abg. T e r w a g n e woltte mich
qt tjuj ÄeflieirungäuufaÄ|öJcit an Spitze von 800 Kundgebern angreifen." Bei diesem Heinrich XXIV. offiziell feftge)teHt ^orten versucht Terwagne sich auf Delbeque zu
I ff j't r i p was aber verhindert wird. Es entsteht ein
' urchtbarerTumult. Die Sitzung mußte aufgehoben
ÄN^IaNl! werden. Nach Wiederaufnahme werden zwei Tages-
* I ordnungen verlesen. Schließlich wird mit 75 gegen 30
Kopenhagen, 22. April. Im Landsthing fand heute stimmen die von den Katholiken eingebrachte Tages- die erste öffentliche Beratung über die Abtretung b e r orbnung angenommen, die einfachen Uebergang zur TageS- dänisch-westindisch en Inseln statt. Bericht- Ordnung fordert, und darauf die Sitzung aufgehoben, erftatter Koch fragte den Minister des Aeußern, ob ihm ^gen ben Mg. v. Longendonck sowie gegen verschiedene bekannt fei, daß der amerikanische Kongreß bie abgemachte ^^re Persönlichkeiten ist wegen Aufreizung zum Auf- Geldsumme vielleicht nicht bewilligen werde. Der Minister ein gerichtliches Verfahren eingeleitet worden,
erklärte, er könne ben Vorschlag ber Majorität bezüglich des Personen würben bereits vor den Staatsanwalt
Absttmmens auf den Inseln über die Abtretung nicht I^ert.
billigen obschon dieser Vorschlag der Verwerfung des Ver- Löwen wurde am Dienstag m den industriellen
ttaaes vorzuziehen sei. Für ihn bestehe fein Grund zu Etablissements und den Kohlengruben die Arbett fast aL- zweifeln, daß für die Abtretung f üii s M i l li o n e n werden qenie|n wieder ausgenommen. Von 17 000 Mann, welche bemhlt werden. Die Weiterberatung wird dann auf morgen bic Arbeit niedergelegt hatten, arbeiten wieder lo 000. In •La x Charleroi nahmen mehr als 39000 Grubenarbeiter und
SchloßLoo, 22. April. Nach ber heute stattgehabten andere Arbeiter die Arbeit wieder auf. .
- ■ ■ ~ c—Ausständige versuchten in der Nacht die Schule »u
in u y c .i, welche von katholischen Ordensbrüdern geleitet wird, in Brand zu stecken.
Die heutige Yummer umfaßt 12 Seiten.
„Sekt"' im Reichstage.
Unser parlamentarischer Mttarbetter schreibt uuterm


