Stil", die Ausdrucksweise, an der wir den einzelnen. Künstler erkennen.
Ferner giebt es einen „Sachstil". Das Kunstwerk ist nämlich nicht blos durch die Zeiten und die Personen, durch die es entsteht, bedingt, sondern auch durch den Gegenstand, den es darstellt, den Zweck, dem es dient, usw- Es darf nichts anderes ju sein scheinen, als cs sein soll. In den meisten Fällen wird der Stoff, aus dem ein Ding hergestellt^wird, auf seine Gestaltung Einfluß üben, und auch die Technik giebt sich in bestimmten Formen, kund. So giebt es einen bestimmten „M a t e ri a lst i l", einen Stil bestimmter Techniken. — Eine andere Stilforderung bewirkt der praktische Zweck- Bei monuinen- talen Kunstwerken kommt dieser nicht so in Betracht, wie im Kunsthandwerk. Denn eine Statue, ein Gemälde haben zunächst feinen praktischen Zweck- Dagegen soll ein tunst- gewerbliches Produkt oder ein Bauwerk niemals aushören, praktischen Zwecken zu dienen. So ergiebt sich der „Zweck st i l".
Den Zeitstil werden wir meist gut -erkennen, wenigstens in der Zeit, in der wir leben- Es wird dem Künstler leicht sein, in dem Stil seiner Zeit zu arbeiten, aber schwer lein, aus diesem herauszutreten. Daneben wird sich natürlich bei jedem Künstler der persönliche Stil kundthun, vorausgesetzt, daß er eigenes Künstlerische in sich hat- Der Lachstil dagegen will mehr gelernt werden. Er verlangt uusmerlsamkeit, Beobachtung und llntcrwcisung.
Nunmehr führte der Redner an einer Reihe von Beispielen, die er durch eine große Anzahl von Lichtbildern erläuterte, die wichtigsten historischen Stile vor, beginnend mit der griechischen Kunst, schließend mit dem antikisierenden Stil vom Anfänge des 19. Jahrhunderts. Er erläuterte an einigen Porträts der Nenaissancezeit, wre durch die gemeinsamen Züge des Zeitstils hindurch iclbst bei diesen Abbildern bestimmter Persönlichkeiten der Persönliche Stil des Künstlers zum Beschauer spricht, und widmete dann besonders eingehende Erörterungen den verschiedenen Gattungen des Sachstils, wobei als tilwidrig in diesem besonderen Sinne beispielsweise der chiefe Turm von Pisa, aber auch die Raffael'schen Teppiche hmgestellt wurden. Als Muster richtig verstandenen M a - terialstils wurden die marmornen Giebelfiguren des Parthenon, der sidonische Alexandersarkophag, Vischer's König Arthur vom Grabmal Kaiser Maximilians vorgeführt, der Z w e ck st i l an einem griechischen Wassergefäß an einer architektonisch, nämlich als Gebälkträgcrin verwendeten Frauenfigur, aber auch an dem stilistiert widersinnigen Gebilde einer durchbrochen gearbeiteten Glocke erläutert. (Schluß folgt.)
stellerinnen im leichten Schwebetanz einen nach dem anderen ihrer Kimonos äbstreiften und schließlich zu einem Muskel- fpiel auf ihren plastisch schönen Formen übergingen, was in seiner Art nur an den Bauchtanz haschischtrimkener, verzückter Aegypterinnen erinnern konnte.
Die Erfolge, die Sada Paeco besonders in pekuniärer Beziehung in Europa einheimst, lassen sich nicht unschwer mit jenen der Dennmondedame vergleichen, deren Nachlaß, wie Zola un§ schildert, von den Damen der ersten Pariser Gesellschaft zu unerhörten Preisen auf dem Versteigerungstcrmin erstanden wird. Sie, die im Leben so viele Familien unglücklich machte, wird im Tode noch um die Kunst „Männer zu fesseln" beneidet, und ihre Gebrauchsgegenstände wandern als Fetische in die Boudoirs der Damen aus der vornehmen Welt. Mag dieser, Vergleich der Toten und der Lebenden immerhin hinken, die Motive, welche vergangene Woche einen so überaus zahlreichen Damenkranz, in großer Toilette teilweise, vor die Wiesbadener Hofbühne führten, als Sada Yacco und Genossen dort ihre Mätzchen machten, dürften sich wenig von denen unterscheiden, die jene Pariserinnen zu der erwähnten Versteigerung leiteten.
Natürlich wollen wir hierbei die iveitesten Ausnahmen ' zugestehen und dem für alles Fremde, besonders für das Exotische mir zu leicht eingenommenen Geiste der Deutschen eine größere Rechnung aufmachen. Schon „Der Mikado" i unb ganz besonders »Die Gsisha" errangen sich je, letztere ««chdom Nr rnsfprLmgttch in ihr enthaltene l-jchte Spott auf 1
Aus Stadt und Sand.
(Ter Abdruckder unter dieser Rubrik besindlichen Original-Nachrichten i|t nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 23. Januar 1902.
** Stadttheater. Herr Otto Woisch wird morgen, Freitag, seinen Ehrenabend haben. Er ist zweifellos einer unserer tüchtigsten Darsteller dieser Spielzeit und mit Recht ein Liebling unseres Theaterpublikupis. Mit seinem gutmütigen, liebenswürdigen, treuherzigen Humor verbindet er eine bemerkenswerte Charakterisierungskunst und niemals überschreitet seine Komik die Grenzen des guten Geschmacks. Das sind vortreffliche Eigenschaften, die ihn von den Dutzendkomikern der deutschen Bühne vorteilhaft unterscheiden. Er hat für sein Benefiz eine gerade Heuer ihren 20. Geburtstag begehende Posse von Mannstädt gewählt, den „tollen Wenzel", ein lustiges Ding, das das gewiß recht zahlreich morgen im Theater erscheinende Publikum angenehm unterhalten wird. Frau Woisch-Hesse, die Gattin unseres Künstlers, wird an diesem Abend als Soubrette mitwirken.
Aus dem Thcaterbureau. In Vorbereitung befindet sich das neue Meyer-Förster'sche Schauspiel „Alt-Heidelberg".
'N ** Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 1, ausgegeben am 20. Januar, enthält 1) eine Bekanntmachung, die Arzneitaxe ür die Apotheken des Großherzogtums betr., 2) eine summarische Uebersicht der Rechnung Großh. Landeswaisenkasse zu Darmstadt für 1900/1901.
Die Großh. Landeswaifenkasse hatte im Rechnungsjahre 1900/1901 eine Einnahme von 212 968 Mk. 56 Pfg. und eine Ausgabe von 211 795 Mk. 21 Pfg., bleibt Rest 1173 Mk. 35 Pfg. Im Rechnungsjahre 1900/1901 wurden zusammen verpflegt 2426 Waisen, am Schlüsse des Rechnungsjahres 1900/1901, Ende März 1901, blieben in Verpflegung 1970 Waisen.
** Gesetzt iche Bestimmungen für die V er - un g von Jagden. Bei den nahe bevorstehenden zahlreichen Jagdverpachtungen dürfte für manche der noch weitaus zahlreicheren Jäger eine Auffrischung der für Vergebung der Jagden bestehenden gesetzlichen Be- trmmungen zeitgemäß fein. Diese stammen ans dem Jahre 1848. Gegenüber früheren Gepflogenheiten bei Jagdver-
Laubach, 20. Jan. Infolge des feuchten Wetters stehen unsere Orts- und Staatsstraßen gegenwärtig unter dem Zeichen des Schmutzes und des sich anhäufenden Schlammes. Eine zeitgemäße Bekanntmachung erließ das Kreisamt Schotten indem es den Hausbesitzern, die es Mittwochs und Samstags verabsäumen, ihrem Straßenanteil die erforderliche Reinigung angedeihen zu lassen, mit einer Bestrafung bis zu 60 Mk. droht. — Der Bund der Landwirte läßt an verschiedenen Orten unseres Kreises^ täglich einen Wanderredner über den Zolltarif sprechen. Zu einem auf morgen Donnerstag im Gasthause „zur Traube" anberaumten Vortrage hatte sich außer dem Bürgermeister niemand eingefunden; der Redner Herr Klein aus Frankfurt, mußte unter diesen Umständen von der Abhaltung seines Vortrages absehen.
-t Rodenbach bei Altenstadt, 22. Jan. In Ergänzung der vorgestrigen Meldung von dem hier vorgekommenen Selbstmord, der selbst in den Nachbarorten Bestürzung hervorrief, ist noch zu berichten, daß das Motiv zu der rätsel-' haften.That unseres in jeder Hinsicht in geordnetsten Ver-. haltmpen lebenden und im kräftigen Mannesalter stehenden
schwärm der Gaishas kommt, der eben noch mit jauchzender Alt- und gellender Fistelstimme zu Becken- und Triangel- und Gmtarrenlärm sein anfeuerndes
„Jonkino yonkino Jon-yon—kino-kino Yokohama Nagasaki Kobern aru — oi!“
uach der altbekannten Geishamelodie gesungen hatte.
r - rU?b ?onn beginnt ein Trinken und Balgen und Johlen, bls stch schließlich alles im bunten Durcheinander auf dem ^boden walzt und sich auf „echt japanisch" ganz köstlich
Aufe des Jahres wird zu Tokio das zehnjährige Stiftungsfest der „Roten-Kreuz-Gesellschaft" gefeiert und zwar nut großer Prachteutfaltung. Hierzu beabsichtigt die Sada Meco wieder in ihrer Heimat zu sein. Vielleicht will sie dann, gerade so rote sie nach dem Kriege 1894/95 auf dem erwähnten Theeabend des Prinzen Komaksu den Sieg darstellte, die christliche Nächstenliebe verkörpern.
der Fall sein, dann raten wir ihr aber, die Plaflit ihrer schönen Formen nicht durch Fallenlassen ihres dritten Kimonos in zu verführerischer Weise preiszugeben, denn voraussichtlich werden nicht alle ihre Zuschauer einer ^heone huldigen, die Schwächen des japanischen Volks-, charakters cmichlicßt und verteidigt. R. H. S.
kann jeder Jagd lustige bei den vorstehenden Verpachtungen sein Waidmannsheil versuchen- Zwar wird er bei dem jetzigen übermäßigen Wettbewerb ohne eine starke Ladung von Edelmetall nicht viel ausrichten. Ist ober diese vorhanden, sichere er sich den Treffer durch kräftige Benutzung der Jagdgesetzgebung als des dann wirksamsten Pulvers.
** In Amerikaner st orbeneHessen. Eva Lang, geb. Strauß aus Hahnheim, gest. in New-York, 66 Jahre alt. — Elisabeth Schreiner, geb. Heringe aus Pohl-Gönsj (Kr. Friedberg), gest. in Blak Oak (Jll.) 85 Jahre alt. — Frau Kienenberger, gest. in Java, 75 Jahre alt.
t- Burkhardsfelden, 22. Jan. Seit einigen Tagen tritt hier die Influenza hauptsächlich unter den Erwachsenen stark auf.
0 Rodheim a. d. Horloff, 22. Jan. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Heinrich Schäfer zum dritten Male wieder- gewählt; er erhielt 35 Stimmen.
je. Reiskirchen, 22. Jan. In einem benachbarten Steinbruch wurde der Arbeiter Daniel Heuser von Burkhardsfelden am Kopfe erheblich verletzt, indem eine Winde, die zum Heraufbefördern der Steine benutzt wurde, zurückschnellte. Er mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.
— Lich, 21. Jan. Die Einlagen der Pfennig spar- kasse der Licher Spar- und Kredit-Aktien-Gesellschaft betrugen im Jahre 1900 9560 Mk., irn Jahre 1901 9318 Mk., also im Jahre 1901 242 Mk. weniger als im Jahre 19oo'
W. Von der mittleren Nidda, 22. Jan. In Ober- Mockstadt herrscht seit einiger Zeit eine fo starke Masernepidemie, daß beide Schulklassen geschlossen sind. — Im der Nähe von Staden haben Saatkrähen Schaden am Weizen angerichtet.
wärtiger Minister wurde, richteten sich seine Bemühungen alsbald auf das Zustandebringen auch eines näheren politischen Zusammenschlusses. Er trat in Verhandlungen mit den anderen Südstaaren über Bildung eines Staaten Vereins unter dem Namen „Vereinigte süddeutsche Staaten", und als wetteres Ziel schwebte ihm eine Verf- brndung dieses Südbundes mit dem Nordbunde vor. Der -Entwurf eines Vertrags zwischen dem Nord- und dem Südbunde erklärt nun als „gemeinsame, nationale Angelegenheit" beider Staatenbünde „das Eisenbahnwesen im Interesse der Landesverteidigung und des allgemeinen Verkehrs." Zur Ausführung dieser Bestimmungen war der Mschluß eines Vertrags über die Errichtung eines Eisen- bahnvereins vorgesehen. Alle im Eigentum der Vertragsstaaten stehenden und von ihnen betriebenen Eisenbahnen sollten ein gemeinsames Eisenbahngebiet bilden. Die Re- gierungen verpflichteten sich zum Ankauf aller in ihrem Gebiete belegenen, für den durchgehenden Verkehr notwendigen Eisenbahnen. Während jeder Staat den Betrieb seiner Bahnen -behalten sollte, war der Erlaß einer gemeinschaftlichen Eisenbahnordnung, eines gleichheitlichen Betriebsreglements und eines gemeinsamen Tarifs für die Person.-,i- und Güterbeförderung vorgesehen. Die Verwaltung der Eisenbahnen, die Organisation der Behörden, die Führung des Kassenwesens sollte im ganzen Vereinsgebiet auf gleichen Fuß gebracht, die Leitung und Oberaufsicht in allen Eisen - bahnangelegenheiten sollte durch einen Eisenbahnrat in Verbindung mit dem Zollparlament ausgeübt werden. Der Artikel 9 des Entwurfs bestimmte sodann, daß „der Ertrag aller über die Landesgrenzen hinausaehenden Transporte Tettens ver das gemeinsame Eisenbahngebiet bildendm Bahnen gemeinschaftlich" sein sollte. Die im inneren Verehr aufkommenden Frachten verblieben dem Einzelstaate. Die gemeinschaftlichen Einnahmen aber waren alljährlich nach dem Verhältnis der „Kilometerzahl der von den einzelnen Staaten betriebenen Bahnen unter Rücksichtnahme auf die Höhe des Anlagekapitals und der Betriebskosten zu verteilen."
Mir sehen hier eine nach dem Muster des Zollvereins! gebildete, innige wirtschaftliche und finanzielle Eisenbahngemeinschaft, eine Gemeinschaft, die als notwendige Voraussetzung den Erwerb aller wichtigeren Linien für die Staaten forderte; wir sehen zum ersten Male einen Reichseisenbalm- gedanken in einer Gestalt auftauchen, die eine Verwirklichung wenigstens als möglich erscheinen ließ.
Fortsetzung folgt.
Japan und hie Japaner in eine Eloge verwandelt war, den Beifall eines Publikums, das „Bravo" rief, weil bezopfte Chinesen nut japanischer Muhumis über die Bretter trippeln, wenn die Kostüme nur einigermaßen naturgetreu waren, denn in ganz echten japanischen Kostümen dürfte selbst Sada Yaeco in Europa kaum bei ihren Schaustellungen erscheinen! Bestehen diese doch lediglich aus einem oder mehreren herrenschlafrockähnlichen Kimonos, die mit einem Gürtel zusammengehalten werden, und bis zum Knöchel reichenden „Fuß- faufthandschuhen" mit abgeteilter großer Zehe zum Halten der starken lackierten Holzsandalen.
Aber die „Geisha" errang sich auch noch den Beifall von ernsthafteren Zuschauern, die sich mit geröteten Wangen und schwimmelnden Augen den Liebeskummer eines japanischen Tschms (Oberleutnants) zu Herzen gehen lassen. Ein Japaner ist aber weder ein Romeo noch ein Poggenburg, und auf emer japanischen Bühne würde die Balkonszene aus „Romeo und Julia" ganz anders geendet haben!
Dem Japaner ist das Mädchen ja ganz gleichgiltig, ihm gilt nur der Wunsch, mögen ihn die Sinne oder der Soko erregt haben! Und ist die Schöne zu spröde oder hängen die -trauben zu hoch, nun so geht er einfach in ein anderes Thee- tjauS! —- -vort kniet man auf den feinen Matten nieder:
"?rI9^a sacö Wo kudassai, tsha, goeen, succudani!" (Madel bring mir ReiSschnapS, Thee, Reis und Fisch).
, /^^co wo moiimaa!" (Prosit) und brennend rinnt
. tznße^pmtus die durstigen Kehlen nieder, bis der Haupt-'
gebungen gehen sie von dem Grundsätze aus, daß alle geeigneten b- h. zahlungsfähigen und unbescholtenen Jagd Pächter gleichberechtigt sind und unter diesen wm Vorteil der Gemeinden dem Höchstbietendenj die Jagd zufallen soll. In diesem Sinne bestimmt Art. L des Gesetzes vom 26. Juli 1848: „Die Gemeinden können, die Jagd innerhalb ihrer Gemarkung nur durch Verpachtung für Rechnung der Gemeindekasse zum Vorteil der Gesamt-Steuerpflichtigen ausüben." Und Art. 11 lautetr „Die Verpachtungen der Gemeindejagden erfolgen durch öffentliche Versteigerungen". Es bedeutete eine Verfehlung gegen diese klaren Bestimmungen, wenn in einzelnen Fällen auf einstimmigen Antrag des Gemeinderats die Vergebung der Jagd aus freier Hand mit Ermächtigung dess Ministeriums erfolgt ist. Es ist wohl kaum zu befürchten^ daß derartige Fälle sich in unserer Zett des gesteigerteni Rechtsgefühls wiederholen könnten. Von den klar ausgesprochenen gesetzlichen Bestimmungen wird auch die höchste Verwaltungsbehörde keine Ausnahme mehr zulassen wollen. Sollte aber doch wider Erwarten ein Jagüliebhaber durch freihändige Vergebung einer Jagd an einen anderen sich benachteiligt fühlen, so steht es ihm frei, Einsprache W erheben bei dem Ministerium resp. eine Bitte an die Landstände zu richten um Aufrechterhaltung des unter deren Mitwirkung zu stände gekommenen Gesetzes. Eine ungehörige Benachteiligung wäre auch darin zu finden, wenn nach erfolgter Versteigerung, bei der die Taxation^erreicht oder überschritten worden ist, nicht dem Höchstbietendeni die Jagd zufällt,, sondern einem anderen die Jagd ans freier .vand gegeben wird, der ein höheres Nachgebot eingelegt hat. Ein derartiges Mehrgebot dürste nur als ein höheres Angebot bei wiederholter öffentlicher Versteigerung gelten, wo dann dem ursprünglich Höchstbietenden Gelegenheit gegeben wäre, durch weitere Ueberbietung sich die Jagd zu erwerben. Hierdurch wäre dann nicht nur seine eigene Gleichberechtigung gewahrt, sondern auch dem Vorteil der Gemeinde am besten gedient, und zwar im Sinne der vorliegenden gesetzlichen Bestimmungen. Somit
Stil und Stilwandlungcn in Kunst und Kunstgeweröe.
D. Gießen, 22. Jan.
Ueber dieses Thema sprach gestern abend Herr Prof. Dr. Sauer int Kau fmännischen Verein und im Ortsgewerbe-Verein vor einer zahlreichen Zuhörerschaft- Der hochinteressante Stoff giebt uns Veranlassung, den Vortrag möglichst ausführlich wiederzugeben.
Zunächst entwickelte der Redner den Begriff , Stil" Und seine Gesetze. Es ist noch nicht lange her, so begann er, da war man gewöhnt, in der Zeitungsreklame, in Ausstellungsberichten usw. das Wort „stilvoll" oder stilgerecht" zu hören. Man sprach von stilvollen Musterzimmern, stilvoll eingebundenen Büchern usw- Jetzt ist es merkwürdigerweise etwas stiller davon geworden und man hört das Wort „modern". Daraus möchte man fast schließen, daß der „Stil" altmodisch geworden sei. Das wäre aber ein großer Irrtum. Das „Moderne", mag es werden wie es will, w'.rd jedenfalls in seiner Art auch „Stil" haben. Es hat zu allen Zetten Stil gegeben, allerdings in sehr verschiedenem Sinne; und es wird uns nur nicht immer bewußt, daß wir das Mort in verschiedenem Sinne brauchen-
heW „Stil"? Das Wort ist von dem Namen des Schreibgriffels „sttlus" abgeleitet und verwendet worden als bildlicher Ausdruck für die Art des Schreibens in der Schriftsprache. Von der Litteratnr ist es übernommen worden in die Kunst. Und wie es dort eine bestimmte Art zu schreiben andeutet, so bedeutet es in der Kunst eine bestimmte Art, künstlerisch darzustellen, die bestimmte Kunstweise.
Diese allgemeine Erklärung wird nun in verschiedenem .Sinne abgewandelt. Wenn wir von etwas Stilvollem sprechen, so meinen wir damit besonders, daß ein Dina im Sttt emer bestimmten Zeit gestaltet ist, die Form einer beftunmeten Epoche an sich tränt. In diesem Sinne kann man von EE „Zeitstil" oder „historischen Stil" sprechen. Diese Verwendiing ist sehr verbreitet und die fast herrschende.
Daneben aber giebt es „Stil" noch in verschiedenem anderen Sinne. Wenn auch jede Zeit ihre Art, Kunstwerke darzusteilen, hat, so ist eine Epoche als solche nur etwas Abstraktes. Sie chißert sich durch einzelne Menschen, einzelne Periönlichketten, und diese werden sich auch wieder
^Ä^!^n..^^prechen. Neben dem allgemeinen Zettstil bethätigt sich ein besonderer „persönlicher


