Ausgabe 
23.1.1902 Drittes Blatt
 
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richteten, saupeu wir verhattnchmaLrg wenig Verständnis für dieses I setze- habe ich dem Justtzminisür

Settern sehr schlechten Eindruck gemacht. Von dem § 120 e der Ge- roerbeorönung, der dem Bundesrarh das Recht zu Verordnungen zum Schutze der Gesundheit oder Sittlichkeit der Arbeiter giebt, bat der Vundcsrath meines Erachtens btel Zu wenig Gebrauch gemach:, itjdi veoauere, daß die Novelle zum 5irantenkasscngesctz noch nicht ge- rommen ist. sowie daß die Frage der Einführung kaufmännischer Schiedsgerichte immer wieder auf die lange Bank geschoben wird. Auch zur Sicherung der Forderungen der Bauhandwcrker müßte end­lich eine Vorlage an uns kommen. Der Gewerbe-Inspektion er-

Dichtungen neue Aufgaben; besonders wichtig ist der Arbeiterschutz im Baugewerbe. Zu erroägen wäre, ob wir nicht dem Arbeiterstunde schaffen können.

Abg. Müller (Meimngen. freis. Vp.): Ich möchte zunächst fr-^en, wie es mit der Reform des photographischen Urheberrechts steht; diese Reform ist dringend nothwendig. Wie stehl es ferner öct vorigen Jahre von uns erhobenen Forderung einer Kohlenverkaufsverordnung, um dem unlauteren Wettbewerb ent- gegenzutreten? Die Versuche, ein Verbot der Phosphor, streich- holzer-Fabrikation herbeizuführen, hatten in Interessentenkreisen

Aufsehen und große Erregung hervorgerufcn. So wohlthätig em foldjeä Gesetz auch sein mag, man darf es keineswegs erlassen, ohne daß man die armen Leute, die diese Zündhölzer fabriziren, ent­sprechend entschädigt. Auch muß die Regierung den Arbeitern eine andere gesundere Arbett schaffen. Vielleicht könnte eine andere, weniger gefährlichere Zündmasse erfunden werden. Die armen Leute des Thüringer Waldes würden dem Reichstag sehr dankbar sein, wenn er endlich hier die Initiative ergriffe. Von dieser bren­nenden Frage der Zündhölzer wende ich mich zu einer anderen brennenden Frage (Zurufe: Au! Aul), nämlich zum Frauen- studium. (Heiterkeit.), Das bairische Kultusministerium hat eine Verordnung erlassen, wonach selbst solche Frauen, die ihr Abitu­rientenexamen bestanden haben, nur als Hospitantinnen zugelassen werden dürfen. Das ist eine Ungerechtigkeit, wenn es auch den jetzigen Universitätsstatuten entspricht. Fast sämmtliche Kuttur- staaten und sogar Rußland sind uns bezüglich des Frauenstudmms voran. Auf keinem Gebiet ist die Krähwinkelei so groß, wie auf dem des Vereins- und Versammlungsrechts. Wir haben über o Millionen erwerbsthätige Frauen, denen müssen wir in unserer Ver­einsgesetzgebung Rechnung tragen. Auch hier sind andere Staaten viel Wetter als wir. Man hat jetzt scheinbar vor den Frauen mehr Angst als vor den Sozialdemokraten. Unbegreiflich ist es z B. daß man die Damen vom Evangelisch-sozialen Kongreß ausgeschlossen

Warum sind die Frauen nicht zu dem Tanzkränzchen des Metallarbeiter-Verbandes zugelassen worden? Den Vogel in dieser . Beziehung hat der Rettor der Berliner Universität abgeschossen, der Vortrage von Damen im Sozialwissenschaftlichen Studenten-Ver- ern verbot und dann aus einem geringfügigen Anlaß den Verein aufhob. Da hat man die Universität mit der Kaserne verwechselt- man hat hier Unteroffiziersmode eingeführt. Durch solche Maß- uahmen wird unter den Studirenden nur Erbitterung hervorge­rufen. Herr Bassermann hat beanttagt, Frauen die Theilnahme an sozialpolitischen Versammlungen und Vereinen zu gestatten ®aj ist viel zu eng. Der Ausdrucksozialpolitisch"' ist viel zu vieldeutig. Sie Frage kann nur mittels eines Reichsvereins- und Versammlungsgesetzes gelöst werden. Wer dafür ist, daß die Frau nur waschen, stticken, kochen, allenfalls etwas Klavier spielen soll, der muß dafür sorgen, daß die Frau von Reichs wegen einen Mann bekommt. (Heiterkeit.) Aber die Ehelosigkett nimmt von Jahr zu Jahr in Folge der ungünstigen wirthschaftlichen Verhältnisse zu. und es wird noch ärger werden, denn der Zolltarif ist ein wahrer Nähr­väter der Ehelosigkeit. (Erneute Heiterkeit und Beifall.^

Abg. Prinz zu Schönaich - Carolath (Hosp. d. Nat -Lib p 25a^renmman in früherer Zeit den Besttebungen der Frauen, auf die der Vorredner einging und die ich jedes Jahr hier vertreten habe, nur mit geringer Theilnahme im Reichstage folgte, ist doch rm Laufe der letzten fünf Jahre ein erfreulicher Umschwung ein- getreten, und ich kann dem Staatssekretär nur danken für das, was er bisher auf diesem Gebiete gethan hat. Ich wollte namentlich sprechen über die Zulasiung der Frauen zum Universitätsstuüium und die Vorbereitung dazu. K

Als wir hier in Berlin Gymnasialkurse für Frauen eine

Unternehmen; aber die Frauen, die zu uns kamen, bewiesen, daß Ne binnen wenigen Jahren denselben Stoff zu beherrschen lernten, für den die Manner eine viel längere Zeit gebrauchten. Allerdings batten wir die beiten Strafte unter den Schülerinnen, die es über­haupt giebt, denn die Damen, die sich an Den Kursen betbeiügten, kamen eben freiwillig und waren oon Dem heiligen Feuer erfüllt, das. was sie lernten, zu einem Berufe zu verwerthen. der sie und ihre Angehörigen ernähren sollte. Es sind uns allerlei Schwieria- teiten gemacht worden bezüglich Der Ablegung des Abltunenten- examens^der Kuriustheilnehmerinnen, trondem die Lehrer alle die höchste Fakultas hatten. Es wurde ihnen nicht gestattet, das rtbiturientenexamen abzunehmen, sondern es wurde Dafür ein 23cr= hncr Gymnastum bestimmt. Gleichwohl gehörte es zu Den größten Seltenheiten, daß eine von unseren Kandidatinnen Durchfiel; und die Seimen wirken jetzt m verschiedenen Berufen höchst segensreich. Der Beiuch der Umbequäten wurde früher Den Frauen nur unter Den allergrößten Schwierigkeiten gestattet; jetzt ist auch hierin Wandet geicsiaffen, wofür ich Dem Staatssekretär nicht genug danken -ai!n: Ä ^toar n0$ nid^ alles erreicht, aber man kann eben

aut solchen Gebieten nur langsam vorgehen, und wer zu viel auf einmal »erlangt erhalt schl-chlich gar nichts. Man darf nicht mit in^.JPau§ lallen, und ich meine, Die bisher erreichten Fortschritte eröffnen günstigere Aussichten auch für Die Zukunft. Daß nod] mandje Dozenten ihre Kollegien den Frauen verschließen, be- dauere ich allerdings lebhaft, und ich verrnuthe, daß Der Stactts- '.retar nur hierin beistimmt. Ich hoffe, Daß jetzt im Kultus- nuniiterium Der gute Wille vorhanden ist, die Bestimmungen über Dte, orauenstuDium zu erleichtern. Dem Gedanken, besondere Frauenumversttaten zu gründen, widerspreche ich. Denn ich bin Der 2tniid)t, daß diese Universitäten der berechtigten oder vielmehr un­berechtigten Lächerlichkeit verfallen werden. Mein Gefühl faat mir baß diese Anstalten Universitäten zweiter Klasse werden wurden. Ich bin also der Ansicht, es muß dahin geftrebt werden. Die Zulasiung der Frauen zu den Universitäten zu erleichtern. Die Jmmatrikel scheinen sic heute noch nicht betommen zu können und deshalb will ich für meine Person mich Darauf beschränken, daß ich die Zulassung der Frauen zu Den Universitäten in Der bisherigen Weise wünsche, wobei ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß die- @CIJ' die heute noch anderer Ansicht sind, nach und nach ihren Widerspruch fallen laßen. Daß in anderen Ländern, z. B. in Kuftlanb, roed mehr für das Frauenstudium geschieht, habe ich wiederholt ausgefuhrt. Im Uebrigen begrüße ich es mit großer si^ude, daß man die Vermehrung der Fabrikinspektorinnen beab­sichtigt. Daß man grauen die Theilnahme an sozialpolitischen Vereinen verbietet, beklage ich auch, und ich hoffe, daß diese Be­schränkungen aufgehoben werden. So weit wie der Vorredner geht gehe ich allerdings nicht. Ich enthalte mich aber, auf die Frage notier einzugehen, da mein politischer Freund Bassermann bei der Begründung seines Antrages sich dazu äußern wird. Das eine mochte ich Zum Schluß noch sagen: In erster Linie gehört die Frau ins Haus, aber ich will sie nicht daraus beschränken. Die Frau, die Den Eifer und Die Fähigkeiten hat. zu lernen, mag ihre Fähig­keiten außerhalb des Hauses verwerthen, aber in Der Hauptsache können die Frauen im Hause segensreich wirken. (Beifall.),

Staatssekretär Dr. Graf v. Posadowskh: Was das Kinder- chutzgesetz anlangt, so wird ein solches Gesetz, wenn es prattischen Erfolg haben soll, auch in die Familie eingreifen müssen. Sonst wurden zahlreiche Kinder vollständig ungeschützt bleiben. Die Nach­richt des Berliner Lokalblattes ist unzutreffend. Die Verordnung über das Gast- und Schankwirthschaftsgewerbe wird morgen oder Freitag veröffentlicht werden. Daß die Zinkhüttenverordnung erst 1903 in Kraft treten soll, ist auf Antrag Preußens beschlossen wor- &en- Der Aufschub war gewiß nicht erwünscht, aber wir waren in einer Nothlage: Preußen wies nach, daß vorher Die nöthigen Neu- einnchtungnen nicht fertig gestellt werden könnten. Wir haben aber einen Erlaß gemacht, daß nun Die Vorbereitung energisch ge- troffen werde. Da von einem weiteren Aufschub selbstverständlich keine Rede sein kann. Eine Verordnung über Den Betrieb in Stein- bruchen und Gummifabriken Gegt Dem Bundesrath vor. Es Regt auf Der Hand, daß ein Spezialgericht, ein kaufmännisches Schieds­gericht, geschaffen werden muß. Den Entwurf eines solchen Ge- Sur Begutachtung twrgelegt, Die

Schluß 5ZL Uhr,

Frage des Befähigungsnachweises der Handwerker kann erst geöfE werden, wenn die Handwerterkammern sich damit beschäftigt Robert werden. Die Einführung weiblicher Gewerbeinspektoren ist Sache der Landesgesetzgebung Das künstlerische Urheberrecht ist noch nicht zur Reform reif; dazu sind Die verschieDenen Wünsche noch nicht genügend geklart. Den Wünschen, die für das Geschmacks­musterwesen geäußert worden sind, kann ich vielfach nicht zu- stimmen. Ich halte es z. B. nicht für praktisch, das Geschmacks- muftertoefen Dem Patentamt zu überweisen. Hebet das photo­graphische Urheberrecht ist ein Entwurf fertig gestellt, Der jetzt von Sachverständigen beurteilt werden soll. Was Den Kohlenverbrauch angeht, so sind wir auf Grund des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb nicht befugt, Den Verkauf nach Gewicht anzuordnen. Die Frage beschäftigt uns aber. Von neuen Zündhölzern habe ich den Sachversiändigen 3 Proben gegeben, aber keine hat genügt Wenn wir nun ein neues Zündholz vorschreiben sollten, so können wir natürlich nicht jedes Mal Fabrikanten und Arbeiter entschädigen; dadurch würden solche Verordnungen zum Schutze Der Gesundheit der Arbeiter einfach unmöglich gemacht Was Die Interessenten fordern, habe ich heute erfahren: eine Ver­sammlung hat Die Entschädigung. Die zu zahlen wäre, auf zehn Mil­lionen angegeben. Das Studium der Frauen ist sehr erleichtert worden. Aber Die größten Gegner der Frauen sind ja die Männer In einem Lande, in dem eine Million mehr Frauen als Männer leben, muß Den Frauen möglichst Die Frechen, sich auszubilden unb zu bethätigen, gewahrt werden. Ich warne aber davor, hier zu viel Die Klinke Der Gesetzgebung zu ergreifen, Die Hauptsache ist eine vernünftige Selbstbeschränkung der Männer. Wir haben ich schon eine große Anzahl von Professoren, die Frauen zu ihren Vor^ lesungen zulassen, viele aber können sich dazu noch immer nickt entschließen, aus wissenschaftlichen und ethischen Gründen Ick habe mich mit einem sehr angesehenen Gelehrten, Der der'linken Seite des Hauses nahe steht, eingehend über diese Frage unter* hatten und der Herr hat sich Über Die Befähigung der Frauen zum medizinischen Studium sehr eingehend geäußert. Er erklärte namentlich, daß Den Frauen, wenn der innere Befund bei einer Operation sich anders stellt, als nach der äußeren Diagnose an­genommen war, Das Maß von Nervenstärke und Entschlußfähigkett fehlt, um sofort auf vollständig veränderter Basis eine Operation vorzunehmen, von der vielleicht Leben ober Tod des Pattenten abhängt Aber, fügte er hinzu, so viel wie eine große Menge Der gewöhnlichen Aerzte wurden sie wohl auch verstehen. (Weiterleit U Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt: Man muß es Den Frauen möglichst erleichtern, sich eine selbständige Stellung zu schaffen. Aber das muß mehr auf dem Wege verständiger, ruhiger Agitation, als Dem Der Gesetzgebung geschehen. Was die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz anrangt, so knüpfen sich daran noch viele Streitpunkte; ich habe aber Das Streben, diese Novelle so einfach zu gestalten, wie möglich; das ist schwierig, unb darum kann ich noch keinen bestimmten Zeitpunkt für die Einbringung angeben v. Kardorff (Np ): Wenn in Berlin ein studentischer Verein deshalb geschlossen ist, weil Frauen in Frauenangelegen- hetten als Rednerinnen zugelassen sein sollten, so geht auch uns das zu weit. Schon mein yreunb Stumm ist für größere Rechte Der grauen, besonders m sozialpolitischer Beziehung eingetreten, Den -Zremen Forderungen der Sozialdemokraten, den Frauen z. B. das aktive Wahlrecht zu verleihen, werden wir aber nie zustimmen, und A glaube auch manche von Ihnen (zu den Soz.) würden nicht hier sitzen, wenn Die Frauen Das aktive Wahlrecht hätten. Auf anDeren Gebieten aber konnten wir hinsichtlich Der Frauenfrage sehr wohl den Vereinigten Staaten und anderen Ländern nacheifern.

Hierauf v e r t a g t sich das Haus.

Aus Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind UNS stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, den 23. Januar 1902.

** Religionsgeschichtliche Vorträge. Nächsten Freitag, abends 8 Uhr wird Professor Holtzmann im Konfirmandcnsaa der Johanneskirche zum Besten der deutschen Heilstätte tu Davos den angekündigten Vortrag über:Die Eroberung der Welt durch die Kirche" halten. Für Nichtabonnenten sind Eintrittskarten in der I. Ricker'ichen Universitätsbuchhandlung und abends am Eingang erhältlich.

** Jag d'ver gebun g. Gutem Vernehmen nach ist seitens eines Gießener WaidmamiS gegen die vom Gemeinde^ rate zu Lollar beschlossene freihändige Vergebung der iFeld - und Wald jagd Einspruch erhoben worden. Die Jagd wird nunmehr wohl zur öffentlichen Ausschreibung gelangen, wobei die Gemeinde eine höhere Pacht erzielen dürfte.

.' Lollar, 22. Jan. Als Kandidat für die dem- nächstige Kreis tag Sw ah l der Landgemeinden soll, wie wir hören, Hütteningenieur Feller in Lollar in Aussicht genommen sein.

a. Hohensolms, 23. Jan. Am 22. Januar begann hier ein Obstbaukursus, dersich auf Pflanzung, Schnitt, Pflege der Obstbäume sowie Bekämpfung der Obstbaumschäd­linge und Krankheiten erstreckt. Die praktischen Unter­weisungen finden am Tage statt, während in den Abendstunden Vorträge gehalten werden. Für unsere rauhe Gegend, in der die Obstbaumzucht mit so vielen Widerwärtigkeiten der Natur zu känipfen hat, ist eine solche Unterweisung zum Bedürfnis -geworden.

)( K e sselbach, 22. Jan. Die hier am Sylvesterabend veranstaltete G e l d s a m m l n n g zu Gunsten der bedrängten Burenfrauen und Kinder, an der sich die Einwohner­schaft zahlreich beteiligte, ergab den Betrag von 24,40 Mk., der an die Hilfsstellen gesandt wurde.

-Bermuthshain, 19. Jan. Bei der Generalver­sammlung des hiesigen Gesangvereins wurde nach Verlesung des Rechnungsabschlusses, gegen den nichts zu be­merken war, bei der Präsidentenwahl der bisherige Präsident einstimmig durch Akklamation wiedergewählt, ebenso wurden die Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Der Gesangverein erfreut sich einer stetig zunehmenden Mitgliederzahl.

(rt) Friedberg, 22. Jan. Dieser Tage hielt Ober­lehrer Walz im Saale des Hotels Trapp vor einem zahl­reichen Publikum einen Vortrag über seine im Juli v. I. unternommene Nordlandsreise. In anschaulicher 'Weise schilderte er die Fahrt auf dem DampferAuguste Vietoria" von Hamburg an Helgoland vorbei nach hLor- wegen mit seiner einzigartigen, an Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten so reichen Küste. Der nördlichste Punkt, der erreicht wurde, war Spitzbergen. Auch gab der Redner eine interessante Sckstlderung über das Zu jammen treffen derAugusta Vietoria" mit der Kaiseryacht Hohcnzollern", die zu derselben Zeit mit dem Kaiser an Bord in jener Gegend weilte. Vor einigen Tagen

wurde im Saalbau gelegentlich einer Tanzunterhaltung bei einer Schlägerei ein hier weilender Besucher des Technikums von einem Fauerbacher Burschen derart verwundet, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Am Montag hielt im Saale des HotelsZu den drei Schwerterm" der Transvaalburgher Buz einen Vortrag überseine Erlebnisse vor und während des Krieges bei den Buren". Der Andrang zu diesem Vortrag war be­greiflicherweise sehr groß, und die interessanten Schilder­ungen des Vortragenden wurden oft durch lebhafte Bravo­rufe unterbrochen. Eine für die Buren veranstaltete Sammlung ergab den stattlichen Betrag von 170 Mk., Die an das Zentralkomitee nach München abgesandt werden.

Offenbach, 21. Jan. Von der hessischen Regierung ist nuninehr definitiv den Gebr. Hasenbach als Meistbietenden der Zuschlag für den Erwerb der ehemals Fürstlich Jsen- burg-Birstein'schen Besitzung einschließlich des Fürst­lichen Hauses erteilt worden.

r. Mainz, 21. Jan. Der alte karnevalistische Geist ,der gedroht hat, einzuschlafen, ist wieder in Mo- guntias Mauern zu neuem Leben entfacht worden. Es ist dem neuen Komitee gelungen, sich in seiner höchst originellm dekorierten Narrhalla (Stadthalle) eine vieltausendköpfige ^chor von Narrhallesen zu sammeln Und die erste Herren­sitzung sowie die Damensitzung waren, ein Siegeszug von Anfang bis zum Ende. Am Freitag, abends 8 Uhr H Min, fmdet in der Narrhalla (Stadthalle) die zweite große Herrensitzung statt, die sicherlich noch die erste Sitzung an Glanz überstrahlen wird, da neben den jungen auch die alten Redner die Tribüne besteigen werden. Am Samstag findet in der Stadthalle großer Maskenball statt; mit großer Spannung sieht man dieser Veranstaltung entgegen, da es au Ueberraschungen aller Art nicht fehlen wird. Es ist dies nebenbei gesagt, nur noch der einzige vor Fastnacht. Am 2. Februar wird um 5 Uhr 11 Minuten die Fremdensitzuna beginnen. Diese wurde auf 5 Uhr 11 Minuten anqesetzt damit es deni auswärtigen Publikum vergönnt ist, der Sitz^ ung bis zum Ende beizuwohnen. Die Fremdensitzung wird die einzige in dieser Saison sein. Es werden schon heute Vorbereitungen getroffen, damit sie an Großartigkeit und Glanz alles bisher Dagewesene übertrifft, und um den Fremden zu zeigen, daß Mainz noch auf dem Gebiete des Karnevals an allererster Stelle marschiert.

Uermischtes.

" Berlin, 21. Jan. Nach derV. Z." ist das Be- sinden des Professors 9tubolf Virchow zufriedenstellend.

* Antwerpen, 21. Jan. Meldungen aus Hjoerring in Dänemark berichten über den Untergang des Dampfers Silva". Das Wrack des Schiffes wurde ans Land ge­trieben. 16 Mann der Besatzung scheinen umgefonnnen zu sein.

Prag, 21. Jan. Der Inhaber des Bankgeschäfts Edmund Ja ne sch wurde unter der Beschuldigung des Be­truges und der Verleitung zur falschen Zeugenaussage ver­haftet.

* Die Pockcnepidemie nimmt in London, wie von dort gemeldet wird, solche Dimensionen an, daß man jeden Tag fürchtet, die amerikanischen Behörden werden die Schiffe Londoner Provenienz unter Quarantäne legen. Die Amerikaner Dürften infolge dessen auch zur Krommg König Eduards ausbleiben.

Grrichtssaal.

Glatz, 22. Jan. Oberleutnant Hildebrand, der den ^eutnant Blaskowitz im Zweikampf erschossen hat, hat seine z w e 11 a h r i g e $ e )t nngshaft hier angetreten.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 22. Jan. Die Zolltarif-Kommission des Reichstages lehnte den Antrag Singer, daß die Protokolle des wirtschaftlichen Ausschußes der Zolltarif-Kommission zu­gänglich gemacht mürben, ab unb nahm einstimmig einen Eintrag Broernel an, bic Regierung zu ersuchen, die vom Grafen Posadomsky in Aussicht gestellte Liste der Sach­verständigen des wirtschaftlichen Ausschusses der Zolltarif- Kommission zugänglich zu machen.

Berlin, 22. Jan. Bei der heutigen Subskription auf 115 Millionen 3prozentige Reichsanleihe und 185 Millionen 3prozentige preußische Staatsanleihe wurden auf die Reichsanleihe allein rund cct. 7 Milliarden gezeichnet.

Berlin, 23. Jan. DenBert. Pol. Nachr." zufolge wird die Vorlage wegen des Erwerbs von Kohlen­bergwerken im Ruhrgebiet dem Abgeordnetenhause um die Monatswende zugehen.

Geestemünde, 23. Jau. Die oldenburgische Gw- lecmeHoffnung" ist in der Nordsee mit der ganzen Be­satzung untergegangen.

Gelsenkirchen, 22. Jan. Auf dem hiesigen Bahnhofe entgleisten heute früh eine Lokomotive unb mehrere Wagen eines Kohlenzuges. Hierbei würbe ein Bahnbeamter getötet unb ein anberer leicht verletzt.

Dresden, 23. Jan. In der Nähe der Maschinenfabrik Seydcl & Naumann brach Feuer aus, das bereits bedeutenden Schaden anrichtete.

L ö n d o n , 23. Jan. Während der gestrigen Vorstellung im deutschen Theater in St. Georgshall starb der Schau- Pieler Georg Worlitzsch plötzlich auf der Bühne infolge eines Schlagflusses.

Toulon, 23. Jan. Eine Explosion an Bord des Panzerschiffes ,^Jaurequiberry" hatte nicht be- onders ernste Folgen. Eine Person wurde verletzt.

Rom, 22. Jan. Der internationale Historiker-Kon­greß tagt hier vom 21. bis 30. April.

Kapstadt, 23. Jan. Ein gewaltiger Brand mutet int Innern von Kapstadt. Zum Ausbruch gekommen ist das Feuer in einem Warenhause.