Ausgabe 
22.12.1902 Zweites Blatt
 
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Familie Humbert zeigte, gab der

Heit, daß die Betreffenden die Fa.milre Humbert seien.

Balo nach der Berhcrftmrg der Familie Humbert begab ttch der französische Bottchaster nach ihrer Wohnung, iw eie von Polizeibeamten bewacht wurden, und hatte eine

Unterredung mit den Familienmitgliedern. Später stattete der Botschafter dem Präfekten einen Besuch ab und sprach Lhm seinen Glückwunsch wegen der Berhaftung auL. Tie Verhafteten wurden ins GefängniA gÄracht, die Frauen getrennt ins Frauenaesängnis und dre Männer in Zellen deö Lauptgefüngnisses. Ein Berichterstatter durfte mit Er-

naan wären der PoUM Dorr MrdrD Pehmen vervWMg Vvrgekonrmen, welche ein Haus in der Talle die Ferra- bewohnten. Gestern sah tin Polizetbeamter Romain Tau- rignac in das HauS eftltreten. Der Beamte verschaffte sich sofort die gerichtliche Ermächtigung zum Betreten des Dauses, dessen sämrliche Zugänge bewacht wurden. Er mutete an der Pforte- es antwortete aber niemand^ doch hörte er im Innern leise sprechen. Ter Beamte läuteLe hierauf zum zweiten male und forderte im Namen des Ge­setzes auf, die TLüren Ku öffnen. Nach 20 Minuten wurde geöffnet. TLe Polizei drang in die Wohnung ein und ver­haftete das Ehepaar Humbert, deren Tochter Eva, Romain

aufsuchen. Er fand Romain Taurignac erregt über die spanische Polizei und die ihm und den anderen Verhafteten fluten gewordene Behandlung, die sie nicht erwarteten.

Varis, 20. T^. Die Regierung erfuhr die Verhaftung her Familie Humbert durch eine Depesche, welche der ,.Ag. Kavas" aus Madrid zuging. Sobald der Ministerpräsident Kenntnis von dieser Depesche erhielt- benachrichtigte er den Minister des Mustern und ersuchte ihn, bei der französischen Botschaft in Madrid mizufragen, ob die Nachricht wahr sei. Ter Minister des Mustern, Txlcassö, telegraphierte sofort tn dem gewünschten Sinne und erhielt die telegraphische Antwort, daß die Verhaftung nach^ts erfolgte. Ter Justizminister drückte in einer Unterredung seine Freude über die Berhaftung aus, fügte hinzu, die Auslieferungs- Formalitäten würden nicht viel ZÄt beanspruchen und ord- vete an, daß alle für die Auslieferung notigen Schriftstücke «och heute abend nach Madrid übermittelt würden. Tie ausgesetzte Belohnung von 25000 Frs. werde den spanischen Polizeibeamten ausgezahlt werden, welche sie wohl ver­dienten. Einige französilche Polizeibeamte würden sich so­fort nach Maorid begeben, um über den Aufenthalt der Familie Humbert in Spanien Ermittelungen anzustellen und die Verhafteten in Empfang zu nehmen, sobald die Auslieferung bewilligt sei.

Eine weitere Meldung aus Madrid besagt: Als die Polizei in die Wohnung der Humberts eindrang, bemächtigte ich der Frauen große Bestürzung, die Männer waren ge­ätzter. Die Haussuchung dauerte mehrere Stunden. Jn- ,wischen sahen die Verhafteten um den Kamin, Frau Hnm- >ert bat, sie nicht von ihrer kranken Tochter zu trennen. Ls wurde den Damen gestattet, Toilette zu machen. Die

hinzu, daß sie seit dem 9. Mai in Madrid seien und sich von Paris blieft dorthin begeben hatten. In der Wohnung der Verhafteten wurden SchmucksachM im Werte von etwa 10000 Franks. Awei Lose und 2276 Pesetas in Gold ao> strnden. An das Haus wurden Siegel angelegt und die

Verhaftung, um sie sicher zu machen. Ter Präfekt ersuchte ben König um Belohnungen der' an der Verhaftung be­teiligten PolizeLbeamten. Einem Berichterstatter gegenüber äußerte Romain Taurignac, sie seien bestohlen worden, man habe chnen gegenüber eine große Niederträchtigkeit be­gangen, und fügte hinzu : Wenn wir nach Frankreich kom­men, werden wir offen sprech,en und unsere Unschuld be­weisen. Tie Familienmitglieder Humbert legten sich, während des Aufenthaltes in Madrid falsche Namen bei. Frederic Humbert gab sich als Gatte der Tochter aus. Tie Angaben eines Postboten, welchem ein Polizist die Photographie der

: und Emil und Marie Daurignac. Auf Befragen die Verhafteten, sie seien das Opfer einer großen

wurde durch die Gendarmerie vereitelt. Die Polizei ver­mutet, daß die Familie Humbert, ehe sie das Haus dem Beamten öffnete, wichtige Papiere vernichtete.

Tie Verhaftung der Humberts in Madrid erfolgte am .Samstag um ein Uhr morgens. Tie weiblichen Mitglieder der Familie hatten die testen Tage in einem Kloster tn Barcelona verbracht; durch eine Korrespondenz die sie mit den in Madrid wohnenden Taurignacs führten, wurde die Polizei auf die Spur der ganzen Familie gebracht Früh 8i/2 Uhr wurden sämtliche Mitglieder der Familie Humberv Taurignac nach der Präfektur gebracht In ihrem Besitz wurden 2760 Frs, in Noten der Bank von Spanien, 1350 Frs. in Noten der Bank von Frankreich und 410 Frs. in französischem Gold vorgefunden. Ter Präfekt begab sich zum Könige und teilte ihm die Verhaftung mit woraus der König ibn beglückwünschte mit dem Hinzufugen^ er sei erfreut, daß es der spanischen Polizei gelungen wäre, Frankreich einen Dienst zu erweisen. Der Aäfekt erklärte, die Anwesenheit der Familie Humbert tn Madrid sei ihm feit sechs Tagen bekannt gewesen, er wartete aber mit der

Wohnung der Humberts, welche sie seit fünf Monaten inne haben, ist bescheiden eingerichtet. Sie kostete monatlich 120 Pesetas. Romain Daurignac erklärte, sie seien bisher nie­mals belästigt worden. Sie hätten gleich nadj ihrer An­kunft in Madrid eine Haus ein richtung nm 3000 Pesetas gekauft, sich stets mit einem Dienstmädchen begnügt und bescheiden gelebt Die Familie sehe dem Prozeß ruhig ent­gegen. Sie sei das Opfer einer großen Infamie besondeirs der französischen Presse. Nach einer Pariser Depesche erklärte Frau Humbert einem Berichterstatter gegenüber, sie werde sich an Eattani rächen, und stieß Schmähungen gegen den Justizniinister Balte aus. In der letzten Zeit fühlten sich die Humberts in Madrid so sicher, daß sie Ausfahrten unter­nahmen, sie machten sich aber dadurch verdächtig, daß sie mit großem Eifer französische Journale tauften, und daß sie spanische Nationaltracht anlegten. Man glaubt, daß sich eine Mitschuld der Eva Humbert nicht wird erweisen lassen.

Tie französische nationalistische Presse ist über die Ver- häftung der Humberts äußerst verwirrt, nachdem sie die Regierung fortgesetzt beschuldigt hatte, die Verhaftung zu verhindern. Rochefort schreibt im,^Zntrausigeand': Er sehe in der Verhaftung die Hand Waldeck-Rousseaus, der die Humbert-Affaire beseitigt wissen wolle, ehe er wieder das Ruder der Regierung ergreife. Er sei überzeugt, daß man vor der Verhaftung mit der Familie Humbert verhandelt und ihnen bedingungsweise Verurteilung zugesagt habe. Tas nationalistische Gemeinderatsmitglied Galli versichert, die Regierunc; habe durch die Verhaftung die Aufmerksam- feit des Volkes von der Gallifet-Angelegenheit ablenken wollen. Bankier Cattani, auf dessen Betreiben hin das Ver­fahren gegen die Humberts begonnen wurde- äußerte einem

IvnÄraWen gegenüber seine Frercke über Re erfolgte Ver­haftung und fügte hintzu, er kenne jedoch hohe Persöunry- t eit en, denen die Verhaftung nicht so angenehm sei. Tie Pariser Poltzei erklärt, sie habe auch, die Spur der Geliebten TaurignacS nicht verloren. Dieselbe habe sich bor wenigen Worein nach Buenos Ahres eingeschifft. Mit ihr seien aleichgeitig vier Sicherheitsagenten dahin avgereist. Wester wird fettend der Polizeibehörde versichert, daß sie die Gewißheit habe, daß sich die Familie Humbert nur in Spanien aufbaiten konnte, sodaß ihre Verhaftung auch ohne Mitwirkung der Madrider Polizei erfolgt wäre. Unter den beschlagnahmten Gegenständen befand sich ein kostbares mit Brillanten besetztes Halsband.

Rouen, 2L Tez. Die Polizei verhaftete hier den ftüheren Intendanten der Familie Humbert, Parayre. Er wurde heute abend nach Paris geschafft Ter bisherige Botschafter in Madrid, Patenotre, wirv morgen vormittag hier Eintreffen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. Dezember 1902.

* Die Briefabholung an der Stadtpost, welche auf Wunsch der Handelskammer an den Wochentagen abends um 11 Uhr zmn letzten Male erfolgt, geschieht auch an den Sonntagen zu der gleichen Zeit.

* Das Wasserwerk der Stadt Gießen bei Queckborn wird im nächsten Jahr vergrößert werden. Eine weitere Maschine mit 50 Pferdekrästen wird aufgestellt und die Baulichkeiten entsprechend vergrößert. Die vorhan­dene Darnpfkeffelanlage ist für die Vergrößerung ausreichend. Die Quellfassungen müssen ebenfalls erweitert werden; ob dies durch Anlage eines zweiten Brunnens oder in anderer Weise geschieht, ist noch nicht bestimmt. Der Mehrbedarf an Master ist durch die im Bau begriffene Kanalisation der Stadt Gießen, den Neubau der Kliniken, der Veterinäranstalt usw. bedingt.

Kunstverein. Bei der am SamStag in Darm­stadt stattgefundenen Verlosung von Oelgemälben, Aqua­rellen und Prachtwerken, sind nachstehende 11 Gewinne an hiesige Mitglieder gefallen. Oelgemälde: »Bergpredigt" von A. Noack, an Herrn Professor Müller. »Winterlanb- schast" von F. Wucherer, an Herrn Güterexpeditions-Vor- steher Menzel. Farbige Zeichnung: »Wimpfen", an Herrn Stadtverordneten Leib. Radierung: »Kuhhandel", an Herrn Photograph Zimmer. Bader Mappe 12 Steinzeichn^ an die Herren Prof. Dr. Groos und Amtsrichter Wiener. Pracht­werk Düsseldorfer Kunst, an Herrn Brauereibesitzer Bichl er. Mappe des Radiervereins in München, an Herrn RegierungS- rat Dr. Heinrichs. Mappe des RadiervereinS in Berlin, an Herrn Fabrikant A. Bock. Gewinn des KunstveremS in München, an Herrn Profestor Dr. Holtzmann. Vautter»Arn Brunnen" Photogravüre, an Herrn Kaufmann C.W.Nowack. Gleichzeitia können wir auch den Mitgliedern des Kunst- vereinS mitteiken, daß das »Vereinsblatt" in Bälde gurVer­teilung gelangen soll und daß dafür eine Radierung von Prof. Halm, München, ein Dtetiv auS der Umgebung von Darmstadt, gewählt ist.

* * AuS dem Theatrrbureau. Dienstag den 28. Dezember gelangt als volkstümliche Vorstellung das vier- attige SchauspielPreziosa" von PiuS Alexander Wolf unter Mitwirkung der hiesigen Regimentskapelle zum letzten Male zur Aufführung. Freitag den 26. Dezember, nach­mittags 4 Uhr wird »Alt-Heidelberg" gegeben und zwar zu kleinen Preisen, abends 8 Uhr wird zum ersten Male baß breiaktige Lustspiel »Im bunten Rock" von Franz von Schönthan unb Freiherrn von Schlicht in Szene gehen.

* Kanarien-AuSstellung. Der in Gießen be- stehenbe Verein »Kanarta" wirb, wie man uns mitteilt, bie im vergangenen Jahre mit so großem Jntereste aufgenommene Ausstellung ebler Kanariensänger Enbe Januar k. IS. im Saale beß »Einhorn"-Hotels wiederholen.

Hb. Daß kaufmännische LehrlingSheim hielt gestern abenb in ber Turnhalle eine Weihnachtsfeier ab, bie von Mitgliebern bes Kaufmännischen Vereins unb vielen Gästen gut besucht war. Durch baß Weihnachtßlieb »Sülle Nacht" würbe bie Feier eröffnet. Hierauf sprach Herr G1 e n k einen Prolog, bem ein von Mitgliebern beß Vereins, ben Herren Luh unb SenSfelber, sehr hübsch vorgettagenes Viosin-Duett folgte. Aisbann bestieg ber Leiter ber kauf­männischen Fachschule, Herr Hauptlehrer Knauß, bie Bühne, erörterte, einen kurzen Rückblick auf bie Entstehung bes Lehr- lingsheimS werfenb, in treffenber Rebe ben Zweck unb bie Bebeutung bes Lehrlingsheims, unb richtete bann bie Bitte an bie Eltern unb Prinzipale, ihre Söhne, bezw. Lehrlinge ins LehrlingSheim zu senben unb ste baburch vor ben Ver­lockungen bes Lebens nach Möglichkeit zu schützen. In ernsten Motten mahnte er ferner bie Schüler zu Fleiß unb AuSbauer, bamtt sie zu recht brauchbaren (Slicbern bes Kauf- mannstanbes heranwüchsen. Hierauf folgte ein musikalischer Vortrag, ein Duett unb baß Theaterstück »Ein Ctünbchen im Kontor", welch letzteres inSbesonbere allgemeinen Beifall fanb. Der übrige Teil bes Programms beftanb aus einem Zither- Duett, sowie mehreren humoristischen Darstellungen, benen oft stürmischer Applaus folgte.

* Christbescheerung ber Kleinkinberbewahr- ansta It. Gestern Nachmittag fanb in ber Johanneskirche bie Feier ber Christbescheerung ber von Pfarrer Dr. Naumann geleiteten Kleinkinber-Bewahrcmstalt statt. Die Kirche, in ber wir unter anberen auch ben Herrn Oberbürgermeister er­blickten, war von Eltern unb Kinbern in froher Wcihnachts- sümmung bicht besetzt. Vor bem Slltare strahlten in schim- membem Kerzenlicht zwei große, reich geschmückte Christbäume. Um 8l/j Uhr begann bie Feler mit bem gruppenweise georb-- neten, von ben Schwestern gefühtten Einzuge ber ber Klein- kinberschule angehörcnben Knäblein unb Mögblein, bie sich unter Singen beß Weihnachtsliebes »Ihr Kinberlein kornmef vor ben Christbäumen aufstellten. Dott beklamietten bie Kleinen, teils einzeln, sich gegensettig ablöfenb, teils im Thor bie frohe WeihnachtSbotschast unb fangen in kinblicher Be­geisterung eine Anzahl unserer bekannten Weihnachtsliebcr. Schon biese Leistungen ber Kinber zeigten, mit weich' liebe­voller Sorgfalt sie in ber Anstalt erzogen unb zur eigent­lichen Schule vorbereitet unb herangebilbet werben. Nach bem Gebet sprach ber Vorstanb ber Kleinkinberbewahranstalt Pfarrer Dr. Naumann, im Anschluß an bie schönen Verse 1. Ep. Joh. K. 4, V. 10 unb 11: »Darinnen stehet bie Liebe: nicht, baß wir Gott geüebet haben, sonbern baß er

uns unb gesandt seinen Sohn zur Verföfyncto

für unsere Sünben. Ihr Lieben, hat uns Gott also gelieb? so sollen wir unß auch untereinanber sieben". Dr. Naumann gebuchte unter anberenber Anstaltsschwestern, bie nun wiebe, ein Jahr in voller Hingebung sich ihrer oft sehr schwer« Aufgabe geroibmet hätten, von benen eine sogar vor Kurzem ihr 25jähr. Dienstjubiläum habe feiern bürfen; er gebockte ber Frauen im Vorstanb, bie zur heutigen Bescheerung un- ermüblich Gaben sammelten, ber Loge als Grünberin der Anstalt, ber Spar- unb Leihkaffe Gießen, frommer Stiftungen unb ber Presse, bie berufen ist, ben Gebanken hinauSzutragen in bie weiteren Schichten bes Volkes. Mit bem gemeinsam gesungenen Weihnachtssiebe »O bu fröhliche, 0 bu felige" schloß bie für Jung unb Alt erhebenbe Feier in ber Kirche. In ber Kleinkinberschule selbst fanb bann bie Verteilung der Christgaben unter bie beglückten Kleinen statt, bie nach dieser schönen Feier um so mehr ihre Anhänglichkeit an 'bie Anstalt wahren werben.

* Der letzte S0nntag vor Weihnachten, btt sog. golbene Sonntag, brachte basselbe trübe und feuchte Wetter, wie bie voraufgegangenen Wochentage. Es büche wohl manchen, ber noch Weihnachtseinkäufe zu besorgen hatte, abgehalten haben, ber Stabt einen Besuch abzustatten. $Q- burch würben bie einen befferen Erlös trhoffenben Geschäfte etwas enttäuscht. Nur wer seine Einkäufe nicht mehr aus- schieben konnte, weil ihn an Wochentagen bie Zeit mangelte, wanderte gestern in die Stabt, kehrte berfeiben aber nach Erlebigung seiner Geschäfte balb ben Rücken. Der Veckauf war sonach im Durchschnitt ein mittelmäßiger, auf einen Ausgleich zum befferen wirb man sich im allgemeinen in biesen £agen vertrösten müßen. Die weihnachtlichen Vereinsfest- licht eit en nahmen am Sonntag ihren Fortgang. Die Weihnachtsfeier bes kaufmännischen Lehrlingsheims fanb in ber Turnhalle statt unb verlief unter zahlreicher Be­teiligung ber Mitglieber beß kaufmännischen Vereins, der Angehörigen unb ber Prinzipale ber Zöglinge aufs Schönste. Der Verein »Geselligkeit" feierte sein Weihnachtsfest un »Rolanbseck". DaS reichhaltige Programm würbe mit Ge­schick unb sonach zur Befriebigung aller Teilnehmer durch, geführt. Die Gießener Buchdruck er (Deuffcher Buchdruckerverband) hielten ihr Weihnachtsfest im Verein mit Kollegen der bem Bezirk angehörigen Nachbarstäbte im Lenzschen Felsenkeller. Bescherung für Groß unb Klein, Theater, Bor- träge 2c. füllten bie rasch bahin eilenben Stunben aufs an« genehmste aus. Diejenigen, bie nicht burch heitere ober ernste Vereinsarbeit in Anspruch genommen waren, halfen sich mit sonstiger Kurzweil über ben finster barem schauenbm Sonn- tag hinweg. Eine ftbele Gesellschaft verschaffte sich das zu einer Bierrunbe nötige Klemgelb baburch, baß sie Hüte und Mützen ihrer Mitglieber »oerfünbigte", wie ber terminus technicue sonst in ber Wanberburschensprache heißt. Am Samßtagabenb stieg noch bie Fibulität so hoch, baß ein vom schnöben Mamon völlig Entblößter seine Unaussprech­lichen für 1 Mark auf bem »Tisch bes HauseS", baS bieSmal ein Wirtshaus war, nieberlegte. Diese Vorlage würbe ein­stimmig en bloo angenommen. Anscheinenb bauernd ober vorübergehenb inS Philifterium berufene Musensöhne waren eS, bie gestern nachmittag im Gänsemarsch, mit Cylindem bebeckt unb mit Kinbersübeln bewaffnet, burch bie Stabt zogen unb zur Belustigung beS Publikums beitrugen» Wo, wie unb warm bie Schlacht, zu ber ste offensichtlich auSzogen, enbigte, weiß unser Berichterstatter leiber nicht zu melden. Unter allgemeiner Teilnahme, rote seit Jahren, ging die Christbescherung ber Klein-Kinberschule vor sich, zunächst bie kirchliche Feier in ber Johanneskirche unb bann die Be­scherung an 210 Kinber tn ber Anstalt selbst. Dank der Opferroilligkeit ber Einroohner unb bem Eifer ber Sammler unb Sammlerinnen konnte ben von ber Jugenbsonne sonst spärlich ober gar nicht beschienenen Klemen eine freudige Stunde bereitet roerben. Schmerzlich vermißt wurde dies­mal bie Feier, bie burch ein halbes Jahrhunbert der zu Anfang dieses Jahres verstorbene Lehrer Curschmano den Schulkindern beretiete. Zwar roerben biese nicht leer auß- gehen, ba eine ben Namen beß eblen MenschenfteunbeS tragenbe, burch befonbere Zuroenbungen unb Vermächtnisse verstärtte Stiftung vorhanben ist, unb für bie Kinber Kleiber unb Schuhe beschafft werben, aber berjenige, ber bie Gaben in so herz- gewinnenber Weise zu sammeln unb zu verteilen verstand, ist nicht mehr. Das Andenken an Curschmann aber wirb fort- bauern, unb zwar nicht nur bei benen, bie in ihrer Jugend seiner Wohlthätigkeit teilhast würben.

88 Michelbach bei Schotten, 20. Dez. Die Erbauung einer Quellwasserleitung ist beschlossene Sache. Beginn bes Frühjahrs soll ber erste Spatenstich bazu gethan werben. Da bie hiesige Gemeinbe am »Gaikerstein" Gelände mit ergiebigen Quellen besitzt, so wirb ber Kostenaufwand verhältnismäßig gering fein.

Niederbiel, 20. Dez. Vor einigen Tagen starb hier» selbst ein 15 jähriger Praparand, der die Präparandenschule in Wetzlar besuchte, an Blutvergiftung. Derselbe hatte sich beim Schlittschuhlaufen eine kleine Verletzung am rluße zvgezogen, woraus sich durch das Tragen rotgefärbter Strümpfe, unb weil bie Wunbe anfangs nicht beobachtet würbe, trotz hernach zugezogener ärztlicher Hilfe bie tätlich verlaufene Enizünbung entwickelte.

x Krof bvrf, 19. Dez. Tie Einwo hnerzahl bet hiesigen vereinigten Bürgermeisterei Atzbach-Launsbach betrug nach ber biesjährigen Personenstanbs-Anfnahme 9308. Mit­hin hat bie Bürgermeisterei innerhalb eines Jahres einen Zuwachs von 176 Personen zu verzeichnen. Bei ber Vieh­zählung am 1. Dezember ergab bie Zusammenstellung 237 Pferbe, 5053 Stück Rmbvich, 1267 Schafe unb 3689 Schweine.

a. Bieber b.Robheim, 20. Dez. Der in biesen Tagen von hier gemelbcte Unglücksfall, von bem ein fünfjähngeS Mäbchen betroffen wurde, hat den Tob bes KinbeS zur Folge gehabt. Drr Vater, ber in ber Ferne wellte und aus telegraphischem Wege herbeigerufen würbe, fanb sein Kind nicht mehr lebend vor. .

s. Wetzlar, 19. Dezbr. Die vom hiesigen Stadt« verordncten-Kollegium gebildete Marktkommission hat am 5. Dezember getagt und beschlossen, für das Jahr 19 folgende Markttermine in Vorschlag zu bringen: A. Kram- unb Viehmärkte: 24. Februar, 23. Marz, 4. Mai, 22. Ium, 27. Juli, 24. August, 21. September, 19. Oktober, 7. und