Ausgabe 
22.11.1902 Erstes Blatt
 
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Friedberg sieht man vergeblich der Verlegung deS Ueber- gangeS, der Verbreiterung und Ueberdachung der Bahnsteige und der Ncuuml-gang deS GüterbahnhofeS entgegen.

Kassel, 20. Nov. Der Kriminalschutzmann Fenqe wurde von einem schon öfter wegen Gewaltthaten bestraften Korbmacher Port durch Messerstiche übel zuge­richtet. P. war unter dem Verdacht deS WeidendiebstokilS verhaftet worden. Zu seiner Entlastung hatte er die Be­hauptung ausgestellt, die in seinem Besitz gefundenen Weiden seien Eigentum seines Bruders, er habe sie genommen, weil er dessen stillschweigendes Einverständnis vorauSsetzen zu dürfen glaubte. Da er sich erboten hatte, die Stelle zu zeigen, an der er die Weiden abgeschnitten hatte, wurde er von Fenge dorthin geführt. Hier stellte P. dem Beamten ein Bein, sodaß F. zu Boden stürzte, fiel über ihn her und versetzte ihm 15 Messerstiche in Rücken, Hals und Arme rc. Trotz seiner Wunden raffte sich F. auf und schlug seinen Gegner mit seinem Stock in die Flucht. F. vermochte noch zur nächsten Revierwache zu gehen, wo er, während man ihm die Wunden verband, infolge des Blutverlustes ohn­mächtig wurde. Der Thäter wurde bald wieder ergriffen und in Hast genommen. F.'S Zustand ist nicht nnbedenklich.

Vermischtes.

Eolmar, 21. Nov. lieber den Zusammen stoß, der vor einigen Tagen in Bollweiler (Oberelsaff) zwischen Jagdhütern und Wilderern vorkam, wobei ein Wil­derer erschossen, ein anderer schwer verwundet wurde, wird in französischen Blättern eine Darstellung ver­breitet, welche die Schuld den Jagdhürirn zuschreibt. Dem- gegenüber ist festzustellen, daß die hiesige Staatsanwaltschaft daS Verfahren gegen die Jagdhüter eingestellt hat, nachdem erwiesen ist, daß die Wilderer zuerst geschossen und somit die Jagdhüter in berechtigter Notwehr gehandelt haben.

* London, 21. Nov. Gestern abend stieß auf der Höhe der Tynemündung der mit Kohlen nach Spanien ab­gegangene dänische Dampfer »Knutri mit dem ein­fahrenden englischen DampferSwaledale* zusammen. Änub* sank. Von der Besatzung werden acht Mann ver­mißt. Sie sind wahrscheinlich ertrunken.

* Fünfkirchen, 21. Nov. Infolge falscher Weichen- stellung entgleiste heute früh in Szigetvar ein Güterzug, wobei 9 Wagen zertrümmert wurden. Vom Personal wurde angeblich Niemand verletzt.

e New-Pork, 21. Nov. Wie aus Guatemala ge­meldet wird, erschoß der Sohn des amerikanischen Ge­sandten Hunter den Amerikaner Fitzgerald und flüchtete dann in die Gesandtschaft; letzterer war angeblich früher Privat­sekretär des Präsidenten von Guatemala. Die Phila­delphiaer Polizei glaubt einem Mädchenhandel-Kom- plott auf die Spur gekommen zu sein. Sie verhaftete 113Personen in 20 verrufenen Häusern und zwei Mädchen­händler, indessen ist das Oberhaupt der Bande, Schwartz, entschlüpft.

* Txe englische Presse und der Kaiser. In englischen Blättern begegnen wir immer wieder der Klage über d ie angeblich gar so englandfeindliche Haltung der deutschen Publizistik. Wie wenig Skrupel die englische Presse selbst hot, wenn es ihr gilt, ihre Meinung zu äußern, geht aus einer Veröffentlichung der englischen Zeitschrift The Sketch" hervor. Dieses Blatt benutzt, wie wir im ,F3erl. Tagebl." lesen, die Anwesenheit deS deutschen Kaisers auf englischem Boden dazu, die Vielseitig­keit des deutschen Herrschers in einer Bil­derserie zu kennzeichnen, welche an frechem Hohn ihres Gleichen nicht findet. Wir versagen unS, so fährt das genannte Blatt fort, auS naheliegenden Grün­

den, Einzelheiten wiederzuaeben. wollen aber doch die Ge­legenheit nicht vorübergehen lassen, ohne der cmgs'scben Presse vorzuhalten, daß sie selbst mit den allergröbsten Mitteln an der Trennung der stammverwandten Völker arbeitet

* Aus den Memoiren des englischen Di­plomaten Rumbold bringt dieNeue fr. Presse" folgende DiSmarck-Erinnerung, die in die Zeit vor einem halben Jahrbundert zurückweist. Rumbold wurde 1852 um die Weihnachtszeit von Paris nach Frank­furt am Main versetzt und kam da öfter in das Bis- marck'sche HauS. Seine Eindrücke von damals schildert er in folgenden Worten:Es war etwas außerordentlich Angenehmes an dem Bismarck jener Tage ... es möchte fast bezweifelt werden, ob er selbst damals seine gigantische Zukunft vorauSschaute, ja selbst ob er eine Ahnung davon hatte, welch großer Mann in seiner Haut stecke." Die Mus k knüpfte ein freundschaftliches Band zwischen B'smarck und Rumbold, der den kaltblütigen Mut des großen Preußen besonders bewunderte.Er war ein Mann von lustigen, burschikosen Manieren, ein famoser Kamerad, der mit einem die halbe Nacht beim Rheinwein imHotel zum Riesen" verbringen konnte, nach einer tödlich langweiligen königlichen Soiree. Er war damals in seiner kurzen, ge­bieterischen Drift io verführerisch, daß es mir schwer fällt, nachträglich seine Identität mit der Inkarnation d"S arro­ganten preußischen Junkertums mir zu vergegenwärtigen, in der er sich später zeigte . . ." Noch schwerer fällt es Rumbold, mit dieser sympathischen Erinnerung die ,,anti- englischenG esinnungen zu vereinbaren, die Bismarck später bewies, und deren inspirierender Kraft wir hauptsächlich den unlogischen Haß zuzuschreiben haben, den uns so selt­samerweise die späteren Deutschen entgegenbrachten" Dies, meint Rumbold, wareine üble Erbschaft, die Bis marck hinterließ", aber er hat nichts als Tank für die Gastfreundlichkeit und Güte Bismarcks in seinen persön­lichen Empfindungen. Er hat seltsamerweise B'smarck seit den Frankfurter Tagen niemals wiederges"hen.________

Gcrichtsslial.

M. Gießen, 21. Nov. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Hoos. Der Landwirt Karl Heddrich von Streben­dorf hat in der Zeit von 18961900, in der er Gemeinderechner war, eine Summe von mehr als 100 Mk. unterschlagen. Da er geständig ist und da auch der Fehlbetrag alsbald von ihm erseht worden ist, erkannte die Strafkammer nur auf eine dreimonatige Gefängnis st rase gegen ihn. Der Kellner August Ruß von Friedberg ist vom dortigen Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verutteilt worden, weil er ein Portemonnaie mit ca. 280 Mk. Inhalt, daS ihm zur Aufbewahrung übergeben worden war, unterschlug. Aus Berufung der Staatsanwaltschaft änderte das Gericht die Geldstrafe in eine einwöchige Gefängnisstrafe um. Der Gänsehirt Hartmann Bommersheim von Niederbessingen ist deS im strafrechtlichen Rückfall begangenen Diebstahls einiger unbedeutender Gegenstände beschuldigt und wird unter Einbeziehung einer früher gegen ihn erkannten fünfmonatigen Gefängnisstrafe zu insgesamt 6 Monaten Gefängnis verurteilt. In der Privat- klagesache Hores gegen Block wurde durch Heute verkündetes Urteil die Berufung des Privatklägers als unbegründet k o st e n s ä l l i g verworfen. Tas gleiche Ergebnis Hatte die Berufung des Privatklägers in der Prioatklagesache Opper gegen Keil wegen Beleidigung.

Die Strafkammer zu Leipzig verurteilte den Proku­risten Wohlers von der Großtabakfirma Oswald Seidel, welcher im Juli nach Defraudationen von uiehr als 250 000 Mark flüchtig geworden war, zu fünf Jahren Gefängnis.

Landwirtschaft.

Aus dem Geschäftsbericht des katholischen Rheinischen Bauernvereins. Der Verein erzielte bet einer Ausgabe von 169 911 Bit. im Jahre 1901 einen Ileberschuß von 18 843 Mk. Der Verein besoldete folgende Beamte: Generalsekretär 4500 7500 Mk., jährlich um 500 Mk. steigend, außerdem 500 Mk. Mietsentschädigung; Vorsteher der Versuchsstation 4000 - 6000 Mk., 500 Mk. Mietsent- schädigung; Vorsteher der Konsumstation und Redakteur desRhei­

nischen Dauern"' 35005000 Mk. und 300 Mk. MietSentschädigumn die Chemiker in leitender Stelle 2500 - 3700 Mk.; Vorsteher der Saatstelle 20003700 Mk., Sekretäre 1700-2700 Mk.. Chemische Assistenten 1500 - 2500 Mk.^ Schreiber 1000-1600 Mk. Diener werden angestellt je nach Fähigkeit mit einem Anfangsgehalt von 400 - 800 Mk, steigend bis 1200 Mk. Gleichzeitig ist eine Venüons- Ordnung aufqestellt.-nach welcher nach zehn Jahren bei Dienst, unfähigkeit em Ruhegehalt gezahlt werden ioll. welches sich in dem Rahmen der für die Staatsbeamten gültigen Bestimmungen Hält.

£liÜDHTitätsJhidjrid)tfn.

Aus Köttingen wird geschrieben: Ter C, Verb, nd sarbentragender Sängerschaften, hat beschlossen, daß kein Mu.st ed des Verbandes eines der von Cecil Rhodes gestifteten Stwem eit annehmen dürfe. Man berichtet auS Marburg: Am Samstag habilitiert sich hier in der vhilosovhischen Fakultät der Direktor der landwirtschaftlichen Versuchsstation bierfelbst Dr. H a s e l h o s s mit einer Antrittsvorlefung über den .Kreislauf des Stickstoffes in der Natur'. Im Jahre 1909 feiert die Universität Genf ihren dreihundertfünftigjährigen Bestand. ES ii'r eine groß­artige Feierlichkeit vorgesehen, zu der die Unwerfiläten der ganze» Welt eingeladen werden sollen.

finiiLifl und Verkehr. Volkswirtschaft.

Kohlen. Es notieren: Ruhr-Fettnuß Körnung 1 und II "Vf. 200 bis Mk. 210; Nußschmiedekohlen Alk. 170175; Deui'che AntHracit Nußkohlen Mk. 330340; EnglischeAnthrac,t-Nußko .?n Mk. 400410: Ruhrstammnuß Körnung I und If Mk. 180jgo- Ruhrflammnußkohlen III Alk. 160170; Fettschrot Mk. 140-145; RuHr-Bruchkoks Mk. 235245; AuSsiebgries Mk. 110120. Alles Der 10 Tonnen ab Mannheim. Die ossizielle Schifffahrt ist ge­schloffen. Die Zuftihren die hierher kommen, sind so frnrlid', daß sie die Nachfrage nicht decken, auch die verhältnismäßig kleinen Lagerbestände hier rasch absolviett sein werden.

Tabak. Während der abgelaiifeuen Woche wurde der rn* kauf der neuen Ernte im Neckarthal fortgesetzt und Preise bis Mk. 28 bewilligt; einige Otte sind teilweise noch nicht verkauft In Hördt (Pfalz! wurde von einem Landauer Häiidler der Einkauf zu Mk 24 begonnen, die Allgemeinheit beteiligt sich jedoch noch nicht, es scheint eine ruhigere Stimmung Platz gegriffen zu habe.! In Seckenheim wiirden ca. 700 Zentner teilweise abgehängt zu 'hirf 25 für Rollendeckzwecke verkauft. Im badischen Oberlande ist bis jetzt noch große Ruhe bemerlbar. In alten 1901er Tabaken wur­den ca. 500 Zenvier zu unS tinbekannten Preisen an einen Fabri­kanten verkauft. Weitere Umsätze kamen tmS nicht zu Gehör. Gute entrippte Einlage ist stets gefragt. Lose pfälzer Rippen ge­schäftslos, lose feine Mk. 910, gebündelte Mk. 1112.

Getreide. Auch in der abqelaufenen Wock'e zeigte sich feine wesentliche Veränderung der Marktlage. Tie Situation ist an­haltend fest, sie konnte sich sogar in den letzten Tagen insolge her plötzlich einaetretenen starken Kälte und des dadurch in nabe Aus­sicht stehenden Schluffes der Rheinschifffahrt noch weiter befcftiee» Die Nachfrage bleibt anhaltend ziemlich rege. Tie Fordenm'm sind 12Mark höher als vor 8Tagen. Roggen: stst. Gcr.e: Braugerste sehr fest. Futtergerste preishaltend. Hafer: imr.-r- ändert. Mais: fest und teurer. Tie Notierungen sind: Ked- rointcr TI Mk. 126. KansaS II Mark 125. Südruff. Westen Mk. 120-140. Rumän. Weizen Mk. 124135. Ruff. Roggen2"f. 103. Puff. Futtergerste Mk. 93. Ruff. Hafer Mk. 104124. Larln'a- Maisr. t. Mk. 112. Mixed Mais Jan.-Ablad. Mk. 95 per Tonne cif Rotterdam.

SVicteoroloflifrtie Poobichtuugcn der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 20.-21. November 2,1 °C.

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