Ausgabe 
22.9.1902 Zweites Blatt
 
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Gerichtssaat.

M. Gießen, 19. Sept. (Strafkammer.) Ten Vorsitz führte Lanögerichtsdirektor Dr. Güngerich, die

Die Besprechung M Bebelschen Referates, die natürlich die Annahme der Resolution zeitigte, war ohne besonderes Interesse. Genosse Welker meinte, man müsse sich schärfer gegen die Kirche wenden und den Kirckenglauben zu er­schüttern suchen, wurde aber von den Abgy. v. Vollmar und Bebel auf den Programmsatz:Religion ist Privat- fache"" htngewie/en. Genosse Welker suchte oaraushin seine Anschauungen durch Berufung auf Bebels Buch über Christentum und Sozialismus"" zu rechtfertigen. Bebel wies diesen Versuch in heftigster Weise zurück. Die Bebelsche Rede beschloß man als Agitationsinaterial zu verwenden.

In der letzten Sitzung gab der Antrag auf Umwand­lung derNeuen Zeit"" aus einer Wochenschrift in eine Monatsschrift Anlaß, den StreitNeue Zett wider Monats­hefte"" von neuem aufleben zu lassen. Es kam wieder zu recht heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kautzky, Wurm, Bebel einerseits, David, v. Elm, Heine andererseits- Der Parteitag wählte in den Parteivorstand wieder die Abgg. Bebel und Singer als Vorsitzende, Auer und Pfannkuch als Sekretäre, Gerisch als Kassierer. Bei der Wahl der Parteitontrolleure unterlag die gemäßigte Richtung; v. Vollmar, David, v- Elm wurden nicht wiedergewählt. Vollmar erhielt nur 84, David 73 Stimmen. Das Resultat wirkte auf den Parteitag, wie man berichtet, geradezu ver­blüffend und wurde eifrig erörtert. Rosa Luxemburg er­hielt als Parieivorsitzende eine Stimme.

Der Parteitag genehmigte schließlich die Aufhebung des Beschlusses von Erfurt, durch den außer Schild­berger noch andere aus der Gruppe derJungen"" aus der Partei' ausgeschlossen waren. Angenommen wurden Resolutionen gegen den Fl ei sch Wucher und gegen die politischen Brutalitäten in Ruß­land. Nach einer längeren Diskussion über die Alkohol­frage wurde eine Resolution Fischer-Berlin angenommen, die zwar den übermäßigen Alkoholgenuß verurteilt, aber gleichzeitig sagt, daß die Alkoholfrage mit einer politischen Partei nichts zu thun habe, soirdern wissenschaftlicher Prüfung zu überlassen sei. Die Sozialdemokratie wirke dadurch dem Alkohol entgegen, daß sie das sittliche und geistige Niveau der Bevölkerung hebe. Die Schlußansprache hielt Singer, worauf die Versammelten stehend die Ar- beitermarseillaise sangen. Der nächste Parteitag soll in Dresden stattfinden.

VtaatSanwaNschast vertrat GerichtSaffessor Dr. Hetzeli In der Privatllaaesache des Zimmermanns Wilhelm Wien gegen den Taglöhner Gottfried Blumenthal, dessen l^esrau und den Schlosser Karl Blumenthal, sämtlich zu RrHheim vor der Höhe, waren die Angekagten vom Schöffengericht Butzbach von der Anklage der Körperver­letzung freigesprochen worden, da zu Gunsten sämtlicher Beschuldigten Notwehr angenommen worden war. Tie umfangreiche Beweisaufnahme vor dem Berufungsgericht ergab, daß nur der Angeklagte Ludwig Faulstroh in Not­wehr gehandelt hat. Bezüglich seiner war daher die von dem Prwatkläger eingelegte Berufung als unbegründet zu ver­werfen. Bezüglich der drei übriaen Privatbeklagten wurde sestgestellt, daß inhaltlich des Eröffnungsbeschlusses ihnen eine gemeinschaftlich begangene Körperverletzung im Sinne des § 223 a St. G. B. zur Last gelegt wird, mithin ein Vergehen, dessen Verfolgung auf dem Wege des Privat- klageverfahrens unzulässig ist; das Schöffengericht hätte daher nicht ii-uj; Freisprechung, sondern auf Einstellung des Verfahrens erkennen müssen. Tas freisprechende Urteil wurde von der Strafkammer aufgehoben und das Ver­fahren bezüglich der drei letztgenannten Angeklagten ein­gestellt. Gegen die Stickerin Frieda Albert von Bad-Nauheim wird unter Ausschluß der Öffentlichkeit wegen Verbrechens im Sinne des § 176 3 Strafgesetzbuchs verhandelt. Es erfolgte Freisprechung. TieStraf- sache gegen den Landwirt Adam Marstelter von Grü- ningen und ^wei Genossen wegen Beleidigung wird vorläufig ausgesetzt, da ein Angeklagter infolge Krankheit am Er­scheinen verhindert und eine Trennung der Verhandlung nicht zweckentsprechkird war. Auch die Verhandlung gegen den Landwirt Heinrich Bletz II. von Hochweisel wegen Be­leidigung wurde vertagt, um weitere Beweiserhebungen zu ermöglichen. Ter Müllerbursche Melchior Jost in Ech­zell ist angeklagt, einen Andern mit der Begehung des Ver­brechens der Tötung bedroht zu haben, indem er zu chm sagte, wenn er ihn kriege, drücke er ihm den Schlund zu. Tas Schöffengericht Nidda hatte den Angeklagten freige­sprochen, da nach seiner Ansicht der Angeklagte nicht an­genommen habe, daß diese Drohung von ocm Andern als ernstlich gemeint angesehen werde. Aus dem gleichen Grunde gelangte die Strafkammer zu einem frei­sprechenden Erkenntnis. Tie Strafsache gegen Markus und Moses Grünebaum von Groß-Kurben wegen Steuerhinterziehung wird behufs weiterer Aufklärung vor­läufig ausgesetzt. Ter Lehrer Karl Lamprecht von Schwefe ist wegen Betrugs vom Schöffengericht Friedberg zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden. Auf der

Durchreise durch Friedberg hat er einem dortigen Bah», beamten vor geschwindelt, ihm sei im EisenbahncoupS sein Portemonnaie mit Inhalt aus der Tasche genommen wor­den, er sei Gymnasiallehrer und nach Berlin versetzt und müsse sofort Weiterreisen. Ter Bahnöeamte lieh auf diese Angaben hin dem Angeklagten 10 Mk. Trotz mehrfacher Aufforderung zahlte derselbe den Betraa nicht zurück, bis die Sache zur Anzeige gelangt war. In dem ErmittelunuK- verfahren stellte sich heraus, daß der Angeklagte auch bei dem Bürgermeister in Großenlinden unter den gleichen falschen Vorspiegelungen sich 13 Mk. erschwindelt hatte. TaS Berufungsgericht hielt den Betrug für erwiesen und die vom erstinstanzlichen Gericht verhängte Strafe für durchaus angemessen. Ter Fabrikarbeiter Wil­helm Bach, der Eigarreumacker Karl Schäfer, der Schuh­machergehilfe Ludwig Rühl und der Taglöhner Ludwig Heck werden beschuldigt, Heck der gefährlichen Körperver­letzung, die drei übrigen, den Heck mittels gefährlichen Werk­zeugs und gemeinschaftlich körperlich mißhandelt und hierbei demselben das rechte Auge ausgeschlagen zu haben. Sämt­liche Angellagten sind zudem rocgeu JBeteiligung an dem vorgenannten Rauf handel angeklagt. Trotz eingehender Ver­handlung konnte der Sachverhalt, zumal sich die Vorfälle ohne Zeugen abgespielt patten, nicht aufgeklärt toerben. Tie Strafkammer mußte daher Freisprechung sämt­licher Angeklagten eintreten lassen, trotzdem dies Ergebnis nach Ansicht des Gerichts ein sehr unbefriedigendes sei. Ter Tienftknecht Franz K r ö ck e l aus Storndors war seinem Tienstherrn, (b.er mit seinen Eltern in Streit geraten war, aus dessen Hilferuf beigesprungen und hatte der Mutter feines Tienstherrn ohne weiteres mit einem rbnüppel derart über den Kopf gehauen, daß eine stark blutende Verletzung entstand. Tas Schöffengericht Nidda hatte den Ange­llagten mit Rücksicht auf diese rohe That gegenüber einer alten Frau zu einer dreiwöchigen Gefängnisstrafe ver­urteilt. Tic von dem Verurteilten gegen dies Erkenntnis eingelegte Berufung wurde heute als unbegründet kosten, fällig verworfen.

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SÄNTIS "ist der beste der Welf.

Bekanntmachung.

Der Kaminfeger Karl Zwesch in Giegen ist durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts wegen Geisteskrankheit entmündigt worden, was hiermit auf Antrag zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird.

Gießen, 18. September 1902. 6528

______________Großherzogliches Amtsgericht.______________

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Obst.

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Mittwoch den 24. Sep­tember, von vormitt. 9 Uhr an, soll das Obst der Ge­meinde Großen-Buseck, be­stehend in bedeutenden Quan­titäten Aepfeln, sehr schönes Tafel- und Kelterobst, und etwas Birnen, öffentlich meist-

DienStag de« 23. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier im Auftrag der Konkursverwaltung über den Nachlaß des Hotelbesitzers (Zum Einhorn) Heinrich Kühne dahier gegen Barzahlung: 1. Weißweine (in Flaschen): Bingener, Oppenheimer, Nier­steiner, Ruppettsberger, Rauenthaler, Rüdesheimer Berg, Coseler 1895er, Zeltinger und (Sraager;

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3. Tafcllitörc: Zwetschen, Kirschwasser und einige Flaschen Schiffenberger.

Die Versteigerung findet bestimmt statt. 6544

bietend versteigert werden.

Die Zusammenkunft ist an der Straße nach Beuern.

Großen-Buseck,

am 17. Sept. 1902.

Großherzogl. Bürgermeisterei Großen-Buseck.

Schwalb. 6477

Obst- Versteigerung.

Donnerstag den 25. Sep-

Born, Gerichtsvollzieher.

Sprechstunden von 89*/s und von 23Vs Uhr.

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TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage.

3. Vorstandswahl. 4. Gewerbegerichtswahlen.

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Dienstag den 23. September 1902, abends 81/, im Restaurant Feidel.

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Von der Reise zurück, h

tember, von vormittags 9 Uhr an, soll das der hiesigen Ge­meinde zustehende Obst, be­stehend in einer großenQuantität Aepfeln und Birnen, versteigert werden. Die Zusammenkunft ist bei der Kirche.

Annerod, 19. Septbr. 1902. Gr. Bürgermeisterei Annerod.

Horn. 6503 W-VerftigMU. Dienstag, den 23. Septbr., von vormittags 9 Uhr an, soll daS Obst der Gemeinde Rödgen, bestehend in bedeutenden Quan­titäten Aepfeln, sehr schönes Tafel- und Kelterobst, öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist am Teich oberhalb des Orts. Gr. Bürgermeisterei Rödgen.

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