wieder zum ersten Male geläutet. Der lästige Schulgang hat begonnen, nach den sorglosen Ferientagen, in denen sich die Kleinen abends nicht mit klopfendem Herzen niederzulegen brauchten, fürchtend, daß dec nächste Tag schwere Sorgen bringen könnte. Wie ganz anders sah die Weltgeschichte in den vergangenen Tagen der Freiheit aus, und selbst das Schulhaus und die gestrengen Herren Lehrer machten, im Sonnenlichte der Ferien besehen, einen ganz freundlichen Eindruck auf die Kleinen, die zufällig einmal vorüberspazierten. Nun ist das wieder vorbei und es beginnt für die Kleinen wieder der Lebensernst in seine unbequemen Rechte zu treten. Da ist auch ein ernstes Wort an die Eltern am Platze. Diese sollten nie ermüden, ihren Kindern und deren Beschäftigung das größte Interesse entgegenzubringen, auch wenn der Erfolg den gehegten Erwartungen nicht immer entspricht. Sie sollten sich bemühen, zu verstehen, die Fähigkeiten ihrer Kinder abzuschätzen, und je nach den Fähigkeiten die geistige Erziehung zu leiten. Eignet sich das Kind nicht für reiche geistige Thätigkeit, so soll man es nicht mit Gewalt zu einem Gelehrten machen wollen, sondern sich lieber mit einem kleinen Kaufmann oder kleinen Handwerker in Verbindung setzen, in besten Hände man die weitere Ausbildung des Sohnes legen kann. Das alte Sprichwort, daß Handwerk goldenen Boden habe, ist noch nicht hinfällig geworden, auch der Handwerker kann e§ wahrlich zu etwas bringen, und man braucht durchaus keine höhere Karriere eingeschlagen zu haben, um sich eine angesehene und hervorragende Stellung unter seinen Mitmenscheu zu erringen, auch der Kaufmann und Handwerker kann eS, und zwar in genau so hohem Maße, wie der ,studierte" Mann.
* * Blumenpflege durch Schulkinder. Auf vielfachen Wunsch hat sich, wie wir hören, die Leitung der Stabtmüdchensckule entschlossen, die in gelungenster Weife arrangierte Blumen- und Blattpflanzen - Ausstellung bis morgen Dienstag nachm. 5 Uhr zu verlängern.
**DieBewohner der Marburg er straßeund des Wieseckerweges weisen wir auch an dieser Stelle aus die heutige Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasserwerks hin, nach welcher die Wasserleitung in genannten Straßen am Mittwoch, den 26. September vorübergehend gesperrt wird.
nf. Zu den Landtagswahlen. Zur Kandidatur des Beigeordneten Damm wird uns aus Friedberg geschrieben: Beigeord. Damm ist von einem Komitee von Männern verschiedener Parteirichtungen, die die Einführung des direkten Landtagswahlrechtes erstreben, als Kandidat aufgestellt worden.
* • Schloßfreiheitslotterie. Die Prämie von 150 000 Mk. siel, wie uns telegraphisch aus Darmstadt gemeldet wird, bei der heutigen letzten Ziehung auf den Hauptgewinn von 100 000 Mk. (im Ganzen also 250 000 Mk.) auf Nr. 8075 nach Mainz. Es fielen ferner Gewinne von 10 000 Mk. auf Nr. 1550, 5000 Mk. auf Nr. 19478, 1000 Mk. auf Nr. 24938, 500 Mk. auf Nr. 22291 23199, 200 Mk. auf Nr. 1957 8737 10759 14134 14231 14272 23866. (Ohne Gewähr.)
rg. Der Provinzialausschuß verhandelt seit Samstag Vormittag wegen der Enteignung des Geländes von Gails Erben rechts der Frankfurterstraße, auf welchem bekanntlich das Tierhospital erbaut werden soll. Bei der mündlichen Verhandlung, die am Samstag nicht zu Ende geführt werden konnte, handelt eS sich vorerst um den Nachweis, daß diese Anstalt an der geplanten Stelle notwendig errichtet werden muß. Der Provinzialausschuß nahm nachmittags eine Besichtigung an Ort und Stelle vor. Am heutigen Vormittag genehmigte der Provinzialausschuß den Enteignungsantrag, wonach das Gelände von Gails Erben für die veterinär-medizinischen Institute in Anspruch genommen wird.
e g. Schwurgericht. Die am 29. d. Mts. unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Holzapfel beginnende nächste SchwurgerichtSpenode wird mindestens zwei Wochen dauern. Wie man hört, werden voraussichtlich zwölf Anklagesachen zur Aburteilung kommen.
• • Der hiesige OrtSgewerbeverein hält morgen — Dienstag — Abend seine Generalversammlung ab. Näheres ist aus dem Inseratenteil ersichtlich.
• • „Ein Bild aus der Großstadt", konnte man sagen, als sich am Samstag zum ersten Mal die neueingerichteten Lokalitäten der Modewarenfirma Aug. Montanus am Markt dem Publikum präsentierten. Die Firma eröffnete am SaniStag ihre diesjährige Herbstsaison und zwar in der modernsten Weise durch eine außerordentlich geschmackvolle Ausstellung. Das Publikum, das schon während des TageS die Schaufenster bewundert hatte, sammelte sich am Abend, als zahllose farbige Glühlampen aufflammten, so an, daß eS ein großes Gedränge bis weit auf den Platz hinaus gab. — Die rührigen Inhaber der Firma scheinen alles aufzubieten, um ihr Unternehmen zu einem durchaus großstädtischen umzugestalten.
* * Besitzwechsel. Ter Tachdeckermeister H". Carle verkaufte sein neu erbautes Hans am Wetzlarer Weg, neben dem Germa neuhaus gelegen, für 65 000 Mk. — Tas Vorderhaus mit dahinter liegendem Garten Löwengasse 5, her Glasermeister Hermann Scherfs Witwe gehörend, ging durch Kauf für 27 000 Mk. an die Nachbarsirma Mlh. Reiber über.
(-) Landes-Irrenanstalt, lieber den Geländeerwerb zur Erbauung der neuen Landes-Zrrenanstalt haben Verhandlungen mit den betreffenden Grundbesitzern von hier und dem benachbarten Klein-Linden ftattgefunden. Ter den Landwirten gebotene Preis beträgt 35 Pfennig pro Quadratmeter. Allerdings ist der Boden des frag* Geländes nicht von der besten Güte. Da aber die Bahn- dehörde vor ml. drei Jahren bei Erweiterung des Rangier- bahnhofS bedeutend mehr nämlich 1,90 Mk., 1,50 Mk- unb mehr — für den Quadratmeter zahlte, so haben auch die Grundbesitzer bei einer dieser Tage abgehaltenen Versammlung für den Quadratmater 1,50 Mk. gefordert und diesen Beschluß dem Bürgermeister Mecum mitgetcilt Wenn eine Einigung nicht erzielt wird, dürste in Bälde das Enteigmmgsverfahrcn eingeleitet werden. Gutem Vernehmen nach werden aber die Landwirte auch noch etwas heruntsrgöheii. — Das von der Eisenbahn erworbene Gelände kann, wie unS ferner aesckrieben wird, wegen seiner Lage nicht mit dem für die Irrenanstalt bestimmten verglichen werden. Von sehr erfahrenen Landwirten wird sogar versichert, der gebotene Preis mit 35 Pfg. fei sehr
hoch Mehrere Parzellen sind übrigens von der Bürgermeisterei zu diesem Preise freihändig gekauft worden.
* * Verhaftete Rowdies. Die Kerle, die, wie der Gießener Anzeiger meldete, auf der Rodheimersrraße in der Nähe des „Abendstern" einen Burschen und ein Mädchen aus Heuchelheim, die sich auf dem Heimweg von der Krofdorfer Kirchweihe befanden, überfallen, das Mädchen belästigt unb den Burschen arg mißhandelt und verletzt haben, sind am Samstag in Person zweier hiesiger verheirateter Arbeiter ermittelt und verhaftet worden.
"Vermißt. Im Laufe der vergangenen Wocke tarn ein junger schwarzer Jagdhund in hiesiger Stadt abhanden. Vermutlich ist das Tier gestohlen- Vor Ankauf wird gewarnt.
* * Diebstahl. Aus einem Hausgarten der Goethe- straße wurde am vergangenen Samstag ein 15 bis 20 Meter langer Gartenschlauch (Gummi) entwendet.
* * Wegen Meineids verhaftet. Ein hiesiger Einwohner wurde gestern auf Requisition der Behörde wegen Meineids verhaftet; ebenso ein junges Mädchen wegen Verbrechens gegen § 218 R. Str -G.-B.
* * Die Reihe der Kirchweihfeste dürfte am gestrigen Sonntag mit derjenigen zu Watzenborn- Steinberg und Hausen abgeschlossen sein. Die genannten Orte hatten Glück, denn einen schöneren Sommersonntag (es ist der letzte dem Kalender nach) konnten sich weder die Wirte, noch die Gäste wünschen, und so wanderte denn die kirmeßsreudige Menschheit in Scharen hinaus, durch den noch hübsch grünen Ähifsenberger Wald. Ter größte Teil der Gäste zog nach Watzenborn-Steinberg, in deren Wiesengrund vier Tanzplatze hergerichtet waren unb ebenso viele Bier quellen Aktien, Licyer, Friebel unb Den- ninghoff spendeten. Recht lange hielten bie Kirmesgäste aus, unb vis in bie späte Nacht war ber sieben Kilometer lange Weg zwischen ber Stabt unb dem Zwillingskirmes- platze von Heimzüglern stark belebt. Auch bas mit ber Eisenbahn leichter zu erreichende Hausen wimmelte von Kirmesbesuchern, währenb Lützellinden weniger Gießener Gäste, vielmehr solche aus Groß- unb Klein-Linben, Allendorf usw. zu bewirten hatte. — Im Saale des Cafs Leib feierte ber Gesangverein „Heiterkeit" sein 24., aus Konzert, Gesang, Theater und Tanz bestehendes Stiftungsfest. — Der Turn-Verein Wies eck hatte zur Feier seines 40. Stiftungsfestes eingelaben- Sowohl bei dem Wettturnen am Vormittag, wie bei dem Schau- unb Kürturnen am Nachmittag bewiesen bie Wiesecker Turner, baß sie mit ber Turn er ei, wie mit ber Pflege ber Geselligkeit auf ber Höhe ber Zeit stehen. — Am Samstag abenb ist das 116. Regiment in bret Sonderzügen ber Oberhessischen Bahnen wieber aus bem Manöver zurückgekehrt. Am Sonntag herrschte in ben Kasernen besonbers rege Thätigkeit unter ben Mannschaften, bie bes Königs Rock, ben sie zwei Jahre mit Ehren getragen, auszieyen bürsten. Am Spätnachmittag unb am Abend erscholl aus den Kasernen Gesang frohster Soldatenlieder, mancher Abschiedstropfen wurde hinter bie Binde gegossen im Vorgenuß der heute früh erfolgten Entlassung ber Reservisten, bie nun, nach des Sergeanten Knusfke's Meinung, wieder in ihr ziviles Nichts zurückfallen. Wir wünschen ihnen in bem wieder aufzunehmenden bürgerlichen Berufe gutes Fortkommen, damit sie später als muftergiltige Familienhäupter unb leistungsfähige Steuerzahler dem Vaterlande weitere schätzbare Dienste leisten können. —
() Manöver in ber Wetterau. Am Freitag morgen 5.15 Uhr rückte bie 25. Division aus ihrem Biwack bei Erbstatt-Bönstadt-Kaichen aus gegen ben Feinb, bie 21. Division, bie in ber Gegenb Bruchköbel, Roßbors, Wachenbuchen im Quartier gelegen hatte. 'Tie 21. Division besetzte bie Höhen sÜböstlich von Ostheim b. W Ihre gut gewählte Stellung war auf bem Michelsberg, Tannenkops, bei ben Butterstädter Höfen bis nach ben Hirzbacher Hofen mit ber Front nach Norbosten. Die 25. Division marschierte von Erbstodt über Eichen unb besetzte bie bem Feinb gegenüber liegenben Höhen nördlich von Ostheim bis noch dem Baiersröderhof. Gegen ll1/» Uhr war das Gefecht bereits zu Ende, die 21. Division unter Generalleutnant von Deines war zurückgedrängt worben. Nach ber Kritik marschierte bie 21. Division wieder in bie alten Orte ins Quartier, bie 25. Division bezog ebenfalls Quartier unb zwar in Altenstadt, Lindheim, Stammheim, Höchst und Umgegend. Heute hatte das ganze Armeekorps noch einen äußerst anstrengenden Tag, ber stampf gegen eine markierte seinbliche Armee unb lange Märsche nach den Garnisonen ober ben Stationen, wo bie Regimenter bie bereit- gehaltenen Extrazüge bestiegen. Der markierte Feind hatte entgegen ber früheren Annahme nicht bei Heldenberg- Windecken Stellung genommen, sondern den Höhenzug zwischen Niedergründau und Rothenbergen im Osten über Langenselbold hinaus bis gegen Hanau im Westen besetzt. Die beiden nicht vollständigen Jnf.-Regimenter 166 ec und 168 er mit kleinen Artillerie-Abteilungen der 25 er markierten ben Feinb. Tie Idee war: eine feindliche Armee, bie auf bem Rückzug ist, soll vollständig über die Kinzig und den Main zurückgeworsen werden, ober ihr ber Rückzug abgeschnitten werden. Den Angriff leitete Generalleutnant von Deines. Auf dem linken Flügel stand bei ben Orten Neuwiedermuß und Hüttengesäß die 25. Division, weiter westlich bildete die 21. Tivision in der Gegend von Langendiebach ben rechten Flügel. Schon früh 5 bis 6 Uhr waren die Truppen aus den teilweise sehr abgelegenen Quartierortsn abmarschiert, erst um 8 Uhr begann das Artilleriegesecht, während die Infanterie erst um 11 Uhr zum Angriff überging. Ter Artilleriekampf war außerordentlich heftig. Salve auf Salve wurde gegen immer neuauffahrende feindliche Artillerie abgegeben. Auf dem linken Flügel standen die 61e r. Etwa um 1 Uhr gelang es, die feindliche Armee vollständig zurückuwerfen. Nach der Kritik marschierten die Truppen in ihre Garnisonen, wie z. B- die Hanauer, Offenbacher und Frankfurter Regimenter, ober noch den vorgesehenen Bahnstationen. Tie 116 er hatten noch den weiten Marsch bis Büdingen lurüd- zulegen, von wo aus sie in drei Extrazügen nach Gießen gebracht wurden. Die 115 er stiegen in Meerholz ein. Tamit haben die Manöver bis auf ben Artillerieangriff bei Birstein ihr Ende erreicht.
-1. Klein-Linden, 22. Septbr. Gestern fand daS 13. Stiftungsfest unseres Turnvereins statt. Bei dem Abturnen erhielten folgende Turner mit über 40 Punkten Preise: Weber mit 65Va, Jung mit 64l/a, Fr. Steger mit 5O2/6, Reuschling 465/6, Schmidt 462/g, Schimmel 43, Steinmüller 413/s Punkten. In der Zöglingsabtcllung errangen Preise: Andermann 54,'6, Volk i02/S, Lang 493/g, Feisel 48, Ph. Adolf 46 ‘,s, L. Adolf 45% Punüe.
)-( Völzberg, 20. Sept Heute morgen brannte bie »frarte des Landwirts Appel vvttständig nieder.
lieber die Entstehungsurfache ist nichts verrrnnr geworden. Als das Dach schon einzustürzen drohte, drang noch ein Feuerwehrmann in das Innere, um ben Barbestand be5 Geschädigten, bestehend in einigen hundert Mark, aus einer Kiste zu retten. Appel ist teilweise versichert.
sch. Grebenhain, 21. Sept. Ter angefünbigte Besuch unseresLandes Herrn war vom schönsten "Setter begünstigt, Grebenhain hatte ein festliches Kleid angelegt In elegantem Fünserzug, gelenkt von Frhm. v. Riedesel, traf der Großherzog vormittags ll1/* Uhr ein, jubelnd begrüßt von ber ungemein zahlreich erschienenen Bevölkerung. Tie Krieg ervereine, Schulen und die Feuerwehren bildeten Spalier. An ber Ehrenpforte nahm der Großherzog die Meldung des Kreisamtmanns Werner entgegen; sichtlich erfreute ihn auch ein von dem Töchterchen oes Postverwalters Breitwies er überreichtes schönes Bouquet An die Begrüßung in Grebenhain reihte sich alsbald die Weiterfahrt nach dem gleichfalls festlich geschmückten Crainfeld an, wo der Landtagsabg. Bürgermeister Schmalbach den Großherzog inmitten eines zahlreichen Publikums begrüßte. Nach Einnahme eines Frühstücks in Grebenkain, bei welchem zur Tafel außer Herrn Schmalbach mehrere Beamte geloben waren, erfolgte unter nicht enden wollenden Hochrufen die Weiterreise nach Harttnannshain und Herchen- hain, welche Orte ebenfalls in festlichem Schmuck prangten. Zur Begrüßung hatten sich hier u. a. Geheimrat Schönfeld- Schotten unb Lanbtagsabg. Bürgermeister Selb- ne r-Herchenhain eingefunben. Nach einem Besuch ber Herchenhainer Höhe wurde der Thee bei dem Psarrev Koller in Herchenhain eingenommen. Sichtlich war ber Großherzog von ben sich immer wieberhvlenben lebhaften Kundgebungen unserer Gebirgsbevölkerung erfreut Gegen 5 Uhr nachmittags trafen die hohen Herrschaften wieder in Birstein ein.
sd. Darmstabt, 21. Sept. Die Abschiebsseier beS Main-Neckar-Bahn-PersonalS aus Veranlassung deS am 1. Oktober d. IS. erfolgenden UebergangeS an die preußisch-hessische Gemeinschaftsoerwaltung sand gestern abend bei zahlreicher Beteiligung im fesllich dekoritten Kaisersaale statt. Revisor Leist begrüßte die Anwesenden und gab ein erklärendes Bild über die Bedeutung der Feier, welches mit einem Hoch auf den Kaiser, die Großherzöge von Baden und Hoffen endete. Es folgten eine ganze Anzahl weiterer Ansprachen, dazwischen trug bie Kapelle des Dragonerregiments Nr. 23 ausgewählte Musikstücke vor und hübsche Lieder ergänzten die Stimmung in festlicher Weise, sodaß die ganze Veranstaltung ein treffliches Bild des harmonischen Zusammenarbeitens gab und allen in angenehmer Erinnerung bleiben wird.
—k— M ainz, 21. Sept Tie allgemeine Fleisch« teuerung hat hier eine bedeutende Vermehrung des Fischkonsums hervor gerufen. Besonders werden vielfach Seefische konsumiert, bie vielfach von ben Konsumenten bireft bezogen werben.
•* Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben Nachbarstaaten. Wie aus Mainz berichtet wirb, ist mit ber Vorlese des Frühburgunbers am Rhein begonnen worben. Die sonnigen Tage anfangs September erweckten bei ben Winzern frohe Hoffnungen, unb man sprach schon davon, den diesmaligen Jahrgang zu Ehren ber jungen Königin von Hollanb „Wilhelminchen" zu taufen. Nach ben Maifrösten sprach man von einem ,CH amberlain*. Das Wetter ist aber wieber recht rauh geworben, das ist nicht gut für bas Ausreisen ber Trauben, unb wer weiß — es könnte schließlich ber 1902er boch ein »Chamberlain* werbenl — Die 5. Generalversammlung beS BunbeS beutscher Frauenvereine in Wies baben, ist auf bie Tage vom 4. bis 7. Oktober verlegt worben mit Rücksicht auf ben vom 7. bis 10. Oktober in Frankfurt a. M. tagenden Kongreß gegen den internationalen Mädchenhandel, dessen voraussichtlich intereffanten und wichtigen Verhandlungen beizuwohnen auf diese Weise den delegierten und Mitgliedern der Bundesvereine ermög* licht wird.
Vermischtes.
* Paderborn, 21. Sept. Gestern nachmittag ist auf bem Eisenbahnübergange der Chaussee Paderborn-Lipp- springe die Equipage des Kaufmanns Konrad Wegener- Lippspringe von einem Personenzuge überfahren worden. Der Kaufmann Albrecht-Elberfeld wurde sofort getötet, Fräulein Marie Leggemann-Styrum schwer und Fräulein Auguste ten Eicken-Essen leicht verletzt. Der Kutscher Engelorecht Schmitz-Lippspringe erlitt nur unbedeutende Verletzungen. Das Pferd des Einspänners wurde getötet. Der Betrieb der Nebenbahn Paderbom-Lennelager ist nicht gestört. Ter Personenzug Nr. 659, der das Fuhrwerk überfuhr, erlitt nur 17 Minuten Verspätung. Tas Eisenbahnpersvnal trifft kein Verschulden an dem Unfälle.
* Siegburg, 20. Sept. Ter Pächter des zwischen Wolsdorf und Kaldauen gelegenen, dem Fürsten Salm-Salm gehörigen Gutes „Haus zur Mühlen", Karl Courth, erschoß heute mittag seine Frau und verwundete den bei ihm bediensteten Verwalter tödlich. Das Motiv zu der That soll ein sträflicher Verkehr der Courth mit dem Verwalter sein. Courth stellte sich sosvrt der Polizei. , . _
♦ Swinemünde, 21. Sept. Gegen 8 Uhr abends brannte die auf der Grünen Fläche liegende Schulz ime Schiffswerft bis auf bie Kontorräume und tue Gießerei ab. Die Löscharbeiten waren sehr schwierig, da bie Grüne Fläche auf einer Insel liegt und bie Feuerspritzen erst auf der Dampffähre hinübergebracht werden mußten. Zuerst am Platze waren 100 Mann des russischen Panzerkreuzers „Bogatyr", welche sich hervorragend an den Lösch- unb Rettungsarbeiten beteiligten. ,
♦ Genf, 20. Sept. Ein politischer Wortwechsel tm Cas6 Couronne führte zu einem T u e l t zwischen dem f sischen Deputierten Cornet und einem italienischen Offizier, der schwer verwundet wurde.
♦ Budapest, 20. Sept. Hiesige Blätter melden, datz der der Nordungarischen Kohlenbergbau-Gesellschaft gehörige Gustav-Schacht in Dalgo Tarjan durch eine Ty- namit-Explosion vollständig zerstört wurde. Angeblich habe der entlassene Bergknappe Csabo aus Nacye wegen seiner Eittlassung die Explosion herbeigcsährt. Durch die Gewalt der Explosion wurden die umliegenden Lauser stark beschädigt; Msnschenverluste sind \ebod) nicht zu beklagen.
* Mord. Man meldet aus Newyork: Ter Enkel des Mormonenapostekö Drigham Young ermordete ferne junge Frau geb. Pulitzer. Ter Vater, em bekannter Finanzmann, weil! gegenwärtig in Paris.


