Ausgabe 
22.8.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 196

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siegener Zamilien- blätter ötermoi in der Woche beigelegt.

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Zweites Blatt. 152. Jahrgang

Freitag 22. August 196»

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger v '**7

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko; für Stadt und Land* und .Gerichlssaatt: Eurt Plato; für den An- zeigsnteil: HanS Beck.

Die heutige Zlummer umfaßt 8 Seiten.

Ilufstfche SotizciwissLür gcgeuükcr Deutschen.

Ein Vorfall an der russischen Grenze wird einem Königsberger sozialdenwkratischen Blatte aus Memel ge­meldet. TieKönrgsjb. .Volksztg." berichtet über die Be­handlung, die einer Frau Kugel aus Nimmersatt bei Memel in Rußland erfuhr, folgendes:

Frau Kugel ging sehr häufig über die Grenze, um in der russischen Stadt Polangen eine Schivcster zu besuchen, so auch am Sonntag, den 1. September 1901. Bei diesem Besuche wurde sie verhaftet, auf der Polizeiwache einem ganz kurzen Verhör unterzogen, das sich lediglich auf den Erlaubnisschein zum Passieren der Grenze bezog, und dann ins Polizeigefängnis abgeführt. Im Gefängnis mußte sie sich nackt ausziehen und von einer Frau untersuchen lassen. Es wurde nichts gesunden. Nach 48 Stunden transportierte man sie per Fuhrwerk unter Be­gleitung zweier Gendarmen nach Libau. Erst am dritten Tage ihrer Anwesenheit im Libauer Gefängnis wurde sie zu einem Verhör ins Gefäugnisbureau geführt. Es wurde ihr gesagt, daß verbotene Bücher über die Grenze gebracht worden seien. Ob sie etwas davon wisse? Tie Frau ant­wortete, sie wisse von keinen Büchern, sie könne ja nicht einmal lesen. Taranf zeigte man ihr eine Reihe Photo­graphien und fiagte sie, ob sie die abgebildeten Personen kenne. Tie Frau kannte keine davon. Endlich zeigte man ihr noch. die Bilder zweier Russen, die kurz vorher ver­haftet worden waren, weil sie verbotene Bücher über die Grenze gebracht haben sollen. Ter Beamte, der das Verhör leitete, meinte, diese Leute müsse die Frau doch kennen. Tie Frau erklärte, sie kenne nicht einmal alle Leute in MemÄ, wie solle sie da noch fremde Menschen im Aus­lande kennen!Aber diese Beiden", sagte der Beamte, haben doch bei Ihnen gewohnt." Tie Frau bestritt das entschieden Darauf wurde sie wieder in ihre Zelle abge­führt. Dies war das einzige Verhör, dem die Frau in dem ganzenJahrihrerGefangenschaft unter­zogen wurde. Nach jenem Verhör wartete die Frau einen vollen Monat, ohne über ihr Schicksal irgend etwas zu er­fahren. Dann schrieb sie an den deutschen Konsul und verlangte seinen Schutz. Nach drei Wochen erst ant­wortete er schriftlich daß eS nicht seine Sache sei, hier einzugreifen! Am 10. oder 11. Novembieir (also nachdem sie bereits fast 2*/2 Monate fest gesessen) wurde die Frau inS1 Bureau des Gefängnisses geführt; der deutsche Konsul sei da, sie solle mit ihm reden unb sagen, was sie von ihm wolle. Frau Kugel verlangte, daß er ihr wenigstens neue Kleider und Wäsche liefern möge, da ihre paar Sachen längst zerlumpt waren. Auch stand der Winter vor der Thür, und die Frau war schon seit zwei Mo­naten sehr krank. Der Konsul ermahnte die Frau, die Wahrheit zu sagen; ihr Mann sei ja Deutscher, dem könne also nichts passieren; wenn sie die Wahrheit sage, könne sie gleich freigelassen werden, wenn sie aber nicht die Wahrheit sage, dann könne sie noch zehn Jahre sitzen. (?) AlS die Frau erwiderte, sie könne doch nichts aussagen, da sie nichts wisse, sagte derdeutsche Kon­sul zum russischiLn GesäugniSbeamten: Dann könne man sie auch nicht fr ei lass en! Ter Konsul schickte der Frau eine Woche später einige Kleidungsstücke, die aber nicht viel taugten. Das ebenfalls erbetene Geld hat sie vom Konsul nicht erhalten. Am 10. De­zember gelang es der Frau endlich, eine Bittschrift an den russischen Minister nach Petersburg abzusenden. Drei Tage darauf wurde ihr eröffnet, die Sache sei jetzt polizeilich erledigt und gehe nun an die Gerichte. Tie Folge war, daß sie am 12. Mai (also nach vollen fünf Mo­naten!) von Libau fort ins G.efängnis zu Hasenpvt gebracht wurde. Dort war sie nur wenige Tage, als ein Schriftstück eintraf des Inhaltes, der Zar in seiner Gnade und Güte wolle ihr keine Strafe auferlcgen! Aber sie sei für immer aus Rußland verwiesen. Trotzdem dauerte es n o ch ü b e r a n d e r t h a l b M o n a t e, nämlich bis zum 4. August, bis die Frau von Hasenpot wieder nach Libau gebracht wurde. Tort wurde sie wieder eine volle W v ch e f e st g e h a l t e n. Tann erst wurde sie nach Polangen und von da an die Grenze zurückgebracht. Aber selbst an der Grenze erwuchsen ihr noch, Schwierigkeiten, >iiS man sie endlich herübcrließ. Ter russischen Polizei lag offenbar weniger an der Frau Kugel, als an der Person ihres ManneS. Von ihm erhoffte sie vielleicht wichtigere Aufklärungeil in jenem Prozeß gegen andere, als die Frau zu geben im stände war. Es steht fest, daß im September v. I. russlsche Gendarmen oder russische Spitzel bei Tage und bei Nacht au fd eutfchem Grund und Boden auf der Lauer lagen, um Kugel selbst zu überfallen und mir Gewalt über die Grenze zu schleppen! Kugel wäre diesen dunklen Gestalten auch sicher zum Opfer gefallen, wenn er nicht ganz besondere Vorsicht angewandt hätte. Aber lange konnte er'S nicht wagen. Bald nachdem seine Frau in Rußland festgenommen war, sah er sich gezwungen, Nimmersatt zu verlassen und nach Memel zu gelicn. Und zwar Knall und Fall. Die Folge war natürlich, daß der arme Mann, der selbstverständlich nicht zwei Wohnungen bezahlen kann, eine in Memel und eine in Nimmersatt, sein bißchen Hab und Gut in Nimmer­satt beim Hauswirt lassen mußte. Die Frau ist nun end­lich auckr zurückgekehrt, k r a n k, r u i n i e r t, n i ch t s a h r g, viel zu arbeiten. Der Mann, der früher Schmied war, kann dies Gewerbe nicht mehr ausüben, weil auch er kränklich ist. Er versucht sich mit etwas Uhrmacherei zu ernähren, aber viel bringt's chm nicht ein. So stehen oie beiden uid)t mehr jungen Leute da, sozusagen von allem entblößt, in Not und Entbehrung. Und daS alles durch einen Gewaltstreich d-er ruffifcheu Molizei.

So weit das Königsberger sozialdemokratische Blatt, dem wir die Verantwortung für die völlige Richtigkeit dieser Darstellung überlassem Ter Abg. Bebel hat im Reichstag seinerzeit Beschwerde über die widerrechtliche Ver­haftung der Frau Kugel geführt, und die Regierung ver­sprach damals, der Sache auf den Grund zu gehen und später über den Sachverhalt Bericht zu erstatten. Bisher ist weder im Parlament noch in der offiziösen Presse irgend eine Mitteilung über die Sache erschienen.

Ob nun die Mitteilungen des Königsberger Blattes über die weiteren Vorgänge bei der Affäre, insbesondere über die Beteiligung des deutschen Konsuls, zutteffend sind oder nicht, so viel dürfte seststehen, daß die Frau wider­rechtlich monatelang in russischer Haft gehalten worden ist. Widerrechtlich war diese Freiheitsberaubung auch dann, wenn die Frau was trotz ihrer gegenteiligen Versiche­rung nicht ausgeschlossen ist in dar That russische Truck­schriftenschmuggler in Nimmersatt beherbergt hat. Tie Frau deshalb zur Rechenschaft zu ziehen, ist eine russische Se» Hörde keinesfalls befugt.

Politische Tagesschau.

Weiteres Ncvanchegeschrei.

DerRuhm" des bramarbasierenden französischen Kriegs- ministers Andro hat einen hohen französischen Geistlichen nicht schlafen lassen. Bei der anläßlich des 32. Jahrestages der Schlacht von Macs la Tour auf dem Schlachtfeld vor dem Monument der gefallenen Franzosen stattgehabten ftanzösischen Gedenkfeier, an der eine größere Anzahl französischer Generäle und andere höhere Offiziere sowie sechs nationalistische Deputierte teilnahwen, hielt BischofTurinaz von Nancy eine chauvinistische Ansprache, über welche dieMetzer Ztg." wie folgt berichtet:

Turinaz wandte sich zunächst an die der Feier beiwohnenden Elsaß-Lochringer und bemerkte, diese Elsaß-Lothringer hätten die Grenze überschritten, imi trotz der Kanonen der Deutschen, trotz dem Unglück, das noch immer ihr Land gelangen halte, hier aus französischem Boden ihre unerschütterliche Treue zum alten Vater­land zu bezeugen und durch ihr Erscheinen die stumme und doch so beredte Frage zu stellen:Wie lange sollen wir noch warten, wann kommt ihr, um uns zu befreien?" Turinaz habe dann weiter auSgesührl: Leider gebe es in Frankreich jetzt Leute, die das Vcüerlandsgesühl, das sie hierher gerufen, vernichten wollen. Er verteidige eine heilige Sache, er sei der Bischof Lothringens, des Grenzlandes des Landes der Jane d'Are. Wenn je eine Regierung kommen sollte, um die Vaterlandsliebe zu erröten, so würde er ihr mit seinem Bischofsstab den Weg versperren und ihr zurufen: Halt! Nicht weiter!" Als man in der Deputiertenkammer zum Verzicht aufforderte, haben die Abgeordneten aller Parteien gerufen: Niemals!" Solange Frankreich Helden zählt, wie einen Marchand, einen Gantil, einen Foureau, brauche es nicht zu oerzagem Ber dieser Stelle sei der Zwischenruf:Nieder mit I a u r ö s !" erfolgt.

Weiter habe noch der französische General Cuny eine Ansprache vorgelesen, welche mit den Motten schloß:Die Mitkämpfer von 1870 sind hierher gekommen, um über die Mosel und die Vogesen hinweg ihren Brudergruß zu senden und zu sagen, daß die Hoffnung auf eine Zukunft, die die Niederlage der Vergangenheit wieder wett machen soll, niemals ersterben wird."

Heer und Flotte.

Dem ältesten Sohne des verstorbenen Finanzministers v. Miquel, Oberleutnant im 3. schlesischien Dragoner- Regiment Nr. 15, ist unter Verleihung des Charakters als Rittmeister und mit der Erlaubnis zum Tragen der Regi- mentsuniform der Abschied bewilligt worden.

Tas pensrons fähige Dien st einkommen der Offiziere und der hiernach zuständigen Pensionsvezüge ist bekanntlich neu geregelt worden. Ter Jahresbetrag des pensionsfähigen Tiensteinkommens beträgt jetzt für den kommandierenden General 21*990 Mk., für den Chef des Generalstabes der Armee, für die General-In­spekteure der Kavallerie und der Fuhartillerie, sowie für den Chef des Ingenieur- und Pionier-Korps und General- Inspekteur der Festungen a) bei 18000 Mk. Tienstzulage 21*990 Mk., b) bei 12 000 Mk. Tienstzulage 18 990 Mk., für den Divisions-Kommandeur als Generalleut­nant 15 455 Mk., für den Divisions-Kommandeur als Gene­ralmajor 13955 Mk., für den Generalleutnant mit dem Gehalte seines Grades, aber ohne Tienstzulage 13 205 Mk., für den Brigade-Kommandeur als Generalmajor 12008 Mk., für den Gcireralmajor mit dem Gehalte seines Grades, aber ohne Dienstzulage 11115 Mk., für den Bri­gade-Kommandeur als Oberst 10815 Mk., für den Stabs­offizier als Regimentskommandeur 9354 Mk., für den Stabsoffizier als V a t a i l l o n s ko m m a n d e u r 7013 Mark, für den Hauptmann und Rittmeister erster Klasse 5363 Mk., für den Hauptmann und Ritt­meister zweiter Klaslse 4163 Mk., für den Ober­leutnant 2550 Mk., für den Leutn^nt 19o0 Mk - Ein Leutnant erhält nach zehnjähriger Dienstzeit 488 Mk. Pension, ein Oberleutnant 638 Mk., ein Hauptmann zweiter Klasse 1041 Mk. Ein kommandierender General wird nach 40 Tienstjahren 16 493 Mk. Pension erhalten.

Kolomalpost.

lieber die letzten Vorgänge in Neuguinea gegen die Papuas wegen E r m o r d uug d er Pf l an & e rs- Fr au Wolff scheint man an amtlicher Stelle jetbst nicht genau unterrichtet zu sein, wie aus folgender, anscheinend inspirierter Auslassung derPost" hervorgeht:

Von Australien kommt die Nachricht, die «rra,expedt- tion aeaen die Papuas am Varzingeoirge wegen Ermordung der Manzerslftau Wolff und chreS KiuÄeS habe den schul­

digen Eingeborenen stamm vollstärrdig vernichtet, 227 Ein­geborene hätten dabei ihr Leben verloren. Allem diese bestimmte Zahl muß schon Mißttauen erregen, denn eS läßt sich niemals genau feststellen, wie viele BuschLeute in solchem Kampfe umgekommen sind. Nach den ersten Meldungen von deutscher Seite belief sich die Zahl der gefallenen Papuas auf ungefähr hundert. Tie Mitteilung ans Sydney ist aber auch nicht in Einklang zu bringen mit dem amtlichen Berichte des kaiserlichen Richters Wolff über den Verlaus der Expeditton. Ter Angriff der Polizeittuppe richtete sich danach gegen zwei Ortschaften oder zweiStämme, die aus 4500 und 2300 Köpfe geschätzt werden. Bei dem Kampfe wäre also eine Bevölkerung von höchsteiis 800 Köpfen in Betracht gekommen. Daß aber von den beiden Ortschaften Paparatava und Tomakaisiki weder die eine noch die andere ihre ganze Bevölkerung hat vernichten sehen, geht aus dem amtlichen Bettchte hervor. Derselbe schließt mit der Angabe, daß dort zwischen den genannten Dörfern eine Polizeistation mit 20 Mann Besatzung errichtet worden ist, um die Wiederholung solcher Ereignisse am Varzinberge unmöglich zu machen. Der amtliche Bericht giebt keine Zahl der Gefallenen au, weil diese überhaupt nccht festzustellen ist. Tie Australischen Zeitungen haben schon früher die unglaublichsten Tinge auS Samoa über die Deutschen be­richtet, jetzt machen sie es mit Neu-Guinea ebenso. Um es glaubhafter zu machen, haben sie jetzt den Kapitän eines Lloyddampfers als angebliche Quelle vorgeschoben.

Aus Stadt und Zand.

Gießen, 22. August 1902.

rp. Von der Landes - Universität. Es pro­movierten vom 7. bis 16. August zu Doktoren der Medizin: der Assistenzarzt im 1. Nass. Jnf.-Regt. Otto Ohly aus Mensfelden bei Limburg, der prakt. Arzt zu Harburg a. E. Wilh. Terbrüggen aus Ladbergen i. W., der einj.-freiw. Marinearzt zu Kiel Wilh. Pullmann auS Offenbach a. M., der Assistenzarzt im Hess. Trainbataillon Nr. 18 Hermann Flath aus Offenbach a. M., der approb. Arzt Walther Wolff aus Frankfurt a. M.; zum Doktor der Philosophie: Otto Bürger aus Elberfeld; zum Licentiaten der Theologie: der Predigtamtskandidat zu Friedberg Wilhelm Gaul aus Ober-Ingelheim.

§ Eschenrod, 20. Aug. Bei der heutigen Bürger­meisterwahl wurde der Landwirt Heinrich Weber in. mit 80 Stimmen gewählt. Der seithettge Bürgermeister Schäfer erhielt 15 Stimmen. Die Wahl verlief ziemlich leb* haft. Dem Neugewählten wurde ein Ehrenbaum gesetzt und bei Speise und Trank der Wahlsieg gehörig gefeiert.

-ü- Vom Hoherodskopf, 20. Aug. In letzterer Zeit sind zwei neue Wegmarkierungen von hier aus ent- sianden. Die eine führt nach Grebenhain, die andere nach Bermuthshain, Rothebach, Naxburg, Freiensteinau, Steinau (Station der Bebra-Bahn).

§§ Crainfeld, 21. Aug. Da die Schülerzahl unserer Schule in stetem Wachsen begriffen ist und über 100 beträgt, plant man die Errichtung einer zweiten Schul stelle, und es wird dann auch die Erbauung eines Schulhauses nötig. Dasselbe tft in Altenschlirf bei Herbstein der Fall.

Frankfurt a. M., 21. Aug. Der Personenzug 894 von Fulda entg leiste heute kurz nach 12 Uhr vor der Einfaytt in den hiesigen Haüptbahnhof. Personen wurden nicht verletzt. Nach einer amtlichen Meldung geschah der Unfall infolge eines Achsenbruches.

Cronberg, 21. Aug. Der Erbprinz und die Erb- Prinzessin von Sachsen-Meiningen haben heute Nach­mittag Schloß Friedrichshof wieder verlassen und die Rückreise nach Breslau angetreten.

Kunst und Wissenschaft.

GegenHaus vou Kahlenberg" (Fräulein von Mornbarl), die bekannte Vettasserm zahlreicher Novellen und Essays modernster Richtung, schivebt ein U n t e r s u ch u n g s v er­sah r e n auf Grund ihrer Erzählung91 ixche n". Die genannte Schrisl ist vor Jahresfrist erschienen und hat unbeanstandet ihre 6. Auflage erreicht. Erst eine vor einigen Wochen eingegangene Denunziation hat ihre Konfiscation und die EinleiMng der vor» geschriebenen Ermittelungen zur Folge gehabt.

Erne Volks - Kunst - Ausstellung in Worms. Man schreibt derDeutschen Ztg." aus Worms: Mit der Gemälde- Ausstellung ist ein eigenartiger Gedanke, der von der Malettn Luise Kurtz-Osthosen ausging, in nachahmenswerter Weise verwirk- licht worden. Um denjenigen kunstliebenden Leuten aus dem Volke, dericn der Besuch großer Kunstausstellungen oder Galerien nicht vergönnt ist, einen Ueberblick über die Entwickelung uni) über den Stand des heutigen tünstlerijchen Geschmackes zu geben, haben mehrere Familien aus Worms (v. Heyl, Schoen, Dörr, Valckenberg, Reinhart u. A.) und anderen Städten der Umgegend ihre Schätze mit denen hervorragender Maler und Bildhauer zu einer ausge­sucht werwollen Ausstellung vereinigt. Sie weist an 600 Nummern alter und neuer, deutscher und niederländischer Meister auf, darunter solche, die noch nie öffentlich gezeigt worden sind. Von Hans Holbein bis zu der Darm st ädter Ville nkoloniekunst sind alle Richtungen unb Arten vertreten. Um nur einiges zu er­wähnen: Major von Heyl-Tarmstadt hat aus seinem Böcklin- Schm; u. A. des Meisters Selbstportrait, das wundervolleSieh es lacht die Au" beigesteuert. Auch seinKlio" ist da. Meister Hans Thoma ist mit etwa 30Radierungen und Älgraphien ver­treten. Aus der Sammlung Schoen-Renz (Worms) stainmt der Eertle" von A d o l f M e n z e l, W. L e i b l'sIn der Kirche' neben demBlinden Bettler" u. A. Karl Biese, Eugen B r ach t, Karl Fröschl, Heinz Heim, L. v. Hofmann, Fr. Kallmorgen, Kaul­bach, Kl i n g e r, K n a u s, Lenbach, Schoenieder, -Ne' b ermann, W. Stemhausen. Max Slevogt, F.v. Uhde,, W. T r Ü b n e r u. A. sind reichlich vertreten. Unter den älteren Mei Ilern fällt Anselm Feuerbachs jarbenvrächtiges Bild&anuet und