Ausgabe 
22.7.1902 Zweites Blatt
 
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irz l. Js. verbrachte der Offizier seinen Er- Kreise seiner Familie dahier. Auch er verkehrte

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sängnis verurteilt.

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Lungentuberkulose Gehirntuberkulose Lungenentzündung Herzsehler Harnblasenentzündung Atrophie Krämpfen Gelbsuckt

Verunglückung______

Gerichtssaal.

Wetzlar, 18. Juli. Ein hiesiger Händler war vom Schöffen- gericht zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt worden, wegen Ueber- tretung der viehseuchenpolizeilichen Bestimmungen, insbe­sondere der Verordnung des Regierungspräsidenten zu Koblenz vom 3L November 1901 und der Reg.-Polizeiverord- nung vom 21. Januar 1899, wonach von Händlern üt den Bezirk Angeführtes Vieh nur mit tierärztlichem, nach vier Tagen zu er­neuerndem Gesundheitsschein cingesührt werden darf und außerdem in näher vorgefchriebenen Listen gebucht werden muß. Die Straf­kammer in Limburg als Berufungsinstanz hat das erste Urteil ausgehoben und die beiden Verordnungen für ungültig erklärt.

Summa: 11 (4) 8 (3) 3 (1)

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nod) Gießen gebrachte Kranke kommen.

Eisenbahn-Zeitung.

Süddeutsche Eiseubahrrgesellfchaft, Darmstadt. Der Ge­sellschaft ist die Genehmigung für die noch zu bauenden Stra­ßenbahnstrecken Älarnz-Wiesbaden, Wiesbaden-Er- benbeim und Mainz-Schier st ein erteilt worden. Der Be- trieo muß bei einer Konventionalstrafe von 5000 Mark spätestens am 1. Januar 1905 eröffnet werden, falls nicht der bevorstehende Neubau der Staatsbahn weitere Verzögerungen veranlaßt.

Giugesanbt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortmrg.)

Gießen, 22. Juli 1902.

Zum Jugendfest.

Zu allgemeiner Befriedigung hat unser Stadtvorstand dafür, Sorge getragen, daß nun doch ein allgemeiner Ausschluß beo Schülerinnen der höheren Töchterschule unb der erweiterten Mädchenschule von der Feier des Jugendfestes nicht erfolgt. Für die auf der Bürgermeisterei angemeldeten Kinder jener Schulen, werden besondere Zugführer und Spielleiter bestellt werden. So ist erfreulicherweise Gelegenheit geboten, daß sich bei dieser Feier die Kinder aller Stände in froher Jugendlust zufannnenfinden. Hoffentlich laufen mm auch recht zahlreiche Anmeldungen em, fo daß es sich herausstellt, daß keine Klasse der Gießener Bevölkerung bei unserem Gießener Kinderfest den für unsere Zeck und für diese Gelegenheit so herzlich schlecht paffenden NAgungeu nach voruehm- thuerifcher Absonderung Raum giebt. 3t

UuiverMs-NachrWeu.

Der Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Schwenrnger in Berlin ist von der Leitung der Abteilung für Hautkrankheiten in der Chartts vom Ministerium entbuirden worden und hat dafür einen Lehrauftrag für Geschichte der Medizin und allgemeine Pathologie und Therapie erhalten. Die in Rom geführten Ver­handlungen des Frhrn. v. Hertling wegen Errichtung einer katholischen Fakultät in Straßburg sollen wiederum gescheitert sein.

Der Geh. Medizinalat Prof. Dr. Karl Gerhardt aus Berlin ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Wir hatten vor wenigen Tagen bereits mitgeteilt, daß der Zustand des be­rühmten Klinikers und Arztes zu Besorgnissen Anlaß gebe. Karl Gerhardt war in Speyer geboren, studierte in Würzburg, war Assistent Griesingers in Tübingen und habilitierte sich dann tu Würzburg. 1861 wurde er Professor in Jena. 1872 folgte er einem Ruf nach Würzburg, 1885 wurde er an die Berliner Universität berufen. Gerhardts Bedeutung als Mediziner lgg in der Haupt­sache aus dem Gebiet der Kinderkrankheiten und der Krankheiten der Achmungsorgane.

Das Befinden Virchows bewegt sich weüer in auf- steigender £inie. Die bedrohlichen Schwächezustände haben einer erfreulichen Krästezunahme Platz gemacht.

Ebenso haben bekanntlich schon andere Gerichte über die nach Koblenzer Muster gearbeiteten Verordnungen des Wiesbadener Regierungspräsidenten geurteilt.

Magdeburg, 2L Juli. Mttmeister a. D. v. Pt e s ch e l zu Alten-Flatow wurde von der Ferienkammer wegen einer Pi st ölen-Forderung zu 2 Tagen Festungshaft verurteilt. Der Geforderte Geheimrat Schulz -Nieborn hier, mit dem er im Eisendahnkupee einen Wortwechsel gehabt, hatte das Duell abgelehnt.

München, 20. Juli. Im letzten Karneval lernte der etud. philos. Witold v. Wroblewsty-Slezonron, ein Russe, auf einem Balle die Schwester eines Offiziers kennen, und es gelang ihm, Eingang in dte Famllie des Offiziers zu finden. Wroblewsky hatte sich als Inaktiver des KorpsSuevia" vorgestellt und von den glanzenden Verhältnissen seiner Mutter und deren ausgedehnten Grundbesitz in Rußland erzählt. Er selbst bekomme monatlich einen sehr reichlich bemessenen Wechsel und wolle in München den Doktor machen. Im März l. Js. verbrachte der Offizier seinen Er-

Kirche und Schule.

Gießen, 2L Juli. In sämtlichen katholischen Pfarreien fin­det gegenwärtig, veranlaßt durch den katholischen Lehrerverein des Großherzogtums Heffen, Erhebungen über die Organisten-Ge- h ä l t e r statt. Genannter Verein beabsichttgt nämllch, bei den maßgebenden Behörden eine einheitliche Erhöhung der Gehälter zu -veranlassen.

Zum Abt des Benediktinerklosters Maria-Laach ist, Furchdem der frühere Abt Bischof geworden ist, der Pater Freiherr v.Stoltzingen, ein ehemaliger Dragoneroffizier erwählt worden; neben ihm wirkt in dem Kloster noch der Vater Graf v. S p e e. Der erstere gehört einer alten reichsritterlichen badischen Familie, der letztere einer in der Rheinprovinz angesessenen Famüie an. Jetzt wird gemeldet, daß soeben znm Prior des Do­minikanerklosters in Düsseldorf der Vater Paulus von Los ge- wäbtt worden ist. Er beißt eigentüch Ludwig Frecherr v. Los nnd fist oer jüngere Bruder des vor drei Jahren verstorbenen Vorsitzen­den des Rheinischen Bauernvereins, Grafen Friedrich von Los und der Neffe des gleichfalls verstorbenen Begriutders dieses Vereins, be§ Freiherrn v. Los Terporten, sowie des Generalobersten Frhrn. v. Los. Die Wahl von Mitgliedern des Adels zu Lettern von Klostern in der Rheinprooinz tst gewiß nicht Zufall.

Krieskasten Ser Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

G. Tas von uns gestern erwähnte Gesetz über die Regent, schäft im Großherzogtum Hessen lautet: .Wir Ercht Ludwig re. haben auf Grund des Artikels 5 des Gesetzes über bte Regentschaft vom 26. März 1902 mit Zustimmung unserer getreuen Stände verordnet: Artikel L Da der zur Zeit unserem Throne am nächsten stehende Agnat der Gesamthauses Hessen dauernd ver­hindert ist, die Regierung des Großherzogtums persönlich zu führen, so findet, im Falle sie auf ihn übergehen sollte, eine Regent­schaft statt." Damit ist die eventuelle Thronfolge des Land­grafen Al exander Friedrich oonHefsen und seiner Agnaten festgestellt.

holungsurlaub im Kreise seiner Famüie dahier. Auch er verkehrte oster mit Wroblewsky, dessen Erzählungen er unbedingten Glauben schenkte. Bei einem zufälligen Besuche in der Wohnung Wro- blewskys sand er aber Blanches, was im Widerspruche mit den Angaben Wroblewskys über seine finanziellen Verhältnisse stand. Der Offizier ließ durch ein Detektiv-Institut Erkundigungen über Wroblewsky einziehen. Zu feiner Ueberraschung mußte er er­fahren, daß Wroblewsky wegen Betrugs bestraft fei, sehr bedenk­liche Schulden mache, niemals Angehöriger derSuevia" gewesen, noch immattttuliert sei und daß seine finanzielle Lage nichts weniger als günstig war. Der Offizier und dessen Familie bracheit sofort den Verkehr mit Wroblewsky ab. Wroblewsky, der erfuhr, daß man über ihn Erkundigungen eingezogen hatte, fühlte sich hier­durchbeleidigt" und wandte sich an den stad. ing. Hans Scheft- lein, den er ebenfalls über seine Verhältnisse betrogen hatte, mit dem Ersuchen, dem Offizier eine Forderung aufPistolen mit dreimaligem Kugelwechsel zu überbringen. Scheft- lein kam am 4. Mai l. Js. diesem Auftrage nach. Der Offizier machte dem Regimente Meldung, worauf der Ehrenrat des Regi­mentes zusammentrat der nach eingehender Prüfung der Verhält­nisse zu dem Spruche kam, der Offizier sei berechtigt, die Forderung abzulehnen, nachdem eine Persönlichkett wie Wroblewsky nicht berechttgt erscheine, Satisfaktton zu verlangen. Als Scheftlein vor dem Ehrenrat von den Verhältnissen Wroblewskys Kenntnis erhielt, zog er dessen Forderung zurück, legte sein Amt als Kartellttäger nieder und machte am 9. Mail. I. hiervon dem Wroblewsky Mitteilung. Letzterer schrieb alsdann an den Offizier einen Brief:Nachdem Sie meinen Kartellträger an- gelogen haben, nachdem Sie vor dem Ehrenrate Dinge behauptet haben, die direkt unwahr sind, betrachte ich Sie als einen ehrlosen Menschen, der nicht wert ist, die Uniform eines deutschen Offiziers zu tragen." Die Sache wurde nun dem Gerichte übergeben. Heute kam zu­nächst dre Herausforderung zum Zweikampf zur Verhandlung. Wroblewsky wurde mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Forde­rung zur Festungshaft von sechs Monaten, Scheftlein von einer Woche verurteilt. Hierauf kam die Anklage gegen Wroblewsky wegen Berufsbeleidigung zur Verhandlung. Der Vorsitzende des Ehrenrates chat dar, daß der Offizier sich in der ganzen Angelegenhett tadellos verhalten habe. Wegen der Berufsbeleidigung wurde Wroblewsky zu ein em Monat Ge-

Sport.

Kassel, 21. Juli. Vom Bundesfest des Deutschen Radfahrerbundes ist noch Folgendes zu berichten: Man be­schloß, die B u n d e s z e i t u n g wie bisher weiter erscheinen zu lassen, der Bundesvorstand wird aber ermächtigt, je nach Jahres­abschluß und Jnserateneinnahme achttäges Erscheinen festzusetzen. -Ein Antrag des Gaues 24 wurde angenommen, emeEnqudte über die Anlegung von Radfahrwegen zu veranstalten. Auf gegebene Anregung hin sprach man sich im Allgenreinen sympathisch für eine Vereinigung mit der Union aus. Ferner wurde eine Resolution angenommen, daß der Bundestag eine Ver­einigung der deutschen Radsahrerverbände sowie die Einleitung von Verhandlungen, um diese berbeizuführen. für wünschenswert hätt und hofft, daß es gelinge, dies sobald als mögüch zu erreichen. Bei den am Sonntag Nachmittag abgehaltenen Konkurrenzen im Reigen- und Kun st fahren waren folgende Resultate zu verzeichnen: Großer Achter-Niederradkunstreiaen. 1. Bicycleklub Bremen 1881, 10,6 Punkte. 2. Radfahrverein Möwe Britz, 9,8 P. 3. Radfahrverein Wetzlar 1867 6,1. P. Sechster Hochradkunst­reigen. Außer Konkurrrenz. Bicycleklub Bremen 1881. Meister­schaft des D. R.-B. im Kunstfahren auf dem Niederrad. Schönemann-Leipzig 50,8 Punkte 1. Luders-Berlin 46,4 Punkte 2. Meisterschaft des D. R.-B. im Kunstfahren aus dem Hochrad. Rich. Schulz-Altona 51,5 Punkte 1. Theod. Bobe-Dresden 40,8 'Punkte 2. Zweckes Einer-Niederradkunstfahren. E. Gärtner- Weißenfels 20,1 Punkte 1. Joh. Ritzenhoff-Paderborn 18,5 Punkte 2. Zweckes Niederradkunstfahren. Gebr. Lüders-Berlin 37,1 P. 1. H. Reher, Emil Spohler- Bremen 32,5 Punkte 2. Einer-Einrad- kunstfahren Schulz-Altona 25,2 Punkte 1. Bobe-Dresden 24 P. 2. Vierer-Niederradkunstfahren (außer Konkurrenz) Bicycleklub Bremen 1881. Der Verlauf der Rennen am Montag war folgender: Meisterschaftsfahren des D. R.-B. über 1000 Meter, Al­bert Leopold-Hannover, Erster; 2. Mannschaftsfahren der Bun­des-Gaue, Gau 7 (Hannover) Erster, Gau 9 (Frankfurt) Zweiter, außerdem beteiligten sich noch Gau 17a (Kassel) und Gau 20 (Ber­lin) ; 3. Niederrad-Vorgabe-Fahren, Franz B ä ß l e r - Hannover Erster, es starteten im Ganzen 21 Fahrer, wodurch sich das Rennen sehr interessant gestaltete; 4.denWand erpreis des Kaisers über 1000 Meter erhielt Kellner-Frankfurt; 5. Meister- schastssahren des D. R^-B. über 25 Kilometer, Barta-Friedenau Erster.

Neueste Meldungen.

Origiitaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 22. Juli. DasBert. Tagebl." meldet CruSi1 Paris: Die Präsidenten der sogenanntenAetion leberale^, de Mun nnd Pion, ließen öffentliche Aufrufe cm die Manern kleben, die mit den Worten LeMmen:Bürger! Grr! Attentat ohnegleichen ist foeben begangen worden. 250CX Schulen sind geschlossen, 15000 Kinder ans die Straße, geworfen, 5000 Lehrer nnd Lehrerinnen vertrieben und ohne Unterstützung." Der Aufruf nennt die Schließung der Schnlen dann noch ein Ve-rhrecheu gegien die Hckmanitüt und Freiheit.

Ka(fei, 22. Juli. DasElettrLsche Werk H-en^el in Wah lersHau seu ist in der vergangenen Nacht völlig, niedergebrännt. Der Materialschaden ist ungeheuer. Die Beamten und Arbeiter konnten sich nur mit Mühe retten. Durch» die Zerstörung des Elektrizitätswerkes ist die Belench- tung von Wilhelmshöhe und Wahlershausen sowie die Lieferung von motorischer Kraft für die dortigen ^rgwerke unterbrochen

München, 22. Juli. Nach hier eingegangenen Be­richten hat die Dmrchfahrt des Königs von Ftüt- lien in Trient zu Demonstrationen Anlaß Uec geben. Der Bahnhof war ab,gesperrt, aber auf dem Platze vor dem Bahnhofe hatte sich eine große Menschenmenge, versammelt, welche bei der (Anfahrt des Königs in stür-, m i s ch e Ev v i v a--Ru f e ausbrachM. Bengalische Freuden- fener beleuchteten die Umgebung. Weder der König mchl einer der anderen Insassen des Zuges zeigten sich

London, 22.'Juli. Ein furchtbarer Orkan hat in Baltimore großen Schcüxm angerichtet. 12 Personen wurden getötet. Die Schiffe auf der Rhede haben schwer gelitten

London, 22. Juli.Morning Leader" berichtet, daß/ Lord Balfour im Laufe der Parlamentsferien einen Ausflug per Automobil durch die Schweiz machen toirb.

Rom, 22. Juli. Der Kardinal Ledochowski ist heute morlgen gjest ordert

Wien, 22. Juli. Ein Unw etter hat in Oesterreich, Ungarn, Steiermark, Salzburg, Tirol rrnd Kärnten großen Schaden angerichtet. Viele Ortschaften stehen unter Wasser. Mehrsack) sind Verluste an Menschenleben zu be­klagen

Krakau, 22. Juli Die Ausstanbs-Bewegttrng' unter den ostgalizischen Landleuten dehnt sich immer mehr aus unb hat die Gegend von Tarnopol, Przemysl, Zloszow, Bobriko'und Zbarez ergriffen. Drei Sozialisten- führer wurden loegen aufreizender Reden in Arbeiter-Ver­sammlungen in Untersuchung gezogen.

Budapest, 22. Juli. Belgrader 9Leldmrgen berichten, daß eine Arnautenbande das KlosterKisoki umzingelte und unter der Drohung, das Kloster anzuzündou unfy alles nied erzumetzeln, 3000 Lire forderten Tie Summe tourbe sofort erlegt. Der serbische Gesandte hat unverzügliche energische Sch,ritte bei der Pfortc; geleitet

znm Vorschein kommen. Auch der Wiederansbcm des Scrcellums, des Heckigttuns für die Feldzeichen und den Kultus der bekamckllch als Götter verehrten Kaiser, schrecket rüstig vorwärts.^ Später er­folgt dann hier und in den übrigen Räumen des Prätorunns die Aufstellung der gesamten Limesfunde, wozu der Fürst zu Wied, der Fürst zu Solms-Braunfels und private Sammler auch ältere her- trorragcnbe Fundstücke zur Verfügung gestellt haben, sodaß dort etwas zu stände kommen wird, was die Aufmerksamkeck der ganzen gebildeten Welt auf sich lenken dürfte. Kaiser Wilhelm trifft wahrscheinlich im August in Homburg em. Bis dabin werden auch die neu aufgefundenen Brunnen untersucht sein und hoffentlich wie die übrigen (57) wieder eine reiche Ausbeute an vergänglichen Sachen aus Leder und,Holz ergeben, die für die Saalburg so charakteristisch und wichtig sind.

Der Sultan soll dieser Tage dem deutschen Ge­schäftsträger Baron Wangenheim mitgetedt haben, daß er dem deutschen Kaiser zum Zwecke archäologischer Forschungen den auf den kaiserlichen Domänen bei Messul gelegenen B erg Kalatel Schiraat überlasse. In wissen- fchasttichen Kreisen ist man der Ansicht, daß Ausgrabungen chaselbst von höchster Wichttgkeit für die assyrische Geschichte sein werden.

Bei Fischer u. Franke in Berlin-^. 30 erscheint seck einiger Zeck die Zeitschrift Spielman«", von der uns einige Httimmcrn vorliegen. Diese Zeitschrift wird bei allen denen, die Sinn für echte Poesie besitzen, ungeteilten Beifall finden. Das Pro­gramm desSpielmanns", nur echte Kunst zu bringen, wird getreu verfolgt. Nicht aber finden wir in diesen Heften nur die anerkannten großen Namen in der deutschen Dichtkunst, Indern sie bringen das Gute, wo es zu finden war, und manchem aufstrebenden Talent hat der Svielmann bereits im ersten Jahr­gang den Weg in die Oeffentlichkeit gebahnt. Das Jnhacksverzeich- nis des ersten Jahrgangs enthält im ganzen 123 Namen; barunter fehlt kaum einer der anerkannten Poeten der Gegenwart. Daneben findet man eine große Anzahl von 9lamen, die hier entweder zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit treten, oder doch bisher weniger bekannt waren. Die Zeitschrift kostet 2 Mk. vierteljährttch.

903,1 Mill. Kronen (18,9 Mill. Kronen mehr al§ im gleichen A-st- raum des Vorjahres).

Märkte.

Gießen, 22. Juli. Marktbericht. AufdemheutigenWochemnmckr kosteten: Butter pr.Pfd. 0,751,00 Mk., Hühnereier pr. St. 67 Pfg 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 1113 Pfg., Enteneier 78Pfg^ Kw« pr.Stck. 57 Pst, Käsematte 2 Stck. 0OPsg., Erbsen pr.Lcker lOPfg^ Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar0,701,00Mk Hühner pr. St. 1,201,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,551,20 Nik Enten pr. Stück 2,302,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsensleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg^ Schweine­fleisch pr. Pfimd 7080 Pfg^ Schweurefleisch, gefallen, pr. Psmck 84 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6670 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg^ Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,506/X) Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg^ Zwiebeln pr. Zentner 9/)010M SDiL, Milch fier Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 000 Pfg^ in Körben (X)00 Trauben 0000 Pfg. Kirschen 2030 Psg.

Dauer der Marktzeck von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeck darf nur auf den bestimmten Derkaussplätzen und nicht im Umherzieheu eilgeboten werden.

Möcheotliitze llcberstP der Todesfälle in üer Ltadi Ließen.

25. Woche. Vom 15. bis 21. Juni 1902.

Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Mrlltär) Sterb lichteitsziffer: 22,08, nach Abzug von 6 Ortsfremden 14,05 °/co.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr; 2.15. Jahr

Kandwittschast.

?? Grebenhain, 20. Juli. Ein hiesiger Handelsmann hat in dem benachbarten Crainfeld vor einigen Tagen einen Waggon Rindvieh, 17 Stück, aus dem badischen Oberland gekauft und hier­her gebracht. Das Vieh hat in hiesiger Gegend überall Anklang gesunden, denn es ist reine Rasse (Oberbadisches Fleckvieh).

** Vom höheren Vogelsberg, 20. Juli. Äe Heuernte ist hier so ziemlich beendet. Das Heu ist gut eingebracht worden, wodurch jedoch infolge der anhaltend trockenen Witterung das Aus- setzen der Dickwurz-, Kohlraben- und Krautpflanzen verhindert wurde. Auch die Sommerfrucht, wie Hafer, Gerste zc. ist etwas kurz geblieben, hat aber durch den jetzt eingetretenen Regen noch etwas Hilfe bekommen. Die Quantität an Heu ist verhältnis­mäßig etwas gering. Der zwecke Schnitt Klee wird besser als der erste. Der Roggen fängt schon an zu reifen.

Koblenz, 20. Juli. Heute tagte hier eine zahlreich besuchte Versammlung von Viehhändlern, die auf Veranlassung des Verbandes der Viehhändler Deutschlands, des Rheinischen Viehhändlervereins, des Linksrheinischen Viehhandlervereins und des Deutschen Viehhändlervereins einberufen war. Der Vorsitzende führte aus, daß die größten Nachteile für den Stand durch die Quarantäne-Maßregeln entstehen, welche die leidige M a u l - und Klauenseuche verursacht hat. Es müsse angestrebt wer­den, daß Vertreter aus dem Vichhändler-Stand zu den 93e» ratungen des Reichsgesurrdhecksamts bezw. des Landwirtschafts­rates zugezogen werden. Die Vertreter aus den verschiedenen Bezirken schildern die unhaltbaren Zustände, welche die Verordnungen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche gezeitigt haben. Man verlangt, daß die Kosten, welche durch derartige Verordnungen entstehen, dem Staate zur Last fallen, namentlich aber, daß die Gebühren der Kreistierärzte für die angeordnete Tierschau auch vom Staate be- zghtt würden.

Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft.

Köln, 21. Juli. Die Generalversammlung der Bank für Rheinland und Westfalen genehmigte einstimmig die Fusion mit der Aachener Diskonto-Gesellschast.

Die Neuwieder Volköbank ist in Konkurs geraten. Sie gehört dem (Schulze-Delitzschen) Verbände der Kreditgenossenschaften von Rheinland, Westfalen, Lippe und Waldeck, bezw. dem Allge­meinen Verband der auf Seldsthitte beruhenden deutschen Erwerbs­und Wirtschaftsgenossenschaften an. Die verkrachte Bank bestand erst seit 1892.

Tabakbau auf dem Eichsfelde. Auf dem Eichsfelde wurden nach dem Bericht der Handelskammer im Jahre 1891 von 1346 Pflanzern 17 095 Aar ober ca. 706 Morgen mit Tabak bestellt. Im Vorjahre waren 14 625 Aar und 1899 nur 12 778 Aar mit Tabak bepflanzt worden. Demnach hat auch in diesem Jahre der Tabak­bau infolge der gezahlten guten Preise wettere Fortschritte gemacht.

Ein Trust für Cigarreufabrikatiou iu Amerika. Die Fa­brikanten billiger Cigarren in Pensylvanien^ Ohio und West-Vir­ginia haben sich mit Ausnahme einer einzigen Firma unter dem Namen United States Cigar Company zu einem Trust zusammengeschlossen, dessen Kapttal 7,5 Mill. Dollar beträgt Die jährliche Gesamtproduktion der vereinigten Fabriken bezifferte sich bisher auf 280 Mill. Stück Cigarren. Der Trust will feine Fabriken vergrößern und seine Produktion erhöhen.

Neue Gründung in der rusfifchen Petrolenm-Judustrie. In Petersburg hat sich in diesen Tagen dieRussische Naph- ta-Jndustriegesellschaft" mtt zwei Millionen Rubel Grundkapital konstituiert Zu den Gründern gehören Fürst und Fürstin Kotschubei und die Firma A. unb G. Iwan Chludow Söhne.

Wien, 2L Juli. Nach dem stattstifchen Ausweis über den Außenhandel der Btonarchie betrua im Monat Juni der Wert der Einfuhr 145,2 Mill. Kronen (12,6 Mill. Kronen mehr als im Juni des Vorjahres), der Wert der Ausfuhr 151,7 Milh Kronen (6,5 Mill. Kronen mehr als im Juni des Vorjahres). Während des ersten Halbjahres bezifferte sich die Einfuhr auf 876,2 (61 Mill. Kronen mehr gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres) die Ausfuhr auf