Ausgabe 
22.7.1902 Zweites Blatt
 
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Vermischtes

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wurde für 5000 Mk. Silberzeug gestohlen. Man glaubt, es mit einer internationalen Bande zu thun zu haben, die auch in Wiesbaden, Karlsruhe rc. Einbrüche verübt hat. In Wiesbaden starb die Witwe Friedrich v. Badenstedts, Mathilde, im 79. Lebensjahre.

gefunden.

* Auerbach (Voigtl.), 21. Juli. Die Frau des Ziegel- arbeiters Sieber in Mühlgrün hatte, während sie ihrem Ehemann das Mittagessen hintrug, zur Beaufsichtigung ihres jüngsten Kindes, einen fünfjährigen Knaben und ein dreijähriges Mädchen in der Wohnung zurückgelassen. Die beiden größeren Kinder spielten in einem Koffer Ver- tecken; dabei siel der Deckel und schnappte in das Schloß. Beide Kinder erstickten; alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. .

* Paris, 21. Juli. Wie aus Con stantine beruhtet wird, haben die Heuschrecken dort ungeheuren Schaden angerichtet. Die Weinberge und große Strecken Ackerland sind vernichitet.

§ Paris, 21. Juli. In Nieul stürzte ein Gerüff ein, auf dem sich 12 Arbeiter befanden. Neun wurden töd-

14, Königreich Sachsen.

Frankfurt, 21. Juli. Die hiesigenN. N." erzählen olgende kaum glaubliche Geschichte aus Sch-vanheim: Als in Nied das Feuerwerk stattsand, ging der Wirt B. aus Schwanheim in Begleitung seiner Frau und einer Freundin derselben an den Main, um sich das Feuerwerk anzusehen. Unterwegs begegnete ihnen der Polizeidiener Wachendörfer, mit dem B. einen Gruß tauschte. Kaum waren sie einige Schritte vorbei, als Wachendörfer chnen nachkam und B. aufforderte, mit ihm zur Wache zu kommen. Er habe sich oeben vergangen, indem er die Freundin seiner Frau un- ittlich berührt habe. Trotz des Protestes der beiden Frauen; mußte B. mit zur Wache und wurde bis zum andern Vtorgen 7 Uhr eingesperrt. Da eittließ ihn W. aus der Haft und bat ihn slehentlichst, die Sache tozuschjoeigen, er hättte sich versehen. Darauf ließ sich B. nicht ein Zur Frau V hatte W. noch gesagt: ,/Schreiben Sie sofort an Ihre Eltern. Das giebt einen Grund zur Ehescheidung!"

* Frankfurt a. M., 21. Juli. Der Kassierer der Ver­waltungsstelle des Deutschen Fabrikarbeiterverbandes, Christian Kraiker, der, wie schon gemeldet wurde, Unterschlag­ungen und Fälschungen begangen hat, wurde ver­haftet. Vermutlich ist die hinterzogene Sunune höher als 1000 Mk. Da die Bücher mehrfach gefälscht und unordent­lich geführt sind und Kraiker viele Belege vernichtet hat, macht es ziemlich viel Schwierigkeiten, die Höhe der Unterschlagungen festzustellen. Kraiker soll sogar temgenommene kleine Beträge auf Sammellisten für streikende Kollegen unterschlagen haben. Erst vor ganz kurzer Jeck hatte er sich ein Fahrrad für 200 Mk. gekauft.

Cronberg, 20. Juli. Wie verlautet, treffen Prinz und Prinzessin ^riebrid) Karl von Hessen, sowie auch das griechische Kronprinzenpaar am 28. Juli wieder auf Schloß

ben. <Rne genaue Angabe der Toten ist noch nicht möglich, die Schätzungen belaufen sich, auf etwa 60 bis 70 Tote.. Tie Berliner Morgenblätter melden aus Hamburg: Bis gestern Abend wurden 26 Leichen geborgen. Die Leichen werden in der Nienstedter Kirche ausgebahrt. Als tier» Msißt werden bisher 65 Personen gemeldet, darunter elf Kinder. Die Explosion des Kessels wurde durch den Maschinisten desPrimus" verhindert, der dabei schwere Brandwunden erlttt. Sammlungen zur Unter­stützung der hinter Wieben en find eingeleitet.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, 22. Juli 1902.

** Ter G^roß-h erzo g hat sich gestern abend nach Bayreuth begeben und gedenkt am 29. d. M. nach Darm­stadt zurückzukehren. In Begleitung befindet sich Flügel­adjutant Rittmeister Kvaemer.

** Personalien. Dem Forstwart der abnormalen Tomanialforstwartei Judeneiche (Oberförsterei Laubach) Jo­hannes Wingefeld zu Wetterseld ist aus Anlaß seiner, Versetzung in den Ruhestaitd der Charakter als Förster verliehen worden.

** Kaiserpreisschießen. Bekanntlich kommt all­jährlich unter den Regimentern, deren Inhaber der Kaiser ist, für die beste Schießleistung ein von Seiner Majestät ge- sttfteter Preis zur Verteilung. Am Freitag und Samstag war nun eine Kompagnie des Gießener Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 auf dem Griesheimer Schieß­plätze, um die vorgeschriebenen Schießübungen vorzunehmen, lieber das Resultat ist bisher nichts bekannt geworden.

** Zur Ferienordnungsfrage liegt uns heute

Friedrichshof ein.

Hanau, 20. Juli. Heute tagte hier die erste Ver­bands-Versammlung des mitteldeutschen Handwerker- und Gewerbeverbandes. Als Vertreter der Regierung war Regierungsrat Liftemann an­wesend. Aus den Verhandlungen sei die Stellungnahme der Versammlung zur Frage des Befähigungsnach­weises im Baugewerbe hervorgehoben. Die zur An­nahme ,gelangte Resolution fordert den obligatorischen Befähigungsnachweis für alle zum Baugewerbe gehören­den Handwerke. Die Einführung des Befähigungsnachweises nur für Maurer, Zimmerer und Steinmetzen, die von norddeutschen Baugewerksmeistern gewünscht wird, sei ent­schieden zu verwerfen,da sie die Verdrängung der kleinen und mittleren Bauhandwerke zur Folge haben, und das Baugewerbe den Großbetrieben in die Hände liefern würde. Die meisten Bauhandwerler würden dadurch in noch größere Abhängigkeit gegenüber dem Unternehmertum ge­raten und es würde die Aufsaugung verschiedener Hand- werksarten burdj den Großbetrieb begünstigt werden." Zweckmäßig erscheine es, leine direkten Abgrenzungen zu fdjaffen; wer den Befähigungsnachweis für einen Zweig Der in Betracht kommenden Handwerke erworben habe, solle berechtigt sein, auch Arbeiten der berwandten Ge­werbearten zu übernehmen. Für diejenigen Handwerker, welche eine höhere technische Lehranstalt besucht haben, soll eine zweijährige praktische Lehrzeit genügen. Zum Schlüsse wird in Der Resolution and), der Befähigungsnach­weis für alle anderen Handwerke befürwortet, nur dadurch könnten für das Handwerk wieder gesunde Verhältnisse geschaffen werden.

Neustadt a. d. H., 21. Juli. Am gestrigen Schluß- tag des Verbandsschießens fand die Preisverteilung der 10 ersten Preise der 4 Festscheiben sowie auf lauferrdes Wild statt. Von den glücklichen Gewinnern dieser wertvollen Preise nennen wir:

Feldsestscheibe Pfalz: 1. Preis: Goldener Pokal von Prinz Ludwig, I. Seib, Offenbach, 37 Ringe.

Feldsestscheibe Mittelrhein: 2. Preis: 6 silberne Becher mit Tablette (250 Mk.) und bar 60 Mk. (Stadt Neu­stadt. 310 Mk. H. Krüger, Darmstadt. 37 Ringe. 10. Preis: Goldene Uhr, Schützengesellschaft Worms. 110 Mk. H. Staufer, Worms. 34 Ringe.

Standfest scheibe Neustadt: 2. Preis: 1 Kasten mit kompl. Besteck. Reichsrat v. Buhl. 350 Mk. Conra Jung, Mainz. 653 Teiler. 3. Preis: Vergoldeter Pokal, Schützengesellschaft Mainz. 250 Mk. Albert Kopp, Offen­bach a. M. 1116 Teiler. 4. Preis: Besteckkasten, Damen Neustadt. 250 Mk. Jean Sauer, Offenbach a M. 1282 Teiler. 5. Preis: Kasten mit silb. Besteck, Schützengesell­schaft Frankfurt a. M. 200 Mk. Gustav Vogt, Butzbach. 1322 Teiler.

Standfestscheibe Heidelberg: 1. Preis: Silberner Humpen von dem Großherzog von Baden und bar 200 Mk. Ad. Groh, Mainz. 434 Teiler.

Jagd-Scheibe (Laufendes Wild): 6. Preis: Etui mit 12 Eßlöffel und Vorlegelöffel. Psälz. Schützenbund. 110 Mk. Friedrich Perelet, Offenbach. 30 Ringe. 10. Preis: Silbernes Kaffeeservice, Schützengesellschaft Gießen 70 Mk. Frhr. v. Di em er, Darmstadt. 30 Ringe.

*" Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz sind am Sonntag Nach- mittag vier schwere Embruche verübt worden. einem

wird von dem erfreulichen Fortschritt der Tunis ache im Mittelrheinkreis sicher Zeugnis ablegen, denn seit dem letzten Kreisturnfest in Worms ist die Zahl der Gaue von 14 auf 19 gestiegen, die Zahl der Vereine hat sich mehr als ver­doppelt (von 333 auf annähernd 700), die Gesamtzahl der Mitglieder ist von 27 500 auf über 67 000 angewachsen, und gerade den stärksten Zuwachs haben die Vereine in den größeren Städten und deren Nähe und auch die Landbezirke in den Provinzen Rheinhessen und Starkenburg. So ist )ie Zahl der Turnvereine in Rheinhessen seit dem Jahre 1886 von 71 auf 127 gestiegen, von diesen dürften allein mehr als die Hälfte beim Festzug vertreten sein. Dabei hat der Mittelrheinkreis aber 19 Gaue, von denen aller­dings der Gau Rheinhessen weitaus der größte ist. Die größten Turnvereine im Kreise sind: Darmstadt Turnge­meinde 889 Mitglieder, Offenbach T.-E. 850, Wiesbaden T.-V.741, Frankfurt T.-V.720, Worms-Turngemeinde 711, Gießen T.-W. 694, Mainz T.-V. v. 1817 631, Oberstein 577, Wiesbaden Männer-T.-V. 526. Ter genaue Bestand des Mittelrheinturnkreises stellte sich am 1. Januar wie folgt: 682 Turnvereine mit 67 484 Mttgliedern, von denen 25999 inll 9803 Zöglingen fortwährend an den turnerischen Hebungen teilnehmen. 33 Frauenabteilungen; 196 Vereine im Kreis haben eigene Turnplätze, 115 eigene Turnhallen. Der 9. nnttelrheinischie Turn kreis ist nach der Zahl der Mitglieder aber der zweitgrößte unter den 15 deutschen Turn kreisen und wird nur übertroffen von dem TuMkreis

folgende Zuschrift vor:

Eine jede Ferienordnung hat ihre Vorzüge und ihre Mängel. , Ein einheilliches Urteil ro.irb weder bei Laien, noch bet Schul­männern zu erzielen sein. Wir dürfen aber annehmen, daß die Lehrer am ersten geeignet sind, die sachlichen Atomente richtig zu beurteilen und die einzelnen Gründe gegeneinattder abzuwägeu. Es ist deshalb von Interesse, festzustelleu, daß die Lehrer, sowett sie als Väter in der Feriensrage ihre Attsicht durch Abstimmung bekunden durften, sich mit großer Mehrheit gegen die beantragte Aenderung erklärt haben Vielleicht könnten die pädagogischen Forderungen mit den Wünschen der verschtedenen Elterngruppen in Einklang gebracht werden, wenn die Universität das jetzt vom 1. Mai bis 1. August laufende Sommersemester auf den Zeitraum vom 15. April bis 15. Juli verlegen wollte. Wir könnten bann, wie das fast in ganz Norddeutsthland der Fall ist, am 15. Juli vierwöchentliche Sommerferien und Ende September vierzehntäge Herbstferien eiurichien. Sommerferien, Unioersitätsserien und Ge­richtsferien würden an demselben Tage beginnen, ferner wäre es den Offizieren, die im August, unmittelbar vor den Manövern, keinen Urlaub einreichen können, möglich, noch drei Wochen mit ihren Familien gemeinsam zu verreisen, ober auch bie nach den Manövern, Ende September, liegenden Ferien zu solchen Reisen zu benutzen. B-

** Verha f tung. In P arrs wurde auf Grund einer Auslieferuwgsforberung der deutschen Regierung von der Dortigen Polizei der vierzigjährige, aus Schr attenbach gebürtige Schreiner Wilhelm Bocher verhaftet, der von der Gießener Staatsanwallschast wegen Fälschung und Betrügereien verfolgt wird. Bocher wird bis zur Erledigung der Auslieferunlgsffotmalitäten im Gefängnis de la Santö zu Paris gehalten. >

** Die organisierten Schneidermeister Hessens aus den Städten Akainz, Darmstadt, Offenbach und Worms hielten kürzlich in Darmstadt eine Versamm­lung ab. Zu dem TagesordnungspunktAnschluß an den deutschen Arbettgeber-Verband für dasSch-neidergewerbe" hatte Obermeister F. W. Dreyer aus Frankfurt das Referat. Er führte aus:

Gegenüber der organisierten Gehilfenschaft, die nod) dazu durch gewerbsmäßige Hetzer und Agttatoren auf­gereizt würde, seien die Meister, weil vereinzelt, nicht mehr Herren in chren Werkstätten; bie Gehilfenbik- tieren Löhne unb Arbeitszeit", sie schreiben vor, wen er beschäftigen darf, und wen nicht, und ber Meister müsse gehorchen, andernfalls die ihn schwer schädigende Sperre über ihn verhängt würbe. Unter diesem Terrorismus leide aber auch dertreue, friedlich gesinnte Teil der Gehilfenschaft." Denn da sie keinen Rückhalt an den Meistern haben, müßten sie sehr oft gegen ihren Willen alle Streik- und Lohnbewegungen mitmachen. Aus Grund dieser Thatsachen habe man auf dem Kongreß. Süd­deutscher Schneidermeister in München am 6. und 7. April d. I. die Errichtung eines Allgemeinen deutschen Arbeit­geber-Verbandes für das Schneidergewerbe beschlossen. Derselbe soll keine Kampforganisation zur Vernichtung der Gehilfenorganisation sein. Er solle nur das Gleich­gewicht Herstellen, damit künftig Meister- und Gehilfen- fd>aft als gleich starke unb gleich berechtigte Faktoren mit einanber verhanbeln können. Man werdealles thun, um die wirtschaftliche Lage ber Gehilfenschaft zu bessern, aber ber gewerbsmäßigen Hetzerei müsse ber Boden entzogen werben." Durch beit Verbanb würde wieder Ruhe unb Frieben zwischen Meistem unb Ge­hilfen hergestellt werben.

§ Ob er-Hörgern, 21. Juli. Ter Schyieinehänbler Joh. Gg. Düringer EU. von hier ist seit wenigen Tagen verschwunben. Man bringt bies Berschwinben in Zu­sammenhang mit einer Wechs elfäls ch.u n g, bie D. zum Nachteil bes Wirtes Joh. Metzger in Gambach begangen haben soll. D. soll auf ein mit bent Namen bes letzteren gefälschtes Accept sich von einem Gießener Bank- Hause 200 Mark haben auszahlen lassen; unb biese Fälschung soll sich jetzt, zur Zeit ber Fälligkeit bes Acceptes, herausgestellt haben.

§ Schotten, 21. Juli. Heute morgen 10 Uhr brac in ben Scheunen ber Bäckerei K. Schmidt Wwe. unb bdl Gerbers Böhm Feuer aus. Der herbeigeeilten freiw. Feuerwehr gelang es, bas Feuer auf feinen Herb zu be­schränken, baß bie Krisis halb überwunben war. Die vor­zügliche Leistung ber Wehr ist umsomehr anzuerkennen, da die Gebäude aus einem dicht aneinandergereihten Häuser- komplex herausbrannten. Unsere leistungssähige Wasser­leitung spendete aus 7 Hydranten mädjtige Wasserstrahlen. Ein Feuerwehrmann wurde durch ben Wasserstrahl am Auge verletzt, bie Verletzung soll jedoch nicht schwer fein.

[] Eichelsd ors b. Nidda, 21. Juli. Gestern abend gegen 71/2 Uhr wurde der hiesige Feldschütz Heinrich Konrad Möser oberhalb des in der Nähe der Schäser'schen Schneid- mühle befindlichen Wehres tot in ber Nidda liegend auf* gefintben. Etwa eine halbe Stunbe vorher war Möser noch von einem hiesigen Einwohner gesehen worben, wie er in ziemlich «angetrunkenem Zustanbe einen ber Nidba entlang führenden Fußweg ging. Zweifellos ist Möser infolge seiner Trunkenheit vom Wege abgekvmmen unb in bas Wasser ge­fallen, aus bem er sich nidft mehr heraushelfen konnte.

Worms, 21. Juli. Das Mittelrheinische Kreis- turnf eft, vor <Kem ber große Festzug am 3. August,

lich, drei leichter verletzt.

* Madrid, 21. Juli. Ein durch heftiae Regengüsse verursachter Bergsturz zertrümmerte in der Nähe von Catalayud zwei Hauser. Bei dem Einsturz kamen zwei Personen ums Leben.

* Triest, 21. Juli. Das hiesige Lloyd-Palaisl droht einzustürzen. Das Mauerwerk zwischen ben; Fenstern zeigt sehr ausgebehnte klaffenbe Risse. Der; große steinerne Balkon ist geborsten unb mußte gestützt! werben. Die Fayade in ber Via Erzato ist stark beschäbigt.

* Zürich, 21. Juli. Am Fuße einer Felswanb in der Nähe bes Albulapasses sanden Touristen eine Leiche, welche als bie bes Maschinisten Oreste Brezzi agnosziert wurde, der am 10. Juli von Preba nach Engadin ab- gereift, unb seitdem verschollen war. Der Tod ist durch Absturz erfolgt.

Budapest, 21. Juli. Der preußische Ingenieur Rob. Hilbert unternahm mit seinem Kollegen Adolf Buschwitz eine Automobilfahrt. Während derselben wurden sie von einem heftigen Gewitter überrascht. Der Blitz schlug in das Automobil ein, dessen Benzinreservoiv im nächsten Moment explodierte. Buschwitz wurde auf der Stelle getötet, Hilbert erlitt lebensgefährliche Ver­letzungen. .

* Graz, 21. Juli. Wie dasGr. D." aus zuverlässiger Quelle meldet, wurde sämtlichen Offizieren der hie«, figen Garnison von maßgebender Sette nahegelegt, dem in dieser Wock>e stattfindenben SänAer-BundesfosI fern zu bleiben.

* Ein neues Schiffsunglück wttd heute aus Kiel gemeldet: Eine Barkasse mit zwei Kuttern unb einem Tinghy im Schlepptau würbe heute nachmittag gegen 2 Uhr von bem WerftdampferAlarm" angerannt. Der Kutter von der ersten Kompagnie der 1. Dorpedoabteilung ist ge­kentert, der Heizer Keßler ertrunken. Eine Barkasse von der 1. Torpedoäbteilung befindet sich auf der Unfalls stelle. Die Leich.e Keßlers ist bereits geborgen.

* In folge von Duellen, bie im vergangenen Mai inD 0 beln ftattfanben, haben berLeipz. Volksztg/r zufolge bie beteiligten Offiziere, einerseits bie Leut­nants v. b. Decken, v. Gutbier unb Lösche, andererseits Hauptmann Freiherr Lod)ner von Hüttenbach ihren Abschied nehmen müssen. In die in der Angelegenheit geführte Untersuchung smd noch mehr Personen verwickett gewesen; über bie Ursache zu ben Duellen lasse sich kaum etwas angeben, da strenges Geheimnis gewahrt werde., Gleichzeitig teilt das Blatt mit, daß jetzt auch der Kom­mandeur des in Döbeln garnisonierenden 139. Infanterie- Regiments, Oberst Weigel, feinen Abschied erhalten hat.

* Schimpfende Gemeinderäte. In den letzten beiden Gemeinderatsfitzungen zu Stuttgart kam es zu lebhaften Auseinanberfetzungen zwischen zwei Gemeinbe- räten. Gemeinberat Sperka nannte ben Gemeinberat Heim blödsinnig" unb dieser bezeichnete jenen als einen Flegel der Sozialdemokratie". Schließlich ermahnte ©enteinberat Levi bie Kollegen, doch nicht einen Ton an- Zuschlägen, ber mir auf bem Wiener Rathaus üblich sei.

* Hin Pfarrer erschossen! Man melbet aus Bamberg, daß Pfarrer Koehler von Steppach auf bem Wege von Alexanbersbab nad); Rebwitz erschossen aufgefun- ben wurde.

Kunst und Wissenschaft.

Ein interessanter Frmd aus der Saalburg ist in ben letzten Tagen gemacht worden. Es handelt sich um einen etwa 4 Etm. langen und "/« Etm. im Quadrat messendenOkulisten* stempel" aus weichem grauen Stein, ber im Bezirk ber bürger­lichen Niederlassung auf dem Kellerboden des mit Nr. 15 bezeich­neten Hauses rechts von der Römersttaße nach Heddernheim durch einen glücklichen Zufall gefunden worden ist. Die vier Schmal­seiten tragen emgeschnittene Inschriften. Die eine lautet:

misus ad aspfritudinem]

Die andere auf der entgegengesetzten Seite: C. Xanthi Pen- icille at im[petum].

Die beiden anderen Seiten enthalten einzelne Buchstaben^ zeichen, deren Sinn noch nicht entziffert werden tonnte. An­scheinend handelt es sich um Namen von Käufern, die die Rezepte bezogen haben, welche der Augenarzt Xanthus, offenbar ein griechischer Freigelassener wie die meister feiner Kollegen, fernen Klienten verschrieb. Als Heilmittel gegen Augenentzündung empsiehtt er ihnen zunächst eine Zinksalbe. In der Erklärung des zweiten Mittels gehen die Ansichten der Gelehrten auseinander. Während die einen darin eine Vorschrift zur Anwendung eines Schwammes zu sehen glauben, handelt es sich nach anderen ebenfalls um ein Heilmittel. Diese Ansicht vertritt unter anderen der Franzose Es- pärandieu, der sämtliche bisher bekannte Okulistenstempel (225) in einem größeren Werke behandelt hat, nachdem früher bereits ber berühmte Entzifferer der Keilschrift Prof. Grotefend sich mit der Sache beschäftigt hatte. Bei dieser Gelegenheit fei daran erinnert, daß vor Jahren umreit der jetzigen Fundstätte bereits ein Rezept­stein des Augenarztes Lepidus zutage kam. Daß derattige Spezia­listen im römischen Heer thatsächlA thattg waren, ist ja bezeugt. Ter neue Fund ist zur Zett im Saalburgmuseum des Kurhauses zu Homburg mit ben eittsprechenden Siegelabbrücken zu sehen. Aus der Saalburg ist man augenblicklich damit beschäftigt, eines­teils einige Keller der bürgerlichen Niederlassung.mit ihren Ent­wässerungsanlagen anszngraben und in der üblichen Weise wieder auszusegen, anderenteils die porta principalisainistra sreizulegen, wobei interessante Reste des alten Kastells mit fernen Kasjernatteir

* Berlin, 21. Juli. In der Mhe von Berlin haben zwei Kaufleute im Alter von 53 und 35 Jahren Selbstmord durch Erschießen begangen.

* Berlin, 21. Juli. Eine Mutter mit ihren! beiden Kindern wurde in ihrer Wohnung in der Witt> tockerstraße am Thürpfosten erhängt nachmittags tot auf-