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22.7.1902 Erstes Blatt
 
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BebrrnerLich ist die Lage der in unserem Bezirk stark vertretenen Tabak-and CigartTenfabvrkation.*) Hierzu lauten sämtliche Berichte ungünstig. Der Rückgang in der Tabakindustrie wird hergeleitet aus der steigenden Vor­liebe für Cigarre und Cigarette und den zur Erlangung von Aufträgen nötigen höheren Spesen, in der Cigarrenindustrie find vor allem die hohen Preise des Rohmaterials, die An­sprüche der Kundschaft an Ausstattung des Fabrikats und der Verpackung und endlich der schlechte Geschäftsgang in der DetaUbrauche die Ursachen. Dieser schlechte Geschäftsgang der Detailbranche machte sich aber hauptsächlich in einem Rück­gang des Absatzes in Cigarren billigerer Preislage geltend.

Bei der überaus schlechten Lage des Ersen- marktes und der M et allo ran ch e können die Be­richte über Bergbau, Hüttenwesen, Metallverarbeitung, In­dustrie und Maschinen, Instrumente und Apparate als durchaus erfreulich bezeichnet werden. Im Braun­steinbergbau wurde ein höherer Durchschnittspreis erzielt als 1900, und es wird dies nur dem Umstande zugeschrieben, daß die meisten Hütten ihren Bedarf für 1901 bereits im Mürz und Juni 1900 gekauft hatten. Das Ergeb-nis des Jahres 1901 war zufriedenstellend. Wenn auch, die Eisenverhüttung und Eisengießerei im Zeichen des wirtschaftlichen Niederganges gestanden hat, war auch hier ein befriedigendes Gesamtergebnis zu erzielen. Das erhoffte Erträgnis des Hochofenbetriebes wurde jedoch durch das Jusionsgeschäft des Roheisensyndikats beeinträchtigt. In der Eisengießerei trat trotz der Ungunst der Ver­hältnisse eine Weigerung der Produktion ein. Die Ver­kaufspreise waren allerdings niedrig. Der augenblickliche Auftragbestand sichert auf lange Zeit hinaus eine gleich­mäßige Produktion. Die Fabrikation gesundheitstech- nischer Apparate, von Kondensatiönsünlagen hatte speziell in Gießen weniger zu leiden, da der Ausfall der aus der Industrie erfolgenden Aufträge gedeckt wurde durch größere Bestellungen aus Einrichtung öffentlicher Schwimmbäder, sodajß ein lebhafter Geschäftsgang zu erwarten steht. Das Beleuchtungswefen zeigte in seiner technischen Enb- wickelung eine aussteigende Tendenz, und es machte sich hier der allgemeine Rückgang nur in einer lebhafteren Nachfrage nach billigeren Sachen geltend. Als gut wird ferner die Lage der Lassens chranfkfab rikation be­zeichnet. Leider fehlen vollkommen authentische Berichte über den Geschäftsgang der Maschinenfabriken, aber auch hier scheint die .Gesamtlage sich weniger fühlbar gemacht zu haben.

Weniger günstig war die Lage der Industrie der Steine und Erden. Die Braunkohlensörderung und Brikettsäbrikatiou erlitt in der Meiten Miste des Be­richtsjahres einen rapiden Rückgang infolge der wirtschaft­lichen Depression, der Konkurrenz und Ueberproduktion bei rückgängigen Preisen. Es wird dabei über unzureichende Abnahme seitens der Händler bei schlechtem Geschäftsgang geklagt, während der Kohlenhandel fick darüber beschwert, daß er zur Abnahme gezwungen werde Die schlechte Lage der Zementindustrie beeinflußte die Absatzsähigteit der Zementsabrikation aufs nachteiligste. Der Absatz in Ver­blendsteinen zeigte eine rückläufige Konjunktur, während die Nachfrage in der Steinsäbrikation und Ziegelei leb^ haft war.

Obwohl sich in der Lack- und Firnißfaibrika- tion die Bestellungen nur auf den Bedarfsbauf beschränk­ten, infolge der in der Metaflbranche Herrschlenden De­pression, und die Rohmaterialienpreise chren hohen Stand behaupteten, war das Geschäft doch nicht ungünstrg. Ebenso war das der Fall im Absatz von Farben und Oelfarben. Nur bei der Produktion von Bleiweih standen die Produk­tionskosten und die Preise des Fabrikats in argem Miß­verhältnis. Der Drogen- und Färb w ar enhaud el hatte nicht unter Rückgang zu leiden, ebensowenig die Seifensabrftkation

Der Holzhandel war infolge der steigenden Preise für Steinkohlen vom Standpunkte des Waldbesitzers günstiger, dagegen war der Holzhandel im engeren Sinne, in geschnittenen Hölzern, Bauholz, Brettern und Bahn- schwellen recht schlecht. Nach, der Eisenindustrie habe die ^Lutzholzbrauche und das.Schwellengeschäft am meisten durch den wirtschaftlichen Rückgang gelitten, wird konstatiert. Auch das Grubenholzgeschäft flaute ab, während der Absatz an Leitungsmasten für elektrische Beleuchtung zuftiedeustellend war. M öbelfab r i kation und Möbelhandel litten unter dem aHgemeineit geschäftlichen Niedergang; vor allem aber beeinträchtigte die öfterreichf-ungarische Kon­kurrenz die Möbelsabrikation.

Für die Preßsp ah n- und Pappenfabrikation brachte der schlechte Geschäftsgang der Textilindustrie eine starte Verringerung des Absatzes mit sich In Pappen und Papier herrschte anfangs eine überaus starke Nachfrage, und der Absatz vollzog sich, schlank bei guten Preisen; die Fabrikation schien zeitweise der Nachfrage nicht gewachsen zu sein. Im April trat jedoch ein Umschwung ein, die Fa­briken suchten Aufträge. Da der Großhandel sich jedoch genügend vorgesehen hatte, mußte die Produktion einge­schränkt werdet:, imb da gleichzeitig auch die Rohmaterialien- preise sanken, gestaltete sich die Preisbewegung zu einer allgemein rückläufigen. Der Papier- und Schrei bs- Materialienhandel war befriedigend.

Für die Leinenindustrie war das Jahr 1901 eins der schwierigsten, die fte seit langem durchs gemacht. Infolge von zwei Flachsmißernten in Rußland waren die Rohmaterialienpreise gestiegen. Dazu kam noch die Lage der Gesamtindustrie, die sich auch in der Textil­industrie fühlbar machte nid) auch speziell in der Leinen­industrie zu BetriÄseinschränkungen führte. Doch sind in der letzten Zeit die Aufträge bereits wieder regelmäßiger geworden .

Tie Lage der Betten - und Wäschebrauche ließ W wünschen übrig. Tas Manufakturwarengeschäft war zufriedenstellend und wurde nur im Herbst durch das milde Wetter benachteiligt. Tiefer letztere Umstand machte sich auch im Tuch- nud Buxkinhandel (en gros) bemerkbar, der ebenfalls über Geschäftsflaue im Herbst klagt. Von! den übrigen berichtenden Msstattungsbranchen sind noch die Korsetfabrijkation, deren Lage als nicht befrie­digend trotz gleichen Absatzes bezeichnet wird, zu er­wähnen, die Kürschnerei', H u t f a br i ka ti on und

Sch'whw are n b rucrrrche. Aus bfe LDrschnerer und Schuh- wareubranche übte das milde Herbstwetter fernen Einfluß, während die Hutfabrikatiou einen befriedrgenden Absatz hatte.

Von einer Rückwirkung der Allgemeinlage blieb auch das Buchdruckgewerbe nicht verschont.

Das Borstengeschüft weist gegen das Vorjahr keine Aenderung auf und konnte sich über den Stand des Mittel­mäßigen nicht erheben.

Trotz des allgemein schlechten Geschäftsganges in der Lederbrauche lautet der uns zugegangene Bericht svechst günstig. Der Handel mit Fellen und Rauchwaren war in Anbetracht der herrschenden Krisis zufriedenstellend.

Interessant ist e§(, daß in Gießen die Bauthätig- keit im abgelaufenen wie im Vorjahre ziemlich lebhaft war, sodaß eine Ueberpr o dukttio n an Wohnungen besteht, die allerdings für die nächsten Jahre eine Benach­teiligung des Baugewerbes zur Folge haben wird.

Der Leipziger Bankprozetz.

XXIV.

Leipzig, 2L Juli.

Rechtsanwalt Rosenthal äls Verteidiger der An­geklagten Dodel, Meyer, Schröder und Völker giebt zunächst einen kurzen Ueberblick über die Organisation und Thätig- keit der Verwaltungsorgane und führt aus, die Verteidigung ei gezwungen, fid} dem Umfange der Beweisaufnahme mzuschließen, um eine Klarstellung der Ursachen des Zu- ammenbruchs der Bank, hervorgerufen durch die Ver­bindung mit der Trebergesellschaft, herbeizusühren, wobei ie sich nicht der Ueberzeugung verschließe, daß ein Teil ier moralischen und zivilrechtlichen Schuld, aber durchaus nicht strafbaren Schuld, auf die Angeklagten falle, weil ie nicht rechtzeitig die Gefahr erkannt, Halt gerufen, und zur Umkehr ausgefordert haben. Um die Ursachen zu kennen, sei es nötig, sich mit der Persönlichkeit des Treber- chmidt zu befassen, dessen großer Einfluß auf Exner un­verkennbar em tiefer gewesen sei, und dessen Handeln überall bittere Enttäuschung Mer die Treoergesellschjaft gebracht habe. Dem Aufsichtsrat der Bank seien im Laufe der Satzungen nur zwei Obligoverzeichnisse Kassels vor­gelegt worden, während ihnen vier weitere jetzt nach einem Jahr bei der Bank gefundene Verzeichnisse und Kopien von 1900 niemals zu Gesicht gekommen seien. Die Aus­sichtsratsmitglieder hatten eine strafgesetzliche Gefahr im Geschäftsbericht und im Expose der Bank nicht erkannt. Der Verteidiger wendet sich sodann speziell der Anklage gegen Dodel in Bezug auf das Delikt der Untreue und plaidiert vurf mülbernde Umstände für alle feine Klienten.

Nach kurzer Mittagspause plaidiert als letzter Ver­teidiger Rechtsanwalt Dr. Zehnte für die Angeklagten Fiebiger, Vörster und Wilkens. Er sucht nachzuweisen, daß seine Klienten mangels voller Kenntnis aller zwischen der Leipziger Bank und der Trebergesellschaft vorhandenen Beziehungen unmöglich sich der Verschleierung hätten schuldig machen können. Redner fordert die .Geschworenen auf, die Schuld fragen ^u verneinen. Darauf wird >ie Fortsetzung der Verhandlung auf morgen vertagt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 2L. Juü 1902.

* Wingolf, Wie wir bereits wiederholt kurz mit­eilten, feiert in den ersten Tagen des August die christliche StudentenverbindungWingolf" ihr öOjähriges Stiftungsfest. Das Fest wird sich, wie man uns heute schreibt, sicherlich zu einer großartigen Feier gestalten, und zugleich der Stadt ein arbenreiches, buntes Bild bieten, denn der ganze Bund der Wingolfoerbindungen, mmmehr aus etwa 20 einzelnen Kor­porationen bestehend, wird dabei vertreten sein. Das Fest beginnt Dienstag den 5. August d. I., abends um 6 Uhr damit, daß die Gräber von Mitgliedern des Wingolf auf hiesigem Friedhof, sowie der Gedenktafeln der 1870/71 Ge- allenen mit Kränzen geschmückt werden; um 81/i Uhr ist dann in Steins Garten die Begrüßungskneipe. Der Morgen des 6. August bringt dann nach gemeinsamem Zuge auf den Gleiberg, den Gründungsort des Gießener Wingolf, dort zu­nächst eine ernste Feier, daran anschließend den Festkonvent, auch eine photographische Aufnahme der Festteilnehmer und dann Frühschoppen auf der Burg. Nach der Rückkehr zur Stadt findet in Steins Garten um 1 Uhr Festessen statt und um 7 Uhr abends Festzug, der fich vom Wingolfhaus nach Steins.Garten unter Durchziehens der Hauptstraßen unserer Stadt bewegen wird. Dort äst der Hauptfestkommers. Donnerstag den 7, August vereinigen sich um 10 Uhr die Alten Herren zu einem Konvent im Philosophenwald, worauf um 11 Uhr daselbst Frühschoppen ist, dem um 1 Uhr ein gemeinsames Mittagessen folgt. Abends um 5 Uhr ist ein großes Gartenfest in Steins Garten, wobei vor allem die gewiß zahlreich erschienenen Damen zu ihrem Rechte kommen sollen. Die verschiedenen, mit Bestimmtheit zu erwartenden inoffiziellen" Nachfeiern sind natürlich in das Programm noch nicht ausgenommen.

[J Der Gießener Zweigverein der Gustav- Adolf-Stiftsung hat sein diesmaliges Jahresfest, wie es in dem veröffentlichten Programm vorgesehen war, am vorigen Sonntag in Allendorf a. d. Lumda ge­feiert. Am Vormittag predigte Dekan Wagner ans Grün- bevg, am Nachmittag Pfarrer Glück ans Heuchelheim. Beide Gottesdienste waren stark besucht. Später fand eine Nachf- versammlnng auf dem Kirchenplatz statt, bei der Pfarrer Gußm ann ans Kirchberg über die evangelische Bewegung in Oesterreich berichtete. Der einbrechende Regen, so er­wünscht er im übrigen sein mochte, war der im Freien tagenden Versammlung nicht günstig. Er nötigte, die Ver­handlungen früher abznbrech^en als beabsichtigt war. Dre eingegangene Kollekte im Betrage von 43 Mk. wurde von dem Kirchenvorstand für Mühlheim bestimmt. Ans dem am Vor­mittag vom Schriftführer erstatteten Rechenschastsberrcht sei erwähnt, daß der Zweigverein Gießen int letzten Jahre 2757 Mk. eingenomi'.-m hat. Diese Summe setzt sich zn- sammen aus einem kleinen Zinsenertrag und den Beiträgen von Stadt und Land. Aus den Landgemeinden gingen 734 Mk. ein, aus Gießen 1821 Mk. In Gießen brachte der Frauenverein den größten Teil der JahreSbeiträge auf.

mittags von 46% und abends von 7%91/, auf der Terrasse Konzert der Kapelle des Thüringischen Manen-Re- giments Nr. 6 aus Hanau. Bei gutem Wetter spielt die Kurkapelle nachmittags von 4%6^ im Hochwald. Abends 810 Uhr im Saale Tanz. Freitag 25. Juli, nachmittags von 4^6% und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: Einmaliges Gastspiel von Madame Pvetie Guilbert. Dazu: Orpheus in der Unterwelt. Samstag 26. Juli, nachmittags von 4%6% und abends von 810 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr TheatervorstellungFrauenkampf". Vorläufige An­zeige: Sonntag 27. Juli, Doppelkonzert des Kaiser-Cornet- Quartetts und der Kurkapelle. Mittwoch 30. Juli im Saale Konzert: Johann Strauß aus Wien.

[ Aulen-Diebach, 21. Juli. Nun verschwinden, durch! Anlage der Feldbereinigung die letzten Kirfch- bäum e aus unserer Gemarkung, an denen wir einst so rench waren. Tie Besitzer wsssen eben nich,t, ob ihnen diese Banm-> stücke nach Neueinteilung des Feldes wieder zufallen und! möchten diese kostbaren unbezahlbaren Bäume nicht in anderen Händen s ehen. Aehnliche Vorgänge lassen sich ans vielen umliegenden Ortschaften berichten. Einst vor 20 bis 30 Jahren hatten wir hier die herrlichste Kirschen­allee, Hunderte von Bäumen zierten einen Gemeindeweg. Es war eine Lust, zur Zeit der Blüte und der Reife jenen; Weg zu wandeln. Und wenn die KirschM versteigert wur­den, da deckte die ganze Umgegend ihren Bedarf, und die Gemeinde hatte eine schöne Einnahme. Heute hat die Ge­meinde Aulendieb ach an Stelle der Kirsch!enallee eine Birnenällee, die manchmal kaum 100 Mk. einbringt. Der trockene Sandboden an jenem Weg eignet sich eben nur für den Kirfchhaum.

Frankfurt, 21.Juli. Die Theaterbau-Kommissiou batte dieser Tage eine Sitzung, der auch Baumeister Seeling aus Berlin bei­wohnte. Dieser erklärte, er könne die bestimmte Verpflichtung übernehmen, das neue Schauspielhaus so zeitig in allen seinen Teilen betriebsfähig zu übergeben, daß am 2 5. Oktober dieses Jahres die e r st e V o r st e l l u n g erfolgen kann. BewMigt sind für den Theaterneubau 1900 000 Mark. Es soll höchstens eine mäßige Ueberschreitung dieser Summe in Aussicht stehen. Nach dem heutigen Stand der Ausgabenberechnung ist es aber nicht ausgeschlossen, daß die bewilligte Summe ausreicht. Der Vor­stand der katholischen Kirchengemeinde hat ein Grund­stück an der Mainzer Landstraße, in der Nähe der Galluswarte, erworben. Der Kaufpreis für das 75 000 Lüuadratsuß zählende Terrain soll 300 000 Mack betragen. Es ist beabsichtigt, dort Kirche nebst Pfarrhaus sowie rückwäcks ein Schwesternhaus zu erbauen.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehendes Artikel übernimmt die Redaktion bent Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wir ersuchen die Herren Einsender, ihre Manuskripte mit auf einer Seite beschreiben zu wollen.

Die Red. d. Gieß. Anz.

Die Gießener Omnibus-Gesellschaft würde fich vielen Dank erwerben, wenn sie den ersten Omnious morgens früh, der 6 Uhr 25 Min. ab Marburger- und Grünbergerstraße fährt, ca. 58 Minuten früher abgehen lassen würde. Der erste Zug nach Köln geht schon 6 Uhr 50 Min., der Omnibus soll 6.45 am Bahn­hof antommen; häufig bei öfterem Anhallen geschieht dies noch später; es bleiben also dann noch 14 Minuten Zeit, sich eine Fahrkarte zu lösen, dann so rasch wie möglich auf die andere Serta zu laufen, und wenn man glücklich durch die Unterführung gelangt,, vielleicht im letzten Augenblick noch den Zug zu erreichen, falls er nicht gerade vor der Nase fortfähck. Es kommen nämlich um diese Zell auch ein Zug von Wellburg, Bahnsteig 5, und von Nidda, Bahnsteig 4. Beides Arbeiterzügc, also voll besetzt, und den mit diesen Zügen entsteigenden Passagieren rennt man unbedingt^ an der Sperre, auf den Treppen und in der Unterführung zu­sammen. Durch die Früherlegung der Fahck des ersten Omnibus würde man 1) früher auf dem Bahnhof sein und so dem Gedränge entrinnen, 2) den Zug nicht verpaffen, 3) hat man vielleicht noch Gelegenheit, sein Gepäck zu expedieren, was zurzeit ganz aus­geschlossen ist. Für den ^Betrieb macht es sicher nicht vick ans, die Wagen 5 Minuten früher gehen zu lassen. Dieselben werden dann auch besser besetzt sein, da man ja so gezwungen ist, zu Fuß zu gehen. -h.

Mit Freuden begrüßt man es, daß der d.-öster. Alpenvereut den Weg von Station Lich bis Kloster Arnsburg so markiert hat, daß selbst ein Unkundiger ihn leicht findet. Leider lassen aber die Wege von Lich nach Arnsburg, zumal der im sogen. Klosterwald", vick zu wünschen übrig. Mll den Steinen, die nutzlos auf und neben dem Wege zerstreut liegen und nur das Passieren desselben sehr erschweren, tonnte man ein Stück Weg (haussieren. Wie gern würde man um sich schauen und an dem herrlichen Walde sich erfreuen, aber leider ist man beständig ge­nötigt, den Blick zu senken, um den dicken Steinen ausziuveichen, wenn man nicht riskieren will, Schaden zu nehmen. Endlich langt man in Arnsburg an, und ist froh, wenn man mll heiler Haut in der netten Wirtschaft sich für den üblen Bußgang. stäcken kann. Nach Walldüren zu wallfahren, hat man nicht nötig, denn der Gang durch den Klosterwald nach Slrnsburg sst noch schlimmer, clls auf Erbsen zu gehen. Möchte doch endlich die Forslbehörde dafür sorgen, diese schon seit Jahren bestehende Wegkalamität zu be= eiligen, sie könnte des Dankes der Besucher Arnsburgs gewiß fein.

Einer für Viele.

Bad-Nauheim^ den 16. Juli 1902.

Bezugnehmend auf die von einem hiesigen Lkorrespondenten xflc auswärtige Blätter gemachten Mittellmigen betreffend die Errich­tung eines besonderen Militär-Kurhauses haben wir zu bemerken, daß, abgesehen von der Frage, ob bei einem solchen Ueberfluß an Wohnungen überhaupt ein Bedürfnis zur Errichtung einer derartigen Anstalt oorliegt, die Mllllärpersonen doch nicht ohne Aufsicht während ihres Kuraufenthalles sind. Letztere erfolgt durch den Vorsitzenden des hiesiaen Kur- und Verschönerungsvereins unter Mitwirkung der Herren Äerzte. Die Kontrolle wird ausge­führt, indem der mit der Aufsicht Beauftragte in steter Fühlung mit den Quartiergebern bleibt und daselbst nicht nur Erkundigungen über das Verhallen der Mllllärpersonen einzieht, sondern auch die Quartiere öfters unerwartet revidiert. Jeder grobe Verstoß gegen eine regelrechte Durchführung der Kur wird mit der sofortigen Entziehung der dem Patienten zugebilligten Wohlchat der Badckur bestraft. Erfreulich ist berichten zu können, daß nur höchst selten der Beauftragte in Verbindung mit dem den Patienten behandeln­den Arzte von Strafmitteln Gebrauch machen mußte, überhaupt sind grobe Verstöße gegen die Kurordnung noch nie vorgekommen, denn fast jeder Patient ist, auch im eigenen Interesse liegend, darauf bedacht, durch ein kurgemäßes Verhalten seine frühere Ge­sundheit wieder zu erlangen, und dadurch erwerbs- und dienstfähig zu werden, da bei einer eventuellen Nichtwiederherstellung er der Gefahr ausgesetzt ist, mit Bezug einer geringen Pension im besten Lebensalter seine bisheckge Stellung aufgeben zu muffen. Schließ­lich sei noch bemerkt, daß der größte Teil unserer Militärkurgäste aus schwer Herzleidenden besteht, was schon aus der Thatsache hervorgeht, daß die Sterblichkellsziffer im Verhältnis zu der ge­ringen Zahl der Patienten eine sehr hohe ist. Wir führen nur an, daß von 22 im Jahre 1892 hierher gesandten Mllllärpersonen zwei starben.

* ) Anmerkung: Cigarrensabriken 1901 im Gewerbeinspektions- bezick Gießen, nach dem Jahresbericht der Großh. Heff. Gewerbe- inspcktion für 1901:

Anzahl der Männliche Arbeiter. Weibl. Arbeiter Fabrllen Erwchs. Jugendl. Erwchs. Jugendl. Stadt Gießen 19 291 20 720 78

Umgebg. von \

Gießen (

34

146

20

978

163

Außerhalb desi Kreises Gießen/

M

73

7

30

1

nämlich 1362 Mk.

Bad Nauheim, 21. Juli. Unterhaltungen. Mittwoch 23. Juli, nachmittags von 4^6^ und abends von 810 auf der Terrasse Konzeck der Kuckapelle. Abends Rubinstein- und Liszt-Konzeck. Abends 8 Uhr Theatervor­stellung: »Alt-Heidelberg.". Donnerstag 24. Juü, nach­

Gedarrkeufplitter.

Zeige mir Deine Zähne und ich will Dir sagen, ob DuOdol brauchst^