einem „der Verstand sofort drin stillsteht." Wer, was beweisen Sie damit? Die 144649 ML 34 Pfg. Ausgaben Gießens für Volksschulzwecke zeigen doch eben nur, daß Gießens Lolksschulwesen ein ziemlich ausgedehntes ist (andere Städte — Worms — zahlen auf jeden Fall mehr), lins aber werden Sie doch dafür nicht verantwortlich machen wollen, das wäre unbillig, ja ungerecht. — Gehalte und Wohnungsgeldzuschuß geben Sie ganz richtig an, wie es nack) Ihrer bewiesenen Sachkenntnis nicht anders zu erwarten war; Sie erzählen uns sogar, was uns selbst nicht geläufig war, wieviel Lehrpersonen sich in den einzelnen Gehaltsgruppen befinden. Wenn Sie aber bedenken, daß ein Lehrer erst mit 30 Tienstjahren in den Genuß des Höchstgehaltes kommt, also in einem Lebensalter, wo man bald an den Wschluß seiner Bücher denken muß; wenn Sie ferner bedenken, daß der Lehrer auch nach Einführung der Offenbach- Wormser diormen in einem Alter, da das Leben die meisten Anforderungen stellt, also vom 27. bis 40. Lebensjahre sich in den Gehaltsgrenzen (mit Wohnungsgeldzuschuß- von 2100 bis 2900 bewegen würde, so werden Sie wohl zugebcn, daß auch nach etwaiger Neuregulierung kein Lehrer von den Gehaltsbezügen allein zum reichen Atann würde. Gehen Sie doch einmal in eine Lehrerfamilie und sehen Sie, wie da gerechnet wird und werden muß. Wahrscheinlich sind Sie in der angenehmen Lage, mit anderen Ziffern rechnen zu können; denn wir vermuten in Ihnen einen Mann, den die Verhältnisse nicht zwingen, seine Kinder in die Volksschule zu schicken, denn in diesen Kreisen finden wir im allgemeinen viel mehr Verständnis für unsere Lage als bei Ihnen, getreuer Eckhard! — Wir empfehlen Ihnen aber auch zum vergleichenden Privatstudium die Gehaltssätze derjenigen städtischen Beamten, denen wir nach unserer Vorbildung etwa gleichstehen dürften. Dort finden Sie andere Anfangs- und Endgehälter; dort wird das Höch st gehalt nicht mit 30, sondern mit 20 Tienstjahren erreicht; dort finden Sie keine dreijährigen, sondern lauter einjährige Aufrückungsfristen, was thut das allein schon aus! Finden Sie diese Beamten nun überschwänglich hoch besoldet? „Diese Beamten haben aber doch mehr Verantwortung als ein Lehrer", hören wir Sie sagen. Wieso? Wird vielleicht von ihnen mehr verlangt als von uns, nämlich Treue und Gewissenhaftigkeit im Amt? Und kennen Sie, g. E., eine höhere Verantwortung auf Erden, als die, Ihre Kinder zu tüchtigen Menschen heranzubilden? Wir Lehrer teilen uns mit dem Elternhaus in diese Verantwortung und nehmen sie sehr ernst. Wenn wir allerdings einmal soweit sind, daß alle Verantwortung mit der Elle gemessen unb nach dem Groschen abgeschätzt wird, dann ist es weit gekommen und schlimm, besonders für uns Lehrer, denn ziffernmäßig können wir unsere Verantwortung nicht nachweisen, lund unsere Gewissenhaftigkeit im Amt kommt ja „nur" den Kindern, sogar „nur den Kindern der Minden- bemittelten" zu gute.
Wer beruhigen Sie sich, g. E., der Vergleich mit anderen Beamten schließt noch keine Forderung der Gleichstellung mit ihnen ein; in unserem Gesuche ist ja daher auch nur von Gleichstellung mit unseren Kollegen die Rede. Wer doch wollen wir noch betonen: Wenn Sie etwas beweisen wollten, hätten Sie beweisen müssen, daß es, ein Unding wäre, wollte
man einen Lehrer, der die Zeit bis zum 20. Jahre seines Lebens mit hohen pekuniären Opfern einzig und allein der Vorbereitung auf seinen Beruf gewidmet hat, auch nur annährend so bezahlen wie einen Beamten, der schon während seiner Ausbildung, manchmal schon vom 15. Jahre an, Be Zahlung erhalten hat.
Sie reiben arns ferner unsere „genügend freie Zeit" unter die Nase. Glauben Sie nur, getr. E., unsere oberste Behörde läßt uns diese freie Zeit nur aus wohlerwogenen Gründen. Sie müssen nicht denken, daß, wer täglich acht Stunden aus dem Bureau oder Kontor thätig ist, auch im stände sei, bei den Ansorderungnen, die der heutige Unterricht an Lehrer und Schüler stellt, auf die Dauer täglich ebenso lange in schlechter, verbrauchter Luft zu denken, zu beobachten, zu sprechen und der geistige Führer von 50, 60 und mehr Unmündigen zu sein. Um da urteilen zu können, müßten Sie den Unterricht selbst einmal kennen lernen mit all seinen täglichen und stündlichen, nervenzerrüttenden Enttäuschungen, Aufregungen undVerbitterungen. Leider aber kennt die Welt die Sck)ulc nur im Sonntagskleide von Festen und Prüfungen her; könnten die Eltern sehen, was hinter den Schulwänden oft an einem Tage, ja in einer Stunde an Lebensmut und Arbeitsfreude geknickt wird, wahrlich sie würden die Lehrer ihrer Kinder oft gerechter beurteilen, und wahrscheinlich auch Sie, getreuer Eckhard.
Noch ein Wort zu der „wesentlichen Erhöhung des Einkommens durch private Unterrichtserteilung." Hören Sie: Keiner der hiesigen Lehrer erteilt wohl Privatunterricht zum bloßen Vertreib seiner vielen freien Zeit, sondern wohl aus anderen „zwingenden Gründen", und das spricht eigentlich für unser Gesuch, denn der Staat ließ bei Normierung der Beamtengehälter den Grundsatz maßgebend sein, daß jeder Beamte so bezahlt werde, daß er nicht gezwungen ist, zur Ergänzung seines Einkommens noch Privatarbeiten zu übernehmen. Die Vergütung für den Förtbildungsunter- richt, den die Lehrer ja bekanntlich auf behördliche Anord- nuna hin zu erteilen haben, ermäßigt sich für die Einzel- stunoe ganz wesentlich, wenn Sie in Betracht ziehen, daß nicht wenig freie Zeit geopfert werden muß für Vorbereitung, Korrektur und Konferenzen. Und gar der Unterricht an der Kaufmännischen Fortbildungsschule, an dem 4 ganze Volksschullehrer beteiligt sind, wäre sicher nicht in Seren Hände gekommen, wenn andere geeignete Leute vorhanden wären, denen er so gar verlockend und einträglich erschiene. Doch über die „wesentliche Erhöhung" der Lehrergehälter durch „private Unterrichtserteilung" lassen Sie sich besser einmal von den wenigen direkt Beteiligten Aufichluß geben!
Zum Schluß aber, getreuer Eckhard, sagen auch wir Ihnen unfern verbindlichsten Dank für Ihre Wachsamkeit, denn „zwei Seelen wohnen, ach! in unserer 93ruft", und auch wir sind „Steuerzahler". Wir bitten Sie, unterstützt von Ihrer bewiesenen. Sachkenntnis in der nun einmal eingeschlagenen Richtung aucb für die Zukunft getreulich Ihres Amtes zu walten, aber nicht nur in Bezug auf die Lehrer; vielleicht giebt es einmal Gelegenheiten, bei denen es sich eher lohnt, Wache zu stehen, wie auch seither vielleicht schon Ihrer Thätigkeit manchmal ein weiteres Feld offen
gewesen sein dürfte . Und damit Gott besohlen, getreuer
Eckhard! '
Die Lehrer an den städt. Volksschulen zu Gießen.
MöihrMcht WerWdtt Todkssällk ia der Ltadt SikßkU.
14. Woche. Dom 6. bis 12. April 1902. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeusziffer: 22,08, nach Abzug von 5 Ortsfremden 12,O5°/ro.
Kinder
ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensiahr: 2.—15. Jahr
Scharlach Lungenschwindsucht
2
4 (2)
1
4 (2)
—
1
Lungenkatarrh
1
1
—
—
Nierenentzündung
1
1
—
—
Gehirnentzündung
2 (1)
2 (1)
——
■V-
Krebs
1 (1)
1 (1)
—
—
6;ehirntuberkulose
1
—
—
1
Lebensschwäche
2 (2)
—
2 (2)
—
Schlagflutz
1 CD
1 (1)
—
**•
Selbstmoro
1
1
—
Summa:
16 (7)
12 (5)
2 (2)
2
91 nm.: Die in
Klammern gesetzten Ziffern geben an,
wie viel
der Todessälle in der betreffenden Krankheit aid vo,r arrSwärtS nach
Gießen gebrachte Kranke fommen.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
«ochste Temperatur am 20. bis 21. April 22,6° C.
üedrigste u „ 20. „ 21. „ 10,6" C.
April
Barometer aus 0° reduziert
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der Lllft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
21.
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19,0
6,9
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NW.
4
Bew. Himmel
21.
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7,9
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Klarer „
22.
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748,1
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2
Sonnenschein
Hergestellt aus nur allerbesten 9iohmaterialien nach den neuesten Forschungen der Wissenschaft und Technik mit dem Zusatz deS „Myrrholins", dessen heilenden, conservirenden, antiseptischen und neubildenden Eigenschaften einäg in ihrer Art keiner anderen Toi» lettenseife innewohnen, hat die „Patent-Myrrholin-Seise" den Ruf als
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