ruck» ausgebildeten Mann, die im stände sind, jede Truppe, welche ine Kaiserlichen noch, ins Feld stellen können, zu schlagen. Der Bericht sagt weiter, das Land sei zweifellos reif für einen Ausstand. Fortwährend kämen Plünderungen vor. Die Trockenheit verhindere die Aussaat voil Fruhjährsreis. Die Landarbeiter ernährten sich daher jetzt durch Räubereien. Wahrscheinlich stehe eine Hungersnot bevor. Gut unterrichtete Leute seien der Ansicht, daß ein Aufstand drohe, ähnlich der Taiping- rebeUion.
Washington, 21. März. Der Senat nahm die Vorlage betr. Aufhebung der zur Zeit des Krieges mit Spanien eingesührten Kriegssteuern, und die Bill zum Schutze des Präsidenten an. Danach wird selbst bei einem Versuch, den Präsidenten, Vizepräsidenten oder ein Kabinettsmitglied zu ermorden, aus To des- strafe erkannt. Ferner soll der Präsident eme beson- oere Wache erhalten. Aufreizung zu diesen Verbrechen .wird mit Gefängnis bestraft.
Born Burenkrieg.
Bougutunterrichteter Seitewirduns aus Lpndvn mitgeteilt, daß die Widerrufung der in der viel genannten Proklamation Lord Kit- chen ers enthaltenen Klausel, die Verbannung aller gefangen genommenen Burenführer betreffend, unmittelbar bevorstehen soll. Der König, der durch die Freilassung und Behandlung Lord Methuens (bekanntlich einer „perfona gratis) ima" bei den Atajestäten) seitens des -Generals Delarey auf das tiefste berührt worden ist, hat wie es heißt, den Kriegsminister zu sich beschießen und diesem seine Willensmeinung in einer Weise kund gemacht, die der obersten Kriegsleitung nur den Ausweg lassen dürfte, dem Wunsche des Königs zu entsprechen. — In den einsichtigeren Kreisen des englischen Volkes ist man schon leit geraumer Zeit zu der Ansicht bekehrt worden, daß die Prollamation eitel Schall und Rauch sei und am besten gar nicht erlassen worden wäre. Das ist die Ansicht vieler einflußreicher Engländer.
Mr. Winston Churchill erklärte dieser Tage im Konservativen Klub in Manchester, er sei für ein Kompromiß mit den Buren.
Ein Telegramm aus Volksrust (Transvaal) meldet mit Bezug auf die militärischen Operationen zwischen ine) er Grenzstation gegen Natal und Standerton: „Nur wenige Buren kamen uns zu Gesicht, das Land ist aber von halb wild gewordenen Pferden, durch? aus in bester Kondition, überlaufen. Wir fingen einige ein, den Rest aber brachten wir um, damit er nicht in die Hände des Feindes falle. An einem Tage erschossen wir nicht weniger als 350." — Die „St. James Gazette" bemerkt hierzu: „Was sollen wir dazu sagen? Wir senden Monat um Atonal 10 000 unklimatisrerter Pferde, Tausende und Tausende von Meilen über das Meer nach Südafrika, was uns jeden Monat eine viertel Million Pfund kostet. Dort sind'unsere Leute in einem „vom Feinde gesäuberten" Landesteile, in einem nur einige Meilen von Johannesburg entfernten Bezirk, mit guter Eisenbahnverbindung und schi eßen„Pferdeinbester Kondition" ineinem Tage zu Hunderten ab. Wenn das Sparsamkeit ist, was ist dann Vergeudung? Wenn das eine rationelle Kriegsführung ist, wozu brauchen wir dann, im Namen des gesunden Menschenverstandes, ein Remonteu-Departe- ment? Wir geben es auf, das Rätsel zu lösen. Mag baS Kriegsministerium gethan oder unterlassen haben, was immer — wer fragen wir, wird mit der viel kritisierten Botschaft des Kriegsministers nicht üb er einstimmen, die da fragte. „Wir können nicht unablässig Monat um Monat 10 MO bis 12 000 Remonten nach senden, die dann von den Kommandanten der Kolonnen binnen wenigen Tagen auf- gebraucht werden."
Zum Kapitel „Agrarzölle"
erhalten wir von der Sv l m s-L a ub ach scheu Rentkammer folgendes Schreiben:
In Nr. 64 Ihrer Zeitung vom 17. März 1902 schreibt ein Herr E. Krumm unter der Überschrift: „Agrarzölle, eine Antwort an Herrn Professor Hetz" wörtlich:
„für das Pachtland wird ein Steigen der Getreidepreise erhöhte Pachtpreise im Gefolge Haven und dem Bewirtschafter glitte nur ein größeres Stück Geld durch die Hand, aber nichts davon käme in seine Tasche. Einem großen Pächter in Utphe bei Hungen wurde bereits vor einigen Wochen 16 Mark pro Hektar mehr gefordert, mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die durch erhöhte Zölle zu erwartenden höheren Getreidepreise."
Insoweit der Vordersatz*) des Herrn E. Krumm von diesem etwa durch das nachfolgende Beispiel des Hof- gutes Utphe mit Gründen belegt werden soll, ist die Beweisführung verfehlt. Denn
1. sind weder 16 M k. pro Hektar für das Gräfl. Hofgut Utphe mehr gefordert, noch werden sie mehr gefordert werden! Der Pachtvertrag des alten Herrn Pächters lautet seit 24 Jahren auf 80 Mk. pro Hektar. Der gleiche Preis wurde bei der Neuverpachtung gefordert. Als der alte Pächter sich weigerte, ihn zu zahlen, ist öffentliche Konkurrenz der Pachtliebhaber veranlaßt. Unter mehreren ernstlichen und landwirtschaftlich erfahrenen Bietern ist einem der Gräfl. Verwaltung genehmen Herrn der Zuschlag zum Preise von 88 Mark pro Hektar, — also 8 Mark und nicht, wie Herr Krumm berichtet, 16 Mark pro Hektar mehr erteilt.
Den Artikelschreiber hat vielleicht der Umstand irre geführt, daß in den letzten 5—6 Jahren auf Anträgen des Pächters die anderweite Verpachtung einzelner Grundstücke des Hofgutes an kleinere Pachttiebhaber genehmigt worden war. Diese ergab sehr viel höhere Preise, welche dem alten Pächter aus seine Bitte zu Gute gerechnet wurden. Die dadurch gewährte Vergünstigung sollte allerdings jetzt mit Beginn der neuen Pachtperiode in Wegfall kommen.
2. Wie schon aus dem Vorhergehenden sich ergiebt, ist die im Laufe der Verhandlungen dem alten Pächter gestellte Forderung von mindestens 80 Mk. pro Hektar aus dem Grunde geschehen, um das Gut nicht von seinem alten Preis abkommen zu lassen. Diese Forderung ist auch keine unbillige, oder eine etwa durch „den ausdrücklichen Hinweis aus die durch die erhöhten Zölle zu erwartenden höheren Getreidepreise" zu motivierende gewesen. Das hat auch der Ausgang der Verhandlungen erwiesen. Uebrigens liegt es für den unbefangen Urteilenden auch auf der Hand, daß ein solcher „Hinweis auf die Zölle" bei der erst kürzlich gefchehenen Neuverpachtung hätte erfolglos fein müssen.
*) Wir erachten übrigens diesen Vordersatz ohnehin nicht als zutressend, würden vielmehr bei Zustandekommen ausreichender Getreidezölle auch für unsere Herren Pächter die ihnen von uns gern gegönnten Vorteile sicher erwarten.
Denn bereits seit Monaten ist das Schicksal der Zolltarifvorlage höchst zweifelhaft. Ueberdies würden doch wohl solche vagen Hinweisungen auf mögliche Zollerhöhungen schwerlich die Gutspachtpreise in die Höhe schrauben gege- über erfahrenen, sachverständigen Landwirten und Pachtliebhabern eines großen Hofgutes, welche doch selber rechnen können und müssen.
Die Preisbildung bei der Neuverpachtung von U t p h e ist eben völlig unabhängig von der Z o l l - frage erfolgt unb lediglich verursacht durch ernstliche Konkurrenz in der Nachfrage nach einem für wertvoll gehaltenen Wetterauer Gut, dessen andere, in kleinen Stücken verpachteten Parzellen durchschnittlich 116 bis 120 Mark pro Hektar jährlich bringen. Dieser Fall der Preissteigerung bildet eine Ausnahme, welche offenbar allein durch die Wertschätzung gerade dieses Wetterauer Gutes verursacht ist; bei anderen Neuverpachtungen von Vogels- be r g er Hofgütern Gräflichen Besitzes sind in den letzten Jahren die Pachtpreise überall sehr erheblich zurückgegangen (z. B. Obernseener-Hof, Henrietten-Hof)."
Aus Atuöl und KlindV
Gießen, 22. März 1902.
** „Großherzog und Sozialdemokrat." Nach der „Frkf. Ztg." soll S. K. H. unser Großherzog Ernst Ludwig auf dem letzten parlamentarischen Abend das Gespräch mit dem sozialdemokratischen Abg. Ulrich mit folgenden Worten eröffnet haben:
„Man hat sich da§ vorigemal hüben und drüben sehr darüber aufgeregt, daß ich mich mit Ihnen unterhalten habe. Mir hat es ja nichts geschadet, wohl aber Ihnen bei Ihren Genossen!"
** Souder-Personenzüge. Ans Anlaß des. Osterverkehrs verkehren in der Zeit vom 27. März bis 1. April im Eisen- bahndirektionsbezirk Frankfurt Sonderzüge, von denen wir die für Gießen in Betracht kommenden hervorheben. Auf der Strecke Gießen-Köln werden folgende Züge abgelassen: Am 1. April ab Gießen 12.30, an Köln 5.12, am 27. März und 1. April ab Gießen 5.15, an Köln 10.37 abends. Auf der Strecke Köln-Gießen: Am 1. April ab Betzdorf 9.22, an Gießen 11.36; am 28. März ab Köln 9.50, bis Betzdorf 12.15; am 29. März, 1. und 2. April ab Kalk 12.23, an Gießen 4.47; am 27. und 29. März ab Köln 2.57, an Gießen 7.40 abends; am 29. März ab Köln 7.25 abends bis Betzdorf. Auf der Strecke Marburg—Frankfurt: Am 27. und 29. März und 1. April ab Gießen 11.46, an Frankfurt 2.03, ab Friedberg 7.46 abends, an Frankfurt 8.40 abends. Am 29. und 31. März und 1. April ab Gießen 8.08 abends, an Frankfurt 10.08 abends. Auf der Strecke Frankfurt—Marburg: Am 27. und 29. Marz und 1. April: Ab Frankfurt 2.40, an Gießen 4.47; am 26. und 27. März ab Frankfurt 5.30, an Gießen 7.38 abends. Auf der Strecke Gießen—Fulda: Am 27. und 29.März ab Gießen 5.00. Am 1. April ab Fulda 2.12, an Gießen 4.31. Wir empfehlen den Reisenden, nach Möglichkeit diese Vorortzüge zu benutzen, weil diese auf den Abzweigungs- tationen die Anschlüsse an andere Züge sicherer erreichen, als die nachfolgenden Hauptzüge. Sämtliche Züge haben 4. Klasse. Die Beförderung erfolgt zu gewöhnlichen Fahr- -reisen. Die Ar b eiter züg e, die sonst am Samstag ahren, werden auch am Donnerstag, 27. März, und diejenigen, die sonst am Montag fahren, werden auch am Dienstag, 1. April, ab gelassen.
** Neue Schnellzüge. Die am 1. Mai ins Leben treten» een neuen Schnellzüge zwischen München-Frankfurt und in umgekehrter Richtung erhalten Blitzzugsgeschwindig- keit und werden nur in Ansbach, Würzburg, Aschaffenburg/ Hanau und Offenbach anhalten. Die ganze Strecke wird in 6* 1 2/! resp. 63/4 Stunden zurückgelegt.
** Auf dem Verbandstag deutscher Gafiwirtsgehilfen, der gegenwärtig in Mainz tagt, hielt Ullmann-Dresden am Mittwoch einen Vortrag über die Stellenvermittelung im Gastwirtgewerbe. Daran schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der u. a. Oefelein-Mainz Vorfälle bei einem Mainzer Vermittler schilderte, der sich nicht scheue, armen Kellnerinnen 30 Mk. abzuverlangen trotz des ministeriellen jessischen Erlasses, der derartiges verbietet. Es wurde schließlich folgende Resolution gefaßt: „Die von den Zentralbehörden erlassenen Verfügungen, betreffend die Geschäfts- ührung der Kommissionäre, sind nicht geeignet, die Schädigung des Vermittlerunwesens zu beseitigen. Trotzdem haben diejenigen Ortsverwaltungen, denen eine solche Verordnung zur Seite steht, sie zu Gunsten der Gehilfen möglichst aus- j Unützen. Des Ferneren werden die Ortsoerwaltungen beauf- : ragt, alles Material (Uebertretung des Erlasses) zu sammeln und der Hauptverwaltung einzusenden. Die Hauptverwaltung wird beauftragt, das Material den Zentralbehörden zu unterbreiten und eine Verbesserung der einschlägigen Gesetzgebung (U fordern. Im Uebrigen erklärt der Verbandstag die voll- tänbig kostenlose reichsgesetzlich geregelte Arbeitsvermittelung ür das zu erstrebende Ziel."
** Frühliugscrwachcn. Der Verfasser des unter dieser Stichmarke gestern von uns veröffentlichten Gedichts heißt nicht Louis Rompf, sondern Louis Roloff.
][ Lauterbach, 21. März. Die unter der Leitung des großh. Oberlehrers und Rektors Foermes stehende hiesige höhere Bürgerschule war im Schuljahre 1901/02 nach dem oeben erschienenen Jahresbericht von 72 Knaben und 19 Mädchen besucht. Davon stammten 76 aus Lauterbach, 12 aus anderen hessischen Gemeinden und 3 aus anderen beut» chen Staaten. 87 waren evangelisch, 1 katholisch, 9 israel. An ber Anstalt unterrichteten 10 Lehrkräfte. Im Laufe bes Jahres traten im Lehrkörper folgenbe Veränberungen ein: Lehraintsasseffor F. Franz würbe mit Wirkung vom ersten April ab mit Verwaltung einer Lehrerstelle an ber Real- unb Lanbwirtschaftsschule zu Groß-Umstabt beauftragt. An seine Stelle trat Lehramtsaceessist Werner, vorher Mitglieb bes päbagogischen Seminares in Gießen. Seinem Wunsche ent- prechenb würbe Schulvenvalter Kurz zum Verwalter einer Lehrerstelle an ber Musterschule zu Friedberg ernannt. Für ihn trat Schulamtsaspirant Rühl aus Maar als Schulverwalter in das Kollegium ein. Da mit Genehmigung des Ministeriums die Zahl der Lateinstunden erhöht wurde, übernahm Pfarroerwal ter Müller in Maar von Herbst ab in Lauterbach als Hilfslehrer in 2 Klaffen den Lateinunterricht. Im Laufe des Wintersemesters wurde er definitiv als Stadtpfarrer hier angestellt. Das Schuljahr schloß am 19. März. Das neue Schuljahr beginnt am 7. April.
Offenbach, 21. März. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte gestern das Gesuch des Gastwirtevereins von Offenbach und Umgegend, betreffs die Einführung der Bedürfnis frage bei der Erteilung von Konzessionen zum Betrieb von Gast- und Schankwirtschaften einstimmig ab.
Frankfurt a. M., 20. März. Der Frankfurter Magistrat will die Messe vom nächsten Jahre ab auf 14 Tage vermindern und den Juxplatz völlig aufheben. Die Altstadt, die große Vorteile von der Messe zu haben behauptet, protestiert dagegen und verlangt, daß der Beschluß solange hinausgeschoben werde, bis die völlige Erschließung ber Alt- stabt durchgeführt sei.
Vermischtes.
* Straßburg, 21. März. Gestern Nacht 10 Uhr kam am hiesigen Bahnpostamt ein Kurssack abhanden. Amtliche Feststellungen haben ergeben, daß er kurz nach zehn Uhr vor dem Bahnhof angekommen ist. Er ist dann aus dem Postwagen in einen Karren verladen und durch den Auszug auf den Bahnsteig befördert worden. Der Postschaffner, ber bie Verantwortung hatte, mußte die Treppe hinaufgehen. Als er oben ankam, war der Sack verschwunden, der über 34 000 Mark enthielt. Es liegt zweifellos Diebstahl vor, der mit solcher Raffiniertheit ausgeführt ist, daß der Thäter mit den Verhältnissen unbedingt genau Bescheid haben muß. Em bestimmter Verdacht hat sich bisher nicht ergeben. Der Postschaffner kommt nicht in Frage, er ist aber sofort vom Dienst suspendiert worden.
* Paris, 21. März. In Privas wurden bei den Auf- räumungsarbeiten eines durch eine Feuersbrunst zerstörten Pachthofes drei Kinder erstickt aufgefunden.
* Bern, 21. März. Im Hotel „Beau Rivage" iw Lausanne schoß der Marquis de Lagoy auf seinen Schwiegervater Lamee de la Salle mit einem Revolver zwei Schüsse. Der Zustand des Verwundeten ist befriedigend. Die in den Kopf gedrungene Kugel ist noch nicht gefunden. Der Marquis stellte sich selbst der Polizei.
Bilin, 21. März. Die Berglehne der Sauerbrunnenanlage ist durch eine Erdrutschung in Bewegung geraten.
* Eine Universität in Liv erp o ol zu gründen ist das Ziel einer eifrigen Agitation in der Stadt. Um diese Bewegung zu fördern, hat ein reicher Schiffsrheder von Liverpool, Johnston, 25 000 Pfd. Sterl. gespendet.
Gerichtssaal.
M. Gießen, 14. März. Strafkammer. Den Vorsitz führe Landgerichtsbirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat ber seitherige Staatsanwalt Zimmermann. — lieber bas Vermögen des Kaufmanns Sally Strauß in Friedberg, der daselbst ein zur Buchführung verpflichtendes Geschäft betrieben hat — der Umsatz betrug jährlich ca. Mk. 60 000 — wurde im Dezember der Konkurs eröffnet. Es stellte sich heraus, daß der Angeklagte jahrelang Bllanzen zu ziehen unterlassen hatte und daß auch die Buchführung derart mangelhaft war, daß sie keine Uebersicht über den Vermögensbestand zuließ. Es ergab sich, baß eine Ueberschuldung in Höhe von Mk. 30 000 vorhanden und die Gläubiger um ca. 80 Prozent ihrer Forderungen beschädigt worden waren. Mit Rücksicht auf diese schwere Schädigung Dritter, sah das Gericht von Zubilligung mildernder Umstände ab und verurteilte den Angeklagten wegen einfachen Bankerott3 zu einer Gefängnisstrafe von zehn Tagen. — Der Gastwirt Theodor Schädel von Oberlais lebt seit längerer Zeit mit der Wittwe Schäfer von- dort, die ein uneheliches Kind von ihm hat. in Feindschaft, die bereits verschiedentlich zu Thätigkeiten zwischen beiden geführt hat. Gelegentlich eines Sühnetermins vor dem Bürgermeister m Oberlais mißhandelte der Angeklagte die Schäfer mit einem Holzscheit, weshalb ihn das Schöffengericht Nidda wegen einfacher Körperverletzung zu Mk. 15 Geldstrafe verurteilt hatte. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hob die Strafkammer das Urteil auf, indem sie den Stock als gefährliches Werkzeug, die Strafthat mithin als gefährliche Körperverletzung ansah, und verurteilte den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Geldstrafe von Mk. 50. — Der Landwirt Heinrich Walz aus Bönstadt ist vom Schöffengericht Altenstadt wegen Mißhandlung seiner Ehefrau zu 2 Monaten 4 Tagen Gefängnis verurteilt worden. In ber heutigen Verhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte ferner Ehefrau mit solcher Wucht in bie Seite gestoßen hatte, daß ein Rippenbruch erfolgt war. Ta — nach dem objektiven Besinden — eine Entzündung des Rippenfells in der Lunge durch die Verletzung hätte herbeigeführt werden können, so hielt bas Gericht bie Körperverletzung als mittels das Leden gefährdender Behandlung erfolgt und beließ es — unter Verwerfung der Berufung des Angeklagten — bei ber zweimonatlichen Gefängnisstrafe. — Der Leinweber Friedrich Warnung aus Langenschwarz, gegen den Anklage wegen Betrugs im wiederholten Rückfall und wegen Körperverletzung erhoben ist, ist in dem heutigen Verhandlungstermin unentschuldigt aus-- gdblieben; die Verhandlung wurde vertagt und Haftbefehl gegen ihn erlassen. — Der Arbeiter Otto Reisdorf aus Bergvorwerk i. Schlesien hat einem Kameraden eine Taschenuhr gestohlen, bie derselbe ihm kurz zuvor mit aoberen Wertsachen gezeigt hatte. Er erhält wegen bes un Rückfall begangenen Diebstahls eine 6monat- liche Gesängnisftraie. — Die vielfach vorbestraften Pflästerer Joh. Schröder aus Nidda und Schuhmacher Karl Stumps aus Lich sind des Betrugs im wiederholten Rückfall beschuldigt. Sie haben in einer Wirtschaft in Gießen durch die Vorspiegelung, Schröder habe eine Kuh im Schlachthaus stehen, durch deren Berkaus er in wenigen Stunden eine größere Barsumme erlange, den Wirt bewogen, ihnen Speisen und Getränke zu kreditieren, ohne daß sie dann Zahlung leifteten. Schröder wird zu 9 Monat, Stumpf, der nur Beihilfe leistete, zu 2 Monat Gefängnis verurteilt. — Die (Strafgefangenen Kaspar Debus unb Peter Schmitt aus dem Landeszuchthaus in Marienschloß gerieten eines Tages in — durch Debus veranlaßen — Streit, in dessen Verlauf Debus nach Schmitt mit einem Messer stach, während dieser eine sogen. Klemme bei ber Schlägerei benutzte. Mit Rücksicht darauf, daß die Strafthat in einer Anstalt verübt wurde, bie gerabe zur Besserung der An- jeflagten bienen sollte, hält das Gericht eine exemplarische Be- trafung angebracht und verurteilt Debus als den Anstifter unb Hauptbeteiligten zu 1 Jahr, Schmitt als den in den Streit Hinein- gezogenen zu 2 Monat Gefängnis. — Der Taglöhner Wilhelm Stadter aus Pollenzig hat gegen ein Urteil des Schöffengerichts Gießen, das gegen ihn wegen Bettelns auf 6 Wochen Haft und Ueberweisimg an die Lanbespolizeibehörbe erkannt hat, Berufung eingelegt — mit bein Erfolge, daß bie Freiheitsstrafe aufrechterhalten bleibt, die Ueberweisung ms Arbeitshaus dagegen aufgehoben wird.
Frankfurt, 20. März. In dem Prozeß der Koickursmaffe der Tabakhandlung Königsberger u. Eie. mit der Kommerz- unb Dis kontobank, der von jener Firma Tabak im Werte von 230000 Mark als Faustpfand überwiesen wurde, war von dem Konkursverwalter Dr. Berg dieser Betrag angefochten worden. Aus den vor Kurzem gepflogenen Verhandlimgen hatte sich ergeben, daß die Tabakfirma, um sich zu halten, Wechselreiterei getrieben und ber Bank auch fingierte Forderungen überwiesen hatte. Der ganze Rechtsstreit drehte sich nun um die Frage, ob bie Bank bei Abschluß des angefochtenen Faustpfcmbvertrages die bevorstehende Zahlungseinstellung und die Absicht des EridarS kannte, bie übrigen Gläubiger zu Gunsten der Bank zu benachteiligen. Die Bank will lediglich an eine vorübergehen de Zahlungs schwierig- fei t, wie sie auch sonst vorkomme, geglaubt haben, alles andere ei ihr unbekannt gewesen. Das Gericht erkennt in feinem Urteil baß zwar einige Indizien vorhanden feien, bie für bie Annahm'


