Ausgabe 
22.1.1902 Erstes Blatt
 
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ch e n - Freienseen, begrüßte die erschienenen 14 Herren, ent­wickelte die Vorteile einer Vereinigung der Erziehungsvercinc und empfahl, trt den Teilen unserer Provinz, die noch eines Erziehungsvereines entbehren, möglichst bald mit der Gründung eines solchen vorzugchen; denn durch die neue Gesetzgebung werde die Notwendigkeit einer Zwangserziehung viel eher aus­gesprochen, als es früher der Fall gewesen sei, und die Er- ziehungsvereine seien dadurch notwendig, um den aus- iführenden Behörden mit Erfahrung, Auffindung würdiger Pflegeeltern, Ueberwachung der Pfleglinge usw. an die Hand zu gehen. Einstimmig wurde dem Vorschlag der Gründung eines Erziehungsverbandes statt- Zegeüen mit Anlehnung an den Oberhessischen Ver­ein für Innere Mission. Als Grundsatz wurde dabei ausgesprochen, daß die Erziehungsvereine zur Unterbring­ung der Kinder wohl miteinander in Verbindung treten sollen, daß aber keiner direkt in das Gebiet des anderen eingreifen dürfe, daß vielmehr ^eder für sich völlig kom­petent bezüglich der Pflegefamrlien seines Bezirks sein muß- Auch soll die Visitation der Kinder nur dem Leiter desjenigen Erziehungsvereins zustehen, in dessen Gebiet der Pflegling wohnt. Selbstverständlich wird dadurch die Aufsicht der staatlichen und kommunalen Behörden nicht berührt. Der Vorsitzende hatte auch schon die von ihm entworfenen Verbandssatzungen vorgelegt, die -einzeln durchgesprochen wurden, deren cndgiltige Redaktion aber dem ueugewahlten Vorstand, Pfarrer Röschen- Freienseen, Pfarrer Mickel - Gonterskirchen und Pfarrer Weber-Lang-Göns, überlassen wurden, der sie der im Herbst stattfindenden Jahresversammlsing zur definitiven Annahme vorlegen soll.

x Ober hessischer Geschichtsverein. In der Versammlung des Oberhessrschen Geschichtsvereins am Donnerstag den 23. d., abends S1/» Uhr, im oberen Sale des Eafs Ebel, wird Herr Dr. W. Köhler, Privat­dozent der Kirchengeschichte an der Landesunivcrsität, einen Vortrag über den Katzenelnbogischen Erbfvlgestreit bis zum Augsburger Reichstag vom Jahre 1530 halten. Die Beteiligung ist nicht auf die Mitglieder des Vereins be­schränkt, Gäste sind vielmehr, wie uns mitgeteilt wird, willkommen.

** Leicheu-Ueberführung. Die Leiche des vor ca. zwer Jahren hier in der Klinik verstorbenen und hier beigesetzten brasilianischen Gesandten Henrico de Mirando wurde in der vet-gangenen Nacht exhumiert, um nach Bremen und von dort in die Heimat des Ver­storbenen, nach Brasilien übergeführt zu werden.

§ Hoch - Weisel, 22. Jan. Bei der gestrigen Bürg er - meisterwahl wurde das seitherige Ortsoberhaupt WÜrner fast einstimmig wiedergewählt. Es ist dies das viertemal, daß er zu unserem Bürgermeister erkoren wurde.

Oberhörgern, 20. Jan. Welches Interesse man hier dem Bahn bau Butzbach-Lich entgegenbringt, be­weist die Thatsache, daß die hiesige Gemeinde für den Bahnbau 50000 Mark zeichnete, im Verhältnis zu der Ein­wohnerzahl die höchstgezeichnete Summe aller an der Bahn interessierten Gemeinden.

Hungen, 21. Jan. Auf hiesiger Braunkohlengrube und BrikettfabrikFriedrich" ist die Hochsaison vorüber. Infolgedessen findet bereits größere Ueberproduktion statt, «und es stand die Entlassung von etwa 150 Arbeitern bevor. Die Direktivii hat dem Hauvtbetciligten an der Brikett­fabrik, dem in Haft befindlichen Bankier A. Ster nb e r g in Berlin die Sachlage mitgeteilt, worauf Sternberg in loyalster Weise verfügte, daß keine Arbeiter-Entlassungen staltfinden sollen, er werde die an den Betrieb gestellten hohen finanziellen Anforderungen in jeder Weise decken.

(?) Vom Vogelsberg, 21. Jan. Folgendes nette Geschichtchen, das sich bei den Vermessungsarbeiten für die Nebenbahnstreckc Grebenhain-Gedern über Hartmannshain zutrug, erzählt man ii chhier: Ein Bauer sagte:Es ärgert mich aach, daeß de Boh über Hartmetszah geht, däi mächt mer Wiese für ugesähr 2000 Mark kaputt." Es wurde ihm erwidert:Ei, is da do nix se mache?" Er antwortete:Jao, eich waoß jo, ca. (ein) Faißche Bier Hots mich schp' gekost, soweit se ieich jo i der Reih mit, wann nou kao annern komme onn mache mer kao Baelstraich."

Heldenbergen, 21. Jan. Auch amRothenberg" zwischen Heldenbergen und Eichen wurde eine ehemalige große römischeAnsiedelung freigelegt. Bei den dort vorgenommenen Ausgrabungen stieß man auf eine Um­fassungsmauer, die eine Länge von 150 Meter» und eine Breite von 90 Meter hatte. Die Umfassungsmauer schließt eine ganze Anzahl einzelner Gebäude in sich. In einem der frei» gelegten Gebäude befand sich ein Keller, aus dem eine Reihe wertvoller Funde zu tage gefördert wurde, nämlich Lanzen, Messer, ein Dolch u. a. m.

8. Darmstadt, 21. Jan. Zu der von der Darmstädter Studentenschaft veranstalteten Bismarck-Feier im städti­schen Saalbau, waren der Großherzog, Großfürst Ser­gius, Staatsminister Rothe, Provinzial - Direktor v.. Grancy, das Profefforen-Kollegium, an seiner Spitze der Rektor Prof. Schering und viele hohe Gäste erschienen. Der Besuch war außerordentlich gut. Den Hauptteil des Abends füllte das vorzüglich dargestellte Ender'sche Fest­spiel,Kampf und Sieg" aus, an dessen Ende dem Dichter H. Enders sowie dem Ober-Regisseur Valdeck Lorbeerkränze überreicht wurden. Mit der Feier mar ein großer Bazar verbunden, bei dem zahlreiche den besten Kreisen angehörige Damen als Verkäufermnen von Blumon, Postkarten usw. fungierten. Die Begrüßungsansprache hielt Stud. E. Völsing, während Stud. G. Schnude die Festrede hielt. Beide endeten mit einem begeisterten Hoch auf den Großherzog und den Kaiser. Der Saalbau war mit Fahnen, Emblemen und Wappen prächtig geschmückt. Die Feier, die mit einem Ball schloß, ergab einen stattlichen Reinertrag.

+ Wetzlar, 21. Jan. Der Bienenzuchtverein hielt am vorigen Sonntag seine General-Versammlung ab. Im vergangenen Jahre wurden 11 neue Mitglieder ausge­nommen, sodaß die Gesamtzahl der Mitglieder jetzt 44 ist. , Man hat in unserem Kreis ein reges Interesse für die Bienenzucht.

Kunst und Wissenschaft.

Ernst Wichert, dessen Tod wir bereits in unserem Vormittags- blatte meldeten, genoß als Verfasser von Dramen und Romanen, besonders aber als Novellist in weiten Kreisen verdientes Ansehen. Er war am 11. März 1831 zu Insterburg in Ostpreußen geboren, studierte in Königsberg die RecAe und wurde 1860 Kreisrichter in dem Marktflecken Prökuls bei Memel, im äußersten Nordostcn der preußischen Monarchie. Hier sammelte er den Stoff zu seinen vor- 'trefflichenlilhauischcir Geschichten", £ic, in zwei Bänd cur erschienen^ zu Leu besten deutschen 9chvellen gezahlt zu werden verdienen. W. -ro<L Lm ausgezeichneter Kenner Leb lithauffchen Bevölkerung seiner

Kniversttüts-Nachrichten.

3teilten t. Der am 20. o. M. verstorbene Universitäts- Professor Geheimrat Tr. v. Ziemssen, der langjährige erste Direktor des städt. Krankenhauses 9)1 ünchc n l. d. Isar, ist einer Lungen- entziindung erlegen. Hugo Wilhelm v. Ziemsscn wurde 1829 in Greifswald geboren, bat also ein Alter von über 72 Jahren er­reicht. Seine medizinische Studien begann er in seiner Vaterstadt und setzte sie dann in Berlin und Würzburg hier besonders unter Virchow, dessen Privatassistent er ein Jahr lang war fort. 1854 bestand er summa cum laude das Staatsexamen in Berlin und war daraus bis 1861 Assistent an der internen Klinik in Greifs­wald. 1856 habilitierte er sich, 1863 folgte er einem Ruf als ordent­licher Professor der klinischen Medizin nach Erlangen, iuo er 1866 mit 91. Zenker dasDeutsche Archiv für klinische Medizin" be­gründete und sein großesHandbuch der speziellen Pathologie und Therapie" herausgab. Wahrend des Krieges 1870/71 dirigierte v. Ziemsscn einen Sanitätszug von Nürnberg nach Frankreich, und mar im Auftrag eines Hilfskomitees in den Hospitälern von Metz hervorragend thätig. 1874 siedelte er als Direktor des städtischen Krankenhauses l. d. Isar nach München über. Hier rief er die Institution der Unterärzte ins Leben, eröffnete 1877 das erste deutscheklinische Institut", trug für spezielle Ausbildung in der Laryngoskopie, Otiatri und Dermatologie Sorge und begründete 1878 dieAnnalen der städtischen Krankenhäuser in München", die eine musterhafte Verwertung von Krankenhaus-Statistik und -Kasuistik repräsentieren. So entfaltete Ziemssen in München, wo man ihn zum Ehrenbürger mad)te, im Dienst der leidenden Mensch­heit eine ungemein gesegnete Thätigkeit, als Mensch wie als Arzt gleich hilfreich, edel und gut, und setzte dieses Wirken in treuester Erfüllung seiner ebenso zahlreichen mic schweren Pflichten in un­vergleichlicher Elastizität und Frische des Körpers und Geistes bis hart an sein Lebensende fort. Eine Straße Münchens wird den Rainen des Verstorbenen tragen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Gießen, 21. Jan. (V ic h m a rk t b e r i ch ü) Der gestrige Diehmarkt hatte einen Austrieb von 1200 Stück Rindvieh, darunter etwa 250 Kälber und 360 Schweine. Der Handel gestaltete sich überaus flau. Es mangelte an Käufern, sodaß bei dem großen Auftrieb die Preise gegen die des letzten Marktes erheblich herunter- gingen. In Milchvieh war besonders gutes schweres Vieb am Markt, für das aber nur geringe Kauflust vorhanden war, sodaß ein Teil der Ware unverkauft den Markt verlassen mußte. Auf die Preise des vorhandenen Fettviehes und der aufgetriebenen Kalber wirkte der schlechte Handel, der in der vergangenen Woche auf den großen Fettviehmärkten am Rhein und am Main stattfand, über­aus ungünstig, sodaß auch hier die Preise abschlugen. Der Handel in Gangvieh war unbedeutend, es blieb selbst bei dem vorhandenen kleinen Auftrieb von Fahrochsen ein Uebcrftanb zu verzeichnen. Gehandelt wurden Kühe frischmelkend und tragend emzslne beson­ders schwere Exemplare zu 450470 Mk., 1. Qualität 400440 Mk., 2. Qualität 330375 Mk., geringere Ware 260300 Mk., tragende Färsen 170200 Mk. per Ätück. Gangochsen wurden verkauft mit 700750 Mk. das Paar. Vereinzelt wurden Mastochsen und Mast­rinder zu sehr niedrigen Preisen untergebracht. Fette Rinder (alles schwerste Ware) bezahlte man mit 60 Mk., leichtere Ware mit 50 Mk. pro Gentner Schlachtgewicht. Kälber wurden gehandelt: be­sonders schwere Exemplare, die nur vereinzelt zu haben waren, 6062 Alk., 1. Qualität 5658 Mk., 2. Qualität 52-54 Mk., ge­ringere Ware 4850 Mk. pro Gentner Schlachtgewicht. Für das Geschäft in Schweinen war das Wetter, das unsere Landbewohner vom Markte fernhielt, sehr ungünstig. Auch litt das Geschäft unter der Flaue des Rindviehmarktes. Trotzdem hielten sich die Preise für das Vieh auf der alten Höhe. Tie Händler verzichteten lieber auf das Geschäft, ehe sie unter Preis verkauften. Trotz des kleinen Auftriebes blieb ein starkes Viertel des Marktes unverkauft. Nächster Markt Dienstag, den 11. Februar.

Zum Eh re n - T o k t o r - I n g e n i e ur der Techn. Hoch­schulen zu Berlin und Hannover ist aus Anlaß seines 50jährigen Prosessoren-Jubiläums der Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Wilhelm H i t t o r f, der berühmte Physiker der Akademie zu M ü n ft e r, er­nannt worden.

Der Professor an der Technischen Hochschule m Berlin, Geh. Negierungsrat Dr. Adolf S l a b y ist zum ordentl. Honorar- Professor in der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wil Helms- Universität zu Berlin ernannt worden.

Dem Privatdozenten an der Technischen Hochschule in Aachen Joseph Buchkreme r ist das PrädikatProfessor" bei- gelegt worden.

KrieskastenderRedaittioni

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

R. Sie bitten uns, zum besseren Durchdringen des Vortrages des Herrn Prof. Tr. Biermer über die Reichseisenbahnfrage, unser Referat in größeren Teilen erscheinen zu lassen. Wir bedauern, diesem Wunsche nicht entsprechen zu können, da ohnedies schon durch die Ueberfiille des Stoffandranges uns die größten Schwierigkeiten täglich entstehen und gar vieles Interessante und Lesenswerte, Nach­richten von nah und fern, wie auch zahlreiche größere, selbständige Artikel den Riesen-Redaktionspapierkörben verfallen. Darum em­pfehlen wir Ihnen ein einfaches Mittel, nämlich die einzelnen Blätter des Gießener Anzeigers, in denen der Vortrag zum Ab­druck gelangt, zu sammeln. Dann können Sie schließlich den ganzen Vortrag im Zusammenhänge lesen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 23. Januar, abends 8 Uhr int unteren Kon- sirmandensaal (Kirchstraße 9): Bibelstunde. Brief des Jacobus, Kap. 5, V. 1 u. ff. Pfarrer Dr. Grein.

Neueste MelmimM.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 22. Jan. TieKrzztg." schreibt: Wie wir hören, wird von gewisser Seite im Reichstage das Gerücht verbreitet, ein Teil der konservativen und freikonservativen Abgeordneten sei bereit, sich mit den in der Zolltarif-Vorlage für Ge­treide eingestellten Sähen zu begnügen. Davon kann nach unserer Kenntnis durchaus nicht die Rede fein. Im Gegenteil ist die konservative Partei einmütig der liebet- zeugung, daß diese Sähe nicht ausreichend sind, der Landwirtschaft den anerkannt notwendigen Schutz zu gewähren.

rsache des Hof ch nicht aufge

Die Ur

stellt.

Stuttgart, 22. Jan.

Wien, 22. Jan. TerOlmützer Erzbischof Kohn hat für die Errichtung einer katholischen Universität in Salz­burg 50 000 Kronen gespendet. Ueber eine Aussehen er­regende Szene vom Hofball am Samstag berichten klerikale Blätter: Mehrere Offiziere wollten am Buffet mit dem Bürgermeister Dr. Lueger mit ihren Champagner-Kclchen an- stoßen, wurden aber von dem diensthabenden Oberst des Wacht- Kommandos, deffen Ausgabe es ist, die Hofbeamten bei der Anfrechterhaltung der Ordnung zu unterstützen, daran gehin­dert mit der Bemerkung, dies könne er nicht dulden.

Chicago, 22. Jan. Der Bürgermeister von Chicago hat dem deutschen Konsul die Versicherung gegeben, daß außerordent- tt^e Vorsichtsmaßregeln getroffen worden find, um den Prinzen Heinrich gegen einen etwaigen anarchistischen Anschlag z u s ch ü tz e n. , .

Stuttgart, 22. Jan. In einer Versammlung des gesamten Bühenenpersonals teilte der Intendant Baron von Pntlitz mit, der Prinzregent Luitpold von Bayern habe für die Sommermonate Juli und August seine Theater zu Gastspielen für d'ie* Stuttgarter Gäste zur Verfügun-gs gestellt. Außerdem hat er ihnen die ganze Münchener Garde­robe, Musikmaterial und die Bibliothek zur Verfügung ge-

gnabige Frau von Paretz". 1877 wurde Wichert Oberlandesgerichls - rat in Königsberg, 1888 Kammergerichtsrat in Berlin. "Als solcher erhielt er den Titel Geh. Justizrat. Ernst Wichert ist ohne Krank­heit gegen Mitternacht einem Schlaganfall erlegen, nachdem er noch spät am Abend seiner Familie vorgelesen hatte. Zu der hohen Achtung, die er als Richter und Schriftsteller genossen hat, kommt ein volles Maß der Verehrung und Liebe, das sich dieser treue Mann durch hingebende Förderung der Interessen der Schriststeller- welt in deren verschiedenen Organisationen und namentlich auch als langjähriger Vorsitzender des Vereins Berliner Presse er­worben hat.

theater-Brandes ist immer noch nicht aufge­klärt und wird wohl auch kaum jemals mehr zu er­mitteln fein. Sachverständige neigen mehr und mehrs der Ansicht zu, daß das Feuer in der That durch elek­trischen Kurzschluß verfanlaßt worden ist. Man glaubt auch, daß es schon bevor es zum Ausbruch ge­kommen ist, stundenlang fortgeglimmt hat, und daß der Malersaal als der Entstehungsherd zu betrachten ist. Das' rasende Umsichgreifen des Feuers datiert erst von dem Moment an, wo es die Soffiten erreicht hatte, die mit den Dekorationen für dieMeistersinger" undDorf und Stadt" dem verheerenden Elemente reichliche Nahrung boten. Was die Dauer des Interims anbelangt, so

Heimat. Er fühlte mit dem Volle, in dem er lebte und mit dem er täglich und stündlich als Richter ivie als Mensch in enge Be­rührung kam. Darum wirken seine Novellen so unmittelbar; sie sind ganz aus dem realen Leben heraus entstanden; die Alenschen, die W. hier schildert, sind von Fleisch und Blut, und stehen plastisch vor uns. Weniger gelungen sind nach unserem Empfinden seine großen Romane, in denen W. allzu sehr den Juristen hervorzu­kehren pflegte und die stellenweise fast den Eindruck des Akten- niäßigen machen; zu nennen sindHeinrich von Plauen",Der große Kurfürst in Preußen",Ter jüngste Bruder",Herr von Müller". Als Dramatiker hatte W. namentlich mit seinem hübschen LustspielEin Schritt vom Wege" Glück. Erfolg hatten auch die Dramen Unser General Pork" undAus eignem Recht", und mehr noch die EinakterAls Verlobte empfehlen sich", - l'ost festum,Tie

angenommen, daß es vor Ablauf von drei Jahren faunt sein Ende erreichen werHe.

Paris, 22. Jan. Der Zwischenfall Lafies- D e st o u r n e l l e s ist noch nicht beendet- Die ernannten Schiedsrichter haben ihre Mission als erledigt betrachtet,, weil sich die Zeugen beider Gegner nicht einigen konnten- Der Kammerpi'ästdent Deschanel hat beschlossen, auf beide Gegner einziuwirken, um den Zwischenfall zu begleichen- Das Amtsblatt wird heute in dem Parlamentsbersicht die Worte, welche den Zwischenfall verursacht haben, nicht veröffentlichen.

Paris, 22. Jan.Echo des Paris" berichtet aus Rom: Italien werde als Bedingung der Erneuerung des Dreibunds die Forderung stellen, den Wortlaut des Vertrages veröffentlichen zu dürfen, um auf diese Weife, Frankreich über die politische Tragweite des Dreibundes zu beruhigen.

Paris, 22. Jan. Bei der gestrigen Erstaufführung des^ SchauspielsLa ter re, das dem gleichnamigen Roman Zolas nachgeschaffen ist, kam es zu Kundgebungen für und gegen Zola, die auf der Straße fortgesetzt wurden^ Es kam zu ernsten Raufereien zwischen Nationalisten und Dreyfusisten. Zwei Manifestanten wurden schwer verletzte Der Untersuchungsrichter Andrö beauftragte die Polizei­präfektur, eine Enquete über die Jesuiten einzuleiten, die Lehrstellen in Paris inne haben.

Lemberg, 22. Jan. Hier fanden gestern abend neuerlich Demonstrationen vor dem deutschen Konsulat statt. Hunderte von Studenten und Gymnasiasten sowie Arbeitern zogen vor das Konsulat und sangen revolutionäre Lieder. Kavallerie zerstreute die Menge. Da man Wiederholungen der Unruhen befürchtet, wurde Militär vor dem Konsulat so­wie vor dem Goluchowsky-Denkmal postiert.

O e d e n b u r g, 22. Jan. Die von ca. 1000 Deutschen bewohnte Ortschaft Forchtenau steht in Flammen. Das alte Esterhazy-Schloß, welches das Familien-Archiv der Esterhazy, die Schatzkammer und eine große Gemüloe- Sammlung enthält, ist arg gefährdet.

Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt a. 31., 22. Januar.

S'/gO/o Reicheanleihe . . 101.70 30/j do. . . . 90.40

SV,o/g Konsole .... 101.50 3% do 90.40 3/2% Hessen .... 100.15 35o Hessen ..... 4% Oesterr. Goldrente . 102.70 4/c % Oesterr. Silberrente 100.80 4% Ungar. Goldrente . . 101.10 40/a Italien. Rente . . . 100.10 4V2% Portugiesen . . . 42.30 d<y Portugiesen .... 27.10 1% C. Türken .... 27.40 Türkenlose ..... 106.60 4% Grieoh. Monopo 1-AnL 42.50 4i/,% äussere Argentmer.

3u/o Mexikaner .... 26.95 41/» /o Chinesen .... 88.25 Electric. Sch ackert . . . 124.70 Nordd. Lloyd . Kreditaktien 206.20 Diskonto-Kommandit . . 186.30 Darmstädter Bank . . . 131.80 Dresdener Bank .... 137*70 Berliner Handelsges. . . 145,50 Oesterr. Staatsbahn . . . 142 80 Lombarden . . . 20.20

Gotthardbahn 170.50 Lauratlütte 196.50 Bochum ...... 185.00 Harpener 162.80

BerannimacyunL

Die erledigte Stelle eines Kreisstratzenwarts mit dem Sitz in Reinhardshain oder einem der nächst gelegenen Orte soll demnächst wieder besetzt werden.

Bewerber wollen ihre Meldungen unter Angabe von Alter, Wohnort und seitheriger Beschäftigung, sowie unter Anschluß von Zeugnissen bei dem Krcisstraßenmeister Förster in Allendorf a. Lda. bis zum 3. Februar l. I. einreichen.

Gießen, am 20. Januar 1902. 724

Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen.

v. Bechtold.

Holz - Versteigerung.

Versteigert werden:

Montag den 27. I. MtS., vormittags IO1/, Uhr, aus dem Domamalwalddistrikt Tiefstruth zu 4 der Forstwartei Eichelsdorf:

Stamme: 1 Lärchenabschnitt von 38 cm m. D. und 6,8 m Lange, ferner 4 Lärchenspitzen von 2229 cm m. D. und 2,60 bis 4 m Lange (Pfosten 2c.); sodann: Scheiter: 1406 rm Buche, 2 rm Ache: Knüppel: 231 rm Buche, 1 rm Eiche; Reisig: 808 rm Buche, 20 nn Erle rc.; Stöcke: 288 rm Buche, 3 rm Eiche 1 rm Nadelholz; endlich 1 Lärchenstock von 75 cm Durchm. und 72 cm Höhe, zu einem Schmiedstock geeignet.

Tas Holz sitzt in nächster Nähe der EichclsdorfGlasbütter Kreisstraßc.

o, Versteigerung beginnt bei Nr. 273, auf dem Hcysr-Wea. Auskunft erteilt der Großh. Forstwarf Schmitt dahier 9

Eichelsdorf, den 19. Januar 1902.

Großhcrzoglicha Oberförsteri Eichelsdorf.

Srautroein. 719