Ausgabe 
21.7.1902 Zweites Blatt
 
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Oeffmrug im Treppenhaufe befinde. Durch die dadurch aussttömende Wut sei ein Passiere» der Treppe ja doch nicht' möglich. Die allgemeine Bauordnung falle auch ver­bieten, daß bei Man fand enbanten ein Gesimsvorsprung geduldet werde, da sich derselbe bei Rettungsarbeiten schon äußerst hinderlich gezeigt habe. Das Gesetz lasse auch beim Feueralarm eine Lücke. Der Mangel an Bestimmungen lasse keine Bestrafung bei Nichtbefvlgung des Alarmsignals zu. Ausflüchte verschiedener Art müßten berücksichtigt werden.

Nachdem der Redner seinen Vortrag geschlossen, wen­den sich mehrere Delegierte gegen verschiedene Gesichts- imrtte dieser Ausflihrungen. Sv wird der Hoffnung Aus- Druck gegeben, daß die Uufalllasse nicht zu stände komme, -ein anderer Herr tadelt die Vorwürfe, die man den Ge­meindebehörden gemacht, da sehr viele Gemeinden doch auch, den freiwilligen Feuerwehren wohlgesinnt seien; zu­dem gebe es auch, noch andere Wege, wenn eine Gemeinde­behörde sich« widerwillig zeige; doch sei in den meisten Fällen zu hoffen, daß, wenn den Gemeindebehörden der Zweck und die Ziele der freiwilligen Feuerwehr klar ge­macht würde, diese dafür zu haben sein werden. Zu ta­deln seien die vielen Verbesserungsvorschläge Völlers. Feller-Lollar weist nach, daß die Landes­feuerlöschkasse in erster Linie dazu berufen sei, bedürftige Mitglieder zu unterstützen, in zweiter Linie könne sie auch ben Gemeinden mit Hilfe nahetreten. Er verwahre ftch gegen die Vorwürfe, die die Landesfeuerlöschkasse be­treffen. Völker sucht hieraus einige Auffassungen seiner Rede richtig zu stellen, sodann wird zu Punkt 4 der Tages­ordnung : Antrag der Feuerwehr Nidda,Obligatorische Einführung der Kreisfeuerwehrtage in sämtlichen Kreisen des Landes" geschritten. Hierzu verliest Fischer-Nidda, den betr. Antrag. Demgegenüber wird von anderer Seite die Einführung obligatorischer Kreisverbände empfohlen. Der Kreisfeuerwehrverband wähle einen Vorsitzenden,' bei den Kreisversammlungen sollten'die wichtigen Fragen zur Verhandlung kommen, und das Resultat der Kreisverband- Verhandlungen bei der üblichen dreijährigen Landesver­sammlung vorgetragen werden. In dem Antrag Nidda war von den Kreisfeuerwehr-Jnspelloren die Rede gewesen. Meiski s en.-Schotten verwahrt sich gegen alle Stiche­leien gegen die Kreisfeuerwehr-Jnspektoren. Die Ansicht, daß das. Kreisamt seine Zustimmung zu geben habe zur Bildung von Verbänden freiwllliger Feuerwehren, wird bestritten, während Meiski f en.-Schotten erklärt, es seien in manchen Kreisen, namentlich in den seinigen, so wenig freiwillige Feuerwehren vorhanden (im Kreis Schotten sind 2: Schotten und Gedern), daß die Bildung von KreiSverbärrden unmöglich sei. Vetzb erg er-Nidda verteidigt wiederholt den Niddaer Antrag, wahrend der Kreisvertreter des Kreises Lauterbach, gegen die Abhaltung von Kreisversammlungen spricht und einen andern Vorschlag, macht; im Kreise Lauterbach werden abwechselnd in ver­schiedener Bezirken große Uebungen abgehalten, zu welchen die Wehren aller in Betracht kommenden Gemeinden heran­gezogen würden. Nach der Uebiung fänden die gemein­samen Beratungen des Kreisfeuerwehrinspektors und der einzelnen Vorstände statt. Nachdem nochmals die Bezirks- feuerwehrtage empfohlen wurden, beantragt Felley- Lollar, daß an die Streiäömter ein Cirkular gerichtet werde, worin gebeten werden soll, daß die Kreisfeuerwehrtage eingeführt würden.

Als Punkt 5 der Tagesordnung beantragt die Feuer­wehr Friedberg, daß die Gradabzeichen der Feuerwehr ein- heitlich gesetzlich bestimmt werden. Der Vorsitzende Feller befürwortete diesen Antrag, der einstimmige Annahme fand. Bürgermeister Wörner-Bad-dLauheim bittet hier­auf, die Verhandlungen für einige Augenblicke unterbrechen zu dürfen. Er beantragt die Absendung eines Huldigungs?- telegrammes an den Protektor Der Hess. Feuerwehren, Se. K. H. den Großherzog. Die Versammlung stimmte dem ein­stimmig zu und wurde bald darauf das Telegramm ab ge­sandt, in folgendem Wortlaut:

An des Großherzogs von Hessen Königl. Hoheit.

Euer Königl. Hoheit dem geliebten Landesherrn und hohen Protektor bringen die aus,Anlaß des 19. hessischen Feuerwehrtages zu Bad-Nauheim Versammelten unter- thänigste Huldigung dar.

Feller, Fay,

,Vors. des Yess. Feuerwehrtages. Großh. Kteisrat.

. rner, Bürgermeister und Festpräsident.

Punkt 6 der Tagesordnung bildet ein Antrag beS Ober­hessischen Verbandes: Die Versammlung wolle beschließen, daß der Landesausschuß die Großh. Regierung ersuche, betr. Auslegung der Absätze 2 und 3 des Art. 11 der Landes- Feuerlöschordnung bestimmte ,Verfügung zu erlassen, um die verschiedenartige Auslegung dieser Artikel in den ein­zelnen Kreisen des Landes zu beseitigen. Dieser Antrag findet die einstimmige Zustimmung der Versammlung. Punkt 7 der Tagesordnung gab wieder zu einer längeren Debatte Veranlassung. Die Feuerwehr Lang-Göns hatte angefragt, ob alle Bahnarbeiter oder nur die verpflich­teten Personen vom Feuerwehrdienste befreit seien und wie weit sich diese Befreiung auf die Postaushilfeboten erstrecke. Nach dem' Gesetze sind diese Leute vom Feuerwehrdienste nicht befreit, sie müssen denn nachweisen, daß sie zur Zeit des Brandes oder der Uebung im Dienst gewesen sind. Kreis- rat Fay verliest eine ministerielle Verfügung vom Jahre 1893, wonach nur die unabkömmlichen Arbeiter befrell sind. Demgegenüber verliest Meiski sen.-Schotten eine Ver­fügung des Ministeriums vom Jahre 1896, wonach die Ar­beiter auf ausdrückliche Bestimmung des Bahnvorstandes von den Uebungen sowohl wie vom Dienst bei Bränden befreit seien. Die Telegraphenarbeiter seien insoweit be­freit, als sie sich zur Zeit des Brandes oder der Uebung von ihrem Wohnorte abwesend aushalten. Damm- Friedberg bittet, daß das Ministerium neue Verfügung treffe, worauf Kreisrat Fay mitteilt, daß das Kreisamt Friedberg ein diesbezügliches Gesuch ein gereicht habe. So­bald eine Entscheidung getroffen sei, werde dieselbe der Redaktion der Feuerwehrzeitung zur Veröffentlichung im Verband sorg an übergeben werden.

Als letzte Position steht auf der Tagesordnung der An­trag der Feuerwehr Alsfeld, die nächste Landesversammlung in Alsfeld abzuhalten. Diesem Antrag kann nicht stattge­geben werden, da die Versammlung abwechselnd in den drei Provinzen abgehalten werden muß. Auf Antrag Fellers wird zunächst beschlossen, die nächste Landesversammlung erst wieder in vier Jahren abzuhalten, da auf Antrag der sreiw. Feuerwehr Mainz die vorige Versammlung wegen des dortigen Stiftungsfestes um 1 Jahr früher abgehalten worden sei. Tie nächste Versammlung müsse in Starken­burg stattsinden, und da Gernsheim und Langen um lieber» lassung des Festes bitten, wird abgestimmt. Die Versamm­lung entschied sich für Gernsheim, was den wärmsten

Tank des Vertreters aus Gernsheim erntrug. Die nächste Laudesversammlung findet «also 1906 in Gernsheim statt Zum Schluß wird noch die Diplomfrage an­geregt und beschlossen, ein von Damm-Friedberg beschafftes sehr schönes Diplom als einheilliche Auszeichnung für 20- jährige Dienstzeit einzuführen.

Damit war der offizielle Teil erledigt, und die Ver­sammlung ging auseinander, um sich Bad-Nauheim etwas näher anzusehen. Abends vereinigten sich die Delegierten zu einem Zug durch die Stadt nach dem Festplatz, wo ein Kommers stattfand. Im allgemeinen war der Kommers nicht sehr stark besuchst und endigte auch früh. Wir heben besonders den Chorgesang der Singabtellung des Turn­vereins hervor, deren Leiter Lehrer Fritz, aus Langsdorf gebürtig, ist.

Gestern, Sonntag, kamen die Mllglieder der Wehren in großer Zahl aus allen Teilen des Großherzogtums hier an; sie wurden am Bahnhose empfangen und mit Musik in ihre Quartiere geleitet Um 11 Uhr fand eine Uebung der Bad-Nauheimer freiw. Feuerwehr statt, welche aus Feuerr- wehrkreisen sowohl wie von )eiten des Publikums zahlreiche Zuschauer angelockt hatte. Diese Uebung wurde als sehr exakt und mustergiltig bezeichnet, namentlich fanden auch die neuesten Geräte allgemeine Beachtung.

Nachmittags stellten sich die Wehren zum F e st zu g auf, welcher sich um 3 Uhr durch die sehr schön und reichhaltig geschmückten Straßen nach dem Festplatze begab. Nahe an 100 Vereine waren im Zuge. Dazwischen waren 12 Musik­kapellen und eine entsprechende Anzahl Trommler- und Pfeifer-Korps eingeschaltet

Auf dem Festplatze begrüßte Bürgermeister Wörner die Feuerwehrleute. Für die verschiedensten Unterhaltungen war in reichlicher Weise gesorgt. Leider trat ein feiner Regen ein, sodaß viele Feuerwehrleute in die Stadt zurück­kehrten.

Auf das gestrige Huldigungstelegramm an den Groß- Herzog war ein Antworttelegramm von demselben einge­troffen, das aber leider nicht verlesen wurde.

Allen Feuerwehrleuten wurde eine Festschrift gratis überreicht, enthüllend die Geschichte der Freiwilligen Feuer^- wehr Bad-Nauheim und anderes.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, 21. Juli 1902.

** Audienzen. S. K. H. der Großherzog empfing am 19. Juli den Oberstaatsanwalt Theobald und den Staatsanwall Hoos von Gießen.

** Personalien. DieDarmst. Ztg." bringt die Ernennungen der Kr e is g e o m e t e r, aus denen wir folgende hervorheben: Ernannt sind: der Geometer 1. Kl. Georg Knapp aus Fürth i. O. zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamtes Gießen, der Kataster-Geo­meter Adolf Hein eck aus Kirtorf zum Kreisgeo- meter des Kreisvermessungsamtes Alsfeld, die Geo­meter 1. Kl. Jo chim aus Einartshausen zum Kreisgeo­meter des Kreisvermessungsamtes Schotten, Henkel aus Gedern zum Kreisgeometer des Kreisvermessungs- amtes Grünberg, Schäfer aus Nieder-Weisel zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamtes Mainz, Schopbach aus Alsfeld zum Kreisgeometer des Kreis­vermessungsamtes Friedberg, Hensing aus Darm­stadt zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamtes Homberg, Bücking aus Alsfeld zum Kreis­geometer des Kreisvermessungsamtes Butzbach, Linden st ruth aus Atzenhain zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamtes Büdingen, Hohe nadel aus Bergheim zum Kreisgeometer des Kreis- vermessungsamtes Nidda, Habermehl aus Wie­belsbach zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamtes Lauterbach.

** Düsseldorfer Ausstellung. Turch die Großß Handelskammer Gießen wird uns mttgeteitt, daß für den Arbeiterverkehr der Sttecke Wetzlar-Köln fettens der Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. Fahrpreisermäßi- gung zum Besuch der Düsseldorfer Ausstellung gewährt wird. Arbeitern industrieller Werke, einschließlich der sachf- verständigen Führer, wird eine Erleichterung des Besuches in der Weise zugestanden, daß bei einer Teilnehnrerzahl von mindestens 20 Personen, jedoch nur an Sonntagen, für die Person und den Kilometer in 3. Wagenklasse für die Hinfahrt und die Rückfahrt ein Preis von je 1,5 Pfg. (zu­sammen also 3 Pfg.) berechnet wird. Die Hin- und Rückfahrt muß an einem Kalendertage ausgeführt werden. Anträge auf Gewährung dieser Ermäßigung sind an den in Frage kommenden Unternehmungen drei Tage vorher bei der Ab­fahrtsstation zu stellen, bei großer Anzahl der. betreffenden Besucher empfiehlt sich! eine frühere Anmeldung. Seitens der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Vereins zur Förde­rung wirtschaftlicher Interessen zu Hennef a d. Sieg und Großh. Handelskammer Gießen war an die Kgl. Eisenbahn­direktion Frankfurt das Ersuche gerichtet worden, eine allgemeine Fahrpreisermäßigung für den TireMonslbezirk eintreten zu lassen. Dieselbe wurde jedoch, abgelehnt.

** Auf dem Dünsberg sind in der Nacht vom Samstag auf Sonntag zwei Turms en st er zertrüm­mert und ein verschlossener Schrank gewaltsam erbrochen worden. Ferner ist die am Flag gen stock befindliche Leine durch einen brennenden Lampion beschädigt worden. Dieser Rohheiten verdächtig sind sieben bis acht junge Leute, welche bei einem Fasse Bier im Turmzimmer übernachteten. Durch Eintragung ihrer Namen im Fremdenbuche haben die Burschen dem Dünsbergverein die Verfolgung erleichtert, es ist von dem letzteren Strafantrag wegen Sachbeschädi­gung und Einbruch gestelll worden.

** Zur Landtagswahl. Mit bekannter Schnellig­keit habendielSoziald emo traten die Mttgüeder ihrer Partei bestimmt, die sich bei den kommenden Landtags- ersatzwahlen in Starkenburg um Landtagsitze bewerben sollen. Erhalten, bezw. erobert sollen die Stadt Offenbach, der 16. (Mühlheim-Steinheim) und der 13. Wahlkreis wer­den. In den' beiden ersten ist der Abg. Ulrich aufge­stellt. Man hat, wie der^Darmst. Tgl. Anz." meint, den Führer zweffellos zweimal ausgestellt, weit man sich in Offenbach, das 1896 die sozialdemokratische Partei nur mit 200 Stimmen Mehrheit gewann, nicht mehr recht sicher fühlt. Wird Ulriche in Offenbach gewählt, dann soll auf dem Lande der Stadtverordnete Joh. Orb in Offenbach für ihn eintreten. In Goddelau-Wolfsiehlen, das bisher der Abg. Backes vertrat, soll der Schuhmacher Friedrich in Darmstadt, der Kassierer des Reichstagswahllreises Darmstadt-Groß-Gerau, auf den Schild erhoben werden. Es wird besonders versucht werden, in Weiterstadt so- zialdemo Irakische Wahlmänner durchzusetzen.

** Der Hessische Gauverband der Vereine Deutscher Studenten begeht Ende ds. Monats sein zehnjähriges Stiftungsfest, verbunden mit einem Kartelfest der

südwestdeutschen Vereine Deutscher Studenten im Kyffhäuser- verband. Die Hauptfeier sindet zu Lindenfels i. O. und einem noch näher zu bestimmenden Ort an der Berg- sttaße statt.

** Der gestrige Sonntag zählle, im Gegensatz zu seinem Vorgänger am 13. ds. Mts., zu denjenigen, die viel, versprechen, aber wenig hallen. Die ersten Morgen- und Vormittagsstunden waren für alle, die lieber draußen als wo anders Lust kneipen, recht einladend zu Ausflügen; gegen Mittag fing es aber in dem berüchtigten Wetterwinkel an zu brummen, und bald darauf setzte ein zahmer Landregen ein. Die Folge war ein allgemeines Orakeln in den mit Töchtern reichgesegneten Familien; je nachdem die Frage.: Gehen wir, gehen wir nicht", entschieden und die Debatten über die notwendig gewordenen Aenderungen in der Toilette, durch energische Schlußrufe der Familienväter und Mütter beendigt, traten die Mutigsten die Wanderung an.. Die mit dem feuchten Element am besten vertrauten Feuerwehr­männer wurden, ca. 140 Mann stark, mit den ersten Vor­mittagszügen nach Bad-Nauheim entfühtt, wo der auf drei Tage vorbereitete 19. Hessische Feuerwehttag stattfand, lieber die am Samstag stattgehabten Beratungen berichten wir an anderer Stelle; was der Festott am Sonntag bot, nämlich Frühkonzett, Uebung, Festzug, Konzert, Tanz- und Volksbelustigung, konnte programmgemäß abgewickelt werden. Der vorsichtiger Weise auf den Vormittag angesetzte spott- liche Teil des Radfahrfestes in Wißmar, bestehend in einem 15-Kilometer-Sttaßenrennen auf der neu angelegten, auch kleine Hindernisse bietenden Straße WißmarOden- Hausen mit dem Drehpunkt in letztbezeichnetem Orte, wurde ohne Störung durchgefühtt und recht anerkennenswett ge­radelt. Den Löwenanteil an den Preisen, nämlich den 1., 2. und 4. Preis heimsten Gießener Herrenfahrer, den 3. Preis ein Kleinlindener ein. Die geräumige, mit Saal und Unter­kunftshallen gut ausgestattete Schneider'sche Wirtschaft in Wißmar gestattete die Durchführung des zweiten Programm­teils: Konzert, Tanz, Volksbelustigung. Die Kirmes in Rödgen, die in ftüheren Jahren gegen Ende des Kalender- Sommers stattfand und stets gut besucht wurde, wurde durch das unbestimmte Wetter etwas beeinträchtigt. Die Teil­nahme an dem Kinder- und Familienfest auf Helgo- land in Steins Garten hatte unter der Ungunst der Witterung zu leiden, trotzdem verlief die für die Seestadt Gießen neue Vergnügungsspezialität zur Zufriedenheit aller, besonders der Kleinen. Dasbei jeder Witterung auf dem Schiffenberg stattfindende" Sommerfest des Kauf-- männischen Vereins wurde in den Saal des beliebten Ausflugspunktes verlegt. Man sah wohl viele, die nicht da waren, aber die Anwesenden füllten ttotzdem den Saal und die Nebengemächer bis zur Gemütlichkeit, die sowohl durch unsere Regimentsmusik, wie durch die vorzügliche Bewirtung (es gab Kaffee und Kuchen, Roastbeef, Kalbsbraten,Ge­röstete" und Salat) bis zur Fröhlichkeit gesteigett wurde. Die Teilnehmer, denen zudem reichlich Gelegenheit gegeben war, das Tanzbein zu schwingen, werden mit der gegen 10 Uhr gezogenen Vergnügungsbilanz zuftieden sein. Die Marschfesten zogen mit Musik nach der Stadt, die übrigen benutzten die Eisenbahn. Die Nachbarschaft des Schiffen- bergs, der Ludwigsbrunnen, hatte den Männer- Turnverein zu einem Waldfest eingeladen. Die wackeren Turner machten aberKehrt" und vergnügten sich, so gut es ging, in Steins Gatten. Der Turnklub, der die Nachfeier seines 28. Stiftungsfestes in der ersten Schneist rechts der Licherstraße abhalten wollte, zog es vor, die Feier in die h r le'sche Bier Halle zu verlegen. Das Sommerfest des Wohlthätigkeits-Veteins Gießener Zitherklub fand auf derSchönen Aussicht" statt, das Volksfest auf derLiebigshöhe", beide allerdings auch durch das ungünstige Wetter etwas beeinträchtigt. Die Räume desWind Hofes" beherbergten den Fecht­verband Gießen-Lahr. Wie unser Festberichterstatter auf Pflicht und Gewissen versichett, wurde hier ausgiebig ge­tanzt. Das in Preisschießen, Kinderspielen mit Preis­verteilung, Bretzelpolonaise und Tanz bestehende Sommer- fest der GießenerGewerkschaften fand, obwohl im Fall ungünstigen Wetters das(Safe Leib" vorgesehen war, am alten Anneröd er Weg statt; nicht weit davon, in der ersten Schneise der Licherstraße, hatten sich mit Kind und Kegel die allezett wetterfesten Eisenbahner, der Lokomotiv- Beamten-Verein, niedergelassen; All und Jung hielt wacker aus, bis das Signal zum Sammeln für den Rück­marsch ertönte.

? Kinzenbach, 20. Juli. Der hiesige Krieger- Verein hat in seiner letzten Generalversammlung be­schlossen, demnächst eine Vereinsfahne anzuschafsen und oem allgemeinen Deutschen Krieger verbände beizutreten.

?? VermutsHain, 20. Juli. Die zuletzt abgehallene zweite Bürgermeistermahl wurde infolge eingelegter Reklamation wieder beanstandet, sie wird am nächsten Sams­tag den 26. Juli vor dem Kreisausschuß in Lauterbach zur Verhandlung kommen. Nach Aussage verschiedener ver­nommener Zeugen dürfte auch diese Wahl gesetzlich für un* giltig erklärt werden. Es steht sodann den Bewohnern der Gemeinde Bermuthshain eine dritte Bürgermeister­wahl bevor.

Darmstadt, 20. Juli. Die Enthüllung deS Aliee-Denkmals, das in Gestalt eines Obelisken von Bildhauer Ludwig Habich auf dem Wilhelminenplatz errichtet wird, soll am 25. August d. I. stattfinden.

Frankfurt, 20. Juli. Des Vertrauens der Arbettec unwürdig gezeigt hat sich der Kassierer der hiesigen Verwaltungsstelle des Deutschen Tabakarbeiter­verbandes, Genosse Christian Kraiker. Er hat sich Un­terschlagungen und Betrügereien in Höhe von über 1000 Mark zum Nachteil des genannten Verbandes zu Schulden kommen lassen. Der Vorsitzende des Verbandes, Junge aus Bremen, reifte hierher, um einmal nach dem Rechten zu sehen. Hierbei stellte sich heraus, daß Kraiker Bücher und Quittungen gefälscht, sowie Belege vernichtet hatte. Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ist erfolgt. Die Unterschleife soll Kraiker hauptsächlich in der Weise verübt haben, daß er die Reiseunterstützungsquittungen fälschte und doppelte Beträge erhob, wovon er die Halste immer für sich verwandte.Unbegreiflich erscheint es allerdings", so meint dieVolksstimme",wie dieser ziemlich Plumpe Schwindel so lange unentdeckt bleiben konnte. Offenbar ift die Kontrolle, doch ziemlich lax gewesen, wie oft Ge-