angenommen, daß der Gesetzentwurf in der Form, wie ihn der Bundesrat beschlossen hat, auch dem Reichstage vorgelegt werden wird, obwohl sich inzwischen Bedenken gegen die Gewährung eines Pauschquantums ergeben Haven. Cs verlautet, daß auch die Zentrumsfraktion einstimmig beschlossen habe, an der Diätenforderung jü.r den ganzen Reichstag unbedingt sestzuhalten.
— Eine Gedächtnisfeier für den ermordeten deutschen Gesandten in Peking, Frhrn. von K e t t e l e r wird $um 20. Juni, dem zweiten Jahrestage jenes Verbrechens, tn Berlin geplant. Es wird dazu eine besondere Dichtung vorbereitet und die ersten künstlerischen Kräfte sollen mit- w ticken.
— Dem römischen Korrespondenten des „Berl. Tgbl." wird aus der Umgebung des Papstes bestätigt, daß die Ernennung des Erzbischofs Sim ar von Köln zum Kardinal im nächsten Konsistorium erfolgen wird. Die deutschen Jubiläumsmissionen des Generalobersten v. Loö und des Fürsten v. Dettingen hätten int Vatikan einen so vortrefflichen Eindruck gemacht, daß die Beziehungen zu Deutschland erheblich gewonnen hätten.
— Seitens der chinesischen Regierung ist nunmehr, wie die „Germania" mitteilt, die letzte Rate der vom deutschen auswärtigen Amt für die Zerstörung des deutschen katholischen Missions- Eigentums in Tsining ausbedungenen Entschädigung gezahlt worden.
Breslau, 20. März. Reichstagsersatzwahl Breslau-West. Nach vorläufiger Feststellung betrug die Zahl der abgegebenen gütigen Stimmen 25 890. Hiervon erhielten Eduard Bernstein (Soz.) 14692, Rechtsanwalt Heilberg (frei). Volksp.^ 6408, Bellerode (kons. klerikaler Kompromißkandidat) 4426, v. Mosch (Antis.) 322 St.
Glogau, 20. März. Auch die für heute angesetzte Verhandlung gegen den Grafen Pückler-Klein- Tschirne wegen Vergehens gegen den § 305 des Reichsstrafgesetzbuchs wurde vertagt, da Pückler nicht erschienen war. Der erlassene Haftbefehl war nicht auszuführen, weil der Aufenthalt Pücklers nicht zu ermitteln war. Vor Gericht wurde beschlossen, den neuen Termin erst anzuberaumen, wenn Pückler verhaftet und in das hiesige Landgerichtsgefängnis eingeliefert ist.
Weimar, 20. März. Der Kronprinz traf mit dem Großherzog von Sachsen von Eisenach hier ein. Die beiden begaben sich nach dem Goethehaus. Heute abend fand im Residenzschloß Galatcrfel und danach im Hoftheater Galavorstellung statt.
München, 20. März Die „Münch. N. Nachr." melden, der Kaiser und die Kaiserin hätten auf die Einladung des Prinzregenten zur Teilnahme an dem süns- zigjährigen Jubiläum des Germanischen Museums Antrag, welcher sich auf eine Vermittelung bezog.
Ausland.
Stockholm, 20. März. Der König gedenkt am 2. April zu mehrwöchiaem Aufenthalt nach Biarritz abzureisen. Von dort aus wird sich der König nach Ems zur Brunnenkur begeben und auf der Hinreise die Königin in Honnef besuchen.
London, 20. März. Der Admiral Lord Charles Beresfortrßgte gestern bei einem Bankett der Marinearchitekten verschiedene Mängel der Marine, indem er erklärte, er würde von Stadt zu Stadt ziehen, um diese Mängel aufzudecken, selbst aus die Gefahr hin, vor ein Kriegsgericht gestellt und aus der Marine entfernt zu werden.
Amsterdam, 20. März. Die Bekanntgabe, daß die Königin dieses Jahr nicht den traditionellen Aprilbesuch in Amsterdam mache, bestärkt die hiesigen Gerüchte, daß bie Königin dringend der Schonung bedürfe.
Paris, 20. März. Im Senat greift Lamarzelle die Regierung wegen ihrer Finanzpolitik heftig an. Redner ;Iegt dar, daß England, Deutschland und die ,Vereinigten Staaten andauernd fort
schreiten, während Frankreich stehen bleibt und sich den Rang ablaufen läßt. Hierbei führt er die Ansicht stdes russischen Finanzministers Witte an und liest ein Interview desselben vor, indem er nachweist, daß Frankreich sich begnüge, seinen Wollstrumpf mit Titres vollzupfropfen und weder eine Besserung in der Industrie herbeizuführen, noch auch neue Absatzwege zu finden suche, ja, sogar sich in Militärischer Hinsicht überflügeln lasse. (Bewegung.) M a g n i n erklärt, es sei nicht möglich, daß Herr v. Witte sich so ausgedrückt habe hinsichtlich einer Nation, die seinem Lande sieben Milliarden geliehen habe. Was Deutschland angehe, so habe es soeben eine Krisis durchgemacht, wie sie Frankreich noch nicht zu bestehen gehabt habe. (Zustimmung.) Gottervn fragt, ob es richtig sei, daß die französische Regierung von derdeutschen Regierung hinsichtlich einer Verständigung über den Kolonialbesitz Portugals gemachte Anerbieten abgelehnt habe. Minister des Aeußern D e l e a s s e erwidert, das sei durchaus unrichtig. Gotteron fährt trotzdem fort, unter großem Lärm des Hauses dem Minister vorzuwerfen, daß er die I n t e r e s s e n F r a n k r e i ch s v e r r a t e n habe. D e I c aj f 6 erklärt nochmals auf das allerformellste, daß weder Hanotaux noch ihm jemals der Vorschlag eines deutsch-französischen Abkommens gemacht worden ist.
Wien, 20. März. Abg. Breiter hat heute im Abgeordnetenhause eine Interpellation eingebracht, in der die Regierung angefragt wird, ob sie mit Rücksicht auf die Ausweisung slavischerStudenteu von den deutschen Hochschulen sich nicht veranlaßt sehe, auch die reichs- deutscheu Studierenden von den österreichi- schen Universitäten auszuweisen. Der Polenklub brachte eine ähnliche Interpellation ein.
Belgrad, 20. Viärz. Da die Mehrheit der Skupsch- tina der Regierung das Vertrauen kundgab und sich durch eine an den Ministerpräsidenten abgesandte Abordnung zu jeder Genugthuung bereit erklärte, zog das Kabinett Wuitsch seine Demission zurück und verbleibt im Amte.
- New York, 20. März. Das Ackerbauamt wird eine Liste von solchen importierten Nahrungs- und Genußmitteln ausarbeiten, die Bor- oder andere Säuren enthalten. Washingtoner Berichte erklären, dies fei der erste Schritt zu Retorsionsmaßregeln gegen die deutsche Fleisch-23erordnung. Ackerbausekretär Wilson erklärt, Borsäure sei in den bei amerikanischem Fleisch verwendeten Mengen nie für schädlich erachtet worden.
~sind angeblich wegen einer Verschwö - ,'P1 Verhaftungen vorgenommen worden. Unter
beluden sich der Oberrichter Beurjolly und GeneralDestouche. J
Ucöcr die Dinge in Südafrika
bat am Donnerstag im englischen Unterlaufe Campbell Bannermann um Auskunft. Er sagte, die Mitglieder der Opposition werden, wann sie an Ine Regierung Anfragen hinsichtlich des Krieges richteten, Pro-Burs und Freunde der Feinde des Landes genannt Derartige Bezeichnungen seien böswillige Verleumdungen. Der Redner weist auf die Zahl der Mannschaften hin, die aus der Kapkolonie zu den Buren gestoßen seien. Kolonialminister Chamberlain wendet sich gegen die Ausführungen des Vorredners. Es kommt zwischen beiden zu einem heißen Wortgefecht über den Vorwurf des Letzteren hinsichtlich der mangelhaften-Mitteilungen über die Angelegenheiten in Südafrika. Chamberlain bestreitet den Vorwurf, daß die Regierung mit Mitteilungen über den Fortgang der Operationen zurückhielte. Er sagt, die Zahl der im Felde weilenden Buren werde auf etwa 9000 geschätzt. Die Regierung habe Grund zu der Annahme, daß die Zahl derjenigen, die beim letzten Einfall der Buren in die Kapkolonie zu diesen stießen, gering sei. Tie Frage der Pazifizierung des Landes und feiner Zukunft nach Beendigung des Krieges werde von der Regierung beständigerwogen. Er schaue optimistisch in die Zukunft und befürchte keine schlimmen Folgen aus Rassegefühl, wenn erst einmal die britische Vorherrschaft feststehe. Eine Anzahl Burghers hätten auf englischer Seite gefochten und mit den Engländern mehrere bedeutende Generale und Kommandos gefangen genommen. Der Redner weist auf einen Bries Vilonels an Tew et hin, in dem es heißt, die wahren Feinde des Landes seien die Männer, die den hoffnungslosen Kampf fortsetzten. Dillon ruft: Vilonel ist ein Verräter. Chamb erlain entgegnet: Das ehrenwerte Mitglied ist ein guter Richter übet den Verräter. Dillon bemerkt, sich zu Chamberlain wendend: Ich wünsche zu sagen, daß der sehr ehrenwerte Gentleman ein verdammterLügner ist. Der Sprecher verlangt, daß Dillon den Ausdruck zurücknimmt. Dillon verweigert dies, worauf der Sprecher ihn zur Ordnung ruft. Balfour beantragt die Ausschließung Tillon's für eine Woche. Der Antrag wird angenommen.
Im französischen Senat antwortete der Minister des Aeußeren De le ässe auf eine Anfrage über die von den Engländern in Transvaal festgenommenen Franzosen: Von den betreffenden Personen wurden mehrere mit Waffen in der Hand gefangen. Für sie war jede Intervention ausgeschlossen. Andere, die einen Aufenthaltsschein besaßen, wurden unter dem Vorwand verhaftet, daß sie an allerhand Manövern gegen die Engläirder teilnahmen. Die französische Regierung ist der Meinung, daß eine Festnahme nur auf dem Schlachtfeld erlaubt ist. England erkennt diese Anschauung nicht an, ließ jedoch zwei Gefangene frei. Für einen noch gefangenen Dritten setzen wir unsere Bemühungen fort.
2000 weitere Mann für Südafrika hat die Regierung des südaustralischen Bundesstaates beschlossen abzusenden.
Tie Demorkraten haben im Washingtoner Kongreß beschlossen, Sympathiebeschlüsse für die Buren durchzusetzen. Tie Versammlung verwarf jedoch einen schärferen Antrag, welche sich auf eine Vermittelung bezog.
Aus Stadt und Saud.
Gießen, den 21. März 1902.
* * Die Ueberfiihrung der Leiche des Oberstleutnants Herrlein. Heute Vormittag 10 Uhr wurde die Leiche des in der Nacht zum Mittwoch verschiedenen Oberstleutnants Herrlein vom Sterbehause in der Südanlage feierlich zum Bahnhofe übergeführt. Vorher fand im Trauerhause eine Trauerandacht statt, an der außer den Angehörigen des Verblichenen Oberst o. Dewitz und eine Anzahl Offiziere teilnahmen. Dekan Bayer richtete eine tröstende Ansprache an die Hinterbliebenen, worauf die Einsegnung der Leiche erfolgte. Von Unteroffizieren unseres Regiments wurde der mit Kränzen und Palmenwedeln reichgeschmückte Sarg in den Leichenwagen getragen. Unter den Klängen von Lrauermärschen, die unsere Regimentskapelle spielte, setzte sich der Zug in Bewegung. Vor dem Sarge marschiette eine Abteilung Soldaten. Hinter ihm schritten zunächst die Hinterbliebenen; anf diese folgte das Offizierkorps unseres Regiments, dem sich die übrigen Leidtragenden, unter ihnen die Spitzen der staatlichen, städtischen und sonstigen Behörden, anschlossen. Aus dem Bahnhofe erfolgte die nochmalige Einsegnung der Leiche, die nach Fulda übergeführt wird, um dort zur letzten Ruhe bestattet zu werden.
* * Von der Universität. Unter den letzten Nachrichten konnten wir gestern mitteilen, daß die durch den Tod des Geheimrats Prof. Dr. Löh lein erledigte Professur wieder besetzt i)t. Leider hat sich in der Meldung wieder einmal ein recht unliebsamer Druckfehler eingeschlichen, indem - aus dem Prof. Pfannenstiel ein Prof. „Kannenstiel" wurde.
Ueber die Thätigkeit des Schularztes an den hiesigen Volksschulen entnehmen wir dem Verwattungsbericht der Bürgermeisterei für das Jahr 1900/01 folgendes: Die Funktionen des Schularztes wurden bis Ende Juni 1900 von Medizinalrat Dr. Haberkorn in dankenswetter Weise provisorisch versehen, nachdem der frühere Schularzt, Dr.Tj a den, in das Reichsgesundheitsamt berufen war. Von da ab übernahm Kreisassistenzarzt Dr. K ö n i g e r, welcher als Nachfolger des Dr. Tjaden durch Beschluß der Stadtverordneten-Ver- sammlung vom 26. Juli 1900 zum Schularzt bestellt wurde, die Geschäfte. Aus dem umfangreichen Bericht des Schul- arztes sei Folgendes mitgeteilt: Sämtliche Schulkinder wurden im Schuljahre 19U0/01 zweimal untersucht. Die Untersuchungen erstreckten sich wie in den vorhergehenden Jahren auf Größe, Gewicht, Ernährungszustand, Reinlichkeit, Haut, Brustumfang, Brustkorb, Bauch (nur bei Knaben), Wirbelsäule, Extremitäten, Mund, Nase, Sprachstörungen, Augen, Ohren und chronische Krankheiten. Außerdem wurden Kinder, die bei den Hauptuntersuchungen ausgefallen waren, noch mehrmals untersucht. Die Untersuchungen wurden auch zur Auswahl derjenigen Kinder benutzt, welchen die Wohlthat eines warmen Frühstücks zu teil werden sollte. Bei den Untersuchungen wurden ferner diejenigen Kinder genau geprüft, bei welchen die Lehrer Grund zur Annahme von Schwachsinn oder von einem sonst abnormen Geisteszustand hatten, und mit den Oberlehrern die notwendigen Maßnahmen beraten. Weigerungen, sich den Untersuchungen zu unterziehen, kamen in ernstlicher Weise nicht vor. Die den Eltern erteilten Ratschläge, den kränklichen Kindern ärztliche Behandlung angedeihen zu lassen, wurden in ziemlich zufriedenstellen
der Weise befolgt. Bei den Untersuchungen wurden die9 Kinder über richtige Handhabung der Reinlichkeit uber-- haupt, besonders über Zahn-, Mund- und Haarpflege be- lehrt. Mit den Lehrern wurde besprochen, welche Plätze: den Kindern je nach ihrem Gesundheitszustand am besten anzuweisen seien. Schwächliche Kinder, die noch kein diesbezügliches, ärztliches Zeugnis vorgelegt hatten, denen aber Befreiung vom Unterricht oder von Teilen desselben dringend nötig war, wurden bei dieser Gelegenheit vorgemerkt. Bei der letzten ärztlichen Untersuchung der ans der Schule zu entlastenden Kinder wurden denselben Ratschläge über den zu wählenden Beruf in gesundheitlicher Beziehung erteilt. So wurde versucht, Knaben, die einen für ihre Körperbeschaffenheit zu schwer erscheinenden Beruf ergreifen wollten, wenigstens vorläufig von demselben zu-» rückzuhalten. Ferner wurden einzelne Mädchen, die Störungen des Nervensystems zeigten, gewarnt, zunächst einem Beruf, der zu sitzender Lebensweise zwingt, sich zu widmen. Bezüglich der Hygiene der Schulgebäude stellt der Bericht des Schularztes fest, daß die im Berichtsjahr fort* gesetzten Beobachtungen ergeben haben, daß die Döcker- s ch e n B a r a ck e n im großen und ganzen als provisorische Schulräume befriedigt haben, und daß kein Siebenten in gesundheitlicher Beziehung gegen ihre Verwendung .vorliegt. Insbesondere war die Zahl der Erkranb- ungsfälle unter den in den Baracken untergeb rächten Kinder nicht erheblicher, als unter den übrigen Schülern. Umfangreichere Untersuchungen fanden statt bezüglich der Helligkeit, der Luft- und Temperaturverhältnisse. Die Lichtmessungen bestätigen bei der Knabenschulbaracke, daß ihre Beleuchtung eine gute bis vorzügliche ist. Die Baracken bei der Stadtmädchenschule stehen für den Licht- einsall nicht so günstig, wenigstens befindet sich der östlichen Baracke gegenüber ein Haus, so daß unmittelbare^, Himmelslicht nur schräg von Nordwesten einfällt. Sie leidet in dieser Hinsicht an demselben Nachteil, wie der Schulsaal Nr. 3 der Stadtmädchenschule. Die nach Süd- westen zu gelegenen Plätze' sind nicht zur Zufriedenheit beleuchtet. Diesem Uebelftanbe wurde durch anbertoeite Aufstellung der Schulbänke abgeholfen.
* * Justizdienstuachricht. Der bisherige Rechtsanwalt Gerichtsassessor Hoos ist mit der Wahrnehmung der Dienste Verrichtungen eines Staatsanwalts an Stelle des bekanntlich zum Amtsrichter ernannten bisherigen Staatsanwalts Zimmermann betraut worden.
* * Mit dem Verkauf der neuen Postwertzeichen, sowie dem Umtausch alter Wertzeichen gegen neue ist gestern bei sämtlichen Postanstalten des Reichspostgebiets, sowie Württembergs begonnen worden. Wir weisen darauf hin, daß die« neuen Postwettzeichen vor dem 1. April zur Frankierung von Postsendungen nicht giltig sind, bis zum 31. März einschließlich müssen vielmehr noch die bisher gebräuchlichen Postwertzeichen verwendet werden. Das Publikum muß daher in den nächsten Tagen beim Einkauf von Freimarken an den Postschaltern den Schalterbeamten angeben, ob alte oder neue Postwettzeichen gewünscht werden, je nachdem, ob sie vor oder nach dem 1. April Verwendung finden sollen.
* * Die 1. Kammer der Stände ttttt am Montag, den 24. d. Mts. zu ihrer 16. Sitzung zusammen. Zur Beratung und Abstimmung kommen u. a. der Hauptvoranschlag der Staats - Einnahmen und -Ausgaben, der Entwurf des Finanzgesetzes; der Entwurf eines Gesetzes, die Regentschaft betreffend; der Antrag der Abgg. Ulttch und Genossen, die obligatottsche staatliche Mobiliarversicherung betreffend; der Antrag des Abg. Köhler (Langsdorf), die Errichtung einer staatl. Mobiliar-Feuerversicherungs-An- stalt für das Großherzogtum betreffend; die Mitteilung der -Zweiten Kammer bezüglich des Antrags der Abg. Ulttch und Gen., die obligatorische staatl. Vieh- und Schlachtviehversicherung betteffend.
* • Von der Familie Reinecke. Der Jagdaufseher Korn- dörfer fing gestern einen starken Fuchs im Eisen und erlegte außerdem eine Füchsin mit sechs etwa 8 Wochen alten Jungen im Jagdrevier Allendorf a. d. Lahn. Es ist außergewöhnlich, daß so früh und so zahlreich ein Gehege junger Füchse gefunden wird.
* * Mittelrheinischer Fabrikantenvereiu. In der März- versammlung hielt Eisenbahnbetriebsdirektor Schönfeld-« Lippstadt einen Vortrag über das Thema „Eisenbahnen und! Wasserstraßen". Redner erläuterte in übersichtlicher Weise die Verschiedenartigkeit der beiden Verkehrswege, beleuchtete die' Vorteile und Nachteile, die jedem derselben anhasten unb; kam, nachdem er der Ansicht Ausdruck gegeben hatte, daß der Ausspruch des Kaisers „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser", sich nicht allein auf die Seeverkehrswege, sondern auch auf die Binnenschiff ahrtsst raßen beziehe, auf den so viel genannten Mittellandkanal zu sprechen. Auch bie: Vorteile dieses Kanals legte der Redner in überzeugender Weise dar, widerlegte eine ganze Reihe der gegen denselben geltend gemachten Bedenken und schloß seine Ausführungen, indem er auf den Ausspruch des Staatsministers Thielen: „Gebaut wird er doch", hinwies. Redner gab schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß es in Zukunft nicht mehr heißen möge Kanal oder Eisenbahn, sondern Kanal und Eisenbahn. Im Anschluß an die Versammlung wurde eine Besichtigung der Maschinenfabrik Johannisberg Klein, Forst u. Bohn, Nachfolger in Geisenheim, vorgenommen. Nach der Besichtigung wurde von der Firma ein kleiner Imbiß geboten.
** Hypnotismus. Gestern abend gab Herr Freyd! Nelson im Hotel Einhorn die erste der beiden angekün- digten Soiröen über Hypnose. Nach einleitenden Bemerkungen über das Wesen dieses eigenartigen Zustandes schritt er zu praktischen Versuchen mit Personen ans der Zuhörerschaft. Leider erwies sich von den drei Herren, die "sich ihm zur Verfügung stellten, nur einer als ein einigermaßen brauchbares Medium. Herr Nelson suggerierte ihm, indem er ihm einen zusammengefalteten Mantel reichte, u. a., daß dieser ein Kind sei; und der Suggerierte wiegte das Kind auf die Aufforderung Nelsons recht emsig in seinen Armen, warf es aber sofort weg, als ihm suggeriert wurde, es sei ein Wolf. Ebenso eifrig bückte er sich, um auf die Forderung des Hypnotiseurs auf der Bühne Veilchen zu pflücken, band diese mit einem Stück Papier zu einem Sträußchen und reichte es mit einer tiefen Verbeugung einem der Zuschauer. Am gelungensten aber war es, als er auf die Suggestion Nelsons hin, nachdem dieser dreimal in die Hände geklatscht, aufwachte und mit kräftiger Stimme rief „Hoch lebe der Kaiser". Während sonst Medien sich nach bcni Erwachen gar häufig schlaff fühlen, war bei diesem Herrn nicht das geringste davon zu m er fern Sodann zeigte sich Herr Nelson auch als Meister auf dem Gebiete der Kunst des Gedankenlesens und der Magie- die


