Ausgabe 
21.2.1902 Zweites Blatt
 
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Armee waren sehr schwer. Wir haben eine ziemlich starke schwebende Schuld, und um uns derselben zu entledigen, wird bald notwendig sein, in Frankreich ein Anlehen aufzu­nehmen. Man war sehr hart gegen uns. Man hat uns Anleihen zu sehr niedrigen Kursen aufgezwungen. So hat eS den Anschein, als ob wir eine Schuld von 400 Millionen batten, während wir thatsächlich nur 260 Millionen bezogen. Ich hoffe, daß wir von nun ab minder drückende Be­dingungen finden werden. Wir können übrigens Vertrauen einflüßen. Das gegenwärtige politische Regime ist stabil. Dank dieser Stabilität sind wir gewiß, unseren Handel zu entwickeln und unsere Einnahmen derart zu erhöhen, daß wir unseren Verbindlichkeiten leicht nachkommen können. Der König erklärte ferner, daß er und die Königin Draga den Ezaren, der zugestimmt hat, sicherlich besuchen werden, aber der Zeitpunkt ist noch unbestimmt. Er äußerte schließlich noch:Ich habe eine Liebesheirat gemacht und be­dauere das nicht; im Gegenteil, ich bin glücklich. Und warum sollen die Interessen Serbiens im Widerspruch stehen mit meinem häuslichen Glück?" Jeder Zoll kein König!

Parlamentarisches aus Hess- n.

Johann Knecht und Genossen in Dietesheim richteten an die Ständekammer die Bitte: In einer Interpellation bei der Regierung dahin wirten zu wollen, daß gesetzlich ein Passus erlangt werde, wonach Fischer, welchezünftig" vorgebildet, auch wenn sie nicht vonzünftigen" Fischern abstammen, ebenso berechtigt zu fischen find, als die sogen, alten" Fischer. Regierung und, 4. Ausschuß verhalten sich ablehnend dagegen.

Bei der Beratung des Kapitels 30 Titel 2 des Haupt­voranschlages der Staats-Einnahmen und Ausgaben für 1902/03 in dem ersten Ausschuß der zweiten Kammer ist der Wunsch geäußert worden, die Regierung möae noch einige Erläuterungen zu der beabsichtigten Einführung des Instituts der Kreisgeometer zur Kenntnis der Kammer bringen. Diesem Wunsche entsprechend teilt das Ministerium des Innern eine Denkschrift der zweiten Kammer mit. Zu Kapitel 30 Titel 2 find von den Land­tagsabgeordneten Häufel u. Gen. einige Acnderungen bean­tragt worden. Die Regierung erklärt sich mit diesen Aende- rungen einverstanden mit Ausnahme des auf die Ge­bühren für Fortführung der Orts-Grundbücher, Grundouchs- karten und Jmmobiliarkataster bezüglichen Antrags, da diese Gebühren zweckmäßiger nach den einzelnen Posten als nach Arbeitstagen zu berechnen sein dürften. Tie bean­tragten Aenderungen mit dieser Ausnahme sind bereits in der Tentschrift berücksichtigt. Ter Denkschrift zufolge ist die Einführung des Instituts der Kreisgeometer in der Weise geplant, daß sich die aufzuwendenden Kosten voll­ständig mit den aus den Arbeiten der Kreisgeometer zu bezahlenden Gebühren decken und somit für die Staats­kasse keinerlei Belastung entsteht, mit Ausnahme der etwa in späteren Jahren erforderlich) werdenden Fürsorge für Alters- und Hinterbliebenenversorgung. Durch die Anstel­lung von Kreisgeomctern erwachsen den Kreisen und Ge­meinden namha,te Vorteile. Tenn zunächst werden die Ge­meinden hinsichtlich der ihnen obliegenden Verpflichtung für die Erhaltung der trigonometrisch bestimmten Punkte,

die seither mit großen finanziellen Opfern für die Ge­meinden verbunden war, um mehr als die Hälfte der Geometerkosten dadurch entlastet, daß anstatt der ver­ordnungsmäßigen Tagegelder der Geometer 1. Klasse mit 12 Mark nur die ermäßigten Tagegelder der Kreisgeometer mit 5 Mark zu ersetzen sind. Sodann tritt aber für die Ge­meinde die weitere Ersparnis ein, daß die K o st e n für die Grenzbegehungen der Feld geschworenen wesent­lich eingeschränkt werden und zum Teil ganz in Weg­fall kommen können. Mer auch für die sonstigen Kreis- und Gemeindearbeiten ergiebt sich der hoch anzuschlagende Vorteil, daß die Arbeiten, wenn auch die der Staatskasse zu ersetzenden Gebühren pro Tag von den seitherigen Leistungen nicht wesentlich abweichen, durch beamtete Geo­meter, welche nicht wie die Privatgeometer im geschäft­lichen Interesse Rücksicht auf ihre Auftraggeber zu nehmen haben, rascher und infolge der zentralen Leitung und zweck­mäßigen Anordnung deshalb auch billiger als von prioatgeometern ausgesührt werden. Dazu kommt, daß die Rückersätze für Wiederherstellungen zu Gunsten der Ge­meinden weit hinter den thatsächlichen Aufweichungen zurückbleiben. Tic gegenwärtige Vorlage unterscheidet sich von der früheren hinsichtlich der Bczirksgeometer im wesent­lichen dadurch, daß ersteren die gesamte Fortführung der Kataster und der in den Gemeinden aufbewahrtcn Grund­bücher (Ortsgrundbücher) nebst Grundbuchkarren, sowie die Ausführung sämtlicher geometrischen Arbeiten der Kreise und Gemeinden übertragen werden soll, während die weiter den Bezirksgeometern zugedachten Funktionen ebenfalls auf die Kreisgeometer übergehen, in welcher Arbeitsvermchrung auch die erhöhte Anforoerung an Hülfspersonal ihre natür­liche Begründung findet. Es wird dann in der Denk­schrift mitgeteilt, welche Funktionen den Kreisgeometern übertragen werden sollen, die Staatsbeamte seien und den Kreisänttern beigegeben werden sollen.

Aus der Denkschrift ergiebt sich, daß das Bedürfnis zur staatlichen Anstellung von Geometern durch die Vorlage ohne finanzielle Belastung des Staates be- frredigt werden kann. Mit der Vorlage löst der Staat obendrein eine längst anerkannte Verpflichtung, die darin besteht, daß er für sack)- und fachgemäße Erhaltung des mit vielen Millionen Kostenaufwano geschaffenen muster­gültigen Kataster- und Grundbuchwerts des Großherzog- tums eintritt.

Handel und Herkehr. UMümirtschast.

Berlin, 20. ychr. In der heutigen Sitzung oes Verlvaltungsrates d erBerliner Handels-Gesell- s ch a f t" wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1901 vor- gclegt. Der Abschluß ergiebt einschließlich des aus dem Vorjahre übernommenen Vortrages von 323 092,20 Mart einen Brutto-Gewinn von 11426 790,10 Mark, gegen 12 490 032,20 Mart im Vor­jahre. Rach Absetzung aller Mschreibungen bleibt ein Reingewinn von 7 436 292,50 Mark gegen 85 95 5 7 0,70 Mart im Vorjahr verfügbar. Auf den Antrag der Geschäftsinhaber setzte der Verwaltungsrat vor­behaltlich der Genehmigung der Bilanz durch die General­versammlung die Dividende für das Kommanditkapital aus sieben Prozent fest.

Magdeburg, 20. Febr. Wie dieM. Ztg." hört,

ist auf beit 28. Febr. eine Generalversammlung der M. glichet desKalisyndikat s hierher emberufen. um über die eventuelle Aufnahme neuer Werke Beschl ß K l il handele sich hierbei um Hohenfels und.wohl auch ^m Einigkeit", welche beide nur für den Absatz von JW salzen in Frage kommen, da sie 6^^ken nicht s tzen, der Magd. Ztg." erfährt ferner, daß dav Kaltsyndttar muoer deutschen Landwirtschaftsgesellschaft emen neuen für die laufende Syndikatspertode auf bisheriger 0>runo- ^Vamburg, 20. Febr. Der Aufsichtsrat der Nord- deutschen Bank genehmigte für 1901 eine Dividende 0011 Die^Ge^meinde Alf an der Mosel hat dem Säg^ Werkbesitzer Ph. Jäckel die Konzession Zur Errichtung einer elektrischen Zentrale erteilt. Dieselbe, soll den Strom für die zahlreichen Weinkellereien sowohl sur. Licht als auch für Kraft liefern, und wird mit der Ausführung sogleich be­gonnen. Als Betriebskraft dient nicht allein eine vorhandene reichliche Wasserkraft, sondern auch, um absolute Sicher­heit zu gewähren, eine Lokomobile. Außerdem gelangt eine Akkumulatorenbatterie zur Aufstellung. Die Aus­führung der Anlage wurde der Elektrizitäts-Atttengesell- schäft norm. C. Buchner in Wiesbaden übertragen.

§ Butzbach, 20. Febr. Der heutige Schweinemarkt war besonders mit Ferkeln befahren, und stark von Kauflustigen besucht. Das Paar Prima-Ferkel kostete bis 60 Mk., ganz geringe Qualität 3540 Mk.

Koten, 20. Febr. Saatenmarkt. Der Markt war von Händlern stark besucht. Tie Nachfrage war in den meisten Arti- keln lebhaft; besonders bevorzugt waren Kleesorten, in Weizen fein Geschäft, Tendenz aber fest und ruhig. Bei Roggen wegen hoher Forderungen nur schwacher Umsatz. Er erzielte 146148 Mk. franko Posen. In Hafer und Gerste bei unveränderten Preisen ziemlich reges Geschäft. Rotklee 50-60 Mk., Weißklce sehr hoch tm Piene und bis zum Schluß gesucht, 80100 Mk., Wundklee 55 bis 70 Mk. Gelbklee 18-25 Mk., Schwedischklee 65-80 mt, Inkarnat­klee 1920 Mk., Seradella, neue 1314 Mk., alte fehlt; Timotbee 2735 Mk., Raygras, hiesiges fehlt, englisches und italienisches 2025 Mk., Wicke abgeschwächt 160185 Mk., Lupine blau 110 bis 120 Mk., Lupine gelb *120130 Mk., Luzerne sehr fest bei großem Umsatz, Provencer 5863 Mk. nordfranzösische 5457.

Gerichtssaal.

Thorn, 20. Febr. Das Kr i e g s g eri ch t verurteilte den Unteroffizier Paul Gust vorn 17. Pionier-Bataillon, der einen Infanterie-Leutnant auf der Straße lässig gegrüßt, und deswegen gerügt, ihn durch ein Schimpf­wort beleidigt hatte, und dann auf dem Wege zur Wache entlief, wegen Achtungs-Verletzung, Beharrens im Ungehorsam, Beleidigung und Widersetzung zu zwei Jahren Gefängnis und Degradation.

Ein Prozeß gegen Karl Baedeker in Leipzig Ein Neapeler Hotel,Allegria", hatte Baedeker verklagt, weil er es in seinem Reisebuch alsHaus für alleinreisende Herren" bezeichnet hatte. Ter Neapeler Appellhof hat jetzt die Klage zurückgewiesen, indem er ausdrücklich die Un­best echlichkeitder Firma Baedeker hervorhebt und ihr das Recht zuerkennt, das Hotel zu beurteilen. Der Spruch stellt auch fest, daß in der Bezeichnungalleinreisende Herren" nichts Kränkendes liege. Eine große Anzahl von Hotelwirten hatte sich in den Prozeß gegen Baedeker ein» gemischt, um sich für dessen Wahrheitsliebe zu rächen.

Verdingung M Fuhrlöhncu.

Die Abfuhr von Straßen- kehricht im Rechnungsjahr 1902,03 nach verschiedenen städtischen Wiesen soll Dienstag, 25. Febr. d. I.,

vormittags 11'/, Uhr, öffenllich verdungen werden. Äe Abfuhr umfaßt zirka 1680 cbm, die in 3 Lose ge­teilt sind. Die Bedingungen liegen während der Dienst­stunden auf unserem Bureau (in den Reuen-Bäuen Nr. 43, Zimmer Nr. 2, Schreibstube) zur Einsicht der Interessenten offen. Angebote auf vorge­schriebenem Formular sind bis zum genannten Termin daselbst einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. 1491

Gießen, 18. Februar 1902. Das Stadtbauamt.

Schmandt.

Hohversteigenmg

iw Ficher Staötmilfr.

Dienstag, 25. Februar, vormittags 10 Uhr be­ginnend , sollen im Licher StadtwaldDistrikt Rothenbusch, Sauloch und Ettingshäuser- kopf versteigert werden:

80 rm Buchen- und Weich- Holz-Scheüer,

200 rm Buchen- und Eichen- Knüppel, Stammprügel, 6500 Buchen, 4000 Eichen,

1000 Nadel, 1600 Weichholz-Wellen, größ­tenteils Durchforstungs­wellen,

200 rm Buchen-, Eichen- und Nadel-Stöcke,

170 Eschen-Derbstangen mit 6 tm,

590 Fichten-, Derb- und Reisstangen mit 13 km.

Zusammenkunft im Rothen­busch am Floß. 1508

Lich, 20. Jebruar 1902.

Großh. Bürgermeisterei Lich. Heller.

Hohversttigerung

Im Nieder-Bessingener Ge­meindewald werden versteigert Mittwoch den 26. Februar 185 Fichten-Bau- u. Schnitt­holzstämme von 16 bis 38 cm Durchm. und 10 bis 22 m Länge,

135 Fichten-Derbstcmgen,

20 Kiefern-Stärnme, Gruben- und Bauholz,

40 Eichen-Stämmemit 16km, ist Schwellen- und ge­eignetes Werkholz,

1 Lindenstamm.

Der Anfang ist vormittags 10 Uhr im Kleinhäuserberg.

Nieder-Beffingen, den 20. Februar 1902. GroßherzoglicheBürgermeisterei

Nieder-Bessingen.

Hör st. 1497

MMicn-LttstchttilW.

Montag den 24. Februar, nachmittags 2 Uhr, werden Schloßgasse 15, III, 1 Küchcn- und Konsolschrauk mit Glas­aufsatz, Sofa, Tische, Stühle, 1 Waschtisch, 1 vollständiges Bett, sowie verschiedene Haus- haltungsgegenstände meist­bietend gegen gleichbare Zahlung versteigert.____________________0689

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Konzert-Verein

Fünftes Konzert

Sonntag den 23. Februar 1902 im grossen Saale des Gesellschaftsvereins, ÄHsfuhrende: 1438

Frau Emma Huck heil-Hiller, Kammersängerin aus Stuttgart (S<pran), Herr H. Rurkbeii aus Stuttgart (Violine), Herr Chr. Gerb. Kokel aus Frankfurt (Klavier).

Programm.

1. Sonate für Violine und Klavier in ü-dur op. 96

2. Drei Lieder mit Klavierbegleitung:

a) Sui ika

b) Ga-ymed.....

o) Wohin.»,

3. Violine mit Klavierbegleitung:

Concerto romantique ....

4. Solostücke für Klavie- : Nocturn»', F-moll, op. 651 . ,

Polonaise, As-dar, op. 5

5. Drei Lieder mit Klavierbegleitung:

a) Ein Wanderer

b) Feldeinsamkeit ... *

c) Feinsliebchen .

6. Violine mit Klavierbegleitung: .Nocturne .... Capriccio .

7. Drei Lieder mit Klavierbegleitung:

a) Allerseelen

b) Du meines Herzens Krönelein c) Nene Liebe

L. van Beethoven j Fr. Schubert.

B. Godard.

y Fr. Chopin.

Joh. Brahms.

Edm. Singer.

Gust. Jensen.

Rich. Strauss.

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