Ausgabe 
21.2.1902 Erstes Blatt
 
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Augsburg, 21. Febr. Der Raubmörder Kneißl wurde heute früh hingerichtet.

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Madrid, 21. Febr. AuS den spärlichen Nachrichten, welche die Regierung durchläßt, ist deutlich $u erkennen, daß die Lage in Barcelona den höchsten Grad der Bedenklichkeit erlangt hat. Der Draht nach Barcelona wurde gewaltsam abgeschnitten, bald darauf aber wieder in Stand gesetzt. Etwa 40 Ar­beiter Vereine wurden behördlich aufgelöst. 50 Mitglieder verschiedener Ausschüsse wurden verhaftet. Ls verlautet, daß mehrere st a n d r e ch t l i ch erschossen werden sollen, lieber all herrscht furchtbare Panik. Weiber und srintec verlassen die Häuser ilicht. Zahlreiche begüterte Familien und Mlofterleutc ziehen fort. Der Mangel an Lebensmitteln, wird immer druckender. Am Mittwoch abend tvar die Stadt in tiefe Finsternis getaucht, weil die meist« Straßen'Laternen zerstört sind. Ed sanden furchtbare Straßenkämpfe und ein lebhaftes Gewehr­feuer iin Mittelpunkte der Stadt statt. Tie Briefträger wagen nicht mehr auszugehen. Die Zahl der Verhajteten ist wegen der strengen Zensur unbekannt.

Madrid, 21. Febr. (Senat.) Kriegüministcr Wehl er erklätt, die Lage in Barcelona habe sich weder gebessert, noch verschlimmert. Einige Straßenbahnen verkehrten. Die Bäckereien und Matcrialwarenhandlungen seien wieder er­öffnet. Die Regierung werde, falls eS nötig sei, die 1. R e- ferne einberufen.

Triest, 21. Febr. Ein hiesiges Blatt konstatiert, daß der Pöbel, aufgehetzt durch Anarchisten, die Absicht hatte, das Lloyd-Gebäude und das Rathaus zu demolieren, und die durch die Zertrümmerung der Straßen-Lalcrnen her­beigeführte Finsternis zur Plünderung von Läden und Magazinen zu benutzen. Da die Polizei hiervon recht­zeitig unterrichtet war, konnte das Vorhaben vcreüelt werden. Gestern wurde ein Korporal der Reserve verhaftet, der anar­chistische Drohungen ausgestoßen hatte. Er wird standrecht­lich abgeurteilt werden.

Prag, 21. Febr. Gestern mußte eine Studenten­versammlung, in der Stellung zur Duellfrage ge­nommen werden sollte, aufgelöst werden, weil die nationalen Studenten die Entfernung der katholischen Verbindung Ferdinanden" unter stürimschen Demonstrationen verlangten.

Lemberg, 21. Febr. Blätter melden aus Kiew, daß dort ernste Studenten- Kundgebungen statt- fanden. Tie innere Stadt durchzogen johlende Trupps von Studenten mit roten Fahnen, welche die Inschrift zeigten:Fort mit d e m Absolutismus, es lebe bie Freiheit." Militär wurde requiriert. Die Ko­saken hieben auf dieStudentenein. Viele Per­sonen, auch Frauen wurden verwundet. Tas Militär wurde mit Steinen beworfen, und machte von der Feuer­waffe Gebrauch. Die Studenten riesen:Weg mit der Dynastie Romanow". In Kiew und Odessa fanben Massenverhaftungen statt.

Petersburg, 21. Febr. Zur Verstärkung des Baues von neuen Kriegsschiffen ist die Anweisung eines be­sonderen Betrages von 15 Mill. Rubel über das Jahres-Budget hinaus in Aussicht genommen. (DaS ist wohl die erste russische Antwort auf den Abschluß deS englisch-japanischen Abkommens.)

New-York, 21. Febr. Ein militärischer Empfang, wie er dem Prinzen H einrich zu teil wird, hat nie zu­vor stattgefunden. Der Adjutant General (Sorbin bestimmte, daß die Bürgermeister und die Miliz überall für die Eskorte des Prinzen sorgen. In Washington und St. LouiS wird sie durch reguläre Truppen gestellt.

Caracas, 21. Febr. Die Regierung meldet, die Auf­ständischen unter General Riera seien bei Eoro geschlagen worden.

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Arbeiterbewegung.

Geraiug, 2u. Febr. Turch die '21 uöjperrungen der Arbeiter der Grube von Marihagl ist große Erbitterung unter den Arbeitern der anderen Gruben ausgebrochen. Man be­fürchtet, daß auch diese sich dem Ausstand anschließen. In Mari- Hage ist Gendarmerie emgetroffen, um die Ruhe aufrecht zu erhalten.

_ Bibliothekaren Prof. Tr. Dahlmann an der flrnilin. Bibliothek zu Münster i. W., Pros. Tr. L. Lohn an ^Univ^Bibl. zu Breslau, Tr. Flemming an der Univ.- Wihl IU Bonn und Dr. F a l ck e n h e i n e r an der Unw.'Bibl. ^Sötttngen ift d-r Titel .Ld-EblwIH-k-r- beigdegt mnrben. . -

Telephonischer Kursbericht.

.Frankfurt u. 31., 21. Februar.

Berlin, 21. Febr. . _

sich eingehend mit der Erklärung des Staatssekretärs P o s a- dowsky. Am Schlüsse einer längeren Betrachtung sagt dieDtsch- Tgztg.": Wenn fein Zolltarifgesetz und fein Zolltarif und keine Handelsverträge zu stände kommen, so liegt die Schuld ausschließlich an der Regierung, welche der Meinung zu sein scheint, daß die Geduld des deutschen Volkes und zwar des gesamten erwerbsthätigen Volkes, nicht nur der Landwirtschaft, unerschöpflich ist. Daß diese Meinung sehr irrig ist, wird die nächste Zukunft lehren. DieStaotsb.-Ztg." meint: Um überhaupt das Zustande­kommen eines Tarifs zu ermöglichen, müßten jetzt in der vaterländischen Polttik alle Kräfte ausgelöst werden, die eine Verständigung auf dem Boden der Regierungs-Vorlage herbeizusühpen geeignet sind, da schließlich diese vom all­gemeinen Standpunkt aus betrachtet, immer noch besser sei, als der jetzige autonome Zolltarif. Auch dieTgl. Rudsch." hält eine Verständigung immer noch für möglich, wenn auch die Hoffnungen aus ein Mindestmaß herabgesunken seien, denen vielleicht die Regierungs-Erklärung den letzten Halt geraubt habe. DieBerl. N. Nachr." warnen die Agrarier, indem sie sagen: Die deutsche Landwirtschaft stehe vor der Frage, ob sie mit den erheblichen Zuwendungen, welche die 'Tarifvorlage ihr biete, vorlieb nehmen oder das darm enthaltene Gute jenem Besseren opfern wollen ,das be­kanntlich des Guten Feinfd ifd DieNat.-Zta." sagt: Die Die Regierung würde das deutsche öffentliche Leben unaus­bleiblichen Krisen schwerster Art entgegensühren, wenn sie ihren Zolllahn Wetter aus den Wogen endloser Kommissions­und Plenar-Beratungen treiben ließe. TieVolksztg." führt aus: Für die entschiedene Linke liege auch nach der gestrigen Erllärung des Staatssekretärs Posadowsky durchaus kein Grund vor, von ihrer bisherigen Taktik, daß der Zolltarif­entwurf nicht Gesetz werden dürfe, abzugehen. Der vor­wärts" glaubt, daß für die Zoll-Opposition nunmehr der eigentliche Kamps beginne. Nach Ansicht des sozialistischen Blattes wäre es ganz verfehlt, wenn jemand glauben wollte, daß durch die Erklärung des Grasen Posadowsky der Zoll- taris-Vorlagc das Todes-Siegel ausgedrüctt worden fei.

Gesellschaft Sachsenhausen.

Samstag den 22« d. Mts.:

Stiftungsfest mit 2lall

Neueste Meinungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

S. Darmstadt, 21. Febr. Zweite Kammer. Finanz- minifter Dr. G n a u t h weist auf seine, dem Hauptvoran- schlaä^ beigefügte Erklärung hin und macht besonders au Die Thatsache aufmerksam, daß nach den neueren Fest­stellungen aus den Holzerträgnissen im laufenden Jahre eine Minder-Einnahme von 615 000 Mk. ju erwarten sei Der Ausblick auf die Budgets der nächsten Jahre, das Defizit des Reichs usw. drängen dazu, an einer Er-

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Offenbach, 20. Febr. Der Aufsichtsrat der L e d e r w e r k e oorrn. P. I. Spicharz hier beschloß, der Generalversammlung für das Jahr 1901 die Verteilung einer Dividende von drei Prozent vorzuschlagen. Der Reingeivinn beträgt 67 768 Mk.

Frankfurt a. M., 20. Febr. Die hiesige Likörfabrik und Weinhandlung I. Wallenfels befindet sich in Z a h l u n g s ° schwierigkeiten und strebt ein Arrangement auf der Basis von 337, Prozent an. Der.Spiritusring ist daran beteiligt.

Süddeutsche Eisenbahugesellschaft, Darmstadt. Rach dem nunmehr erschienenen Motivenbericht über das mit der Stadt Darmstadt gebildete Konsottium zum Bau der Darmstädter Vorortbahn sind vom Konsottium insgesamt 5790000 Mark aufzubringen, davon durch die Gesellschaft die Hälfte. Zunächst sind indeß nur rund 800000 Mark aufzubringen, weshalb die Gesellschaft um die Ermächtigung nachsucht, diese Geldmittel im Zusammenhänge mit anderem Geldbedarf best- möglich zu beschaffen.

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Darmstadt, 18. Febr. Ein Fall grober Verfehlung gegen hi- «eftimmunaen zur Abwehr der Maul- und Klauenseuche, unb^mor auAcm Kreise Erbach, gelangte auf staalsanwalttiche «R-nitina aeaen den Landwirt Leonhard xrumpi von odjonnen iur j3crbaSö?ung vor der Strafkammer I unb trug dem bis dahin SLfrralten Angeklagten Verurteilung zu 5 Tagen Ge,angnts ein. G^ade jener Kreis war im Herbst v. Js. durch die Seuchedeson- ders statt heimgesucht, und es sollen außer dem anderwetten schaden allein etroa 60 Stück Rindvieh krepiert fein. ^csch^^chadigung aeht also tedenfalls hoch in die Tausende, -t.ru, npf brach tm Cftobcr Sn? hie damals durch das Kreisamt über >L>chonnen verhängte Gemattungssperre, wonach jede Verbringung von Klaue,wteh aus der Gemarkung ohne tierärztliche Bescheinigung verbo^n war. DieleS Verbot war sowohl im Kreisblatt, wie auch m Lchonnen lelbli ottSüblich bekannt gemacht worden und Trumps leugnete seine Kenntnis desselben nicht. Er wollte ein Schwein M dem Eber in bem benachbarten Heisterbach bringen unb wahrichemlich bic Holten bei Zieratjteö sparen. Obwohl ihn der Poltzetdiencr noch aus­drücklich warnte, führte er sein Vorhaben aus, wurde aber unter­wegs betroffen und zur Anzeige gebracht. Tas Schöffengericht faßte das Vorbringen des Angeklagten als einen die »Wment ich- UUe ausschlteßenden Irrtum auf und sprach nur wegen 6ahrla||lg° keil auf Grund des § 66 des Reichs-Senchengeseyes von 189o 10 Mk. Geldstrafe aus. Die Berufungsinstanz hielt das ^.hat- bestandsmettmal der Wissentlichkeit, also em.Vergehen gegen §328 des St^G.-B. für erwiesen und zog die Gemeingefahrltchkeit der -rhat strafer^ohend^iu^Betrachl.^cht^anwalt rTQX)i der Verteidiger der im Elberfelder Militärbefrelungsprozeß Verutteillen. Baumann, Hermann Hufschmied und Albert Hufschmied aus Remscheid beam tragte die Wiederaufnahme des Verfahrens auf Grund des § 399 Nr. 5 der Str.-P.-Ord.

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Höhung der Vermögenssteuer fesrzuhalten. Köch- i er- Tarmstadt hält die Lage für ernst, glaubt aber, der Finanzminister habe zu schwarz gemalt. Tie geplante Erhöhung der Steuer würde im Lande große Unruhe Her­vorrufen. Er ist entschieden gegen die Erhöhung. M o l - than stimmt Kühler zu. Unwidersprochen sei bisher ge­blieben, daß eine Menge erster Steucrkräste durch Auf­hebung der Gewerbe- und Grundsteuer bebeutenbe Vorteile erzielten. Ulrich hält die Lage für so ernst, daß man den Vorschlag des Finanzministers unterstützen müsse. Toch ist er für die progressive Einkommensteuer, auch die Revision des Stempelsteuergesetzes sei notwendig. Wolf ist gegen die Erhöhung, Weidner spricht für die Er­höhung der Einkommen- wie Vermögenssteuer.

Berlin, 21. Febr. Wie aus parlameotarischen Kreisen mitgeteilt wird, hofft man in den Mehrheits-Parteien trotz der Erklärung des Grafen Posadowsky, daß die Regierung doch noch bezüglich des einen oder anderen Mindest- zoll es entgegenkommen werde. Die Regierung habe nur so wird geltend gemacht, den Kompromiß-Antrag für unannehm­bar erklärt, aber nicht jede andere Erhöhung, wie beispielswe,se eine Erhöhung des Gersteuzolles um 1 Mark, während der Kompromiß-Antiag bekanntlich diesen um 2,50 Mark erhöhen will. Rach demVorwärts" hieß es in der Zolltarif-Kommission, die Mehrheit beabsichtige die Debatte über die Koruzölle durch einen Schlußantrag vor einer entgehenden Erörterung der Wirk­ung der Zölle zu Ende zu bringen.

Haag, 21. Fcbr. Dr. Kuypers protestierte gegen die Information, die aus englischen Quellen stammt, und wonach die holländische Regierang bei der Antwort auf die englische Rote die Ansicht der Buren-Delegierten nicht eingeholt habe. Dr. Kuypers erklärte, eine solche Handlung sei unverständlich, da die Buren-Delegierten zu keinem anderen Zwecke als zu diesem beglaubigt seien.

Lüttich, 21. Febr. Bei den grstttgeu Kundgebungen, gegen den Militarismus und zugunsten des allgemeinen bleichen Stiwmrechts beteiligten sich mehrere tausend Personen Namentlich hatten sich zahlreiche Arbeitslose eiugefuuden. Die Sozialisten Demblon und Meets und andere Führer hielten Ver­sammlungen ab, in denen sie heftige Reden hielten. Der Sozialist Pausen erklärte, man muffe mit Gewalt gleichzeitig das all. gemeine Stimmrecht und die Republik verlangen. Der Deputierte Smeets erklärte, wenn der König das allgemeine und gleiche Stimmrecht mcht bestätigen wolle, muffe mau die Genehmigung von ihm erzwingen und ihn über die

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Das Erdbeben in Kaukasien. In Schemacha haben die Erdbeben wieder begonnen. Die Zahl der Toten wird schon auf 5000 geschätzt. 30 000 Menschen find obdachlos; bisher wurden 32 lebendig ausgegraben. Beim Dorfe Asttachanka ist ein neuer vierter Vulkan thäti g.________________

Familien Nachrichten.

Gestorben. Karl Big elius, Pfarrer zu Holzhaufen vor der Höhe.