wird tm Beschlußantrage willkommen geheißen und alle liberalen Mitglieder des Parlaments werden aufgefordert, Sir Henry Campbell Bannerman bei seinem Eintreten für diese Politik im Parlament zu unterstützen. Der Beschlußantrag wurde mit großer Begeisterung angenommen.
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 20. Februar 1902.
Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Dr. Gaffky, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heyligen- staedt, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Orbig, Petri, Pirr, Dr. Schäfer, Schiele, Schmall und Wallenfels.
Entschuldigt: Die Stadtverordneten Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gutfleisch und Loos.
Bürgermeister Mecum bringt ein Schreiben des Präsidenten des hessischen Landwirtschaftsrats, Ha as, zur Kenntnis der Versammlung, in dem derselbe seinen Dank für den zu Ehren der Teilnehmer an dem Vortragskurse für Landwirte veranstalteten Kommers ausdrückt. — Eine weitere Mitteilung betrifft die Feier des 38. Stiftungsfestes des Bauer'schcn Gesangvereins am 9. März d. I., zu der die Stadtoerordneten-Versammlung eingeladen wird.
In der vorigen Sitzung hatte Stadtv. Hanau mit Bezug auf die Versteigerung des Müller'schen Wiesengeländes in den Gänsäckern erklärt, daß ein Mitglied des Stadtvorstandes mitgeboten habe unter der Angabe, er kaufe das Gelände für die Stadt. Stadtv. Hanau nannte auf Befragen den Stadtv. Löber. Bürgermeister Mecum erklärte damals, daß er wohl jemand mit dem Ankauf der Wiese beauftragt habe, aber nicht den Stadtv. Löber. Stadtv. Löber stellte hierauf in Abrede, eine derartige Aeußerung gethan zu haben, worauf Stadtv. Hanau den Nechtsbeistand der Müllers Erben, Ernst Jughardt in Dortmund, als denjenigen bezeichnete, der die Aeußerung Löbers bestätigt habe. — Stadt. Löber erklärte hierauf, wenn Jughardt dies gesagt habe, habe er gelogen; er (Löber) habe die Wiesen gekauft, um sie der Stadt zur Verfügung zu stellen und werde sie, als Bürgermeister Mecum erklärte, der Preis sei zu hoch, für sich behalten. In der heutigen Sitzung kam die Sache nochmals zur Sprache. Bürgermeister Mecum, der vorher die Erklärung abgab, daß er die Nichtanwesenheit Löbers bedauere (derselbe war nach Mitteilung des Stadtv. Helfrich infolge Teilnahme an einer Beerdigung verhindert) erläutert nochmals kurz den Sachverhalt und bringt dann em an Ernst Jughard gerichtetes Schreiben Löbers zur Kenntnis der Versammlung, das die Mitteilung enthält, daß die „Dispositions-Kommission" anders beschlossen habe, die Stadt also das Gelände nicht kaufen werde. J" einem Schreiben Jughards an den Bürgermeister wird mitgeteilt, daß Stadtv. Löber ihm gegenüber erklärt habe, er kaufe die Wiese für die Stadt; er könne deshalb nicht begreifen, daß Löber gesagt, er (Jughardt) habe gelogen, er weise diese Unterstellung entschieden zurück und bitte, der Versammlung Kenntnis von dem Schreiben zu geben.
Stadtv. Krumm bringt hierauf zur Sprache, daß bei den letzten Deputationswahlen der Stadtv. Huhn nicht in die Baudeputation gewählt wurde, weil er Architekt sei; er könne nur mitteilen, daß man in anderen Städten daran Anstoß nicht nehme, die Ausschließung des Herrn Huhn habe in der Stadt Beftemden erregt. Bürgermeister Mecum teilt mit, daß er darauf zurückkommen werde und bemerkt weiter, daß Stadtv. Löber ihm vor etwa 2 Monaten mitgeteilt habe, daß ein ehemals dem Oekonomen Heß gehöriger Acker am Rodberg, den jedenfalls die Stadt für die Anlage eines Nordbahnhofs brauchen könne, gekauft worden sei und zwar der Quadratmeter zu 30 Pfg. Löber habe dabei angegeben, er habe keine Ahnung davon gehabt, daß der Acker verkäuflich sei, er hätte sonst den Bürgermeister darauf aufmerksam gemacht. Es sei aber festgestellt, daß der Vorbesitzer Heß Herrn Löber den Acker vorher angeboten und denselben zwecks Verhandlungen sogar in seiner Wohnung aufgesucht habe. Herr Löber habe für den Acker 2000 Mk. geboten, den Zuschlag aber nicht erhalten. Vielmehr habe Herr Heß den Acker bald darauf an Herrn Friedr. Cost für 2200 Mk. verkauft. Herr Löber habe also die entsprechende Mitteilung dem Bürgermeister erst dann gemacht, nachdem es ihm nicht gelungen war, den Acker für sich selbst zu erwerben. Herrn Löber scheine aber an dem Besitz des Ackers sehr viel gelegen zu sein, denn sein Schwiegersohn Möser habe für denselben vor kurzem Herrn Cost 1 Mk. für den Quadratmeter, also für daS Grundstück, das vor 2 Monaten für 2200 Mk. verkauft sei, über 7000 Mk. bieten lassen. Solche maßlosen Bodenspekulationen seien mit dem Amt eines Stadtverordneten nicht vereinbar, und da gerade die Leute, die am Bahnhof—Nord das größte Interesse haben und am meisten danach schreien, die Bodenpreise daselbst in unerhörter Weise in die Höhe treiben, werde es äußerst schwer werden, aus öffentlichen Mitteln auch nur einen Pfennig zu diesem Bahnhof zu bewilligen; denn dadurch würde nur der Bodenwucher zu Gunsten einzelner durch öffentliche Mittel gefördert werden. Er hoffe, daß sich Stadtv. Löber bald rechtfertigen könne.
Zu der Bemerkung des Stadtv. Krumm über die Nichtzuziehung deS Stadtv. Huhn in die Baudeputation, bemerkte Bürgermeister Mecum, daß seiner Ansicht nach Architekten, die sich mit Bauspekulation befassen, nicht Mitglieder der Baudeputation sein könnten. Er habe unter möglichster Schonung des Herrn Huhn in der betreffenden nichtöffentlichen Sitzung nur als Gerücht erwähnt, was wirklich Thatsache sei. Stadtv. Huhn habe ihm mitgeteilt, daß das Dern'sche Gelände zwischen Frankfurterstraße und Eisenbahn verkäuflich sei. Gleich darauf sei auch ein Agent zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, der Teil des Dern'schen Geländes, auf dem die Wohngebäude, Kalkofen usw. stehen, sei verkauft, dagegen sei daS Ackerland noch verkäuflich, und die Stadt habe wohl Interesse an dem Erwerb desselben. Er habe darauf den Agenten mit einleitenden Verhandlungen beauftragt. Letzterer habe aber einige Tage später mitgeteilt, daß der Besitzer von seiner hohen Forderung nichts ablasse, derselbe besitze einen Parzellierungsplan über das Grundstück mit eingetragenen Hausgrundriffen und eine Wertberechnung dazu, letztere mit der Unterschrift des Stadtverordneten Ludwig Huhn. Es sei wohl anzunehmen, daß diese Berechnung schon vor längerer
Zeit angefertigt sei; dieselbe sei jedoch ein Beweis dafür, daß Herr Huhn nicht in die Baudeputation hineingehöre. Er habe in der geheimen Sitzung am 16. Januar, wo er Vorstehendes nur als Gerücht erwähnt habe, auf Aufforderung des Herrn Huhn, der dies Gerücht als unwahr bezeichnete, wiederholt erklärt, er sei bereit, Herrn Huhn seinen Gewährsmann zu nennen. Unmittelbar nach dieser Sitzung und nochmals am 17. Januar habe er Herrn Huhn wiederholt gefragt, ob er ihm nun den Gewährsmann nennen solle. Herr Huhn habe aber immer wieder erklärt, er wolle den Namen nicht wissen, denn es sei möglich, daß er die Wertberechnung aufgestellt habe. — Stadtv. Jughardt stellt in Abrede, daß der Ausschluß Huhns in der Stadt mißbilligt worden sei. — Stadtv. Huhn erklärt, sich nicht erinnern zu können, eine derartige Berechnung gemacht zu haben, wenn es geschehen sei, so sei dies von einem Gehülfen nach einem von Geometer Wißner gefertigten Plun und jedenfalls schon vor sehr langer Zeit ausgeführt worden. — Bürgermeister Mecum bemerkt, daß Herr Huhn nach der Aussage desselben Agenten dein Besitzer des Grundstücks auch vom Verkauf abgeraten, da das Gelände noch im Werthe steige. Geometer Wißner könne weder die Parzellierung noch die Wertberechnung gemacht haben. — Beigeordn. Wolff stellt fest, daß Herr Huhn in der fraglichen Sitzung der Stadtverordneten ausdrücklich erklärt habe, einen Plan oder eine Wertberechnung für das ragliche Gelände nicht gefertigt zu haben, dagegen habe er noch an demselben Abend gleich nach der Sitzung die Möglichkeit zugegeben. Dies sei höchst bedenklich. Stadtverordn. Schmall bemerkt, daß, solange nicht feststehe, daß Huhn die Unterschrift gegeben, als er schon Stadtverordneter war, seine Handlungsweise nicht verurteilt werden könne. — Stadtv. Huhn betont wiederholt, daß er sich auf Einzelheiten nicht mehr besinnen könne, die Sache aber untersuchen wolle. — Stadtv. Kirch erklärt, Herr Krumm habe Herrn Huhn keinen Gefallen gethan, als er die Sache anschnitt; die Majorität habe sich gegen die Wahl Huhns in die Baudeputation erklärt, womit man sich hätte bescheiden sollen. — Stadtv. Dr. Gaffky bemerkt, daß es im Interesse aller Stadtverordneten liege, daß die Sache aufgeklärt werde; Herr Huhn habe die Pflicht gehabt, sofort nach der Sitzung am 16. Jan. die nötigen Schritte zur Aufklärung zu thun. Er habe dies leider unterlassen, aber er sei seinen Kollegen eine entsprechende Erklärung schuldig. — Stadtv. Schmall: Gegen Herrn Huhn liege nur em Indizienbeweis vor, es sei nicht möglich, daß man sich immer an frühere Vorgänge erinnere.
Unterdessen ist Stadtv. Löber erschienen. Auf das, was Bürgermstr. Mecum nunmehr wiederholte, erklärte Stadtv. Löber, es sei eine Lüge, daß sein Schwiegersohn Möser ein Gebot auf das Heß'sche Grundstück gemacht; er habe alles Gelände, das er bisher erworben, mit dem Vorsatz gekauft, es der Stadt zur Verfügung zu stellen, er werde in Zukunft nichts mehr kaufen. Er bezeichnet mit Bezug auf die Wiese am Gänsacker es als Unwahrheit, gesagt zu haben, er kaufe sie für die Stadt. Auch von dem Verkauf des Geländes von Dem an feinen Verwandten Kitz habe er erst nach Abschluß des Kaufvertrages Kenntnis erhalten.
Nachdem Bürgermeister Mecum erklärt hatte, daß er von zwei glaubwürdigen Z^ug^n, darunter von Cost selbst, gehört habe, daß Herr Möser das angeführte Gebot auf das früher Heß'sche Gelände gemacht habe, giedt Herr Löber die Möglichkeit dieser Thatsache zu, jedoch wisse er nichts davon und verspricht Aufklärung. Damit wird der Gegenstand verlassen.
Die zu dem Entwurf des Fahrplans der Bieberthalbahn aus der Mitte der Versammlung geäußerten, den Verkehrsinteressen der Stadt mehr entsprechenden Abänderungsvorschläge sollen der Bahnverwaltung unterbreitet werden.
Das Gesuch der Gebrüder Zutt um Bauerlaubnis für die Steinstraße wird befürwortet.
Mit der von der Baudeputation beantragten Entschädigung für das von Jacob Stein an die Stadt abzutretende Straßengelände in der Stephansmark im Betrage von 12 000 Mk. erklärt sich die Versammlung einverstanden, desgleichen mit
der Vergebung der Reinigungsarbeiten an den städtischen Flutgräben an die Unternehmer Simon in Gießen und Balser und Schmidt in Rödgen.
Bei Vergebung der Cementrohrlieferung anläßlich der Verbreiterung der Ro dHeimer st raße ist der Firma H. Sack in Heuchelheim als Mindestfordernden der Zuschlag erteilt worden; dies hat der Firma I. Dern u. Co. hier Veranlassung gegeben, sich beschwerdeführend an die Versammlung zu wenden, indem sie geltend macht, daß die Gießener Mitbewerber im Hinblick auf die von ihnen zu entrichtenden höheren Abgaben, sowie in ihrer Eigenschaft als Abnehmer von Elektrizität rc. den Vorzug verdient hätten. Die Firma bittet, daß in Zukunft, wenn bei Submissionen eine auswärtige Firma eine etwas billigere Offerte gemacht, es den hiesigen Firmen gestattet werde, ihr Angebot entsprechend der Offerte des auswärtigen herabzusetzen. Es wird nach Vorlage des Stadtbauamts-Berichts beschlossen, über das Gesuch zur Tagesordnung überzugehen.
Schluß folgt.
cÄiis Stadl und Land.
(Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
Gießen, 21. Februar 1902.
LU. Von der Universität. Der Lektor der englischen Sprache Shawcroß scheidet mit Ablauf dieses Semesters aus dem Verband der Hochschule aus.
** Militärdienstnachrichten. Kattrein, Hauptmann im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 118 wurde der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt. Dr. Wende, Oberstabs- und Regimentsarzt des Jnf.-Regt. Markgraf Ludwig Wilhelm Nr. 111 wurde zum Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 versetzt. Zum Oberarzt befördert wurde der Assistenzarzt Dr. Achert in Friedberg.
•• Verhaftung. Ein Soldat unseres Infanterie-Regiments Nr. 116, der auf einige Tage nach Darmstadt beurlaubt war und nach Ablauf seines Urlaubs zu seinem Truppenteil nicht zurückgekehrt ist, wurde durch einen Schutzmann in Darmstadt festgenommen und an die Schloßwache abgeliefert.
Butzbach. 19. Febr. An Stelle der 1901 ausgeschiedenen
Kreistagsabgeordneten sind folgende Herren durch Bevollmächtigte der Gemeindevorstände gewählt worden: im 1. Wahlbezirk Mühlenbesitzer Falck zu Friedberg, im 2. Bürgermeister Wörner zu Bad-Nauheim, im 7. Bürgermeister Alles zu Nieder-Florstadt, im 9. Bürgermeister Krausgrill zu Nieder-Weisel, im 10. Bürgermeister Reuhl zu Gambach, im 11. Bürgermeister Born zu Ober-Mörlen und im 14. Heinrich Rupp el zu Kloppenheim.
Friedberg, 21. Febr. Heute sind es 25 Jahre, seit der Rechner des hiesigen Mathildenstifts W. Faatz als Gehülfe an dem Stift eintrat. Seiner Begabung auf dem Gebiete des Rechnungswesens und seiner seltenen Arbeitskraft ist es mitzuverdanken, daß der Geschäftsbetrieb so überaus groß und rührig geworden ist.
Darmstadt, 20. Febr. Eine Zählung der Arbeitslosen ergab 1405 gänzlich Arbeitslose, 776 mit beschränkter Arbeitszeit.
Darmstadt, 21. Febr. Der Groß Herzog von Sachsen- Weimar traf (vgl. Parlaments-Ausgabe) gestern nachmittag 2 Uhr 22 Min. mittelst Extrazuges zum Besuch am Großh. Hofe hier ein. Da der Besuch der erste nach b.em am 5. Januar v. I. erfolgten Regierungsantritt des jungen Großherzogs am hiesigen Hofe einen offiziellen Charakter hatte, fand auf dem Bahnhofe großer militärischer Empfang statt. Anwesend waren der Groß Herzog, der preußische und der russische Gesandte, Staatsininister Rothe, Provinzialdirektor Frhr. v. Grancy, Polizeirat Dr. Kratz, die obersten Hofchargen, die Spitzen der Militärbehörden und Mitglieder des- Offizierkorps. Auf dem inneren Bahnsteig hatte eine unter dem Kommando des Hauptmanns Frhrn. Treusch von Buttlar-Brandenfels stehende Ehrenkompagnie des Jnf.-Regts. Nr. 115 mit der Militärkapelle, vor dem Bahnhof eine die Eskorte bildende Eskadron des Leib-Drag.- Regts. unter dem Kommando des Rittmeisters Mackensen von Astfeld Aufstellung genommen. Als der Extrazug in die Bahnhofshalle einlief, spielte die Kapelle die Begrüßungs- Hymne. Nachdem der Gast dem Salonwagen entstiegen und den Großherzog durch Händedruck begrüßt, schritten beide hohe Herren unter den Klängen der Nationalhymne die Ehrenkompagnie ab, welche darauf in Parademarsch vor den Königlichen Hoheiten defilierte und die Bahnhofshalle verließ. Der Großherzog von Weimar begrüßte sodann die ihm vorgestellten zum Empfang anwesenden Herren, worauf sich die Herrschaften in das Fürstenzimmer begaben. Nach kurzem Aufenthalte dort bestiegen sie den vor dem Fürstenpavillon bereitstehenden offenen Vierspänner, dem zwei Spitzenreiter voraus ritten, die Eskorte teilte sich in zwei Kolonnen und gab das Ehrengeleite. Vor dem Bahnhof und auf der Fahrt nach dem Residenzschloß durch die reichbeflaggte Rheinstraße wurden die Herrschaften von dem sehr zahlreich erschienenen Publikum mit Hochrufen begrüßt. Um 5 Uhr fand Galatafel im Großh. Residenzschloß zu 37 Gedecken statt, bei der die Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 115 konzertierte. Arn Abend war im Hoftheater Festvorstellung, für heute vormittag ist ein Besuch des Jagdschlosses Kranichstein in Aussicht genommen. Die Abreise ist auf 3 Uhr festgesetzt.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag Reminiscere, den 23. Februar. Gottesdienst.
In der Stadtkirchc.
Vormittags 9‘/t Uhr: Pfarrassislent Vogt.
Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdicnst. Pfarrer Dr. Grein.
Nachmittags 2',, Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.
Pfarrer Schloff er.
Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.
Beichte und heil. Abendmahl für die Markusgemeindc. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde, Aliceftraße 12, erbeten.
In der Johanneskirche.
Vormittags 9'/2 Uhr: Pfarrer Dr. 91 a u m a n n.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Nauman n.
Abends 6 Uhr: Pfarrer Euler.
Al o n t a g, den 24. Februar, abends 8 Uhr, Bibel stunde im Konfirmandenjaale der Johanneskirche. Johanneseoangelium Kap. 15. Abschiedsreden Jesu: Weinstock und Reben; das Bleiben in Jesu Liebe. Pfarrer Dr. Naumann.
Mittwoch, den 26. Februar, abends 6 Uhr, 3. Passions- andacht in der Johanneskirche. Pfarrer Dr. Naumann.
9lächstfolgenden Sonntag, den 2. März, findet Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und die Johannes- gemeinde im A b e n d g o t t e s d i e n st statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Katholische Gemeinde.
Samstag den 22. Fedruar.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.
Sonntag den 23. Februar.
2. F a st e n f o n n ta g.
Vormittags von 6‘, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derjelben Austeilung der heil. Korn» munion.
, , 8 Uhr: Die zweite heil. Meße.
Militärgottesdienst mit Predigt.
„ „ 9H, Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre; daraus Fasten-Andacht.
Mittwoch Abend um 6 Uhr: Faslenandacht.
Kunst und Wstcnschap.
— Eine Episode auö dem Feldzuge in China hat im Auftrage des Kaisers Pros. Karl Röchling zu malen. Tas Bild wird den Titel führen „Germann r o the front!*
Stuttgart, 20. Febr. Wie der „Staats-Anzeiger" mitteilt, wird das provisorische Theater im botanischen Garten er» baut werden.
Nnmerstläls Nachrichten.
— -tdolf Kußmaul begeht seinen 8 0. Geburtstag am 22. Februar in Heidelberg, wo er seinen Wohnsitz hat, seitdem er sich von seinem Lehramt in Straßburg zurückgezogen hat. Ter große Meister ärztlicher Kunst und medizinischer Wissenschaft, der vortreffliche Lehrer hat sich noch nicht ganz von seinem großen Berufe zurückziehen können, seitdem er in der Stadt sich niedergelassen, in der er studiert und als „Bergarzt" zuerst selbstständig polcklinisch praktiziert hat. Er hat noch Vielen seinen Rat und Trost gespendet, und der Wissenschaft noch Vieles hinzugefügt. Kußmaul ist 1822 in Graben bei Karlsruhe geboren, wo fein Vater Arzt war. In seinen „Jugend-Erinnerungen", die er 1899 heraus- aegeben hat, erzählt er die Geschichte seines Lebens bis zu dem Punkte, wo ihn eine schwere Krankheit zwang, den praktischen Beruf als Landarzt aufzugeben und sich der ruhigeren Wissenschaft-' liehen Thätigkeit zu roibmen.


