hofft Me Red-Ftucrnzverwalttrna eine Betebung des Börsengeschäfts. Da eine solche, bei dem Fehlen besserer Aussichten für das Wirtschaftsleben im allgemeinen, nur dur^h die Beseitigung der von der Börse besonders drückend empfundenen Bestimmungen herbeigeführt werden könnte^ so läßt sich aus dieser Einnahme-Position der Schluß ziehen, daß die Regierung beabsichtigt, den Reichstag noch mit der Börsengesetz-Novelle zu beschäftigen.
Deutsches Keich.
Berlin, 19. Dez. Der Kaiser sagte sich heute abend äei dem Reichskanzler und der Gräfin Bülow zum Tiner an. Unter ben Geladenen befinden sich der Ches deS llivllkabinetts v. Lueanus, der Chef des Militärkabinetts v. Hülsen, Staatssekretär Graf Posadowsky, Minister Frhr. v. Rheinoaben, der Staatssekretär des Auswärtigen Äntes Frhr. v. Richtbofen, Unterstaatösekretär Mühlberg der Staatssekretär oes Reichsschatzamts Frhr. v. Thielmann, Vizeadmiral v. Senden, die Professoren Slabh, Harnack und Koch, der Wirkt Geh. Oberregierungstat Conrad, die Gesandten v. Ltchnowskh und Rücker-Jen isch, Oberstleutnant Plüskow, Korvettenkapitän Grumme, Geheimer Hofbaurat Ihne und Oberleutnant Graf Villor zu Eulenburg.
— Ter neue amerikanische Botschafter Tower wurde Freitag nachmittag vom Kaiser in Audienz empfangen.
— In parlamentarischen Kreisen wird an der Hoffnung sestgehallen, daß der Reichstag Mitte Januar in den Besitz des ganzen Reichshaushaltsetats gelangt sein wird. Tie erste Lesung des Etats soll alsdann sofort stattfinden.
— Aus Anlaß des Namenstages des Kaisers Nikolaus wurde gestern ein Festgottesdienst in der Kapelle der russischen Botschaft abgehallen. Ter Reichskanzler wohnte der Feier bei und nahm später an dem Frühstück in der Botschaft Teil. Ter Reichskanzler empfing Donnerstag den russischen Geheimrat Timiriasew vor dessen Abreise nach Petersburg.
— Ter „Staatsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 10. Dez., in dem unter Bezugnahme auf den Brand in einer Konditorei in Bochum, bei welchem neun in den oberen Geschossen wohnende Personen den Tod fanden und vier schwer verletzt wurden, auf genaue Beachtung der im Interesse der Feuersicherheit getroffenen Bestimmungen der Baupolizeiordnungen, insbesondere derjenigen über die Treppen, hingewiesen wird.
Hanau, 19. Dez. Bei der heute in Salmünster stcttt- Sndenen Ersatzwahl zum preußischen Ab-geordneten- e für den Wahlkreis Gelnbausen-Schlücktern erhiell >eshauptmann Frhr. Riedesel in Cassel (kons.) 165 Stimmen, Lucke (Bund der Landwirte) 42 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.
Kiel, 19. Dez. Anläßlich der Anwesenheit des Prinzen Albrecht von Preußen fand heute abend 7i/a Uhr bei dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen im Meißen Saale des Schlosses eine Tafel zu 50 Gedecken statt. An derselben nahmen außer den hohen Herrschaften tell: Prinz Adalbert von Preußen, der Kommandant des 9. Armeekorps v. Massow. Oberpftisidertt v. Wllmowsft, der Kommendator Gras Brockdorf-Ahlefeld, die übrigen Johannitterritter der schleswig-holsteinischen Genossenschaft mit ihren Gemahlinnen, sowie ine Hofstaaten der prrnz- lichen Herrschaften.
Breslau, 19. Dez. Auf das von dem Breslauer evangelischen Arbeitervereinanden Kaiser gesandte Huldigungstelegramm ist nachstehende Antwort eingegangen: „Ter Kaiser mit) König lassen dem dortigen evangelischen Arbeiterverein für den Huldigunasgruß rmd den Ausdruck der Treue vielmals danken. Auf Mlerchöchsten Befehl: v. Lueanus."
Ausland.
Brüssel, 19. Dez. Dom „Soir" zufolge bestätigt es sich daß KönigLeopold im Januar an Bord der Aacht ,Mberta" eine Fahrt nach Italien, Egypten und Grieche- land unternehmen wird.
Antwerpen, 19. Tez. Der Kvngodampfer „Albertville" bringt folgende Nachrichten aus dem Kongostaate mit: Im Kassaigebiete sind neuerdings Unruhen ausae- brochen. — Tas Gericht in Boma verurreille drei Europäer wegen Grausamkeit, verübt an eingeborenen Frauen und Kindern, zu 10 bis 15 Jahren Zwangsarbeit. — Tie Dkörder des Leutnants Tondeur, der in der Nähe des Kiwu-See meuchlings ermordet mürbe, sind hingerichtet worben. — Teil Befehlshaber bes Forts Mooni haben Eingeborene getötet rr nd aufgefressen.
Wien, 19. Tez. Wie verlautet, wird die Regierung das Budgetprovisorcum nicht mittels 8 14, sondern auf Grund kaiserlicher Ermächtigung perfektionieren.
Asch ab ad, 18. Tez. Der Chef des Depots der Eisenbahnstation Andischan meldet: Tas Erdbeben zerstörte alle Bauteil aus der Station und in der Stadt Tie Wasserleitung ist unterbrochen. Tas Inventar liegt unter Trümmern. Tas Personal ist obdachlos und mittellos unb wurde zeitweilig in Güterwagen untergebracht. Hilfe für die Bevölkerung ist nötig. Eine Hungersnot droht. Bis jetzt sind 510 Opfer festgestellt worden, darunter 10 Russen, die übrigen sind Eingeborene. Proviant wird in Margelan an- gekaust, Inventar wird aus Kokand gesandt Es ist angeordnet worden, daß den Eisenbahnbeamten Geldvorschüsse gegeben werden. Tas Erdbeben dauert fort Ser Generalgouverneur von Turkestan ist am 17. Dezember nach Turkestan abgereist. Tie Lokalzeitung „Sakaspiskoe Ob- serenjie" eröffnete eine Subskription.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 20. Dezember 1902.
” 93on der Landesunioersität. An der nunmehr beendigten juristischen Fakultätsprüfung haben sich 50 Rechtskandidaten beteiligt Von ihnen haben 32 bestanden und zwar einer sehr gut (1), drei gut (2), vierzehn im ganzen gut (3), vierzehn genügend (4). Von den nicht bestandenen Kandidaten befanden sich zehn zum ersten Male, sechs zum zweiten Male, zwei zum dritten Male im Examen.
* * Aus dem Mi litärwochenblatt. Beförderungen im Beurlaubtensland: Dse Vizefeldwcbel Hcckler flachen), Lutz (I Altona) zu Leutnants d.Res. des 1. Großh. Hesi. Jnf.-Rcgts. (Leibg.-Regts.) Nr. 115, Sunkel (Hers- feld), Wimmenauer, Dann (Gießen) zu Leutnants der Res. des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, Berg (Mainz) des Jns.-Leid-Regts. Großherzogin (3v Großh. Hess.) Nr. 117; die Vizewachnneüter Rötst deld
(Gießen) zum ßt d. Res. deS 1. Großh. Hess. Feldart-RegtS. Nr. 25, Neuling (Gießen) zum Lt. der Res. des 2. Großh. Feldart-Regts. Nr. 61, Birnbaum (Gießen) deS Großh. Hesi. Train-BatS. Nr. 18; die Vizefeldwebel LaspeyreS. HooS (Gießen) zu Leutnants der Landwehr 1. Aufgebots. — Der Abschied bewilligt: Lechner, Hauptmann d Res. deS Jnf.-Leib-RegtS. Großherzogin (3. Großh. Hesi.) Nr. 117 (Mainz), mit der Erlaubnis zum Tragen der Landwehr- Armee-Uniform.
— Die Anlagenmusik findet morgen um 1/112 Uhr in der Südanlage statt. Gespielt werden: 1. Ouvertüre zur Oper ,Stradella* von Flotow. 2. Spinnlied aus d. Op. »Die Hexe" von Enna. 3. An der VenuSgrotte! Walzer von Richardi. 4. Fantafie über Koschats „Verlassen bin i* von Reindel.
* * AuS dem Theaterbureau. Das neue Blumen- thal-Kadelburg'sche Lustspiel ,Das Theaterdorf wird Sonntag den 21. d. M. zum zweiten Male in Szene gehen. Auch für diese Vorstellung gelten der hohen Honorartostcn wegen erhöhte Preise.
* * Unglücksfall. Der in vergangener Nacht verunglückte Rangierer Magnus aus Großen-Linden ist gestern abend in der Klinik gestorben. Magnus war 22 Jahre, alt.
* * Der Gescyästss ührende Ausschuß für die landw. Provinzial-Ausstellung in Gießen 1903 beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Aufstellung einer Prämiierungsordnung. Es kommen als Geldpreise zur Verwendung außer den Ehrenpreisen, Medaillen, Diplomen für Rindvieh co. 3970 Mk., für Pferde ca. 1560 Mk., für Zuchtschweine 1130 Mk., für Ziegen 562 Mk., für Geflügel 350 Mk., für Obst 500 Mk., für Bienenzucht 200 Mk. Tie Platzfrage für die Ausstellung wird erst' anfangs Januar entschieden. Die Zeit ist auf den 10. bis 13. September 1903 festgesetzt. An die Ausstellung wird sich der Herbst-Pferbemartt voraussichtlich unmittelbar anschließen unb mit diesem wirb ein Zuchtviehmarkt, die Genehmigung des Ministeriums vorausgesetzt, verbunden. Auch die Lotterie der landwirtschaftlichen Ausstellung und des Pferdesmarktes wirb voraussichtlich eine gemeinsame sein. Ter Pferbemarkt würde bann auf demselben Platze ab gehalten werden, auf dem auch die landwirtschaftliche Ausstellung sich befindet. Die Ausschüsse werden zusammen gerufen werden, sobald die Platzfrage endgiltig entschieden ist, und der Plan der Ausstellung vorliegt. Es wird eine bedeutende Beschickung besonders auch mit Rindern und Pferden erwartet. Aus den Akten der Ausstellung vom Jahre 1895 wurde mitgeteilt, daß die Gesamtausgaben damals 90 000 Mark betrugen. Diesen Ausgaben standen damals größere Einnahmen gegenüber. Hoffentlich wird das auch bei der Ausstellung 1903 so sein.
*• In Amerika verstorbene Hessen. In Seybests- ville, Pa., Chr. Hampel aus Darmstadt, 82 Jahre alt. In Orange, To^ Frau Marg. Gr atz aus Auerbach, 71 Jahre alt. In Arlington, O., Frau I. Poth, geb. Hartmann, auS Brandau, 52 Jahre alt. In Hamburg, Can., Joh. Meiller aus Unterhausen (Kreis Alsfeld), 75 Jahre alt In Mount Carroll, Jll., Adam Messinger aus Zell, 41 Jahre all.
TraiS-Horloff, 19. Dez. Bürgermeister Bornmann wurde einstimmig wiedergewählt.
() Darmstadt, 19. Dez. Heute fand im hiesigen Hoftheater die Premiöre des diesjährigen Weihnachts- stückes „Das wundersame Bilderbuch" von Lise Ram speck, Musik von Aug. Ackermann, statt. Die Verfasserin ist die Gattin des langjährigen Redakteurs der „9c. H. Volksbl." und dupch ihre ftüheren im Großh. Hoftheater wiederholt zur Aufführung gelangten Märchenstücke auf das Vorteilhafteste bekannt und beliebt. Auch ihr neuestes Werk: „ein einem schlafenden Knaben im Traume erscheinendes lebend gewordenes Bilderbuch" zeichnet sich durch Originalität und flotte fidele Stimmung aus, sodaß nicht nur die zahlreich erschienene Kinderwelt, sondern, wie der oft stürmische Beifall des ausverkauften Hauses bewies, auch die Erwachsenen sich, auf das Vorteilhafteste unterhielten. Die von Acker- mann's kundiger Hand arrangierte Musik paßte sich dem Ganzen in vollendeter Weise an, auch ihm wurden, wie Oberregisseur Bald eck und der Ballettmeisterin Frau Thiele-Leonhard wohlverdiente Hervorrufe zu teil.
Mainz, 17. Tez. Die durch Reichstagsbeschluß für das Jahr 1910 verfügte Beseitigung des städtischen Oktrois beschäftigte gestern abend die hiesige Stadtverordnetenversammlung Handelskammerpräsident Geh. Kommerzienrat Michel referierte über die letzte Städte-Ver- sammlung, welche Stellung zu dem Reichstagsbeschluß genommen hat. Die Ausführung des Reichstagsbeschlustes würde eine bedeutende Erhöhung der Steuern in den betreffenden Städten zur Folge haben müssen. Ter Städtetag beschloß, eine erneute Eingabe gegen diesen gewaltsamen Eingriff in die Rechte der Städte zu machen, in welcher betont werden soll, daß nach Aufhebung des Oktrois die Fremden keinen Beitrag mehr zu den Kosten der Stäpte leisten würden, was bisher geschehen. Kommerzienrat Michel verspricht sich von der erneuerten Eingabe einigen Erfolg und macht darauf aufmerksam, daß der Ausfall für die Stadt Mainz 5 00 000 bis 600 000 Mark pro Jahr ausmache und daß es deshalb sehr fraglich sein werde, ob man fernerhin im Bewilligen noch eine so offene Hand haben bütfe, wie seither.
------------1 ■■■■ ■ ■ ■■ ' ----- ------------SLL"
Vermischtes.
* Unwetter unb Schneegeftöber. Aus ver- schiebenen Tellen deS Reiches laufen Meldungen ein über gestern niedergegangene Gewitter mit Schneegestöber. In Stuttgart trat vormittags 9 Uhr plötzlich Finsternis ein. Alsbald blitzte und bornierte es und Hagel prasselte $ur Erde nieder. Nach wenigen Minuten trat ein heftiges Schneegestöber ein. In Osnabrück, im Teutoburger Walde, in Köln und Karlsruhe enlluden sich gleichfalls Gewitter, nach denen heftiger Schneefall eintrat. Zahlreiche Telephon- leituugen nad) Mittel- und Norddeutschland sind zerstört. — Auch Hochwassernachrichten gehen ein. InBambergist die Regnitz im Steigen begriffen, der Oberrhein und seine Nebenflüsse steigen ebenfalls, und auch aus dem sächsischen Erzgebirge wird Hochwasser gemeldet.
* Berlin, 19. Tez. Ein 24jähriges aus Oesterreich gebürtiges Mädchen verübte heute morgen auf ihren ehemaligen Geliebten, den 26jährigen Civll-Jngenieur Karl Bär, angeblich wegen Bruchs des Eheversprechens auf der Gerhardstraße, einen Mordversuch, indem sie sechs Revolverschüsse auf chn abgab, von denen drei trafen. Die Thäterin wurde verhaftet. Ter Getroffene ist schioer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.
»Hamburg, 19. Tez. Im Hafen hat sich ungetoöbn- lich starker Eisgang eingestellt. Ter ganze Hasen bildet ein einziges Eisfeld, in dem die Schleppdampfer und Schleppzüge festsitzen. Zahlreiche Unfälle an kleinen Dampfschiffen sind eingetreten. Heute nacht trat Sturm, flut ein, die Bevölkerung wurde von 4 Uhr an durch War. nungsschüsse unterrichtet. Gegen Morgen wurde das Wetter ruhiger und die Ueberschwemmungsgesahr war vorüber
* Glückstadt, 19. Tez. Tie der hiesigen Rhederei E. I. N Falck gehörige Schoonerbrigg „Barbara Hendrika" wurde in der Nordsee ohne Bemannung mit gebrochenen Masten aufgcfanden und nach dem ena- lisch en Hafen Leith gebracht, lieber den Verbleib der Besatzung, die aus Kapitän unb fünf Mann bestand, ist nichts bekannt. Das Schiff war am 23. Oktober nach Leith in See gegangen und mit einer Ladung Kohlen von dort hierher unterwegs.
Cherbourg, 19. Tez. Zahlreiche Fischerboot» sind infolge des herrschenden Sturmes untergegangen. Die Zahl derselben ist zwar bisher nicht bekannt, doch ver- mutet man, daß sie sehr groß ist und viele Menschen um- gekommen sind. Ter durch den Sturm angerichtete Schaden ist sehr bedeutend.'
Gerichlssaal.
8. Gictzcu, 19.Tez. Schöffengericht. Zwei junge Bursche aus Staufenberg, beute wegen Sachbeschädigung angetlagt, scheinen jungst nach gemeinjamen, etwas ausgedehnten Wirtshausbesuche einen unbezwinglichen Thatendrang in sich verspürt zu Haden. Unterwegs wurde ein aus der Straße alleinstehender Cefonomie- ivagen mitgejchoben. Als der Weg jedoch für den Wagen zu schmal wurde, entfernten die Beiden sämtliche Räder und rollten zwei davon in einen naheliegenden Teich, zwei warfen sie in einen Ziehbrunnen. Ter enträderte Wagen wurde sodann mit vereinten Kräften über den Zaun am Wege geworfen; dort blieb er zerschellt liegen. Nach dieser Kraftprobe kehrten die Burschen befriedigt zur Wirtschaft zurück. Tas Urteil lautete gegen St. auf 6Wochen, gegen Gr., der noch nichtsvorbestraft ist, auf 4 Wochen Gelängt nis. — Der Kaufmann Fritz K., z. Zt. in Frankfurt, war kurzlia, in einer am hiesigen Schöffengericht anhängigen Privarklagcsache als Zeuge geladen. Bei Auszahlung der Zeugengebühren gab er unter anderem an, von Hannover bis Gießen dritter Klasse gefahren zu sein, wahrend er in Wirklichkeit die vierte Klasse be- nutzt hatte. Den hierdurch erlangten Ueberjchuß an Gebühren verwandte er für sich. K. wurde deshalb heute wegen Betrugs zum Nachteil des Fiskus bezw. des Privatklägers, der den Vorschuß geleistet hatte, unter Annahme mildernder Umstände zu ei.iei Geldstrafe von 100 Mk. verurteilt.— Dieser Fall beweist beur- lich, daß man auch bei Liquidation von Zeugengebühren streng ehrlich sein muß; das Gericht Hal immer nur die wirklichen ÄuS- lagen zu vergüten. — In einer Privatklagesache, die den Schluß der Sitzung bildete, wurde der Dienstmann K. wegen Ungcbuljr vor Gericht in eine Ordnungsstrafe von zweimal drei Tagen Hast genommen.
Krefeld, 18. Tez. Der Prozeß Terlinden, der für Mitte November angekündigt war, scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Nach der „Rhein.- und Ruhrztg/ hat nach den Rechtsanwälten Tr. Wallach und Bonwitt nunmehr auch der Rechtsanwalt Walter das Mandat zur Verteidigung niedergelegt. Nach demselben Blatte soll Terlinden Geistesgestörtheit simulieren.
Köln, 19. Tez. Heute vormittag wurde das Urteil gegen den Bankier Strömer gesprochen, der ihm anoertraute Tepostlen im Betrage von 138 000 Mk. unterschlagen hatte. Strömer erhielt 2'/, Jahre Gefängnis. Zahlreiche kleinere Leute sind vollständig ruiniert.
München, 19. Dez. Vor dem hiesigen Landgerichte ist heut« nach dreitägigen Verhandlungen der bekannte Wucherprozeß gegen ein aus fünf Personen bestehendes .Geschästskonsoruum' (Agenten und Kaufleute) zu Ende geführt worden. Drei der 8Jn- geklagten wurden freigesprochen, zwei zri 6 und 10 Monaten Gefängnis, 900 und 1500 Alk. Geldstrafe und zu fünfjährigem Ehrverlust verurteilt. Der Staatsanwalt hatte gegen alle Angeklaaten 1 bis 2 7, Jahre Gefängnis beantragt. Das Publikum nahm bas Urteil, namentlich die Freisprechungen, unwillig auf.
Eingesandt.
(Für Form unb Inhalt aiiei unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Nach der denkwürdigen Reichstagssitzung vom vergangene» Samstag zum Sonntag hatte unser Reichstagsabgeordneter Herr PH. Köhler-Langsdorf, der es endlich für notwendig erachtet hatte, auch einmal seinen Platz im Reichstage einzunehmen, aus welchem man ihn in der zur Neige gehenden fünfjährigen ReichetagSsellion höchst selten erblickt hatte, seinem gepreßten Herren Lust gemacht durch ein längeres .Cinaesandt" an den „Gieß, Anz." Herr üohier ist tief betrübt, daß die Anträge des Bundes der Landwirte bezw. des Herrn von Wangenheim keine Gnade fanden vor der ti-om- promißmehrheit des Reichstages; er hat gegen den Zolltarifentwurf geftimmt, denn er steht auf dem Standpunkt „Rur keine Halbheiten". — Er ist nur zu haben für ein Zollgeiey, welches alle agrarischen Forderungen erfüllt, mögen Industrie, Handwerk und Handel darüber auch zu Grunde gehen. Zu seinem „Eingesandt" tm „G.-A." bemerkt nun die „Freis. Ztg.«Ter antisemitische Abg. Köhler veröffentlicht im „Gieß. Anz." eine lange Erklärung, roarum er gegen die Zolltarifvorlage gestimmt habe. Nach der Erklärung konnten seine Wähler annetjmen, als have Abg. Köhler vergeblich wie ein Löwe gegen die Vorlage gekämpft. Thatfächlich ist Abg. Köhler überhaupt bis zum /EtztenLage tn der ganzen Session, welche bekanntlich im November 1900 begonnen hat, im Reichstag garnicht sichtbar gewesen. Vor Lonnaveno den 13. Dezember hat Köhler an keiner einzigen namenilicl)cn uv- fhmmung teilgenommen". — Die Wähler des penm Kohler werde sich die fleißige Vertretung ihrer Jntereffen durch ihn nun oocy geioiß bald gebührend merken.*) '£‘
•) Anm. b. Red.: Wir geben auch diese Zuschrift unter derselben Reserve wieder, wie die des ReichStagsaog. Kobler.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Alle Kinder aus dem K i nd e r g o tt esd ienst ohannesgemeinde werden aufgeforbert, sich am_naä)iu Hoiuag, nachmittags 3 Uhr, in der Johannesktrche einzustnden.
ä’ 1 y Pfarrer Dr. Naumann.
Kandel und Uerlielir. Uollrswirtschast.
Gießen, 20.Dez. Marktbe^stchtt AusdemheuttgenWochenmarkt kosteten: Butterpr.Pfd. 1,00-1,20 <Dlf., Hühnereier 1 St. ^-10 2 Stck. 00-00 Pfg., Gänseeier 00-00 Pfg., ®nten«e H W- «ü'c vr.Slck. 5-8 Pf., Käsematte 2Stck. 5-6 Pfg., Erbsen pr Liter 21 Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80-^0,90 Nlk-, pichner 2,00—1,20 Mk., Hahnen pr. Stück 0,70—1,25 Mk., Euren Pt- 6,00-2,60 Mk., Gänse pr. Pfd. 56-66 Pfg., Lchsenstestch pr. Plmw 16—76 Pfa., Kuh- und Rindfleifcb pr. Pfund 60-64 Pfg., fleisch pr. Pfund 70-80 Pfg., Schweinefleisch, ge alzen, pr. g 84 Pfa., Kalbfleisch pr. Psd. 68-72 Big, tzammttfletsch pr. Vfun» 50—7ÖsJjfg., Kartoffeln pr. 100Kar. E Mllck per
Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 2,o0—4,o0 Ack., Mttch r Liter 18 Pfg. Äemel per Pfd. 0-00 Pfg-, m Korben 00-00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. = _ ...
Die Marktzeit dauert von morgens 8 Ubr b S nachnuttag 2 Uhr. Gegenstände des Wocheumartverkehrs dürfe" »or*beginn der Marktzeit überhaupt nicht und ivahrend der ersten dr . n der Marktzeit nur auf den Dafürbeltunmten unb Verlamsvlanen, also auch nicht nn Umherziehen, iestgeboten weroen.


