Ausgabe 
20.12.1902 Erstes Blatt
 
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Samstag 20. Dezember 1908

Erstes Blatt.

152. Jahrgang

getretenen Eisgang ist ein im Verbindungsweg Wehrda- Cölbe befindlicher großer Wasserdurchlaß eingestürzt, sodaß der Weg polizeilich gesperrt werden wußte. Eine sehr ge« wandt anftretendeStudentin", die sich Erna Naue nannte, logierte sich vor 14 Tagen rm HotelKaiserhof- ein. Sie nahm englischen Unterricht bei einem Herrn, um dann unter Berufung auf letzteren bei den verschiedensten Geschäftsinhabern

geplanten großen Wasserwerk hat man öie sehr wasserreichen Wiesen an der Bingmühle bei Lauter vor­gesehen. Andererseits spricht man auch von der Niedmühle bei Inheiden. Acht Gemeinden haben sich bereits für das Projekt ausgesprochen, vier sind noch unschlüssig. Langs­dorf, welches etwa 70 gute Ortsbrunnen besitzt, hält eine Wasserleitung für überflüssig. .

0 Nieder-Ofleiden, 18. Tez. Hier ttnrb beabsich­tigt, das Dors mit Wasser aus der v. Schenck scheu Hochdruckwasserlettung, die im vergangenen Jahre für die Wirtschaftliche Frauenschule" angelegt worden ist, zu speisen. Die Leitung besitzt ausgezeichnetes Wasser.

».Marburg, 19. Dez. Bei dem gestern abend ein.

Nr. 299

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechlel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche be,gelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Unloers.-Buch- u.Dlein- druckerei (Pietsch örben) Redaktion, Expedition und Druaerei:

Schulstrotze T.

Adresse tür Depeschen: «uzetger «letze».

Fkrnspr,chansckiliiß Nr. 61.

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Postkarten und Drucksachen. Die Sitte, Glückwünsche zu Festtagen durch die Post anSzutauschen, herrschte früher in der Hauptsache nur zu Neujahr. Nach, dem sich neuerdings dieser Gebrauch aber auch auf Weih, nachten und andere Feste auSdehnt, hat die Oberpostdirektion Berlin jetzt die für ihren Bezirk geltenden Bestimmungen und Entscheidungen über die Zulässigkeit von Postkarten uud Drucksachen für ihre Verkehrsanstalten zusammengestellt. Sie lauten: Die von der Privatindustrie hergestellten Fornmlare zu Postkarten dürfen in Größe, Papierstärke und Form nicht wesentlich von den durch die Post ausgegebenen Formularen abweichen. Als wesentliche Abweichungen gelten für die im Obei-postdirektionSbczirk Berlin aufgegebenen Postkarten hin- sichtlich der Größe Abweichungen um mehr als 5 Millimeter in einer Richtung, hinsichtlich der PapierstLrke eine lieber» chrcitung deS doppelten Gewichts (= 6 Gramm) der amt. lichen Formulare. Hinsichtlich der Form werden zur Be- örderung gegen die Postkartentaxe u. A. nicht zugelafsen: Vostkarten mit erheblich abgerundeten Ecken, Postkarten auS Büttenpapier, deren Ränder stark von der geraden Linie ab- weichen, Postkarten mit ausgestanzten Oeffnungen, mit Buch- staben, die mittelst Durchlochung hergestellt und darauf mit Fäden ausgestickt sind, mit Schutzdecken, ferner Postkarten auS Metall oder Holz, sowie in Kästchenform und mit Quietschvorrichtung. Bilderschmuck und Aufklebungen auf der Rückseite der Formulare sind nur insoweit zuläsiig, als dadurch die Eigenschaft des Versendungsgegenstandes als offene Postkarte nicht beeinträchtigt wird und die aufgeklebten Zettel der ganzen Fläche nach befestigt sind. Postkarten, die den vorstehenden Bestimmungen nicht entsprechen, werden zwar offen befördert, unterliegen aber dem Briefporto. GLnz- lich ungeeignet zur offenen Versendung sind Postkarten mit aufgeklebtem Mineralstaub, Glimmer, Glassplitterchen, GlaS. kügelchen, Sand, Metallteilchen, sowie Postkarten mit Aus­schnitten, mit angehängten Siegeln auS Staniol, in Form von Biergläsern, Flundern re. Diese Gegenstände müßen stets unter Briefumschlag versendet werden. ES ist zuläsiig, auf Weihnachtskarteu, die gegen das Drucksachenporto beför* dert werden sollen, eine Widmung hinzuzufügen. Unter Widmungen sind nur solche Vermerke zu verstehen, auS wel- chen hervorgeht, daß sie lediglich eine Zuneigung ausdrücken sollen, z. B. Herrn N. zur freundlichen Erinnerung. Hand- schriftliche Zusätze, wieMit herzlichem Gruß N.", oder ES grüßt bestens N." oder mit verbindlichem Dank N." und dergl. sind für sich allein oder neben der eigentlichen Wid­mung unzulässig. Zuläsiig ist, aus gedruckten Visitenkarten aber nicht auf anderen Drucksachen, etwa, auf AnsichtS- karten mit höchstens fünf Worten oder mit den üblichen Anfangsbuchstaben, wiep. f/,u. G. z. w." rc. gute Wünsche, Glückwünsche, Danksagungen oder andere Höflich- keitsformen hinzuzufügen, Doch müssen diese Worte in all­gemein verständlichen Schriftzeichen niedergeschrieben fein. Dir stenographischen Zeichen find beispielsweise hierher nicht zu rechnen.

§ Butzbach, 19.Dez. Der diesmalige Weihnachts­markt war durch die naffe Witterung ungünsttg beeinfüißt; infolge des schlechten Besuches von auswärts haben zwei der wenigen Verkaufsbudenbesitzer um die Mittagsstunden schon ihvr Stände wieder abgeschlagen. Der Schweinemarkt war ebenfalls schwach befahren und flau. Hier hat sich gestern eine nahezu 100 Mitglieder zählende Ortsgruppe des deutschen FlottenvereinS gebildet. Der Preis für Lhristbäume ist auch in unserer Gegend geftiegen; Bäumchen mittlerer Größe kosten durchschnittlich 40 biß 50 Pfg. und höhere bis 1 Mk.

Eichener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 20. Dezember 1902.

Gedenktage. Am 20. Dezember 1795 wurde zu Wiehe a. d. Unstrut der berühmte Geschichtsschreiber Leo­pold v. Ranke geboren. Seine Werke bieten nach der Seite des öffentlichen Lebens hin eine genau anschließende Ergänzung der Goethe'schen Weltanschauung dar. Seine Fruchtbarkeit war ohne gleichen; er ist wie ein Baumeister, der mächtige Quadersteine historischer Wahrheit auftürmt für die Ewigkeit, und dabei so objekttv wie nur möglich. Noch als Greis machte er sich an daS Riesenwerk einer Weltgeschichte. Ranke starb zu Berlin am 23. Mai 1886.

Am 21. Dezember 1639 wurde zu La Fertä-Milon in der Champagne der französische Tragödiendichter Jean Baptiste Racine geboren. Als Poet machte er sich 1660 bei Hofe durch eine Öde auf die Vermählung Ludwigs XIV. bekannt. Seine erste Tragödie errang kaum einen Erfolg. Erst mit dem dritten StückAndromaq" 1669 führte Racine die französische Liebesttagödie und sich selbst als den Refor­mator der dramatischen Sprache Frankreichs ein. Lud. wig XIV. zeichnete den Dichter vielfach aus und erwählte ihn zu seinem Vorleser.

** Auszeichnungen. Dem Vorsteher des hiesigen Postamtes 2, Oberpostsekretär Bernhard, ist von Se. Maj. dem Kaiser der Charakter als Rechnungsrat ver­liehen worden.

* Das Fest der silbernen Hochzeit feierten hier vorgestern die Georg Schäfer scheu Eheleute. S>?r Gesangverein der Maschinenbauer brachte dem Jubelpaar ei* 'dchen.

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vezua»pr«t»r monatlicbjb Ps., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnuinmer bis vormittägS 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ au-wärtS 20 Pfg.

Verantwortlich für den polit. u. allgem. Teil i.V.: Fr. Hanne mann; fürStadt u. fianb* und Gerichtssaal': Hurt Plato; für den An- zeigenteil: HanS Beck.

Deutsch-amerikanische Berhehuug.

In offenbar inspirierter Weise sch>reivt dieNordd. Allg. Ztg.": Ein Berliner Blatt brachjte eine Depesche aus New- '2)orf, welche besagte: ,^ter herrscht große Aufregung. Tie gesamte Presse macht Tentschland für die augenblickliche Lage verantwortlich; überall erscheinen gehässige Artikel mit Angriffen gegen Deutschland, während England gelobt wird. Daß System in dieser Hetze liegt, ist unverkennbar. Alle Blätter behaupten, Deutschland beabfichttge, Kolonien zu erwerben in Venezuela und Brasilien." Aehnlichen Tele­grammen, sagt dieNordd. Allg. Ztg.", begegneten wir auch in englischen Zeitungen. Wenn diese Angaben die Stimm­ung in den Vereinigten Staaten au-tty nur annähernd richtig darstellten, müßten wir es aufrichtig bedauern, daß Die amerikanische Presse sich den völlig unbegründeten Ver­dächtigungen der deutschen Politik in so hohem Maße zu­gänglich erweist. Tie Regierung der Vereinigten Staaten ist seit längerer Zeit genau unterrichtet, daß das Deutsche Oieich in Venezuela nichts anderes betreibt, als die Befrie­digung beredjiigter Forderungen auf Schadenersatz. Die deutsch^englische Kooperation beruht auf der Gleichwertig­keit verletzter Interessen, welche zu einem vollen Ein­vernehmen zwischen den Negierungen in London und Berlin über die zweckmäßigste Art der Beitreibung der beiderseitigen Reklamationen führte, sodaß nur eine will­kürliche Beurteilung die Unterschiede in dem Vorgehen beider Mächte zu erkennen vermöchte. Auch der weitere Verlauf werde bestätigen, daß die Absichten unserer Regierung keine über den unmittelbaren Zweck hinausgehenden Ansprüche einschließen, von allen abenteuerlichen Hintergedanken frei waren und sind.

Darmstädter Aries.

K B. Darmstadt, 19. Dez.

In einer scheinbar ganz nebensächlichen Bemerkung bat der Präsident der Zweiten Kammer am Schluß der jüngsten Sitzung die Aeußerung fallen lassen, er hoffe, daß die Budgetberatung oieSmal fdjon früher werde be-

Politische Tagesschau.

Eure politische Weihaachtsreise.

Tie bevor sich ende Reife des russischen Ministers Grafen Lamsdors wird in der politischen Welt als ein hochbedeut­sames Ereignis bctrack)tet und dürfte allen denen eine Wcih- nachtöfreude bereiten, die an der Lösung politischer Rätsel ein Vergnügen finden. Graf Lamsdors beabsichtigt nach Wiener offizwscn Meldungen am heutigen Damstag Li- oadia zu verlassen um feine Relle n^ ^«rad und

Sofia anzutreten. Von Sofia begiebt sich der Minister nach Wien, wo er am 28. Dezember zu mehrtägigem Aufenthalt eintreffen dürfte. Die Petersburger ,Mrsche- wija Wjedvmosti" bezeiclMen den Besuch in Wien als ein Ereignis von ungeheurer internationaler Bedeutung. Ter Besuch chehe in engem offenbaren Zusammenhang mit der letzten Mitteilung der russischlen Regierung über die mace - dänische Frage, über welche das Blatt sich eingehend äußert. Tas Blatt verwirft dabei entschieden den türkischen Reformentwurf, befürchtet, daß es schwer fallen werde, Bul­garien vor gewagten Schritten zurückzuhatten und errodrtet von dem österreichisch-russischen Abkommen günstige Ergebnisse. Tas Abkommen müsse prakttsche Maß, nahmen enthalten. Diese Maßnahmen, die im gegenwär­tigen kritiscyien Augenblick notwendig und zur Wahrung des Friedens unaufschiebbar seien, könnten am besten durch persönlichen Gedankenaustausch settens der Leiter der aus- wattigen Polttik Rußlands und Oesterreich-lln^arns fest- gestellt werden. Tas Blatt vermutet ferner, daß auch die Hand elsverträge Gegenstand der Wiener Beratungen bilden werden, da der Besuch zeitlich mtt der Annahme der Zolltarifvorlage im deutschen Reichstag zusammenfalle. Zum Schluß bemerkt das Blatt, noch nie hätte der Besuch eines russischen Ministers in Wien den politischen Gedanken oviel Arbeit gegeben, und die internationale politische Lage o hell beleuchtet, und noch nie sei er in solchem Maße eine Quelle von Friedenshofsnungcn gewesen.

Tie Fahrt des Ministers nach Wien erregt natürlich auch die größte Aufmerk,amkeit der französischen Regierung.

'bespricht dasJournal des Tebats" die Wiener Reise des Grafen Lamsdorft in vorsichtiger offiziöser Weise und erklärt, daß dieselbe mit Recht als ein bedeutungsvolles Er­eignis angesehen werde. Tie Note des russischen JRegie- rungsboten" sowie der Besuch des Grafen Lamsdorss in Wien lassen hoffen, daß das austro-russische Einvernehmen sich im Falle von Verwickelungen auf dem Balkan als wirksam erweisen werde und daß die beiden Mächte eittträchllg vor­gehen werden, um die Folgen derarttger Verwickelungen zu beschwören.

(:) Hungen, 18. Dez. Ein feit einem Jahr wieder bitt ansässiger Geschäftsmann wurde gestern nachmittag bei seiner Rückkehr von einer Reise auf dem Bahnhofe verhaftet und dem Gericht vorgeführt. Neben seinen vielen Unternehmungen vermittelte er auch Tarlehnsgeschüfte. Ein olchesGeschäft", bei dem der Geldsuchende zweimal Ge­bühren in Höhe von je 37 Mark bezahlen mußte und sich, um dies zu können, an fremdem Gelde vergriffen, bildet die Grundlage des Untersuchungsverfahrens. Es wird näm­lich angenommen, daß es derGeschäftsmann" nur darauf abgesehen hat, von feinem leichtgläubigen Opfer die Ge­bühren zu erhalten.

)( Hungen, 19. Tez. Als Quellen zu dem hier ßen Wasserwerk hat man die sehr iefeii an der Bingmühle bei Lauter vor-

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alnnen können, als dies sonst zu geschehen pflegt. Es war i das mehr eine Art Avis auf die vielfach in der Presse i laut gewordenen Stimmen, daß bei der Ueberfüfie von Auf- r gaben, die in der jetzigen Tagung ihrer Erledigung harrten, i die Kammer wieder bis tief in den Sommer hinein ver- i sammelt bleiben müßte, da sich ja die Etatsberatungen j voraussichtlich schon bis in die Zett der Kirschblüte hinein i erstrecken dürften. Nun, es wäre erfreulich, wenn sich die l Befürchtuna nicht erfüllte, aber viel Hoffnung haben wir i nicht. Die bisherigen Verhandlungen der Kammer zeichneten | sich ja allerdings durch eine lobenswerte Aktivität und i Flüssigkeit aus, aber wenn wtt erst einmal in die eigent- liche Sitzun^zett hinein kommen, dann werden auch alle : die Spezialwürllche der einzelnen Abgeordneten wieder wach, l bann wird auch ein Steckenpferd nach dem anderen wieder i aus dem Stall in die parlamentarische Arena hineingesührt. . Selbst wenn das auch nicht der Fall wäre, oder selbst wenn die Kammer etwa nach Art derftünfminutenbrenner" im Reichstag der allzugroßen Redelust mancher Parlamen­tarier einen kleinen Dämpfer auf setzte, so würde doch damit in der allgemeinen Situation noch wenig verändert werden.

Das Haupthindernis einer rascheren Erledigung der Geschäfte bildet nämlich der Etat selbst. Es i/ft der Kunst des Herrn Fmanzminifters noch einmal glücklich gelungen, unter Heranziehung aller Reserven und unter Beiseite- fchiebung aller nicht absolut erforderlichen Ausgaben ein rechnerisches Gleichgewicht in Einnahme und Ausgabe her­zustellen, aber man betrachtet es in parlamentarischen Kreisen schon jetzt als ausgeschlossen, daß sich dasselbe im Lause der Etatsberatung auch aufrecht erhalten lassen wird. Muß einerseits schon die Einstellung verschiedener Einnahmeposten im Etat vom Finanzausschuß als reich­lich hochgegriffen bezeichnet werden, wie z. B. der gegen das Vorjahr um 300 000 Mark höhere Ansatz des Kapttels Tirette Steuern", während man doch annehmen sollte, daß bei dem auf unserem ganzen Erwerbsleben lastenden Druck die Steuer kraft eher geschwächt erscheinen könnte so wird andererfetts der Ausgabeetat zweifellos noch ganz erheblich in die Höhe schnellen, wenn auch nur ein kleinerer Teil der meist mit pekuniären Opfern verknüpften Anträge der einzelnen Parteien der Ausführung näher gebracht werden oll. Sodann weist auch der Herr Finanzminister in feiner ckirlftlichen Lttisprache an die Zwecke Kammer ausdrücklich raraus hin, es stehe zu befürchten, daß sich das Verhältnis zwischen dem Reich und den Bundesstaaten hinsichtlich der Matrikularbeiträge noch ungünstiger gestalten werde; nach den Ergebnissen der bis jetzt verstrichenen Monate des Etatsjahres 1902/03 sei zu erwarten, daß die Gesamtüber­weisungen an die Bundesstaaten hinter dem Etatsansatz um mindestens 10 Millionen zurückbleiben dursten, was für Hessen eine Verschlechterung in seinen finanziellen Be­ziehungen zum Reich um 200 000 Mark bedeuten würde.

Tas sind doch Dinge, die den nationalen Polttiker mit Besorgnis erfüllen müssen. Ter neue Etat nimmt ohne weiteres an, daß die im vorigen Jahre beschlossene Steuer- erhöhung auch für das neue Etatsjahr beibehalten werden wird. Aber auch wenn das geschieht und leider auch not­gedrungen geschehen muß, so bleibt noch immer ein effek­tives Defizit über zwei Millionen Mark übrig. Tie Gesamteinnahmen des Etats sind auf 56 202 72«,48 Mark berechnet, während sich die Gesamtausgaben auf 58 296 68b Mark 90 Pfg. belaufen. Nur den weniger ungünstigen Ab- ichlüssen der Vorjahre ist es zu verdanken, daß aus den früheren Ueberjchujsen noch ein Rest von 2 400 000 Mk. vor­handen ist, der nun aber im neuen Etatsjahr bis aus den letzten Heller ausgezehrt werden dürfte. Unb wie sollen sich die Dinge dann im nächsten Etatsjahr gestalten, wenn kein so fetter Notpfennig mehr im Staatssäckel vorhanden ist ( ß» müßte doch eine ganz enorme, fast unglaubliche Neue­rung aller Verhältnisse platzgreifen, wenn die alsdann zur Bestreitung der Ausgaben für die Staatsverwaltung er­forderlichen Mittel nicyt durch außerordentliche NLaßnahmen aufgebracht werden sollen!

Sie vorstehenden kurzen Angaben bewerten zur Genüge, wie schwierig die Aufgabe ist, die der Landtag bei der bevorstehenden Etatsberatung zu erledigen haben wird. Es wird nicht nur der strengsten Prüfung aller lausenoen Aus­gaben bedürfen, sondern auch der lorgsaltigsten Abwägung der im ßrtraorbinarium geforderten, zum-reck lehr erheb­lichen Summen für Neubauten rc. in Bezug auf ihre absolute Tringlicklkeit. Vor allem aber wird man auch den einzelnen Darteiiuvrern dringend ans Herz legen muffen, ihre gar versck denartigen Sonderwünsche auf das denkbar geringste Maß -in besairänken. 9iur dann tonn das doch Hossentluh von alten Parteien in aufrichtigster Weise zu unterstützende Bestreben unserer Regierung von Ersoig gekrönt sein, das NeL Äenst einer abermaligen schraube für diesmal noch glücklich zu vcisaseuchen.